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Empagliflozin (Jardiance): Nebenwirkungen und Wirkung

Empagliflozin ist ein verschreibungspflichtiger SGLT-2-Hemmer gegen Typ-2-Diabetes, Herzschwäche und chronische Nierenkrankheit. Er lässt die Nieren mehr Zucker mit dem Urin ausscheiden. Sehr häufig sind Flüssigkeitsmangel und, bei gleichzeitiger Einnahme von Sulfonylharnstoffen oder Insulin, Unterzuckerung. Häufig sind Pilzinfektionen im Genitalbereich und Harnwegsinfektionen. Bei Anzeichen einer Ketoazidose wie Übelkeit, Bauchschmerzen, übermäßigem Durst oder schneller, tiefer Atmung wenden Sie sich unabhängig vom Blutzuckerspiegel sofort an eine Ärztin, einen Arzt oder ein Krankenhaus.

Frau in den Fünfzigern mit kurzem braunem Haar bereitet in einer hellen Küche einen Gemüsesalat zu, daneben ein Glas Wasser
Bild: KI-generiert

Die häufigsten Nebenwirkungen

  • Sehr häufig: Niedrige Blutzuckerwerte (Hypoglykämie); das Risiko ist höher, wenn Sie zusätzlich ein anderes blutzuckersenkendes Mittel wie einen Sulfonylharnstoff oder Insulin nehmen, die Fachinformation ordnet "sehr häufig" dieser Kombination zu; mögliche Anzeichen sind Zittern, Schwitzen, Unruhe oder Verwirrtheit, schneller Herzschlag, Heißhunger und Kopfschmerzen[1, 2]
  • Sehr häufig: Flüssigkeitsmangel (Dehydratation, Volumenmangel); die Anzeichen sind unspezifisch, möglich sind ungewöhnlich starkes Durstgefühl, Benommenheit oder Schwindel beim Aufstehen, Ohnmacht oder Bewusstlosigkeit[1, 2]
  • Häufig: Hefepilzinfektion im Genitalbereich (Soor); die Fachinformation nennt an dieser Stelle Pilzinfektion der Scheide (vaginale Moniliase), Entzündung von Scheide und Schamlippen (Vulvovaginitis), Eichelentzündung (Balanitis) und andere genitale Infektionen[1, 2]
  • Häufig: Harnwegsinfektionen, einschließlich Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis) und Blutvergiftung, die von den Harnwegen ausgeht (Urosepsis); Anzeichen sind Brennen beim Wasserlassen, trüber Urin und Schmerzen im Becken- oder mittleren Rückenbereich, wenn die Nieren entzündet sind[1, 2]
  • Häufig: Größere Harnmenge als gewöhnlich oder häufigeres Wasserlassen (verstärkte Harnausscheidung)[1, 2]
  • Häufig: Juckreiz (Pruritus), auch am ganzen Körper[1, 2]
  • Häufig: Hautausschlag oder Hautrötung, möglicherweise mit Juckreiz, erhabenen Knötchen, austretender Flüssigkeit oder Bläschen[1, 2]
  • Häufig: Durst[1, 2]
  • Häufig: Erhöhte Blutfette (Cholesterin) in Blutuntersuchungen[1, 2]
  • Häufig: Verstopfung (Obstipation)[1, 2]

Alle Nebenwirkungen nach Häufigkeit

Wofür wird Empagliflozin eingesetzt?

Empagliflozin ist ein verschreibungspflichtiger Wirkstoff aus der Gruppe der SGLT-2-Hemmer [1, 4]. Er hat drei Anwendungsgebiete: Typ-2-Diabetes, eine Herzschwäche (Herzinsuffizienz) mit Beschwerden und eine chronische Nierenkrankheit (Niereninsuffizienz). Bei Herzschwäche und Nierenkrankheit ist er für Erwachsene zugelassen, beim Typ-2-Diabetes für Erwachsene und Kinder ab 10 Jahren [1, 2].

Beim Typ-2-Diabetes kommt Empagliflozin infrage, wenn Diät und Bewegung allein den Blutzucker nicht ausreichend senken. Allein wird es angewendet, wenn Metformin wegen einer Unverträglichkeit nicht geeignet ist; sonst zusätzlich zu anderen Diabetesmitteln, auch zu Insulin [1, 2]. Laut Packungsbeilage kann Empagliflozin bei Typ-2-Diabetes auch zur Vorbeugung einer Herzerkrankung beitragen [1].

