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Clonidin: Nebenwirkungen und Wirkung

Clonidin ist ein verschreibungspflichtiger, zentral wirkender Blutdrucksenker. Sehr häufig sind Müdigkeit, Mundtrockenheit und Kreislaufbeschwerden beim Aufstehen, häufig Schlafstörungen, depressive Verstimmungen, Kopfschmerzen und Verstopfung. Clonidin darf nicht plötzlich abgesetzt werden: Sonst kann der Blutdruck überschießend ansteigen, begleitet von Herzjagen, Unruhe und Zittern.

Frau Ende fünfzig steht am Morgen langsam von der Bettkante auf und stützt sich dabei mit einer Hand am Nachttisch ab
Bild: KI-generiert

Die häufigsten Nebenwirkungen

  • Sehr häufig: Abgeschlagenheit und Müdigkeit[1, 2]
  • Sehr häufig: Lageabhängige Kreislaufbeschwerden (orthostatische Dysregulation) wie Schwarzwerden vor den Augen beim Wechsel vom Liegen zum Stehen sowie Schwindel und Neigung zum Kollaps in aufrechter Körperhaltung[1, 2]
  • Sehr häufig: Mundtrockenheit[1, 2]
  • Häufig: Schlafstörungen, depressive Verstimmungen[1, 2]
  • Häufig: Kopfschmerzen[1, 2]
  • Häufig: Verstopfung und Verstärkung einer Verstopfung, Übelkeit, Erbrechen, Schmerzen in den Ohrspeicheldrüsen (Parotisschmerz)[1, 2]
  • Häufig: Nachlassen des sexuellen Bedürfnisses (Abnahme von Potenz und Libido)[1, 2]

Alle Nebenwirkungen nach Häufigkeit

Wofür wird Clonidin eingesetzt?

Clonidin ist ein verschreibungspflichtiger Blutdrucksenker, der zentral, also im zentralen Nervensystem, wirkt [1, 2]. Tabletten mit Clonidin werden laut Packungsbeilage bei allen Formen des krankhaft erhöhten Blutdrucks angewendet, sofern er nicht durch einen Tumor des Nebennierenmarks (Phäochromozytom) verursacht ist; bei einem solchen Tumor kann keine Wirkung erwartet werden [1, 2]. Schwere Formen des Bluthochdrucks sollten laut Packungsbeilage in einem Krankenhaus eingestellt bzw. behandelt werden [1]. Mehr zur Erkrankung lesen Sie unter Bluthochdruck.

Eine blutdrucksenkende Behandlung ist im Allgemeinen eine Langzeit- oder Dauertherapie; über ihre Dauer entscheidet die Ärztin oder der Arzt. Während der Behandlung ist der Blutdruck regelmäßig zu kontrollieren [1].

Wie wirkt Clonidin?

Clonidin regt im zentralen Nervensystem vor allem bestimmte Bindungsstellen an, die Alpha-2-Rezeptoren. Dadurch nimmt die Aktivität des Sympathikus ab, und der Einfluss des Vagusnervs nimmt zu. Zuerst sinken Herzfrequenz und Herzzeitvolumen, später der Widerstand in den Blutgefäßen. Unterstützt wird die Blutdrucksenkung dadurch, dass weniger Renin und weniger Noradrenalin freigesetzt werden [2].

Nach dem Einnehmen wird Clonidin rasch und praktisch vollständig aufgenommen. Die höchste Konzentration im Blut ist nach 1 bis 2 Stunden erreicht, die Wirkdauer beträgt 6 bis 10 Stunden [2]. Die Halbwertszeit (die Zeit, in der sich die Menge im Blut halbiert) schwankt von Mensch zu Mensch erheblich zwischen 6 und 24 Stunden und kann bei eingeschränkter Nierenfunktion bis etwa 40 Stunden betragen. Ausgeschieden wird Clonidin überwiegend über die Nieren [2].

Nebenwirkungen nach Häufigkeit

Unten stehen alle Nebenwirkungen, für die Packungsbeilage und Fachinformation eine Häufigkeit angeben. "Sehr häufig" heißt: mehr als 1 von 10 Behandelten, "häufig" bis zu 1 von 10, "gelegentlich" bis zu 1 von 100 und "selten" bis zu 1 von 1.000 [1, 2]. Wie Sie solche Angaben einordnen, erklärt der Ratgeber Beipackzettel verstehen.

