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Depression

Eine Depression ist eine psychische Erkrankung, bei der gedrückte Stimmung, Interessenverlust und Antriebsmangel über mindestens zwei Wochen anhalten. Nach der Nationalen VersorgungsLeitlinie richtet sich die Behandlung nach dem Schweregrad: Bei einer mittelgradigen Depression soll gleichwertig eine Psychotherapie oder eine Behandlung mit Antidepressiva angeboten werden, bei einer schweren Depression soll eine Kombination aus beidem empfohlen werden. Zu den Antidepressiva gehören unter anderem SSRI, SNRI, trizyklische Antidepressiva und Mirtazapin. Erste Anlaufstelle ist für die meisten die Hausarztpraxis; bei Gedanken, sich das Leben zu nehmen, holen Sie sofort Hilfe, bei akuter Gefahr über den Notruf 112.

Mann Ende vierzig mit aschblondem Haar sitzt im Morgenlicht am Küchentisch, hält eine Tasse Tee und blickt ruhig aus dem Fenster
Bild: KI-generiert

Jeder Mensch ist ab und an niedergeschlagen. Bei einer Depression halten die traurigen Gefühle und negativen Gedanken aber an [2]. Je nach Schweregrad kommen laut der Nationalen VersorgungsLeitlinie (NVL) Unipolare Depression, Version 3.2 von Juli 2023, Maßnahmen von niedriger Intensität, Psychotherapie, Medikamente (Antidepressiva) oder eine Kombination infrage [1]. Wer daran denkt, sich das Leben zu nehmen, braucht sofort Hilfe; die Nummern stehen im Abschnitt Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen.

Was ist eine Depression?

Depressionen sind laut NVL psychische Störungen, bei denen über einen längeren Zeitraum eine deutlich gedrückte Stimmung, Interesselosigkeit und Antriebsminderung bestehen; häufig kommen körperliche Beschwerden hinzu [1]. Die NVL gilt für unipolare Depressionen; bipolare Störungen gehören nicht dazu [1]. Bei ihnen kommt es laut IQWiG neben depressiven auch zu euphorischen Phasen [2]; mehr dazu unter Bipolare Störung.

Schätzungsweise 16 bis 20 von 100 Menschen erkranken laut IQWiG irgendwann im Leben mindestens einmal an einer Depression oder einer chronisch depressiven Verstimmung, viele schon vor dem 30. Lebensjahr; Frauen sind häufiger betroffen als Männer [2]. Typischerweise verläuft eine Depression laut NVL in zeitlich begrenzten Episoden, die häufig auch ohne Behandlung abklingen [1]. Sie kann aber wiederkehren; halten die Beschwerden länger als zwei Jahre an, spricht man von einer chronischen Depression [1, 2].

Schweregrade: Nach der ICD-10, wie sie die NVL darstellt, müssen die Beschwerden mindestens zwei Wochen bestehen. Bei einer leichten Episode liegen insgesamt 4 bis 5 Haupt- und Zusatzsymptome vor, bei einer mittelgradigen 6 bis 7, bei einer schweren 8 oder mehr, darunter alle drei Hauptsymptome [1].

Symptome

Die drei Hauptsymptome sind laut NVL [1]:

  • Gedrückte, depressive Stimmung: Niedergeschlagenheit, Verzweiflung, Gefühllosigkeit gegenüber schönen wie traurigen Ereignissen, rasche Reizbarkeit, häufig zusammen mit Angstgefühlen; typisch ist zum Beispiel ein ausgeprägtes Morgentief [1].
  • Interessenverlust und Freudlosigkeit: kein Interesse und keine Freude mehr an Beruf, Haushalt, Hobbys und Freizeit [1].
  • Antriebsmangel und erhöhte Ermüdbarkeit: Schon einfache Alltagstätigkeiten wie Haushalt oder Körperpflege erschöpfen schnell; Betroffene ziehen sich zurück [1].

Als Zusatzsymptome nennt die NVL verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit, ein vermindertes Selbstwertgefühl, Schuldgefühle und Selbstvorwürfe, innere Unruhe oder eine Verlangsamung von Sprechen und Bewegungen, Hoffnungslosigkeit, Schlafstörungen, Appetitstörungen sowie Gedanken an den Tod oder an Suizid [1]. Besonders bei älteren Menschen kann sich eine Depression laut IQWiG auch durch körperliche Beschwerden äußern, etwa durch Gewichtsverlust oder unerklärliche Schmerzen [2]. Verwandte Beschwerden: Schlafstörungen und Angststörung.

