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Bipolare Störung

Bei einer bipolaren Störung pendelt die Stimmung zwischen manischen Phasen mit Hochgefühl und Tatendrang und depressiven Phasen mit Niedergeschlagenheit und innerer Leere; die meisten Betroffenen brauchen eine lebenslange Behandlung. Behandelt wird mit Medikamenten und Psychotherapie, meist kombiniert: Bei depressiven Beschwerden kommen laut gesund.bund.de Antidepressiva und Stimmungsstabilisierer infrage, bei psychotischen Beschwerden atypische Neuroleptika (Antipsychotika). Zur Vorbeugung neuer Phasen soll laut S3-Leitlinie (Stand 2019/2020, Gültigkeit abgelaufen) Lithium eingesetzt werden (Empfehlungsgrad A). Die Diagnose stellen Psychiaterinnen, Psychiater, Neurologinnen oder Neurologen; bei Gedanken, sich das Leben zu nehmen, holen Sie sofort Hilfe, bei akuter Gefahr über den Notruf 112.

Frau Ende dreißig mit kastanienbraunem Haar in einem petrolfarbenen Wollmantel steht im Morgenlicht auf einem Holzsteg an einem stillen See und blickt entspannt über das Wasser
Bild: KI-generiert

Bei einer bipolaren Störung pendelt die Stimmung zwischen zwei Polen: bestens gelaunt, selbstsicher und voller Energie (manisch) oder tieftraurig, antriebslos und leer (depressiv) [2]. Die meisten Betroffenen brauchen eine lebenslange Behandlung; mit Medikamenten und Psychotherapie lässt sich die Lebensqualität deutlich verbessern [2]. Empfehlungen mit Empfehlungsgrad stammen auf dieser Seite aus der S3-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie Bipolarer Störungen der Fachgesellschaften DGBS und DGPPN in der Fassung von 2019 (letzte Anpassung Mai 2020, Gültigkeit abgelaufen). Sie war laut DGPPN bis zum 1. März 2023 gültig; eine neuere Fassung führt die DGPPN nicht [1]. Wer daran denkt, sich das Leben zu nehmen, braucht sofort Hilfe; die Nummern stehen im Abschnitt Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen.

Was ist eine bipolare Störung?

Die bipolare Störung ist eine psychische Störung, die sehr unterschiedlich ausgeprägt sein kann [2]; sie wird auch manisch-depressive Erkrankung genannt [7]. Sie entwickelt sich meist schleichend und ist eine chronische Erkrankung; zwischen den Extremen sind Phasen ohne oder mit nur wenigen Beschwerden möglich [2]. Weltweit haben etwa 2 von 100 Menschen eine bipolare Störung, die meisten erleben die erste Episode, bevor sie 25 Jahre alt sind. Oft kommt es zu Rückfällen [2].

Formen: Wechseln sich manische und depressive Phasen ab oder kommt es zu Mischzuständen, spricht man von einer Bipolar-I-Störung. Wechseln sich hypomanische und depressive Phasen ab, ohne dass manische Episoden auftreten, heißt das Bipolar-II-Störung [2]. Treten innerhalb eines Jahres mindestens vier abgrenzbare Episoden auf, spricht man von Rapid Cycling (schneller Phasenwechsel), einer sehr episodenreichen und schweren Erkrankung [2]. Mehr zu Depressionen ohne manische Phasen: Depression.

Symptome

Typisch sind wechselnde Phasen von Manie, Hypomanie und Depression, manchmal auch Mischzustände [2]:

  • Manische Episode: Betroffene fühlen sich über das normale Maß hinaus selbstbewusst und leistungsfähig, manchmal auch gereizt. Es kann zu Selbstüberschätzung kommen; sie reagieren sprunghaft, schlafen oft nur wenige Stunden und sind tagsüber trotzdem angetrieben. Weil soziale Hemmungen wegfallen, verhalten sie sich zunehmend rücksichtslos; auch Verfolgungswahn, Halluzinationen oder Wahngedanken sind möglich [2].
  • Hypomanie: Sie äußert sich ähnlich wie eine Manie, ist aber deutlich schwächer ausgeprägt [2].
  • Depressive Episode: Betroffene fühlen sich müde, erschöpft, antriebslos, niedergeschlagen oder traurig und ziehen sich zurück; hinzu kommen ein verringertes Selbstwertgefühl und ständiges Grübeln. Gedanken an eine Selbsttötung (Suizid) können in den Vordergrund treten [2].
  • Gemischte Episode: Manische und depressive Beschwerden wechseln sich in kurzen Abständen ab oder treten gleichzeitig auf. In solch einer Phase ist das Suizidrisiko besonders hoch [2].

Oft kommt es zu Problemen im Arbeits- und Familienleben [2]. Häufig bestehen laut Leitlinie weitere psychische Störungen, unter anderem Angst- und Zwangsstörungen, Missbrauch und Abhängigkeit von Substanzen und ADHS (Statement) [1]. Mehr: Angststörung und ADHS.

Ursachen und Risikofaktoren

Die genauen Ursachen sind noch unklar. Wahrscheinlich trägt eine familiäre Veranlagung dazu bei; traumatische Ereignisse, emotionaler Stress oder andere Faktoren können die Störung dann auslösen [2]. Einen schweren Verlauf begünstigen schwerwiegende Lebensereignisse, der Konsum von Drogen und psychotische Symptome; schwere Verläufe sind bei Frauen und bei Menschen, die in jungen Jahren erkranken, häufiger [2].