Sehr häufig sind Abgeschlagenheit und Müdigkeit, Mundtrockenheit und lageabhängige Kreislaufbeschwerden: Beim Aufstehen aus dem Liegen kann es schwarz vor den Augen werden, in aufrechter Haltung können Schwindel und eine Neigung zum Kollaps auftreten [1, 2]. Häufig sind Schlafstörungen, depressive Verstimmungen, Kopfschmerzen, Verstopfung, Übelkeit, Erbrechen, Schmerzen in den Ohrspeicheldrüsen und ein Nachlassen von Potenz und Libido; mehr dazu unter Libido und Potenz [1, 2].

Sehr häufigkann mehr als 1 von 10 Behandelten betreffen

  • NervensystemAbgeschlagenheit und Müdigkeit[1, 2]Mehr dazu: Müdigkeit
  • Gefäße und KreislaufLageabhängige Kreislaufbeschwerden (orthostatische Dysregulation) wie Schwarzwerden vor den Augen beim Wechsel vom Liegen zum Stehen sowie Schwindel und Neigung zum Kollaps in aufrechter Körperhaltung[1, 2]Mehr dazu: Niedriger BlutdruckSchwindel
  • Magen und DarmMundtrockenheit[1, 2]Mehr dazu: Mundtrockenheit

Häufigkann bis zu 1 von 10 Behandelten betreffen

Gelegentlichkann bis zu 1 von 100 Behandelten betreffen

Seltenkann bis zu 1 von 1.000 Behandelten betreffen

  • PsycheVorübergehende Verwirrtheitszustände[1, 2]Mehr dazu: Verwirrtheit
  • AugenVerminderung des Tränenflusses, Störungen der Naheinstellung des Auges (Akkommodationsstörungen)[1, 2]Mehr dazu: Sehstörungen
  • HerzVerstärkung bestimmter bereits bestehender Herzrhythmusstörungen (AV-Blockierungen, AV-Dissoziation)[1, 2]Mehr dazu: Herzrhythmusstörungen
  • HerzVerstärkung einer bestehenden Herzschwäche (Herzinsuffizienz)[1, 2]Mehr dazu: Herzschwäche
  • Gefäße und KreislaufAnfänglicher (paradoxer) Blutdruckanstieg bei Behandlungsbeginn[1, 2]Mehr dazu: Blutdruckanstieg
  • AtemwegeAustrocknen der Nasenschleimhäute[1, 2]
  • Magen und DarmStörung der Darmpassage (Pseudoobstruktion des Dickdarms)[1, 2]
  • HautHaarausfall (Alopezie)[1, 2]Mehr dazu: Haarausfall
  • Nieren und HarnwegeStörungen beim Wasserlassen (Miktionsstörungen), Abnahme der Harnproduktion durch verminderte Durchblutung der Niere[1, 2]Mehr dazu: Probleme beim Wasserlassen
  • Geschlechtsorgane und BrustVergrößerung der Brustdrüsen bei Männern (Gynäkomastie)[1, 2]Mehr dazu: Brustspannen und Brustvergrößerung
  • Allgemeine BeschwerdenGewichtsabnahme, vorübergehende Gewichtszunahme bei Behandlungsbeginn[1, 2]Mehr dazu: GewichtsabnahmeGewichtszunahme
  • Laborwerte und UntersuchungenVorübergehender Anstieg der Blutzuckerwerte, vorübergehende Veränderung der Leberfunktionstests, Nachweis bestimmter Antikörper im Blut (positiver Coombs-Test)[1, 2]Mehr dazu: Erhöhter BlutzuckerLeberschäden und erhöhte Leberwerte

Eine Häufigkeit sagt, wie oft eine Beschwerde während der Behandlung beobachtet wurde. Sie sagt nicht, dass das Medikament sie verursacht hat.

