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Carbamazepin: Nebenwirkungen und Wirkung

Carbamazepin ist ein verschreibungspflichtiges Antiepileptikum gegen epileptische Anfälle, das auch bei Trigeminus-Neuralgie, Nervenschmerzen durch Diabetes und zur Vorbeugung manisch-depressiver Phasen angewendet wird. Sehr häufig sind Benommenheit, Schwindel, Müdigkeit, Gangunsicherheit, Übelkeit, Erbrechen, allergische Hautreaktionen und eine verminderte Zahl weißer Blutkörperchen. Carbamazepin kann schwere Hautreaktionen auslösen, das ungeborene Kind schädigen und die Pille unwirksam machen.

Frau Ende dreißig sitzt an einem sonnigen Morgen mit breitkrempigem Hut und langen Ärmeln auf einer Gartenbank zwischen grünen Pflanzen
Bild: KI-generiert

Die häufigsten Nebenwirkungen

  • Sehr häufig: Verminderte Zahl weißer Blutkörperchen (Leukopenie); laut Fachinformation am häufigsten eine gutartige Leukopenie, vor allem in den ersten vier Behandlungsmonaten[1, 2]
  • Häufig: Vermehrte Zahl bestimmter weißer Blutkörperchen (Eosinophilie) oder verminderte Zahl der Blutplättchen (Thrombozytopenie)[1, 2]
  • Häufig: Wasseransammlung im Gewebe (Ödeme), verringerte Flüssigkeitsausscheidung, Gewichtszunahme, verminderter Natriumgehalt im Blut (Hyponatriämie) und verminderte Plasmaosmolalität, die selten zu einer Wasservergiftung mit Lethargie, Erbrechen, Kopfschmerz, Verwirrtheit und anderen neurologischen Störungen führen kann[1, 2]
  • Sehr häufig: Benommenheit, Schwindel, Müdigkeit, Schläfrigkeit sowie Gang- und Bewegungsstörungen (Ataxie)[1, 2]
  • Häufig: Kopfschmerzen und Doppelbilder[1, 2]
  • Häufig: Störungen der Nahanpassung des Auges (Akkommodationsstörungen), z. B. verschwommenes Sehen[1, 2]
  • Sehr häufig: Übelkeit und Erbrechen[1, 2]
  • Häufig: Appetitlosigkeit und Mundtrockenheit[1, 2]
  • Sehr häufig: Allergische, auch stark ausgeprägte Hautreaktionen mit und ohne Fieber und Nesselsucht (Urtikaria)[1, 2]
  • Sehr häufig: Erschöpfung[1, 2]
  • Sehr häufig: Anstieg des Leberwerts Gamma-GT; laut Fachinformation durch Enzyminduktion bedingt und üblicherweise klinisch nicht relevant[1, 2]
  • Häufig: Anstieg der alkalischen Phosphatase im Blut[1, 2]

Alle Nebenwirkungen nach Häufigkeit

Wofür wird Carbamazepin eingesetzt?

Carbamazepin ist ein Arzneimittel zur Behandlung von epileptischen Anfallserkrankungen und anderen Anfallskrankheiten, bestimmten Schmerzzuständen sowie zur Vorbeugung bei bestimmten psychischen Störungen und gehört zu den Antiepileptika [1]. Es wird angewendet bei verschiedenen Formen der Epilepsie, nämlich bei Anfällen, die von einem umschriebenen Gebiet des Gehirns ausgehen, bei Anfällen beider Gehirnhälften, insbesondere wenn sie fokal beginnen, und bei gemischten Formen [1, 2].

Weitere Anwendungsgebiete sind die Trigeminus-Neuralgie und anfallsartige Schmerzen im Rachenraum (Glossopharyngeus-Neuralgie), Schmerzen bei Nervenschädigung durch Diabetes (siehe Polyneuropathie), nicht-epileptische Anfälle bei Multipler Sklerose, die Anfallsverhütung beim Alkoholentzug (nur im Krankenhaus) und die Vorbeugung manisch-depressiver Phasen (bipolare Störung), wenn Lithium nicht wirkt, schnelle Phasenwechsel auftraten oder Lithium nicht gegeben werden darf [1, 2]. Carbamazepin ist verschreibungspflichtig [2].

Wie wirkt Carbamazepin?

Laut Fachinformation ist der Wirkmechanismus von Carbamazepin bislang nicht geklärt. Ähnlich wie Phenytoin hemmt es die Übertragung zwischen Nervenzellen und verringert so die Weiterleitung krampfauslösender Entladungen; die Schmerzlinderung bei Trigeminus-Neuralgie kommt wahrscheinlich durch eine Hemmung der Reizübertragung im spinalen Trigeminuskern zustande [2].

Carbamazepin wird relativ langsam und fast vollständig aufgenommen; die höchsten Konzentrationen im Blut sind nach einmaliger Gabe bei Erwachsenen nach 4 bis 16 Stunden erreicht. Nach einer Einzelgabe liegt die Halbwertszeit bei etwa 36 Stunden, bei Dauerbehandlung sinkt sie auf 10 bis 20 Stunden [2]. Grund dafür ist, dass Carbamazepin Leberenzyme anregt (Enzyminduktion), vor allem CYP3A4; deshalb kann es auch die Konzentration vieler anderer Arzneimittel senken [2].

Nebenwirkungen nach Häufigkeit

Unten stehen alle Nebenwirkungen, für die Packungsbeilage und Fachinformation eine Häufigkeit angeben. "Sehr häufig" heißt: mehr als 1 von 10 Behandelten, "häufig" bis zu 1 von 10, "gelegentlich" bis zu 1 von 100, "selten" bis zu 1 von 1.000 und "sehr selten" bis zu 1 von 10.000; bei "nicht bekannt" lässt sich die Häufigkeit aus den vorliegenden Daten nicht abschätzen [1, 2]. Wie Sie solche Angaben einordnen, erklärt der Ratgeber Beipackzettel verstehen.