Bei Herzschwäche soll Empagliflozin laut Packungsbeilage helfen, das Herz davor zu schützen, schwächer zu werden, und die Beschwerden verbessern; bei chronischer Nierenkrankheit soll es helfen, die Nieren vor dem Verlust ihrer Funktion zu schützen [1].

Wie wirkt Empagliflozin?

In den Nieren wird das Blut gefiltert. Dabei gelangt auch Zucker (Glucose) in den Vorharn. Ein Transporteiweiß namens SGLT-2 (Natrium-Glucose-Cotransporter 2) holt diesen Zucker normalerweise zurück ins Blut. Empagliflozin hemmt dieses Transporteiweiß. Dadurch wird mehr Zucker mit dem Urin ausgeschieden, und der Blutzucker sinkt [1, 2]. Laut Fachinformation beginnt die vermehrte Zuckerausscheidung bei Typ-2-Diabetes sofort nach der ersten Dosis und bleibt über das gesamte Dosisintervall von 24 Stunden bestehen. Der Wirkmechanismus ist unabhängig von der Funktion der insulinbildenden Betazellen der Bauchspeicheldrüse [2].

Zusätzlich scheiden die Nieren mehr Natrium aus. Das führt zu einer vermehrten Harnausscheidung (osmotische Diurese) und kann zu einer mäßigen Blutdrucksenkung beitragen. Mit dem Zucker verliert der Körper Kalorien; laut Fachinformation geht das mit einer Abnahme von Körperfett und Körpergewicht einher [2]. Wegen dieser Wirkweise fällt ein Urintest auf Zucker positiv aus, solange Sie Empagliflozin einnehmen [1, 2].

Nebenwirkungen nach Häufigkeit

Die Liste unten enthält alle Nebenwirkungen, für die Packungsbeilage und Fachinformation eine Häufigkeit nennen. "Sehr häufig" heißt: mehr als 1 von 10 Behandelten, "häufig" bis zu 1 von 10, "gelegentlich" bis zu 1 von 100, "selten" bis zu 1 von 1.000 und "sehr selten" bis zu 1 von 10.000 [1, 2]. Wie Sie solche Angaben einordnen, erklärt der Ratgeber Beipackzettel verstehen.

Eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) ist sehr häufig, wenn Empagliflozin zusammen mit einem Sulfonylharnstoff oder Insulin genommen wird [2]. Genitalinfektionen (darunter Pilzinfektionen) wurden bei behandelten Frauen häufiger angegeben als unter Scheinmedikament (Placebo); bei Männern war der Unterschied geringer. Auch Harnwegsinfektionen wurden bei behandelten Frauen häufiger angegeben, bei Männern bestand kein Unterschied [2].

Zu Beginn der Behandlung können Blutwerte eine geringere Nierenleistung zeigen: Das Kreatinin steigt, die geschätzte Filtrationsleistung der Nieren (eGFR) sinkt. Laut Fachinformation war das im Allgemeinen vorübergehend [2]. Mit dem Nebenwirkungs-Finder sehen Sie, welche anderen Wirkstoffe eine bestimmte Beschwerde auslösen können.

Sehr häufigkann mehr als 1 von 10 Behandelten betreffen

  • Stoffwechsel und ErnährungNiedrige Blutzuckerwerte (Hypoglykämie); das Risiko ist höher, wenn Sie zusätzlich ein anderes blutzuckersenkendes Mittel wie einen Sulfonylharnstoff oder Insulin nehmen, die Fachinformation ordnet "sehr häufig" dieser Kombination zu; mögliche Anzeichen sind Zittern, Schwitzen, Unruhe oder Verwirrtheit, schneller Herzschlag, Heißhunger und Kopfschmerzen[1, 2]Mehr dazu: UnterzuckerungZitternVermehrtes SchwitzenUnruhe und NervositätVerwirrtheitHerzrasenKopfschmerzen
  • Gefäße und KreislaufFlüssigkeitsmangel (Dehydratation, Volumenmangel); die Anzeichen sind unspezifisch, möglich sind ungewöhnlich starkes Durstgefühl, Benommenheit oder Schwindel beim Aufstehen, Ohnmacht oder Bewusstlosigkeit[1, 2]Mehr dazu: SchwindelNiedriger Blutdruck

