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Melperon: Nebenwirkungen und Wirkung

Melperon ist ein verschreibungspflichtiges Neuroleptikum aus der Gruppe der Butyrophenone. Es wird bei Schlafstörungen, Verwirrtheitszuständen sowie Unruhe und Erregungszuständen angewendet, insbesondere in der Altersmedizin und der Psychiatrie und bei Alkohol-Krankheit. Zu Beginn der Behandlung können Müdigkeit, ein Blutdruckabfall und ein beschleunigter Herzschlag auftreten. Bei hohem Fieber mit Muskelsteife sollte die Behandlung sofort beendet und unverzüglich ärztliche Hilfe gesucht werden.

Ältere Frau mit weißem Haar sitzt am Nachmittag ruhig in einem Sessel in einem hellen Wohnzimmer, eine jüngere Frau sitzt neben ihr und hält ihre Hand
Bild: KI-generiert

Wofür wird Melperon eingesetzt?

Melperon ist ein Mittel aus der Gruppe der Butyrophenone zur Behandlung von Unruhe und Erregungszuständen bei speziellen geistig-seelischen Erkrankungen und gehört zu den Antipsychotika (Neuroleptika) [1, 2]. Es wird angewendet zur Behandlung von Schlafstörungen und Verwirrtheitszuständen und zur Dämpfung von psychomotorischer Unruhe und Erregungszuständen, insbesondere bei Patientinnen und Patienten der Altersmedizin (Geriatrie) und der Psychiatrie [1, 2]. Genannt werden außerdem Psychosen, Oligophrenie, organisch bedingte Demenz, Psychoneurosen (wenn Beruhigungsmittel vom Typ der Tranquilizer wegen Unverträglichkeit oder Abhängigkeitsgefahr nicht angewendet werden können) und die Alkohol-Krankheit [1, 2].

Melperon ist verschreibungspflichtig [2]. Die Packungsbeilage richtet sich an Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren; Kinder unter 12 Jahren dürfen nicht mit Melperon behandelt werden [1, 2].

Wie wirkt Melperon?

Laut Fachinformation ist Melperon ein schwach bis mittelstark wirkendes Neuroleptikum. Butyrophenone blockieren im Tierversuch die Bindungsstellen des Botenstoffs Dopamin und verringern so dessen Wirkung; Melperon zeigt im Laborversuch eine im Vergleich zu seiner Wirkung gegen Dopamin starke Wirkung gegen den Botenstoff Serotonin [2]. Je nach Dosis führt Melperon zunächst zu einer Entspannung mit erhöhter Schlafbereitschaft; erst bei höheren Dosierungen tritt eine antipsychotische Wirkung ein, die Sinnestäuschungen und Wahnvorstellungen beeinflusst [2]. Das Beratungszentrum Embryotox beschreibt Melperon als stark beruhigend und nur in höherer Dosierung auch antipsychotisch wirksam [3].

Melperon wird rasch und vollständig aufgenommen; die höchsten Konzentrationen im Blut wurden 1 bis 1,5 Stunden nach der Einnahme gemessen. Die Halbwertszeit (die Zeit, in der sich die Menge im Blut halbiert) lag nach einmaliger Einnahme bei 4 bis 6 Stunden und steigt bei wiederholter Gabe auf etwa 6 bis 8 Stunden. Die Leber baut Melperon rasch und nahezu vollständig ab [2]. Die erwünschten Wirkungen treten manchmal erst nach einer zwei- bis dreiwöchigen Behandlung auf [1, 2].

Nebenwirkungen nach Häufigkeit

Packungsbeilage und Fachinformation von Melperon geben für die meisten Nebenwirkungen keine Häufigkeit an. Ausdrücklich mit der Häufigkeit "nicht bekannt" (also aus den verfügbaren Daten nicht abschätzbar) nennen sie nur Blutgerinnsel in den Venen und, in der Fachinformation, ein Entzugssyndrom bei Neugeborenen; nur diese beiden stehen in der Liste unten [1, 2]. Alle übrigen Nebenwirkungen beschreiben die Quellen ohne Häufigkeit; sie folgen hier im Text. Wie Sie Häufigkeitsangaben einordnen, erklärt der Ratgeber Beipackzettel verstehen.

