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Demenz und Alzheimer
Demenz ist ein Oberbegriff für Erkrankungen, bei denen geistige Fähigkeiten wie Gedächtnis, Denken, Orientierung und Sprache so stark nachlassen, dass der Alltag nicht mehr ohne Hilfe gelingt; die häufigste Ursache ist die Alzheimer-Krankheit. Die S3-Leitlinie Demenzen (Version 6.1, 2026) empfiehlt bei leichter bis mittelschwerer Alzheimer-Demenz Acetylcholinesterasehemmer und bei mittelschwerer bis schwerer Alzheimer-Demenz Memantin, jeweils als starke Empfehlung (die DEGAM schlägt beide in Sondervoten nur vor); dazu kommen nicht medikamentöse Angebote wie körperliches Training. Beschwerden wie Vergesslichkeit sollten laut Patientenleitlinie immer ärztlich abgeklärt werden, erste Anlaufstelle ist oft die Hausarztpraxis.

Bei einer Demenz lassen geistige Fähigkeiten wie Gedächtnis, Denken, Orientierung und Sprache nach, bis der Alltag nicht mehr ohne Hilfe gelingt [2]. Aufhalten oder heilen lässt sich die Alzheimer-Demenz laut IQWiG nicht, ihr Verlauf lässt sich aber durch medikamentöse und nicht medikamentöse Behandlungen positiv beeinflussen [3]. Die S3-Leitlinie Demenzen, Version 6.1 vom 27.04.2026, gibt Empfehlungen je nach Form und Schweregrad der Demenz [1]. Wer daran denkt, sich das Leben zu nehmen, braucht sofort Hilfe; die Nummern stehen im Abschnitt Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen.
Was ist eine Demenz?
Demenz ist laut Patientenleitlinie ein Oberbegriff für mehrere Erkrankungen, die mit einem Verlust geistiger Fähigkeiten einhergehen; betroffen sind üblicherweise Gedächtnis, Denken, Orientierung, Sprache und Urteilsvermögen. Von Demenz spricht man, wenn die Probleme so groß sind, dass der Alltag nicht mehr ohne Hilfe zu bewältigen ist; eingeteilt wird sie in die Stadien leicht, mittelschwer und schwer [2]. Sind geistige Beeinträchtigungen nachweisbar, schränken den Alltag aber noch nicht maßgeblich ein, heißt das leichte kognitive Störung [2]. Die Leitlinie versteht Demenzen als schwere Erkrankungen: Sie verlaufen zumeist fortschreitend, und Erkrankte haben eine verkürzte Lebenserwartung [1].
Häufigkeit und Formen: In Deutschland sind laut Leitlinie 10,5 Prozent der Menschen ab 65 Jahren an einer Demenz erkrankt, etwa 1,8 Millionen; Frauen sind häufiger betroffen, vor allem wegen ihrer höheren Lebenserwartung [1]. Die häufigste Ursache ist mit 60 bis 80 Prozent die Alzheimer-Krankheit, gefolgt von der vaskulären Demenz durch Durchblutungsstörungen im Gehirn mit etwa 5 bis 10 Prozent [1, 3]. Seltener sind unter anderem die Demenz bei Parkinson-Krankheit, die Demenz mit Lewy-Körpern und die frontotemporale Demenz [1].
Symptome
Als typische Warnzeichen nennt die Patientenleitlinie unter anderem Gedächtnisstörungen, fehlende Orientierung zur Zeit und an fremden Orten, fehlende Worte im Gespräch, das Verlegen von Dingen, Schwierigkeiten mit alltäglichen Aufgaben, ein vermindertes Urteilsvermögen, Rückzug von Arbeit oder sozialen Aktivitäten sowie Veränderungen der Stimmung oder des Verhaltens. Treffen mehrere Warnzeichen zu, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt [2].
Bei der Alzheimer-Demenz ist laut IQWiG zunächst das Kurzzeitgedächtnis stärker betroffen, später auch das Langzeitgedächtnis; viele Erkrankte werden ungewohnt ängstlich, misstrauisch, passiv oder auch aggressiv [3]. Das IQWiG unterscheidet drei Stadien [3]:
- Frühstadium: Ein unabhängiges Leben ist noch weitgehend möglich; Vergesslichkeit und Konzentrationsprobleme nehmen zu [3].
- Mittleres Stadium: Das selbstständige Leben muss in der Regel aufgegeben werden; Kochen und Einkaufen gelingen nur noch mit Hilfe, der Tag-Nacht-Rhythmus ist oft gestört [3].
- Fortgeschrittenes Stadium: Rund um die Uhr ist Unterstützung nötig; Gespräche sind oft kaum noch möglich, vertraute Personen werden nicht mehr erkannt, die Kontrolle über Körperfunktionen kann verloren gehen [3].
Im Verlauf aller Demenzformen kann es laut Patientenleitlinie zu Depression, Angst, Antriebslosigkeit, Aggressivität, Wahnvorstellungen, enthemmtem Verhalten oder Schlafstörungen kommen, oft weil Erkrankte ihre Umgebung, Mitmenschen und Situationen nicht mehr gut verstehen [2]. Mehr: Depression und Schlafstörungen.