Häufigkann bis zu 1 von 10 Behandelten betreffen

  • InfektionenHefepilzinfektion im Genitalbereich (Soor); die Fachinformation nennt an dieser Stelle Pilzinfektion der Scheide (vaginale Moniliase), Entzündung von Scheide und Schamlippen (Vulvovaginitis), Eichelentzündung (Balanitis) und andere genitale Infektionen[1, 2]Mehr dazu: Pilzinfektionen
  • InfektionenHarnwegsinfektionen, einschließlich Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis) und Blutvergiftung, die von den Harnwegen ausgeht (Urosepsis); Anzeichen sind Brennen beim Wasserlassen, trüber Urin und Schmerzen im Becken- oder mittleren Rückenbereich, wenn die Nieren entzündet sind[1, 2]
  • Nieren und HarnwegeGrößere Harnmenge als gewöhnlich oder häufigeres Wasserlassen (verstärkte Harnausscheidung)[1, 2]Mehr dazu: Häufiges Wasserlassen
  • HautJuckreiz (Pruritus), auch am ganzen Körper[1, 2]Mehr dazu: Juckreiz
  • HautHautausschlag oder Hautrötung, möglicherweise mit Juckreiz, erhabenen Knötchen, austretender Flüssigkeit oder Bläschen[1, 2]Mehr dazu: HautausschlagJuckreiz
  • Stoffwechsel und ErnährungDurst[1, 2]
  • Laborwerte und UntersuchungenErhöhte Blutfette (Cholesterin) in Blutuntersuchungen[1, 2]Mehr dazu: Erhöhte Blutfette
  • Magen und DarmVerstopfung (Obstipation)[1, 2]Mehr dazu: Verstopfung

Gelegentlichkann bis zu 1 von 100 Behandelten betreffen

  • HautSchwere allergische Reaktion mit Schwellungen von Gesicht, Lippen, Mund, Zunge oder Rachen (Angioödem), die das Atmen oder Schlucken erschweren können[1, 2]Mehr dazu: Schwellungen von Gesicht, Zunge oder RachenAllergische ReaktionenAtemnot
  • Stoffwechsel und ErnährungKetoazidose (erhöhte Konzentration von Ketonkörpern in Blut oder Urin), eine schwerwiegende, manchmal lebensbedrohliche Komplikation, die unabhängig vom Blutzuckerspiegel auftreten kann; Anzeichen sind unter anderem rascher Gewichtsverlust, Übelkeit oder Erbrechen, Bauchschmerzen, übermäßiger Durst, schnelle und tiefe Atmung, Verwirrtheit und ungewöhnliche Schläfrigkeit oder Müdigkeit[1, 2]Mehr dazu: ÜbelkeitErbrechenBauchschmerzenVerwirrtheitMüdigkeit
  • HautNesselsucht (Urtikaria)[1, 2]Mehr dazu: Nesselsucht
  • Nieren und HarnwegeAnstrengung oder Schmerzen beim Wasserlassen (Dysurie)[1, 2]Mehr dazu: Probleme beim Wasserlassen
  • Laborwerte und UntersuchungenVerminderte Nierenfunktion in Blutuntersuchungen: erhöhte Werte von Kreatinin oder Harnstoff, verminderte glomeruläre Filtrationsrate[1, 2]Mehr dazu: Nierenfunktionsstörungen
  • Laborwerte und UntersuchungenHöherer Anteil roter Blutkörperchen im Blut (erhöhter Hämatokrit)[1, 2]Mehr dazu: Veränderte Laborwerte

Seltenkann bis zu 1 von 1.000 Behandelten betreffen

  • InfektionenNekrotisierende Fasziitis des Perineums (Fournier-Gangrän), eine schwerwiegende Weichteilinfektion der Geschlechtsorgane oder des Bereichs zwischen Geschlechtsorganen und After[1, 2]

Sehr seltenkann bis zu 1 von 10.000 Behandelten betreffen

Eine Häufigkeit sagt, wie oft eine Beschwerde während der Behandlung beobachtet wurde. Sie sagt nicht, dass das Medikament sie verursacht hat.

Wann Sie ärztliche Hilfe brauchen

Bei einer Ketoazidose ist die Konzentration von Ketonkörpern in Blut oder Urin erhöht. Sie ist schwerwiegend und manchmal lebensbedrohlich und kann unabhängig vom Blutzuckerspiegel auftreten [1]. Laut Fachinformation wurden auch tödliche Fälle berichtet [2]. Wann das Risiko erhöht ist, steht unten bei den Vorsichtshinweisen [1].

Die Fournier-Gangrän ist eine seltene, aber schwerwiegende Infektion, die das Unterhautgewebe an den Geschlechtsorganen oder im Bereich zwischen Geschlechtsorganen und After zerstört; sie betrifft Frauen und Männer und muss unverzüglich behandelt werden, unter anderem mit Antibiotika und einer Operation [1, 2].