Müdigkeit, Kreislauf und Herz: Insbesondere zu Beginn der Behandlung kann Müdigkeit auftreten. Ein Blutdruckabfall, auch beim Aufstehen, und ein beschleunigter Herzschlag können insbesondere zu Beginn und bei höherer Dosierung auftreten [1, 2]. Melperon kann das QT-Intervall im EKG verlängern; unter Umständen können schwere Herzrhythmusstörungen (Torsade de pointes) auftreten, und dann ist die Behandlung durch die Ärztin oder den Arzt zu beenden. Bei Herzerkrankungen sollten regelmäßig EKG-Kontrollen erfolgen [1, 2]. Mehr unter Müdigkeit, niedriger Blutdruck und QT-Verlängerung.

Bewegungsstörungen: Insbesondere bei hoher Dosierung oder besonderer Empfindlichkeit können Störungen der unwillkürlichen Bewegungsabläufe auftreten: Frühdyskinesien wie krampfartiges Herausstrecken der Zunge, Verkrampfung der Schlundmuskulatur, Augenmuskelstörungen, Schiefhals, Versteifung der Rückenmuskulatur und Kiefermuskelkrämpfe, außerdem Störungen wie bei der Parkinson-Erkrankung mit Zittern und Steifigkeit sowie eine Akathisie, also Bewegungsdrang und Unfähigkeit, sitzen zu bleiben [1, 2]. Dann kann die Ärztin oder der Arzt die Dosis verringern und/oder ein Gegenmittel geben; nach dem Absetzen bilden sich diese Störungen ganz zurück [1]. Nach meist längerer und hoch dosierter Behandlung kann es unter Umständen zu anhaltenden Bewegungsstörungen kommen (Spätdyskinesien), die sich nach heutigem Erkenntnisstand nur schwer behandeln lassen; unter Melperon wurde darüber bisher nur in Einzelfällen berichtet [1, 2]. Mehr unter Parkinson-Symptome.

Weitere Nebenwirkungen: Möglich sind vorübergehende Erhöhungen der Leberenzyme, Abflussstörungen der Galle (intrahepatische Cholestase) und Gelbsucht sowie allergische Hautreaktionen (Exantheme) [1, 2]. In Ausnahmefällen kommen Blutzellschäden vor, etwa eine gefährliche Verringerung der weißen Blutkörperchen; die Fachinformation nennt Leukopenie, Thrombozytopenie, Panzytopenie und Agranulozytose [1, 2]. Wie bei anderen Neuroleptika wurde ein malignes neuroleptisches Syndrom beobachtet [1, 2]. Vereinzelt können Störungen der Regelblutung, Absonderung von Milch aus der Brust, ein Anschwellen der Brust beim Mann, eine Störung der sexuellen Erregbarkeit und eine Gewichtszunahme auftreten [1, 2]. Nicht ausgeschlossen werden können Kopfschmerzen, Störungen der Temperaturregulation, Sehstörungen, Mundtrockenheit, das Gefühl einer verstopften Nase, ein erhöhter Augeninnendruck, Verstopfung, Schwierigkeiten beim Wasserlassen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Appetitverlust und ein ausgeprägter Natriummangel im Blut [1, 2]. Laut Fachinformation haben therapeutische Dosen in der Regel keinen oder nur einen geringen Einfluss auf Atmung, Kreislauf, Verdauung, Harnausscheidung und Leberfunktion [2]. Mehr unter Blutbild, Leberwerte, Natriummangel und Prolaktin und Brust.

Nicht bekanntHäufigkeit nicht abschätzbar oder in der Quelle nicht angegeben

  • Gefäße und KreislaufBlutgerinnsel in den Venen, vor allem in den Beinen (mit Schwellungen, Schmerzen und Rötungen der Beine), die möglicherweise über die Blutbahn in die Lunge gelangen und dort Brustschmerzen und Schwierigkeiten beim Atmen verursachen können; laut Fachinformation Thromboembolien einschließlich Lungenembolie und tiefer Venenthrombose[1, 2]Mehr dazu: BlutgerinnselAtemnot
  • SchwangerschaftEntzugssyndrom beim Neugeborenen nach Einnahme in der Schwangerschaft (Arzneimittelentzugssyndrom des Neugeborenen)[2]Mehr dazu: Absetz- und Entzugserscheinungen

Eine Häufigkeit sagt, wie oft eine Beschwerde während der Behandlung beobachtet wurde. Sie sagt nicht, dass das Medikament sie verursacht hat.