Medikamente und Drogen als Auslöser: Bei einer ganzen Reihe verordneter Mittel kann es laut Leitlinie zu Hypomanien oder Manien kommen, zum Beispiel bei Hormonbehandlungen, Dopaminagonisten, Stimulanzien und Antidepressiva (Statement); genannt werden auch Glukokortikoide (kortisonähnliche Mittel), Schilddrüsenhormone und L-Dopa [1]. Auch Kokain, Ecstasy oder Amphetamine können manische oder manieähnliche Beschwerden hervorrufen [1]. Mehr: Glucocorticoide.

Diagnose

Neurologinnen, Neurologen, Psychiaterinnen oder Psychiater stellen die Diagnose nach umfangreichen Gesprächen und einer körperlichen Untersuchung. Wichtig sind ein genauer Bericht der Lebensgeschichte, frühere Stimmungsschwankungen und bipolare Störungen in der Familie [2]. Viele erhalten die Diagnose erst 5 bis 10 Jahre nach Beginn der Erkrankung, weil die ersten Episoden oft nicht eindeutig sind: Eine erste depressive Episode kann als Depression eingestuft werden, eine manische Phase mit psychotischen Symptomen als Schizophrenie, und eine hypomanische Phase kann unauffällig bleiben [2]. Mehr: Schizophrenie und Psychosen.

Fragebögen zum Screening auf manische Symptome reichen laut Leitlinie allein nicht für eine Diagnose (klinischer Konsenspunkt) [1]. Hausärztinnen, Hausärzte und andere Behandelnde sollten bei Verdacht eine Fachärztin oder einen Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie oder für Nervenheilkunde hinzuziehen (klinischer Konsenspunkt) [1].

Behandlung ohne Medikamente

Mann in den Vierzigern mit dunkelblondem Haar in einem bordeauxroten Pullover sitzt in einer hellen Praxis einer Ärztin mit rotbraunem Haar gegenüber, beide unterhalten sich ruhig
Bild: KI-generiert

Je nach Form der Störung und den vorherrschenden Beschwerden kommen medizinische und nicht medizinische Verfahren zum Einsatz, meist kombiniert [2].

  • Psychotherapie und Psychoedukation: Bewährt haben sich vor allem die Psychoedukation (Aufklärung über die Erkrankung) und die kognitive Verhaltenstherapie; wirksam ist auch eine Familientherapie [2]. Bei einer akuten depressiven Episode soll laut Leitlinie eine Psychotherapie angeboten werden (Empfehlungsgrad A) [1]. Zur Vorbeugung neuer Episoden sollte eine ausführliche und interaktive Psychoedukation in der Gruppe durchgeführt werden (Empfehlungsgrad B) [1].
  • Elektrokonvulsionstherapie (EKT): Unter Vollnarkose löst ein schwacher Stromimpuls einen kurzen Krampfanfall im Gehirn aus. Sie kommt in der Regel nur bei schweren Depressionen infrage, wenn andere Behandlungen nicht geholfen haben [2]. Bei schweren manischen Episoden kann sie laut Leitlinie durchgeführt werden (Empfehlungsgrad 0) [1].
  • Wachtherapie: Bei einer akuten schweren depressiven Episode bleiben Betroffene eine ganze oder eine halbe Nacht wach; die Beschwerden bessern sich oft nur kurzfristig [2]. Bei einer Hypomanie, Manie oder gemischten Episode ist ein therapeutischer Schlafentzug laut Leitlinie kontraindiziert (klinischer Konsenspunkt) [1].
  • Selbsthilfe: In Selbsthilfegruppen können sich Betroffene und Angehörige informieren, beraten lassen und austauschen [2]. Peer-Support, also Begleitung durch erfahrene Betroffene, sollte laut Leitlinie angeboten werden (Empfehlungsgrad B) [1].

Behandlung mit Medikamenten

Die Akutbehandlung soll depressive oder (hypo)manische Beschwerden möglichst schnell lindern, die Phasenprophylaxe weitere Episoden seltener machen und bestenfalls verhindern [2]. Schon die Akutbehandlung muss laut Leitlinie eine gegebenenfalls nötige Phasenprophylaxe berücksichtigen (klinischer Konsenspunkt) [1]. Bei depressiven Beschwerden kommen Antidepressiva und Stimmungsstabilisierer infrage, bei psychotischen Beschwerden atypische Neuroleptika, die auch bei Schizophrenie eingesetzt werden [2].

Die Tabelle nennt von der Leitlinie empfohlene Gruppen mit Wirkstoffen, die laut Packungsbeilage für einen Teil der Behandlung zugelassen sind [3, 5, 7, 9, 11, 13, 14, 15, 16]. Die Nebenwirkungen gelten nur für den Wirkstoff, bei dem sie stehen ("sehr häufig": bei mehr als 1 von 10 Behandelten, "häufig": bei bis zu 1 von 10, "Häufigkeit nicht bekannt": aus den Daten nicht abschätzbar); maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats. Die Angaben zu Lithium beruhen auf der österreichischen Gebrauchs- und Fachinformation eines Lithiumpräparats; in Deutschland erhältliche Präparate können in Einzelheiten abweichen [3, 4].

