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Amitriptylin absetzen

Wann und wie die Behandlung mit Amitriptylin endet, entscheidet laut Packungsbeilage Ihre Ärztin oder Ihr Arzt; laut Fachinformation sollte das Mittel über mehrere Wochen schrittweise abgesetzt werden. Ein plötzliches Absetzen nach längerer Behandlung kann laut Fachinformation Absetzsymptome wie Kopfschmerzen, Unwohlsein, Schlafstörungen und Reizbarkeit hervorrufen, und die Nationale VersorgungsLeitlinie zählt Amitriptylin zu den Antidepressiva mit hohem Risiko für Absetzsyndrome. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Bei Gedanken, sich das Leben zu nehmen, gehen Sie sofort zu Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder in ein Krankenhaus.

Frau Anfang sechzig mit kurzem silbergrauem Haar im senfgelben Strickpullover gießt am Morgen Kräuter auf einem sonnigen Balkon
Bild: KI-generiert

Amitriptylin beenden Sie nur in Absprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Laut Packungsbeilage entscheidet sie oder er, wann und wie die Behandlung endet, um Beschwerden zu vermeiden, die bei einem zu plötzlichen Abbruch auftreten können, zum Beispiel Kopfschmerzen, Unwohlsein, Schlaflosigkeit und Reizbarkeit [1]. Die Fachinformation sieht vor, Amitriptylin bei Beendigung der Behandlung über mehrere Wochen schrittweise abzusetzen [2].

Amitriptylin ist ein verschreibungspflichtiges trizyklisches Antidepressivum. Erwachsene nehmen es gegen Depressionen und Nervenschmerzen sowie zur Vorbeugung von chronischen Spannungskopfschmerzen und Migräne ein, Kinder ab 6 Jahren unter bestimmten Bedingungen gegen nächtliches Einnässen [1, 2].

Was Packungsbeilage und Fachinformation zum Absetzen sagen

Laut Packungsbeilage ändern Sie die Dosis nicht und beenden die Einnahme nicht, ohne vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt zu sprechen [1]. In der Fachinformation für Ärztinnen und Ärzte steht unter "Beendigung der Behandlung", dass das Arzneimittel über mehrere Wochen schrittweise abgesetzt werden sollte. Eine genaue Dauer, einzelne Schritte oder Abstände nennen weder Fachinformation noch Packungsbeilage [1, 2]. Unter den Warnhinweisen beschreibt die Fachinformation, dass ein plötzliches Absetzen nach längerer Behandlung Absetzsymptome wie Kopfschmerzen, Unwohlsein, Schlafstörungen und Reizbarkeit hervorrufen kann [2].

Wie lange die Behandlung dauert

Depression: Die Behandlungsdauer richtet sich laut Packungsbeilage nach dem Einzelfall, in der Regel sind es mindestens 6 Monate; über die Dauer entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt. Wenn Sie die Behandlung zu früh beenden, können die Beschwerden wiederkehren [1]. Laut Nationaler VersorgungsLeitlinie (NVL) Unipolare Depression soll die Einnahme eines Antidepressivums 6 bis 12 Monate über das Abklingen der depressiven Episode (Remission) hinaus empfohlen werden. Ist danach keine längere Behandlung zur Vorbeugung neuer Episoden (Rezidivprophylaxe) angezeigt, soll das Antidepressivum ausgeschlichen werden. Ein vorzeitiges Ende ist laut Leitlinie mit einem hohen Risiko für frühe Rückfälle verbunden [11].

Nervenschmerzen, Spannungskopfschmerzen und Migräne: Sprechen Sie laut Packungsbeilage mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über die Dauer der Behandlung und nehmen Sie Amitriptylin so lange ein, wie sie oder er es Ihnen rät [1]. Bei Nervenschmerzen kann laut Fachinformation bei vielen Behandelten eine Behandlung über mehrere Jahre erforderlich sein. Für alle drei Anwendungsgebiete empfiehlt die Fachinformation eine regelmäßige Neubeurteilung, ob die Weiterführung der Behandlung noch angemessen ist [2].

Nächtliches Einnässen bei Kindern: Nach 3 Monaten überprüft die Ärztin oder der Arzt, ob die Behandlung fortgesetzt werden soll [1]. Laut Fachinformation sollte die Behandlung 3 Monate nicht überschreiten, und bei Beendigung sollte Amitriptylin auch hier schrittweise abgesetzt werden [2].