Wann Sie ärztliche Hilfe brauchen

Das maligne neuroleptische Syndrom ist laut Packungsbeilage eine seltene Überempfindlichkeitsreaktion; Fieber ist oft ein frühes Warnzeichen [1]. Bei älteren Menschen mit Demenz, die mit Antipsychotika behandelt wurden, wurde ein geringer Anstieg der Todesfälle im Vergleich zu Menschen ohne Antipsychotika berichtet [1, 2]. Bei Bettlägerigkeit, stark eingeschränkter Bewegungsfähigkeit oder entsprechender Vorbelastung ist bei allen Beruhigungsmitteln, auch bei Melperon, die Gefahr von Blutgerinnseln in Bein- und Beckenvenen zu beachten [1, 2]. Telefonnummern für den Ernstfall finden Sie unter Notfall und Giftnotruf.

Was Sie bei Nebenwirkungen tun können

Älterer Mann mit grauem Haar geht tagsüber langsam einen Gartenweg entlang, eine jüngere Frau geht neben ihm und stützt ihn am Arm
Bild: KI-generiert

Müdigkeit und Kreislauf: Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, wenden Sie sich an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke [1]. Weil Melperon das Reaktionsvermögen beeinträchtigen kann, sollten Sie das Führen von Fahrzeugen, das Bedienen von Maschinen und sonstige gefahrvolle Tätigkeiten ganz, zumindest aber in der ersten Phase der Behandlung unterlassen; die Entscheidung trifft Ihre Ärztin oder Ihr Arzt [1, 2]. Bei älteren Menschen ist die Behandlung wegen der meist höheren Empfindlichkeit vorsichtig durchzuführen; oft reicht eine niedrige Dosis aus [1, 2]. Allgemeine Hinweise gibt der Ratgeber Medikamente im Alter.

Bewegungsstörungen: Bemerken Sie Bewegungsstörungen, vor allem im Gesicht, suchen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt auf: Gegebenenfalls muss die Dosis verringert oder Melperon abgesetzt werden [1]. Muskelkrämpfe im Mund- und Gesichtsbereich sowie an Armen und Beinen sollten Sie der Ärztin oder dem Arzt sofort melden, auch nach dem Ende der Behandlung [1].

Blutbild: Vor der Behandlung ist das Blutbild zu kontrollieren [1, 2]. Folgen Sie der Aufforderung Ihrer Ärztin oder Ihres Arztes, sich zu Blutbildkontrollen einzufinden [1]. Bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum, Halsschmerzen, Fieber oder grippeähnlichen Beschwerden gehen Sie sofort zur Ärztin oder zum Arzt und nehmen keine fiebersenkenden oder schmerzlindernden Mittel ohne deren Zustimmung ein [1, 2].

Getränke: Nehmen Sie Melperon nicht mit Kaffee, Tee oder Milch ein: Es kann mit ihnen schwerlösliche Verbindungen bilden, wodurch die Aufnahme beeinträchtigt und die Wirkung abgeschwächt werden kann [1, 2]. Hintergründe in den Ratgebern Medikamente und Kaffee und Medikamente mit Milch.

Wechselwirkungen

Informieren Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke über alle Arzneimittel, die Sie anwenden, kürzlich angewendet haben oder anwenden wollen [1]. Zusammen mit Schlaf-, Schmerz- und Beruhigungsmitteln oder anderen dämpfenden Arzneimitteln kann es zu verstärkter Müdigkeit, Benommenheit und Atemstörungen kommen; mit trizyklischen Antidepressiva wie Amitriptylin können sich die Wirkungen gegenseitig verstärken [1, 2]. Arzneimittel, die ebenfalls das QT-Intervall verlängern, einen Kaliummangel verursachen oder den Abbau von Melperon in der Leber hemmen (etwa Cimetidin oder Fluoxetin), sollten nicht gleichzeitig angewendet werden [1, 2].