Medikamente bei bipolarer Störung nach der S3-Leitlinie (Stand 2019/2020, Gültigkeit abgelaufen): Gruppen, Beispiele und Nebenwirkungen laut Packungsbeilage
WirkstoffgruppeBeispieleWie sie wirkenHäufige Nebenwirkungen
Lithium (Stimmungsstabilisierer)LithiumWirkt laut österreichischer Packungsbeilage vorbeugend und mildernd bei manisch-depressiven Erkrankungen [3]; laut österreichischer Fachinformation auf Ionenkanäle, auf Botenstoffe wie Serotonin, Dopamin und Noradrenalin und auf Signalwege in den Zellen [4]Häufigkeit nicht bekannt: besonders zu Beginn Zittern, vermehrte Harnausscheidung, Durst und Übelkeit, außerdem unter anderem Störungen der Schilddrüsenfunktion, Gewichtszunahme, eingeschränkte Nierenfunktion. Sehr häufig: zu viel Kalzium im Blut [3, 4]
Antiepileptika als StimmungsstabilisiererValproinsäure, Lamotrigin, CarbamazepinValproinsäure verstärkt wahrscheinlich die hemmende Wirkung des Botenstoffs GABA [6]. Studien deuten darauf hin, dass Lamotrigin spannungsgesteuerte Natriumkanäle der Nervenzellen blockiert; wie es bei der bipolaren Störung wirkt, ist noch nicht eindeutig geklärt [8]. Der Wirkmechanismus von Carbamazepin ist bislang nicht geklärt [10]Valproinsäure, sehr häufig: Zittern; Gleichgewichts- und Koordinationsstörungen, Teilnahmslosigkeit oder verminderte Aufmerksamkeit mit Erbrechen (möglicherweise zu viel Ammoniak im Blut) [5]. Lamotrigin, sehr häufig: Kopfschmerzen, Hautausschlag [7]. Carbamazepin, sehr häufig unter anderem: Benommenheit, Schwindel, Müdigkeit, Übelkeit und Erbrechen, allergische Hautreaktionen, weniger weiße Blutkörperchen [9]
Antipsychotika (Neuroleptika)Quetiapin, Olanzapin, Aripiprazol, Risperidon, HaloperidolWirken an Andockstellen (Rezeptoren) für Botenstoffe im Gehirn: Quetiapin blockiert bevorzugt Serotonin-5HT2- gegenüber Dopamin-D2-Rezeptoren [12]; Aripiprazol wirkt vermutlich, indem es Dopamin-D2- und Serotonin-5-HT1A-Rezeptoren teilweise anregt und Serotonin-5-HT2A-Rezeptoren hemmt [14]Quetiapin, sehr häufig unter anderem: Schwindel, Kopfschmerzen, Mundtrockenheit, Schläfrigkeit, ungewöhnliche Muskelbewegungen, Gewichtszunahme, veränderte Blutfettwerte, Absetzsymptome [11]. Olanzapin, sehr häufig: Gewichtszunahme, Schläfrigkeit, erhöhte Prolaktinwerte, zu Beginn Schwindel beim Aufstehen [13]. Aripiprazol, häufig unter anderem: innere Unruhe mit Bewegungsdrang (Akathisie), Schlaflosigkeit, Kopfschmerz, Schläfrigkeit, Übelkeit [14]. Risperidon, sehr häufig: Ein- oder Durchschlafschwierigkeiten, Parkinsonismus, Schläfrigkeit, Kopfschmerzen [15]. Haloperidol, sehr häufig: unkontrollierte Bewegungen (extrapyramidale Störungen), Unruhe, Schlafstörungen, Kopfschmerzen [16]

Die Dosis legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest; die Angaben der Packungsbeilage stehen auf den Wirkstoffseiten, zum Beispiel bei Lithium und Quetiapin.

Akute Manie

Als alleiniges Mittel (Monotherapie) sollten laut Leitlinie Lithium, Valproat, Aripiprazol, Olanzapin oder Risperidon eingesetzt werden; auch Quetiapin sollte in der Behandlung der Manie eingesetzt werden (jeweils Empfehlungsgrad B) [1]. Auch Asenapin und Ziprasidon sollten laut Leitlinie als Monotherapie eingesetzt werden (Empfehlungsgrad B), Ziprasidon wegen Hinweisen auf Herzprobleme (QTc-Verlängerung) als Mittel der nachgeordneten Wahl [1]; zugelassen ist Asenapin laut Fachinformation für mäßige bis schwere manische Episoden einer Bipolar-I-Störung bei Erwachsenen, Ziprasidon für manische oder gemischte Episoden bis zu einem mäßigen Schweregrad [23, 24]. Haloperidol sollte als Monotherapie in der Kurzzeittherapie eingesetzt werden (Empfehlungsgrad B), vor allem in der Notfallsituation (klinischer Konsenspunkt); zu beachten ist die hohe Rate an Bewegungsstörungen [1]. Zugelassen ist Haloperidol laut Fachinformation bei Erwachsenen für mittelschwere bis schwere manische Episoden einer Bipolar-I-Störung und für akute Erregungszustände bei manischen Episoden [22]. Valproinsäure ist laut Packungsbeilage für manische Episoden zugelassen, wenn Lithium nicht eingesetzt werden kann [5]; die Leitlinie empfiehlt Valproat wegen der Gefahr für das ungeborene Kind und des Risikos polyzystischer Eierstöcke nicht für Frauen im gebärfähigen Alter [1].

