MedikamenteWirkstoff

Lithium: Nebenwirkungen und Wirkung

Lithium ist ein verschreibungspflichtiges Psychopharmakon zur Behandlung akuter manischer und hypomanischer Episoden und zur Vorbeugung manisch-depressiver Erkrankungen (bipolare Störung). Die giftigen Konzentrationen von Lithium liegen dicht bei den wirksamen. Die persönliche Dosis legt die Ärztin oder der Arzt anhand häufiger Blutuntersuchungen fest. Bei starkem Erbrechen, heftigem Durchfall, hohem Fieber, Zittern, Sprachstörungen, Verwirrtheit oder Schläfrigkeit gehen Sie zu Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Frau Mitte fünfzig sitzt morgens an einem hellen Küchentisch und gießt Wasser aus einem Glaskrug in ein Glas
Bild: KI-generiert

Wofür wird Lithium eingesetzt?

Lithium gehört zu den Psychopharmaka; die Tabletten enthalten es als Lithiumcarbonat [2]. Laut Gebrauchs- und Fachinformation wird es angewendet bei akuten Episoden manischer und hypomanischer Erkrankungen und zur Vorbeugung manisch-depressiver Erkrankungen, die die Packungsbeilage auch bipolare Störung nennt [1, 2]. Lithium wirkt laut Packungsbeilage vorbeugend und mildernd; die volle Wirkung tritt mitunter erst nach Monaten ein, und in den meisten Fällen ist eine jahrelange, vor allem regelmäßige Behandlung notwendig [1, 2]. In Deutschland ist Lithium verschreibungspflichtig [5].

Woher die Angaben stammen: Grundlage dieser Seite sind die Gebrauchsinformation und die Fachinformation von Quilonorm retard aus Österreich (450 mg Lithiumcarbonat je Tablette, Stand Juli 2024), die das österreichische Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) veröffentlicht [1, 2]. In Deutschland ist für denselben Zulassungsinhaber, die Teofarma S.r.l., Quilonum retard 450 mg Retardtabletten zugelassen [4]. Die deutsche Fach- und Gebrauchsinformation kann in Einzelheiten abweichen; maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.

Laut Embryotox wird Lithium zur Rückfallvorbeugung bei bipolarer und bei wiederkehrender depressiver Erkrankung, bei akuter Manie und zur Verstärkung der Behandlung (Augmentationstherapie) bei bestimmten Formen der Depression eingesetzt [3]. Die Arzneimittelverschreibungsverordnung nennt Lithium zur Vorbeugung und Behandlung psychiatrischer Erkrankungen, zum Beispiel bipolarer Störungen und Depressionen, und von Cluster-Kopfschmerzen [5]. Welche Anwendungsgebiete für Ihr Präparat gelten, steht in seiner Packungsbeilage.

Wie wirkt Lithium?

Laut Fachinformation wirkt Lithium auf eine Reihe neurochemischer Systeme: auf Ionenkanäle, auf Botenstoffe des Nervensystems (Neurotransmitter) wie Serotonin, Dopamin und Noradrenalin und auf Signalwege innerhalb der Zellen, die sogenannten Second-Messenger-Systeme [2]. Laut Embryotox ist der genaue Wirkmechanismus nicht geklärt [3].

Lithium wird aus dem Magen-Darm-Trakt fast vollständig aufgenommen; bei Retardformen ist die Konzentration im Blut 4 bis 4,5 Stunden nach der Einnahme am höchsten. Es wird im Körper nicht abgebaut, sondern unverändert über die Nieren ausgeschieden. Die Halbwertszeit beträgt ungefähr 24 Stunden; eine gleichbleibende Konzentration wird 5 bis 7 Tage nach Beginn der regelmäßigen Einnahme erreicht [2]. Die Ausscheidung über die Nieren wird laut Embryotox vom Wasser- und Natriumhaushalt beeinflusst [3].

Enges Wirkfenster: Die therapeutische Breite von Lithium ist sehr gering: Die giftigen Konzentrationen liegen dicht bei den wirksamen [1, 2]. Laut Fachinformation tritt eine Lithiumvergiftung in der Regel bei Konzentrationen im Blutserum von 1,5 mmol/l und darüber auf; besonders empfindliche Menschen können Vergiftungszeichen aber schon bei üblichen therapeutischen Konzentrationen zeigen [2]. Weil jeder Mensch anders auf Lithium reagiert, muss die Ärztin oder der Arzt die persönliche Dosis erst feststellen; dazu sind häufige Blutuntersuchungen notwendig [1].

Nebenwirkungen nach Häufigkeit

Packungsbeilage und Fachinformation geben für fast alle Nebenwirkungen die Häufigkeit "nicht bekannt" an; eine prozentuale Angabe ist laut Packungsbeilage aufgrund der Datenlage nicht möglich [1, 2]. Als sehr häufig, also bei mehr als 1 von 10 Behandelten, nennen beide zu viel Kalzium im Blut (Hyperkalzämie) [1, 2]. Unter den Stoffwechselerkrankungen nennen beide einen Anstieg des Kalziums im Blut zusätzlich mit der Häufigkeit "nicht bekannt" [1, 2]. Häufigkeit und Schwere der Nebenwirkungen stehen laut Fachinformation im Allgemeinen in direktem Zusammenhang mit dem Lithiumspiegel im Blut und der persönlichen Empfindlichkeit; bei höheren Konzentrationen treten sie häufiger und stärker auf [2]. Wie Sie Häufigkeitsangaben einordnen, erklärt der Ratgeber Beipackzettel verstehen.

Besonders zu Beginn der Behandlung sind Zittern, vermehrtes Wasserlassen, Durst und Übelkeit möglich; laut Fachinformation klingen diese Beschwerden meist mit der Zeit oder nach Verringerung der Dosis ab [1, 2]. Insbesondere in den ersten zwei Jahren der Behandlung ist laut Packungsbeilage und Fachinformation häufig eine Gewichtszunahme zu beobachten; deshalb sollten kalorienreiche Speisen und Getränke vermieden werden [1, 2]. Mehr dazu auf den Seiten Zittern und Gewichtszunahme.