Ursachen und Risikofaktoren
Bei der Alzheimer-Demenz sterben laut IQWiG mit der Zeit immer mehr Nervenzellen im Gehirn ab; der Botenstoff Acetylcholin kommt in zu geringen Mengen vor, und im Gehirn lagern sich kleine Eiweißpartikel ab, zum Beispiel Plaques. Was die Erkrankung letztlich verursacht, ist noch unklar [3]. Das Lebensalter ist laut Patientenleitlinie einer der wichtigsten Risikofaktoren [2]: Unter 65 Jahren ist etwa 0,1 Prozent der Bevölkerung betroffen, im Alter von 80 bis 84 Jahren sind es laut Leitlinie etwa 13 bis 16 Prozent [1].
Beeinflussbare Risikofaktoren: Als potenziell veränderbare Risikofaktoren zitiert die Leitlinie eine Übersicht der Lancet Commission: niedrige Bildung, Hörstörungen, hohes LDL-Cholesterin, Depression, Kopfverletzungen, Bewegungsmangel, Diabetes, Rauchen, Bluthochdruck, Übergewicht, Alkoholkonsum von mehr als 168 Gramm pro Woche, soziale Isolation, Luftverschmutzung und Sehstörungen [1]. Die Leitlinie empfiehlt, diese Faktoren bei der Beratung zur Vorbeugung zu berücksichtigen (Expertenkonsens), und schlägt vor, einen Bluthochdruck auch mit dem Ziel zu behandeln, das Risiko einer geistigen Verschlechterung zu senken (schwache Empfehlung) [1]. Mehr: Bluthochdruck, Diabetes Typ 2 und Cholesterin.
Medikamente als Ursache: Vergesslichkeit, Verhaltensänderungen und Orientierungsprobleme können laut IQWiG auch durch Depressionen, einen Schlaganfall, einen Flüssigkeits- oder Vitaminmangel oder Nebenwirkungen von Medikamenten entstehen; solche Ursachen lassen sich oft gut behandeln [3]. Bei Demenz kann laut Patientenleitlinie der Mangel an Acetylcholin durch einige Medikamente verstärkt werden, etwa durch manche Antidepressiva und Antipsychotika; solche Mittel sollten vermieden werden [2]. Mehr: Vergesslichkeit und Verwirrtheit durch Medikamente, Vitamin-B12-Mangel und Medikamente im Alter.
Diagnose
Beschwerden wie Vergesslichkeit sollten laut Patientenleitlinie immer ärztlich abgeklärt werden. Erste Anlaufstelle ist oft die Hausarztpraxis; die weitergehende Diagnostik übernehmen in der Regel Fachärztinnen und Fachärzte für Neurologie, Nervenheilkunde oder Psychiatrie, Geriaterinnen und Geriater sowie Gedächtnisambulanzen [2].
- Kurztest: Die Leitlinie empfiehlt, zum Beispiel in der Hausarztpraxis bei selbst berichteten geistigen (kognitiven) Beschwerden, auch auf aktive Nachfrage, oder anderen Hinweisen auf eine Demenz nach Einwilligung einen kognitiven Kurztest durchzuführen (starke Empfehlung); ohne Beschwerden und ohne Hinweise auf eine Störung wird ein solcher Test nicht empfohlen (starke Empfehlung dagegen) [1].
- Ausführliche Testung: Bei Verdacht auf eine leichte kognitive Störung oder leichte Demenz empfiehlt die Leitlinie eine neuropsychologische Untersuchung, auch wenn Kurztests unauffällig waren (starke Empfehlung) [1].
- Blut und Bildgebung: Die Leitlinie empfiehlt Blutuntersuchungen, unter anderem Blutbild, Leber-, Nieren- und Schilddrüsenwerte und Vitamin B12 (Expertenkonsens) [1]. Eine Bildgebung des Gehirns, bevorzugt eine MRT, sollte laut Patientenleitlinie nach Expertenkonsens behandelbare Ursachen ausschließen [2].
Behandlung ohne Medikamente

Ziel ist laut IQWiG, die Lebensqualität zu fördern, Alltagskompetenz und Selbstständigkeit möglichst lange zu erhalten, psychische Beschwerden zu lindern und die Belastung von Angehörigen zu verringern [3]. Als Basis nennt die Patientenleitlinie eine förderliche Umgebung mit Orientierungshilfen, vertrauten Gegenständen, ruhiger Atmosphäre und klarer Tagesstruktur [2]. Die S3-Leitlinie empfiehlt ein Dementia Care Management, also die Koordinierung der Versorgung durch eine zuständige Person oder Institution (starke Empfehlung), und nennt außerdem [1]:
- Körperliches Training: Krafttraining und/oder aerobes Training zur Verbesserung der Alltagsaktivitäten empfohlen (starke Empfehlung), zur Verbesserung der geistigen Leistung bei leichter kognitiver Störung oder Demenz vorgeschlagen (schwache Empfehlung) [1].
- Kognitive Stimulation und kognitives Training: bei leichter und mittelschwerer Demenz vorgeschlagen (schwache Empfehlung); selbst durchgeführte, computerbasierte Trainingsprogramme nicht vorgeschlagen (schwache Empfehlung dagegen) [1].
