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Antidepressiva
Antidepressiva sind Arzneimittel zur Behandlung von Depressionen; einzelne Wirkstoffe sind auch bei Angst- und Zwangsstörungen oder Nervenschmerzen zugelassen. Nahezu alle erhöhen auf unterschiedlichem Weg die Konzentration der Botenstoffe Serotonin, Noradrenalin und eventuell auch Dopamin im Gehirn. Zu den Untergruppen gehören SSRI, SNRI, trizyklische Antidepressiva und weitere Wirkstoffe wie Mirtazapin oder Bupropion. Als wichtige Nebenwirkungen nennt die Nationale VersorgungsLeitlinie je nach Untergruppe etwa Übelkeit, Unruhe, Schlafstörungen und sexuelle Funktionsstörungen oder Dämpfung, Mundtrockenheit und Gewichtszunahme. Zu Beginn der Behandlung kann das Suizidrisiko laut Fachinformation ansteigen.

Antidepressiva sind Arzneimittel zur Behandlung von Depressionen. Einzelne Wirkstoffe sind außerdem bei Angst- und Zwangsstörungen, bei Nervenschmerzen oder zur Vorbeugung von Migräne zugelassen [1, 3, 5, 6]. Nahezu alle heute in Deutschland verfügbaren Antidepressiva erhöhen auf unterschiedlichem Weg die Konzentration der Botenstoffe Serotonin, Noradrenalin und eventuell auch Dopamin im synaptischen Spalt, also an der Kontaktstelle zwischen zwei Nervenzellen [10]. Für die Untergruppen nennt die Nationale VersorgungsLeitlinie (NVL) Unipolare Depression jeweils eigene wichtige Nebenwirkungen, Wechselwirkungen und Gegenanzeigen [10]. Einzelheiten zu jedem Wirkstoff stehen auf den verlinkten Wirkstoffseiten.
Was sind Antidepressiva?
In Abschnitt 5.1 ihrer Fachinformationen sind Sertralin, Citalopram, Escitalopram und Fluoxetin als selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer eingeordnet, Amitriptylin als nichtselektiver Monoamin-Wiederaufnahmehemmer (trizyklisches Antidepressivum) und Venlafaxin, Duloxetin, Mirtazapin und Bupropion als andere Antidepressiva [1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9].
Zu welcher Untergruppe Ihr Mittel gehört, steht in Abschnitt 5.1 der Fachinformation unter "Pharmakotherapeutische Gruppe", bei Sertralin etwa "Selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRIs)" [1]. Die NVL unterteilt die Antidepressiva nach Strukturformel oder Wirkmechanismus, etwa in SSRI, SSNRI (auf dieser Seite kurz SNRI) und tri- und tetrazyklische Antidepressiva (TZA); Lithiumsalze zählen nach der NVL im engeren Sinne nicht dazu [10].
Wie Antidepressiva wirken
Nahezu alle Antidepressiva wurden nach der NVL auf Grundlage der Monoamin-Hypothese entwickelt. Heute ist umstritten, ob ein Monoamin-Mangel eine Depression verursacht: Die Hypothese erklärt weder, warum nur ein Teil der Behandelten auf Antidepressiva anspricht, noch, warum die Wirkung verzögert eintritt [10]. Die NVL beschreibt die Untergruppen so [10]:
| Untergruppe | Wirkprinzip | Wirkstoffe laut NVL |
|---|---|---|
| Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) | Hemmen gezielt die Wiederaufnahme von Serotonin [10] | Citalopram, Escitalopram, Fluoxetin, Fluvoxamin, Paroxetin, Sertralin [10] |
| Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI) | Hemmen gezielt die Wiederaufnahme von Serotonin und Noradrenalin [10] | Venlafaxin, Duloxetin, Milnacipran [10] |
| Tri- und tetrazyklische Antidepressiva (TZA) | Hemmen in unterschiedlichem Ausmaß die Wiederaufnahme von Serotonin und Noradrenalin. Weil sie auch weitere Andockstellen (Rezeptoren) blockieren, etwa für Acetylcholin und Histamin, haben sie zusätzliche Nebenwirkungen [10] | Amitriptylin, Clomipramin, Doxepin, Imipramin, Nortriptylin [10] |
| Alpha2-Rezeptor-Antagonisten | Verstärken durch Blockade von Alpha2-Rezeptoren die Freisetzung von Serotonin und Noradrenalin; die antihistaminerge Wirkung erklärt ihre dämpfenden und gewichtssteigernden Eigenschaften [10] | Mirtazapin, Mianserin [10] |
| MAO-Hemmer | Blockieren das Enzym Monoaminoxidase; bei Tranylcypromin sind Diätvorschriften einzuhalten, weil tyraminhaltige Lebensmittel wie reifer Käse eine Bluthochdruckkrise auslösen können [10] | Moclobemid, Tranylcypromin [10] |
| Weitere Wirkstoffe | Bupropion hemmt die Wiederaufnahme von Dopamin und Noradrenalin, Trazodon blockiert Serotonin-2-Rezeptoren, Agomelatin blockiert den Serotonin-Rezeptor 5-HT2C und regt Melatonin-Rezeptoren an, Tianeptin fördert die Wiederaufnahme von Serotonin; bei Johanniskraut ist nicht abschließend geklärt, welche Inhaltsstoffe wirken [10] | Bupropion, Trazodon, Agomelatin, Tianeptin, Johanniskraut, Esketamin [10] |
Die Wirkung auf die Depression setzt nicht sofort ein: Die NVL rechnet ab Erreichen der vorgesehenen Dosis mit einer Wartezeit (Wirklatenz) von 3 bis 4 Wochen, bei älteren Menschen bis 6 Wochen [10]. Bei Amitriptylin setzt die dämpfende Wirkung laut Fachinformation dagegen ohne Verzögerung ein [6]. Die NVL empfiehlt, eine medikamentöse Behandlung grundsätzlich in ein Gesamtkonzept mit gesprächsbasierten und unterstützenden Angeboten einzubetten [10].