Wann Sie ärztliche Hilfe brauchen

Gelegentlich verlangsamt Clonidin den Herzschlag; selten verstärkt es bestimmte Formen bereits bestehender Herzrhythmusstörungen oder eine bestehende Herzschwäche [1, 2]. Ein Absinken der Herzschlagfolge unter 56 Schläge pro Minute sollte während der Behandlung vermieden werden [2]. Mehr dazu unter Verlangsamter Herzschlag. Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, wenden Sie sich an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke [1].

Was Sie bei Nebenwirkungen tun können

Mann Anfang sechzig sitzt im Schatten auf einer Parkbank und trinkt einen Schluck Wasser aus einer Glasflasche
Bild: KI-generiert

Kreislauf beim Aufstehen: Lageabhängige Kreislaufbeschwerden sind sehr häufig; sie zeigen sich beim Wechsel vom Liegen zum Stehen und in aufrechter Haltung [1, 2]. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wenn Ihnen beim Aufstehen schwarz vor Augen oder schwindelig wird. Mehr dazu unter Niedriger Blutdruck.

Trockener Mund und trockene Augen: Mundtrockenheit ist sehr häufig, eine Verminderung des Tränenflusses selten. Wer Kontaktlinsen trägt, sollte das beachten [1, 2].

Müdigkeit und Reaktionsvermögen: Das Reaktionsvermögen kann durch individuell unterschiedliche Reaktionen beeinträchtigt sein, in verstärktem Maß bei Behandlungsbeginn, Dosiserhöhung und Präparatewechsel sowie zusammen mit Alkohol [1, 2]. Meiden Sie übermäßigen Alkoholgenuss [1]. Weitere Hinweise gibt der Ratgeber Medikamente und Autofahren.

Verstopfung: Clonidin kann eine Verstopfung auslösen oder verstärken; bei bestehender Verstopfung ist eine sorgfältige ärztliche Überwachung erforderlich [1, 2]. Welche Wirkstoffe eine bestimmte Beschwerde auslösen können, zeigt der Nebenwirkungs-Finder.

Wechselwirkungen

Informieren Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke über alle Arzneimittel, die Sie einnehmen, kürzlich eingenommen haben oder einnehmen wollen [1]. Andere Blutdrucksenker wie Entwässerungsmittel, ACE-Hemmer und Betablocker verstärken sich mit Clonidin gegenseitig in der blutdrucksenkenden Wirkung. Schmerzmittel aus der Gruppe der NSAR können die blutdrucksenkende Wirkung vermindern, trizyklische Antidepressiva und Neuroleptika können sie abschwächen bis aufheben [1, 2]. Herzwirksame Glykoside und Betablocker können zusammen mit Clonidin den Herzschlag verlangsamen [1, 2]. Clonidin kann die Wirkung von Schlaf- und Beruhigungsmitteln und von Alkohol verstärken oder unvorhersehbar verändern; mehr dazu im Ratgeber Medikamente und Alkohol [1, 2].