Melperon kann die Wirkung von Parkinson-Mitteln wie Levodopa abschwächen (siehe Levodopa/Benserazid); zusammen mit Metoclopramid können sich Bewegungsstörungen verstärken [1, 2]. Bei gleichzeitiger Behandlung mit Lithium sollten beide Mittel so niedrig wie möglich dosiert werden [1, 2]. Allgemeine Hinweise gibt der Ratgeber Wechselwirkungen.

Wechselwirkungen von Melperon
Zusammen mitWas passieren kannHinweis
Schlaf-, Schmerz- und Beruhigungsmittel und andere Mittel, die das zentrale Nervensystem dämpfen; laut Fachinformation auch AntihistaminikaVerstärkte Müdigkeit, Benommenheit und Atemstörungen; laut Fachinformation verstärkte Beruhigung oder Atemdepression[1, 2]Ärztin, Arzt oder Apotheke informieren
AlkoholDie Wirkung von Melperon wird in nicht vorhersehbarer Weise verändert und verstärkt; laut Fachinformation kann sich auch die Alkoholwirkung verstärken[1, 2]Während der Behandlung Alkohol meiden
Trizyklische AntidepressivaGegenseitige Wirkungsverstärkung möglich[1, 2]Ärztin oder Arzt informieren
Blutdrucksenkende MittelIhre Wirkung kann verstärkt werden[1, 2]Ärztin oder Arzt informieren
Mittel gegen die Parkinson-Krankheit (Dopamin-Agonisten, z. B. Levodopa oder Lisurid)Ihre Wirkung kann abgeschwächt werden[1, 2]Ärztin oder Arzt informieren
Dopamin-Antagonisten wie Metoclopramid (gegen Übelkeit und Magen-Darm-Störungen)Bestimmte Bewegungsstörungen (extrapyramidal-motorische Wirkungen) können sich verstärken[1, 2]Ärztin oder Arzt informieren
Anticholinerg wirkende Mittel wie AtropinDie anticholinerge Wirkung kann sich verstärken: Sehstörungen, erhöhter Augeninnendruck, Mundtrockenheit, beschleunigter Herzschlag, Verstopfung, Beschwerden beim Wasserlassen, Störungen der Speichelbildung, Sprechblockade, Gedächtnisstörungen oder vermindertes Schwitzen[1, 2]Ärztin oder Arzt informieren
Arzneimittel, die ebenfalls das QT-Intervall im EKG verlängern (z. B. Mittel gegen Herzrhythmusstörungen der Klassen IA oder III, Makrolid-Antibiotika, Antihistaminika), einen Kaliummangel verursachen (z. B. bestimmte Entwässerungsmittel) oder den Abbau von Melperon in der Leber hemmen (z. B. Cimetidin, Fluoxetin)Melperon kann selbst das QT-Intervall im EKG verlängern; unter Umständen können schwere Herzrhythmusstörungen (Torsade de pointes) auftreten[1, 2]Gleichzeitige Anwendung vermeiden
Prolaktinhemmer wie GonadorelinIhre Wirkung kann abgeschwächt werden; bisher nicht beobachtet, aber nicht auszuschließen[1, 2]Ärztin oder Arzt informieren
Anregende Mittel vom Amphetamin-TypIhre Wirkung wird vermindert; die gewünschte Wirkung von Melperon kann vermindert sein[1, 2]Ärztin oder Arzt informieren
Sympathomimetika wie Epinephrin (Adrenalin), Phenylephrin oder DopaminBei Epinephrin unerwarteter Blutdruckabfall und beschleunigter Herzschlag; die Wirkung von Phenylephrin und die Wirkung von Dopamin auf die Blutgefäße können abgeschwächt werden[1, 2]Ärztin oder Arzt informieren
Kaffee, Tee und MilchMelperon kann mit ihnen schwerlösliche Verbindungen bilden; dadurch kann die Aufnahme beeinträchtigt und die Wirkung abgeschwächt werden[1, 2]Melperon nicht mit Kaffee, Tee oder Milch einnehmen

Die Liste nennt die wichtigsten Wechselwirkungen aus der Produktinformation, nicht alle. Welche Mittel Sie zusammen einnehmen können, klären Sie am besten mit Ihrer Apotheke, auch bei rezeptfreien und pflanzlichen Mitteln.