Wofür Antidepressiva eingesetzt werden
Die zugelassenen Anwendungsgebiete stehen in Abschnitt 4.1 der jeweiligen Fachinformation und unterscheiden sich je nach Wirkstoff [1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9]:
- Depression: Citalopram, Mirtazapin und Bupropion sind zur Behandlung von Episoden einer Major Depression zugelassen [2, 7, 8].
- Depression sowie Angst- oder Zwangsstörungen: Sertralin (auch bei posttraumatischer Belastungsstörung), Escitalopram und Venlafaxin; bei Erwachsenen auch Fluoxetin, das zusätzlich als Ergänzung zu einer Psychotherapie bei Bulimie zugelassen ist [1, 3, 4, 9].
- Depression und Schmerzen: Duloxetin (auch bei generalisierter Angststörung und Schmerzen bei diabetischer Polyneuropathie) und Amitriptylin (auch bei Nervenschmerzen und zur Vorbeugung chronischer Spannungskopfschmerzen und von Migräne) [5, 6].
Nach der NVL Unipolare Depression (Version 3.2) "soll" bei akuten mittelgradigen depressiven Episoden gleichwertig eine Psychotherapie oder eine medikamentöse Therapie angeboten und bei akuten schweren Episoden eine Kombination aus beiden empfohlen werden. Bei leichten Episoden "sollten" Antidepressiva nicht zur Erstbehandlung vor einer niedrigintensiven Intervention eingesetzt werden. Die Auswahl des Antidepressivums "soll" sich unter anderem nach dem Sicherheits- und Interaktionsprofil und der Präferenz der Behandelten richten [10]. Mehr dazu: Depression, Angststörung, Zwangsstörung und Nervenschmerzen.
Wirkstoffe der Gruppe
Mit geprüftem Wirkstoff-Steckbrief beschrieben sind auf dieser Website:
- Agomelatinz. B. Agomelatin AbZ, Agomelatin-ratiopharm, ValdoxanDepression bei Erwachsenen
- Amitriptylinz. B. Amitriptylin-CT, Amitriptylin neuraxpharmDepression, Nervenschmerzen, Vorbeugung von Spannungskopfschmerz und Migräne, nächtliches Einnässen bei Kindern
- Bupropionz. B. Bupropion-ratiopharm, Elontril, ZybanDepressionen
- Citalopramz. B. Cipramil, Citalopram Aristo, Citalopram HEXALDepression (Episoden einer Major Depression)
- Doxepinz. B. Doxepin STADA Filmtabletten, Doxepin-ratiopharm Filmtabletten, AponalDepression, Angstzustände, Schlafstörungen bei Depression, leichte Entzugserscheinungen
- Duloxetinz. B. Cymbalta, Duloxalta, Duloxetin AbZDepression, generalisierte Angststörung, Nervenschmerzen bei Diabetes
- Escitalopramz. B. Cipralex, Escitalopram-ratiopharm, Escitalopram STADADepression, Angststörungen, Zwangsstörung
- Fluoxetinz. B. Fluoxetin-ratiopharm 20 mg Tabletten, Fluoxetin-ratiopharm 20 mg Hartkapseln, Fluoxetin AbZ 20 mg HartkapselnDepression, Zwangsstörung, Bulimie
- Johanniskrautz. B. Jarsin 300 mg, Jarsin 450 mgLeichte depressive Störungen (pflanzlich)
- Mirtazapinz. B. Mirtazapin-ratiopharmDepressionen (Episoden einer Major Depression) bei Erwachsenen
- Opipramolz. B. Insidon, Opipramol STADAGeneralisierte Angststörung, somatoforme Störungen
- Paroxetinz. B. Paroxetin-ratiopharm, Paroxetin STADA, SeroxatDepressionen und Angststörungen wie Panik-, Zwangs- und soziale Angststörung
- Sertralinz. B. Sertralin-ratiopharm, ZoloftDepression, Angststörungen, PTBS, Zwangsstörung
- Tianeptinz. B. TianeuraxEpisoden einer Major Depression bei Erwachsenen
- Trazodonz. B. Trazodon-neuraxpharm, Trazodon HEXALDepressive Erkrankungen
- Trimipraminz. B. Stangyl, Trimipramin STADADepressionen mit Schlafstörungen, Angst und innerer Unruhe
- Venlafaxinz. B. Trevilor retard, Venlafaxin - 1 A Pharma, Venlafaxin AurobindoDepressionen, generalisierte Angststörung, soziale Angststörung, Panikstörung
Die NVL nennt außerdem Fluvoxamin, Milnacipran, Mianserin, Clomipramin, Imipramin, Nortriptylin, die in Deutschland zugelassenen MAO-Hemmer Moclobemid und Tranylcypromin sowie Esketamin, seit 2020 als Nasenspray verfügbar [10]. Bei Johanniskraut unterscheidet die NVL apothekenpflichtige Präparate mit standardisierten Extrakten von frei verkäuflichen Präparaten, deren Zusammensetzung und Wirkstoffgehalt sehr variabel sind [10].
