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Gewichtszunahme durch Medikamente

Gewichtszunahme ist laut IQWiG vor allem bei bestimmten Mitteln gegen psychische Erkrankungen und gegen Diabetes bekannt. Die Fachinformationen nennen sie zum Beispiel bei den Antipsychotika Olanzapin, Quetiapin und Clozapin, bei Mirtazapin und Amitriptylin, bei Pregabalin und Valproinsäure sowie bei Glucocorticoiden ("Kortison") wie Prednisolon. Medikamentenbedingte Gewichtszunahmen betragen laut IQWiG in der Regel 2 bis 5 Kilogramm. Nimmt das Gewicht rasch zu und schwellen Beine oder Gesicht an, kann auch Wasser im Gewebe dahinterstecken. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt darüber. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.

Mann mit kurzem braunem Haar steht am Morgen im Schlafzimmer vor dem Kleiderschrank und schließt mit etwas Mühe den Knopf seiner Jeans
Bild: KI-generiert

Manche Medikamente können das Körpergewicht erhöhen. Laut dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) sind es vor allem bestimmte Mittel gegen Diabetes und gegen psychische Erkrankungen; medikamentenbedingte Gewichtszunahmen betragen in der Regel 2 bis 5 Kilogramm [1]. Hinter einer Zunahme während einer Behandlung können verschiedene Vorgänge stecken: ein verstärkter Appetit, wie ihn etwa die Packungsbeilagen von Mirtazapin und Valproinsäure beschreiben, Veränderungen des Stoffwechsels, wie sie laut IQWiG unter Antipsychotika vorkommen, oder Wasser, das sich im Gewebe einlagert, zum Beispiel unter Minoxidil-Tabletten [2, 9, 12, 17].

Welche Medikamente Gewichtszunahme auslösen können

Die Beispiele stammen aus Gesundheitsinformationen des IQWiG und aus den Produktinformationen einzelner Wirkstoffe. Jede Häufigkeitsangabe gehört zu dem Wirkstoff, bei dem sie steht [1, 2, 3].