Wenn die Behandlung wegen einer Nebenwirkung oder vor einer Operation endet

Bei einigen Warnzeichen und Situationen sprechen Packungsbeilage und Fachinformation das Beenden oder Unterbrechen der Behandlung ausdrücklich an:

  • Schwere Hautreaktion: Bei großflächigem Hautausschlag, hoher Körpertemperatur und vergrößerten Lymphknoten (DRESS, Arzneimittelüberempfindlichkeitssyndrom) beenden Sie laut Packungsbeilage die Einnahme und wenden sich sofort an eine Ärztin oder einen Arzt [1]. Laut Fachinformation darf die Behandlung danach zu keinem Zeitpunkt wieder aufgenommen werden; die meisten dieser Reaktionen traten innerhalb von 2 bis 6 Wochen auf [2]. Die Aufnahme dieses Warnhinweises in die Produktinformationen empfahl der Pharmakovigilanz-Ausschuss (PRAC) der Europäischen Arzneimittel-Agentur; die Koordinierungsgruppe CMDh stimmte im September 2024 zu [15]. Mehr dazu: Schwere Hautreaktionen. Holen Sie in jedem Fall sofort ärztliche Hilfe.
  • Manische Phase: Bei manchen Menschen mit bipolarer Störung kann eine manische Phase mit rasch wechselnden Ideen, übertriebener Heiterkeit und übermäßiger körperlicher Aktivität einsetzen. Informieren Sie dann laut Packungsbeilage umgehend Ihre Ärztin oder Ihren Arzt [1]. Die Fachinformation sieht vor, Amitriptylin in diesem Fall abzusetzen [2].
  • Geplante Operation: Laut Packungsbeilage muss die Behandlung vor einer Narkose eventuell ausgesetzt werden [1]. Laut Fachinformation kann die Gabe von Narkosemitteln während einer laufenden Behandlung mit einem erhöhten Risiko für Herzrhythmusstörungen und zu niedrigen Blutdruck einhergehen; bei einer geplanten Operation sieht sie vor, das Mittel möglichst mehrere Tage vorher abzusetzen [2]. Ob und wann das bei Ihnen geschieht, entscheiden die behandelnden Ärztinnen und Ärzte. Mehr dazu: Medikamente vor der OP.

Welche Beschwerden beim Absetzen auftreten können

Wird die Behandlung zu plötzlich abgebrochen, können laut Packungsbeilage zum Beispiel diese Beschwerden auftreten [1]:

Wie häufig Absetzsymptome sind und wie lange sie anhalten, geben Packungsbeilage und Fachinformation nicht an [1, 2].

Wie die Leitlinie das Risiko einordnet

Die NVL Unipolare Depression teilt Antidepressiva nach ihrem Risiko für Absetzsyndrome in drei Gruppen ein. Amitriptylin steht dort zusammen mit Paroxetin, Imipramin und Venlafaxin in der Gruppe mit hohem Risiko; für Amitriptylin stützt sich die Einordnung auf hochwertige und gute Evidenz aus Absetzstudien. Bei trizyklischen Antidepressiva ist laut Leitlinie insgesamt ein erhöhtes Risiko für Absetzsyndrome zu erwarten. In Anbetracht der unbefriedigenden Evidenz ordnet die Leitliniengruppe bewusst nur in drei Risikogruppen ein, um keine zu große Aussagesicherheit zu suggerieren [11].

Absetzsyndrom bei Antidepressiva

Für Antidepressiva allgemein beschreibt die NVL ein Absetzsyndrom mit unspezifischen, überwiegend milden Beschwerden. Dazu zählen grippeähnliche Beschwerden und Kopfschmerz, Schlafstörungen und Albträume, Übelkeit und Erbrechen, Schwindel, Gleichgewichtsstörungen und Benommenheit, stromschlagähnliche Missempfindungen sowie Angst, Agitation und Reizbarkeit (mehr dazu: Unruhe und Angst). Typisch sind laut Leitlinie ein enger zeitlicher Zusammenhang mit dem Absetzen, ein vorübergehender Verlauf mit Rückbildung von selbst je nach Halbwertszeit innerhalb von 2 bis 6 Wochen und eine rasche Besserung, wenn das Mittel wieder eingenommen wird [11]. Diese Angaben gelten für Antidepressiva als Gruppe, nicht speziell für Amitriptylin.