Ursachen und Risikofaktoren

Wie Depressionen entstehen, ist laut IQWiG nicht genau bekannt. Man geht davon aus, dass biologische Vorgänge, psychische und soziale Faktoren, die persönliche Situation und besondere Ereignisse im Leben zusammenwirken [2]. Als Risikofaktoren nennt die NVL unter anderem [1]:

  • depressive Erkrankungen in der Familie, besonders bei Verwandten ersten Grades
  • körperliche Faktoren wie Stoffwechselstörungen, Adipositas und chronische Erkrankungen
  • hormonelle Umstellungen in der Pubertät, in Schwangerschaft und Wochenbett und in der Perimenopause
  • andere psychische Erkrankungen, vor allem Angst-, Substanzgebrauchs- und Persönlichkeitsstörungen
  • belastende Erfahrungen in der Kindheit, Einsamkeit sowie aktuelle Belastungen wie eine Trennung, ein Todesfall oder die Diagnose einer schweren Krankheit
  • chronischer Stress und Überforderung, Armut sowie Lebensstilfaktoren wie Ernährung, Rauchen und Bewegungsmangel

Körperliche Erkrankungen: Eine Depression kann laut NVL auch die Folge einer körperlichen Erkrankung sein, etwa von Hirnerkrankungen wie Epilepsie, einem Schlaganfall oder einer Schilddrüsenunter- oder -überfunktion [1]. Laut IQWiG können auch ein Herzinfarkt oder eine Krebserkrankung zur Entstehung beitragen [2]. Mehr: Schilddrüsenunterfunktion.

Medikamente als Ursache: Medikamente, die wegen einer anderen Erkrankung eingenommen werden, können eine depressive Symptomatik laut NVL mitverursachen, aufrechterhalten oder verstärken; als Beispiele nennt sie Mittel gegen Tuberkulose, Blutdrucksenker, höher dosierte Kortikosteroide und Interferon alpha [1]. Mehr: Depressive Verstimmung durch Medikamente.

Diagnose

Für die meisten Menschen ist laut IQWiG die Hausarztpraxis die erste Anlaufstelle; man kann sich aber auch direkt an eine psychotherapeutische oder psychiatrische Praxis oder Klinik wenden [2]. Fachleute fragen nach Beschwerden, die auf eine Depression hinweisen, und versuchen, andere Erkrankungen mit ähnlichen Beschwerden auszuschließen, wenn nötig auch durch eine körperliche Untersuchung [2].

Für eine schnelle erste Einschätzung nennt die NVL einen Zwei-Fragen-Test: "Fühlten Sie sich im letzten Monat häufig niedergeschlagen, traurig bedrückt oder hoffnungslos?" und "Hatten Sie im letzten Monat deutlich weniger Lust und Freude an Dingen, die Sie sonst gerne tun?" [1]. Bei auffälligen Ergebnissen sollen Haupt- und Zusatzsymptome, Dauer und Verlauf vollständig erfasst werden; außerdem soll nach weiteren Erkrankungen gefragt und die Einnahme von Medikamenten geprüft werden, die mit depressiven Symptomen einhergehen können [1].

Behandlung ohne Medikamente

Zwei Frauen in den Dreißigern gehen an einem sonnigen Herbsttag nebeneinander einen Parkweg entlang und unterhalten sich
Bild: KI-generiert

Entscheidungen sollen laut NVL Betroffene und Behandelnde gemeinsam treffen [1]. Für die akute Episode empfiehlt die NVL je nach Schweregrad [1]:

  • Leichte Episode: Es sollen Maßnahmen mit niedriger Intensität angeboten werden, etwa angeleitete Selbsthilfe, Gespräche mit psychotherapeutischen Techniken oder, eingebettet in ein therapeutisches Gesamtkonzept, Internet- und mobilbasierte Programme. Eine Psychotherapie soll unter anderem angeboten werden, wenn die Beschwerden trotzdem anhalten oder ein Risiko für eine Chronifizierung oder eine schwerere Depression besteht [1].
  • Mittelgradige Episode: Es soll gleichwertig eine Psychotherapie oder eine medikamentöse Therapie angeboten werden [1].
  • Schwere Episode: Es soll eine Kombination aus medikamentöser Therapie und Psychotherapie empfohlen werden. Lehnen Betroffene die Kombination ab, sollen Psychotherapie oder medikamentöse Therapie gleichwertig allein angeboten werden [1].

Psychotherapie: Ambulant bezahlen die gesetzlichen Krankenkassen laut NVL vier Verfahren: Verhaltenstherapie, tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, analytische Psychotherapie und Systemische Therapie [1]. Auch eine Psychotherapie kann Nebenwirkungen haben; darüber sollen Betroffene laut NVL zu Beginn informiert werden [1].