Typische Nebenwirkungen
Welche Nebenwirkungen im Vordergrund stehen, hängt nach der NVL von der Untergruppe ab [10]. Die Tabelle zeigt die Einstufung sechs typischer Beschwerden in den Packungsbeilagen bzw. Fachinformationen der hier beschriebenen Wirkstoffe; die Kategorien erklärt der Ratgeber Beipackzettel verstehen.
| Wirkstoff | Übelkeit | Müdigkeit | Schwindel | Mundtrockenheit | Gewichtszunahme | Weniger Lust auf Sex |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Agomelatin | Häufig | Häufig | Häufig | nicht genannt | Häufig | nicht genannt |
| Amitriptylin | Sehr häufig | Sehr häufig | Sehr häufig | Sehr häufig | Sehr häufig | Häufig |
| Bupropion | Sehr häufig | Häufig | Häufig | Sehr häufig | nicht genannt | nicht genannt |
| Citalopram | Sehr häufig | Sehr häufig | Häufig | Sehr häufig | Gelegentlich | Häufig |
| Doxepin | nicht genannt | Nicht bekannt | Nicht bekannt | Nicht bekannt | Nicht bekannt | Häufig |
| Duloxetin | Sehr häufig | Sehr häufig | Häufig | Sehr häufig | Gelegentlich | Häufig |
| Escitalopram | Sehr häufig | Häufig | Häufig | Häufig | Häufig | Häufig |
| Fluoxetin | Sehr häufig | Sehr häufig | Häufig | Häufig | nicht genannt | Häufig |
| Johanniskraut | Nicht bekannt | Nicht bekannt | nicht genannt | nicht genannt | nicht genannt | nicht genannt |
| Mirtazapin | Häufig | Sehr häufig | Häufig | Sehr häufig | Sehr häufig | nicht genannt |
| Opipramol | Selten | Häufig | Häufig | Häufig | Gelegentlich | nicht genannt |
| Paroxetin | Sehr häufig | Häufig | Häufig | Häufig | Häufig | Sehr häufig |
| Sertralin | Sehr häufig | Sehr häufig | Sehr häufig | Sehr häufig | Häufig | Häufig |
| Tianeptin | Häufig | Häufig | Häufig | Häufig | nicht genannt | nicht genannt |
| Trazodon | Häufig | Häufig | Häufig | Häufig | Gelegentlich | Nicht bekannt |
| Trimipramin | Nicht bekannt | Nicht bekannt | Nicht bekannt | Nicht bekannt | Nicht bekannt | nicht genannt |
| Venlafaxin | Sehr häufig | Sehr häufig | Sehr häufig | Sehr häufig | Häufig | Häufig |
Angaben aus der Packungsbeilage bzw. Fachinformation des jeweiligen Wirkstoffs; die Quellen stehen auf der Wirkstoffseite. "nicht genannt" heißt: Die Wirkstoffseite führt diese Beschwerde nicht als eigene Nebenwirkung auf. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats. Zeilen, die in der Produktinformation gesondert für Kinder oder Jugendliche aufgeführt sind, sind nicht berücksichtigt; sie stehen auf der Wirkstoffseite. Die Tabelle umfasst nur Wirkstoffe, die auf dieser Website mit geprüftem Datensatz beschrieben sind.
Als wichtige Nebenwirkungen nennt die NVL (Auswahl, Stand 2021; maßgeblich ist die jeweils aktuelle Fachinformation) [10]:
- SSRI: Übelkeit, Unruhe und Antriebssteigerung, Schlafstörungen, sexuelle Funktionsstörungen, Schwitzen, Zittern, Natriummangel; bei manchen Wirkstoffen eine Verlängerung der QT-Zeit im EKG [10].
- SNRI: Übelkeit, Unruhe und Antriebssteigerung, Schlafstörungen, sexuelle Funktionsstörungen, Schwitzen vor allem nachts, Zittern, Bluthochdruck, Mundtrockenheit, Natriummangel; zum Teil ausgeprägte Absetzsymptome [10].
- Trizyklische Antidepressiva: anticholinerge Wirkungen (durch Blockade des Botenstoffs Acetylcholin), Dämpfung, Appetit- und Gewichtszunahme, Störungen der Erregungsleitung und des Rhythmus des Herzens, Kreislaufprobleme beim Aufstehen, Schwindel, niedriger Blutdruck, Mundtrockenheit, Probleme beim Scharfsehen und Verwirrtheitszustände (Delir). Die NVL weist auf die enge therapeutische Breite hin: Der Abstand zwischen wirksamer und schädlicher Dosis ist klein [10].
- Mirtazapin und Mianserin: Dämpfung, Appetit- und Gewichtszunahme, Kreislaufprobleme beim Aufstehen, Albträume [10].
- Weitere: bei Bupropion Unruhe, Schlafstörungen, Bluthochdruck, Mundtrockenheit, Appetitverlust, Zittern und epileptische Anfälle; bei Agomelatin Leberfunktionsstörungen, Müdigkeit und Albträume; bei Tianeptin Appetitminderung, Schlafstörungen und die Gefahr missbräuchlicher Verwendung [10].