Rebound und Rückfall

Neben dem Absetzsyndrom beschreibt die NVL sogenannte Rebound-Phänomene, für die die Evidenz noch unzureichend ist: Die depressiven Beschwerden kehren stärker zurück als zuvor oder mit zusätzlichen Beschwerden wie Ängsten oder Panikattacken, Rückfälle kommen rascher, oder das Risiko für erneute depressive Beschwerden ist erhöht. Rebound-Phänomene und teilweise auch Absetzsyndrome lassen sich nur schwer von einem Rückfall der Grunderkrankung unterscheiden [11]. Laut Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) erhöht ein eigenständiges Absetzen, sobald es einem besser geht, das Risiko, dass die Depression erneut auftritt [13]. Mehr zum Krankheitsbild: Depression.

Ob Nervenschmerzen, Spannungskopfschmerzen oder Migräne nach dem Ende der Behandlung zurückkehren, beschreiben Packungsbeilage und Fachinformation nicht [1, 2]. Mehr zu den Erkrankungen: Nervenschmerzen, Kopfschmerzen und Migräne.

Absetzsymptome und Abhängigkeit

Für Antidepressiva allgemein besteht laut NVL formal keine Abhängigkeit im Sinne der Definition, weil nur zwei Kriterien einer Abhängigkeitserkrankung erfüllt sind, nämlich eine Toleranzentwicklung und Entzugssymptome [11]. Auch laut IQWiG machen Antidepressiva anders als viele Schlaf- und Beruhigungsmittel nicht körperlich abhängig oder süchtig [13]. Mehr dazu: Abhängigkeit und Absetzerscheinungen.

Wie Ärztinnen und Ärzte beim Absetzen vorgehen

Mann Mitte vierzig mit kurzem dunkelblondem Haar im blau karierten Hemd spricht in einem hellen Sprechzimmer mit einer Ärztin mit schulterlangem braunem Haar
Bild: KI-generiert

Für Amitriptylin selbst nennt die Fachinformation nur, dass es über mehrere Wochen schrittweise abgesetzt werden sollte [2]. Ausführlicher ist die NVL, deren Empfehlungen für Antidepressiva in der Behandlung der Depression allgemein gelten; wie das Absetzen bei Ihnen abläuft, legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest. Ist geplant, ein Antidepressivum am Ende der Erhaltungstherapie oder einer Rezidivprophylaxe abzusetzen, soll das laut NVL schrittweise geschehen, um eine Rebound-Depression und Absetzsymptome zu vermeiden. Am Ende einer solchen Behandlung sollte das Antidepressivum über mindestens 8 bis 12 Wochen ausgeschlichen werden, wenn keine anderen Gründe dagegen sprechen [11].

Ein sehr langsames Vorgehen hält die Leitliniengruppe nicht in jedem Fall für nötig, weil ein zügiges Ausschleichen bei vielen Patientinnen und Patienten problemlos möglich ist; sie empfiehlt stattdessen, engmaschig auf mögliche Absetzsymptome zu achten und nur dann langsamer auszuschleichen, wenn diese auftreten. Das Vorgehen hängt laut NVL von der Situation ab [11]:

  • Behandlung ohne Erfolg: Ein eher kurzer Zeitraum zum Ausschleichen erscheint aus pragmatischen Gründen sinnvoll, weil in der Regel eine neue Behandlung beginnt. Ein abruptes Absetzen erscheint der Leitlinie wegen möglicher Absetzsyndrome aber als zu riskant.
  • Ende einer Erhaltungstherapie oder Rezidivprophylaxe: Hier kann deutlich mehr Zeit eingeplant werden. Nach dem Absetzen eines über längere Zeit erfolgreich eingenommenen Antidepressivums kann laut Leitlinie von einem relevanten Risiko für ein rasches und schweres Wiederauftreten der Depression ausgegangen werden; ein langsames Ausschleichen kann dieses Risiko vermutlich verringern.
  • Gefährliche oder stark belastende Nebenwirkungen: Ist ärztlich geplant, ein Antidepressivum deshalb abzusetzen, soll das laut NVL rasch oder abrupt geschehen. Tritt die Unverträglichkeit schon zu Beginn der Behandlung auf, ist erfahrungsgemäß kaum mit Absetzsymptomen oder einem Rebound zu rechnen.