- Musiktherapie: aktiv und rezeptiv zur Verbesserung der geistigen Leistung vorgeschlagen (schwache Empfehlung) [1].
- Bei Depression: Bewegungstherapie, bevorzugt in Gruppen, empfohlen (starke Empfehlung), bei leichter Demenz außerdem kognitive Verhaltenstherapie (starke Empfehlung) [1].
- Bei agitiertem Verhalten: personalisierte Aktivierung, Musiktherapie oder Berührungstherapie empfohlen (starke Empfehlung) [1].
Angehörige: Pflegende Angehörige sind laut Leitlinie häufig psychisch und auch körperlich stark belastet [1]. Beratung bieten laut Patientenleitlinie unter anderem Demenzberatungsstellen, das Alzheimer-Telefon der Deutschen Alzheimer Gesellschaft unter 030 259 37 95 14, Selbsthilfegruppen und die kostenlose Pflegeberatung der Pflegekassen [2].
Behandlung mit Medikamenten
Medikamente können laut Patientenleitlinie geistige Funktionen stärken (Antidementiva, Ginkgo biloba), Verhalten und Stimmung stabilisieren (andere Psychopharmaka) oder das Nachlassen der geistigen Funktionen und Alltagsfunktionen verlangsamen (Amyloid-Antikörper); ob ein Medikament sinnvoll ist, wird gemeinsam mit Betroffenen und Angehörigen entschieden [2]. Zugelassen sind laut Leitlinie die Acetylcholinesterasehemmer Donepezil, Galantamin und Rivastigmin für die leichte und mittelschwere, Memantin für die mittelschwere bis schwere Alzheimer-Demenz [1]. Mehr: Parkinson- und Demenzmittel.
Alzheimer-Demenz: Die S3-Leitlinie gibt diese Empfehlungen [1]:
- Bei leichter bis mittelschwerer Alzheimer-Demenz empfiehlt sie Acetylcholinesterasehemmer zur Behandlung der geistigen Leistung und der Alltagsaktivitäten (starke Empfehlung). Die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) schlägt sie in einem Sondervotum nur vor, da der Nutzen nur marginal sei bei durchaus relevanten unerwünschten Wirkungen [1].
- Bei mittelschwerer bis schwerer Alzheimer-Demenz empfiehlt sie Memantin (starke Empfehlung); die DEGAM schlägt es in einem Sondervotum nur vor, da die Einschätzung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses keine stärkere Empfehlung zulasse. Bei leichter Alzheimer-Demenz empfiehlt sie, Memantin nicht einzusetzen (starke Empfehlung dagegen) [1].
- Eine Kombination aus einem Acetylcholinesterasehemmer und Memantin empfiehlt sie bei der Alzheimer-Demenz aller Schweregrade nicht (starke Empfehlung dagegen) [1].
- Acetylcholinesterasehemmer schlägt sie langfristig vor, auch bei Verschlechterung der Beschwerden (schwache Empfehlung); die DEGAM weist in einem Sondervotum darauf hin, dass eine Weiterverordnung im Stadium der schweren Demenz nicht von der Zulassung gedeckt ist (Off-label). Bei schwerer Alzheimer-Demenz schlägt sie vor, Donepezil oder Rivastigmin-Pflaster zu erwägen (schwache Empfehlung); dafür sind sie nicht zugelassen (Off-label) [1].
- Den Ginkgo-biloba-Extrakt EGb 761 schlägt sie bei leichter bis mittelgradiger Alzheimer-Demenz oder vaskulärer Demenz mit nicht psychotischen Verhaltenssymptomen vor (schwache Empfehlung) [1].
Andere Formen: Bei Demenz bei Parkinson-Krankheit schlägt die Leitlinie Rivastigmin-Kapseln, Rivastigmin-Pflaster oder Donepezil vor (schwache Empfehlung); zugelassen sind dafür laut Packungsbeilage nur Rivastigmin-Kapseln und -Lösung zum Einnehmen [1, 6]. Bei vaskulärer Demenz schlägt sie Donepezil, Galantamin, hoch dosiertes Rivastigmin oder Memantin vor (schwache Empfehlung); dafür sind sie nicht zugelassen (Off-label); bei leichter kognitiver Störung empfiehlt sie keine Acetylcholinesterasehemmer (starke Empfehlung dagegen) [1]. Die Nebenwirkungen in der Tabelle stammen aus der Packungsbeilage eines Beispielwirkstoffs und gelten nur für diesen ("sehr häufig": bei mehr als 1 von 10 Behandelten, "häufig": bei bis zu 1 von 10); maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.