Bei Sertralin sind die Nebenwirkungen laut Fachinformation dosisabhängig und gehen bei fortdauernder Behandlung meist zurück [1]. In epidemiologischen Studien, die vor allem mit Menschen ab 50 Jahren durchgeführt wurden, war das Risiko für Knochenbrüche unter SSRI und trizyklischen Antidepressiva erhöht [1, 6]. Mehr dazu: Übelkeit, Schlafstörungen, Knochenbrüche.
Suizidgedanken zu Beginn der Behandlung
Depressive Erkrankungen gehen mit einem erhöhten Risiko für Suizidgedanken, Selbstverletzung und Suizid einher, bis sich die Beschwerden deutlich bessern; laut Fachinformation kann das Suizidrisiko zu Beginn einer Behandlung ansteigen. Eine Metaanalyse placebokontrollierter Studien bei Erwachsenen mit psychiatrischen Erkrankungen zeigte für Menschen unter 25 Jahren unter Antidepressiva ein erhöhtes Risiko für suizidales Verhalten im Vergleich zu Placebo [1, 6]. Bei einer Verschlechterung, bei suizidalem Verhalten, Suizidgedanken oder ungewöhnlichen Verhaltensänderungen sollte laut Fachinformation unverzüglich medizinischer Rat eingeholt werden [1]. Nach der NVL kann das erhöhte Risiko zu Beginn aus Aktivierung, innerer Unruhe, Schlafstörungen oder Angst entstehen, insbesondere bei SSRI und SNRI; bei TZA und MAO-Hemmern besteht die Gefahr einer tödlichen Überdosierung [10]. Bei Venlafaxin wurden Suizid, Suizidgedanken und Aggressionen auch während Änderungen der Dosierung einschließlich des Absetzens beobachtet [4].
Serotonin-Syndrom
Das Serotonin-Syndrom ist ein potenziell lebensbedrohlicher Zustand. Unter SSRI steigt das Risiko laut Fachinformation, wenn gleichzeitig andere serotonerge Mittel eingenommen werden, etwa weitere Antidepressiva, Triptane, Amphetamine oder Opioide, außerdem MAO-Hemmer einschließlich Methylenblau sowie Antipsychotika [1]. Auch die Fachinformationen von Amitriptylin, Duloxetin und Bupropion warnen davor [5, 6, 8]. Mögliche Anzeichen sind Erregtheit, Verwirrtheit oder Halluzinationen, Herzrasen, schwankender Blutdruck, Überwärmung, Zittern, Muskelzuckungen, gesteigerte Reflexe sowie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall [4, 6].
Natriummangel
Unter SSRI und SNRI kann der Natriumspiegel im Blut sinken (Hyponatriämie), in vielen Fällen offenbar durch eine unangemessen hohe Ausschüttung des Hormons ADH (SIADH). Ein höheres Risiko können laut Fachinformation ältere Menschen und Menschen haben, die Entwässerungsmittel einnehmen oder einen Flüssigkeitsmangel haben [1, 4]. Anzeichen sind Kopfschmerzen, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Verwirrtheit, Schwäche und Gleichgewichtsstörungen, die zu Stürzen führen können; zu schwereren oder akuten Fällen gehören Halluzinationen, Ohnmacht, Krampfanfälle, Koma, Atemstillstand und Tod [1]. Mehr dazu: Natriummangel durch Medikamente.
Sexuelle Funktionsstörungen
SSRI und SNRI können sexuelle Funktionsstörungen verursachen; die Fachinformationen nennen zum Beispiel verringerte Lust auf Sex, Orgasmusstörungen bei Frauen und einen ausbleibenden Samenerguss [1, 2, 4]. Berichtet wurden auch lang anhaltende Störungen, die trotz Absetzen des Mittels bestehen blieben [1, 3, 4, 5]. Diesen Hinweis hat der Ausschuss für Risikobewertung im Bereich der Pharmakovigilanz (PRAC) der Europäischen Arzneimittel-Agentur in seiner Sitzung vom 13. bis 16. Mai 2019 für die Produktinformationen der SSRI und SNRI empfohlen; Clomipramin und Vortioxetin waren davon nicht betroffen [13]. Mehr dazu: Libido und Potenz.
Blutungsneigung
Bei Einnahme von SSRI wurde über ungewöhnliche Blutungen berichtet, darunter Hautblutungen, Blutungen im Magen-Darm-Trakt und gynäkologische Blutungen, einschließlich tödlicher Blutungen. Vorsicht ist laut Fachinformation besonders geboten bei gleichzeitiger Einnahme von Mitteln, die die Funktion der Blutplättchen beeinflussen, etwa Gerinnungshemmern, Acetylsalicylsäure oder NSAR, und bei Blutungsstörungen in der Vorgeschichte [1]. SSRI und SNRI können außerdem das Risiko für Blutungen nach der Geburt erhöhen [1]. Mehr dazu: Blutungen und Blutbildveränderungen.