Wechselwirkungen von Clonidin
Zusammen mitWas passieren kannHinweis
Andere Blutdrucksenker, z. B. Entwässerungsmittel (Diuretika), gefäßerweiternde Mittel, ACE-Hemmer, BetablockerGegenseitige Verstärkung der blutdrucksenkenden Wirkung[1, 2]Vorher Rücksprache halten
Blutdrucksteigernde oder Natrium und Wasser zurückhaltende Stoffe wie nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR)Die blutdrucksenkende Wirkung von Clonidin lässt nach[1, 2]Vorher Rücksprache halten
Alpha-2-Rezeptorenblocker wie TolazolinDie blutdrucksenkende Wirkung von Clonidin wird abgeschwächt bis aufgehoben[1, 2]Vorher Rücksprache halten
Trizyklische Antidepressiva, NeuroleptikaDie blutdrucksenkende Wirkung wird abgeschwächt bis aufgehoben; lagebedingte Kreislaufstörungen können auftreten oder sich verstärken[1, 2]Vorher Rücksprache halten
Schlaf- und Beruhigungsmittel, AlkoholDeren Wirkung kann verstärkt oder unvorhersehbar verändert werden[1, 2]Übermäßigen Alkoholgenuss meiden; vorher Rücksprache halten
Herzwirksame Glykoside, BetablockerVerlangsamung des Herzschlags (Bradykardie), Herzrhythmusstörungen der langsamen Form (AV-Blockierungen)[1, 2]Vorher Rücksprache halten
BetablockerEs kann nicht ausgeschlossen werden, dass eine periphere Gefäßerkrankung ausgelöst oder verstärkt wird; muss die Kombination unterbrochen werden, wird zuerst der Betablocker langsam ausgeschlichen und erst danach, ebenfalls langsam, Clonidin[1, 2]Nur nach ärztlicher Anweisung absetzen
Haloperidol in hohen Dosen in die VeneNach Beobachtungen bei Menschen im Alkoholdelir wird vermutet, dass hohe Clonidin-Dosen in die Vene die rhythmusstörende Wirkung (QT-Verlängerung, Kammerflimmern) hoher Haloperidol-Dosen in die Vene verstärken können; ein ursächlicher Zusammenhang und die Bedeutung für die Blutdruckbehandlung sind nicht gesichert[1, 2]Vorher Rücksprache halten
Kochsalzarme DiätVerstärkung der blutdrucksenkenden Wirkung[1, 2]Ärztin oder Arzt informieren
Pharmakologisch ähnlich wirkende Stoffe wie Alpha-Methyldopa, Guanfacin, Guanabenz oder ReserpinDie gleichzeitige Anwendung ist nicht sinnvoll[1, 2]Vorher Rücksprache halten

Die Liste nennt die wichtigsten Wechselwirkungen aus der Produktinformation, nicht alle. Welche Mittel Sie zusammen einnehmen können, klären Sie am besten mit Ihrer Apotheke, auch bei rezeptfreien und pflanzlichen Mitteln.

Wer Clonidin nicht oder nur mit Vorsicht nehmen sollte

Clonidin darf unter anderem nicht eingenommen werden bei einem ausgeprägt verlangsamten Herzschlag unter 50 Schlägen pro Minute, bei bestimmten Störungen der Erregungsbildung und -leitung im Herzen und bei endogenen Depressionen [1, 2]. Eine sorgfältige ärztliche Überwachung ist unter anderem bei einer koronaren Herzkrankheit, insbesondere im ersten Monat nach einem Herzinfarkt, bei schwerer Herzinsuffizienz und bei fortgeschrittenen peripheren Durchblutungsstörungen nötig [1, 2]. Bei Menschen über 65 Jahren sollte die Dosierung besonders vorsichtig erfolgen [1].

Nicht einnehmen bei

  • Allergie gegen Clonidinhydrochlorid oder einen der sonstigen Bestandteile[1, 2]
  • Bestimmte Störungen der Erregungsbildung und -leitung im Herzen, die zu Störungen der Herzschlagfolge führen (Sinusknotensyndrom, AV-Block II. und III. Grades)[1, 2]
  • Ausgeprägt verlangsamter Herzschlag mit weniger als 50 Schlägen pro Minute (Bradykardie)[1, 2]
  • Endogene Depression[1, 2]
  • Stillzeit[1, 2]
  • Schwangerschaft: Laut Packungsbeilage darf Clonidin in der Schwangerschaft nicht eingenommen werden[1]

Besondere Vorsicht bei

  • Durchblutungsstörungen der Herzkranzgefäße (koronare Herzkrankheit), insbesondere im ersten Monat nach einem Herzinfarkt: sorgfältige ärztliche Überwachung[1, 2]
  • Starke Einschränkung der Herzfunktion (schwere Herzinsuffizienz, NYHA IV)[1, 2]
  • Fortgeschrittene periphere Durchblutungsstörungen (chronische arterielle Verschlusskrankheit), Gefäßentzündung (Thrombangiitis obliterans) oder Raynaud-Syndrom[1, 2]
  • Durchblutungsstörungen des Gehirns (zerebrovaskuläre Insuffizienz)[1, 2]
  • Erheblich eingeschränkte Nierenfunktion: besondere Sorgfalt bei Einstellung und Behandlung, häufigere Blutdruckkontrollen[1, 2]
  • Verstopfung[1, 2]
  • Missempfindungen in Händen und Füßen (Parästhesien, Polyneuropathie)[1, 2]
  • Ein Absinken der Herzschlagfolge unter 56 Schläge pro Minute sollte während der Behandlung vermieden werden[1, 2]
  • Ältere Menschen über 65 Jahre: besonders vorsichtige Dosierung, sonst ist mit mehr Nebenwirkungen zu rechnen[1, 2]
  • Kinder: Das Arzneimittel wird Kleinkindern oder Kindern normalerweise nicht verordnet; laut Fachinformation gibt es keine Indikation für die Anwendung bei Kindern[1, 2]
  • Kontaktlinsen: Der Tränenfluss kann sich verringern[1, 2]
  • Schwere Formen des Bluthochdrucks sollten in einem Krankenhaus eingestellt bzw. behandelt werden[1]
  • Unverträglichkeit gegenüber bestimmten Zuckern: Die Tabletten enthalten Lactose[1, 2]