  • Antipsychotika (Neuroleptika): Zu ihren möglichen Nebenwirkungen zählt das IQWiG Gewichtszunahme, Stoffwechselprobleme und ein erhöhtes Diabetes-Risiko; Antipsychotika der 2. Generation führen häufiger zu Übergewicht und Stoffwechselstörungen als die der 1. Generation [2]. In der Fachinformation von Olanzapin ist Gewichtszunahme als sehr häufig eingestuft (mehr als 1 von 10 Behandelten); eine klinisch bedeutsame Zunahme wurde in allen Gruppen des Body-Mass-Index zu Behandlungsbeginn beobachtet [4]. Für Quetiapin nennt die Fachinformation Gewichtszunahme ebenfalls als sehr häufig, für Clozapin als häufig (bis zu 1 von 10 Behandelten) [6, 7]. Laut Fachinformation von Clozapin werden atypische Antipsychotika mit Stoffwechselveränderungen in Verbindung gebracht, darunter erhöhter Blutzucker, veränderte Blutfette und Gewichtszunahme; jedes Mittel dieser Klasse hat dabei sein eigenes Profil [6]. Mehr dazu: Quetiapin und Gewichtszunahme.
  • Antidepressiva: Bei Mirtazapin stuft die Packungsbeilage verstärkten Appetit und Gewichtszunahme als sehr häufig ein [9]. Laut Fachinformation gehören beide zu den Nebenwirkungen, die in Studien bei mehr als 5 Prozent der Behandelten berichtet wurden [8]. Bei Patientinnen und Patienten unter 18 Jahren wurde unter Mirtazapin häufiger eine deutliche Gewichtszunahme beobachtet als bei Erwachsenen [9]. Die Fachinformation von Amitriptylin nennt ein erhöhtes Gewicht als sehr häufig [10]. Mehr dazu: Mirtazapin und Gewichtszunahme, Amitriptylin und Gewichtszunahme, Sertralin und Gewichtszunahme, Escitalopram und Gewichtszunahme sowie Venlafaxin und Gewichtszunahme.
  • Antiepileptika: Für Pregabalin nennt die Fachinformation Gewichtszunahme als häufig [11]. Bei Valproinsäure ist eine von der Dosis abhängige Gewichtszunahme oder -abnahme laut Packungsbeilage häufig; die Beilage weist besonders auf eine Zunahme zu Beginn der Behandlung hin, deren Ursache ein gesteigerter Appetit sein kann [12]. Mehr dazu: Pregabalin und Gewichtszunahme.
  • Glucocorticoide ("Kortison"): Die Fachinformation von Prednisolon nennt Gewichtszunahme, Appetitsteigerung und eine Ansammlung von Natrium mit Wassereinlagerungen (Ödemen). Diese Nebenwirkungen hängen laut Fachinformation sehr stark von Dosis und Behandlungsdauer ab; ihre Häufigkeit lässt sich deshalb nicht angeben [14]. Bei der Behandlung mit höheren Dosierungen kann sich laut Packungsbeilage ein Cushing-Syndrom ausbilden; typische Zeichen sind Vollmondgesicht, Stammfettsucht und Gesichtsröte [15]. Auch laut IQWiG kann ein Morbus Cushing entstehen, wenn man über lange Zeit Kortisontabletten einnimmt [1].
  • Mittel gegen Diabetes: Laut IQWiG nehmen manche Menschen zu Beginn einer Behandlung mit Sulfonylharnstoffen an Gewicht zu, Glinide können zu einer Gewichtszunahme führen, und zu den möglichen Nebenwirkungen von Pioglitazon gehören Gewichtszunahme, Wassereinlagerungen und Herzschwäche [3]. Mehr dazu: Diabetes Typ 2.
  • Hormonelle Verhütungsmittel: Die Packungsbeilage einer Pille mit Levonorgestrel und Ethinylestradiol nennt Gewichtszunahme als häufig; solche Nebenwirkungen können in den ersten Monaten nach Beginn der Einnahme auftreten und klingen laut Beilage normalerweise ab, sobald sich der Körper an die Pille gewöhnt hat [16]. Laut IQWiG verursachen hormonelle Verhütungsmittel wie die Pille nach aktuellem Wissen dagegen keine Gewichtszunahme, auch wenn dies oft vermutet wird [1].
  • Mittel, die Wasser im Körper zurückhalten: Unter Minoxidil-Tabletten gegen Bluthochdruck kann sich laut Packungsbeilage Wasser im Gewebe ansammeln; deshalb wird Minoxidil zusammen mit einem harntreibenden Mittel eingenommen. Eine Zunahme um 1 bis 1,5 kg zu Beginn der Behandlung verschwindet laut Packungsbeilage meist bei fortgesetzter Einnahme [17]. Mehr dazu: Wassereinlagerungen.

Die Tabelle zeigt die Wirkstoffe, deren Produktinformation Gewichtszunahme nennt:

Gewichtszunahme als Nebenwirkung: Angaben aus der Produktinformation
WirkstoffHäufigkeitAngabe in der Produktinformation
AmitriptylinSehr häufigGewichtszunahme
LeuprorelinSehr häufigBei Männern mit Prostatakrebs: Gewichtszunahme · Bei Frauen (Enantone-Gyn): Gewichtszunahme oder -abnahme · Bei Frauen mit Brustkrebs (Enantone-Gyn): Gewichtszunahme, verminderter Appetit · Bei Frauen mit Endometriose…
MedroxyprogesteronSehr häufigGewichtszunahme oder -abnahme
MirtazapinSehr häufigVerstärkter Appetit und Gewichtszunahme
OlanzapinSehr häufigGewichtszunahme
QuetiapinSehr häufigGewichtszunahme
AgomelatinHäufigGewichtszunahme
AmisulpridHäufigGewichtszunahme
CarbamazepinHäufigWasseransammlung im Gewebe (Ödeme), verringerte Flüssigkeitsausscheidung, Gewichtszunahme, verminderter Natriumgehalt im Blut (Hyponatriämie) und verminderte Plasmaosmolalität, die selten zu einer Wasservergiftung mit…
CarvedilolHäufigGewichtszunahme
CelecoxibHäufigIn Langzeitstudien außerhalb von Gelenkerkrankungen (Einnahme bis zu 3 Jahre) zusätzlich beobachtet: Gewichtszunahme, Abweichungen bei nierenbezogenen Blutwerten (Kreatinin erhöht)
ClozapinHäufigGewichtszunahme · Zeichen von beginnendem oder fortschreitendem Übergewicht (Adipositas)
DesogestrelHäufigGewichtszunahme
DienogestHäufigGewichtszunahme
DrospirenonHäufigGewichtszunahme
EscitalopramHäufigGewichtszunahme
EstradiolHäufigGewichtszunahme oder Gewichtsabnahme
Etonogestrel/Ethinylestradiol (Vaginalring)HäufigGewichtszunahme
GabapentinHäufigVerminderte Zahl weißer Blutzellen im Blutbild, Gewichtszunahme
GuanfacinHäufigGewichtszunahme
HaloperidolHäufigGewichtszunahme oder Gewichtsverlust
LetrozolHäufigGewichtszunahme
LevonorgestrelHäufigGewichtszunahme
Levonorgestrel/EthinylestradiolHäufigGewichtszunahme
OxcarbazepinHäufigGewichtszunahme
PaliperidonHäufigHoher Blutzuckerspiegel, Gewichtszunahme, Gewichtsabnahme, verminderter Appetit
ParoxetinHäufigGewichtszunahme
PrednisonHäufigAppetitsteigerung und Gewichtszunahme
PregabalinHäufigGewichtszunahme
RisperidonHäufigGewichtszunahme, gesteigerter Appetit, verminderter Appetit
SertralinHäufigGewichtszunahme
TacrolimusHäufigErhöhte Blutwerte des Enzyms alkalische Phosphatase, Gewichtszunahme
TopiramatHäufigGewichtszunahme
UpadacitinibHäufigGewichtszunahme; laut Fachinformation bei Morbus Crohn gelegentlich
ValproinsäureHäufigGewichtszunahme oder Gewichtsabnahme (abhängig von der Dosis), gesteigerter oder verminderter Appetit · Vermehrung des Körperfetts (Adipositas)
VenlafaxinHäufigGewichtszunahme oder Gewichtsabnahme
AmlodipinGelegentlichGewichtszunahme oder Gewichtsabnahme
AtorvastatinGelegentlichAppetitlosigkeit (Anorexie), Gewichtszunahme
CiclosporinGelegentlichGewichtszunahme
CitalopramGelegentlichAppetitzunahme, Gewichtszunahme
Dienogest/EthinylestradiolGelegentlichGewichtszunahme
DoxazosinGelegentlichGewichtszunahme
DuloxetinGelegentlichGewichtszunahme
DydrogesteronGelegentlichGewichtszunahme
EtoricoxibGelegentlichGesteigerter oder verminderter Appetit, Gewichtszunahme
FebuxostatGelegentlichVerminderter Appetit, veränderte Blutzuckerwerte (Diabetes) mit Beschwerden wie übermäßigem Durst, erhöhte Blutfettwerte, Gewichtszunahme
InfliximabGelegentlichGewichtszunahme, bei den meisten Behandelten gering
LevetiracetamGelegentlichGewichtsverlust, Gewichtszunahme
Levodopa/CarbidopaGelegentlichGewichtsverlust oder Gewichtszunahme
MelatoninGelegentlichGewichtszunahme
MetoprololGelegentlichGewichtszunahme
OmalizumabGelegentlichGewichtszunahme
OpipramolGelegentlichGewichtszunahme
PramipexolGelegentlichBei Parkinson-Krankheit: Gewichtszunahme · Bei Restless-Legs-Syndrom: Gewichtszunahme sowie Gewichtsabnahme einschließlich vermindertem Appetit
TrazodonGelegentlichGewichtszunahme, Gewichtsabnahme
CetirizinSeltenGewichtszunahme
ClonidinSeltenGewichtsabnahme, vorübergehende Gewichtszunahme bei Behandlungsbeginn
OxycodonSeltenVeränderungen des Körpergewichts (Zu- oder Abnahme)
PantoprazolSeltenGewichtsveränderungen
CarbimazolSehr seltenAnstieg des Körpergewichts bei gleichbleibender Ernährung, weil der durch die Überfunktion krankhaft gesteigerte Energiebedarf sinkt, aus medizinischer Sicht im Allgemeinen erwünscht
AdalimumabNicht bekanntGewichtszunahme, bei den meisten Behandelten gering
AripiprazolNicht bekanntBei Jugendlichen ab 13 Jahren zusätzlich: Oberbauchschmerzen, Trockenheitsgefühl im Mund, erhöhte Herzfrequenz, Gewichtszunahme, gesteigerter Appetit, Muskelzucken, unkontrollierte Bewegungen der Gliedmaßen und…
ColestyraminNicht bekanntGewichtszunahme und Gewichtsabnahme
DesloratadinNicht bekanntGewichtszunahme
DexamethasonNicht bekanntGewichtszunahme
DoxepinNicht bekanntGewichtszunahme
EbastinNicht bekanntGewichtszunahme
LevocetirizinNicht bekanntGewichtszunahme
LithiumNicht bekanntGewichtszunahme
LoratadinNicht bekanntGewichtszunahme
PipamperonNicht bekanntGewichtszunahme, gesteigerter Appetit
PrednisolonNicht bekanntGewichtszunahme
TestosteronNicht bekanntGewichtszunahme; bei hoher Dosierung und/oder längerer Behandlung Veränderungen der Elektrolyte (Rückhaltung von Natrium, Chlorid, Kalium, Calcium, anorganischen Phosphaten und Wasser)
TrimipraminNicht bekanntGewichtszunahme und Schwitzen; laut Packungsbeilage vor allem zu Beginn der Behandlung