Ergänzende Angebote: Unabhängig vom Schweregrad nennt die NVL unter anderem [1]:

  • Bewegung und Sport: Menschen mit Depression, bei denen nichts gegen körperliche Belastung spricht, sollen zu sportlichen Aktivitäten motiviert werden, idealerweise in einer Gruppe [1].
  • Lichttherapie: Bei Depressionen mit jahreszeitlichem Muster soll ein Therapieversuch angeboten werden, bei Depressionen ohne dieses Muster kann er angeboten werden [1].
  • Selbsthilfe: Betroffene und Angehörige sollen über Selbsthilfe- und Angehörigenangebote informiert werden [1].
  • Ernährung: Ohne einen Mangel an Mikronährstoffen sollen Nahrungsergänzungsmittel nicht empfohlen werden [1].

Behandlung mit Medikamenten

Medikamente gegen Depressionen heißen Antidepressiva. Nahezu alle erhöhen laut NVL auf unterschiedlichem Weg die Konzentration der Botenstoffe Serotonin, Noradrenalin und eventuell Dopamin zwischen den Nervenzellen [1]. Die NVL empfiehlt, eine medikamentöse Behandlung grundsätzlich in ein Gesamtkonzept mit gesprächsbasierten und unterstützenden Angeboten einzubetten [1].

Wann Antidepressiva infrage kommen: Bei einer leichten Episode sollten Antidepressiva laut NVL nicht zur Erstbehandlung vor einer Maßnahme mit niedriger Intensität eingesetzt werden. Unter besonders kritischer Abwägung von Nutzen und Risiken sollten sie zum Beispiel angeboten werden, wenn die Beschwerden trotz solcher Maßnahmen anhalten [1]. Das Antidepressivum soll laut NVL nach dem Sicherheits- und Wechselwirkungsprofil, der Präferenz der Betroffenen, der Erfahrung der Behandelnden und weiteren Kriterien wie Begleiterkrankungen ausgewählt werden [1].

Wirkung braucht Zeit: Ab Erreichen der Standarddosis soll laut NVL wegen der verzögerten Wirkung mindestens 3 bis 4 Wochen abgewartet werden; dann soll gemeinsam beurteilt werden, ob es eine positive Entwicklung bei den vereinbarten Therapiezielen gibt [1]. Ist das der Fall, soll empfohlen werden, das Antidepressivum 6 bis 12 Monate über das Abklingen der Episode hinaus weiter einzunehmen [1]. Die Dosis legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest; die Angaben der Packungsbeilage stehen auf den Wirkstoffseiten, zum Beispiel bei Sertralin.

Die NVL teilt die Antidepressiva nach ihrem Wirkmechanismus oder ihrer chemischen Struktur in Gruppen ein [1]. Die Nebenwirkungen stammen aus der Packungsbeilage eines Beispielwirkstoffs und gelten nur für diesen ("sehr häufig": bei mehr als 1 von 10 Behandelten, "häufig": bei bis zu 1 von 10); maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.