Sehr häufigkann mehr als 1 von 10 Behandelten betreffen

Nicht bekanntHäufigkeit nicht abschätzbar oder in der Quelle nicht angegeben

  • Allgemeine BeschwerdenZu Beginn der Behandlung: feinschlägiges Zittern, vermehrte Harnausscheidung, Durst und Übelkeit; laut Fachinformation klingen diese Beschwerden meist mit der Zeit oder nach Verringerung der Dosis ab[1, 2]Mehr dazu: ZitternHäufiges WasserlassenÜbelkeit
  • HerzUnregelmäßiger oder langsamer Puls (Herzrhythmusstörungen); laut Fachinformation kommt am häufigsten ein verlangsamter Herzschlag durch eine Funktionsstörung des Sinusknotens vor[1, 2]Mehr dazu: HerzrhythmusstörungenVerlangsamter Herzschlag
  • HerzEKG-Veränderungen; laut Fachinformation eine umkehrbare Abflachung und Umkehr (Inversion) der T-Welle[1, 2]
  • HerzAufdecken (Demaskierung) oder Verschlimmerung eines Brugada-Syndroms, einer erblichen Herzerkrankung[1, 2]
  • Gefäße und KreislaufNiedriger Blutdruck, Kreislaufkollaps[1, 2]Mehr dazu: Niedriger Blutdruck
  • Gefäße und KreislaufKalte Hände und Füße (Raynaud-Syndrom)[1, 2]
  • NervensystemZittern (Tremor), Muskelzuckungen, unwillkürliche Bewegungen der Arme und Beine[1, 2]Mehr dazu: Zittern
  • NervensystemBewegungsstörungen und verlangsamte Bewegungen; laut Fachinformation auch Störungen der Bewegungskoordination (Ataxie), choreoathetotische Bewegungen und extrapyramidale Symptome[1, 2]Mehr dazu: Parkinson-Symptome
  • NervensystemVerkrampfungen durch verstärkte Sehnenreflexe[1, 2]
  • NervensystemSchwindel und Benommenheit; laut Fachinformation auch Drehschwindel[1, 2]Mehr dazu: SchwindelMüdigkeit
  • NervensystemAugenzittern (Nystagmus)[1, 2]
  • NervensystemKopfschmerzen[1, 2]Mehr dazu: Kopfschmerzen
  • NervensystemVerwaschene Sprache[1, 2]
  • NervensystemKrampfanfälle[1, 2]Mehr dazu: Krampfanfälle
  • NervensystemEntzündliche Schwellungen im Gehirn (laut Fachinformation Pseudotumor cerebri)[1, 2]
  • NervensystemStarre (laut Fachinformation Stupor) und Koma[1, 2]
  • NervensystemMuskelschwäche (laut Fachinformation Myasthenia gravis)[1, 2]Mehr dazu: Muskelschwäche
  • NervensystemVerminderte Nervenleitgeschwindigkeit, Nervenerkrankung (periphere Neuropathie)[1, 2]Mehr dazu: Kribbeln und Taubheitsgefühl
  • NervensystemStörung des Geschmacksempfindens (Dysgeusie)[1, 2]Mehr dazu: Geschmacksstörungen
  • AugenGesichtsfeldausfälle (Skotome), verschwommenes Sehen[1, 2]Mehr dazu: Sehstörungen
  • HautTeilweiser Verlust der Haare (Alopezie)[1, 2]Mehr dazu: Haarausfall
  • HautAkne, Entzündung der Haarwurzeln (Follikulitis)[1, 2]Mehr dazu: Akne
  • HautJuckreiz[1, 2]Mehr dazu: Juckreiz
  • HautVerschlechterung einer Schuppenflechte (Psoriasis)[1, 2]Mehr dazu: Schuppenflechte
  • HautSchwellungen von Haut und Schleimhaut (Angioödeme)[1, 2]Mehr dazu: Schwellungen von Gesicht, Zunge oder Rachen
  • HautAusschlag und andere Formen der Überempfindlichkeit[1, 2]Mehr dazu: HautausschlagAllergische Reaktionen
  • HautEruptionen an der Haut oder den Schleimhäuten (lichenoide Arzneimittelreaktion)[1, 2]Mehr dazu: Hautausschlag
  • HautGroßflächiger Hautausschlag, hohe Körpertemperatur, erhöhte Leberenzyme, veränderte Blutwerte (Eosinophilie), vergrößerte Lymphknoten und Beteiligung anderer Körperorgane (Arzneimittelexanthem mit Eosinophilie und systemischen Symptomen, DRESS)[1, 2]Mehr dazu: Schwere HautreaktionenHautausschlagLeberschäden und erhöhte LeberwerteFieber
  • HormonsystemStörungen der Schilddrüsenfunktion (laut Fachinformation Unter- und Überfunktion) und Vergrößerung der Schilddrüse (laut Fachinformation euthyreote Struma, also ein Kropf bei normaler Schilddrüsenfunktion)[1, 2]
  • HormonsystemÜberfunktion der Nebenschilddrüsen (Hyperparathyreoidismus): Sie bilden zu viel Parathormon, wodurch der Kalziumspiegel im Blut steigt[1, 2]
  • HormonsystemVergrößerung der Nebenschilddrüsen und Nebenschilddrüsenadenom (ein nicht krebsartiger Tumor)[1, 2]
  • Magen und DarmÜbelkeit, Erbrechen, Durchfall[1, 2]Mehr dazu: ÜbelkeitErbrechenDurchfall
  • Magen und DarmEntzündung der Magenschleimhaut (Gastritis)[1, 2]
  • Magen und DarmÜbermäßige Speichelproduktion, trockener Mund[1, 2]Mehr dazu: Mundtrockenheit
  • Stoffwechsel und ErnährungAppetitlosigkeit (Anorexie)[1, 2]Mehr dazu: Appetitlosigkeit
  • Stoffwechsel und ErnährungErhöhter Blutzucker (Hyperglykämie), Anstieg des Kalziums im Blut (Hyperkalzämie)[1, 2]Mehr dazu: Erhöhter BlutzuckerVeränderte Laborwerte
  • Stoffwechsel und ErnährungGewichtszunahme[1, 2]Mehr dazu: Gewichtszunahme
  • Blut und LymphsystemZunahme der weißen Blutkörperchen (Leukozytose)[1, 2]Mehr dazu: Veränderungen des Blutbilds
  • Muskeln, Knochen und GelenkeGelenkschmerzen, Muskelschmerzen[1, 2]Mehr dazu: GelenkschmerzenMuskelschmerzen
  • PsycheHalluzinationen, Schläfrigkeit (Somnolenz), Erinnerungsverlust (Amnesie)[1, 2]Mehr dazu: Psychose und HalluzinationenMüdigkeitKonzentrations- und Gedächtnisstörungen
  • Nieren und HarnwegeVerstärktes Wasserlassen; laut Fachinformation Zeichen eines nephrogenen Diabetes insipidus, bei dem die Niere ihre Fähigkeit, den Harn zu konzentrieren, teilweise verliert[1, 2]Mehr dazu: Häufiges Wasserlassen
  • Nieren und HarnwegeHarninkontinenz[1, 2]Mehr dazu: Probleme beim Wasserlassen
  • Nieren und HarnwegeEingeschränkte Nierenfunktion, akutes Nierenversagen; laut Fachinformation nach Langzeitbehandlung auch Gewebeveränderungen der Niere (einschließlich tubulointerstitieller Nephropathie)[1, 2]Mehr dazu: Nierenfunktionsstörungen
  • Nieren und HarnwegeGut- oder bösartige Nierentumoren (Mikrozysten, Onkozytome und Ductus-Bellini-Karzinome der Niere) bei Langzeitbehandlung[1, 2]
  • Geschlechtsorgane und BrustSexuelle Störungen, Impotenz[1, 2]Mehr dazu: Erektionsstörungen
  • SchwangerschaftEntzugserscheinungen beim Neugeborenen[1, 2]Mehr dazu: Absetz- und Entzugserscheinungen
  • Allgemeine BeschwerdenWasseransammlungen im Gewebe (Ödeme)[1, 2]Mehr dazu: Wassereinlagerungen