Herzrhythmus: QT-Verlängerung bei Citalopram und Escitalopram
Citalopram und Escitalopram können das QT-Intervall im EKG dosisabhängig verlängern [2, 3]. Darüber informierte das Unternehmen Lundbeck in Zusammenarbeit mit dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) mit Rote-Hand-Briefen vom 31. Oktober 2011 (Citalopram) und vom 5. Dezember 2011 (Escitalopram), gestützt auf eine QT-Studie und Berichte über Rhythmusstörungen der Herzkammern einschließlich Torsade-de-Pointes-Tachykardien [11, 12]. Seither sind beide Wirkstoffe bei bekannter QT-Verlängerung, angeborenem Long-QT-Syndrom und zusammen mit anderen QT-verlängernden Mitteln kontraindiziert; die Briefe enthielten außerdem geänderte Dosierungsangaben, die in der Fachinformation stehen [2, 3, 11, 12]. Berichtet wurden die Fälle überwiegend bei Frauen und bei Menschen mit niedrigem Kaliumspiegel, vorbestehender QT-Verlängerung oder anderen Herzerkrankungen [2, 3]. Auch für Sertralin und Amitriptylin wurden QT-Verlängerungen berichtet [1, 6]. Mehr dazu: QT-Verlängerung und Rote-Hand-Briefe und Rückrufe.
Müdigkeit, Blutdruck und Blutbild
Amitriptylin wirkt laut Fachinformation dämpfend; Aufmerksamkeit, Konzentration und die Fahrtüchtigkeit können beeinträchtigt sein, und Alkohol kann das verstärken [6]. Mirtazapin kann besonders zu Beginn der Behandlung Konzentration und Wachsamkeit beeinträchtigen [7]. Unter Venlafaxin wurde laut Fachinformation häufig über einen dosisabhängigen Blutdruckanstieg berichtet, unter Duloxetin über Blutdruckanstiege und hypertensive Krisen, besonders bei bestehendem Bluthochdruck, unter Bupropion über teils schwerwiegende Blutdruckerhöhungen; Bupropion ist zudem mit einem dosisabhängigen Risiko für Krampfanfälle verbunden [4, 5, 8]. Unter Mirtazapin wurde über eine Störung der Blutbildung (Agranulozytose) berichtet; als Warnzeichen nennt die Fachinformation Fieber, Halsschmerzen, Entzündungen im Mund und andere Anzeichen einer Infektion [7]. Mehr dazu: Müdigkeit, Gewichtszunahme, Blutdruckanstieg und Medikamente und Autofahren.
Wichtige Wechselwirkungen

Antidepressiva haben nach der NVL ein hohes Potenzial für Wechselwirkungen über den Stoffwechsel, etwa über Leberenzyme. Die Leitliniengruppe empfiehlt, mögliche Wechselwirkungen vor Beginn anhand der Fachinformation oder von Datenbanken zu prüfen oder eine Apothekerin oder einen Apotheker hinzuzuziehen [10].
| Zusammen mit | Was passieren kann |
|---|---|
| MAO-Hemmer (z. B. Moclobemid, Tranylcypromin, Selegilin), das Antibiotikum Linezolid, Methylenblau | Gefahr eines Serotonin-Syndroms, bei Bupropion laut Fachinformation ein erhöhtes Potenzial für Nebenwirkungen; je nach MAO-Hemmer kontraindiziert, etwa bei Sertralin, Citalopram, Escitalopram, Fluoxetin, Venlafaxin, Duloxetin, Amitriptylin und Bupropion [1, 2, 3, 4, 5, 6, 8, 9]. Zwischen beiden Behandlungen sind Abstände einzuhalten, nach Fluoxetin mindestens 5 Wochen vor einem irreversiblen, nichtselektiven MAO-Hemmer [1, 9] |
| Andere Mittel, die auf Serotonin wirken: weitere Antidepressiva, Triptane gegen Migräne (z. B. Sumatriptan), Opioide (z. B. Fentanyl), Amphetamine, Tryptophan | Höheres Risiko eines Serotonin-Syndroms [1]. Die NVL nennt Substanzen mit serotonergem Wirkprofil als wichtige Wechselwirkung für SSRI, SNRI, MAO-Hemmer und Mirtazapin [10] |
| Johanniskraut | Mit Sertralin wegen möglicher Wechselwirkungen auf die Serotonin-Übertragung möglichst vermeiden [1]. Nach der NVL kann Johanniskraut über das Enzym CYP3A4 schwerwiegende Wechselwirkungen auslösen, etwa mit manchen HIV-Medikamenten, Zytostatika und Immunsuppressiva; Wechselwirkungen mit der Pille und mit Gerinnungshemmern sind zu beachten [10] |
| Gerinnungshemmer (Blutverdünner), Acetylsalicylsäure, NSAR wie Ibuprofen | Bei SSRI kann das Blutungsrisiko steigen [1]. Die NVL nennt gerinnungshemmende Medikamente als wichtige Wechselwirkung für SSRI und SNRI [10] |
| Mittel, die das QT-Intervall verlängern, z. B. bestimmte Antipsychotika, Antiarrhythmika und Antibiotika wie Moxifloxacin, Methadon | Citalopram und Escitalopram sind mit solchen Mitteln kontraindiziert [2, 3]; bei trizyklischen Antidepressiva kann das Risiko für Rhythmusstörungen der Herzkammern steigen [6] |
| Alkohol und andere dämpfende Mittel, z. B. Benzodiazepine | Bei Mirtazapin und Amitriptylin kann sich die dämpfende Wirkung bzw. die Beeinträchtigung der Aufmerksamkeit verstärken; unter Sertralin und Venlafaxin wird von Alkohol abgeraten [1, 4, 6, 7] |
| Mittel, die über das Leberenzym CYP2D6 abgebaut werden, z. B. Flecainid, Propafenon, Metoprolol | Sertralin hemmt CYP2D6 leicht bis mäßig, Fluoxetin stark; Wechselwirkungen sind möglich [1, 9]. Mit Metoprolol gegen Herzschwäche darf Fluoxetin nicht kombiniert werden [9] |
Die Liste ist nicht vollständig; auch rezeptfreie und pflanzliche Mittel wie Johanniskraut können beteiligt sein [1, 10]. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke, bevor Sie ein neues Mittel dazunehmen. Einen Überblick über alle Ihre Medikamente gibt der Medikationsplan, Grundlagen erklärt der Ratgeber Wechselwirkungen.