Wenn beim Ausschleichen Absetzsymptome auftreten: Dann soll Ihre Ärztin oder Ihr Arzt laut NVL wieder auf die vorherige Dosierung erhöhen und anschließend langsamer und wenn möglich mit kleineren Schritten ausschleichen. Erweist sich das schrittweise Absetzen wegen Absetzsymptomen als schwierig oder nicht möglich, kann erwogen werden, zunächst auf ein Antidepressivum derselben Gruppe in Tropfenform umzustellen und dieses besonders langsam auszuschleichen; mit Stand 2021 nennt die Leitlinie Amitriptylin unter den Antidepressiva in Tropfenform. So ausgeprägte Absetzprobleme treten laut Leitlinie in der Praxis sehr selten auf [11]. Treten bei Ihnen Absetzsymptome auf, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Kontrollen: Während des schrittweisen Absetzens sollen Behandelte laut NVL engmaschig auf Absetzsymptome und auf eine Verschlechterung oder ein Neuauftreten der Depression untersucht werden. Ein Kontakt sollte etwa 1 Woche nach jeder Verringerung der Dosis erfolgen, mindestens aber alle 2 Wochen. Nach der letzten Einnahme soll der regelmäßige Kontakt mindestens 6 Monate lang weitergehen, zum Beispiel alle 4 Wochen; Absetzsymptome können laut Leitlinie auch erst nach dem vollständigen Ende der Einnahme auftreten [11].

Wechsel auf ein anderes Antidepressivum: Beim Wechsel sollte laut NVL wegen möglicher Wechselwirkungen das neue Mittel schrittweise aufdosiert und das alte ausschleichend abgesetzt werden [11]. Nach dem Ende einer Behandlung mit Amitriptylin müssen laut Packungsbeilage 14 Tage vergehen, bevor eine Behandlung mit einem Monoaminoxidasehemmer (MAO-Hemmer) beginnt [1, 2].

Schwangerschaft

Werden Sie unter Amitriptylin schwanger, besprechen Sie das weitere Vorgehen mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Laut Packungsbeilage wird Amitriptylin in der Schwangerschaft nicht empfohlen, es sei denn, die Ärztin oder der Arzt hält es nach sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiko für eindeutig erforderlich [1]. Laut Embryotox, dem Beratungszentrum der Charité Universitätsmedizin Berlin, kann Amitriptylin bei entsprechender Indikation in der Schwangerschaft und bei Kinderwunsch angewendet werden; die Schwangerschaft sollte sorgfältig gynäkologisch überwacht und engmaschig psychiatrisch begleitet werden [3].

Haben Sie Amitriptylin im letzten Abschnitt der Schwangerschaft eingenommen, können laut Packungsbeilage beim Neugeborenen Entzugserscheinungen auftreten, zum Beispiel Reizbarkeit, erhöhte Muskelspannung, Zittern, unregelmäßige Atmung und ungenügendes Trinken [1]. Laut Embryotox ist das Risiko für Anpassungsstörungen beim Neugeborenen erhöht, wenn Antidepressiva bis zur Entbindung eingenommen werden; die Entbindung sollte daher in einer Klinik mit Neugeborenenmedizin (Neonatologie) erfolgen. Embryotox bietet eine kostenlose individuelle Beratung an [3]. Mehr dazu: Medikamente in der Schwangerschaft.

Wenn Sie eine Einnahme vergessen haben

Haben Sie eine Einnahme vergessen, nehmen Sie laut Packungsbeilage zum nächsten regulären Einnahmezeitpunkt eine normale Dosis ein. Nehmen Sie nicht die doppelte Menge ein, um die vergessene Einnahme nachzuholen [1].

Was Sie tun können

Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Wenn Sie die Behandlung beenden möchten, besprechen Sie laut Patientenblatt der NVL mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt das beste Vorgehen für Sie [12]. Die Dosis sollte man laut IQWiG keinesfalls selbstständig erhöhen oder verringern [13]. Diese Fragen können Sie in das Gespräch mitnehmen:

  • Ist jetzt ein guter Zeitpunkt, Amitriptylin zu beenden, oder spricht etwas dafür, es noch länger einzunehmen?
  • Über welchen Zeitraum verringern wir die Dosis, und wann sehen wir uns zur Kontrolle?
  • Welche Absetzerscheinungen sind möglich, und was tue ich, wenn sie auftreten?
  • Woran erkenne ich, ob meine Depression oder meine Schmerzen zurückkehren?
  • Was muss ich bei meinen anderen Medikamenten beachten, auch bei einem Wechsel oder vor einer Operation?
  • Ich plane eine Schwangerschaft oder bin schwanger: Was bedeutet das für die Behandlung?