Wer Melperon nicht oder nur mit Vorsicht nehmen sollte

Melperon darf unter anderem nicht eingenommen werden bei Vergiftungen und Bewusstlosigkeit durch Alkohol, Schlaf- und Schmerzmittel oder Psychopharmaka, bei hochgradiger Leberfunktionsstörung und nach einem malignen Neuroleptika-Syndrom in der Krankengeschichte; Kinder unter 12 Jahren dürfen nicht mit Melperon behandelt werden [1, 2]. Besondere Vorsicht gilt unter anderem bei Herzerkrankungen, bei einer Parkinson-Erkrankung, bei Blutbildveränderungen, bei erhöhtem Schlaganfallrisiko und bei Blutgerinnseln in der Vorgeschichte [1, 2]. Trifft einer der Punkte auf Sie zu, sprechen Sie vor der Einnahme mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke [1]. Hintergründe zur Erkrankung finden Sie auf den Seiten Parkinson und Demenz.

Nicht einnehmen bei

  • Allergie gegen Melperon, verwandte Wirkstoffe (Butyrophenone) oder einen der sonstigen Bestandteile[1, 2]
  • Vergiftungen und Bewusstlosigkeit durch Alkohol, Schlaf- und Schmerzmittel (Opiate, Hypnotika) oder Arzneimittel gegen geistig-seelische Störungen (Neuroleptika, Antidepressiva, Lithium)[1, 2]
  • Hochgradige Leberfunktionsstörung (Leberinsuffizienz)[1, 2]
  • Malignes Neuroleptika-Syndrom in der Krankengeschichte[1, 2]
  • Kinder unter 12 Jahren[1, 2]

Besondere Vorsicht bei

  • Vorschädigung des Herzens: Bei älteren Menschen und bei Herzvorschädigung können Störungen der Erregungsleitung im Herzen auftreten; eine regelmäßige Überwachung der Herzfunktion wird empfohlen[1, 2]
  • Parkinson-Erkrankung, die nicht durch Arzneimittel ausgelöst ist[1, 2]
  • Erkrankungen der blutbildenden Organe oder Veränderungen des Blutbilds (Leukozytopenie, Thrombozytopenie): Vor der Behandlung ist das Blutbild zu kontrollieren; bei abweichenden Werten darf Melperon nur bei zwingender Notwendigkeit und unter häufigen Blutbildkontrollen angewendet werden[1, 2]
  • Sehr niedriger Blutdruck oder Blutdruckabfall beim plötzlichen Aufstehen (orthostatische Dysregulation)[1, 2]
  • Bestimmte Geschwülste, die von dem Hormon Prolaktin abhängen, zum Beispiel Brusttumoren[1, 2]
  • Kaliummangel, verlangsamter Herzschlag (Bradykardie), angeborenes langes QT-Syndrom oder andere bedeutsame Herzschäden, Erregungsleitungsstörungen und Herzrhythmusstörungen; gleichzeitige Behandlung mit Arzneimitteln, die ebenfalls das QT-Intervall im EKG verlängern oder einen Kaliummangel hervorrufen können[1, 2]
  • Ältere Menschen mit Demenz: Bei Behandlung mit Antipsychotika wurde ein geringer Anstieg der Todesfälle berichtet. Laut Fachinformation zeigten zwei große Anwendungsstudien unter konventionellen Antipsychotika ein leicht erhöhtes Sterblichkeitsrisiko, dessen genaue Höhe und Ursache nicht bekannt sind; die Ärztin oder der Arzt prüft im Einzelfall, ob Melperon bei Verhaltensstörungen im Zusammenhang mit Demenz angewendet werden soll[1, 2]
  • Erhöhtes Schlaganfallrisiko oder vorübergehende Verringerung der Blutversorgung des Gehirns: Laut Fachinformation wurde in Studien mit an Demenz erkrankten Menschen unter einigen atypischen Antipsychotika ein etwa dreifach erhöhtes Risiko für Durchblutungsstörungen des Gehirns beobachtet; das kann auch für andere Antipsychotika nicht ausgeschlossen werden[1, 2]
  • Venöse Blutgerinnsel (Thrombosen) bei Ihnen oder in Ihrer Familie, Bettlägerigkeit oder stark eingeschränkte Bewegungsfähigkeit: Derartige Arzneimittel werden mit Blutgerinnseln in Verbindung gebracht; laut Fachinformation sollten alle möglichen Risikofaktoren vor und während der Behandlung erkannt und Vorbeugemaßnahmen ergriffen werden[1, 2]
  • Anfallsleiden (Epilepsie): Obwohl Melperon die Krampfschwelle möglicherweise etwas anhebt, sollte es nur unter Beibehaltung der Behandlung gegen Anfälle angewendet werden[1, 2]
  • Früher aufgetretene Nieren-, Leber- oder Kreislauffunktionsstörungen: Melperon sollte vorsichtig dosiert und die Funktionen sollten regelmäßig überprüft werden[1, 2]
  • Ältere Menschen: Wegen der meist höheren Empfindlichkeit gegenüber Medikamenten ist die Behandlung vorsichtig durchzuführen; oft reicht eine niedrige Dosis aus[1, 2]
  • Unverträglichkeit gegenüber bestimmten Zuckern: Die Filmtabletten enthalten Lactose; nehmen Sie sie dann erst nach Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ein[1]