Die Tabelle umfasst nur Wirkstoffe, die auf dieser Website bereits mit geprüftem Datensatz beschrieben sind (74 von 358). Auch andere Arzneimittel können diese Beschwerde auslösen. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.

Gewichtszunahme als mögliches Zeichen einer anderen Nebenwirkung (7 Wirkstoffe)

Bei diesen Wirkstoffen nennt die Produktinformation die Beschwerde als mögliches Anzeichen einer anderen Nebenwirkung. Die angegebene Häufigkeit gilt für diese andere Nebenwirkung, nicht für die Beschwerde selbst; deshalb stehen sie nicht in der Tabelle oben.

Gewichtszunahme als Zeichen einer anderen Nebenwirkung
WirkstoffAngabe in der ProduktinformationHäufigkeit dieser Nebenwirkung
ClobetasolHemmung der Nebennierenrindenfunktion: cushingoide Erscheinungen (zum Beispiel Mondgesicht und Fettansatz am Rumpf), verzögerte Gewichtszunahme und Wachstumsverzögerung bei Kindern, verminderte Knochendichte (Osteoporose), erhöhter Blutzucker und Zucker im…Sehr selten
EstriolÖdeme mit vorübergehender GewichtszunahmeGelegentlich
ItraconazolHerzschwäche (kongestive Herzinsuffizienz) mit Kurzatmigkeit, unerwarteter Gewichtszunahme, geschwollenen Beinen oder geschwollenem Bauch, ungewöhnlicher Erschöpfung oder neu auftretenden DurchschlafstörungenSelten
MinoxidilSchwellung von Knöcheln, Füßen oder Fingern mit oder ohne GewichtszunahmeNicht bekannt
NivolumabUnterfunktion der Schilddrüse (kann Müdigkeit oder Gewichtszunahme verursachen), Überfunktion der Schilddrüse (kann schnelleren Herzschlag, Schwitzen und Gewichtsverlust verursachen), Schwellung bzw. Entzündung der SchilddrüseHäufig
OxcarbazepinSchilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose), erkennbar an Gewichtszunahme, Müdigkeit, Haarausfall, Muskelschwäche und KältegefühlGelegentlich
Salmeterol/FluticasonBeeinträchtigung der körpereigenen Steroidhormon-Bildung, besonders wenn über einen langen Zeitraum große Mengen angewendet wurden: Mondgesicht (Cushing-Syndrom, cushingoides Erscheinungsbild), Unterdrückung der Nebennierenfunktion, Wachstumsverzögerung bei…Selten

Woran Sie Gewichtszunahme durch ein Medikament erkennen

Ein Hinweis ist der zeitliche Zusammenhang mit dem Beginn der Behandlung. Unter Quetiapin tritt eine Gewichtszunahme laut Fachinformation bei Erwachsenen vorwiegend in den ersten Behandlungswochen auf [7]. Die Packungsbeilage von Valproinsäure weist besonders auf eine Zunahme zu Beginn der Behandlung hin [12]. Bei der Pille mit Levonorgestrel und Ethinylestradiol können Nebenwirkungen wie Gewichtszunahme laut Packungsbeilage in den ersten Monaten nach Beginn der Einnahme auftreten [16]. Mehr dazu: Beipackzettel verstehen.