Antidepressiva nach der NVL Unipolare Depression: Gruppen, Beispiele und Nebenwirkungen laut Packungsbeilage
WirkstoffgruppeBeispieleWie sie wirkenHäufige Nebenwirkungen
Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI)Sertralin, Citalopram, Escitalopram, Fluoxetin, ParoxetinHemmen gezielt die Wiederaufnahme des Botenstoffs Serotonin aus dem Spalt zwischen den Nervenzellen [1]Sertralin, sehr häufig: Schlaflosigkeit, Schwindelgefühl, Schläfrigkeit, Kopfschmerzen, Durchfall, Übelkeit, Mundtrockenheit, fehlender Samenerguss, Müdigkeit; häufig unter anderem vermindertes sexuelles Interesse [3]. Citalopram, sehr häufig: Schläfrigkeit, Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen, Übelkeit, Mundtrockenheit, vermehrtes Schwitzen, Schwäche, Störungen der Scharfeinstellung des Auges [5]
Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI)Venlafaxin, DuloxetinHemmen gezielt die Wiederaufnahme von Serotonin und Noradrenalin [1]Venlafaxin, sehr häufig: Schwindelgefühl, Kopfschmerz, Schläfrigkeit, Schlaflosigkeit, Übelkeit, Mundtrockenheit, Verstopfung, Schwitzen einschließlich Nachtschweiß; häufig unter anderem Blutdruckanstieg [6]. Duloxetin, sehr häufig: Kopfschmerzen, Schläfrigkeit, Übelkeit, Mundtrockenheit; häufig unter anderem erhöhter Blutdruck [7]
Tri- und tetrazyklische Antidepressiva (TZA)Amitriptylin, Doxepin, TrimipraminHemmen in unterschiedlichem Ausmaß die Wiederaufnahme von Serotonin und Noradrenalin; sie blockieren zusätzlich weitere Andockstellen (Rezeptoren), etwa für Acetylcholin und Histamin, was zusätzliche Wirkungen und Nebenwirkungen hervorruft [1]Amitriptylin, sehr häufig unter anderem: Schläfrigkeit und Benommenheit, Zittern, Schwindel, Kopfschmerzen, Herzklopfen und unregelmäßiger oder schneller Herzschlag, Schwindelgefühl beim Aufstehen wegen niedrigen Blutdrucks, Mundtrockenheit, Verstopfung, Übelkeit, starkes Schwitzen, Gewichtszunahme [8]
Alpha2-Rezeptor-AntagonistenMirtazapinBlockieren Alpha2-Rezeptoren, die sonst die Freisetzung von Serotonin und Noradrenalin bremsen; die deutliche antihistaminerge Wirkung erklärt laut NVL ihre dämpfenden und gewichtssteigernden Eigenschaften [1]Mirtazapin, sehr häufig: verstärkter Appetit und Gewichtszunahme, Schläfrigkeit oder Müdigkeit, Kopfschmerzen, trockener Mund [9]
Weitere AntidepressivaBupropion, Agomelatin, TrazodonBupropion hemmt die Wiederaufnahme von Dopamin und Noradrenalin; Agomelatin blockiert den Serotonin-Rezeptor 5-HT2C und regt Melatonin-Rezeptoren an; Trazodon blockiert Serotonin-2-Rezeptoren [1]Bupropion, sehr häufig: Schlafstörungen, Kopfschmerzen, trockener Mund, Übelkeit, Erbrechen [10]. Agomelatin, sehr häufig: Kopfschmerzen; häufig unter anderem Schwindel, Schläfrigkeit, Schlaflosigkeit, Übelkeit und erhöhte Leberenzymwerte im Blut [11]
Pflanzliches AntidepressivumJohanniskrautWelche Inhaltsstoffe über welchen Mechanismus wirken, ist laut NVL nicht abschließend geklärt [1]Häufigkeit nicht bekannt: allergische Hautreaktionen, sonnenbrandähnliche Hautreaktionen durch Lichtüberempfindlichkeit, Müdigkeit, Unruhe, Magen-Darm-Beschwerden; Johanniskraut kann die Wirkung anderer Arzneimittel abschwächen oder verstärken [12]

Die NVL nennt außerdem die MAO-Hemmer Moclobemid und Tranylcypromin [1]. Wenn eine Rezidivprophylaxe (Vorbeugung neuer Episoden) angezeigt ist, sollte suizidgefährdeten Menschen laut NVL eine Behandlung mit Lithium angeboten werden, um Suizidversuche und Suizide zu verringern [1].

Johanniskraut

Wird bei einer leichten Episode eine medikamentöse Behandlung erwogen, kann laut NVL nach Aufklärung über Nebenwirkungen und Wechselwirkungen ein erster Versuch mit einem als Arzneimittel zugelassenen Johanniskraut-Präparat angeboten werden, bei mittelgradigen Episoden mit einem für diesen Bereich zugelassenen Präparat [1]. Verschreibungspflichtig ist Johanniskraut laut Arzneimittelverschreibungsverordnung zur Behandlung mittelschwerer Depressionen [13]. Laut Packungsbeilage darf Johanniskraut nicht zusammen mit Mitteln gegen Abstoßungsreaktionen nach einer Transplantation, bestimmten HIV-Mitteln, Zytostatika gegen Krebs und Gerinnungshemmern vom Cumarin-Typ eingenommen werden; bei hormonellen Verhütungsmitteln wie der Pille kann die Sicherheit herabgesetzt sein [12].

Wenn die erste Behandlung nicht hilft

Spricht eine Depression nach 4 Wochen nicht auf ein Antidepressivum allein an, sollen laut NVL zuerst die Ursachen geklärt werden, zum Beispiel eine falsche Diagnose, eine unregelmäßige Einnahme, eine nicht angemessene Dosis oder Begleiterkrankungen und Medikamente, die eine Depression fördern [1]. Als nächste Schritte nennt die NVL unter anderem [1]:

  • zusätzlich eine Psychotherapie ("soll")
  • eine Verstärkung (Augmentation) mit dem Antipsychotikum Quetiapin ("sollte"), laut Packungsbeilage ein Anwendungsgebiet der Retardtabletten [19]
  • die Kombination eines SSRI, SNRI oder trizyklischen Antidepressivums mit Mianserin, Mirtazapin oder Trazodon ("sollte")
  • einen einmaligen Wechsel auf ein Antidepressivum mit anderem Wirkmechanismus ("kann")

Mehr: Antipsychotika.