Eine Häufigkeit sagt, wie oft eine Beschwerde während der Behandlung beobachtet wurde. Sie sagt nicht, dass das Medikament sie verursacht hat.

Wann Sie ärztliche Hilfe brauchen

Lithiumvergiftung: Laut Fachinformation sind Behandelte und ihre Angehörigen darüber zu informieren, dass bei Zeichen einer Lithiumvergiftung die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt zu kontaktieren ist; Lithium ist bei den ersten Anzeichen einer Vergiftung sofort abzusetzen [2]. Zu den Vergiftungszeichen gehört auch eine Verlängerung der QT-Zeit im EKG, mehr dazu unter QT-Verlängerung [1, 2]. Telefonnummern für den Ernstfall finden Sie unter Notfall und Giftnotruf.

Gedanken an Selbsttötung: Treten Gedanken auf, sich selbst zu schädigen oder sich das Leben zu nehmen, informieren Sie eine Ihnen nahestehende Person und gehen Sie so schnell wie möglich zur Ärztin oder zum Arzt oder in das nächstgelegene Krankenhaus [1]. Laut Fachinformation sollten Behandelte und Betreuende auch dann sofort medizinischen Rat einholen, wenn sich der Krankheitszustand verschlechtert [2].

Was Sie bei Nebenwirkungen tun können

Mann Ende vierzig sitzt an einem warmen Sommertag im Schatten eines Baumes auf einer Holzbank und trinkt Wasser aus einem Glas
Bild: KI-generiert

Genügend Salz und Flüssigkeit: Achten Sie darauf, genügend Salz und Flüssigkeit zu sich zu nehmen, besonders bei Abmagerungskuren und bestimmten Diätformen [1]. Laut Fachinformation kann es zu einer Vergiftung kommen, wenn die Nieren weniger Lithium ausscheiden: bei Erbrechen, Durchfällen, hinzukommenden Infektionen, zu geringer Flüssigkeitsaufnahme und bei manchen Arzneimitteln [2]. Bei Erkrankungen mit starkem Erbrechen, heftigen Durchfällen oder hohem Fieber gehen Sie zu Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt [1]. Mehr dazu im Ratgeber Medikamente bei Hitze und auf der Seite Durchfall.

Einnahme und Rückfragen: Lithium sollte mit reichlich Flüssigkeit (Wasser) eingenommen werden [1]. Informieren Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke, wenn eine Nebenwirkung Sie erheblich beeinträchtigt [1]. Mehr unter Übelkeit.

Blutkontrollen: Gehen Sie regelmäßig zu den Kontrolluntersuchungen (laut Packungsbeilage anfangs wöchentlich, später monatlich bzw. alle 2 Monate) und genau 12 Stunden nach der letzten Einnahme zur Blutabnahme; Ihre nächste Dosis nehmen Sie erst danach ein [1]. Laut Fachinformation ist es außerdem ratsam, die Nierenfunktion regelmäßig zu überprüfen [2]. Mehr zur Niere auf der Seite Nierenschäden.

Schilddrüse und Kalzium: Lithium kann die Funktion von Schilddrüse und Nebenschilddrüsen stören (laut Fachinformation auch als Unter- oder Überfunktion) und die Schilddrüse vergrößern; zu viel Kalzium im Blut ist sehr häufig [1, 2]. Fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, welche Werte bei Ihren Kontrollen bestimmt werden. Mehr zur Schilddrüsenunterfunktion.

Wechselwirkungen

Lithium kann mit einer Reihe von Arzneimitteln in Wechselwirkung treten; laut Fachinformation ist bei gleichzeitiger Gabe der in der Tabelle genannten Mittel besondere Vorsicht geboten [2]. Informieren Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke über alle Arzneimittel, die Sie einnehmen, kürzlich eingenommen haben oder einnehmen wollen [1].

Den Lithiumspiegel erhöhen können Entwässerungsmittel (Diuretika), nichtsteroidale Entzündungshemmer (NSAR), ACE-Hemmer, Sartane und Metronidazol; senken können ihn Empagliflozin, Dapagliflozin, Harnstoff, Xanthine wie Coffein, Natriumbicarbonat sowie osmotische Diuretika und Carbonanhydrasehemmer [1, 2]. Auch unter Topiramat sollte der Lithiumspiegel laut Fachinformation engmaschig überwacht werden [2]. Nebenwirkungen am Nervensystem sind zusammen mit Neuroleptika (Antipsychotika), Carbamazepin, Methyldopa, bestimmten Antidepressiva und Calciumkanalblockern möglich [1, 2]. Allgemeine Hinweise gibt der Ratgeber Wechselwirkungen.