Notrufnummern und Giftinformationszentren finden Sie unter Notfall und Giftnotruf.

Was Sie bei Nebenwirkungen tun können

Mann Ende sechzig mit grauem Haar trinkt am Küchentisch ein Glas Wasser, daneben eine Wasserkaraffe
Bild: KI-generiert

Unterzuckerung: Mögliche Anzeichen sind Zittern, Schwitzen, Unruhe oder Verwirrtheit, schneller Herzschlag, Heißhunger und Kopfschmerzen. Laut Packungsbeilage nehmen Sie dann Traubenzucker, einen zuckerreichen Imbiss oder Fruchtsaft zu sich, messen wenn möglich Ihren Blutzucker und ruhen sich aus [1]. Mehr dazu lesen Sie unter Unterzuckerung und erhöhter Blutzucker.

Flüssigkeitsmangel: Anzeichen können ungewöhnlich starker Durst, Benommenheit oder Schwindel beim Aufstehen und Ohnmacht sein [1]. Laut Fachinformation zählen zu den Zeichen eines Volumenmangels auch ein zu niedriger Blutdruck und Kreislaufbeschwerden beim Aufstehen [2]. Fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, wie Sie einen Flüssigkeitsmangel verhindern können; möglicherweise wird die Einnahme unterbrochen, bis Sie sich erholt haben [1]. Ältere Menschen, die zusätzlich Entwässerungsmittel oder ACE-Hemmer nehmen, sollen laut Fachinformation besonders auf ausreichendes Trinken achten [2].

Pilzinfektionen im Genitalbereich: Hefepilzinfektionen im Genitalbereich (Soor) betreffen bis zu 1 von 10 Behandelten [1]. Zu den Genitalinfektionen zählt die Fachinformation Pilzinfektionen der Scheide (vaginale Moniliase, siehe Scheidenpilz), Entzündungen von Scheide und Schamlippen (Vulvovaginitis) und der Eichel (Balanitis) [2]. Laut Fachinformation wurden im Zusammenhang mit Genitalinfektionen Fälle einer Vorhautverengung (Phimose) gemeldet; in einigen Fällen war eine Beschneidung nötig [2]. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wenn Sie Anzeichen einer solchen Infektion bemerken [1]. Mehr zum Thema lesen Sie unter erhöhte Infektanfälligkeit.

Harnwegsinfektionen und häufiges Wasserlassen: Mehr Harn und häufigeres Wasserlassen können von der Wirkweise kommen, aber auch eine Harnwegsinfektion anzeigen. Anzeichen einer Infektion sind Brennen beim Wasserlassen, trüber Urin und Schmerzen im Becken- oder mittleren Rückenbereich, wenn die Nieren entzündet sind. Informieren Sie dann so rasch wie möglich Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, ebenso, wenn Harndrang oder häufiges Wasserlassen zunehmen [1]. Hintergründe finden Sie unter Blasenprobleme und Blasenentzündung.

Weitere Beschwerden: Bemerken Sie Nebenwirkungen wie Juckreiz, Hautausschlag oder Verstopfung, wenden Sie sich an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke; das gilt auch für Nebenwirkungen, die nicht in der Packungsbeilage stehen [1]. Veränderungen von Blutfetten und Nierenwerten zeigen Blutuntersuchungen; die Nierenfunktion wird vor Beginn und während der Behandlung kontrolliert, laut Fachinformation mindestens einmal im Jahr [1, 2].

Wechselwirkungen

Informieren Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt über alle Arzneimittel, die Sie einnehmen, kürzlich eingenommen haben oder einnehmen wollen [1]. Wichtig sind vor allem harntreibende Mittel (Diuretika), weil Empagliflozin deren Wirkung verstärken kann und dann ein Flüssigkeitsmangel droht, außerdem Insulin und Sulfonylharnstoffe wegen der Unterzuckerungsgefahr und Lithium, dessen Spiegel im Blut sinken kann [1, 2].