Laut Fachinformation treten die Nebenwirkungen bei alleiniger Gabe seltener auf als in Kombination mit anderen Antiepileptika. Ein Teil von ihnen (Schwindel, Kopfschmerzen, Gangunsicherheit, Schläfrigkeit, Doppeltsehen, Übelkeit, Erbrechen und allergische Hautreaktionen) hängt von der Dosis ab und tritt vor allem zu Beginn, bei zu hoher Anfangsdosis oder bei älteren Menschen auf; solche Beschwerden klingen meist innerhalb einiger Tage von selbst oder nach vorübergehender Dosisverringerung ab [2]. Mehr unter Schwindel, Müdigkeit und Natriummangel.

Weitere Hinweise ohne Häufigkeitsangabe: Wie andere Mittel gegen Anfallsleiden kann Carbamazepin zu einer Anfallshäufung führen; insbesondere Absencen können verstärkt oder neu auftreten. Es gibt Hinweise, dass es die Beschwerden einer Multiplen Sklerose verschlechtern kann. Berichtet wurden außerdem eine verringerte Knochendichte bis hin zu Knochenbrüchen, eine Netzhautschädigung bei zwei Menschen unter Langzeitbehandlung, Einzelfälle von Lungenfibrose sowie niedrigere Folsäure- und Vitamin-B12-Spiegel [1, 2].

Sehr häufigkann mehr als 1 von 10 Behandelten betreffen

Häufigkann bis zu 1 von 10 Behandelten betreffen

Gelegentlichkann bis zu 1 von 100 Behandelten betreffen

  • ImmunsystemVerzögerte, mehrere Organsysteme betreffende Überempfindlichkeitsreaktion mit Fieber, Hautausschlag, Gefäßentzündung, Lymphknotenschwellung, Pseudolymphom, Gelenkschmerz, veränderter Zahl weißer Blutkörperchen, Vergrößerung von Leber und Milz, veränderten Leberwerten und Schwund der Gallengänge in der Leber; auch Lunge, Niere, Bauchspeicheldrüse, Herzmuskel und Dickdarm können betroffen sein[1, 2]Mehr dazu: Allergische ReaktionenHautausschlagFieber
  • PsycheBei älteren Menschen Verwirrtheit und Unruhe (Agitation)[1, 2]Mehr dazu: VerwirrtheitUnruhe und Nervosität
  • NervensystemUnwillkürliche Bewegungen wie Zittern, Flattertremor, Ticks oder Dystonie; Augenbewegungsstörungen mit Augenzittern (Nystagmus)[1, 2]Mehr dazu: Zittern
  • HerzÜberleitungsstörungen am Herzen (AV-Block), in Einzelfällen mit Bewusstseinsverlust[1, 2]Mehr dazu: Herzrhythmusstörungen
  • HerzVerlangsamung des Herzschlags (Bradykardie), Herzrhythmusstörungen, Herzschwäche (Herzinsuffizienz) und Verschlechterung einer bestehenden koronaren Herzkrankheit; laut Fachinformation gelegentlich bis selten[1, 2]Mehr dazu: Verlangsamter HerzschlagHerzrhythmusstörungenHerzschwäche
  • Magen und DarmDurchfall oder Verstopfung[1, 2]Mehr dazu: DurchfallVerstopfung
  • HautHautentzündung mit schuppender Ablösung von Haut oder Schleimhäuten (exfoliative Dermatitis) und den ganzen Körper betreffende Rötung und Schuppung (Erythrodermie)[1, 2]Mehr dazu: Schwere HautreaktionenHautausschlag
  • Nieren und HarnwegeStörungen der Nierenfunktion wie Eiweiß im Urin (Albuminurie), Blut im Urin (Hämaturie), verminderte Harnproduktion (Oligurie) oder erhöhter Harnstoffstickstoff im Blut (Azotämie)[1, 2]Mehr dazu: Nierenfunktionsstörungen
  • Laborwerte und UntersuchungenAnstieg der Transaminasen (Leberwerte)[1, 2]Mehr dazu: Leberschäden und erhöhte Leberwerte