Wechselwirkungen von Lithium
Zusammen mitWas passieren kannHinweis
Entwässerungsmittel (Diuretika): Thiazide, kaliumsparende Diuretika und SchleifendiuretikaKönnen den Lithiumspiegel erhöhen und möglicherweise zu einer Lithiumvergiftung führen; Thiazide können laut Fachinformation durch eine paradoxe harnhemmende Wirkung zu Wassereinlagerung und Lithiumvergiftung führen[1, 2]Laut Fachinformation sollten Diuretika nur unter großer Vorsicht eingesetzt werden; der Lithiumspiegel ist in kürzeren Abständen zu kontrollieren und die Dosis gegebenenfalls anzupassen
Osmotische Diuretika und Carbonanhydrasehemmer wie AcetazolamidKönnen den Lithiumspiegel senken[1, 2]Laut Fachinformation engmaschige Kontrollen des Lithiumspiegels und gegebenenfalls Dosisanpassung
Nichtsteroidale Entzündungshemmer (NSAR) gegen Schmerzen, Entzündungen und Fieber, einschließlich COX-2-HemmerKönnen den Lithiumspiegel erhöhen und möglicherweise zu einer Lithiumvergiftung führen[1, 2]Laut Fachinformation besondere Vorsicht; Ärztin, Arzt oder Apotheke informieren
ACE-Hemmer und Angiotensin-II-Rezeptor-Antagonisten (Sartane) gegen Bluthochdruck oder HerzschwächeKönnen den Lithiumspiegel erhöhen und möglicherweise zu einer Lithiumvergiftung führen[1, 2]Laut Fachinformation besondere Vorsicht; Ärztin oder Arzt informieren
Metronidazol (Mittel gegen bakterielle Infektionen)Kann den Lithiumspiegel erhöhen und möglicherweise zu einer Lithiumvergiftung führen[1, 2]Laut Fachinformation besondere Vorsicht; Ärztin oder Arzt informieren
Empagliflozin (gegen Diabetes oder Herzschwäche) und Dapagliflozin (gegen Diabetes, Herzschwäche oder chronische Nierenerkrankung)Können den Lithiumspiegel senken[1, 2]Laut Fachinformation engmaschige Kontrollen des Lithiumspiegels und gegebenenfalls Dosisanpassung
Harnstoff (Urea), Xanthine wie Coffein (in Mitteln gegen Müdigkeit und in Schmerzmitteln) und Natriumbicarbonat (gegen Magensäure)Können den Lithiumspiegel senken[1, 2]Laut Fachinformation engmaschige Kontrollen des Lithiumspiegels und gegebenenfalls Dosisanpassung
Topiramat (gegen Epilepsie oder Migräne)Laut Fachinformation kann sich die Lithiumkonzentration im Blut verändern; es gibt Berichte über Lithiumvergiftungen bei gleichzeitiger Gabe[1, 2]Laut Fachinformation sollte der Lithiumspiegel engmaschig überwacht werden; Ärztin, Arzt oder Apotheke informieren
Neuroleptika (Mittel gegen psychische Erkrankungen)Nebenwirkungen auf das Nervensystem (Neurotoxizität) möglich; laut Fachinformation in extrem seltenen Fällen ein enzephalopathisches Syndrom mit Delirium, Krampfanfällen oder vermehrt extrapyramidalen Symptomen, ähnlich einem malignen neuroleptischen Syndrom, in manchen Fällen mit bleibender Hirnschädigung[1, 2]Laut Fachinformation sind Behandelte auf frühe Zeichen einer Vergiftung des Nervensystems zu beobachten; beim Auftreten von Beschwerden ist die Behandlung sofort abzusetzen
Carbamazepin (gegen Epilepsie) und Methyldopa (gegen Bluthochdruck)Nebenwirkungen auf das Nervensystem (Neurotoxizität) möglich, laut Fachinformation mit Zeichen wie Störungen der Bewegungskoordination, Zittern, erhöhter Muskelspannung, unwillkürlichen Muskelzuckungen, gesteigerten Reflexen, Sprachstörungen, Verwirrtheit, Schläfrigkeit und Augenzittern[1, 2]Ärztin oder Arzt informieren
Bestimmte Antidepressiva: selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) und trizyklische AntidepressivaNebenwirkungen auf das Nervensystem (Neurotoxizität) möglich; SSRI können zusammen mit Lithium laut Fachinformation ein Serotonin-Syndrom hervorrufen[1, 2]Laut Fachinformation soll die gleichzeitige Gabe von SSRI mit Vorsicht geschehen; Ärztin oder Arzt informieren
Calciumkanalblocker (gegen Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen)Können die Wirkungen von Lithium auf das Nervensystem verstärken[1, 2]Laut Fachinformation muss der Lithiumspiegel dann im unteren therapeutischen Bereich eingestellt werden
Neuromuskulär blockierende Substanzen (Mittel zur Muskelerschlaffung)Lithium kann ihre Wirkung verlängern[2]Ärztin oder Arzt informieren

Die Liste nennt die wichtigsten Wechselwirkungen aus der Produktinformation, nicht alle. Welche Mittel Sie zusammen einnehmen können, klären Sie am besten mit Ihrer Apotheke, auch bei rezeptfreien und pflanzlichen Mitteln.

Wer Lithium nicht oder nur mit Vorsicht nehmen sollte

Lithium darf bei einer Allergie gegen Lithiumcarbonat oder einen der sonstigen Bestandteile nicht eingenommen werden [1, 2]. Wegen des erhöhten Vergiftungsrisikos nennt die Fachinformation weitere Erkrankungen, bei denen Lithium nicht gegeben werden darf; dazu gehört eine schwere Niereninsuffizienz [2]. Die Packungsbeilage nennt vergleichbare Punkte unter "besondere Vorsicht"; beide Angaben stehen in der Liste unten [1, 2].

Sprechen Sie vor der Behandlung mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wenn Sie ein Brugada-Syndrom (eine erbliche Herzerkrankung) haben oder wenn in Ihrer Familie ein Brugada-Syndrom, ein Herzstillstand oder ein plötzlicher Herztod aufgetreten ist [1]. Für ältere Menschen und bei eingeschränkter Nierenfunktion enthält die Fachinformation eigene Hinweise, die ebenfalls in der Liste stehen [2]; mehr dazu im Ratgeber Medikamente im Alter.

