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Antipsychotika (Neuroleptika)
Antipsychotika, früher häufig auch Neuroleptika genannt, werden vor allem bei Schizophrenie und anderen Psychosen eingesetzt, einzelne Wirkstoffe auch bei bipolaren Störungen, Unruhe- und Erregungszuständen oder Schlafstörungen. Sie wirken an Botenstoff-Rezeptoren im Gehirn, vor allem an Dopamin- und Serotonin-Rezeptoren. Zu den möglichen Nebenwirkungen gehören laut IQWiG und Fachinformationen Bewegungsstörungen, Müdigkeit, Gewichtszunahme und Stoffwechselveränderungen. Bei älteren Menschen mit Demenz wurde unter Antipsychotika eine erhöhte Sterblichkeit beobachtet.

Antipsychotika sind Arzneimittel, die laut dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) die Aktivität bestimmter Nervenzellen im Gehirn hemmen. Dadurch wirken sie beruhigend und mildern Halluzinationen und Wahnvorstellungen; früher wurden sie häufig Neuroleptika genannt [18]. Zugelassen sind die einzelnen Wirkstoffe unter anderem bei Schizophrenie, bei manischen Episoden bipolarer Störungen sowie bei Unruhe- und Erregungszuständen oder Schlafstörungen [1, 2, 3, 6, 9, 10]. Sie haben laut IQWiG teils belastende Nebenwirkungen [18]. Einzelheiten zu jedem Wirkstoff stehen auf den verlinkten Wirkstoffseiten.
Was sind Antipsychotika?
Laut Abschnitt 5.1 der Fachinformationen gehören Haloperidol und Melperon zu den Butyrophenonen, Quetiapin, Olanzapin und Clozapin zu den Diazepinen, Oxazepinen und Thiazepinen, Amisulprid zu den Benzamiden und Risperidon, Aripiprazol, Paliperidon und Prothipendyl zu den anderen Antipsychotika [1, 2, 4, 5, 6, 7, 9, 10, 11, 12]. Auch Pipamperon ist laut Packungsbeilage ein Neuroleptikum aus der Gruppe der Butyrophenone [3].
Traditionell unterscheidet man laut IQWiG Antipsychotika der 1. Generation (typische) und der 2. Generation (atypische); diese Einteilung ist nach dem IQWiG nicht mehr ganz zeitgemäß. Die Mittel der 1. Generation werden zusätzlich in hoch- und niedrigpotente unterschieden [18]. Melperon ist laut Fachinformation ein schwach bis mittelstark wirkendes Neuroleptikum, Prothipendyl gehört zu den schwach wirkenden Neuroleptika [6, 10].
Wie Antipsychotika wirken
Laut den Fachinformationen wirken die meisten der hier beschriebenen Wirkstoffe an Andockstellen (Rezeptoren) für den Botenstoff Dopamin, viele zusätzlich an Serotonin-Rezeptoren; das Rezeptorprofil unterscheidet sich je Wirkstoff [1, 2, 4, 5, 6, 7, 9, 10, 11, 12]:
| Wirkstoff | Wirkprinzip laut Abschnitt 5.1 |
|---|---|
| Haloperidol | Starker, zentral wirksamer Blocker des Dopamin-D2-Rezeptors; unterdrückt Wahnvorstellungen und Halluzinationen, indem er die Dopamin-Signalgebung im sogenannten mesolimbischen System blockiert [9] |
| Melperon, Pipamperon | Butyrophenone blockieren laut Fachinformation von Melperon im Tierversuch Dopamin-Rezeptoren und verringern so die Wirkung des Dopamins [6] |
| Risperidon, Paliperidon | Binden stark an Serotonin-5-HT2- und Dopamin-D2-Rezeptoren, außerdem an Alpha-1-Rezeptoren [2, 11] |
| Quetiapin | Affinität zu Serotonin-5-HT2- und Dopamin-D1- und -D2-Rezeptoren, mit höherer Selektivität für 5-HT2 [1] |
| Olanzapin | Wirkt auf zahlreiche Rezeptorsysteme, darunter Serotonin-, Dopamin-, Acetylcholin- (Muskarin-), Alpha-1- und Histamin-H1-Rezeptoren [4] |
| Clozapin | Nur geringe Affinität zu den Dopamin-Rezeptoren D1, D2, D3 und D5, aber hohe Affinität zum D4-Rezeptor; unterscheidet sich laut Fachinformation von den herkömmlichen Neuroleptika [7] |
| Aripiprazol | Die Wirkung beruht vermutlich auf einer teilweise anregenden (partiell agonistischen) Wirkung an Dopamin-D2- und Serotonin-5-HT1A-Rezeptoren und einer blockierenden Wirkung an 5-HT2A-Rezeptoren [5] |
| Amisulprid | Bindet selektiv an Dopamin-D2- und -D3-Rezeptoren, ohne Affinität zu Serotonin-, Alpha-, Histamin-H1- und cholinergen Rezeptoren [12] |
| Prothipendyl | Bindet vor allem an den Dopamin-D2-Rezeptor, daneben an D1 und den Serotonin-5-HT2a-Rezeptor; wirkt außerdem dämpfend, antihistaminerg und gegen Übelkeit [10] |
Die Wirkung tritt laut IQWiG häufig innerhalb weniger Stunden bis Tage ein, es kann aber auch einige Wochen dauern, bis sie spürbar wird. Neben Tabletten oder Tropfen gibt es Depotspritzen, die in den Muskel gespritzt werden und über einen längeren Zeitraum wirken [18]; ein Beispiel ist Paliperidon als Depot-Injektionssuspension [11].