Wechselwirkungen von Empagliflozin
Zusammen mitWas passieren kannHinweis
Harntreibende Mittel (Diuretika, z. B. Thiazid- und Schleifendiuretika)Ihre harntreibende Wirkung kann verstärkt werden; höheres Risiko für Flüssigkeitsmangel und zu niedrigen Blutdruck[1, 2]Ärztin oder Arzt informieren; möglicherweise wird Empagliflozin abgesetzt
Insulin oder SulfonylharnstoffeHöheres Risiko für Unterzuckerung[1, 2]Die Ärztin oder der Arzt verringert möglicherweise die Dosis dieser Mittel
LithiumLithiumspiegel im Blut kann sinken[1, 2]Lithiumspiegel nach Behandlungsbeginn und bei Dosisänderungen häufiger kontrollieren lassen
Blutdrucksenkende Mittel, ACE-HemmerRisiko für Flüssigkeitsmangel und Blutdruckabfall kann steigen[1, 2]Ärztin oder Arzt informieren; besonders ab 75 Jahren auf ausreichendes Trinken achten
Mittel, die bestimmte Leberenzyme (UGT) anregen, z. B. Rifampicin oder PhenytoinWirkung von Empagliflozin kann nachlassen[2]Gleichzeitige Behandlung laut Fachinformation nicht empfohlen; wenn nötig, Blutzucker überwachen

Die Liste nennt die wichtigsten Wechselwirkungen aus der Produktinformation, nicht alle. Welche Mittel Sie zusammen einnehmen können, klären Sie am besten mit Ihrer Apotheke, auch bei rezeptfreien und pflanzlichen Mitteln.

Wer Empagliflozin nicht oder nur mit Vorsicht nehmen sollte

Als Gegenanzeige nennen Packungsbeilage und Fachinformation eine Allergie gegen Empagliflozin oder einen der sonstigen Bestandteile [1, 2]. Menschen mit Typ-1-Diabetes sollten Empagliflozin nicht einnehmen [1, 2]. Hatten Sie unter einem SGLT-2-Hemmer bereits eine Ketoazidose, wird ein erneuter Beginn laut Fachinformation nicht empfohlen, es sei denn, ein anderer eindeutiger Auslöser wurde gefunden und beseitigt [2]. Trifft einer der folgenden Punkte auf Sie zu, sprechen Sie vor der Einnahme mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt [1].

Nicht einnehmen bei

  • Allergie gegen Empagliflozin oder einen der sonstigen Bestandteile[1, 2]

Besondere Vorsicht bei

  • Typ-1-Diabetes: Empagliflozin sollte dann nicht eingenommen werden; in einem Studienprogramm mit Typ-1-Diabetes traten Ketoazidosen unter Empagliflozin zusätzlich zu Insulin häufig auf[1, 2]
  • Schwerwiegende Nierenprobleme: Die Ärztin oder der Arzt begrenzt möglicherweise die Dosis oder verordnet ein anderes Mittel. Bei einer eGFR unter 20 ml/min/1,73 m² wird ein Behandlungsbeginn laut Fachinformation wegen begrenzter Erfahrung nicht empfohlen; die Nierenfunktion sollte vor Beginn und während der Behandlung überprüft werden, laut Fachinformation mindestens einmal im Jahr[1, 2]
  • Schwerwiegende Leberprobleme: Die Ärztin oder der Arzt verordnet möglicherweise ein anderes Mittel; bei schwerer Leberfunktionsstörung wird die Anwendung laut Fachinformation nicht empfohlen[1, 2]
  • Risiko für Flüssigkeitsmangel, etwa bei Erbrechen, Durchfall oder Fieber, wenn Sie nicht essen oder trinken können, bei Einnahme von harntreibenden oder blutdrucksenkenden Mitteln und ab 75 Jahren: Die Ärztin oder der Arzt kann eine Einnahmepause bis zur Erholung anordnen[1, 2]
  • Schwerwiegende Infektion der Nieren oder Harnwege mit Fieber: Die Ärztin oder der Arzt kann eine Einnahmepause bis zur Erholung anordnen[1, 2]
  • Erhöhtes Risiko für eine Ketoazidose, etwa bei längerem Fasten, übermäßigem Alkoholkonsum, Flüssigkeitsmangel, plötzlich verringerter Insulindosis oder höherem Insulinbedarf durch eine größere Operation oder schwere Erkrankung; laut Fachinformation auch bei geringer Insulinreserve der Bauchspeicheldrüse oder früherer Bauchspeicheldrüsenentzündung[1, 2]
  • Füße regelmäßig ansehen und die Hinweise zur Fußpflege befolgen; in Langzeitstudien mit einem anderen SGLT-2-Hemmer gab es mehr Amputationen der unteren Gliedmaßen, in erster Linie von Zehen, ob das für die ganze Gruppe gilt, ist nicht bekannt[1, 2]
  • Urintests auf Zucker fallen während der Einnahme positiv aus; der 1,5-AG-Test liefert zur Beurteilung der Blutzuckereinstellung unzuverlässige Werte und wird nicht empfohlen[1, 2]
  • Kinder und Jugendliche: bei Typ-2-Diabetes ab 10 Jahren anwendbar, für Kinder unter 10 Jahren liegen keine Daten vor; bei Herzschwäche oder chronischer Nierenkrankheit unter 18 Jahren nicht empfohlen, da nicht untersucht[1, 2]
  • Stark erhöhter Hämatokrit: Überwachung und Untersuchung auf Bluterkrankungen[2]
  • Unverträglichkeit gegenüber bestimmten Zuckern: Die Tabletten enthalten Lactose (Milchzucker)[1, 2]