| Wirkstoffgruppe | Beispiele | Wie sie wirken | Häufige Nebenwirkungen |
|---|---|---|---|
| Acetylcholinesterasehemmer | Donepezil, Rivastigmin | Stärken laut Patientenleitlinie die Wirkung des Botenstoffs Acetylcholin, der für Aufmerksamkeit und Gedächtnis wichtig ist [2]; Rivastigmin blockiert laut Packungsbeilage die Enzyme, die Acetylcholin abbauen [6] | Donepezil, sehr häufig: Durchfall, Übelkeit, Kopfschmerzen; häufig unter anderem Muskelkrampf, Müdigkeit, Schlaflosigkeit, Schwindelgefühl, Ohnmacht, Appetitlosigkeit, Halluzinationen, Harninkontinenz [4]. Rivastigmin-Pflaster, häufig unter anderem: Appetitlosigkeit, Schwindel, Übelkeit oder Erbrechen, Durchfall, Verwirrtheit, allergische Reaktionen an der Klebestelle [6] |
| NMDA-Rezeptor-Antagonisten | Memantin | Wirkt laut Packungsbeilage an NMDA-Rezeptoren, die an der Übertragung der Nervensignale für Lernen und Erinnerung beteiligt sind [8]; laut Patientenleitlinie normalisiert es die Überaktivität des Botenstoffs Glutamat [2] | Häufig: Kopfschmerzen, Schläfrigkeit, Verstopfung, erhöhte Leberfunktionswerte, Schwindel, Gleichgewichtsstörungen, Kurzatmigkeit, erhöhter Blutdruck, Arzneimittelüberempfindlichkeitsreaktionen [8] |
| Antipsychotika (bei Wahn, Halluzinationen, Aggression) | Risperidon, Haloperidol | Risperidon hat laut Fachinformation eine hohe Affinität zu Andockstellen für Serotonin (5-HT2) und Dopamin (D2) [11]; Haloperidol blockiert stark Dopamin-D2-Rezeptoren und unterdrückt so Wahnvorstellungen und Halluzinationen [13] | Risperidon, sehr häufig: Ein- oder Durchschlafschwierigkeiten, Parkinsonismus mit langsamen oder steifen Bewegungen, Schläfrigkeit, Kopfschmerzen [10]. Haloperidol, sehr häufig: unkontrollierte Bewegungen (extrapyramidale Störungen), Agitiertheit, Schlafstörungen, Kopfschmerzen [12] |
Antikörper gegen Amyloid
In der EU sind seit 2025 die Antikörper Lecanemab und Donanemab zugelassen [1]. Sie binden laut Patientenleitlinie an Amyloid-Ablagerungen im Gehirn und regen das Immunsystem an, diese abzubauen; gegeben werden sie als Infusion alle zwei oder vier Wochen [2]. Zugelassen sind sie für Erwachsene mit leichter kognitiver Störung oder leichter Demenz aufgrund der Alzheimer-Krankheit mit bestätigter Amyloid-Pathologie, die keine oder nur eine Kopie der Genvariante ApoE ε4 tragen [16, 17]. Die Leitlinie schlägt sie unter diesen Bedingungen nach sorgfältiger Aufklärung über alternative Möglichkeiten und eingebettet in einen umfassenden medizinischen und psychosozialen Behandlungsplan vor (schwache Empfehlung); die DEGAM spricht in einem Sondervotum zum jetzigen Zeitpunkt keine Empfehlung für oder gegen die Therapie in der Regelversorgung aus, unter anderem weil das IQWiG für beide Mittel keinen Zusatznutzen feststellen konnte [1].
Amyloid-bedingte Bildgebungsanomalien (ARIA), zum Beispiel kleine Blutungen im Gehirn, können laut Packungsbeilage von Lecanemab bei mehr als 1 von 10 Behandelten auftreten, vorübergehende Flüssigkeitsansammlungen im Gehirn bei bis zu 1 von 10; Anzeichen sind unter anderem Kopfschmerzen, Verwirrtheit, Schwindelgefühl, verschwommenes Sehen, Übelkeit, Gangunsicherheit oder Krampfanfälle [16]. Laut Packungsbeilage von Donanemab haben die meisten Menschen mit ARIA keine Symptome; es gab Fälle mit schwerwiegenden Symptomen, wenige davon tödlich [17]. Bemerken Sie mögliche Anzeichen von ARIA, wenden Sie sich laut den Packungsbeilagen beider Mittel unverzüglich an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt [16, 17]. Vor und während der Behandlung sind regelmäßige MRT-Kontrollen nötig; wer eine starke Blutverdünnung braucht oder eine unkontrollierte Blutungsstörung hat, darf nicht damit behandelt werden [2].
Depression, Wahn, Unruhe und Schlafstörungen
Psychopharmaka sollten laut Leitlinie erwogen werden, wenn nicht medikamentöse Maßnahmen nicht wirksam oder nicht umsetzbar sind; in Notfällen kann eine direkte Behandlung erforderlich sein [1].
- Depression: Bei Alzheimer-Demenz schlägt die Leitlinie Mirtazapin oder Sertralin vor (schwache Empfehlung) [1]. Abgeraten wird bei Demenz laut Patientenleitlinie unter anderem von Amitriptylin, Imipramin, Clomipramin, Paroxetin und Venlafaxin [2]. Mehr: Antidepressiva.