Besteht schon eine Phasenprophylaxe mit Lithium oder Valproat, sollten zusätzlich Olanzapin oder Risperidon eingesetzt werden (Empfehlungsgrad B); Aripiprazol oder Quetiapin können zusätzlich eingesetzt werden (Empfehlungsgrad 0) [1]. Benzodiazepine können unterstützend gegen Erregtheit (Agitiertheit) gegeben werden (Empfehlungsgrad 0); wegen des Abhängigkeitsrisikos soll die Behandlung nur zeitlich eng begrenzt erfolgen [1]. Mehr: Schlafmittel und Benzodiazepine.

Akute depressive Episode

Bei einer leichten depressiven Episode kommen Medikamente speziell gegen die Depression laut Leitlinie nur in Ausnahmefällen infrage, weil Risiken und Nebenwirkungen den erhofften Nutzen überwiegen; im Vordergrund stehen Psychoedukation, Psychotherapie, Selbstmanagement und Selbsthilfegruppen (klinischer Konsenspunkt) [1]. Eine schwere Episode sollte mit Medikamenten behandelt werden (klinischer Konsenspunkt) [1]. Quetiapin soll als Monotherapie zur Akutbehandlung einer bipolaren Depression eingesetzt werden (Empfehlungsgrad A) [1]; laut Fachinformation ist es zur Behandlung schwerer depressiver Episoden bei bipolaren Störungen zugelassen [12]. Lithium allein, Valproinsäure und Aripiprazol kann die Leitlinie zur Akutbehandlung einer bipolaren Depression nicht empfehlen (jeweils Empfehlungsgrad 0) [1].

Antidepressiva: Ob ein Antidepressivum allein gegeben werden kann, lässt die Datenlage laut Leitlinie offen (Statement) [1]. Eine bipolare Depression kann relativ plötzlich in eine manische oder gemischte Episode umschlagen; welchen Anteil Antidepressiva daran haben, ist unklar (Statement) [1]. Mit Blick auf dieses Risiko sollten SSRI gegenüber Venlafaxin und trizyklischen Antidepressiva bevorzugt werden, ebenso Bupropion gegenüber Venlafaxin (Empfehlungsgrad B) [1]. Laut Fachinformation von Sertralin ist bei früheren Manien oder Hypomanien Vorsicht und eine engmaschige ärztliche Überwachung erforderlich; tritt eine manische Phase ein, sollte die Ärztin oder der Arzt die Behandlung abbrechen [17]. Mehr: Antidepressiva.

Vorbeugung neuer Episoden (Phasenprophylaxe)

Lithium soll laut Leitlinie zur Phasenprophylaxe eingesetzt werden (Empfehlungsgrad A); bei hohem Suizidrisiko soll es ebenfalls eingesetzt werden, weil es Hinweise gibt, dass Lithium im Langzeitverlauf Suiziden entgegenwirkt (Empfehlungsgrad A) [1]. Weitere Mittel nennt die Leitlinie mit Bedingungen [1]:

  • Lamotrigin sollte zur Vorbeugung depressiver Episoden eingesetzt werden, wenn es in der Akutphase gegeben und ausreichend gut vertragen wurde (Empfehlungsgrad B) [1]. Zugelassen ist es laut Fachinformation ab 18 Jahren zur Vorbeugung depressiver Episoden bei Bipolar-I-Störung mit überwiegend depressiven Episoden, nicht zur Akutbehandlung manischer oder depressiver Episoden [8].
  • Quetiapin sollte als Monotherapie nur eingesetzt werden, wenn eine Episode unter Quetiapin abgeklungen ist und es gut vertragen wurde (Empfehlungsgrad B) [1].
  • Valproat kann eingesetzt werden (Empfehlungsgrad 0), wird aber nicht für Frauen im gebärfähigen Alter empfohlen [1]. Laut Fachinformation kann eine weiterführende Behandlung erwogen werden, wenn eine akute Manie auf Valproat angesprochen hat [6].
  • Aripiprazol kann zur Vorbeugung manischer Episoden eingesetzt werden, Olanzapin zur Phasenprophylaxe, jeweils wenn das Mittel in einer manischen Akutphase gewirkt hat und vertragen wurde (Empfehlungsgrad 0) [1]. Aripiprazol ist dafür laut Fachinformation bei Erwachsenen zugelassen, die überwiegend manische Episoden hatten und deren manische Episoden auf Aripiprazol ansprachen [14].
  • Carbamazepin kann eingesetzt werden (Empfehlungsgrad 0) [1]; zugelassen ist es laut Packungsbeilage, wenn die Behandlung mit Lithium versagt hat beziehungsweise unter Lithium schnelle Phasenwechsel auftraten und wenn mit Lithium nicht behandelt werden darf [9].

Kontrollen während der Behandlung

Regelmäßige Gewichtskontrollen sollten laut Leitlinie unter anderem bei Lithium, Valproinsäure, Olanzapin, Quetiapin und Risperidon erfolgen, und die Überwachung sollte regelmäßige Messungen des Medikamentenspiegels umfassen, besonders bei Lithium, aber auch bei Valproat und Carbamazepin (jeweils klinischer Konsenspunkt) [1]. Bei Lithium gehen Sie laut österreichischer Packungsbeilage regelmäßig zu den Kontrollen, anfangs wöchentlich, später monatlich oder alle 2 Monate, und zur Blutabnahme genau 12 Stunden nach der letzten Einnahme [3].