Alkohol, Autofahren, Schwangerschaft

Laut Packungsbeilage dürfen Sie Empagliflozin in der Schwangerschaft und in der Stillzeit nicht einnehmen [1]. Das Beratungszentrum Embryotox der Charité hält die Daten zu SGLT-2-Hemmern für eine differenzierte Risikobewertung noch nicht für ausreichend [3]. Wenn Sie schwanger werden möchten oder schwanger sind, sprechen Sie frühzeitig mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt; mehr dazu im Ratgeber Medikamente in der Schwangerschaft.

Schwangerschaft

Laut Packungsbeilage dürfen Sie Empagliflozin in der Schwangerschaft nicht einnehmen; ob es dem ungeborenen Kind schadet, ist nicht bekannt. Wenn Sie schwanger sind, schwanger sein könnten oder es werden möchten, fragen Sie vor der Einnahme Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke.[1]

Laut Fachinformation gibt es keine Erfahrungen mit Schwangeren. Tierstudien zeigten unerwünschte Wirkungen auf die Entwicklung nach der Geburt; aus Vorsichtsgründen soll eine Anwendung in der Schwangerschaft vermieden werden.[2]

Laut Embryotox ergaben erste Daten, zu SGLT-2-Hemmern in geringerem Umfang als zu GLP-1-Analoga, keinen Verdacht auf Embryotoxizität; die Studien reichen für eine differenzierte Risikobewertung aber nicht aus. Bei nicht insulinpflichtigem Typ-2-Diabetes sollten Tabletten gegen Diabetes laut Embryotox in der Schwangerschaft auf Insulin umgestellt werden; Metformin kann dort eine alternative Behandlungsmöglichkeit sein. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.[3]

Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.

Stillzeit

Laut Packungsbeilage dürfen Sie Empagliflozin in der Stillzeit nicht einnehmen; ob es beim Menschen in die Muttermilch übergeht, ist nicht bekannt. In Tierversuchen ging es in die Milch über; ein Risiko für das gestillte Kind kann laut Fachinformation nicht ausgeschlossen werden.[1, 2]

Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.

Alkohol

Übermäßiger Alkoholkonsum kann das Risiko für eine Ketoazidose erhöhen.[1, 2]

Autofahren und Maschinen

Empagliflozin hat geringen Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit. Zusammen mit Sulfonylharnstoffen oder Insulin kann eine Unterzuckerung mit Zittern, Schwitzen und Sehstörungen die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen. Wenn Ihnen schwindelig ist, dürfen Sie kein Fahrzeug lenken und keine Werkzeuge oder Maschinen bedienen.[1, 2]

Einnahme

Tablette im Ganzen mit Wasser schlucken, zu oder unabhängig von den Mahlzeiten, zu jeder Tageszeit, möglichst jeden Tag zur selben Uhrzeit. Den mit der Ärztin oder dem Arzt vereinbarten Diät- und Bewegungsplan weiterführen. Die Dosis legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest.[1, 2]

Dosis vergessen: Sind es noch 12 Stunden oder mehr bis zur nächsten Dosis, die vergessene Tablette nehmen, sobald Sie daran denken; sind es weniger als 12 Stunden, die vergessene Dosis auslassen. Nie die doppelte Menge einnehmen.[1]

Absetzen

Nicht ohne Rücksprache mit der Ärztin oder dem Arzt absetzen, außer bei Verdacht auf eine Ketoazidose. Bei Typ-2-Diabetes kann der Blutzucker nach dem Absetzen steigen. Laut Fachinformation kann eine Ketoazidose nach dem Absetzen länger anhalten, als nach der Halbwertszeit zu erwarten wäre.[1, 2]