- Wahn und Halluzinationen: Ist eine medikamentöse Behandlung nötig, schlägt die Leitlinie Risperidon als erste oder Haloperidol als zweite Wahl vor, zeitlich begrenzt und in möglichst geringer Dosis (schwache Empfehlung); für Psychose bei Demenz ist Risperidon laut Leitlinie nicht zugelassen (Off-label) [1]. Haloperidol ist laut Fachinformation bei mittelschwerer bis schwerer Alzheimer-Demenz und vaskulärer Demenz für anhaltende Aggression und psychotische Symptome zugelassen, wenn nicht medikamentöse Therapien versagt haben und ein Risiko für Selbst- oder Fremdgefährdung besteht; bei Parkinson und Lewy-Körper-Demenz darf es nicht angewendet werden [13]. Bei Psychose bei Parkinson-Krankheit schlägt die Leitlinie Clozapin vor (schwache Empfehlung) [1]; zugelassen ist es laut Fachinformation dafür nach Versagen der Standardtherapie, und wegen des Risikos einer Agranulozytose sind laut Rote-Hand-Brief vom 08.09.2025 regelmäßige Blutbildkontrollen vorgesehen [9, 22].
- Agitiertheit und Aggression: Bei pharmakologisch behandlungsbedürftigem Verhalten schlägt die Leitlinie Risperidon als erste oder Haloperidol als zweite Wahl zeitlich begrenzt vor und regelmäßige Absetzversuche im Abstand von wenigen Wochen (jeweils schwache Empfehlung) [1]. Risperidon ist laut Fachinformation für die Kurzzeitbehandlung bis zu 6 Wochen bei anhaltender Aggression bei mäßiger bis schwerer Alzheimer-Demenz zugelassen, wenn nicht medikamentöse Maßnahmen nicht helfen und ein Risiko für Eigen- und Fremdgefährdung besteht [11].
- Schlafstörungen und Angst: Eine durch höherwertige Evidenz gesicherte medikamentöse Empfehlung gibt es laut Leitlinie für beides nicht; bei Schlafstörungen können Melperon oder Pipamperon im Rahmen ihrer Zulassung eingesetzt werden (Expertenkonsens). Bei Angst sollten Benzodiazepine laut Leitlinie wegen Abhängigkeitspotenzial mit dem Risiko eines Entzugsdelirs, Verschlechterung der Kognition und Sturzgefahr vermieden werden [1].
Nebenwirkungen der Medikamente
Die Nebenwirkungen der Acetylcholinesterasehemmer treten laut Leitlinie dosisabhängig auf und sind im Regelfall vorübergehend; anhaltende Beschwerden wie Übelkeit, Durchfall, Harninkontinenz, Schlafstörungen oder erhöhte Reizbarkeit können im Einzelfall zur Beendigung der Therapie führen [1]. Mehr: Übelkeit, Durchfall, Schwindel und Appetitlosigkeit.
- Herz: Laut Rote-Hand-Brief vom 13.12.2021 wurden unter Donepezil Fälle von QTc-Intervallverlängerung und Torsade de Pointes berichtet; Vorsicht ist geboten bei bestehender oder familiärer QTc-Verlängerung, bei Mitteln, die das QTc-Intervall beeinflussen, und bei relevanten Herzerkrankungen oder Elektrolytstörungen [5]. Mehr: QT-Verlängerung und Langsamer Puls.
- Pflaster richtig anwenden: Laut Informationsbrief vom 22.04.2010 kam es beim Rivastigmin-Pflaster zu Anwendungsfehlern, die zum Teil zu Überdosierungen führten; am häufigsten wurden Pflaster nicht entfernt und mehrere gleichzeitig angewendet; pro Tag darf nur ein Pflaster aufgeklebt werden, das Pflaster des Vortags muss vorher entfernt werden [7].
- Haut bei Galantamin: Laut Informationsbrief vom 22.09.2015 wurde bei Behandelten, die Galantamin (Reminyl) erhielten, über schwerwiegende Hautreaktionen berichtet (Stevens-Johnson-Syndrom, akute generalisierte exanthematische Pustulose); die Therapie sollte beim ersten Auftreten eines Hautausschlags beendet werden, und Behandelte sollen über die Anzeichen schwerer Hautreaktionen informiert werden [18]. Mehr: Schwere Hautreaktionen.
- Antipsychotika: Laut Fachinformation von Risperidon war die Sterblichkeit älterer Menschen mit Demenz unter atypischen Antipsychotika einschließlich Risperidon in Studien höher als unter Placebo; unter einigen atypischen Antipsychotika war in Studien bei Menschen mit Demenz das Risiko für Durchblutungsstörungen des Gehirns erhöht [11]. Laut Fachinformation von Haloperidol besteht bei älteren Menschen mit demenzbedingter Psychose unter Antipsychotika ein erhöhtes Sterblichkeitsrisiko, bei Haloperidol möglicherweise ausgeprägter als bei atypischen Mitteln [13]. Auch die Packungsbeilagen von Melperon und Pipamperon nennen einen geringen Anstieg der Todesfälle [14, 15]. Mit dem Entwässerungsmittel Furosemid zusammen war die Sterblichkeit unter Risperidon in Studien höher [11]. Die Patientenleitlinie nennt außerdem Risiken für Müdigkeit, Sturzneigung, Thrombosen und Lungenentzündungen [2]. Bei Operationen am Grauen Star besteht unter Risperidon laut Rote-Hand-Brief vom 09.09.2013 das Risiko eines Floppy-Iris-Syndroms [21]. Mehr: Parkinsonismus.