Wofür Antipsychotika eingesetzt werden
Die zugelassenen Anwendungsgebiete stehen in Abschnitt 4.1 der Fachinformation und unterscheiden sich je nach Wirkstoff [1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 9, 10, 11, 12]:
- Schizophrenie: Quetiapin, Risperidon, Olanzapin, Aripiprazol, Haloperidol und Amisulprid; Paliperidon als Depot zur Erhaltungstherapie; Clozapin bei therapieresistenter Schizophrenie oder bei schweren neurologischen Reaktionen auf andere Neuroleptika [1, 2, 4, 5, 7, 9, 11, 12].
- Bipolare Störungen: manische Episoden mit Quetiapin, Risperidon, Olanzapin, Aripiprazol und Haloperidol; Quetiapin auch bei schweren depressiven Episoden bipolarer Störungen und als Zusatzbehandlung einer Depression, wenn ein Antidepressivum allein nicht ausreicht [1, 2, 4, 5, 9].
- Demenz: Risperidon zur Kurzzeitbehandlung anhaltender Aggression bei mäßiger bis schwerer Alzheimer-Demenz und Haloperidol bei anhaltender Aggression und psychotischen Symptomen bei Alzheimer- und vaskulärer Demenz, jeweils nur nach Versagen nicht-medikamentöser Maßnahmen und bei Eigen- oder Fremdgefährdung [2, 9].
- Weitere: Haloperidol auch beim Delir und bei Tics einschließlich Tourette-Syndrom; Clozapin bei Psychosen im Verlauf eines Morbus Parkinson nach Versagen der Standardtherapie [7, 9].
- Unruhe und Schlafstörungen: Melperon bei Schlafstörungen, Verwirrtheitszuständen und zur Dämpfung von Unruhe- und Erregungszuständen, Pipamperon bei Schlafstörungen, insbesondere bei älteren Menschen, und bestimmten Erregungszuständen, Prothipendyl bei Unruhe- und Erregungszuständen im Rahmen psychiatrischer Grunderkrankungen [3, 6, 10].
Ob eine Einnahme sinnvoll ist, hängt laut IQWiG von der persönlichen Situation und der Krankheitsphase ab [18]. Mehr dazu: Demenz, Schlafstörungen und innere Unruhe.
Wirkstoffe der Gruppe
Mit geprüftem Wirkstoff-Steckbrief beschrieben sind auf dieser Website:
- Amisulpridz. B. SolianAkute und chronische Schizophrenie
- Aripiprazolz. B. ABILIFY, Aripiprazol-ratiopharm Tabletten, Aripiprazol AbZ TablettenSchizophrenie, manische Episoden bei Bipolar-I-Störung
- Clozapinz. B. Clozapin AbZ, Clozapin-ratiopharm, ElcritSchizophrenie, wenn andere Mittel nicht wirken; Psychosen bei Parkinson-Krankheit
- Haloperidolz. B. Haldol, Haloperidol-ratiopharmSchizophrenie, Manie, Delir, Erregungszustände, Aggression bei Demenz, Tics, Chorea Huntington
- Melperonz. B. Melneurin, Melperon AbZ, Melperon-ratiopharmSchlafstörungen, Verwirrtheit, Unruhe und Erregungszustände, vor allem im Alter und bei psychischen Erkrankungen
- Olanzapinz. B. Olanzapin AbZ, Olanzapin-CT, Olanzapin-ratiopharmSchizophrenie, manische Episoden, Vorbeugung bei bipolarer Störung
- Paliperidonz. B. Invega, Paliperidon AbZ, Paliperidon ALErhaltungstherapie der Schizophrenie (monatliche Depotspritze)
- Pipamperonz. B. Dipiperon, Pipamperon-neuraxpharmSchlafstörungen, vor allem bei älteren Menschen; Unruhe und Erregungszustände
- Prothipendylz. B. Dominal 40 mg, Dominal forte 80 mgUnruhe- und Erregungszustände bei psychiatrischen Erkrankungen
- Quetiapinz. B. Quetiapin - 1 A Pharma Retardtabletten, Quetiapin-ratiopharm Filmtabletten, Quetiapin-ratiopharm RetardtablettenSchizophrenie, bipolare Störung, Zusatzbehandlung bei Depression (nur Retardtabletten)
- Risperidonz. B. Risperdal, Risperidon AbZ, Risperidon HEXALSchizophrenie, Manie, anhaltende Aggression bei Alzheimer-Demenz und bei Kindern mit Verhaltensstörung
Die Fachinformation von Risperidon unterscheidet atypische von konventionellen (typischen) Antipsychotika [2].