Beruhigungs- und Schlafmittel

Benzodiazepine haben laut NVL keine spezifisch antidepressive Wirkung; bei ihnen tritt rasch eine Gewöhnung ein [1]. Bei leichten Episoden sollen Benzodiazepine und Z-Substanzen nicht eingesetzt werden. Bei mittelgradigen Episoden sollten sie laut NVL nicht eingesetzt werden, außer im begründeten Einzelfall zusätzlich zu Antidepressiva oder Psychotherapie bei stark belastenden Schlafstörungen oder starker Unruhe, ohne Suchterkrankung in der Vorgeschichte, unter Beachtung der Risiken und für 2, höchstens 4 Wochen; bei schweren Episoden können sie unter diesen Bedingungen in begründeten Fällen angeboten werden [1]. Mehr: Schlafmittel und Benzodiazepine.

Schwangerschaft und Stillzeit

Wenn Sie schwanger sind oder stillen, vermuten, schwanger zu sein, oder eine Schwangerschaft planen, fragen Sie laut Packungsbeilage vor der Einnahme Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke um Rat [3]. Was das Beratungszentrum Embryotox der Charité zu einzelnen Antidepressiva schreibt, steht auf den Wirkstoffseiten, zum Beispiel bei Sertralin, Citalopram und Amitriptylin. Allgemeines erklären die Ratgeber Medikamente in der Schwangerschaft und Medikamente in der Stillzeit.

Nebenwirkungen der Medikamente

Wirkungen und typische Nebenwirkungen sollen laut NVL während der Behandlung aktiv erfragt werden [1]. Mehr: Übelkeit, Mundtrockenheit, Schlafstörungen und der Ratgeber Beipackzettel verstehen.

Suizidgedanken zu Beginn der Behandlung

Laut Packungsbeilage von Sertralin können Gedanken, sich selbst zu verletzen oder sich das Leben zu nehmen, bei der erstmaligen Anwendung von Antidepressiva verstärkt sein, weil diese Mittel einige Zeit brauchen, bis sie wirken, gewöhnlich etwa zwei Wochen, manchmal auch länger [3]. Denselben Hinweis enthalten die Packungsbeilagen von Citalopram, Venlafaxin, Duloxetin, Amitriptylin, Mirtazapin, Bupropion und Agomelatin [5, 6, 7, 8, 9, 10, 11]. Wahrscheinlicher sind solche Gedanken laut Packungsbeilage bei Menschen, die schon früher daran gedacht haben, sich das Leben zu nehmen oder sich selbst zu verletzen, und bei jungen Erwachsenen bis 25 Jahre [3].

Laut Fachinformation von Sertralin kann das Suizidrisiko zu Beginn einer Behandlung ansteigen; Behandelte sollten bis zur Besserung engmaschig überwacht werden, insbesondere zu Beginn und nach Dosisanpassungen [4]. Laut NVL kann das erhöhte Risiko zu Beginn aus der Aktivierung und aus Nebenwirkungen wie innerer Unruhe, Schlafstörungen oder Angst entstehen, insbesondere bei SSRI und SNRI; bei trizyklischen Antidepressiva und MAO-Hemmern besteht die Gefahr einer tödlichen Überdosierung [1].

Weitere wichtige Nebenwirkungen

  • Serotonin-Syndrom: Das Risiko für dieses potenziell lebensbedrohliche Syndrom ist laut Fachinformation von Sertralin bei SSRI erhöht, wenn zugleich andere Mittel eingenommen werden, die auf Serotonin wirken, etwa weitere Antidepressiva, Amphetamine oder Triptane, oder Mittel, die den Abbau von Serotonin beeinträchtigen, etwa MAO-Hemmer [4]. Die Warnzeichen stehen im Abschnitt Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen.
  • Sexuelle Funktionsstörungen: SSRI können laut Fachinformation von Sertralin Symptome einer sexuellen Funktionsstörung verursachen; berichtet wurden auch lang anhaltende Störungen, die trotz Absetzen bestehen blieben [4]. Mehr: Libido und Potenz.
  • Herzrhythmus: Citalopram und Escitalopram werden laut Rote-Hand-Briefen vom 31. Oktober 2011 und 5. Dezember 2011 mit einer dosisabhängigen Verlängerung des QT-Intervalls im EKG in Zusammenhang gebracht; bei bekannter QT-Verlängerung, angeborenem Long-QT-Syndrom und zusammen mit anderen Mitteln, die das QT-Intervall verlängern, dürfen sie nicht angewendet werden [14, 15]. Mehr: QT-Verlängerung.
  • Leber bei Agomelatin: Laut einem Informationsbrief vom 10. Oktober 2012 wurden unter Agomelatin schwerwiegende Fälle von Leberschäden berichtet, darunter Fälle von Leberversagen (Leberinsuffizienz) [16]. Die Leberwerte werden laut Packungsbeilage vor Beginn der Behandlung und danach in regelmäßigen Abständen kontrolliert [11]. Mehr: Erhöhte Leberwerte.
  • Blutdruck: Bei Bupropion nennt die Packungsbeilage eine Blutdruckerhöhung, manchmal schwerwiegend, als häufig [10]. Mehr: Blutdruckanstieg.
  • Müdigkeit und Verkehr: Psychopharmaka wie Sertralin können laut Packungsbeilage die Fähigkeit beeinträchtigen, ein Fahrzeug zu führen; fahren Sie erst, wenn Sie wissen, wie sich das Mittel bei Ihnen auswirkt [3]. Mehr: Müdigkeit und Medikamente und Autofahren.
  • Gewichtszunahme: Bei Sertralin ist sie laut Packungsbeilage häufig [3]. Mehr: Gewichtszunahme durch Medikamente sowie die Seiten zu Mirtazapin, Amitriptylin und Sertralin.