- Stürze: Die Leitlinie empfiehlt, Medikamente, die die Sturzgefahr erhöhen, bei Menschen mit Demenz zu vermeiden (Expertenkonsens), und schlägt eine regelmäßige Überprüfung der Medikation vor, um Mehrfachverordnungen, Wechselwirkungen und Nebenwirkungen zu verringern (schwache Empfehlung) [1]. Als häufige Nebenwirkung von Donepezil nennt die Packungsbeilage Unfälle, weil Behandelte anfälliger dafür sind, hinzufallen oder sich zu verletzen [4].
Absetzen: Laut Packungsbeilage sollte Donepezil keinesfalls eigenmächtig ohne ärztlichen Rat abgesetzt werden; nach dem Absetzen klingt die günstige Wirkung langsam ab [4]. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Mehr: Risperidon absetzen und Medikamente absetzen.
Nebenwirkung melden: Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, wenden Sie sich laut Packungsbeilage an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke; Sie können sie auch direkt dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) melden [4]. Wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden.
Leben mit Demenz
Autofahren: Bei mittelschwerer und schwerer Demenz ist die Fahreignung laut Leitlinie aufgehoben; bei leichter Demenz sollte sie im Einzelfall geprüft werden, bei leichter Demenz oder leichter kognitiver Störung mindestens jährlich (Expertenkonsens) [1]. Laut Packungsbeilage von Donepezil dürfen Sie kein Fahrzeug führen und keine Maschinen bedienen, wenn Ihre Ärztin oder Ihr Arzt es Ihnen nicht ausdrücklich erlaubt [4]. Mehr: Medikamente und Autofahren.
Medikamentenplan: Bringen Sie laut Patientenleitlinie zu jedem Arztbesuch einen aktuellen Medikamentenplan mit und fragen Sie, ob alle Medikamente noch sinnvoll sind [2]. Mehr: Viele Medikamente gleichzeitig.
Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen
Gedanken, sich das Leben zu nehmen. Alzheimer-Demenz wird laut Packungsbeilage von Memantin mit Depression, Suizidgedanken und Suizid in Verbindung gebracht [8]. Laut Leitlinie fand eine amerikanische Registerstudie kurz nach der Diagnose einer leichten kognitiven Störung oder einer Demenz mehr Suizidversuche als in einer Vergleichsgruppe, aber keine erhöhte Suizidrate [1]. Suizidversuche aller Art nennt die Kassenärztliche Bundesvereinigung als Fall für die Notrufnummer 112 [20]. Die TelefonSeelsorge ist Tag und Nacht kostenlos und anonym erreichbar unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123 [19]. Kann die Behandlung nicht bis zum nächsten Tag warten, hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117, rund um die Uhr und kostenfrei [20].
Zeichen eines Schlaganfalls. Bemerken Sie oder Ihre Betreuungsperson unter Risperidon eine plötzliche Veränderung des geistigen Zustandes, eine plötzliche Schwäche oder Gefühllosigkeit in Gesicht, Armen oder Beinen, besonders auf einer Seite, oder eine verwaschene Sprache, selbst für kurze Zeit, ist laut Packungsbeilage eine medizinische Behandlung unverzüglich erforderlich [10]. Bei plötzlichen neuen Beschwerden wie Lähmungen, Sprachstörungen oder starken Kopfschmerzen unter einer Antikörper-Therapie muss laut Patientenleitlinie sofort ärztlich abgeklärt werden, ob ein Schlaganfall oder eine Nebenwirkung vorliegt [2]. Mehr: Schlaganfall.
Weitere Warnzeichen. Unter Donepezil informieren Sie laut Packungsbeilage umgehend Ihre Ärztin oder Ihren Arzt bei Gelbfärbung von Haut und Augen oder dunklem Urin, bei schwarzem, teerähnlichem Stuhl oder sichtbarem Blut aus dem Enddarm, bei Krampfanfällen, bei Fieber mit Muskelsteifigkeit und bei schnellem, unregelmäßigem Herzschlag mit Ohnmacht [4]. Beim Rivastigmin-Pflaster nehmen Sie laut Packungsbeilage bei schweren Nebenwirkungen, etwa Ohnmachtsanfällen, Verwirrtheit, zu langsamem Herzschlag oder Krampfanfällen, das Pflaster sofort ab und informieren Ihre Ärztin oder Ihren Arzt [6]. Bewusstlosigkeit und akute, anhaltende Krampfanfälle sind laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung Fälle für die 112 [20].