Nicht einnehmen bei

  • Allergie gegen Lithiumcarbonat oder einen der sonstigen Bestandteile[1, 2]
  • Laut Fachinformation darf Lithium wegen des erhöhten Vergiftungsrisikos nicht gegeben werden bei schwerer Einschränkung der Nierenfunktion (Niereninsuffizienz), Herz-Kreislauf-Erkrankungen, unbehandelter Schilddrüsenunterfunktion, einer Störung des Natriumhaushalts durch Flüssigkeitsmangel (Dehydratation), Morbus Addison oder salzarmer Diät, außer wenn eine lebensbedrohliche psychische Erkrankung auf andere Maßnahmen nicht anspricht; dann nur unter äußerster Vorsicht im Krankenhaus mit täglicher Bestimmung des Lithiumspiegels[2]

Besondere Vorsicht bei

  • Laut Packungsbeilage ist besondere Vorsicht erforderlich bei schweren Nierenerkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Erkrankungen der Schilddrüse, Wasserverlust (starkes Schwitzen, häufiges und vermehrtes Wasserlassen, starke Durchfälle oder Erbrechen), Erkrankungen der Nebennierenrinde (Morbus Addison) und bei einer Diät mit geringer Salzaufnahme[1]
  • Brugada-Syndrom (eine erbliche Herzerkrankung) bei Ihnen oder in Ihrer Familie sowie Herzstillstand oder plötzlicher Herztod in der Familie: Lithium kann ein Brugada-Syndrom aufdecken oder verschlimmern, was laut Fachinformation zu Herzstillstand oder plötzlichem Herztod führen kann. Bei bekanntem Brugada-Syndrom oder Brugada-Syndrom in der Familie wird Lithium laut Fachinformation nicht empfohlen[1, 2]
  • Elektrokrampftherapie, gleichzeitig oder geplant: Laut Fachinformation wurde dabei über ein erhöhtes Risiko neurologischer Nebenwirkungen wie Delirium, verlängerte Krampfanfälle und Verwirrung berichtet[1, 2]
  • Geplante oder erfolgte Operation zur Gewichtsabnahme: Eine niedrigere Lithiumdosis kann erforderlich sein; die Ärztin oder der Arzt überwacht den Lithiumspiegel und passt die Dosis an, laut Fachinformation engmaschig bis zur Stabilisierung des Körpergewichts[1, 2]
  • Salz- und Flüssigkeitshaushalt: Achten Sie darauf, genügend Salz und Flüssigkeit zu sich zu nehmen, besonders bei Abmagerungskuren und bestimmten Diätformen. Laut Fachinformation ist eine Vergiftung durch eine verminderte Ausscheidung von Lithium über die Nieren möglich bei Erbrechen, Durchfällen, hinzukommenden Infektionen, zu geringer Flüssigkeitsaufnahme und bei manchen Arzneimitteln[1, 2]
  • Natrium und Kalium: Lithium verringert laut Fachinformation zunächst die Rückaufnahme von Natrium und Kalium in den Nierenkanälchen und kann so zu einem Natriummangel führen; in der Regel kehren die Werte eine Woche nach Behandlungsbeginn zu den Ausgangswerten zurück[2]
  • Langzeitbehandlung und Nieren: Laut Fachinformation kann die Niere ihre Fähigkeit, den Harn zu konzentrieren, teilweise verlieren, was manchmal einen nephrogenen Diabetes insipidus mit vermehrtem Wasserlassen und Durst verursachen kann. Betroffene sind sorgfältig auf Austrocknung zu beobachten, weil sich Lithium anreichern und eine Vergiftung entstehen kann; nach dem Absetzen bilden sich die Beschwerden meist zurück. Nach Langzeitbehandlung wurden Gewebeveränderungen der Niere berichtet, die die Nierenfunktion einschränken können; ob sie sich nach dem Absetzen immer zurückbilden, ist unklar. Die Nierenfunktion regelmäßig zu überprüfen, ist deshalb laut Fachinformation ratsam[2]
  • Nierentumoren: Bei schwerer Einschränkung der Nierenfunktion und einer Lithiumbehandlung über mehr als 10 Jahre besteht möglicherweise ein Risiko für gut- oder bösartige Nierentumoren (Mikrozysten, Onkozytome oder Ductus-Bellini-Karzinom der Niere)[1, 2]
  • Eingeschränkte Nierenfunktion: Laut Fachinformation soll Lithium nur angewendet werden, wenn keine Alternative zur Wahl steht, und nur unter strenger Beobachtung, mit häufigen Kontrollen des Lithiumspiegels und einer geringeren Anfangsdosis. Bei eingeschränkter Leberfunktion wurde Lithium nicht untersucht[2]
  • Ältere Menschen: Laut Fachinformation ist Lithium bei ihnen nur mit besonderer Sorgfalt einzusetzen, weil sie wegen der verringerten Ausscheidung über die Nieren für eine Überdosierung besonders anfällig sind; es kann vorkommen, dass Nebenwirkungen schon bei Spiegeln auftreten, die jüngere Menschen gut vertragen[2]
  • Depression oder bipolare Störung: Die Depression kann sich verschlechtern, und es können mitunter Gedanken aufkommen, sich selbst zu schädigen oder sich das Leben zu nehmen, möglicherweise eher zu Beginn der Behandlung, wenn Sie schon früher solche Gedanken hatten oder wenn Sie jünger als 25 Jahre sind. Laut Fachinformation sollten Behandelte vor allem zu Beginn der Behandlung und bei Dosisanpassungen engmaschig überwacht werden[1, 2]
  • Kinder unter 12 Jahren und Jugendliche: Da keine Erfahrungswerte vorliegen, wird eine Lithiumbehandlung nicht empfohlen[1, 2]
  • Zuckerunverträglichkeit: Quilonorm retard (Österreich), auf dessen Gebrauchs- und Fachinformation diese Seite beruht, enthält Lactose (Milchzucker); laut Packungsbeilage bei bekannter Zuckerunverträglichkeit erst nach ärztlicher Rücksprache einnehmen. Laut Fachinformation sollten Menschen mit der seltenen erblichen Galactose-Intoleranz, völligem Lactase-Mangel oder Glucose-Galactose-Malabsorption das Arzneimittel nicht anwenden[1, 2]
  • Morbus Darier (eine erbliche Hauterkrankung): Der Sicherheitsausschuss PRAC (Ausschuss für Risikobewertung im Bereich der Pharmakovigilanz) der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) befürwortete laut Protokoll seiner Sitzung vom 12. bis 15. Januar 2026, die Verschlechterung eines Morbus Darier als Nebenwirkung in die Produktinformation lithiumsulfathaltiger Arzneimittel aufzunehmen, und hielt dies für alle lithiumhaltigen Arzneimittel für angezeigt. Haben Sie einen Morbus Darier, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.[6]

Autofahren, Schwangerschaft, Stillzeit

Lithium kann vor allem zu Beginn der Behandlung Schläfrigkeit, Benommenheit und Sinnestäuschungen verursachen; laut Packungsbeilage sollen deshalb keine Fahrzeuge gelenkt und keine Maschinen bedient werden [1]. In der Schwangerschaft darf Lithium laut Packungsbeilage nur auf strikte ärztliche Anweisung verwendet werden, weil die Gefahr von Fehlbildungen besteht [1]. Embryotox ordnet Lithium als schwaches Teratogen ein, das bei etwa 1 von 100 bis 1 von 1.000 Kindern nach Einnahme im ersten Schwangerschaftsdrittel zu Herzfehlbildungen führt [3]. Zum Vorgehen vor der Entbindung unterscheiden sich die Angaben: Laut Fachinformation muss Lithium 7 bis 10 Tage vorher abgesetzt werden [2], laut Embryotox sollte über ein Absenken des Spiegels vor der Geburt im Einzelfall entschieden werden [3]. Mehr in den Ratgebern Medikamente und Autofahren, Medikamente in der Schwangerschaft und Medikamente in der Stillzeit.