Auch die Art der Zunahme kann ein Hinweis sein. Geht sie mit mehr Hunger einher, passt das zu einem gesteigerten Appetit, wie ihn die Packungsbeilagen von Mirtazapin und Valproinsäure und die Fachinformation von Prednisolon nennen [9, 12, 14]. Nimmt das Gewicht dagegen rasch zu und schwellen Gesicht, Augenlider, Hände, Fußknöchel oder die Magengegend an, kann das laut Packungsbeilage von Minoxidil ein Zeichen vermehrter Wasseransammlungen im Gewebe sein [17]. Eine Gewichtszunahme durch Wassereinlagerungen zählt laut IQWiG auch zu den Anzeichen einer Herzschwäche [19].

Schwierig ist die Zuordnung, weil das Gewicht auch aus vielen anderen Gründen steigen kann, zum Beispiel durch eine Schilddrüsenunterfunktion, eine Depression oder einen Rauchstopp [1]. Einige Packungsbeilagen sehen regelmäßige Gewichtskontrollen vor: Die Packungsbeilage von Olanzapin sieht vor, dass Sie und Ihre Ärztin oder Ihr Arzt Ihr Gewicht regelmäßig überprüfen; bei Valproinsäure sollen Sie laut Packungsbeilage Ihr Gewicht kontrollieren, bei Minoxidil-Tabletten täglich wiegen und das Gewicht notieren [5, 12, 17].

Warum Medikamente zu Gewichtszunahme führen können

Eine übermäßige Gewichtszunahme ist laut IQWiG die langfristige Folge eines unausgewogenen Energiehaushalts, wenn also mehr Kalorien aufgenommen als verbraucht werden; der Energiehaushalt wird unter anderem vom Nervensystem und von Hormonen gesteuert, was sich etwa durch Hunger- und Sättigungsgefühle bemerkbar macht [1]. Manche Medikamente steigern den Appetit: Bei Valproinsäure kann eine Gewichtszunahme laut Packungsbeilage auf einen gesteigerten Appetit zurückgehen, bei Mirtazapin nennt die Packungsbeilage verstärkten Appetit und Gewichtszunahme zusammen, und auch die Fachinformation von Prednisolon führt eine Appetitsteigerung auf [9, 12, 14].

Laut Fachinformation von Clozapin können die mit atypischen Antipsychotika verbundenen Stoffwechselveränderungen einen erhöhten Blutzucker, veränderte Blutfette und eine Gewichtszunahme einschließen und das Herz-Kreislauf-Risiko erhöhen [6]. Bei Olanzapin und Quetiapin wurde laut Fachinformation in einigen Fällen vor einem erhöhten Blutzucker oder einem Diabetes eine Zunahme des Körpergewichts berichtet, die ein begünstigender Faktor sein könnte [4, 7]. Mehr dazu: Blutzuckerveränderungen und Erhöhte Blutfette.

Ein Teil des Gewichts kann Wasser sein. Glucocorticoide wie Prednisolon können laut Fachinformation Natrium im Körper zurückhalten, sodass sich Ödeme bilden [14]. Unter Minoxidil-Tabletten kann sich laut Packungsbeilage Wasser im Gewebe ansammeln oder eine bestehende Herzleistungsschwäche verschlechtern [17]. Für Pregabalin nennt die Fachinformation Wassereinlagerungen im Gewebe (periphere Ödeme) als häufig [11]. Manchmal steckt auch eine Folge der Behandlung dahinter: Eine Schilddrüsenunterfunktion, zu deren Beschwerden eine leichte bis mäßige Gewichtszunahme gehört, kann laut IQWiG als Nebenwirkung von Medikamenten entstehen, etwa von Lithium [18].

Was Sie tun können

Ältere Frau mit grauem Haar spricht in einer hellen Arztpraxis ruhig mit einer Ärztin mit braunem Haar
Bild: KI-generiert

Nicht eigenmächtig absetzen. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Manche Mittel dürfen nicht plötzlich abgesetzt werden: Prednisolon darf laut Packungsbeilage nie eigenmächtig abgesetzt werden, weil eine länger dauernde Behandlung die körpereigene Bildung von Glucocorticoiden unterdrückt; eine ausgeprägte körperliche Belastung kann dann lebensgefährlich werden [15]. Mehr dazu: Medikamente absetzen.