Quellen
- Leitlinie S3-Leitlinie Demenzen, Living Guideline, Langfassung, Version 6.1 (AWMF-Register-Nr. 038-013). Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) und Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN). Stand Fassung vom 27.04.2026 (Version 6.0 gültig ab 24.02.2026, voraussichtlich bis 23.02.2027). abgerufen am 18.10.2026
- Leitlinie Leitlinie Demenz für Patient*innen und Angehörige (Patientenleitlinie zur S3-Leitlinie Demenzen, AWMF-Register-Nr. 038-013), 1. Auflage. DGPPN und DGN, gefördert von der Deutschen Hirnstiftung. Stand April 2026. abgerufen am 18.10.2026
- Alzheimer-Demenz. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand aktualisiert am 12.05.2025. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Donepezil-HCl-ratiopharm 10 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 01/2023. abgerufen am 18.10.2026
- Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu Donepezil: QTc-Intervallverlängerung und Torsade de Pointes. Zulassungsinhaber donepezilhaltiger Arzneimittel in Abstimmung mit dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand 13.12.2021. abgerufen am 18.10.2026
- EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Exelon (Rivastigmin), Anhang I: Fachinformation und Anhang III B: Packungsbeilagen Exelon transdermales Pflaster und Exelon Hartkapseln. Novartis Europharm Limited (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 02/2026 (EMA, aktualisiert am 24.02.2026). abgerufen am 18.10.2026
- Rote-Hand-Brief Informationsbrief zu Exelon/Prometax transdermale Pflaster (Rivastigmin): unsachgemäße Anwendung und Medikationsfehler. Novartis Pharma GmbH in Absprache mit EMA und BfArM (veröffentlicht vom BfArM am 29.04.2010). Stand 22.04.2010. abgerufen am 18.10.2026
- EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Ebixa (Memantin), Anhang III B: Packungsbeilage Ebixa 10 mg Filmtabletten. H. Lundbeck A/S (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 07/2026 (EMA, aktualisiert am 08.07.2026). abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Clozapin-ratiopharm Tabletten (Version 7). ratiopharm GmbH. Stand 06/2026. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Risperidon AbZ 1 mg Filmtabletten. AbZ-Pharma GmbH. Stand 05/2023. abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Risperidon AbZ Filmtabletten. AbZ-Pharma GmbH. Stand 03/2026. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Haloperidol-ratiopharm 5 mg und 10 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2025. abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Haloperidol-ratiopharm Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2025. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Melperon STADA 25 mg Filmtabletten. STADAPHARM GmbH. Stand 06/2025. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Pipamperon-neuraxpharm 40 mg Tabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 10/2025. abgerufen am 18.10.2026
- EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Leqembi (Lecanemab), Anhang I: Fachinformation und Anhang III B: Packungsbeilage. Eisai GmbH (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand EMA, aktualisiert am 05.08.2026. abgerufen am 18.10.2026
- EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Kisunla (Donanemab), Anhang I: Fachinformation und Anhang III B: Packungsbeilage. Eli Lilly Nederland B.V. (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand EMA, aktualisiert am 26.02.2026. abgerufen am 18.10.2026
- Rote-Hand-Brief Informationsbrief zu Reminyl (Galantaminhydrobromid): Schwerwiegende Hautreaktionen; Stevens-Johnson-Syndrom und akute generalisierte exanthematische Pustulose. Janssen-Cilag GmbH in Abstimmung mit dem BfArM. Stand 22.09.2015. abgerufen am 18.10.2026
- TelefonSeelsorge Deutschland (Startseite). TelefonSeelsorge Deutschland. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
- Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Abschnitte "116117 oder 112?" und "Fälle für die Notrufnummer 112"). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
- Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu risperidonhaltigen oder paliperidonhaltigen Arzneimitteln: Risiko eines intraoperativen Floppy Iris Syndroms (IFIS). Janssen-Cilag GmbH in Abstimmung mit EMA und Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand 09.09.2013. abgerufen am 18.10.2026
- Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu Clozapin: Überarbeitete Empfehlungen zur routinemäßigen Blutbildkontrolle im Hinblick auf das Risiko einer Agranulozytose. Zulassungsinhaber clozapinhaltiger Arzneimittel in Abstimmung mit EMA und Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand 08.09.2025. abgerufen am 18.10.2026
Häufige Fragen
Welche Medikamente gibt es gegen Demenz?
Bei der Alzheimer-Demenz empfiehlt die S3-Leitlinie Demenzen (Version 6.1, 2026) im leichten bis mittelschweren Stadium Acetylcholinesterasehemmer wie Donepezil, Galantamin und Rivastigmin und im mittelschweren bis schweren Stadium Memantin, jeweils als starke Empfehlung; die DEGAM schlägt beide in Sondervoten nur vor. Den Ginkgo-biloba-Extrakt EGb 761 schlägt sie bei leichter bis mittelgradiger Alzheimer-Demenz oder vaskulärer Demenz mit nicht psychotischen Verhaltenssymptomen vor (schwache Empfehlung). Für die frühe Alzheimer-Krankheit sind seit 2025 die Antikörper Lecanemab und Donanemab zugelassen. Gegen Depression, Unruhe oder Wahn kommen weitere Psychopharmaka infrage.
Kann man eine Demenz aufhalten oder heilen?
Aufhalten oder heilen lässt sich die Alzheimer-Demenz laut IQWiG nicht; ihr Verlauf lässt sich aber durch medikamentöse und nicht medikamentöse Behandlungen positiv beeinflussen. Acetylcholinesterasehemmer und Memantin sind laut Leitlinie symptomatische Therapien. Die Antikörper Lecanemab und Donanemab können laut Patientenleitlinie das Fortschreiten im frühen Stadium verlangsamen. Ähnliche Beschwerden können laut IQWiG auch behandelbare Ursachen haben, etwa einen Vitaminmangel oder Nebenwirkungen von Medikamenten; lassen Sie Vergesslichkeit deshalb ärztlich abklären.
Für wen kommen Lecanemab und Donanemab infrage?