Schwangerschaft und Kinderwunsch

Valproinsäure darf bei bipolarer Störung laut Packungsbeilage in der Schwangerschaft nicht angewendet werden, bei Frauen, die schwanger werden könnten, nur mit einer wirksamen Verhütung während der gesamten Behandlung [5]; laut Fachinformation müssen dafür die Bedingungen eines Schwangerschaftsverhütungsprogramms eingehalten werden [6]. Laut Rote-Hand-Brief vom 9. November 2018 besteht bei Kindern, die im Mutterleib Valproat ausgesetzt waren, ein hohes Risiko für schwerwiegende Entwicklungsstörungen (in bis zu 30 bis 40 Prozent der Fälle) und angeborene Fehlbildungen (in ungefähr 10 Prozent der Fälle) [18]. Plant eine Frau eine Schwangerschaft, muss Valproat laut Fachinformation beendet und bei Bedarf vor der Empfängnis auf eine andere Behandlung umgestellt werden [6]; Valproat und die Verhütung beenden Sie laut Packungsbeilage nicht ohne Rücksprache [5]. Bei Kindern von Vätern, die in den drei Monaten vor der Zeugung Valproat eingenommen haben, ist laut Rote-Hand-Brief vom 19. Februar 2024 ein Risiko für neurologische Entwicklungsstörungen möglich, aber nicht belegt; Ärztinnen und Ärzte sollten mit männlichen Patienten besprechen, während der Behandlung und für drei Monate danach eine zuverlässige Verhütung für sie und ihre Partnerin in Betracht zu ziehen, und sie anweisen, während der Behandlung und mindestens drei Monate danach keinen Samen zu spenden [19].

Lithium darf laut österreichischer Packungsbeilage in der Schwangerschaft nur auf strikte ärztliche Anweisung verwendet werden, weil die Gefahr von Fehlbildungen besteht [3]. Was das Beratungszentrum Embryotox zu einzelnen Mitteln schreibt, steht auf den Wirkstoffseiten, zum Beispiel bei Lithium und Lamotrigin; Allgemeines im Ratgeber Medikamente in der Schwangerschaft.

Nebenwirkungen der Medikamente

Laut Leitlinie soll intensiv und wiederholt über die Behandlung mit Medikamenten aufgeklärt werden, unter anderem über Wechsel- und Nebenwirkungen; bei einer Phasenprophylaxe sollte das auch Langzeitnebenwirkungen umfassen (klinischer Konsenspunkt) [1].

  • Lithiumvergiftung: Laut österreichischer Fachinformation liegen die giftigen Konzentrationen dicht bei den wirksamen, und eine Vergiftung durch verminderte Ausscheidung ist möglich bei Erbrechen, Durchfällen, hinzukommenden Infektionen, zu geringer Flüssigkeitsaufnahme und bei manchen Arzneimitteln; den Lithiumspiegel erhöhen können zum Beispiel Entzündungshemmer gegen Schmerzen (NSAR), ACE-Hemmer, Sartane und Entwässerungsmittel [4]. Achten Sie laut österreichischer Packungsbeilage auf genügend Salz und Flüssigkeit [3]. Mehr: Wechselwirkungen.
  • Nieren und Schilddrüse unter Lithium: Bei Langzeitbehandlung kann die Niere teilweise die Fähigkeit verlieren, den Harn zu konzentrieren; die Nierenfunktion regelmäßig zu überprüfen, ist laut österreichischer Fachinformation ratsam [4]. Die österreichische Packungsbeilage nennt außerdem Störungen der Schilddrüsenfunktion [3]. Mehr: Nierenschäden.
  • Gewicht und Stoffwechsel: Bei Quetiapin und Olanzapin ist eine Gewichtszunahme laut Packungsbeilage sehr häufig [11, 13], bei Valproinsäure ist eine dosisabhängige Gewichtszunahme oder Gewichtsabnahme häufig [5]. Bei atypischen Antipsychotika soll laut Leitlinie der Stoffwechsel wegen möglicher Erhöhungen von Blutzucker und Blutfetten überwacht werden (klinischer Konsenspunkt) [1]. Mehr: Gewichtszunahme durch Medikamente und Quetiapin und Gewicht.
  • Bewegungsstörungen: Bei Neuroleptika soll laut Leitlinie auf Bewegungsstörungen (extrapyramidal-motorische Symptome) geachtet werden (klinischer Konsenspunkt) [1]. Mehr: Parkinsonismus.
  • Haut unter Lamotrigin und Carbamazepin: Bei einer kleinen Anzahl von Behandelten kommt es laut Packungsbeilage von Lamotrigin zu allergischen Reaktionen oder potenziell lebensbedrohlichen Hautreaktionen, eher in den ersten paar Monaten, besonders bei zu hoher Anfangsdosis, zu schneller Dosissteigerung oder zusammen mit Valproat [7]. Unter Carbamazepin wurden laut Packungsbeilage möglicherweise lebensbedrohliche Hautreaktionen (Stevens-Johnson-Syndrom, toxisch epidermale Nekrolyse) berichtet; das höchste Risiko besteht in den ersten Behandlungswochen [9]. Mehr: Schwere Hautreaktionen.
  • Leber und Blut unter Valproinsäure: Laut Packungsbeilage häufig sind schwere, manchmal tödliche Leberschäden, in der Regel in den ersten sechs Monaten, und Blutungen durch weniger Blutplättchen; gelegentlich kommt es zu einer Entzündung der Bauchspeicheldrüse [5]. Mehr: Erhöhte Leberwerte.
  • Impulskontrolle unter Aripiprazol: Laut Fachinformation können Spielsucht, gesteigertes sexuelles Verlangen, zwanghaftes Kaufverhalten und Essattacken auftreten; gesteigertes sexuelles Verlangen ist gelegentlich (bei bis zu 1 von 100 Behandelten), die übrigen mit unbekannter Häufigkeit [14].
  • Verkehr: Lithium kann laut österreichischer Packungsbeilage vor allem zu Beginn Schläfrigkeit, Benommenheit und Sinnestäuschungen verursachen; deshalb sollen keine Fahrzeuge gelenkt werden [3]. Mehr: Medikamente und Autofahren.