Seltenkann bis zu 1 von 1.000 Behandelten betreffen

Sehr seltenkann bis zu 1 von 10.000 Behandelten betreffen

  • Blut und LymphsystemZum Teil lebensbedrohende Blutzellschäden: Agranulozytose, aplastische Anämie, Panzytopenie, Aplasie der roten Blutkörperchen sowie andere Formen der Blutarmut (megaloblastär, möglicherweise hämolytisch), Retikulozytose; Milzvergrößerung[1, 2]Mehr dazu: Veränderungen des Blutbilds
  • ImmunsystemAkute allergische Allgemeinreaktion, anaphylaktische (Schock-)Reaktionen und Schwellungen von Haut und Schleimhäuten (Angioödeme); Verringerung der Gammaglobuline im Blut (Hypogammaglobulinämie)[1, 2]Mehr dazu: Allergische ReaktionenSchwellungen von Gesicht, Zunge oder Rachen
  • HormonsystemAnstieg des Prolaktinspiegels mit oder ohne Beschwerden wie Anschwellen der männlichen Brustdrüse (Gynäkomastie) oder Milchfluss (Galaktorrhö)[1, 2]Mehr dazu: Brustspannen und Brustvergrößerung
  • Stoffwechsel und ErnährungVerschiedene Formen der Porphyrie (akute intermittierende Porphyrie, Porphyria variegata, Porphyria cutanea tarda)[1, 2]
  • PsycheAktivierung verborgener (latenter) Psychosen, phobische Störungen (Angststörungen), Denkerschwernis und Antriebslosigkeit[1, 2]Mehr dazu: Psychose und HalluzinationenAngst
  • NervensystemMalignes neuroleptisches Syndrom[1, 2]Mehr dazu: Fieber
  • NervensystemHirnhautentzündung ohne Bakterien oder Viren (aseptische Meningitis) mit Muskelzucken und Vermehrung bestimmter weißer Blutkörperchen; Geschmacksstörungen[1, 2]Mehr dazu: Geschmacksstörungen
  • AugenBindehautentzündungen, Linsentrübungen und erhöhter Augeninnendruck[1, 2]
  • Ohr und GleichgewichtHörstörungen wie Ohrensausen (Tinnitus), übersteigertes oder vermindertes Hörempfinden und veränderte Wahrnehmung von Tonhöhen[1, 2]Mehr dazu: Ohrgeräusche
  • Gefäße und KreislaufKreislaufkollaps, Gefäßverschluss durch ein Blutgerinnsel (Embolie, z. B. Lungenembolie) und Venenentzündung (Thrombophlebitis)[1, 2]Mehr dazu: Blutgerinnsel
  • AtemwegeÜberempfindlichkeitsreaktionen der Lunge mit Fieber, Atemnot und Lungenentzündung (Pneumonitis, Pneumonie, Alveolitis)[1, 2]Mehr dazu: AtemnotFieber
  • Magen und DarmSchleimhautentzündungen im Mund-Rachen-Bereich (Stomatitis, Gingivitis, Glossitis) und Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis)[1, 2]Mehr dazu: Bauchspeicheldrüsenentzündung
  • Leber und GalleGranulomatöse Lebererkrankung[1, 2]Mehr dazu: Leberschäden und erhöhte Leberwerte
  • HautSchwere, möglicherweise lebensbedrohliche Hautreaktionen (Stevens-Johnson-Syndrom und toxische epidermale Nekrolyse); laut Fachinformation in einigen asiatischen Ländern auch selten[1, 2]Mehr dazu: Schwere Hautreaktionen
  • HautLichtempfindlichkeit, Hautrötungen mit scheiben- oder knotenförmigen Veränderungen und Einblutungen (Erythema exsudativum multiforme et nodosum), kleinfleckige Hautblutungen (Purpura), Haarausfall, vermehrtes Schwitzen, Veränderungen der Hautpigmentierung, Akne, vermehrte Behaarung vom männlichen Typ bei Frauen (Hirsutismus) und Gefäßentzündung (Vaskulitis)[1, 2]Mehr dazu: Lichtempfindlichkeit der HautHaarausfallVermehrtes SchwitzenPigmentstörungen der HautAkne
  • Muskeln, Knochen und GelenkeStörungen im Knochenstoffwechsel, die vereinzelt zu Knochenerweichung (Osteomalazie) führten; Gelenkschmerzen, Muskelschmerzen und Muskelkrämpfe[1, 2]Mehr dazu: GelenkschmerzenMuskelschmerzenKnochenschwund und Knochenbrüche
  • Nieren und HarnwegeNierengewebsentzündung (interstitielle Nephritis), Nierenversagen und andere Beschwerden beim Wasserlassen (häufiges Wasserlassen, Schmerzen beim Wasserlassen, Harnverhalt)[1, 2]Mehr dazu: NierenfunktionsstörungenHäufiges WasserlassenProbleme beim Wasserlassen
  • Geschlechtsorgane und BrustSexuelle Störungen wie Impotenz und verminderte Libido, verminderte männliche Fruchtbarkeit und/oder veränderte Bildung von Samenzellen[1, 2]Mehr dazu: ErektionsstörungenWeniger Lust auf Sex
  • Laborwerte und UntersuchungenErhöhte Cholesterinspiegel einschließlich HDL-Cholesterin und Triglyzeride, erhöhtes freies Cortisol im Blut und veränderte Schilddrüsenwerte[1, 2]Mehr dazu: Erhöhte BlutfetteVeränderte Laborwerte

Nicht bekanntHäufigkeit nicht abschätzbar oder in der Quelle nicht angegeben

Eine Häufigkeit sagt, wie oft eine Beschwerde während der Behandlung beobachtet wurde. Sie sagt nicht, dass das Medikament sie verursacht hat.

Wann Sie ärztliche Hilfe brauchen

Die genannten Zeichen können laut Packungsbeilage frühe Anzeichen einer schweren Schädigung von Blut, Leber, Niere oder anderen Organen sein und müssen möglicherweise dringend behandelt werden [1]. Schwere Hautreaktionen wie das Stevens-Johnson-Syndrom und die toxische epidermale Nekrolyse sind möglicherweise lebensbedrohlich; das höchste Risiko besteht in den ersten Behandlungswochen [1, 2]. Laut Fachinformation treten sie bei schätzungsweise 1 bis 6 von 10.000 neuen Anwenderinnen und Anwendern in Ländern mit vorwiegend europäischstämmiger Bevölkerung auf, in einigen asiatischen Ländern etwa 10-mal häufiger [2]. Mehr unter schwere Hautreaktionen. Telefonnummern für den Ernstfall finden Sie unter Notfall und Giftnotruf.

Was Sie bei Nebenwirkungen tun können

Mann in den Fünfzigern geht an einem hellen Tag mit einem Freund entspannt einen Weg am Seeufer entlang
Bild: KI-generiert

Kontrollen wahrnehmen: Laut Fachinformation sollten Blutbild und Leberwerte vor der Behandlung, im ersten Monat wöchentlich und danach monatlich kontrolliert werden; nach 6 Monaten reichen teilweise 2 bis 4 Kontrollen im Jahr [2]. Haben Sie Nierenprobleme mit niedrigem Natriumspiegel oder nehmen Sie Entwässerungsmittel wie Hydrochlorothiazid oder Furosemid, sollte laut Fachinformation auch der Natriumspiegel bestimmt werden [1, 2]. Mehr unter Blutbild und Leberwerte.

Haut und Sonne: Wegen einer möglicherweise erhöhten Lichtempfindlichkeit sollten Sie sich während der Behandlung vor starker Sonnenbestrahlung schützen [1, 2]. Tritt ein Hautausschlag auf, suchen Sie sofort eine Ärztin oder einen Arzt auf und sagen Sie, dass Sie Carbamazepin einnehmen [1]. Leichte Hautreaktionen sind laut Fachinformation meist vorübergehend; weil sich frühe Zeichen schwerer und leichter Reaktionen schwer unterscheiden lassen, sollte aber engmaschig beobachtet werden [2].