Typische Nebenwirkungen
Als mögliche Nebenwirkungen nennt das IQWiG unter anderem Bewegungsstörungen wie Zittern, Muskelsteifheit und Bewegungsarmut, unwillkürliche Bewegungen, Schluckstörungen, innere Unruhe, Gewichtszunahme, Stoffwechselprobleme mit erhöhtem Diabetes-Risiko, Mundtrockenheit, Störungen beim Wasserlassen, Sehstörungen, Schwindel, Kopfschmerzen, Müdigkeit und Antriebsarmut; selten Herzrhythmusstörungen und ernste Störungen der Blutbildung [18]. Welche Nebenwirkungen auftreten, hängt vom Wirkstoff und der Dosis ab. Laut IQWiG lösen Antipsychotika der 1. Generation häufiger Bewegungsstörungen aus, die der 2. Generation führen häufiger zu Übergewicht und Stoffwechselstörungen; die Unterschiede hängen aber zum Teil mehr vom einzelnen Wirkstoff ab als von der Gruppe [18]. Die Tabelle zeigt die Einstufung sechs typischer Beschwerden; die Kategorien erklärt der Ratgeber Beipackzettel verstehen.
| Wirkstoff | Müdigkeit | Parkinson-Symptome | Unruhe und Nervosität | Gewichtszunahme | Niedriger Blutdruck | Mundtrockenheit |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Amisulprid | Häufig | Sehr häufig | Sehr häufig | Häufig | Häufig | Häufig |
| Aripiprazol | Häufig | Häufig | Häufig | Nicht bekannt | Gelegentlich | nicht genannt |
| Clozapin | Sehr häufig | Häufig | Selten | Häufig | Häufig | Häufig |
| Haloperidol | Häufig | Sehr häufig | Sehr häufig | Häufig | Häufig | Häufig |
| Melperon | nicht genannt | nicht genannt | nicht genannt | nicht genannt | nicht genannt | nicht genannt |
| Olanzapin | Sehr häufig | Häufig | Häufig | Sehr häufig | Sehr häufig | Häufig |
| Paliperidon | Häufig | Häufig | Häufig | Häufig | Gelegentlich | Gelegentlich |
| Pipamperon | Sehr häufig | Sehr häufig | nicht genannt | Nicht bekannt | Häufig | nicht genannt |
| Prothipendyl | nicht genannt | nicht genannt | nicht genannt | nicht genannt | nicht genannt | nicht genannt |
| Quetiapin | Sehr häufig | Sehr häufig | Sehr häufig | Sehr häufig | Häufig | Sehr häufig |
| Risperidon | Sehr häufig | Sehr häufig | Häufig | Häufig | Gelegentlich | Häufig |
Angaben aus der Packungsbeilage bzw. Fachinformation des jeweiligen Wirkstoffs; die Quellen stehen auf der Wirkstoffseite. "nicht genannt" heißt: Die Wirkstoffseite führt diese Beschwerde nicht als eigene Nebenwirkung auf. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats. Zeilen, die in der Produktinformation gesondert für Kinder oder Jugendliche aufgeführt sind, sind nicht berücksichtigt; sie stehen auf der Wirkstoffseite. Die Tabelle umfasst nur Wirkstoffe, die auf dieser Website mit geprüftem Datensatz beschrieben sind.
Zur Tabelle: Die Fachinformationen von Melperon und Prothipendyl beschreiben unter anderem Blutdruckabfall, Bewegungsstörungen, Gewichtszunahme und Mundtrockenheit, die von Melperon außerdem Müdigkeit, jeweils ohne Häufigkeitsangabe; solche Angaben erscheinen in der Tabelle als "nicht genannt" [6, 10].
Ältere Menschen mit Demenz
Eine Metaanalyse von 17 kontrollierten Studien ergab laut Fachinformation von Risperidon, dass die Sterblichkeit älterer Menschen mit Demenz unter atypischen Antipsychotika höher war als unter Placebo; zwei große Anwendungsstudien zeigten auch unter konventionellen (typischen) Antipsychotika ein leicht erhöhtes Sterberisiko [2]. In Studien mit einigen atypischen Antipsychotika wurde bei Menschen mit Demenz ein etwa dreifach erhöhtes Risiko für zerebrovaskuläre Ereignisse wie Schlaganfälle beobachtet; ein erhöhtes Risiko kann für andere Antipsychotika nicht ausgeschlossen werden [1, 2]. Quetiapin ist für Psychosen bei Demenz nicht zugelassen, Olanzapin wird bei Psychosen und Verhaltensstörungen im Rahmen einer Demenz nicht empfohlen [1, 4]. Behandelte und Pflegende sollen Anzeichen eines Schlaganfalls wie plötzliche Erschlaffung, Taubheit in Gesicht, Armen oder Beinen sowie Sprach- und Sehstörungen sofort der Ärztin oder dem Arzt melden [2, 3]. Auch die Fachinformationen von Melperon und Prothipendyl beschreiben das erhöhte Sterberisiko [6, 10]. Mehr dazu: Medikamente im Alter.