Absetzen

Beim Absetzen von Antidepressiva kann es laut NVL zu unerwünschten Wirkungen kommen, insbesondere wenn es zu schnell geschieht. Typisch sind überwiegend milde Beschwerden wie grippeähnliche Symptome, Kopfschmerz, Schlafstörungen und Albträume, Übelkeit, Schwindel, stromschlagähnliche Missempfindungen, Angst und Reizbarkeit; sie bilden sich je nach Halbwertszeit des Wirkstoffs innerhalb von 2 bis 6 Wochen von selbst zurück [1]. Über mögliche Absetzsymptome sollen Betroffene laut NVL schon vor Beginn der Behandlung aufgeklärt werden [1]. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Was die Packungsbeilagen zum Beenden der Behandlung sagen, steht auf den Absetz-Seiten zu Sertralin, Citalopram, Escitalopram, Fluoxetin, Venlafaxin, Duloxetin, Amitriptylin, Doxepin, Mirtazapin und Bupropion. Allgemeines: Absetz- und Entzugserscheinungen und der Ratgeber Medikamente absetzen.

Nebenwirkung melden: Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, wenden Sie sich laut Packungsbeilage an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke; Sie können sie auch direkt dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) melden [3]. Wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden.

Leben mit einer Depression

Trost und Unterstützung durch nahestehende Menschen sind laut IQWiG besonders wichtig; bei schweren Depressionen braucht auch das Umfeld Unterstützung, etwa durch Selbsthilfegruppen oder Online-Angebote [2]. Wenn die Betroffenen einverstanden sind, sollen Angehörige laut NVL in Aufklärung, Information und Behandlung eingebunden werden [1].

Es kann laut IQWiG zu Alkohol-, Medikamenten- oder Drogenmissbrauch kommen, was die Depression noch verstärken kann [2]. Während der Einnahme von Sertralin sollte laut Packungsbeilage auf Alkohol verzichtet werden [3]. Mehr: Medikamente und Alkohol und Alkoholabhängigkeit.

Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen

Gedanken, sich das Leben zu nehmen. Anzeichen dafür, dass sich jemand das Leben nehmen könnte, sind laut IQWiG ernst zu nehmen; ist jemand akut gefährdet, sollte die 112 angerufen werden [2]. Suizidversuche aller Art nennt die Kassenärztliche Bundesvereinigung als Fall für die Notrufnummer 112 [18]. Hilfe gibt es laut IQWiG auch beim Sozialpsychiatrischen Dienst und bei Krisenzentren; bei akuter Suizidgefahr stehen außerdem psychiatrisch-psychotherapeutische Praxen mit Notfalldienst und die Notfallambulanzen psychiatrisch-psychotherapeutischer Krankenhäuser zur Verfügung [2]. Die TelefonSeelsorge ist Tag und Nacht kostenfrei und anonym erreichbar unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123 [17]. Sind die Praxen geschlossen und kann die Behandlung nicht bis zum nächsten Tag warten, hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117, rund um die Uhr und kostenfrei [18].

Unter Antidepressiva. Entwickeln Sie zu irgendeinem Zeitpunkt Gedanken, sich selbst zu verletzen oder sich das Leben zu nehmen, gehen Sie laut Packungsbeilage von Sertralin zu Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt oder suchen unverzüglich ein Krankenhaus auf [3]. Laut Packungsbeilage kann es helfen, Freunden oder Verwandten von der Depression zu erzählen und sie zu bitten, Ihnen zu sagen, wenn sie eine Verschlimmerung oder Veränderungen Ihres Verhaltens bemerken [3].