Kommen Sie wegen einer größeren Operation oder einer akuten schwerwiegenden Erkrankung ins Krankenhaus, sollte die Behandlung laut Fachinformation unterbrochen werden; eine Überwachung der Ketonkörper wird dann empfohlen. Wieder aufgenommen werden kann sie, wenn die Ketonkörperwerte normal sind und sich der Zustand stabilisiert hat.[2]

Hatten Sie unter der Behandlung mit einem SGLT-2-Hemmer zuvor eine Ketoazidose, wird die Wiederaufnahme der Behandlung mit einem SGLT-2-Hemmer laut Fachinformation nicht empfohlen, es sei denn, ein anderer eindeutiger auslösender Faktor wurde ermittelt und beseitigt.[2]

Überdosierung

Bei Einnahme einer zu großen Menge umgehend eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen oder ins Krankenhaus gehen und die Packung mitnehmen.[1]

Dosierung laut Packungsbeilage und Fachinformation

Die Packungsbeilage nennt eine empfohlene Dosis und für Typ-2-Diabetes eine mögliche Erhöhung; die Fachinformation ergänzt Angaben für Kinder, für eingeschränkte Nieren- und Leberfunktion und für ältere Menschen [1, 2]. Die Übersicht gibt diese Angaben wieder und ersetzt nicht die Verordnung. Welche Dosis für Sie richtig ist, legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest [1].

Einnahme und Absetzen

Nehmen Sie Empagliflozin immer genau nach Absprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ein und ändern Sie die Dosis nicht ohne Rücksprache [1]. Schlucken Sie die Tablette im Ganzen mit Wasser, zu einer Mahlzeit oder unabhängig davon. Die Tageszeit ist frei wählbar; die Einnahme jeden Tag zur selben Uhrzeit hilft, sie nicht zu vergessen [1, 2]. Was bei einer vergessenen Dosis gilt, steht in der Karte "Einnahme" oben; nehmen Sie nie die doppelte Menge [1].

Setzen Sie Empagliflozin nicht ohne Rücksprache ab, außer bei Verdacht auf eine Ketoazidose. Bei Typ-2-Diabetes kann der Blutzucker nach dem Absetzen steigen [1]. Eine Ketoazidose kann laut Fachinformation nach dem Absetzen länger anhalten, als es die Halbwertszeit erwarten ließe [2]. Kommen Sie wegen einer größeren Operation oder einer akuten schweren Erkrankung ins Krankenhaus, sollte die Behandlung laut Fachinformation unterbrochen werden; sie kann wieder aufgenommen werden, wenn die Ketonwerte normal sind und Ihr Zustand stabil ist [2]. Klären Sie geplante Eingriffe deshalb rechtzeitig mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt; allgemeine Hinweise stehen im Ratgeber Medikamente vor der OP. Bei einer schwerwiegenden Infektion der Nieren oder Harnwege mit Fieber fordert Ihre Ärztin oder Ihr Arzt Sie möglicherweise auf, die Einnahme bis zur Erholung zu unterbrechen [1]. Wann eine Pause vor Operationen vorgesehen ist und was sich nach dem Absetzen ändert, erklärt die Seite Empagliflozin absetzen.

Haben Sie zu viel eingenommen, wenden Sie sich umgehend an eine Ärztin oder einen Arzt oder suchen Sie ein Krankenhaus auf und bringen Sie die Packung mit [1].

Präparate mit Empagliflozin

Empagliflozin ist als Filmtablette in zwei Stärken unter dem Namen Jardiance zugelassen; Grundlage dieser Seite ist die deutsche Produktinformation der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) mit Packungsbeilage und Fachinformation [1, 2]. Für Präparate, die Empagliflozin zusammen mit einem weiteren Wirkstoff enthalten, gelten eigene Packungsbeilagen.

Präparate mit Empagliflozin
PräparatAnbieterHinweis
JardianceBoehringer Ingelheim International GmbHverschreibungspflichtig; Filmtabletten in zwei Stärken; Grundlage dieser Seite

Auswahl ohne Wertung. Präparate mit demselben Wirkstoff können sich in Stärke, Hilfsstoffen und zugelassenen Anwendungsgebieten unterscheiden. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.

Quellen

  1. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Jardiance (EPAR), Anhang III B: Packungsbeilage Jardiance 10 mg/25 mg Filmtabletten. Boehringer Ingelheim International GmbH. Stand 03/2026. abgerufen am 10.10.2026
  2. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Jardiance (EPAR), Anhang I: Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (Fachinformation). Boehringer Ingelheim International GmbH. Stand 03/2026. abgerufen am 16.10.2026
  3. Embryotox Embryotox: Diabetes mellitus (Erkrankungen). Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 10.10.2026
  4. Behörde Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV), Anlage 1. Bundesministerium der Justiz. abgerufen am 10.10.2026

Häufige Fragen

Wofür nimmt man Empagliflozin?