Bewegungsstörungen
Mittel, die Dopamin-Rezeptoren blockieren, werden laut Fachinformation mit Spätdyskinesien (tardiven Dyskinesien) in Verbindung gebracht: unwillkürlichen, rhythmischen Bewegungen vor allem der Zunge und des Gesichts. Bewegungsstörungen wie Steifigkeit oder Zittern (extrapyramidale Symptome) sind ein Risikofaktor dafür; bei Anzeichen soll ein Absetzen aller Antipsychotika erwogen werden [2]. Quetiapin wurde mit einer Akathisie in Verbindung gebracht, einer als unangenehm oder quälend empfundenen Ruhelosigkeit mit zwanghaftem Bewegungsdrang, oft begleitet von der Unfähigkeit, still zu sitzen oder still zu stehen [1]. Manche Bewegungsstörungen entwickeln sich laut IQWiG erst nach längerer Einnahme, manchmal erst nach Jahren, halten dann oft lange an und sind schwer zu behandeln [18]. Menschen mit Parkinson-Krankheit oder Lewy-Körper-Demenz können empfindlicher auf Antipsychotika reagieren [2]; bei Haloperidol sind beide Erkrankungen Gegenanzeigen [9]. Mehr dazu: Parkinsonismus und Bewegungsstörungen.
Malignes neuroleptisches Syndrom
In Verbindung mit Antipsychotika wurde über ein malignes neuroleptisches Syndrom berichtet. Es ist gekennzeichnet durch eine erhöhte Körpertemperatur (Hyperthermie), Muskelsteifigkeit, Störungen des unwillkürlichen Nervensystems (autonome Instabilität), Bewusstseinstrübung und erhöhte Muskelenzyme im Blut; zusätzlich können ein Zerfall von Muskelgewebe und ein akutes Nierenversagen auftreten. In diesem Fall sollen alle Antipsychotika abgesetzt werden [2].
Gewicht, Blutzucker und Blutfette
Wegen des Risikos einer Verschlechterung des Stoffwechsels, einschließlich Änderungen von Gewicht, Blutzucker und Blutfetten, sollten die Stoffwechselwerte laut Fachinformation von Quetiapin zu Beginn bewertet und während der Behandlung regelmäßig kontrolliert werden [1]. Unter Risperidon wurde über erhöhten Blutzucker, Diabetes und die Verschlechterung eines bestehenden Diabetes berichtet, teils nach vorheriger Gewichtszunahme; als Warnzeichen nennt die Fachinformation starken Durst, vermehrtes Wasserlassen, Heißhunger und Schwäche [2]. Bei Olanzapin wurden unerwünschte Veränderungen der Blutfette beobachtet; für den Blutzucker nennt die Fachinformation Kontrollen zu Beginn, nach 12 Wochen und danach jährlich [4]. Mehr dazu: Gewichtszunahme, Blutzucker und Blutfette.
Herzrhythmus: QT-Verlängerung
Unter Haloperidol wurden neben seltenen Fällen von plötzlichem Tod eine Verlängerung des QT-Intervalls im EKG und Rhythmusstörungen der Herzkammern beschrieben [9]. Haloperidol ist unter anderem bei bekannter QT-Verlängerung, angeborenem Long-QT-Syndrom, kurz zurückliegendem Herzinfarkt, dekompensierter Herzschwäche, unbehandeltem Kaliummangel und zusammen mit anderen QT-verlängernden Mitteln kontraindiziert [9]. Amisulprid verursacht eine dosisabhängige QT-Verlängerung [12]. Die Fachinformation von Risperidon führt eine QT-Verlängerung im EKG als gelegentliche Nebenwirkung auf; Vorsicht gilt wie bei anderen Antipsychotika bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Elektrolytstörungen [2]. Mehr dazu: QT-Verlängerung.