Schwindel und Stürze: Schwindel, Benommenheit, Blutdruckabfall oder Verwirrtheit können zu Stürzen führen; informieren Sie dann sofort Ihre Ärztin oder Ihren Arzt [1]. Laut Fachinformation sollte bei Menschen mit Erkrankungen, Beschwerden oder Arzneimitteln, die diese Wirkungen verstärken könnten, eine umfassende Beurteilung des Sturzrisikos erwogen werden, unter Langzeitbehandlung wiederholt [2]. Haben Sie den Eindruck, dass die Wirkung zu stark oder zu schwach ist, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke [1].

Wechselwirkungen

Informieren Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke über alle Arzneimittel, die Sie anwenden, kürzlich angewendet haben oder anwenden wollen [1]. Carbamazepin regt Leberenzyme an und kann deshalb die Konzentration und Wirkung vieler anderer Mittel senken, darunter Gerinnungshemmer wie Phenprocoumon oder Apixaban, andere Antiepileptika wie Lamotrigin oder Valproinsäure, Antidepressiva, Antipsychotika wie Clozapin oder Quetiapin, Kortikosteroide, Schilddrüsenhormone und bestimmte Schmerzmittel [1, 2]. Umgekehrt können zum Beispiel Makrolid-Antibiotika, Azol-Antimykotika, Fluoxetin, Paroxetin oder Grapefruitsaft den Carbamazepin-Spiegel erhöhen [1, 2].

Hormonelle Verhütung: Carbamazepin kann die Wirkung von Pille, Pflaster, Injektionen oder Implantaten beeinträchtigen; außerdem können unerwartete Durchbruch- oder Schmierblutungen auftreten. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über die für Sie geeignete Verhütungsmethode; laut Fachinformation werden nicht-hormonelle Methoden empfohlen [1, 2]. Mehr zu hormonellen Verhütungsmitteln und im Ratgeber Medikamente und Grapefruit.

Wechselwirkungen von Carbamazepin
Zusammen mitWas passieren kannHinweis
MAO-Hemmer (Mittel gegen Depressionen)Kombination nicht empfohlen[1, 2]Eine Behandlung mit MAO-Hemmern muss mindestens 2 Wochen vor Beginn abgeschlossen sein
Hormonelle Verhütungsmittel (Pille, Pflaster, Injektionen, Implantate)Carbamazepin kann ihre Wirkung beeinträchtigen; unerwartete Durchbruch- oder Schmierblutungen sind möglich[1, 2]Mit der Ärztin oder dem Arzt über eine geeignete Verhütungsmethode sprechen; laut Fachinformation werden nicht-hormonelle Methoden empfohlen
Arzneimittel, deren Blutspiegel Carbamazepin senken kann, unter anderem Gerinnungshemmer (Warfarin, Phenprocoumon, Rivaroxaban, Dabigatran, Apixaban, Edoxaban), andere Mittel gegen Epilepsie, bestimmte Antidepressiva und Antipsychotika, Kortikosteroide, Immunsuppressiva, Schilddrüsenhormone, HIV-Mittel, bestimmte Statine, Kalziumantagonisten vom Dihydropyridin-Typ (z. B. Felodipin) und Schmerzmittel wie Buprenorphin, Fentanyl, Methadon oder TramadolIhr Blutspiegel kann sinken, sodass sie unter Umständen unwirksam werden[1, 2]Ärztin oder Arzt informieren; die Dosis wird gegebenenfalls angepasst. Laut Fachinformation sollte die gleichzeitige Anwendung mit Dabigatran vermieden werden, mit Rivaroxaban ebenfalls, außer bei engmaschiger Überwachung; bei Apixaban sollte sie zur Behandlung von tiefen Venenthrombosen und Lungenembolien vermieden werden und in den übrigen Anwendungsgebieten nur mit Vorsicht erfolgen, bei Edoxaban nur mit Vorsicht
Arzneimittel, die den Carbamazepin-Spiegel erhöhen können, unter anderem Makrolid-Antibiotika (z. B. Erythromycin, Clarithromycin), Isoniazid, Azol-Antimykotika, Fluoxetin, Fluvoxamin, Paroxetin, Ibuprofen, Danazol, Loratadin, HIV-Protease-Hemmer, Verapamil, Diltiazem, Omeprazol und GrapefruitsaftMehr Nebenwirkungen möglich, z. B. Schwindel, Benommenheit, Gangunsicherheit und Doppeltsehen[1, 2]Ärztin oder Arzt informieren; laut Fachinformation Spiegel kontrollieren und Dosis gegebenenfalls verringern
Arzneimittel, die den Carbamazepin-Spiegel senken können, unter anderem Phenytoin, Phenobarbital, Primidon, Oxcarbazepin, Felbamat, Rifampicin, Theophyllin, Isotretinoin, Cisplatin, Doxorubicin und JohanniskrautDie Wirkung von Carbamazepin kann nachlassen[1, 2]Ärztin oder Arzt informieren
Lithium, Metoclopramid und Neuroleptika (z. B. Haloperidol, Thioridazin)Laut Fachinformation können neurologische Nebenwirkungen begünstigt werden; mit Lithium kann sich die nervenschädigende Wirkung beider Wirkstoffe verstärken[1, 2]Laut Fachinformation bei Lithium sorgfältige Überwachung der Blutspiegel beider Wirkstoffe
Antidepressiva vom Typ der Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (z. B. Fluoxetin)Laut Fachinformation kann ein toxisches Serotonin-Syndrom auftreten[1, 2]Ärztin oder Arzt informieren
Paracetamol (Langzeitanwendung)Kann zu einer Leberschädigung führen[1, 2]Ärztin oder Arzt informieren
Entwässerungsmittel wie Hydrochlorothiazid oder FurosemidLaut Fachinformation kann ein Natriummangel mit Beschwerden auftreten[1, 2]Ärztin oder Arzt informieren
Mittel gegen Herzrhythmusstörungen, zyklische Antidepressiva oder ErythromycinLaut Fachinformation erhöhtes Risiko für Überleitungsstörungen am Herzen[2]Ärztin oder Arzt informieren
AlkoholCarbamazepin kann dazu führen, dass Sie nur noch wenig oder gar keinen Alkohol vertragen[1, 2]Alkohol meiden

Die Liste nennt die wichtigsten Wechselwirkungen aus der Produktinformation, nicht alle. Welche Mittel Sie zusammen einnehmen können, klären Sie am besten mit Ihrer Apotheke, auch bei rezeptfreien und pflanzlichen Mitteln.