Mit der Ärztin oder dem Arzt sprechen. Für Menschen mit starkem Übergewicht, die abnehmen möchten, ist es laut IQWiG sinnvoll, mit Ärztinnen und Ärzten über mögliche Ursachen und eigene Risikofaktoren zu sprechen und danach gemeinsam zu überlegen, welche Lösungen möglich sind [1]. Bei Antipsychotika ist es laut IQWiG das Ziel, die jeweils wirksamste Dosis mit den wenigsten Nebenwirkungen zu finden; zur Abwägung gehört die Frage, ob sich die Dosis so anpassen lässt, dass die Nebenwirkungen erträglich werden [2]. Bei Valproinsäure sollen Behandelte laut Fachinformation über die Möglichkeit einer Gewichtszunahme und über mögliche Gegenmaßnahmen informiert werden [13].

Gewicht und Stoffwechselwerte kontrollieren lassen. Die Fachinformation von Olanzapin nennt als Beispiel Gewichtskontrollen zu Beginn der Behandlung, nach 4, 8 und 12 Wochen und danach vierteljährlich, Blutzuckerbestimmungen zu Beginn, nach 12 Wochen und danach jährlich sowie Blutfettkontrollen zu Beginn, nach 12 Wochen und danach alle 5 Jahre [4]. Bei Quetiapin sollen die Stoffwechselwerte zu Behandlungsbeginn bewertet und während der Behandlung regelmäßig kontrolliert werden; bei Clozapin wird empfohlen, das Gewicht ärztlich zu überwachen [6, 7]. Bei Valproinsäure soll eine Gewichtszunahme laut Fachinformation genau überwacht werden, weil sie ein Risikofaktor für Zysten an den Eierstöcken (polyzystisches Ovarialsyndrom) ist [13].

Ernährungsberatung und Gewicht im Blick behalten. Die Packungsbeilage von Olanzapin rät, sich bei Bedarf an eine Ernährungsberaterin oder einen Ernährungsberater zu wenden [5]. Bei Valproinsäure sollen Sie laut Packungsbeilage Ihr Gewicht kontrollieren und die Zunahme so gering wie möglich halten [12]. Menschen mit Diabetes, die unter Pregabalin zunehmen, brauchen laut Fachinformation möglicherweise eine Anpassung ihrer blutzuckersenkenden Mittel [11].

Nebenwirkung melden. Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, wenden Sie sich an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke; Sie können sie auch direkt dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) melden [9]. Wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden.

Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen

Eine rasche Gewichtszunahme kann ein Warnzeichen sein. Nehmen Sie unter Minoxidil-Tabletten rasch 2 kg oder mehr zu oder bemerken Sie Schwellungen im Gesicht, an den Augenlidern, den Händen, den Fußknöcheln oder in der Magengegend, kann das laut Packungsbeilage ein Zeichen vermehrter Wasseransammlungen sein; die Ärztin oder der Arzt muss dann eventuell die Dosierung Ihrer Arzneimittel ändern [17]. Zu den Anzeichen einer Herzschwäche gehören laut IQWiG Kurzatmigkeit und Atemnot, Wassereinlagerungen in Füßen, Knöcheln oder Beinen und eine Gewichtszunahme aufgrund der Wassereinlagerungen [19]. Wassereinlagerungen in der Lunge (Lungenödem) sind laut IQWiG ein Notfall und können zu Erstickungsanfällen mit Husten und schaumigem Auswurf führen [19]. Mehr dazu: Herzschwäche durch Medikamente.

Unter Olanzapin und Quetiapin wurde laut Fachinformation über einen erhöhten Blutzucker und die Entwicklung oder Verschlechterung eines Diabetes berichtet, mitunter zusammen mit einer Übersäuerung des Blutes (Ketoazidose) oder einem Koma, darunter einige tödliche Fälle [4, 7]. Behandelte sollten laut Fachinformation von Olanzapin und Quetiapin auf Anzeichen eines zu hohen Blutzuckers beobachtet werden, wie starken Durst, vermehrtes Wasserlassen, Heißhunger und Schwäche [4, 7]. Bemerken Sie solche Anzeichen, wenden Sie sich umgehend an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt. Schwere Atemnot, Bewusstlosigkeit oder eine erhebliche Bewusstseinstrübung sind Fälle für den Rettungsdienst unter der Notrufnummer 112 [20].