Blutbild, besonders unter Clozapin
Unter Antipsychotika einschließlich Risperidon wurden Verminderungen der weißen Blutkörperchen (Leukopenie, Neutropenie, Agranulozytose) berichtet [2]. Laut IQWiG wird wegen seltener ernster Störungen der Blutbildung regelmäßig das Blut untersucht [18]. Clozapin erhöht das Risiko für Neutropenie und Agranulozytose. Laut Rote-Hand-Brief der Zulassungsinhaber in Abstimmung mit der Europäischen Arzneimittel-Agentur und dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte vom 8. September 2025 wird die Zahl der neutrophilen Granulozyten in den ersten 18 Behandlungswochen wöchentlich bestimmt, danach monatlich bis zum Ende des ersten Jahres. Ist im ersten Behandlungsjahr keine Neutropenie aufgetreten, kann die Kontrolle auf einmal alle 12 Wochen reduziert werden; ist in den ersten zwei Behandlungsjahren keine aufgetreten, sollte die Zahl einmal jährlich überprüft werden [8]. Wer keine regelmäßigen Blutuntersuchungen ermöglichen kann, darf Clozapin nicht erhalten [7]. Clozapin ist außerdem mit einem erhöhten Risiko einer Herzmuskelentzündung (Myokarditis) verbunden, besonders in den ersten zwei Behandlungsmonaten. Es kann auch die Darmtätigkeit verlangsamen; beobachtet wurden Verstopfung und Darmverschluss bis hin zur Darmlähmung (paralytischer Ileus), in seltenen Fällen tödlich [7]. Mehr dazu: Blutbildveränderungen und Verstopfung.
Prolaktin, Blutdruck und weitere Risiken
Ein erhöhter Spiegel des Hormons Prolaktin ist unter Risperidon eine häufige Nebenwirkung; mögliche Anzeichen sind unter anderem Brustvergrößerung beim Mann, Zyklusstörungen, Milchfluss aus der Brust, verminderte Lust auf Sex und Erektionsstörungen [2]. Bei Prolaktin-abhängigen Tumoren ist Amisulprid kontraindiziert [12]. Wegen seiner Alpha-blockierenden Wirkung kann Risperidon besonders zu Beginn einen Blutdruckabfall beim Aufstehen verursachen [2]. Im Zusammenhang mit Antipsychotika wurde über venöse Thromboembolien berichtet [2]. Unter Aripiprazol können ein gesteigertes Verlangen nach Glücksspiel, Kaufsucht, Essattacken, gesteigertes sexuelles Verlangen und andere zwanghafte Verhaltensweisen auftreten [5]. Mehr dazu: Prolaktin, niedriger Blutdruck und Thromboserisiko.
Müdigkeit und Verkehrstüchtigkeit
Quetiapin wurde mit Schläfrigkeit und Sedierung in Verbindung gebracht und kann Tätigkeiten beeinträchtigen, die Aufmerksamkeit erfordern [1]. Laut Fachinformation von Risperidon sollte kein Fahrzeug gelenkt und keine Maschine bedient werden, bis die individuelle Empfindlichkeit bekannt ist [2]. Vor dem Autofahren und Bedienen von Maschinen ist laut Fachinformation von Olanzapin zu warnen, weil es Schläfrigkeit und Schwindel verursachen kann [4]. Haloperidol hat einen mäßigen Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit, besonders zu Behandlungsbeginn und zusammen mit Alkohol [9]. Mehr dazu: Müdigkeit und Medikamente und Autofahren.
Wichtige Wechselwirkungen

| Zusammen mit | Was passieren kann |
|---|---|
| Alkohol und andere dämpfende Mittel, z. B. Benzodiazepine wie Diazepam, Opioide, Antihistaminika | Stärkere Dämpfung; bei Risperidon und Quetiapin ist Vorsicht geboten [1, 2]. Alkohol darf laut Fachinformation nicht zusammen mit Clozapin eingenommen werden [7] |
| Mittel, die das QT-Intervall verlängern, z. B. Antiarrhythmika wie Amiodaron oder Sotalol | Bei Haloperidol kontraindiziert; bei Amisulprid sind Mittel kontraindiziert, die schwere Herzrhythmusstörungen (Torsade de pointes) auslösen können, darunter Amiodaron und Sotalol, weitere Mittel mit Einfluss auf das QT-Intervall werden nicht empfohlen; bei Risperidon ist Vorsicht geboten [2, 9, 12] |
| Levodopa und andere Dopamin-Agonisten (Parkinsonmittel) | Risperidon und Haloperidol können deren Wirkung abschwächen; Amisulprid ist mit Levodopa kontraindiziert [2, 9, 12] |
| Blutdrucksenkende Mittel | Unter Risperidon wurde ein klinisch bedeutsamer Blutdruckabfall beobachtet; Clozapin kann die blutdrucksenkende Wirkung verstärken [2, 7] |
| Hemmstoffe des Leberenzyms CYP3A4: HIV-Proteasehemmer, Azol-Antimykotika, Erythromycin, Clarithromycin; Grapefruitsaft | Bei Quetiapin sind diese Hemmstoffe kontraindiziert; Grapefruitsaft wird nicht empfohlen [1] |
| Rauchen, Carbamazepin | Können den Abbau von Olanzapin beschleunigen [4] |
| Serotonerge Mittel: MAO-Hemmer, SSRI wie Citalopram, SNRI, trizyklische Antidepressiva | Mit Quetiapin Vorsicht wegen des Risikos eines Serotonin-Syndroms [1] |
| Furosemid | In Studien mit älteren Menschen mit Demenz war die Sterblichkeit unter Furosemid plus Risperidon höher; Nutzen und Risiken sind abzuwägen [2] |
| Mittel, die eine Agranulozytose auslösen können, Depot-Neuroleptika; Valproinsäure | Mittel, die eine Agranulozytose auslösen können, sind bei Clozapin kontraindiziert, von Depot-Neuroleptika wird abgeraten [7]. Valproinsäure kann zusammen mit Clozapin das Risiko für Neutropenie und Herzmuskelentzündung erhöhen; eine engmaschigere Blutbildkontrolle kann erwogen werden [7, 8] |
| Mittel, die verstopfen, besonders anticholinerge Mittel | Bei Clozapin besondere Vorsicht wegen des Risikos von Verstopfung und Darmverschluss [7] |
Die Liste ist nicht vollständig; auch Alkohol und Antihistaminika können beteiligt sein [2]. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke, bevor Sie ein neues Mittel dazunehmen. Einen Überblick über alle Ihre Medikamente gibt der Medikationsplan, Grundlagen erklärt der Ratgeber Wechselwirkungen.