Schwangerschaft

Laut Packungsbeilage darf Lithium in der Schwangerschaft nur auf strikte ärztliche Anweisung verwendet werden, da die Gefahr von Fehlbildungen besteht; über die Anwendung entscheidet die Ärztin oder der Arzt nach sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiko. Laut Fachinformation kann Lithium in der Schwangerschaft durch ein erhöhtes Risiko für Herzfehlbildungen, insbesondere die Ebstein-Anomalie, und für andere Fehlbildungen schaden; es soll daher nicht in der Schwangerschaft (besonders im ersten Drittel) verwendet werden, es sei denn, der mögliche Nutzen für die Mutter überwiegt die möglichen Gefahren für das Kind.[1, 2]

Wird Lithium in der Schwangerschaft gegeben, soll laut Fachinformation die niedrigste noch wirksame Dosis gewählt und der Lithiumspiegel häufig gemessen werden, weil sich die Nierenfunktion in der Schwangerschaft und bei der Entbindung ändert. Laut Fachinformation muss Lithium 7 bis 10 Tage vor der Entbindung abgesetzt werden, da die Ausscheidung über die Nieren während der Entbindung sehr stark abnimmt und es bei Mutter und Kind zu einer Vergiftung kommen kann. Eine Lithiumvergiftung bildet sich bei Neugeborenen meist innerhalb von 1 bis 2 Wochen zurück.[2]

Bei Neugeborenen, deren Mütter Lithium in den letzten drei Monaten der Schwangerschaft eingenommen haben, können Zittern, steife und/oder schwache Muskeln, Schläfrigkeit, Ruhelosigkeit, Atemprobleme und Schwierigkeiten beim Füttern auftreten; entwickelt Ihr Baby eines dieser Symptome, könnte es nötig sein, eine Ärztin oder einen Arzt zu kontaktieren. Laut Fachinformation sind Neugeborene deshalb sorgfältig zu überwachen.[1, 2]

Laut Embryotox hat sich Lithium nach rund 1.400 ausgewerteten Schwangerschaften mit Einnahme im ersten Drittel bisher als schwaches Teratogen erwiesen, das bei etwa 1 von 100 bis 1 von 1.000 Kindern zu Herzfehlbildungen führt, insbesondere zur Ebstein-Anomalie. Bei einer Neueinstellung sollten wenn möglich andere Strategien bevorzugt werden, zur Phasenprophylaxe bei bipolarer Erkrankung insbesondere gut erprobte atypische Antipsychotika. Wird Lithium weiter eingenommen, sollte der Lithiumspiegel im ersten Drittel so niedrig wie therapeutisch möglich gehalten werden; weil sich die Ausscheidung in der Schwangerschaft und nach der Geburt verändert, muss er regelmäßig kontrolliert werden. Über ein Absenken des Spiegels vor der Geburt sollte laut Embryotox im Einzelfall entschieden werden, weil bei bipolarer Störung im Wochenbett eine hohe Rückfallgefahr besteht. Nach Einnahme bis zur Geburt sind beim Neugeborenen ausgeprägte Anpassungsstörungen möglich; jedes Neugeborene, das Lithium ausgesetzt war, muss in den ersten Lebenstagen darauf beobachtet werden. Seine Schilddrüsenfunktion sollte kontrolliert werden, und die Entbindung sollte in einer Klinik mit Neugeborenenmedizin (Neonatologie) erfolgen. Besser geeignete Alternativen sind laut Embryotox abhängig vom Anwendungsgebiet, bei bipolarer Erkrankung und Manie vor allem atypische Antipsychotika wie Quetiapin. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.[3]

Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.

Stillzeit

Laut Packungsbeilage sollte während der Einnahme abgestillt werden, da Lithium in die Muttermilch übergeht. Laut Fachinformation sollte die Mutter während einer Lithiumbehandlung nicht stillen, es sei denn, der mögliche Nutzen überwiegt die möglichen Gefahren für das Kind; ausreichende Daten zur Stillzeit liegen nicht vor.[1, 2]

Laut Embryotox sollte über das Stillen im Einzelfall entschieden werden, auch Teilstillen kommt in Betracht. Bei genauer Beobachtung des Säuglings (Muskelspannung, Zittern, unwillkürliche Bewegungen, Blaufärbung der Haut, Austrocknung) und möglichst niedriger Lithiumdosis der Mutter ist eine Fortsetzung des Stillens im Einzelfall akzeptabel. Säuglinge können besonders leicht austrocknen, etwa bei Fieber oder Trinkschwäche; dann kann ihr Lithiumspiegel schnell in giftige Bereiche steigen. Gegebenenfalls sollte der Lithiumspiegel des Säuglings bestimmt werden, insbesondere bei neu auftretenden Beschwerden.[3]

Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.

Autofahren und Maschinen

Lithium kann vor allem zu Beginn der Behandlung Schläfrigkeit, Benommenheit und Sinnestäuschungen verursachen und die Reaktionsfähigkeit und Verkehrstüchtigkeit beeinträchtigen. Laut Packungsbeilage sollen deshalb keine Fahrzeuge gelenkt und keine Maschinen bedient werden.[1, 2]

Einnahme

Nehmen Sie Lithium genau nach ärztlicher Anweisung und zum vorgeschriebenen Zeitpunkt ein. Schlucken Sie die Tabletten unzerkaut mit reichlich Flüssigkeit (Wasser). Bei Quilonorm retard (Österreich) dient die Bruchrille nur zum Teilen, wenn Sie Schwierigkeiten haben, die Tablette im Ganzen zu schlucken, und nicht zum Teilen in gleiche Dosen.[1, 2]

Gehen Sie regelmäßig zu den Kontrolluntersuchungen, laut Packungsbeilage anfangs wöchentlich, später monatlich bzw. alle 2 Monate. Zur Blutabnahme gehen Sie genau 12 Stunden nach der letzten Einnahme und nehmen Ihre nächste Dosis erst danach ein.[1]