Notieren Sie während des Absetzens im Nebenwirkungs-Tagebuch, wann sich die Dosis ändert und welche Beschwerden wann auftreten. Nebenwirkungen können Sie laut Packungsbeilage auch direkt dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) melden [1]; wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden. Mehr dazu: Medikamente absetzen und Amitriptylin und Gewichtszunahme.

Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen

Gedanken, sich etwas anzutun: Laut Fachinformation wurde über suizidale Gedanken oder suizidales Verhalten während der Behandlung mit Amitriptylin und kurz nach ihrem Ende berichtet [2]. Haben Sie zu irgendeinem Zeitpunkt Gedanken, sich selbst zu verletzen oder sich das Leben zu nehmen, gehen Sie laut Packungsbeilage zu Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt oder suchen Sie unverzüglich ein Krankenhaus auf [1]. Hilfe bekommen Betroffene und Angehörige laut IQWiG auch beim Sozialpsychiatrischen Dienst, in Krisenzentren oder bei der Telefonseelsorge, notfalls anonym und rund um die Uhr; ist jemand akut gefährdet, sollte die 112 angerufen werden [14]. Weitere Nummern finden Sie unter Notfall und Giftnotruf.

Die Depression wird schlimmer: Behandelte und die Menschen, die sie betreuen, sollen laut Fachinformation darauf hingewiesen werden, auf jede Verschlechterung, auf suizidales Verhalten oder Suizidgedanken und auf ungewöhnliche Veränderungen im Verhalten zu achten; treten solche Anzeichen auf, sollten sie unverzüglich ärztlichen Rat einholen [2].

Sind Sie nicht lebensbedrohlich erkrankt, können aber nicht bis zur nächsten Sprechzeit warten, hilft laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117 [16].

Quellen

  1. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Amitriptylin-CT 25 mg Tabletten. AbZ-Pharma GmbH. Stand 11/2024. abgerufen am 10.10.2026
  2. Fachinformation Fachinformation Amitriptylin-CT Tabletten (25 mg und 75 mg). AbZ-Pharma GmbH. Stand 11/2024. abgerufen am 10.10.2026
  3. Embryotox Embryotox: Amitriptylin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 10.10.2026
  4. Herstellerinformation: Änderung der Bezeichnungen für Amitriptylin-neuraxpharm, alle Stärken (veröffentlicht von der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft). neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 08/2023. abgerufen am 10.10.2026
  5. Leitlinie Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression, Langfassung, Version 3.2 (AWMF-Register-Nr. nvl-005), Kapitel 4.4.8 mit Empfehlungen 4-15 bis 4-17 und 4-19 bis 4-22, Rationale und Tabellen 31 und 32, Kapitel 6.1 mit Empfehlungen 6-1 und 6-2, Empfehlung 7-13. Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF. Stand Version 3.2, Juli 2023 (gültig bis 29.09.2027). abgerufen am 16.10.2026
  6. Leitlinie Patientenblatt "Antidepressiva: Was ist beim Absetzen zu beachten?" zur NVL Unipolare Depression. Programm für Nationale VersorgungsLeitlinien (Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF), Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin. Stand 2022. abgerufen am 16.10.2026
  7. Wie wirksam sind Antidepressiva? (Abschnitte "Wie verläuft die Behandlung?" und "Wie werden Antidepressiva wieder abgesetzt?"). Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 13.12.2023. abgerufen am 16.10.2026
  8. Depression (Abschnitt "Leben und Alltag"). Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 13.12.2023. abgerufen am 16.10.2026
  9. Behörde Amitriptylin, Amitriptylin/Amitriptylinoxid, Amitriptylinoxid: Wissenschaftliche Schlussfolgerungen und Gründe für die Änderung der Bedingungen der Genehmigungen für das Inverkehrbringen, Verfahren PSUSA/00010374/202401 (DRESS). Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA), Koordinierungsgruppe CMDh auf Grundlage des PRAC-Beurteilungsberichts. Stand CMDh-Sitzung September 2024. abgerufen am 16.10.2026
  10. Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst. Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 16.10.2026

Häufige Fragen

Kann ich Amitriptylin einfach absetzen?

Nein. Laut Packungsbeilage ändern Sie die Dosis nicht und beenden die Einnahme nicht, ohne vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt zu sprechen. Sie oder er entscheidet, wann und wie die Behandlung beendet wird, um Beschwerden zu vermeiden, die bei einem zu plötzlichen Abbruch auftreten können. Laut Fachinformation sollte Amitriptylin über mehrere Wochen schrittweise abgesetzt werden.

Welche Absetzerscheinungen können bei Amitriptylin auftreten?