Wann Antipsychotika nicht oder nur mit Vorsicht angewendet werden
Gegenanzeigen unterscheiden sich je nach Wirkstoff; maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats [1, 6, 7, 9, 10, 12]:
- Haloperidol: unter anderem Koma, eine Dämpfung des zentralen Nervensystems, Morbus Parkinson, Lewy-Körper-Demenz und die genannten Herzrisiken [9].
- Clozapin: unter anderem fehlende Möglichkeit regelmäßiger Blutuntersuchungen, eine frühere Agranulozytose, eine geschädigte Knochenmarkfunktion, eine ungenügend kontrollierte Epilepsie, schwere Herz- oder Nierenerkrankungen, aktive Lebererkrankungen und ein Darmverschluss durch Darmlähmung [7].
- Amisulprid: unter anderem Prolaktin-abhängige Tumoren, ein Phäochromozytom (Tumor des Nebennierenmarks), stark eingeschränkte Nierenfunktion sowie die Kombination mit Levodopa oder mit Mitteln, die schwere Herzrhythmusstörungen auslösen können [12].
- Quetiapin: die gleichzeitige Anwendung bestimmter CYP3A4-Hemmer [1].
- Melperon und Prothipendyl: unter anderem akute Vergiftungen mit Alkohol, Schlafmitteln oder dämpfenden Psychopharmaka und komatöse Zustände; bei Melperon auch eine hochgradige Leberschwäche, ein früheres malignes neuroleptisches Syndrom und ein Alter unter 12 Jahren [6, 10].
Vorsicht gilt laut Fachinformation von Risperidon unter anderem bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krampfanfällen in der Vorgeschichte, erhöhtem Prolaktin und Risikofaktoren für Thrombosen [2]. Antipsychotika können außerdem die Fähigkeit des Körpers stören, die Körpertemperatur zu senken, etwa bei großer Hitze oder starker körperlicher Anstrengung [2]. Mehr dazu: Medikamente bei Hitze.
Schwangerschaft und Stillzeit
Ob und womit eine psychische Erkrankung in der Schwangerschaft behandelt wird, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Neugeborene, die im letzten Schwangerschaftsdrittel Antipsychotika ausgesetzt waren, können laut Fachinformation Bewegungsstörungen und Entzugserscheinungen entwickeln; berichtet wurden Unruhe, erhöhte oder verminderte Muskelspannung, Zittern, Schläfrigkeit, Atemnot oder Störungen bei der Nahrungsaufnahme. Neugeborene sollten deshalb sorgfältig überwacht werden [1, 4]. Laut Embryotox sollte die Entbindung in einer Klinik mit Neugeborenenmedizin erfolgen; weil Quetiapin, Olanzapin, Risperidon und Clozapin den Blutzucker erhöhen können, sollte ein Schwangerschaftsdiabetes ausgeschlossen werden [13, 14, 15, 17].
Einschätzung von Embryotox: Quetiapin kann laut Embryotox bei entsprechender Indikation in der Schwangerschaft und bei Kinderwunsch verordnet werden [13]. Bei einer medikamentösen Neueinstellung sollte laut Embryotox statt Risperidon, Olanzapin oder Aripiprazol das besser erprobte Quetiapin vorgezogen werden, falls es ebenso geeignet ist [14, 15, 16]. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Ist Olanzapin bei Kinderwunsch oder in der Schwangerschaft angezeigt, Aripiprazol bei Kinderwunsch oder im ersten Schwangerschaftsdrittel, muss laut Embryotox keine Umstellung erfolgen [14, 16]. Bei Clozapin liegt laut Embryotox in der Regel eine dringende Indikation vor; bei einer gut eingestellten Patientin ist kein Therapiewechsel angezeigt, beim Neugeborenen kann das Blutbild kontrolliert werden [17].