Wer Carbamazepin nicht oder nur mit Vorsicht nehmen sollte

Carbamazepin darf nicht eingenommen werden bei einer Allergie gegen Carbamazepin oder verwandte Mittel wie trizyklische Antidepressiva, nach einer Knochenmarkschädigung, bei Überleitungsstörungen des Herzens, bei bestimmten erblichen Porphyrien und zusammen mit MAO-Hemmern oder Voriconazol [1, 2]. Leiden Sie unter Absencen, sollte Carbamazepin nicht angewendet werden, weil es solche Anfälle hervorrufen oder verstärken kann [1, 2].

Erbmerkmale und Hautreaktionen: Die schweren Hautreaktionen können bei Menschen aus bestimmten asiatischen Ländern häufiger auftreten. Gehören Sie zur Bevölkerungsgruppe der Han-Chinesen oder Thailänder, kann Ihre Ärztin oder Ihr Arzt mit einem Bluttest erkennen, ob Sie ein erhöhtes Risiko haben [1]. Laut Fachinformation geht es dabei um das Erbmerkmal HLA-B*1502; bei Menschen europäischer und japanischer Herkunft ist das Merkmal HLA-A*3101 mit einem erhöhten Risiko für Hautreaktionen verbunden, für eine Testempfehlung vor Behandlungsbeginn reichen die Daten aber nicht aus [2]. Gentests ersetzen laut Fachinformation keine sorgfältige ärztliche Betreuung [2].

Nicht einnehmen bei

  • Allergie gegen Carbamazepin, strukturell verwandte Mittel (z. B. trizyklische Antidepressiva) oder einen der sonstigen Bestandteile[1, 2]
  • Knochenmarkschädigung oder Störung der Blutbildung im Knochenmark in der Vorgeschichte[1, 2]
  • Überleitungsstörungen des Herzens (atrioventrikulärer Block)[1, 2]
  • Bestimmte erbliche Stoffwechselstörungen der Leber (akute intermittierende Porphyrie, Porphyria variegata, Porphyria cutanea tarda), auch in der Vorgeschichte[1, 2]
  • Gleichzeitige Behandlung mit einem MAO-Hemmer (Mittel gegen Depressionen)[1, 2]
  • Gleichzeitige Behandlung mit Voriconazol (Mittel gegen Pilzerkrankungen), weil dessen Behandlung versagen kann[1, 2]

Besondere Vorsicht bei

  • Absencen (Anfälle mit kurzen Bewusstseinspausen): Carbamazepin sollte dann nicht angewendet werden, weil es solche Anfälle hervorrufen oder verstärken kann[1, 2]
  • Schwere Hautreaktionen: Das höchste Risiko für ein Stevens-Johnson-Syndrom oder eine toxische epidermale Nekrolyse besteht in den ersten Behandlungswochen; nach einer solchen Reaktion darf nie wieder Carbamazepin eingenommen werden[1, 2]
  • Han-chinesische oder thailändische Abstammung: Die beschriebenen schweren Hautreaktionen können bei Menschen aus bestimmten asiatischen Ländern häufiger auftreten; ein Bluttest kann ein erhöhtes Risiko erkennen. Laut Fachinformation ist das Erbmerkmal HLA-B*1502 stark mit dem Risiko eines Stevens-Johnson-Syndroms verbunden; Betroffene sollten vor der Behandlung nach Möglichkeit genetisch untersucht werden, und bei positivem Test sollte die Behandlung nicht begonnen werden, es sei denn, es gibt keine Alternative. Bei Menschen aus anderen, genetisch besonders gefährdeten asiatischen Bevölkerungsgruppen kann ein Test erwogen werden[1, 2]
  • Europäische und japanische Herkunft: Laut Fachinformation ist das Erbmerkmal HLA-A*3101 mit einem erhöhten Risiko für Hautreaktionen durch Carbamazepin verbunden (z. B. Stevens-Johnson-Syndrom, toxische epidermale Nekrolyse, DRESS, AGEP, makulopapulöser Ausschlag); für eine Empfehlung, vor Beginn darauf zu testen, reichen die Daten nicht aus[2]
  • Erkrankungen der blutbildenden Organe. Laut Fachinformation sollte das Blutbild vor der Behandlung, im ersten Monat wöchentlich und danach monatlich kontrolliert werden; nach 6 Monaten reichen teilweise 2 bis 4 Kontrollen im Jahr[1, 2]
  • Frühere Allergie gegen Oxcarbazepin oder ein anderes Arzneimittel: Wer auf Carbamazepin allergisch reagiert, reagiert laut Packungsbeilage mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 25 Prozent auch auf Oxcarbazepin; laut Fachinformation können etwa 25 bis 30 Prozent Überempfindlichkeitsreaktionen auf Oxcarbazepin zeigen[1, 2]
  • Gestörter Natriumstoffwechsel, Nierenprobleme mit niedrigem Natriumspiegel oder gleichzeitige Einnahme von Mitteln, die den Natriumspiegel senken (z. B. Hydrochlorothiazid, Furosemid); laut Fachinformation sollte der Natriumspiegel dann vor und während der Behandlung bestimmt werden[1, 2]
  • Herz-, Leber- oder Nierenfunktionsstörungen, auch früher; laut Fachinformation werden die Leberwerte vor und während der Behandlung kontrolliert[1, 2]
  • Erhöhter Augeninnendruck (Glaukom) oder Beschwerden beim Wasserlassen: sorgfältige Überwachung[1, 2]
  • Myotone Dystrophie (degenerative Muskelerkrankung), weil dabei häufig Überleitungsstörungen am Herzen auftreten[1, 2]
  • Frühere Behandlung mit Carbamazepin, die abgebrochen wurde[1, 2]
  • Psychose, die von Verwirrungs- und Übererregungszuständen begleitet sein kann; laut Fachinformation ist an eine Aktivierung verborgener Psychosen und bei älteren Menschen an Verwirrungs- oder Erregungszustände zu denken[1, 2]
  • Suizidgedanken: Eine geringe Anzahl von Menschen, die mit Antiepileptika behandelt wurden, hatte Gedanken, sich selbst zu verletzen oder sich das Leben zu nehmen[1, 2]
  • Lichtempfindlichkeit: Sie sollten sich während der Behandlung vor starker Sonnenbestrahlung schützen[1, 2]
  • Frauen im gebärfähigen Alter: Carbamazepin kann das ungeborene Kind schädigen. Während der Behandlung und zwei Wochen danach ist eine zuverlässige Verhütung nötig; laut Fachinformation mindestens eine zuverlässige Methode wie eine Spirale oder zwei sich ergänzende Methoden einschließlich einer Barrieremethode. Laut Fachinformation sollte Carbamazepin bei Frauen im gebärfähigen Alter nicht angewendet werden, es sei denn, der Nutzen überwiegt nach sorgfältiger Abwägung anderer geeigneter Behandlungen die Risiken; vor Behandlungsbeginn sollte ein Schwangerschaftstest erwogen werden[1, 2]
  • Schilddrüsenunterfunktion mit Hormonersatz: Laut Fachinformation kann Carbamazepin den Bedarf an Schilddrüsenhormonen erhöhen; die Schilddrüsenwerte werden zu Beginn und am Ende der Behandlung bestimmt[2]
  • Langzeitbehandlung, Osteoporose oder gleichzeitige Einnahme von Kortison: Es wurden Fälle verringerter Knochendichte bis hin zu Knochenbrüchen berichtet; sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt[1, 2]
  • Multiple Sklerose: Es gibt Hinweise, dass Carbamazepin die Beschwerden verschlechtern kann[1, 2]
  • Kinder unter 6 Jahren: Retardtabletten sind wegen des zu hohen Wirkstoffgehalts und fehlender Erfahrung ungeeignet; ältere Menschen: niedrigere Dosierung[1, 2]
  • Tegretal 100 mg/5 ml Suspension bei Neugeborenen: Laut Rote-Hand-Brief vom 05.01.2026 darf diese Suspension bei Neugeborenen bis zu einem Alter von 4 Wochen (bei Frühgeborenen bis zu einem Alter von 44 Wochen nach der letzten Menstruation der Mutter) nicht angewendet werden, es sei denn, es gibt keine andere Behandlungsmöglichkeit und der erwartete Nutzen überwiegt die Risiken; dann wird eine medizinische Überwachung empfohlen. Grund ist der hohe Gehalt des Hilfsstoffs Propylenglykol, der zu schwerwiegenden Nebenwirkungen wie einer Übersäuerung des Blutes (metabolische Azidose), Nierenfunktionsstörungen, akutem Nierenversagen und Leberfunktionsstörungen führen kann. Andere Darreichungsformen von Tegretal und andere carbamazepinhaltige Präparate betrifft das laut Rote-Hand-Brief nicht[4]