Einnahme vergessen: Nehmen Sie nicht die doppelte Menge ein, sondern setzen Sie die Einnahme wie vorgesehen fort; laut Fachinformation nehmen Sie die nächste Dosis zum nächsten vorgesehenen Zeitpunkt.[1, 2]

Absetzen

Besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wie Sie die Einnahme am besten beenden; Sie sollten nicht von einem Tag auf den anderen aufhören, das Medikament zu nehmen.[1]

Laut Fachinformation wird empfohlen, Lithium über einen Zeitraum von mindestens 2 Wochen schrittweise abzusetzen, damit die Grunderkrankung möglichst nicht erneut auftritt. Bei den ersten Anzeichen einer Vergiftung ist Lithium dagegen sofort abzusetzen.[2]

Überdosierung

Haben Sie oder hat eine andere Person zu viele Tabletten eingenommen, informieren Sie unverzüglich Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder ein Krankenhaus und zeigen Sie die Tablettenpackung vor. Bei einer Überdosis können alle Nebenwirkungen auftreten, die die Packungsbeilage nennt.[1]

Laut Gebrauchs- und Fachinformation liegen die giftigen Konzentrationen von Lithium dicht bei den wirksamen; jede Überdosierung sollte als möglicherweise schwerwiegend angesehen werden. Bei dauerhafter Lithiumbehandlung kann schon eine leichte Überdosierung schwerwiegende Folgen haben. Die Beschwerden können verzögert auftreten, mit einem Höhepunkt nach bis zu 24 Stunden, besonders wenn Lithium nicht dauerhaft eingenommen wird oder bei Retardformen; in schweren Fällen kann es zu Krampfanfällen und Koma mit tödlichem Ausgang kommen. Ein Gegenmittel ist nicht bekannt.[1, 2]

Dosierung laut Packungsbeilage und Fachinformation

Die österreichische Packungsbeilage von Quilonorm retard beschreibt, wie die Tabletten eingenommen werden, nennt eine allgemeine Tagesmenge und gibt Hinweise für Kinder, ältere Menschen und eingeschränkte Nieren- oder Leberfunktion [1]. Die Fachinformation nennt Tagesmengen für die akute Manie und für die Erhaltungstherapie [2]. Weil jeder Mensch anders auf Lithium reagiert, stellt die Ärztin oder der Arzt die persönliche Dosis anhand von Blutuntersuchungen fest [1]. Laut Fachinformation sind bei akuter Manie Konzentrationen im Blutserum von 0,8 bis 1,2 mmol/l erwünscht; in der Langzeitbehandlung und Vorbeugung sollten die Spiegel auf 0,5 bis 1,0 mmol/l eingestellt werden. Gemessen wird möglichst genau 12 Stunden nach der letzten Dosis [2]. Die Übersicht gibt die Angaben der Packungsbeilage und der Fachinformation wieder und ersetzt nicht die Verordnung.

Einnahme und Absetzen

Nehmen Sie Lithium immer genau nach Absprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt und zum vorgeschriebenen Zeitpunkt ein, und schlucken Sie die Tabletten unzerkaut mit reichlich Flüssigkeit [1, 2]. Was bei einer vergessenen Einnahme gilt, steht in der Karte "Einnahme" oben [1, 2]. Mehr zum Teilen von Tabletten im Ratgeber Tabletten teilen und mörsern.

Besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wie Sie die Behandlung am besten beenden; laut Packungsbeilage sollten Sie nicht von einem Tag auf den anderen mit der Einnahme aufhören [1]. Laut Fachinformation wird empfohlen, Lithium über einen Zeitraum von mindestens 2 Wochen schrittweise abzusetzen, damit die Grunderkrankung möglichst nicht erneut auftritt; bei den ersten Anzeichen einer Vergiftung ist Lithium dagegen sofort abzusetzen [2]. Eigene Absetzsymptome bei Erwachsenen nennen Packungsbeilage und Fachinformation nicht [1, 2]. Was Packungsbeilage, Fachinformation und Embryotox zu Rückfall, Vergiftung und Schwangerschaft sagen, erklärt die Seite Lithium absetzen, Allgemeines der Ratgeber Medikamente absetzen.

Präparate mit Lithium

Als Produktnamen nennt Embryotox Hypnorex und Quilonum [3]. Quilonum retard ist in Deutschland für die Teofarma S.r.l. zugelassen, die in Österreich auch Zulassungsinhaberin von Quilonorm retard ist [4]. Grundlage dieser Seite sind die österreichische Gebrauchs- und Fachinformation von Quilonorm retard (Stand Juli 2024); die deutsche Fassung kann in Einzelheiten abweichen [1, 2].

Präparate mit Lithium
PräparatAnbieterHinweis
Quilonum retardTeofarma S.r.l. (Zulassungsinhaber)verschreibungspflichtig; Quilonum retard 450 mg Retardtabletten; Teofarma ist in Österreich auch Zulassungsinhaber von Quilonorm retard 450 mg Filmtabletten, deren Gebrauchs- und Fachinformation Grundlage dieser Seite sind
Hypnorexverschreibungspflichtig

Auswahl ohne Wertung. Präparate mit demselben Wirkstoff können sich in Stärke, Hilfsstoffen und zugelassenen Anwendungsgebieten unterscheiden. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.

Quellen

  1. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Quilonorm retard 450 mg Filmtabletten (Österreich). Teofarma S.r.l. (Zulassungsinhaber); veröffentlicht vom Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG), Österreich. Stand 07/2024. abgerufen am 11.10.2026
  2. Fachinformation Fachinformation Quilonorm retard 450 mg Filmtabletten (Österreich). Teofarma S.r.l. (Zulassungsinhaber); veröffentlicht vom Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG), Österreich. Stand 07/2024. abgerufen am 11.10.2026
  3. Embryotox Embryotox: Lithiumsalze. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 11.10.2026
  4. Behörde List of nationally authorised medicinal products, Active substance: lithium (PSUSA/00001897/202308, EMA/159597/2024). Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA). Stand 25.04.2024. abgerufen am 11.10.2026
  5. Behörde Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV), Anlage 1, Eintrag Lithium. Bundesministerium der Justiz (gesetze-im-internet.de). Stand 19.05.2026. abgerufen am 11.10.2026
  6. Behörde Minutes of PRAC meeting on 12-15 January 2026 (EMA/PRAC/46601/2026), Abschnitt 10.1.1 Lithium sulphate (NAP), SE/H/xxxx/WS/943. Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA), Ausschuss für Risikobewertung im Bereich der Pharmakovigilanz (PRAC). Stand 06.03.2026. abgerufen am 17.10.2026

Häufige Fragen

Wofür wird Lithium eingesetzt?