Stillzeit: Unter Quetiapin ist Stillen laut Embryotox bei alleiniger Behandlung und guter Beobachtung des Kindes akzeptabel, unter Risperidon, Olanzapin und Aripiprazol unter Vorbehalt [13, 14, 15, 16]. Unter Clozapin ist Stillen laut Embryotox wegen eines nicht völlig auszuschließenden Agranulozytose-Risikos beim Kind eher kritisch zu beurteilen [17]. Laut Fachinformation sollten Mütter unter Olanzapin oder Clozapin nicht stillen; bei Quetiapin und Risperidon sehen die Fachinformationen eine Abwägung vor [1, 2, 4, 7]. Allgemeines lesen Sie in den Ratgebern Medikamente in der Schwangerschaft und Medikamente in der Stillzeit.
Absetzen
Antipsychotika sollten laut IQWiG nicht plötzlich abgesetzt werden, weil es sonst eher zu einem Rückfall kommt; das Vorgehen beim Beenden ist mit der Ärztin oder dem Arzt zu besprechen [18]. Nach abruptem Absetzen von Quetiapin wurden akute Absetzsymptome wie Schlaflosigkeit, Übelkeit, Kopfschmerzen, Durchfall, Erbrechen, Schwindel und Reizbarkeit beschrieben; die Fachinformation empfiehlt ein ausschleichendes Absetzen [1]. Nach plötzlichem Absetzen von Olanzapin wurden selten Schwitzen, Schlaflosigkeit, Zittern, Angst, Übelkeit oder Erbrechen berichtet [4]. Muss Clozapin abrupt abgesetzt werden, ist laut Fachinformation auf ein Wiederauftreten der Psychose und auf Zeichen eines sogenannten cholinergen Rebounds wie vermehrtes Schwitzen, Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall zu achten [7]. Mehr dazu im Ratgeber Medikamente absetzen.
Unterschied zu Antidepressiva und Beruhigungsmitteln
Bei Schizophrenie können laut IQWiG Schlaf- und Beruhigungsmittel (Benzodiazepine) bei starker Unruhe und Schlafstörungen vorübergehend helfen und werden dann meist zusätzlich zu Antipsychotika eingenommen; Antidepressiva kommen bei depressiven Beschwerden infrage [18]. Melperon ist laut Fachinformation bei Unruhe und Erregung unter anderem dann angezeigt, wenn Tranquilizer wegen Unverträglichkeit oder Abhängigkeitsgefahr nicht angewendet werden können [6]. Mehr dazu: Antidepressiva und Beruhigungs- und Schlafmittel.
Quellen
- Fachinformation Fachinformation Quetiapin-ratiopharm® Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 05/2024. abgerufen am 12.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Risperidon AbZ Filmtabletten. AbZ-Pharma GmbH. Stand 03/2026. abgerufen am 12.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Pipamperon-neuraxpharm 40 mg Tabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 10/2025. abgerufen am 12.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Olanzapin-ratiopharm® Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2020. abgerufen am 12.10.2026
- EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation ABILIFY (EPAR), Anhang I: Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (Fachinformation) ABILIFY Tabletten. Otsuka Pharmaceutical Netherlands B.V. (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 01/2026. abgerufen am 12.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Melperon STADA® 10 mg und 25 mg Filmtabletten, 25 mg/5 ml Lösung zum Einnehmen. STADAPHARM GmbH. Stand 06/2022. abgerufen am 12.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Clozapin-ratiopharm® 100 mg und 200 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 06/2026. abgerufen am 18.10.2026
- Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief Clozapin: Überarbeitete Empfehlungen zur routinemäßigen Blutbildkontrolle im Hinblick auf das Risiko einer Agranulozytose. Zulassungsinhaber clozapinhaltiger Arzneimittel in Abstimmung mit EMA und BfArM. Stand 08.09.2025. abgerufen am 12.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Haloperidol-ratiopharm® 5 mg und 10 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2025. abgerufen am 12.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Dominal® 40 mg überzogene Tabletten, Dominal® forte 80 mg Filmtablette, Dominal® Tropfen. TEVA GmbH. Stand 05/2022. abgerufen am 12.10.2026
- EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Xeplion (EPAR), Anhang I: Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (Fachinformation). Janssen-Cilag International NV (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 07/2024. abgerufen am 12.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Solian® 100 mg/200 mg Tabletten, Solian® 400 mg Filmtabletten. Sanofi-Aventis Deutschland GmbH. Stand 05/2023. abgerufen am 12.10.2026
- Embryotox Embryotox: Quetiapin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 12.10.2026
- Embryotox Embryotox: Olanzapin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 12.10.2026
- Embryotox Embryotox: Risperidon. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 12.10.2026
- Embryotox Embryotox: Aripiprazol. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 12.10.2026
- Embryotox Embryotox: Clozapin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 12.10.2026
- Behörde Medikamente bei Schizophrenie (gesundheitsinformation.de). Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Stand aktualisiert am 29.04.2026. abgerufen am 12.10.2026
Häufige Fragen
Sind Antipsychotika und Neuroleptika dasselbe?