Alkohol, Autofahren, Schwangerschaft

Alkohol sollten Sie während der Behandlung meiden [1, 2]. Laut Packungsbeilage dürfen Sie wegen möglicher Nebenwirkungen wie Schwindel, Benommenheit, Müdigkeit, verschwommenem Sehen und Doppeltsehen keine Kraftfahrzeuge führen, keine Maschinen bedienen und keine anderen gefahrvollen Tätigkeiten ausführen [1]. Carbamazepin kann das ungeborene Kind schädigen; Frauen im gebärfähigen Alter sollten während der Behandlung und zwei Wochen danach zuverlässig verhüten [1, 2]. Die Karten stellen die Angaben von Packungsbeilage, Fachinformation und dem Beratungszentrum Embryotox der Charité nebeneinander [1, 2, 3]. Mehr im Ratgeber Medikamente in der Schwangerschaft.

Schwangerschaft

Carbamazepin kann zu schweren Geburtsfehlern führen: Das Risiko für einen Geburtsfehler ist bis zu 3-fach höher als bei Frauen, die keine Arzneimittel gegen Epilepsie anwenden. Berichtet wurden Neuralrohrdefekte (offene Wirbelsäule), Lippen- und Gaumenspalten, Fehlbildungen des Kopfes, Herzfehler, Fehlbildungen des Penis mit Beteiligung der Harnöffnung (Hypospadie) und Fingerdefekte; auch Probleme der Gehirnentwicklung wurden berichtet, wobei die Studien dazu widersprüchlich sind. Eine spezielle vorgeburtliche Überwachung wird empfohlen. Laut Fachinformation sollte Carbamazepin während der Schwangerschaft nicht angewendet werden, es sei denn, der Nutzen überwiegt nach sorgfältiger Abwägung anderer geeigneter Behandlungen die Risiken.[1, 2]

Planen Sie eine Schwangerschaft, sprechen Sie vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über eine Umstellung auf eine andere geeignete Behandlung. Sind Sie schwanger oder vermuten Sie es, informieren Sie sofort Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, brechen Sie die Einnahme aber nicht ohne Rücksprache ab: Das kann zu Krampfanfällen führen, die für Sie und Ihr Kind gefährlich sind. Laut Packungsbeilage kann Folsäure vor und während der Schwangerschaft sinnvoll sein; zur Vorbeugung von Blutungsstörungen wird Vitamin K für die Mutter in den letzten Schwangerschaftswochen bzw. für das Neugeborene empfohlen.[1, 2]

Embryotox stuft Carbamazepin als gesichert fehlbildend (teratogen) ein: Das Fehlbildungsrisiko war in einem Cochrane-Review etwa doppelt so hoch wie bei gesunden Schwangeren ohne Antiepileptika. Bei Planung einer Schwangerschaft sollte die Behandlung sehr kritisch geprüft und bei Epilepsie wenn möglich umgestellt werden; bei psychiatrischen Anwendungsgebieten und Nervenschmerzen sollte Carbamazepin laut Embryotox nicht verwendet werden. Ist die Behandlung zwingend notwendig, sollte laut Embryotox ab Planung einer Schwangerschaft bis mindestens zur 12. Schwangerschaftswoche täglich Folsäure eingenommen werden. Eine stabil eingestellte Patientin mit Epilepsie, bei der eine Umstellung nicht möglich ist, kann die Behandlung beibehalten; die Entbindung sollte dann in einer Klinik mit Neonatologie erfolgen. Besser geeignete Alternativen sind laut Embryotox bei Epilepsie Lamotrigin, gegebenenfalls auch Levetiracetam, bei Trigeminusneuralgie Lamotrigin oder Levetiracetam und bei bipolarer Störung Quetiapin, andere Neuroleptika, Lamotrigin oder gegebenenfalls das schwach fehlbildend wirkende Lithium; bei psychiatrischen Anwendungsgebieten und Nervenschmerzen sollten etablierte Psychopharmaka bzw. andere Schmerzmittel bevorzugt werden. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.[3]

Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.