Alkohol, Autofahren, Schwangerschaft

Während der Behandlung sollten Sie Alkohol meiden [1, 2]. Melperon kann auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch das Reaktionsvermögen beeinträchtigen [1, 2]. Laut Fachinformation soll Melperon in der Schwangerschaft nicht verordnet werden; wenn eine Anwendung in der Stillzeit zwingend erforderlich ist, muss abgestillt werden [1, 2]. Die Karten stellen die Angaben von Packungsbeilage, Fachinformation und dem Beratungszentrum Embryotox der Charité nebeneinander [1, 2, 3]. Mehr in den Ratgebern Medikamente und Alkohol und Medikamente und Autofahren.

Schwangerschaft

Möchten Sie während der Behandlung schwanger werden oder vermuten Sie eine Schwangerschaft, teilen Sie das umgehend Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt mit; sie oder er entscheidet über eine Umstellung auf ein anderes Arzneimittel oder einen Abbruch der Behandlung. Bei Neugeborenen, deren Mütter Melperon im letzten Schwangerschaftsdrittel einnahmen, können Zittern, Muskelsteifheit und/oder -schwäche, Schläfrigkeit, Ruhelosigkeit, Atembeschwerden und Schwierigkeiten beim Stillen auftreten; entwickelt Ihr Baby eines dieser Zeichen, sollten Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt kontaktieren.[1]

Laut Fachinformation liegen für Melperon keine klinischen Daten zu Schwangeren vor; Tierstudien haben eine Reproduktionstoxizität gezeigt, das mögliche Risiko für den Menschen ist nicht bekannt. Deshalb soll Melperon in der Schwangerschaft nicht verordnet werden.[2]

Embryotox gibt den Erfahrungsumfang als gering an: Bei den wenigen dokumentierten Schwangerschaften mit Einnahme im ersten Drittel ergaben sich keine Hinweise auf eine spezifische fehlbildende Wirkung, die Informationen reichen für eine differenzierte Risikobewertung aber nicht aus. Bei einer Neueinstellung sollten laut Embryotox wenn möglich besser erprobte Substanzen vorgezogen werden; die Entbindung sollte in einer Klinik mit Neonatologie (Neugeborenenmedizin) erfolgen. Besser geeignete Alternativen sind laut Embryotox Promethazin, bei Schlafstörungen auch Mirtazapin und Amitriptylin. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.[3]

Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.