Andere Ursachen

Nicht jede Gewichtszunahme kommt vom Medikament. Viele Menschen nehmen laut IQWiG im Laufe ihres Lebens zu; meist liegt es daran, dass mehr Kalorien aufgenommen als verbraucht werden, aber auch bestimmte Erkrankungen können das Gewicht beeinflussen [1]. Laut IQWiG können unter anderem diese Faktoren zu einer Gewichtszunahme beitragen [1]:

  • Hormonelle Störungen: etwa eine unbehandelte Schilddrüsenunterfunktion, bei der der Stoffwechsel verlangsamt ist, das polyzystische Ovarialsyndrom bei Frauen und ein Testosteronmangel bei Männern [1]. Zu den möglichen Beschwerden einer Schilddrüsenunterfunktion zählt das IQWiG eine leichte bis mäßige Gewichtszunahme [18].
  • Familiäre Veranlagung: Manche Gene beeinflussen das Hunger- oder Sättigungsgefühl [1].
  • Seelische und körperliche Erkrankungen: Starkes Übergewicht (Adipositas) kann zum Beispiel mit einer Depression oder mit chronischen Erkrankungen zusammenhängen; schmerzhafte Gelenkerkrankungen können dazu führen, dass man sich weniger bewegt. Auch Stress und seelische Belastungen sind Risikofaktoren [1].
  • Rauchstopp: Die Entwöhnung geht oft mit einer Gewichtszunahme einher, die sehr unterschiedlich ausfallen kann und im Durchschnitt bei etwa 5 Kilogramm liegt [1].
  • Wassereinlagerungen: Auch eine Herzschwäche kann über eingelagertes Wasser das Gewicht erhöhen [19]. Mehr dazu: Wassereinlagerungen durch Medikamente.

Sehr selten ist eine Adipositas laut IQWiG die Folge einer angeborenen oder hormonellen Erkrankung, etwa des Morbus Cushing, bei dem der Körper zu viel Kortisol bildet [1]. Als weiterer möglicher Faktor wird unter Fachleuten dauernder Schlafmangel diskutiert; dazu gibt es laut IQWiG aber noch zu wenig Forschung [1].

Quellen

  1. Ursachen für Adipositas. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 24.08.2022. abgerufen am 12.10.2026
  2. Medikamente bei Schizophrenie. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 29.04.2026. abgerufen am 12.10.2026
  3. Welche Medikamente helfen bei Typ-2-Diabetes?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 18.10.2023. abgerufen am 12.10.2026
  4. Fachinformation Fachinformation Olanzapin-ratiopharm Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2020. abgerufen am 12.10.2026
  5. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Olanzapin-ratiopharm Tabletten (2,5 mg bis 20 mg). ratiopharm GmbH. Stand 04/2023. abgerufen am 12.10.2026
  6. Fachinformation Fachinformation Clozapin-ratiopharm 100 mg und 200 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 05/2026. abgerufen am 12.10.2026
  7. Fachinformation Fachinformation Quetiapin-ratiopharm Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 05/2024. abgerufen am 12.10.2026
  8. Fachinformation Fachinformation Mirtazapin-ratiopharm Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2026. abgerufen am 12.10.2026
  9. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Mirtazapin-ratiopharm 15 mg/30 mg/45 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2026. abgerufen am 12.10.2026
  10. Fachinformation Fachinformation Amitriptylin-CT Tabletten (25 mg und 75 mg). AbZ-Pharma GmbH. Stand 11/2024. abgerufen am 12.10.2026
  11. Fachinformation Fachinformation Pregabalin-ratiopharm Hartkapseln. ratiopharm GmbH. Stand 11/2025. abgerufen am 12.10.2026
  12. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Valproat-ratiopharm chrono 300 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 08/2026. abgerufen am 12.10.2026
  13. Fachinformation Fachinformation Valproat-ratiopharm chrono 300 mg/500 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 08/2026. abgerufen am 12.10.2026
  14. Fachinformation Fachinformation Predni H Tablinen 5 mg/20 mg/50 mg, Tabletten. Winthrop Arzneimittel GmbH (Mitvertrieb Zentiva Pharma GmbH). Stand 07/2022. abgerufen am 12.10.2026
  15. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Predni H Tablinen 5 mg. Winthrop Arzneimittel GmbH (Mitvertrieb Zentiva Pharma GmbH). Stand 07/2022. abgerufen am 12.10.2026
  16. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Asumate 30 150/30 Mikrogramm Filmtabletten. Exeltis Germany GmbH. Stand 06/2025. abgerufen am 12.10.2026
  17. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Minoxidil POA Pharma 2,5 mg / 10 mg Tabletten. POA Pharma Scandinavia AB (örtlicher Vertreter POA Pharma GmbH). Stand 09/2023. abgerufen am 12.10.2026
  18. Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose). Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 24.04.2024. abgerufen am 12.10.2026
  19. Herzschwäche. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 06.09.2023. abgerufen am 12.10.2026
  20. Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Abschnitt "116117 oder 112? Für alle Fälle die richtige Nummer"). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 12.10.2026

Häufige Fragen

Welche Medikamente können zu Gewichtszunahme führen?