Absetzen

Laut österreichischer Fachinformation wird empfohlen, Lithium über mindestens 2 Wochen schrittweise abzusetzen, damit die Grunderkrankung möglichst nicht erneut auftritt; bei den ersten Anzeichen einer Vergiftung muss es dagegen sofort abgesetzt werden [4]. Bei Quetiapin sind Absetzsymptome wie Schlaflosigkeit, Übelkeit, Kopfschmerzen und Schwindel sehr häufig; ein schrittweises Absetzen über mindestens 1 bis 2 Wochen ist laut Packungsbeilage ratsam [11]. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Mehr: Absetz-Seiten zu Lithium, Quetiapin, Olanzapin, Aripiprazol, Risperidon und Lamotrigin.

Nebenwirkung melden: Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, wenden Sie sich laut Packungsbeilage an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke; Sie können sie auch direkt dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) melden [11]. Wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden.

Leben mit einer bipolaren Störung

Die Leitlinie empfiehlt, Stimmungstagebücher (Life-Charts) zu führen, die Selbstwahrnehmung zu schulen und die Aufzeichnungen für Gespräche mit den Behandelnden zu nutzen (klinischer Konsenspunkt) [1]. Zu einer Psychotherapie bei bipolarer Störung gehören laut Leitlinie unter anderem das Erkennen von Frühwarnzeichen, ein stabiler Schlaf-Wach- und Lebensrhythmus und die Vorbereitung auf Krisen (Statement) [1]. Angehörige sollten von Beginn an einbezogen werden; schriftliche Behandlungsvereinbarungen können helfen, kritischen Phasen vorzubeugen und das Risiko von Zwang zu verringern (jeweils klinischer Konsenspunkt) [1].

Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen

Gedanken, sich das Leben zu nehmen. Suizidversuche aller Art nennt die Kassenärztliche Bundesvereinigung als Fall für die Notrufnummer 112 [21]. Die TelefonSeelsorge ist Tag und Nacht kostenfrei und anonym erreichbar unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123 [20]. Sind die Praxen geschlossen und kann die Behandlung nicht bis zum nächsten Tag warten, hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117, rund um die Uhr und kostenfrei [21]. Bei einer bipolaren Störung können laut der österreichischen Packungsbeilage eines Lithiumpräparats und der Packungsbeilage von Lamotrigin Gedanken aufkommen, sich selbst zu schädigen oder sich das Leben zu nehmen, eher zu Beginn der Behandlung, nach früheren solchen Gedanken und unter 25 Jahren; gehen Sie dann so schnell wie möglich zur Ärztin oder zum Arzt oder in das nächstgelegene Krankenhaus [3, 7].

Akute Gefahr in einer Manie. Bei akuter Eigen- oder Fremdgefährdung muss laut Leitlinie eine Einweisung in eine psychiatrische Klinik oder Abteilung erfolgen (klinischer Konsenspunkt) [1].

Weitere Warnzeichen. Unter Lithium gehen Sie laut österreichischer Packungsbeilage zu Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt unter anderem bei Bewegungsstörungen, Zittern, Zucken, Sprachstörungen, Verwirrtheit, Schläfrigkeit oder Augenzittern und bei Erkrankungen mit starkem Erbrechen, heftigen Durchfällen oder hohem Fieber; nach zu vielen Tabletten informieren Sie unverzüglich eine Ärztin, einen Arzt oder ein Krankenhaus [3]. Bei Fieber mit starker Muskelsteifheit, Schwitzen oder eingetrübtem Bewusstsein unter Quetiapin informieren Sie laut Packungsbeilage unverzüglich Ihre Ärztin oder Ihren Arzt [11]. Unter Lamotrigin suchen Sie laut Packungsbeilage umgehend eine Ärztin oder einen Arzt auf bei Hautausschlag oder Rötung, Blasen oder sich abschälender Haut, Geschwüren in Mund, Rachen, Nase oder Genitalbereich, einem entzündeten Mund oder roten, geschwollenen Augen, Fieber, grippeähnlichen Beschwerden oder Benommenheit, Schwellungen im Gesicht oder geschwollenen Drüsen an Hals, Achseln oder Leiste, unerwarteten Blutungen, blauen Flecken oder blau verfärbten Fingern, einer Halsentzündung oder häufigeren Infektionen als üblich [7]. Unter Carbamazepin suchen Sie laut Packungsbeilage sofort eine Ärztin oder einen Arzt auf bei Hautausschlag, rötlichen, schießscheibenartigen oder kreisförmigen Flecken am Körperstamm, oft mit einer Blase in der Mitte, großflächiger Blasenbildung oder Ablösung der Haut, offenen, schmerzenden Stellen in Mund, Hals, Nase oder Genitalbereich und geröteten, geschwollenen Augen; oft kommen grippeähnliche Beschwerden mit Kopfschmerzen, Fieber und Gliederschmerzen hinzu [9]. Bei Anzeichen wie Schwäche, Appetitlosigkeit, Schläfrigkeit, wiederholtem Erbrechen, Bauchschmerzen, Gelbsucht, außergewöhnlich häufigen blauen Flecken oder Nasenbluten unter Valproinsäure suchen Sie laut Packungsbeilage sofort Ihre Ärztin oder Ihren Arzt auf [5].