Alkohol, Autofahren, Schwangerschaft

In der Schwangerschaft und Stillzeit darf Clonidin laut Packungsbeilage nicht eingenommen werden [1]. Das Beratungszentrum Embryotox stuft Clonidin in der Schwangerschaft als Reservemittel ein und rät, in der Stillzeit möglichst darauf zu verzichten [3]. Die Karten fassen zusammen, was Packungsbeilage, Fachinformation und Embryotox sagen [1, 2, 3]. Mehr dazu im Ratgeber Medikamente in der Schwangerschaft.

Schwangerschaft

In der Schwangerschaft darf Clonidin laut Packungsbeilage nicht eingenommen werden; laut Fachinformation soll es nicht angewendet werden. Clonidin geht über die Plazenta auf das ungeborene Kind über und erreicht im Nabelschnurblut die Konzentration der Mutter. Die vorliegenden Daten reichen für eine endgültige Beurteilung der Sicherheit nicht aus.[1, 2]

Laut Embryotox ist der Erfahrungsumfang gering; Clonidin ist dort während der Schwangerschaft als Reservemittel eingestuft. In einzelnen Fällen wurde ein plötzlicher Fruchttod im Zusammenhang mit einer systemischen Clonidin-Behandlung beobachtet. Nach einer Einnahme im ersten Schwangerschaftsdrittel kann eine weiterführende Ultraschalluntersuchung angeboten werden. Laut Embryotox sollte Clonidin wenn möglich durch besser geeignete Mittel ersetzt werden; genannt werden je nach Anwendungsgebiet, bei Bluthochdruck ohne weitere Begleiterkrankungen, z. B. Alpha-Methyldopa oder Metoprolol, besonders im zweiten und dritten Schwangerschaftsdrittel auch Nifedipin. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.[3]

Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.

Stillzeit

In der Stillzeit darf Clonidin nicht eingenommen werden; ist eine Behandlung nötig, ist abzustillen. Clonidin geht in die Muttermilch über, die Konzentration in der Milch ist etwa doppelt so hoch wie im Blut der Mutter.[1, 2]

Laut Embryotox sollte in der Stillzeit, besonders bei Früh- und Neugeborenen, möglichst auf Clonidin verzichtet werden.[3]

Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.

Alkohol

Clonidin kann die Wirkung von Alkohol verstärken oder unvorhersehbar verändern. Meiden Sie deshalb übermäßigen Alkoholgenuss.[1, 2]

Autofahren und Maschinen

Durch individuell unterschiedliche Reaktionen kann das Reaktionsvermögen so weit verändert sein, dass die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Straßenverkehr, zum Bedienen von Maschinen oder zum Arbeiten ohne sicheren Halt beeinträchtigt ist, verstärkt bei Behandlungsbeginn, Dosiserhöhung und Präparatewechsel sowie im Zusammenwirken mit Alkohol.[1, 2]

Einnahme

Die Tabletten unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit (z. B. einem Glas Wasser) einnehmen; die Einnahme ist nicht an die Mahlzeiten gebunden. Laut Fachinformation wird Clonidin-ratiopharm 150 in der Regel 2-mal täglich eingenommen. Während der Behandlung ist der Blutdruck regelmäßig zu kontrollieren.[1, 2]