Stillzeit

Carbamazepin tritt in die Muttermilch über; trotzdem ist Stillen während der Behandlung in der Regel möglich. Beobachten Sie Ihr Kind auf mögliche Nebenwirkungen; bei schlechter Gewichtszunahme, übermäßigem Schlafbedürfnis oder allergischen Hautreaktionen sollte abgestillt werden. Laut Fachinformation sollten gestillte Kinder sorgfältig auf Nebenwirkungen an Leber und Galle überwacht werden.[1, 2]

Laut Embryotox ist Stillen unter alleiniger Behandlung mit Carbamazepin und guter Beobachtung des Kindes akzeptabel; zu bedenken ist das fehlbildende Risiko einer nächsten Schwangerschaft unter Carbamazepin.[3]

Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.

Alkohol

Carbamazepin kann dazu führen, dass Sie nur noch wenig oder gar keinen Alkohol vertragen; Sie sollten deshalb während der Behandlung Alkohol meiden.[1, 2]

Autofahren und Maschinen

Schwindel, Benommenheit, Müdigkeit, verschwommenes Sehen, Doppeltsehen und Störungen der Bewegungskoordination, zu Beginn der Behandlung, bei Dosissteigerung, bei höheren Dosen oder zusammen mit anderen auf das Nervensystem wirkenden Mitteln, schränken auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch die Fahrtüchtigkeit ein. Laut Packungsbeilage dürfen Sie deshalb keine Kraftfahrzeuge führen, keine Maschinen bedienen und keine anderen gefahrvollen Tätigkeiten ausführen; das gilt verstärkt zusammen mit Alkohol.[1, 2]

Einnahme

Die Retardtabletten während oder nach den Mahlzeiten mit ausreichend Flüssigkeit einnehmen, z. B. mit einem Glas Wasser; sie können in gleiche Dosen geteilt werden. Die Tagesdosis wird in der Regel auf 1 bis 2 Einzelgaben verteilt.[1]

Einnahme vergessen: nicht die doppelte Menge einnehmen, sondern das Arzneimittel weiter wie vorgesehen einnehmen.[1]

Die Behandlung der Epilepsie und die Vorbeugung manisch-depressiver Phasen sind grundsätzlich Langzeitbehandlungen; über Einstellung, Dauer und Absetzen sollte bei Epilepsie eine in der Behandlung erfahrene Fachärztin oder ein Facharzt entscheiden. Zur Anfallsverhütung beim Alkoholentzug sollte die Behandlung nach 7 bis 10 Tagen ausschleichend beendet werden.[1]

Absetzen

Sie dürfen die Behandlung auf keinen Fall eigenmächtig unterbrechen oder vorzeitig beenden: Sie können den Behandlungserfolg gefährden und erneut epileptische Anfälle auslösen. Bei Epilepsie ist ein Absetzen im Allgemeinen frühestens nach zwei- bis dreijähriger Anfallsfreiheit zu erwägen und muss schrittweise über ein bis zwei Jahre erfolgen; laut Fachinformation kann ein abruptes Absetzen zu Anfällen führen.[1, 2]

Überdosierung

Im Fall einer Überdosierung ist umgehend ärztliche Behandlung erforderlich, nach hohen Dosen mit Einlieferung in ein Krankenhaus. Die Nebenwirkungen können verstärkt auftreten; Atemschwierigkeiten, ein schneller und unregelmäßiger Herzschlag, Bewusstseinsverlust, Ohnmacht, Zittern, Übelkeit und/oder Erbrechen können Hinweise sein. Ein spezielles Gegenmittel gibt es nicht.[1]

Dosierung laut Packungsbeilage

Die Packungsbeilage nennt Dosisangaben für jedes Anwendungsgebiet, bei Epilepsie getrennt für Erwachsene und Kinder nach Alter [1]. Die Übersicht gibt diese Angaben wieder und ersetzt nicht die Verordnung. Welche Dosis für Sie richtig ist, bestimmt und kontrolliert Ihre Ärztin oder Ihr Arzt, möglichst niedrig und bei Epilepsie mit dem Ziel der Anfallsfreiheit [1].

Einnahme und Absetzen

Nehmen Sie Carbamazepin immer genau nach Absprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ein und ändern Sie Behandlung oder Dosis nicht ohne Rücksprache [1]. Die Retardtabletten werden während oder nach den Mahlzeiten mit ausreichend Flüssigkeit eingenommen; die Behandlung der Epilepsie und die Vorbeugung manisch-depressiver Phasen sind grundsätzlich Langzeitbehandlungen [1].

Unterbrechen oder beenden Sie die Behandlung auf keinen Fall eigenmächtig, denn Sie können damit den Behandlungserfolg gefährden und erneut epileptische Anfälle auslösen [1]. Bei Epilepsie ist ein Absetzen im Allgemeinen frühestens nach zwei- bis dreijähriger Anfallsfreiheit zu erwägen und muss schrittweise über ein bis zwei Jahre erfolgen [1]. Allgemeine Hinweise gibt der Ratgeber Medikamente absetzen.

Präparate mit Carbamazepin

Carbamazepin gibt es als Retardtabletten, Tabletten und Suspension zum Einnehmen. Grundlage dieser Seite sind Packungsbeilage und Fachinformation von Carbamazepin-ratiopharm 200 mg Retardtabletten [1, 2]. Für nicht verzögert freisetzende Formen gelten eigene Packungsbeilagen.