Quellen

  1. Leitlinie S3-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie Bipolarer Störungen, Langversion 2.1 (AWMF-Register-Nr. 038-019). Deutsche Gesellschaft für Bipolare Störungen (DGBS) und Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). Stand Update vom Februar 2019, letzte Anpassung Mai 2020 (laut DGPPN gültig bis 01.03.2023, Gültigkeit abgelaufen, keine neuere Fassung veröffentlicht). abgerufen am 18.10.2026
  2. Behörde Bipolare Störung. gesund.bund.de, Bundesministerium für Gesundheit, in Zusammenarbeit mit dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Stand 31.03.2022. abgerufen am 18.10.2026
  3. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Quilonorm retard 450 mg Filmtabletten (Österreich). Teofarma S.r.l. (Zulassungsinhaber); veröffentlicht vom Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG), Österreich. Stand 07/2024. abgerufen am 18.10.2026
  4. Fachinformation Fachinformation Quilonorm retard 450 mg Filmtabletten (Österreich). Teofarma S.r.l. (Zulassungsinhaber); veröffentlicht vom Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG), Österreich. Stand 07/2024. abgerufen am 18.10.2026
  5. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Valproat-ratiopharm chrono 300 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 08/2026. abgerufen am 18.10.2026
  6. Fachinformation Fachinformation Valproat-ratiopharm chrono 300 mg/500 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 08/2026. abgerufen am 18.10.2026
  7. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Lamotrigin-ratiopharm 100 mg Tabletten zur Herstellung einer Suspension zum Einnehmen. ratiopharm GmbH. Stand 05/2026. abgerufen am 18.10.2026
  8. Fachinformation Fachinformation Lamotrigin-ratiopharm Tabletten zur Herstellung einer Suspension zum Einnehmen. ratiopharm GmbH. Stand 05/2026. abgerufen am 18.10.2026
  9. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Carbamazepin-ratiopharm 200 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2023. abgerufen am 18.10.2026
  10. Fachinformation Fachinformation Carbamazepin-ratiopharm 200 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2023. abgerufen am 18.10.2026
  11. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Quetiapin-ratiopharm 50 mg/150 mg/200 mg/300 mg/400 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 01/2025. abgerufen am 18.10.2026
  12. Fachinformation Fachinformation Quetiapin-ratiopharm Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 05/2024. abgerufen am 18.10.2026
  13. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Olanzapin-ratiopharm Tabletten (2,5 mg bis 20 mg). ratiopharm GmbH. Stand 04/2023. abgerufen am 18.10.2026
  14. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Abilify (Aripiprazol), Anhang I: Fachinformation und Anhang III B: Packungsbeilage. Otsuka Pharmaceutical Netherlands B.V. (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 01/2026. abgerufen am 18.10.2026
  15. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Risperidon AbZ 1 mg Filmtabletten. AbZ-Pharma GmbH. Stand 05/2023. abgerufen am 18.10.2026
  16. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Haloperidol-ratiopharm 5 mg und 10 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2025. abgerufen am 18.10.2026
  17. Fachinformation Fachinformation Sertralin-ratiopharm Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 18.10.2026
  18. Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu Valproat: Neue Anwendungsbeschränkungen; Aktualisierung des Schwangerschaftsverhütungsprogramms. Zulassungsinhaber valproathaltiger Arzneimittel in Abstimmung mit EMA und BfArM. Stand 09.11.2018. abgerufen am 18.10.2026
  19. Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu Valproat: Mögliches Risiko für neurologische Entwicklungsstörungen bei Kindern, deren Väter mit Valproat behandelt wurden. Zulassungsinhaber valproathaltiger Arzneimittel in Abstimmung mit EMA und BfArM. Stand 19.02.2024. abgerufen am 18.10.2026
  20. TelefonSeelsorge Deutschland (Startseite). TelefonSeelsorge Deutschland. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
  21. Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Abschnitte "116117 oder 112?" und "Fälle für die Notrufnummer 112"). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
  22. Fachinformation Fachinformation Haloperidol-ratiopharm 5 mg und 10 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2025. abgerufen am 18.10.2026
  23. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Sycrest (Asenapin), Anhang I: Fachinformation. N.V. Organon (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 02/2026 (Aktualisierung bei der EMA am 25.02.2026). abgerufen am 18.10.2026
  24. Fachinformation Fachinformation Ziprasidon STADA 20 mg/40 mg/60 mg/80 mg Hartkapseln. STADAPHARM GmbH. Stand 11/2021. abgerufen am 18.10.2026

Häufige Fragen

Welche Medikamente helfen bei einer bipolaren Störung?