Laut IQWiG vor allem bestimmte Mittel gegen psychische Erkrankungen und gegen Diabetes. Die Fachinformationen stufen Gewichtszunahme zum Beispiel bei Olanzapin, Quetiapin, Mirtazapin und Amitriptylin als sehr häufig ein, bei Clozapin, Pregabalin und Valproinsäure als häufig; auch die Fachinformation von Prednisolon, einem Glucocorticoid ("Kortison"), nennt Gewichtszunahme. Die Tabelle auf dieser Seite zeigt alle Wirkstoffe mit geprüftem Steckbrief, deren Produktinformation Gewichtszunahme nennt.

Wie viel nimmt man durch Medikamente zu?

Laut IQWiG betragen medikamentenbedingte Gewichtszunahmen in der Regel 2 bis 5 Kilogramm. Wie stark jemand zunimmt, ist aber von Wirkstoff zu Wirkstoff und von Mensch zu Mensch verschieden. Bei Olanzapin beschreibt die Fachinformation zum Beispiel, dass eine Zunahme um 7 Prozent oder mehr des Ausgangsgewichts bei Langzeitbehandlung sehr häufig war.

Macht die Pille dick?

Laut IQWiG verursachen hormonelle Verhütungsmittel wie die Pille nach aktuellem Wissen keine Gewichtszunahme, auch wenn das oft vermutet wird. Die Packungsbeilage einer Pille mit Levonorgestrel und Ethinylestradiol nennt Gewichtszunahme als häufige Nebenwirkung; solche Beschwerden können laut dieser Beilage in den ersten Monaten auftreten und klingen normalerweise ab, sobald sich der Körper an die Pille gewöhnt hat.

Macht Kortison dick?

Die Fachinformation von Prednisolon, einem Glucocorticoid ("Kortison"), nennt Gewichtszunahme, Appetitsteigerung und Wassereinlagerungen durch zurückgehaltenes Natrium; wie häufig sie sind, hängt laut Fachinformation sehr stark von Dosis und Behandlungsdauer ab. Bei höheren Dosierungen kann sich laut Packungsbeilage ein Cushing-Syndrom mit Vollmondgesicht und Stammfettsucht ausbilden. Prednisolon darf laut Packungsbeilage nie eigenmächtig abgesetzt werden.

Geht die Gewichtszunahme wieder weg?

Das lässt sich nicht allgemein sagen. Bei Minoxidil-Tabletten verschwindet eine Zunahme um 1 bis 1,5 kg zu Beginn der Behandlung laut Packungsbeilage meist bei fortgesetzter Einnahme. Nebenwirkungen der Pille wie Gewichtszunahme klingen laut einer Packungsbeilage normalerweise ab, sobald sich der Körper an die Pille gewöhnt hat. Bei vielen anderen Mitteln machen die Produktinformationen dazu keine Angabe; sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Was kann ich tun, wenn ich durch ein Medikament zunehme?

Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Sprechen Sie die Gewichtszunahme in der Praxis an und nennen Sie alle Mittel, die Sie einnehmen. Laut IQWiG ist es für Menschen mit starkem Übergewicht (Adipositas), die abnehmen möchten, sinnvoll, mit Ärztinnen und Ärzten über mögliche Ursachen und eigene Risikofaktoren zu sprechen. Bei manchen Mitteln wie Olanzapin, Quetiapin oder Valproinsäure sehen die Produktinformationen regelmäßige Gewichtskontrollen vor; die Packungsbeilage von Olanzapin nennt bei Bedarf eine Ernährungsberatung.

Wann ist eine schnelle Gewichtszunahme gefährlich?

Nimmt das Gewicht innerhalb kurzer Zeit zu und schwellen Beine, Knöchel oder Bauch an, kann Wasser im Gewebe dahinterstecken; laut IQWiG gehört eine solche Gewichtszunahme auch zu den Anzeichen einer Herzschwäche. Lassen Sie das zeitnah ärztlich abklären. Kommen schwere Atemnot, Husten mit schaumigem Auswurf oder Erstickungsgefühl hinzu, rufen Sie den Notruf 112.

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