Empagliflozin ist zugelassen zur Behandlung von Typ-2-Diabetes bei Erwachsenen und Kindern ab 10 Jahren, wenn Diät und Bewegung allein nicht ausreichen. Bei Erwachsenen wird es außerdem gegen eine Herzschwäche mit Beschwerden (Herzinsuffizienz) und gegen eine chronische Nierenkrankheit eingesetzt.

Welche Nebenwirkungen hat Empagliflozin am häufigsten?

Sehr häufig (bei mehr als 1 von 10 Behandelten) sind Flüssigkeitsmangel und, wenn zusätzlich ein Sulfonylharnstoff oder Insulin genommen wird, Unterzuckerung. Häufig (bei bis zu 1 von 10) treten Hefepilzinfektionen im Genitalbereich, Harnwegsinfektionen, vermehrtes Wasserlassen, Juckreiz, Hautausschlag, Durst, Verstopfung und erhöhte Cholesterinwerte auf.

Was ist eine Ketoazidose und woran erkenne ich sie?

Bei einer Ketoazidose ist die Konzentration von Ketonkörpern in Blut oder Urin erhöht. Diese schwerwiegende, manchmal lebensbedrohliche Komplikation tritt gelegentlich auf (bei bis zu 1 von 100 Behandelten). Anzeichen sind unter anderem rascher Gewichtsverlust, Übelkeit oder Erbrechen, Bauchschmerzen, übermäßiger Durst, schnelle und tiefe Atmung, Verwirrtheit, ungewöhnliche Müdigkeit und ein süßlicher Atemgeruch. Sie kann unabhängig vom Blutzuckerspiegel auftreten. Wenden Sie sich dann sofort an eine Ärztin, einen Arzt oder das nächste Krankenhaus und unterbrechen Sie die Einnahme, bis man Ihnen etwas anderes sagt.

Warum muss ich mit Empagliflozin öfter auf die Toilette?

Empagliflozin lässt die Nieren mehr Zucker und Natrium mit dem Urin ausscheiden; dabei wird auch mehr Harn gebildet. Häufigeres Wasserlassen gehört deshalb zu den häufigen Nebenwirkungen. Harndrang und häufiges Wasserlassen können aber auch Zeichen einer Harnwegsinfektion sein. Nehmen solche Beschwerden zu, informieren Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.

Nimmt man mit Empagliflozin ab?

Laut Fachinformation geht der Kalorienverlust über den ausgeschiedenen Zucker mit einer Abnahme von Körperfett und Körpergewicht einher. Eine Gewichtsabnahme ist aber kein Anwendungsgebiet. Ein rascher, ungewollter Gewichtsverlust kann ein Zeichen einer Ketoazidose sein; dann brauchen Sie sofort ärztliche Hilfe.

Muss Empagliflozin vor einer Operation pausiert werden?

Laut Fachinformation sollte die Behandlung unterbrochen werden, wenn Sie wegen einer größeren Operation oder einer akuten schwerwiegenden Erkrankung ins Krankenhaus kommen; eine Überwachung der Ketonkörper wird dann empfohlen. Sie kann wieder aufgenommen werden, wenn die Ketonwerte normal sind und Ihr Zustand stabil ist. Sprechen Sie vor einem geplanten Eingriff rechtzeitig mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Kann Empagliflozin eine Unterzuckerung auslösen?

Zusammen mit einem Sulfonylharnstoff oder Insulin ist Unterzuckerung sehr häufig (mehr als 1 von 10 Behandelten). Die Ärztin oder der Arzt verringert dann möglicherweise die Dosis dieser anderen Mittel. Bei Zittern, Schwitzen, Unruhe, Heißhunger oder schnellem Herzschlag nehmen Sie laut Packungsbeilage Traubenzucker, einen zuckerreichen Imbiss oder Fruchtsaft zu sich.

Wie hoch ist die Dosis von Empagliflozin?

Die Angaben der Packungsbeilage für jedes Anwendungsgebiet finden Sie im Abschnitt "Dosierung laut Packungsbeilage" weiter oben. Welche Stärke Sie nehmen, legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest. Ändern Sie die Dosis nicht ohne Rücksprache.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

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