Weitere Warnzeichen. Bei Erregtheit, Verwirrtheit, Durchfall, hoher Körpertemperatur, hohem Blutdruck, übermäßigem Schwitzen und schnellem Herzschlag (mögliches Serotonin-Syndrom) benachrichtigen Sie laut Packungsbeilage von Sertralin umgehend Ihre Ärztin oder Ihren Arzt [3]. Bemerken Sie unter Citalopram oder Escitalopram eine anormale Herzfrequenz oder einen anormalen Herzrhythmus, sollten Sie laut den Rote-Hand-Briefen sofort eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen [14, 15]. Bei ungewöhnlich dunklem Urin, hell gefärbtem Stuhl, gelber Haut oder gelben Augen, Schmerzen im rechten Oberbauch oder ungewöhnlicher Erschöpfung unter Agomelatin holen Sie laut Packungsbeilage unverzüglich ärztlichen Rat ein [11].

Quellen

  1. Leitlinie Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression, Langfassung, Version 3.2 (AWMF-Register-Nr. nvl-005). Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF. Stand Version 3.2, Juli 2023 (Version 3 publiziert 29.09.2022, gültig bis 29.09.2027). abgerufen am 17.10.2026
  2. Depression. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 13.12.2023. abgerufen am 17.10.2026
  3. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Sertralin-ratiopharm 50 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 06/2025. abgerufen am 17.10.2026
  4. Fachinformation Fachinformation Sertralin-ratiopharm Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 17.10.2026
  5. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Citalopram-ratiopharm 20 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 12/2024. abgerufen am 17.10.2026
  6. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Venlafaxin-ratiopharm 37,5 mg/75 mg/150 mg Hartkapseln, retardiert. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 17.10.2026
  7. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Duloxetin-ratiopharm 30 mg, 60 mg magensaftresistente Hartkapseln. ratiopharm GmbH. Stand 11/2025. abgerufen am 17.10.2026
  8. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Amitriptylin-CT 25 mg Tabletten. AbZ-Pharma GmbH. Stand 11/2024. abgerufen am 17.10.2026
  9. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Mirtazapin-ratiopharm 15 mg/30 mg/45 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2026. abgerufen am 17.10.2026
  10. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Bupropion-ratiopharm 150 mg Tabletten mit veränderter Wirkstofffreisetzung. ratiopharm GmbH. Stand 11/2025. abgerufen am 17.10.2026
  11. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Valdoxan (Agomelatin), Anhang I: Fachinformation und Anhang III B: Packungsbeilage. Les Laboratoires Servier (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 04/2025 (EMA, aktualisiert am 15.04.2025). abgerufen am 17.10.2026
  12. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Jarsin 300 mg überzogene Tabletten (Johanniskraut-Trockenextrakt). Cassella-med GmbH & Co. KG. Stand 01/2024. abgerufen am 17.10.2026
  13. Behörde Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV), Anlage 1, Eintrag Johanniskraut. Bundesministerium der Justiz (gesetze-im-internet.de). Stand zuletzt geändert am 19.05.2026. abgerufen am 17.10.2026
  14. Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief: Zusammenhang von Cipramil (Citalopramhydrobromid/Citalopramhydrochlorid) mit dosisabhängiger QT-Intervall-Verlängerung. Lundbeck GmbH in Zusammenarbeit mit dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand 31.10.2011. abgerufen am 17.10.2026
  15. Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief: Zusammenhang von Escitalopram (Cipralex) mit dosisabhängiger QT-Intervall-Verlängerung. Lundbeck GmbH in Zusammenarbeit mit dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand 05.12.2011. abgerufen am 17.10.2026
  16. Rote-Hand-Brief Informationsbrief zu Agomelatin (Valdoxan/Thymanax): Risiko von Hepatotoxizität. SERVIER Deutschland GmbH, mit EMA und BfArM abgestimmt (veröffentlicht vom BfArM am 25.10.2012). Stand 10.10.2012. abgerufen am 17.10.2026
  17. TelefonSeelsorge Deutschland (Startseite). TelefonSeelsorge Deutschland. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 17.10.2026
  18. Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Abschnitte "116117 oder 112?" und "Fälle für die Notrufnummer 112"). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 17.10.2026
  19. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Quetiapin-ratiopharm 50 mg/150 mg/200 mg/300 mg/400 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 01/2025. abgerufen am 17.10.2026

Häufige Fragen

Welche Medikamente helfen gegen Depressionen?

Gegen Depressionen werden Antidepressiva eingesetzt. Die Nationale VersorgungsLeitlinie (NVL) Unipolare Depression nennt unter anderem selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) wie Sertralin, Citalopram und Escitalopram, Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI) wie Venlafaxin und Duloxetin, trizyklische Antidepressiva wie Amitriptylin, außerdem Mirtazapin, Bupropion, Agomelatin, Trazodon und Johanniskraut. Welches Mittel infrage kommt, soll laut NVL unter anderem nach dem Sicherheits- und Wechselwirkungsprofil, der Präferenz der Betroffenen und der Erfahrung der Behandelnden ausgewählt werden.