Stillzeit

Es ist nicht bekannt, in welchem Ausmaß Melperon in die Muttermilch übergeht. Hält Ihre Ärztin oder Ihr Arzt eine Anwendung während der Stillzeit für zwingend erforderlich, müssen Sie abstillen.[1, 2]

Laut Embryotox liegen keine publizierten Erfahrungen vor; es ist anzunehmen, dass Melperon in die Muttermilch übergeht. Embryotox hält Stillen bei kurzfristiger, niedrig dosierter alleiniger Behandlung und guter Beobachtung des Kindes unter Vorbehalt für akzeptabel; treten beim Kind anders nicht erklärbare Beschwerden wie Schläfrigkeit, Bewegungsstörungen, Magen-Darm-Beschwerden, Trinkschwäche oder Unruhe auf, sollten Kinderärztin oder Kinderarzt und Embryotox kontaktiert werden.[3]

Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.

Alkohol

Während der Behandlung sollten Sie Alkohol meiden, weil er die Wirkung von Melperon in nicht vorhersehbarer Weise verändert und verstärkt.[1, 2]

Autofahren und Maschinen

Melperon kann auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch das Reaktionsvermögen so weit verändern, dass die Fähigkeit zur Teilnahme am Straßenverkehr oder zum Bedienen von Maschinen beeinträchtigt ist, in verstärktem Maß zusammen mit Alkohol. Sie sollten das Führen von Fahrzeugen, die Bedienung von Maschinen und sonstige gefahrvolle Tätigkeiten ganz, zumindest jedoch während der ersten Phase der Behandlung unterlassen; die Entscheidung trifft Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.[1, 2]

Einnahme

Die Filmtabletten vorzugsweise nach den Mahlzeiten oder vor dem Schlafengehen mit Flüssigkeit einnehmen, jedoch nicht mit Kaffee, Tee oder Milch. Die Tagesdosis wird auf mehrere Einzelgaben verteilt; für eine stärker beruhigende Wirkung kann die Ärztin oder der Arzt zum Abend eine höhere Dosis verordnen.[1, 2]

Die Behandlung kann normalerweise zeitlich unbegrenzt fortgeführt werden. Die erwünschten Wirkungen treten manchmal erst nach einer zwei- bis dreiwöchigen Behandlung auf; im Einzelfall kann die Dosis dann verringert werden.[1, 2]

Einnahme vergessen: zum nächsten vorgesehenen Zeitpunkt die verordnete Dosis nehmen, nicht die doppelte Menge.[1]

Absetzen

Möchten Sie die Behandlung unterbrechen, besprechen Sie das unbedingt vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Beenden Sie die Behandlung nicht eigenmächtig ohne ärztliche Beratung; Sie können damit den Behandlungserfolg gefährden.[1]

Laut Fachinformation kann die Behandlung mit Neuroleptika die Zeichen einer beginnenden Spätdyskinesie zunächst verdecken; nach dem Absetzen werden sie dann sichtbar.[2]

Überdosierung

Bei einer Überdosierung oder Vergiftung sofort eine Ärztin oder einen Arzt um Rat fragen, zum Beispiel über den Vergiftungsnotruf. Anzeichen können die Nebenwirkungen in verstärkter Form sein; je nach aufgenommener Menge bis zu Bewusstlosigkeit, Atemstörungen sowie Herz- und Kreislaufversagen. Unter Alkohol und anderen dämpfenden Mitteln treten die Zeichen verstärkt auf.[1]

Dosierung laut Packungsbeilage

Die Packungsbeilage nennt Tagesdosen für eine milde beruhigende Wirkung und für den Beginn der Behandlung bei unruhigen und verwirrten Patientinnen und Patienten sowie Hinweise für ältere Menschen, bei Nieren-, Leber- und Kreislauffunktionsstörungen und zur Kombination mit Lithium [1]. Die Übersicht gibt diese Angaben wieder und ersetzt nicht die Verordnung. Welche Dosis für Sie richtig ist, legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest [1].

Einnahme und Absetzen

Nehmen Sie Melperon immer genau nach Absprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ein [1]. Die Behandlung kann normalerweise zeitlich unbegrenzt fortgeführt werden; die erwünschten Wirkungen treten manchmal erst nach einer zwei- bis dreiwöchigen Behandlung auf, im Einzelfall kann dann die Dosis verringert werden [1, 2]. Möchten Sie die Behandlung unterbrechen, besprechen Sie das unbedingt vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt; ein eigenmächtiges Beenden kann den Behandlungserfolg gefährden [1]. Laut Fachinformation kann die Behandlung mit Neuroleptika die Zeichen einer beginnenden Spätdyskinesie zunächst verdecken, sodass diese erst nach dem Absetzen sichtbar werden [2]. Allgemeine Hinweise gibt der Ratgeber Medikamente absetzen.