Ja. Laut IQWiG wurden Antipsychotika früher häufig Neuroleptika genannt; sie gehören zur Gruppe der Psychopharmaka. In vielen Fachinformationen, etwa von Clozapin, Melperon oder Prothipendyl, wird der Begriff Neuroleptikum noch verwendet.
Machen Antipsychotika müde?
Das ist möglich. Müdigkeit und Antriebsarmut gehören laut IQWiG zu den möglichen Nebenwirkungen; Quetiapin wurde laut Fachinformation mit Schläfrigkeit und Sedierung in Verbindung gebracht. Laut Fachinformation von Risperidon sollten Sie kein Fahrzeug lenken und keine Maschinen bedienen, bis Ihre individuelle Empfindlichkeit bekannt ist. Alkohol und andere dämpfende Mittel können die Müdigkeit verstärken.
Warum nimmt man unter Antipsychotika zu?
Gewichtszunahme und Stoffwechselprobleme gehören laut IQWiG zu den möglichen Nebenwirkungen; Antipsychotika der 2. Generation führen laut IQWiG häufiger zu Übergewicht und Stoffwechselstörungen. Unter Risperidon, Olanzapin und Quetiapin wurden laut Fachinformation unter anderem Gewichtszunahme, erhöhter Blutzucker, ein neu auftretender oder sich verschlechternder Diabetes und bei Olanzapin und Quetiapin veränderte Blutfette berichtet. Laut den Fachinformationen von Quetiapin und Olanzapin sollten Gewicht, Blutzucker und Blutfette zu Beginn und während der Behandlung kontrolliert werden.
Warum werden Antipsychotika bei Demenz nur mit Vorsicht eingesetzt?
In Studien mit älteren Menschen mit Demenz war die Sterblichkeit unter atypischen Antipsychotika höher als unter Placebo. Unter einigen dieser Mittel wurde ein etwa dreifach erhöhtes Risiko für Schlaganfälle und andere zerebrovaskuläre Ereignisse beobachtet; auch für typische Antipsychotika zeigten Anwendungsstudien ein leicht erhöhtes Sterberisiko. Quetiapin ist für Psychosen bei Demenz nicht zugelassen, Olanzapin wird dafür nicht empfohlen. Risperidon und Haloperidol sind nur für eng begrenzte Situationen bei Demenz zugelassen.
Warum muss unter Clozapin das Blut kontrolliert werden?
Clozapin erhöht das Risiko für einen Mangel an bestimmten weißen Blutkörperchen (Neutropenie, Agranulozytose). Laut Rote-Hand-Brief vom 8. September 2025 wird die Zahl der neutrophilen Granulozyten in den ersten 18 Wochen wöchentlich, danach monatlich bis zum Ende des ersten Jahres und anschließend seltener bestimmt. Bei Anzeichen einer Infektion wie Fieber oder Halsschmerzen sollen Sie sofort Ihre Ärztin oder Ihren Arzt kontaktieren.
Was sind Spätdyskinesien?
Spätdyskinesien (tardive Dyskinesien) sind unwillkürliche, rhythmische Bewegungen, vor allem der Zunge und des Gesichts. Laut Fachinformation werden Mittel, die Dopamin-Rezeptoren blockieren, damit in Verbindung gebracht. Manche Bewegungsstörungen entwickeln sich laut IQWiG erst nach längerer Einnahme, halten dann oft lange an und sind schwer zu behandeln. Sprechen Sie neue, ungewöhnliche Bewegungen bei Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt an.
Darf ich Antipsychotika in der Schwangerschaft nehmen?
Das entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Laut Embryotox kann Quetiapin bei entsprechender Indikation in der Schwangerschaft verordnet werden; bei einer Neueinstellung sollte laut Embryotox statt Risperidon, Olanzapin oder Aripiprazol das besser erprobte Quetiapin vorgezogen werden, falls es ebenso geeignet ist. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Nach Einnahme im letzten Schwangerschaftsdrittel können beim Neugeborenen Bewegungsstörungen oder Entzugserscheinungen auftreten.
Kann ich Antipsychotika einfach absetzen?
Nein. Laut IQWiG sollten Antipsychotika nicht plötzlich abgesetzt werden, weil es sonst eher zu einem Rückfall kommt. Nach abruptem Absetzen von Quetiapin wurden außerdem Beschwerden wie Schlaflosigkeit, Übelkeit, Kopfschmerzen, Durchfall, Erbrechen, Schwindel und Reizbarkeit beschrieben. Setzen Sie das Mittel nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
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