Laut der österreichischen Gebrauchs- und Fachinformation, auf der diese Seite beruht, wird Lithium bei akuten Episoden manischer und hypomanischer Erkrankungen und zur Vorbeugung manisch-depressiver Erkrankungen (bipolare Störung) angewendet. Embryotox nennt außerdem die Rückfallvorbeugung bei wiederkehrender depressiver Erkrankung und die Verstärkung der Behandlung bei bestimmten Formen der Depression. Welche Anwendungsgebiete für Ihr Präparat gelten, steht in seiner Packungsbeilage.

Warum muss der Lithiumspiegel im Blut regelmäßig kontrolliert werden?

Jeder Mensch reagiert anders auf Lithium; deshalb muss die Ärztin oder der Arzt laut Packungsbeilage die persönliche Dosis erst feststellen, und dazu sind häufige Blutuntersuchungen notwendig. Außerdem liegen die giftigen Konzentrationen von Lithium dicht bei den wirksamen. Laut Packungsbeilage finden die Kontrollen anfangs wöchentlich und später monatlich bzw. alle 2 Monate statt. Gehen Sie genau 12 Stunden nach der letzten Einnahme zur Blutabnahme und nehmen Sie Ihre nächste Dosis erst danach ein. Laut Fachinformation tritt eine Vergiftung in der Regel bei Serumkonzentrationen von 1,5 mmol/l und darüber auf, bei besonders empfindlichen Menschen auch schon bei üblichen therapeutischen Konzentrationen.

Woran erkenne ich eine Lithiumvergiftung?

Mögliche Zeichen sind laut Gebrauchs- und Fachinformation Herzrhythmusstörungen und Kreislaufkollaps, Durchfall, Erbrechen und Austrocknung sowie Störungen am Nervensystem wie unsichere Bewegungen, Zittern, Muskelzuckungen, veränderte Reflexe, Sprachstörungen, Verwirrtheit, Schläfrigkeit und Augenzittern. Die Zeichen können verzögert auftreten. Kontaktieren Sie dann Ihre Ärztin oder Ihren Arzt; wurden zu viele Tabletten eingenommen, informieren Sie unverzüglich eine Ärztin, einen Arzt oder ein Krankenhaus und zeigen Sie die Packung vor.

Welche Medikamente vertragen sich nicht mit Lithium?

Laut Fachinformation können Entwässerungsmittel (Diuretika), nichtsteroidale Entzündungshemmer (NSAR), ACE-Hemmer, Sartane und Metronidazol den Lithiumspiegel erhöhen und möglicherweise zu einer Vergiftung führen. Empagliflozin, Dapagliflozin, Harnstoff, Xanthine wie Coffein und Natriumbicarbonat können ihn senken. Zusammen mit Neuroleptika, Carbamazepin, Methyldopa, bestimmten Antidepressiva und Calciumkanalblockern sind Nebenwirkungen am Nervensystem möglich. Informieren Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke über alle Arzneimittel, die Sie einnehmen.

Warum sind Salz und Trinken bei Lithium wichtig?

Lithium wird über die Nieren ausgeschieden. Laut Fachinformation kann eine Vergiftung entstehen, wenn die Nieren weniger Lithium ausscheiden, bei Erbrechen, Durchfällen, hinzukommenden Infektionen, zu geringer Flüssigkeitsaufnahme und bei manchen Arzneimitteln. Die Packungsbeilage rät, auf genügend Salz und Flüssigkeit zu achten, besonders bei Abmagerungskuren und bestimmten Diäten; Wasserverlust durch starkes Schwitzen, Durchfall oder Erbrechen und eine salzarme Diät erfordern besondere Vorsicht.

Kann Lithium Schilddrüse oder Nieren schädigen?

Laut Packungsbeilage und Fachinformation kann Lithium die Funktion von Schilddrüse und Nebenschilddrüsen stören und die Schilddrüse vergrößern; zu viel Kalzium im Blut ist sehr häufig. An den Nieren kann Lithium die Fähigkeit verringern, den Harn zu konzentrieren, und nach Langzeitbehandlung wurden Gewebeveränderungen und eine eingeschränkte Nierenfunktion berichtet. Bei schwerer Nierenschwäche und Behandlung über mehr als 10 Jahre besteht möglicherweise ein Risiko für gut- oder bösartige Nierentumoren. Laut Fachinformation ist es ratsam, die Nierenfunktion regelmäßig zu überprüfen.

Darf ich Lithium in der Schwangerschaft und Stillzeit nehmen?

Laut Packungsbeilage darf Lithium in der Schwangerschaft nur auf strikte ärztliche Anweisung verwendet werden, weil die Gefahr von Fehlbildungen besteht; während der Einnahme sollte abgestillt werden. Embryotox stuft Lithium als schwaches Teratogen ein, das bei etwa 1 von 100 bis 1 von 1.000 Kindern nach Einnahme im ersten Schwangerschaftsdrittel zu Herzfehlbildungen führt, und hält eine Fortsetzung des Stillens im Einzelfall für akzeptabel, wenn das Kind genau beobachtet wird und die Lithiumdosis der Mutter möglichst niedrig ist. Planen Sie eine Schwangerschaft oder sind Sie schwanger, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, bevor Sie etwas ändern.

Kann ich Lithium einfach absetzen?

Nein. Besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wie Sie die Einnahme am besten beenden; laut Packungsbeilage sollten Sie nicht von einem Tag auf den anderen aufhören, das Medikament zu nehmen. Laut Fachinformation wird empfohlen, Lithium über mindestens 2 Wochen schrittweise abzusetzen, damit die Grunderkrankung möglichst nicht erneut auftritt; bei den ersten Anzeichen einer Vergiftung ist Lithium dagegen sofort abzusetzen.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

Passt dazu

  • Medikamente Doxepin

    Doxepin ist ein dämpfendes trizyklisches Antidepressivum.

  • Medikamente Zolpidem

    Zolpidem ist ein Schlafmittel zur Kurzzeitbehandlung.

  • Medikamente Aripiprazol

    Aripiprazol ist ein Antipsychotikum bei Schizophrenie und Manie.

  • Behandlungen Hormonersatztherapie: Nebenwirkungen

    Eine Hormonersatztherapie kann je nach Präparat Kopfschmerzen, Brustschmerzen und Blutungen auslösen.