Eingesetzt werden Stimmungsstabilisierer wie Lithium und die Antiepileptika Valproinsäure, Lamotrigin und Carbamazepin, außerdem Antipsychotika wie Quetiapin, Olanzapin, Aripiprazol, Risperidon und Haloperidol; bei depressiven Beschwerden kommen laut gesund.bund.de auch Antidepressiva infrage. Welches Mittel infrage kommt, hängt laut S3-Leitlinie (Stand 2019/2020, Gültigkeit abgelaufen) von der Phase ab: In der akuten Manie sollten zum Beispiel Lithium, Valproat (nicht für Frauen im gebärfähigen Alter) oder eines der genannten Antipsychotika eingesetzt werden (Empfehlungsgrad B), in der akuten bipolaren Depression soll Quetiapin eingesetzt werden (Empfehlungsgrad A), zur Vorbeugung neuer Phasen soll Lithium eingesetzt werden (Empfehlungsgrad A). Lithium und die genannten Antiepileptika und Antipsychotika sind laut Packungsbeilage jeweils für bestimmte Teile der Behandlung zugelassen.

Was ist der Unterschied zwischen Bipolar I und Bipolar II?

Bei einer Bipolar-I-Störung wechseln sich laut gesund.bund.de manische und depressive Phasen ab, oder es kommt zu Mischzuständen. Bei einer Bipolar-II-Störung wechseln sich hypomanische und depressive Phasen ab, manische Episoden treten nicht auf. Eine Hypomanie ähnelt einer Manie, ist aber deutlich schwächer ausgeprägt.

Muss man bei einer bipolaren Störung lebenslang Medikamente nehmen?

Die meisten Menschen mit einer bipolaren Störung benötigen laut gesund.bund.de eine lebenslange Behandlung. Bei Lithium tritt die volle Wirkung laut österreichischer Packungsbeilage mitunter erst nach Monaten ein, in den meisten Fällen ist eine jahrelange, vor allem regelmäßige Behandlung notwendig. Wie lange Sie welches Mittel brauchen, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.

Welche Nebenwirkungen hat Lithium?

Besonders zu Beginn der Behandlung sind laut österreichischer Packungsbeilage eines Lithiumpräparats Zittern, vermehrte Harnausscheidung, Durst und Übelkeit möglich; diese Beschwerden hören nach einiger Zeit oder nach Verringerung der Dosis auf. Mit unbekannter Häufigkeit nennt die Packungsbeilage unter anderem Störungen der Schilddrüsenfunktion, Gewichtszunahme und eine eingeschränkte Nierenfunktion, als sehr häufig zu viel Kalzium im Blut. Weil jeder Mensch anders auf Lithium reagiert, sind laut Packungsbeilage häufige Blutuntersuchungen nötig; giftige und wirksame Konzentrationen liegen laut Fachinformation dicht beieinander. Alle Nebenwirkungen stehen auf der Seite Lithium.

Dürfen Antidepressiva bei einer bipolaren Störung eingenommen werden?

Bei depressiven Beschwerden kommen laut gesund.bund.de auch Antidepressiva infrage. Ob ein Antidepressivum allein gegeben werden kann, lässt die Datenlage laut S3-Leitlinie (Stand 2019/2020, Gültigkeit abgelaufen) offen (Statement). Eine bipolare Depression kann relativ plötzlich in eine manische oder gemischte Episode umschlagen; mit Blick auf dieses Risiko sollten laut Leitlinie SSRI gegenüber Venlafaxin und trizyklischen Antidepressiva bevorzugt werden (Empfehlungsgrad B). Laut Fachinformation von Sertralin ist bei früheren Manien oder Hypomanien Vorsicht und eine engmaschige ärztliche Überwachung erforderlich.

Was ist bei Kinderwunsch und Schwangerschaft zu beachten?

Valproinsäure darf bei bipolarer Störung laut Packungsbeilage in der Schwangerschaft nicht angewendet werden; planen Sie eine Schwangerschaft, muss Valproat laut Fachinformation beendet und bei Bedarf vor der Empfängnis auf eine andere Behandlung umgestellt werden. Beenden Sie Valproat und die Verhütung laut Packungsbeilage nicht selbst, sondern vereinbaren Sie vorher einen Termin. Männer unter Valproat suchen laut Packungsbeilage ihre Ärztin oder ihren Arzt auf, sobald sie ein Kind zeugen möchten und bevor sie die Verhütung beenden. Lithium darf laut österreichischer Packungsbeilage in der Schwangerschaft nur auf strikte ärztliche Anweisung verwendet werden, weil die Gefahr von Fehlbildungen besteht. Was das Beratungszentrum Embryotox zu einzelnen Mitteln schreibt, steht auf den Wirkstoffseiten.

Was tun bei Gedanken, sich das Leben zu nehmen?

Holen Sie sofort Hilfe. Bei akuter Gefahr rufen Sie den Notruf 112. Die TelefonSeelsorge ist Tag und Nacht kostenfrei und anonym erreichbar unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123. Sind die Praxen geschlossen und kann es nicht bis zum nächsten Tag warten, erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117. Nehmen Sie Lithium oder Lamotrigin ein, gehen Sie laut den Packungsbeilagen (bei Lithium der österreichischen) bei solchen Gedanken so schnell wie möglich zu Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt oder in das nächstgelegene Krankenhaus. Weitere Nummern stehen unter Notfall und Giftnotruf.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

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