Eine Einzeldosis vergessen: nicht die doppelte Menge nachholen, sondern den Dosierungsplan einhalten. Einmalig zu wenig hat kaum Folgen; wird über längere Zeit zu wenig eingenommen, steigt der Blutdruck wieder an.[1]

Absetzen

Clonidin nicht plötzlich und/oder ersatzlos absetzen. Soll es nicht weiter eingenommen werden, wird die Menge stufenweise verringert (Ausschleichen); sonst kann es zu einem überschießenden Blutdruckanstieg mit Herzjagen, begleitet von Unruhe, Nervosität, Zittern, Kopfschmerz und/oder Übelkeit kommen, laut Fachinformation insbesondere nach langfristiger Behandlung und hohen Dosierungen.[1, 2]

Wird eine Kombination mit einem Betablocker unterbrochen, wird nach ärztlicher Anweisung zuerst der Betablocker langsam ausgeschlichen und erst danach, ebenfalls langsam, Clonidin.[1, 2]

Überdosierung

Sehr große Mengen können dosisabhängig zu Hautblässe, Pupillenverengung, Mundtrockenheit, Schläfrigkeit, Benommenheit, Blutdruckabfall, langsamem Herzschlag, Herzrhythmusstörungen und abgeschwächten Reflexen führen; laut Fachinformation in schweren Fällen auch zu einer Atemdämpfung mit kurzen Atempausen. Rufen Sie in jedem Fall eine Ärztin oder einen Arzt.[1, 2]

Dosierung laut Packungsbeilage

Die Packungsbeilage beschreibt, dass die Dosis individuell festgelegt und die Behandlung einschleichend mit niedrigen Dosen begonnen werden sollte; sie nennt Richtwerte und eine Obergrenze [1]. Die Übersicht gibt diese Angaben wieder; sie ersetzt nicht die Verordnung. Welche Dosis für Sie richtig ist, legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest [1].

Einnahme und Absetzen

Nehmen Sie Clonidin immer genau nach Absprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ein, unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit; die Einnahme ist nicht an die Mahlzeiten gebunden [1]. Haben Sie eine Einzeldosis vergessen, nehmen Sie nicht die doppelte Menge, sondern halten sich weiter an Ihren Dosierungsplan. Wird über längere Zeit zu wenig eingenommen, steigt der Blutdruck wieder an [1].

Absetzen nur stufenweise: Clonidin sollte nicht plötzlich und/oder ersatzlos abgesetzt werden. Soll es nicht weiter eingenommen werden, wird die Menge stufenweise verringert (Ausschleichen). Sonst kann der Blutdruck überschießend ansteigen, begleitet von Herzjagen, Unruhe, Nervosität, Zittern, Kopfschmerz und/oder Übelkeit [1, 2]. Wird zusätzlich ein Betablocker eingenommen und muss die Behandlung unterbrochen werden, wird nach ärztlicher Anweisung zuerst der Betablocker langsam ausgeschlichen und erst danach, ebenfalls langsam, Clonidin [1, 2]. Mehr dazu im Ratgeber Medikamente absetzen. Bei einer Überdosierung rufen Sie in jedem Fall eine Ärztin oder einen Arzt [1]; Telefonnummern finden Sie unter Notfall und Giftnotruf.

Präparate mit Clonidin

Clonidin gibt es als Tabletten in verschiedenen Stärken [1]. Grundlage dieser Seite sind Packungsbeilage und Fachinformation von Clonidin-ratiopharm 150 [1, 2].

Präparate mit Clonidin
PräparatAnbieterHinweis
Clonidin-ratiopharmratiopharm GmbHTabletten mit 75, 150 oder 300 Mikrogramm, verschreibungspflichtig; 150 Mikrogramm sind Grundlage dieser Seite
ClonistadaSTADApharm GmbHTabletten mit 0,15 oder 0,3 mg, verschreibungspflichtig

Auswahl ohne Wertung. Präparate mit demselben Wirkstoff können sich in Stärke, Hilfsstoffen und zugelassenen Anwendungsgebieten unterscheiden. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.