Wann Antidepressiva nicht oder nur mit Vorsicht angewendet werden
Gegenanzeigen unterscheiden sich je nach Wirkstoff; maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats. Neben der Kombination mit MAO-Hemmern nennen die Fachinformationen zum Beispiel [2, 3, 6, 8]:
- Citalopram und Escitalopram: bekannte QT-Verlängerung oder angeborenes Long-QT-Syndrom [2, 3].
- Amitriptylin: unter anderem einen kurz zurückliegenden Herzinfarkt, Herzblock, Herzrhythmusstörungen, eine unzureichende Durchblutung des Herzens (Koronarinsuffizienz), eine schwere Lebererkrankung und ein Alter unter 6 Jahren [6].
- Bupropion: unter anderem bestehende oder frühere Krampfanfälle, einen Tumor des zentralen Nervensystems, Essstörungen wie Bulimie oder Magersucht, auch früher, und eine schwere Leberzirrhose [8].
Vorsicht gilt laut den Fachinformationen von Sertralin und Amitriptylin unter anderem bei Manie in der Vorgeschichte bzw. bipolarer Störung, bei Epilepsie und bei einem Engwinkelglaukom, einer Form des grünen Stars, bei Amitriptylin auch bei Harnverhalt und vergrößerter Prostata [1, 6]. Für ältere Menschen mit körperlichen Vorerkrankungen sieht die NVL unter trizyklischen Antidepressiva ein erhöhtes Risiko für Komplikationen wie Delir, Herzrhythmusstörungen und Harnverhalt [10]. Bei Kindern und Jugendlichen wurden in klinischen Studien unter Antidepressiva häufiger suizidales Verhalten und Feindseligkeit beobachtet als unter Placebo [1].
Schwangerschaft und Stillzeit
Ob und womit eine Depression in der Schwangerschaft behandelt wird, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Bei Citalopram und Fluoxetin soll laut Fachinformation ein plötzliches Absetzen während der Schwangerschaft vermieden werden [2, 9]. Für Sertralin und Citalopram schreibt das Beratungszentrum Embryotox der Charité, dass eine stabil eingestellte Patientin ihre Medikation unverändert fortsetzen sollte, um keine für Mutter und Kind bedrohlichen Krisen zu provozieren [14, 15].
Laut Embryotox haben weit über hunderttausend dokumentierte Schwangerschaftsverläufe mit SSRI keine Hinweise auf eine erhöhte Gesamtrate an Fehlbildungen ergeben; für trizyklische Antidepressiva insgesamt ergaben mehr als 6.000 bzw. mehr als 12.000 ausgewertete Schwangerschaften keine Hinweise auf erhöhte Risiken für Fehlbildungen insgesamt bzw. Herzfehlbildungen [14, 17]. Für Paroxetin wird laut Embryotox ein gering erhöhtes Risiko für Herzfehlbildungen nach Einnahme im ersten Schwangerschaftsdrittel diskutiert; für Fluoxetin deuten laut Fachinformation einige Studien auf ein Risiko in der Größenordnung von 2 statt 1 Fall pro 100 Schwangerschaften hin [9, 16].
Nach Einnahme von SSRI bis zur Geburt zeigen laut Embryotox zwei bis drei von zehn Neugeborenen Anpassungsstörungen wie Übererregbarkeit, Zittern, Trinkstörungen oder Atemprobleme; sie sind meist leicht und klingen von selbst ab. Embryotox rät zur Entbindung in einer Klinik mit Neugeborenenmedizin [14]. Das beobachtete Risiko für einen anhaltenden Lungenhochdruck beim Neugeborenen (PPHN) nach SSRI in der Schwangerschaft, insbesondere spät, lag laut Fachinformation bei etwa 5 von 1.000 Neugeborenen gegenüber 1 bis 2 von 1.000 in der Gesamtbevölkerung; Embryotox verweist auf Studien, die das nicht bestätigten, und nimmt kein substanzielles Risiko an [1, 14].