Als Beispiele nennt die Packungsbeilage Kopfschmerzen, Unwohlsein, Schlaflosigkeit und Reizbarkeit, wenn die Behandlung zu plötzlich abgebrochen wird. Die Fachinformation nennt Kopfschmerzen, Unwohlsein, Schlafstörungen und Reizbarkeit als mögliche Absetzsymptome nach einem plötzlichen Absetzen nach längerer Behandlung. Für Antidepressiva allgemein nennt die Nationale VersorgungsLeitlinie außerdem grippeähnliche Beschwerden, Albträume, Übelkeit und Erbrechen, Schwindel, Gleichgewichtsstörungen und Benommenheit, stromschlagähnliche Missempfindungen sowie Angst und Agitation.

Wie lange dauern Absetzerscheinungen nach Amitriptylin?

Eine Dauer nennen Packungsbeilage und Fachinformation nicht. Für Antidepressiva allgemein beschreibt die Nationale VersorgungsLeitlinie Absetzbeschwerden als vorübergehend; sie bilden sich je nach Halbwertszeit innerhalb von 2 bis 6 Wochen von selbst zurück. Laut Patientenblatt der Leitlinie treten sie oft innerhalb von 2 bis 4 Tagen nach dem Absetzen auf. Halten Beschwerden an oder werden sie stärker, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Gibt es einen Plan zum Ausschleichen von Amitriptylin?

Packungsbeilage und Fachinformation enthalten keinen Plan mit einzelnen Schritten; die Fachinformation sieht nur vor, Amitriptylin über mehrere Wochen schrittweise abzusetzen. Für Antidepressiva allgemein empfiehlt die Nationale VersorgungsLeitlinie den Behandelnden: Am Ende einer Erhaltungstherapie oder Rezidivprophylaxe sollte das Antidepressivum über mindestens 8 bis 12 Wochen ausgeschlichen werden, wenn keine anderen Gründe dagegen sprechen. Den Plan und die Schritte legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.

Kann Amitriptylin mit Tropfen ausgeschlichen werden?

Das entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt. Erweist sich das schrittweise Absetzen eines Antidepressivums wegen Absetzsymptomen als schwierig oder nicht möglich, kann laut Nationaler VersorgungsLeitlinie erwogen werden, zunächst auf ein Antidepressivum derselben Gruppe in Tropfenform umzustellen und dieses besonders langsam auszuschleichen. Welche Antidepressiva als Tropfen vorliegen, ändert sich laut Leitlinie häufig; mit Stand 2021 nennt sie unter anderen Amitriptylin. So ausgeprägte Absetzprobleme treten laut Leitlinie in der Praxis sehr selten auf.

Gilt das auch, wenn ich Amitriptylin gegen Schmerzen oder Migräne nehme?

Die Angabe der Fachinformation, Amitriptylin bei Beendigung der Behandlung über mehrere Wochen schrittweise abzusetzen, steht dort ohne Einschränkung auf ein Anwendungsgebiet. Bei Nervenschmerzen, chronischen Spannungskopfschmerzen und Migräne empfiehlt die Fachinformation eine regelmäßige Neubeurteilung, ob die Weiterführung der Behandlung noch angemessen ist. Laut Packungsbeilage sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über die Dauer der Behandlung. Die Empfehlungen der Nationalen VersorgungsLeitlinie gelten für die Behandlung der Depression.

Nimmt man nach dem Absetzen von Amitriptylin wieder ab?

Dazu machen Packungsbeilage und Fachinformation keine Angabe. Gewichtszunahme gehört laut Packungsbeilage zu den sehr häufigen Nebenwirkungen von Amitriptylin, sie kann also mehr als 1 von 10 Behandelten betreffen. Was die Quellen dazu sagen, lesen Sie unter Amitriptylin und Gewichtszunahme.

Soll ich Amitriptylin absetzen, wenn ich schwanger werde?

Ändern Sie nichts, ohne mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt zu sprechen. Laut Packungsbeilage wird Amitriptylin in der Schwangerschaft nicht empfohlen, es sei denn, die Ärztin oder der Arzt hält es nach sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiko für eindeutig erforderlich. Laut Embryotox kann Amitriptylin bei entsprechender Indikation in der Schwangerschaft und bei Kinderwunsch angewendet werden; die Schwangerschaft sollte sorgfältig gynäkologisch überwacht und engmaschig psychiatrisch begleitet werden. Embryotox bietet eine kostenlose individuelle Beratung an.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

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