Quellen

  1. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Clonidin-ratiopharm 150 (150 Mikrogramm Tabletten). ratiopharm GmbH. Stand 09/2020. abgerufen am 11.10.2026
  2. Fachinformation Fachinformation Clonidin-ratiopharm 150. ratiopharm GmbH. Stand 09/2020. abgerufen am 11.10.2026
  3. Embryotox Embryotox: Clonidin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 11.10.2026

Häufige Fragen

Warum darf man Clonidin nicht plötzlich absetzen?

Beim plötzlichen Absetzen kann es zu einem überschießenden Blutdruckanstieg mit Herzjagen kommen, begleitet von Unruhe, Nervosität, Zittern, Kopfschmerzen und/oder Übelkeit (Rebound-Phänomen). Laut Fachinformation gilt das insbesondere nach langfristiger Behandlung und hohen Dosierungen. Soll Clonidin nicht weiter eingenommen werden, wird die Menge deshalb stufenweise verringert. Ändern Sie die Einnahme nur nach Absprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Macht Clonidin müde?

Ja, Abgeschlagenheit und Müdigkeit gehören zu den sehr häufigen Nebenwirkungen und können mehr als 1 von 10 Behandelten betreffen. Das Reaktionsvermögen kann so weit verändert sein, dass die Fähigkeit zum Autofahren oder Bedienen von Maschinen beeinträchtigt ist. Das gilt verstärkt zu Behandlungsbeginn, bei Dosiserhöhung, Präparatewechsel und zusammen mit Alkohol.

Ist Schwindel beim Aufstehen unter Clonidin eine Nebenwirkung?

Ja. Lageabhängige Kreislaufbeschwerden sind sehr häufig: Beim Wechsel vom Liegen zum Stehen kann es schwarz vor den Augen werden, in aufrechter Haltung können Schwindel und eine Neigung zum Kollaps auftreten. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wenn Sie das bemerken.

Darf ich unter Clonidin Alkohol trinken?

Clonidin kann die Wirkung von Alkohol verstärken oder unvorhersehbar verändern. Die Packungsbeilage rät deshalb, übermäßigen Alkoholgenuss zu meiden. Auch Schlaf- und Beruhigungsmittel können stärker oder unvorhersehbar wirken.

Kann Clonidin depressiv machen?

Depressive Verstimmungen und Schlafstörungen gehören zu den häufigen Nebenwirkungen, also bei bis zu 1 von 10 Behandelten; gelegentlich treten Albträume, Wahrnehmungsstörungen und Sinnestäuschungen auf. Bei einer endogenen Depression darf Clonidin nicht eingenommen werden. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wenn sich Ihre Stimmung verändert, und setzen Sie Clonidin nicht eigenmächtig ab.

Darf ich Clonidin in der Schwangerschaft oder Stillzeit nehmen?

Laut Packungsbeilage darf Clonidin in der Schwangerschaft und Stillzeit nicht eingenommen werden; ist eine Behandlung in der Stillzeit nötig, wird abgestillt. Clonidin geht über die Plazenta zum Kind und in die Muttermilch über. Das Beratungszentrum Embryotox stuft Clonidin in der Schwangerschaft als Reservemittel ein.

Darf ich Clonidin zusammen mit einem Betablocker nehmen?

Zusammen mit Betablockern kann sich der Herzschlag verlangsamen, und es können langsame Herzrhythmusstörungen auftreten. Außerdem kann nicht ausgeschlossen werden, dass eine periphere Gefäßerkrankung ausgelöst oder verstärkt wird. Muss die Kombination unterbrochen werden, wird nach ärztlicher Anweisung zuerst der Betablocker langsam ausgeschlichen und erst danach, ebenfalls langsam, Clonidin.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

Passt dazu

  • Medikamente Verapamil

    Verapamil verlangsamt den Herzschlag und senkt den Blutdruck.

  • Medikamente Digitoxin

    Digitoxin stärkt die Herzkraft und verlangsamt den Puls.

  • Medikamente Ranolazin

    Ranolazin wird zusätzlich bei stabiler Angina pectoris eingesetzt.

  • Wirkstoffgruppen

    42 Wirkstoffgruppen von ACE-Hemmern bis Statinen, jeweils mit ihren Wirkstoffen.