Präparate mit Carbamazepin
PräparatAnbieterHinweis
Carbamazepin-ratiopharmratiopharm GmbHverschreibungspflichtig; Retardtabletten mit 200 oder 400 mg; Grundlage dieser Seite
Finlepsinverschreibungspflichtig
Tegretalverschreibungspflichtig
Timonilverschreibungspflichtig

Auswahl ohne Wertung. Präparate mit demselben Wirkstoff können sich in Stärke, Hilfsstoffen und zugelassenen Anwendungsgebieten unterscheiden. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.

Quellen

  1. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Carbamazepin-ratiopharm 200 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2023. abgerufen am 11.10.2026
  2. Fachinformation Fachinformation Carbamazepin-ratiopharm 200 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2023. abgerufen am 11.10.2026
  3. Embryotox Embryotox: Carbamazepin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 11.10.2026
  4. Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu Tegretal Suspension (Carbamazepin): Einschränkung der Anwendung bei Neugeborenen, da die Konzentration des Hilfsstoffs Propylenglykol den empfohlenen Grenzwert überschreitet. Novartis Pharma GmbH in Abstimmung mit dem BfArM. Stand 05.01.2026. abgerufen am 17.10.2026

Häufige Fragen

Wofür wird Carbamazepin eingesetzt?

Carbamazepin wird bei verschiedenen Formen der Epilepsie angewendet, außerdem bei anfallsartigen Gesichtsschmerzen (Trigeminus-Neuralgie) und Schmerzen im Rachenraum (Glossopharyngeus-Neuralgie), bei Nervenschmerzen durch Diabetes, bei nicht-epileptischen Anfällen bei Multipler Sklerose, zur Anfallsverhütung beim Alkoholentzug im Krankenhaus und zur Vorbeugung manisch-depressiver Phasen, wenn Lithium nicht wirkt oder nicht gegeben werden darf.

Warum wird unter Carbamazepin das Blut kontrolliert?

Carbamazepin kann das Blutbild verändern: Eine verminderte Zahl weißer Blutkörperchen ist sehr häufig, sehr selten kommen schwere Blutzellschäden wie eine Agranulozytose vor. Laut Fachinformation sollte das Blutbild vor der Behandlung, im ersten Monat wöchentlich und danach monatlich kontrolliert werden; auch Leberwerte und bei bestimmten Risiken der Natriumspiegel werden überprüft. Bei Fieber, Halsschmerzen, Geschwüren im Mund oder blauen Flecken suchen Sie sofort Ihre Ärztin oder Ihren Arzt auf.

Was haben Gentests mit Carbamazepin zu tun?

Bei Menschen han-chinesischer oder thailändischer Abstammung ist das Erbmerkmal HLA-B*1502 laut Fachinformation stark mit dem Risiko eines Stevens-Johnson-Syndroms verbunden; sie sollten vor der Behandlung nach Möglichkeit darauf getestet werden. Bei Menschen europäischer und japanischer Herkunft ist das Merkmal HLA-A*3101 mit einem erhöhten Risiko für Hautreaktionen verbunden; für eine Testempfehlung reichen die Daten hier nicht aus. Laut Fachinformation können Gentests eine sorgfältige ärztliche Betreuung nie ersetzen.

Wirkt die Pille, wenn ich Carbamazepin nehme?

Carbamazepin kann die Wirkung hormoneller Verhütungsmittel wie Pille, Pflaster, Injektionen oder Implantate beeinträchtigen; außerdem können Durchbruch- oder Schmierblutungen auftreten. Frauen im gebärfähigen Alter sollten während der Behandlung und zwei Wochen danach zuverlässig verhüten. Laut Fachinformation werden andere, nicht-hormonelle Methoden empfohlen; angewendet werden sollten mindestens eine zuverlässige Methode wie eine Spirale oder zwei sich ergänzende Methoden einschließlich einer Barrieremethode.

Darf ich Carbamazepin in der Schwangerschaft nehmen?

Carbamazepin kann zu schweren Geburtsfehlern führen; das Risiko ist bis zu 3-fach höher als ohne Arzneimittel gegen Epilepsie. Planen Sie eine Schwangerschaft, sprechen Sie vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über eine Umstellung. Sind Sie schwanger, informieren Sie sofort Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, setzen Sie Carbamazepin aber nicht eigenmächtig ab, denn Krampfanfälle können für Sie und Ihr Kind gefährlich sein.

Darf ich während der Behandlung Alkohol trinken?

Carbamazepin kann dazu führen, dass Sie nur noch wenig oder gar keinen Alkohol vertragen. Laut Packungsbeilage sollten Sie deshalb während der Behandlung Alkohol meiden; zusammen mit Alkohol ist auch die Fahrtüchtigkeit stärker eingeschränkt.

Macht Carbamazepin müde oder schwindelig?

Ja, Benommenheit, Schwindel, Müdigkeit, Schläfrigkeit und Gangunsicherheit gehören zu den sehr häufigen Nebenwirkungen. Laut Fachinformation treten zentralnervöse Nebenwirkungen wie Schwindel, Gangunsicherheit und Schläfrigkeit dosisabhängig vor allem zu Beginn der Behandlung, bei zu hoher Anfangsdosis oder bei älteren Menschen auf; solche Nebenwirkungen klingen meist innerhalb einiger Tage von selbst oder nach vorübergehender Dosisverringerung ab. Laut Packungsbeilage dürfen Sie keine Kraftfahrzeuge führen und keine Maschinen bedienen.

Kann ich Carbamazepin einfach absetzen?

Nein. Sie dürfen die Behandlung auf keinen Fall eigenmächtig unterbrechen oder vorzeitig beenden, weil das den Behandlungserfolg gefährden und erneut epileptische Anfälle auslösen kann. Bei Epilepsie ist ein Absetzen im Allgemeinen frühestens nach zwei- bis dreijähriger Anfallsfreiheit zu erwägen und erfolgt schrittweise über ein bis zwei Jahre.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

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