Mittel der Wahl laut Embryotox: Neben bewährten trizyklischen Antidepressiva gehören in der Gruppe der SSRI laut Embryotox Sertralin und Citalopram zu den Mitteln der Wahl bei medikamentös behandlungsbedürftiger Depression in der Schwangerschaft. Für Escitalopram, das als Enantiomer (eine der beiden spiegelbildlichen Formen) dem Citalopram entspricht, nennt Embryotox Citalopram und Sertralin als besser geeignete Alternativen [16]. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Stillzeit: Embryotox zählt Sertralin zu den Antidepressiva der Wahl in der Stillzeit [14]. Unter Citalopram und Escitalopram darf laut Embryotox gestillt werden; bei einer Neueinstellung kann bei vergleichbarer Wirksamkeit und Verträglichkeit Sertralin vorgezogen werden [15, 16]. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Unter Amitriptylin ist Stillen laut Embryotox bei alleiniger Behandlung und guter Beobachtung des Kindes akzeptabel [17]. Treten beim gestillten Kind anders nicht erklärbare Beschwerden wie Trinkschwäche oder Unruhe neu auf, sollte es laut Embryotox in einer kinderärztlichen Praxis vorgestellt werden; die Beratung durch Embryotox ist kostenlos [14]. Allgemeines lesen Sie in den Ratgebern Medikamente in der Schwangerschaft und Medikamente in der Stillzeit.
Absetzen
Beim Absetzen von Antidepressiva kann es nach der NVL, insbesondere wenn es zu schnell erfolgt, zu unerwünschten Effekten kommen; ein Risiko für ein Absetzsyndrom besteht für viele Antidepressiva. Typisch sind überwiegend milde Beschwerden wie grippeähnliche Symptome, Kopfschmerz, Schlafstörungen und Albträume, Übelkeit, Schwindel, stromschlagähnliche Missempfindungen, Angst und Reizbarkeit. Sie beginnen meist 36 bis 96 Stunden nach dem Absetzen und bilden sich je nach Halbwertszeit innerhalb von 2 bis 6 Wochen von selbst zurück [10].
Laut Fachinformation von Sertralin treten Absetzsymptome häufig auf, besonders nach plötzlichem Abbruch, und können bei einigen Menschen 2 bis 3 Monate und länger anhalten; laut Fachinformation von Venlafaxin können die Auswirkungen bei Antidepressiva langwierig und schwerwiegend sein [1, 4]. Laut den Fachinformationen von Sertralin, Citalopram, Venlafaxin und Fluoxetin sollte ein plötzliches Absetzen vermieden werden [1, 2, 4, 9]. Setzen Sie das Mittel nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.
Ist geplant, ein Antidepressivum nach Abklingen der Beschwerden am Ende einer Erhaltungstherapie oder Rückfallvorbeugung abzusetzen, "soll" dies nach der NVL schrittweise erfolgen, um Absetzsymptome und eine Rebound-Depression (ein verstärktes Wiederauftreten der depressiven Beschwerden) zu vermeiden. Über mögliche Absetzsymptome "sollen" die Behandelten schon vor Beginn der Behandlung aufgeklärt werden. Eine Abhängigkeit im Sinne der Definition liegt nach der NVL formell nicht vor, weil nur zwei Kriterien einer Abhängigkeitserkrankung erfüllt sind: Toleranzentwicklung und Entzugssymptome [10]. Mehr dazu: Absetz- und Entzugserscheinungen und der Ratgeber Medikamente absetzen.
Unterschied zu Beruhigungs- und Schlafmitteln
Benzodiazepine und Antipsychotika haben nach der NVL keine spezifisch antidepressive Wirkung, werden aber in bestimmten Situationen zusätzlich eingesetzt [10]. Bei Benzodiazepinen tritt laut NVL rasch eine Gewöhnung ein, und es besteht das Risiko einer Abhängigkeitsentwicklung; bei schweren depressiven Episoden "können" sie mit Z-Substanzen in begründeten Fällen befristet zusätzlich zu Antidepressiva und/oder Psychotherapie angeboten werden [10]. Mehr dazu: Beruhigungs- und Schlafmittel und Antipsychotika.
Quellen
- Fachinformation Fachinformation Sertralin-ratiopharm® 50 mg/100 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 12.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Citalopram-ratiopharm® Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 12/2024. abgerufen am 12.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Escitalopram-ratiopharm® Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 12.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Venlafaxin-ratiopharm Hartkapseln, retardiert. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 12.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Duloxetin-ratiopharm magensaftresistente Hartkapseln. ratiopharm GmbH. Stand 11/2025. abgerufen am 12.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Amitriptylin-CT Tabletten (25 mg und 75 mg). AbZ-Pharma GmbH. Stand 11/2024. abgerufen am 12.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Mirtazapin-ratiopharm Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2026. abgerufen am 12.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Bupropion-ratiopharm 150 mg Tabletten mit veränderter Wirkstofffreisetzung. ratiopharm GmbH. Stand 11/2025. abgerufen am 12.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Fluoxetin-ratiopharm® 20 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 08/2026. abgerufen am 12.10.2026
- Leitlinie Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression, Langfassung, Version 3.2 (AWMF-Register-Nr. nvl-005). Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF. Stand Version 3.2, Juli 2023 (Version 3 publiziert 29.09.2022, gültig bis 29.09.2027). abgerufen am 12.10.2026
- Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief: Zusammenhang von Cipramil® (Citalopramhydrobromid/Citalopramhydrochlorid) mit dosisabhängiger QT-Intervall-Verlängerung. Lundbeck GmbH in Zusammenarbeit mit dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand 31.10.2011. abgerufen am 12.10.2026
- Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief: Zusammenhang von Escitalopram (Cipralex®) mit dosisabhängiger QT-Intervall-Verlängerung. Lundbeck GmbH in Zusammenarbeit mit dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand 05.12.2011. abgerufen am 12.10.2026
- Behörde Neufassung des Wortlauts der Produktinformationen: Auszüge aus den Empfehlungen des PRAC zu Signalen, verabschiedet in der PRAC-Sitzung vom 13. bis 16. Mai 2019 (EMA/PRAC/286524/2019), Punkt 3 (SNRI und SSRI: persistierende sexuelle Funktionsstörung nach Absetzen). Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA), Ausschuss für Risikobewertung im Bereich der Pharmakovigilanz (PRAC). Stand 11.06.2019. abgerufen am 12.10.2026
- Embryotox Embryotox: Sertralin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 12.10.2026
- Embryotox Embryotox: Citalopram. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 12.10.2026
- Embryotox Embryotox: Escitalopram. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 12.10.2026
- Embryotox Embryotox: Amitriptylin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 12.10.2026
Häufige Fragen
Wie schnell wirken Antidepressiva?