Gibt es rezeptfreie Mittel gegen Depressionen?

Verschreibungspflichtig ist Johanniskraut laut Arzneimittelverschreibungsverordnung zur Behandlung mittelschwerer Depressionen; Präparate zur Anwendung bei leichten depressiven Störungen gibt es ohne Rezept. Wenn bei einer leichten Depression eine medikamentöse Behandlung erwogen wird, kann laut NVL nach Aufklärung über Nebenwirkungen und Wechselwirkungen ein erster Versuch mit einem als Arzneimittel zugelassenen Johanniskraut-Präparat angeboten werden. Frei verkäufliche Produkte sind laut NVL in Zusammensetzung und Wirkstoffgehalt sehr variabel. Johanniskraut kann laut Packungsbeilage die Wirkung anderer Arzneimittel abschwächen oder verstärken, die Sicherheit der Pille kann herabgesetzt sein; sprechen Sie vor der Einnahme mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke.

Wie lange dauert es, bis Antidepressiva wirken?

Antidepressiva wirken nicht sofort. Laut NVL soll ab Erreichen der Standarddosis wegen der verzögerten Wirkung mindestens 3 bis 4 Wochen abgewartet werden; dann soll gemeinsam beurteilt werden, ob es eine positive Entwicklung bei den vereinbarten Therapiezielen gibt. Die Packungsbeilagen von Sertralin und anderen Antidepressiva nennen gewöhnlich etwa zwei Wochen, manchmal auch länger, bis die Mittel wirken. Haben Sie den Eindruck, dass Ihr Mittel nicht hilft, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Wie lange dauert die Behandlung einer Depression?

Das ist unterschiedlich. Nach dem Abklingen einer Episode soll laut NVL empfohlen werden, das Antidepressivum noch 6 bis 12 Monate weiter einzunehmen. Menschen mit 2 bis 3 oder mehr Episoden und bedeutsamen Einschränkungen in den letzten 5 Jahren sollte laut NVL empfohlen werden, es mindestens 2 Jahre lang zur Vorbeugung einzunehmen. Die Packungsbeilagen nennen teils eigene Zeiträume, bei Sertralin üblicherweise noch 6 Monate nach der Besserung der Beschwerden. Wie lange Ihre Behandlung dauert, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Psychotherapie oder Antidepressiva: Was ist besser?

Das hängt laut NVL vom Schweregrad ab. Bei einer leichten Depression sollen Maßnahmen mit niedriger Intensität angeboten werden, etwa angeleitete Selbsthilfe; Antidepressiva sollten nicht zur Erstbehandlung vor einer solchen Maßnahme eingesetzt werden. Bei einer mittelgradigen Depression soll gleichwertig eine Psychotherapie oder eine medikamentöse Therapie angeboten werden, bei einer schweren Depression soll eine Kombination aus beidem empfohlen werden. Entscheidungen sollen laut NVL Betroffene und Behandelnde gemeinsam treffen.

Machen Antidepressiva abhängig?

Eine Abhängigkeit im Sinne der Definition liegt laut NVL formell nicht vor, weil nur zwei Kriterien einer Abhängigkeitserkrankung erfüllt sind: Toleranzentwicklung und Entzugssymptome. Beim Absetzen, besonders wenn es zu schnell geschieht, können aber Absetzbeschwerden auftreten, etwa grippeähnliche Symptome, Schlafstörungen, Übelkeit, Schwindel, stromschlagähnliche Missempfindungen oder Reizbarkeit. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.

Was hilft bei einer Winterdepression?

Manche Menschen reagieren laut IQWiG auf den Mangel an Tageslicht in den dunklen Herbst- und Wintermonaten mit einer Depression. Bei Depressionen mit jahreszeitlichem (saisonalem) Muster soll laut NVL ein Therapieversuch mit Lichttherapie angeboten werden; als Lichtquelle dienen vor allem Lichttherapielampen. Lassen Sie die Beschwerden ärztlich abklären; welche weitere Behandlung infrage kommt, richtet sich laut NVL nach dem Schweregrad.

Was tun bei Gedanken, sich das Leben zu nehmen?

Holen Sie sofort Hilfe. Bei akuter Gefahr rufen Sie den Notruf 112. Die TelefonSeelsorge ist Tag und Nacht kostenfrei und anonym erreichbar unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123. Sind die Praxen geschlossen und kann es nicht bis zum nächsten Tag warten, erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117. Nehmen Sie ein Antidepressivum ein, gehen Sie laut Packungsbeilage bei solchen Gedanken zu Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt oder suchen unverzüglich ein Krankenhaus auf. Weitere Nummern stehen unter Notfall und Giftnotruf.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

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