Zugelassen sind beide für Erwachsene mit leichter kognitiver Störung oder leichter Demenz aufgrund der Alzheimer-Krankheit, bei denen Amyloid-Ablagerungen nachgewiesen wurden und die keine oder nur eine Kopie der Genvariante ApoE ε4 tragen. Die Leitlinie schlägt sie unter diesen Bedingungen nach sorgfältiger Aufklärung über andere Möglichkeiten und eingebettet in einen umfassenden Behandlungsplan vor (schwache Empfehlung); die DEGAM spricht in einem Sondervotum zum jetzigen Zeitpunkt keine Empfehlung für oder gegen die Therapie in der Regelversorgung aus. Vor und während der Behandlung sind regelmäßige MRT-Kontrollen nötig, weil Flüssigkeitsansammlungen und kleine Blutungen im Gehirn (ARIA) auftreten können. Wer eine starke Blutverdünnung braucht oder eine unkontrollierte Blutungsstörung hat, darf laut Patientenleitlinie nicht damit behandelt werden. Mögliche Anzeichen von ARIA wie Kopfschmerzen, Verwirrtheit, Schwindelgefühl, Sehstörungen, Übelkeit oder Krampfanfälle melden Sie laut Packungsbeilagen unverzüglich Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Hilft Ginkgo bei Demenz?
Die S3-Leitlinie schlägt den Ginkgo-biloba-Extrakt EGb 761 bei leichter bis mittelgradiger Alzheimer-Demenz oder vaskulärer Demenz mit nicht psychotischen Verhaltenssymptomen vor (schwache Empfehlung). Der Wirkmechanismus ist laut Patientenleitlinie nicht genau bekannt; enthalten ist kein einzelner Wirkstoff, sondern ein Pflanzenextrakt, und die Wirksamkeit bei Demenz ist wissenschaftlich umstritten. Als Nebenwirkung nennt die Patientenleitlinie Kopfschmerzen. Ginkgo ist laut Patientenleitlinie nicht verschreibungspflichtig, wird aber erstattet, wenn es verschrieben wird. Fragen Sie laut Patientenleitlinie bei jedem neuen Medikament nach, ob es bei Demenz verträglich ist und ob Wechselwirkungen mit Ihren bisherigen Medikamenten bestehen.
Was hilft bei Unruhe und Aggression bei Demenz?
Der erste Schritt ist laut Leitlinie eine Verhaltensanalyse mit der Suche nach Ursachen; mögliche Auslöser sind laut Patientenleitlinie etwa Einsamkeit, Überforderung oder Schmerzen. Bei agitiertem Verhalten empfiehlt die Leitlinie personalisierte Aktivierung, Musiktherapie oder Berührungstherapie (starke Empfehlung). Ist eine medikamentöse Behandlung nötig, schlägt sie Risperidon als erste oder Haloperidol als zweite Wahl zeitlich begrenzt vor (schwache Empfehlung). Bei älteren Menschen mit Demenz ist unter Antipsychotika laut Fachinformationen die Sterblichkeit erhöht und das Risiko für Durchblutungsstörungen des Gehirns gesteigert.
Was ist der Unterschied zwischen Demenz und Alzheimer?
Demenz ist ein Oberbegriff für Erkrankungen, bei denen geistige Fähigkeiten so stark nachlassen, dass der Alltag nicht mehr ohne Hilfe gelingt. Die Alzheimer-Krankheit ist laut Leitlinie mit 60 bis 80 Prozent die häufigste Ursache, gefolgt von der vaskulären Demenz mit etwa 5 bis 10 Prozent. Bei der Alzheimer-Krankheit lassen sich laut Patientenleitlinie die krankhaften Eiweiße Amyloid und Tau im Nervenwasser oder mit einer PET nachweisen.
Wie lange werden Antidementiva eingenommen?
Die Leitlinie schlägt vor, Acetylcholinesterasehemmer bei der Alzheimer-Demenz langfristig einzusetzen, auch bei Verschlechterung der Beschwerden (schwache Empfehlung); im Stadium der schweren Demenz ist die Weiterverordnung laut einem Sondervotum der DEGAM nicht zugelassen (Off-label). Die DEGAM schlägt außerdem in einem Sondervotum vor, bei Beginn einer Behandlung mit Antidementiva über die Notwendigkeit der Therapiekontrolle und gegebenenfalls des Absetzens zu informieren. Laut Packungsbeilage von Donepezil klingt die günstige Wirkung nach dem Absetzen langsam ab. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.
Können Medikamente Demenz-Beschwerden verursachen?
Vergesslichkeit, Verhaltensänderungen und Orientierungsprobleme können laut IQWiG auch durch Nebenwirkungen von Medikamenten entstehen, ebenso etwa durch Depressionen oder einen Flüssigkeits- oder Vitaminmangel. Bei Demenz können laut Patientenleitlinie einige Medikamente, etwa manche Antidepressiva und Antipsychotika, den Mangel an Acetylcholin verstärken und so die Beschwerden verschlimmern. Bringen Sie laut Patientenleitlinie zu jedem Arztbesuch einen aktuellen Medikamentenplan mit. Mehr unter Vergesslichkeit und Verwirrtheit durch Medikamente.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
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