Nicht sofort. Die Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression rechnet ab Erreichen der vorgesehenen Dosis mit einer Wirklatenz von 3 bis 4 Wochen, bei älteren Menschen bis 6 Wochen. Bei Amitriptylin setzt die dämpfende Wirkung laut Fachinformation dagegen ohne Verzögerung ein. Wenn Sie den Eindruck haben, dass das Mittel nicht wirkt, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Machen Antidepressiva abhängig?
Nach der Nationalen VersorgungsLeitlinie liegt formell keine Abhängigkeit im Sinne der Definition vor, weil nur zwei Kriterien einer Abhängigkeitserkrankung erfüllt sind: Toleranzentwicklung und Entzugssymptome. Beim Absetzen, besonders wenn es zu schnell geschieht, können aber Absetzsymptome wie Schwindel, Schlafstörungen, Übelkeit oder stromschlagähnliche Missempfindungen auftreten. Bei Tianeptin weist die Leitlinie auf eine mögliche missbräuchliche Verwendung hin.
Welche Nebenwirkungen haben Antidepressiva?
Das hängt von der Untergruppe ab. Für SSRI nennt die Nationale VersorgungsLeitlinie unter anderem Übelkeit, Unruhe, Schlafstörungen, sexuelle Funktionsstörungen, Schwitzen und Natriummangel, für trizyklische Antidepressiva unter anderem Dämpfung, Gewichtszunahme, Mundtrockenheit, Schwindel und Herzrhythmusstörungen, für Mirtazapin Dämpfung sowie Appetit- und Gewichtszunahme. Wie die Packungsbeilagen der einzelnen Wirkstoffe typische Beschwerden einstufen, zeigt die Tabelle auf dieser Seite.
Darf ich ein Antidepressivum mit Johanniskraut kombinieren?
Nur nach ärztlicher Rücksprache. Johanniskraut ist selbst als Antidepressivum eingeordnet. Laut Fachinformation von Sertralin soll die Kombination wegen möglicher Wechselwirkungen auf die Serotonin-Übertragung möglichst vermieden werden. Außerdem kann Johanniskraut nach der Nationalen VersorgungsLeitlinie über ein Leberenzym schwerwiegende Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln auslösen, etwa mit manchen HIV-Medikamenten oder Mitteln nach einer Transplantation. Auch Wechselwirkungen mit der Pille und mit Gerinnungshemmern sind zu beachten.
Was ist ein Serotonin-Syndrom?
Ein potenziell lebensbedrohlicher Zustand. Das Risiko steigt laut Fachinformation, wenn ein SSRI zusammen mit anderen Mitteln eingenommen wird, die auf Serotonin wirken, etwa MAO-Hemmern, Triptanen, Opioiden oder weiteren Antidepressiva. Mögliche Anzeichen sind Erregtheit, Halluzinationen, Herzrasen, schwankender Blutdruck, Überwärmung, gesteigerte Reflexe und Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall. Treten solche Beschwerden zusammen auf, brauchen Sie sofort ärztliche Hilfe.
Darf ich Antidepressiva in der Schwangerschaft nehmen?
Das entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Laut Embryotox gehören neben bewährten trizyklischen Antidepressiva die SSRI Sertralin und Citalopram zu den Mitteln der Wahl bei behandlungsbedürftiger Depression in der Schwangerschaft. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Für diese Mittel schreibt Embryotox außerdem, dass eine stabil eingestellte Patientin ihre Medikation unverändert fortsetzen sollte.
Verändern Antidepressiva die Sexualität?
Das ist möglich. SSRI und SNRI können sexuelle Funktionsstörungen verursachen, etwa verminderte Lust auf Sex oder Orgasmusstörungen. Laut ihren Fachinformationen wurden lang anhaltende Störungen berichtet, die nach dem Absetzen bestehen blieben. Diesen Hinweis hat die Europäische Arzneimittel-Agentur 2019 für SSRI und SNRI empfohlen. Sprechen Sie Veränderungen offen bei Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt an.
Darf ich mit Antidepressiva Auto fahren?
Das hängt vom Wirkstoff und von Ihrem Befinden ab. Amitriptylin wirkt laut Fachinformation dämpfend und kann Aufmerksamkeit und Konzentration beeinträchtigen, Alkohol kann das verstärken. Mirtazapin kann besonders zu Beginn der Behandlung Konzentration und Wachsamkeit beeinträchtigen. Auch bei Sertralin rät die Fachinformation zur Vorsicht. Klären Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, ob Sie fahren können.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
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