Präparate mit Melperon

Melperon gibt es von mehreren Herstellern als Filmtabletten in verschiedenen Stärken und als Lösung zum Einnehmen. Grundlage dieser Seite sind die Packungsbeilage von Melperon STADA 25 mg Filmtabletten und die Fachinformation von Melperon STADA Filmtabletten und Lösung zum Einnehmen [1, 2]. Für andere Präparate gelten eigene Packungsbeilagen.

Präparate mit Melperon
PräparatAnbieterHinweis
Melneurinverschreibungspflichtig
Melperon AbZAbZ-Pharma GmbHverschreibungspflichtig; Filmtabletten mit 50 mg
Melperon-ratiopharmratiopharm GmbHverschreibungspflichtig; Filmtabletten mit 25, 50 oder 100 mg, Lösung zum Einnehmen
Melperon STADASTADAPHARM GmbHverschreibungspflichtig; Filmtabletten mit 25 mg, Lösung zum Einnehmen; Grundlage dieser Seite

Auswahl ohne Wertung. Präparate mit demselben Wirkstoff können sich in Stärke, Hilfsstoffen und zugelassenen Anwendungsgebieten unterscheiden. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.

Quellen

  1. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Melperon STADA 25 mg Filmtabletten. STADAPHARM GmbH. Stand 06/2025. abgerufen am 11.10.2026
  2. Fachinformation Fachinformation Melperon STADA 10 mg und 25 mg Filmtabletten, 25 mg/5 ml Lösung zum Einnehmen. STADAPHARM GmbH. Stand 06/2022. abgerufen am 11.10.2026
  3. Embryotox Embryotox: Melperon. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 11.10.2026

Häufige Fragen

Wofür wird Melperon eingesetzt?

Melperon wird angewendet zur Behandlung von Schlafstörungen und Verwirrtheitszuständen und zur Dämpfung von psychomotorischer Unruhe und Erregungszuständen, insbesondere bei Patientinnen und Patienten der Altersmedizin und Psychiatrie, bei Psychosen, Oligophrenie, organisch bedingter Demenz, bestimmten Psychoneurosen und bei Alkohol-Krankheit. Es ist verschreibungspflichtig und für Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren vorgesehen.

Wird Melperon bei Demenz gegeben?

Organisch bedingte Demenz gehört zu den Erkrankungen, bei denen Melperon laut Packungsbeilage angewendet wird. Zugleich wurde bei älteren Menschen mit Demenz, die Antipsychotika erhielten, ein geringer Anstieg der Todesfälle berichtet; laut Fachinformation prüft die Ärztin oder der Arzt deshalb im Einzelfall, ob Melperon bei Verhaltensstörungen im Zusammenhang mit Demenz angewendet werden soll. Plötzliche Erschlaffung, Taubheit in Gesicht, Armen oder Beinen sowie Sprach- oder Sehstörungen sollen unverzüglich der Ärztin oder dem Arzt berichtet werden.

Macht Melperon müde?

Ja, insbesondere zu Beginn der Behandlung kann Müdigkeit auftreten. Laut Fachinformation führt Melperon dosisabhängig zunächst zu einer Entspannung mit erhöhter Schlafbereitschaft. Weil das Reaktionsvermögen beeinträchtigt sein kann, sollten Sie Fahrzeuge, Maschinen und andere gefahrvolle Tätigkeiten ganz, zumindest aber in der ersten Phase der Behandlung meiden.

Wie schnell wirkt Melperon?

Laut Fachinformation sind die höchsten Konzentrationen im Blut 1 bis 1,5 Stunden nach der Einnahme erreicht; die Halbwertszeit lag nach einmaliger Einnahme bei 4 bis 6 Stunden und steigt bei wiederholter Gabe auf etwa 6 bis 8 Stunden. Die erwünschten Wirkungen treten manchmal erst nach einer zwei- bis dreiwöchigen Behandlung auf.

Darf ich Melperon mit Kaffee, Tee oder Milch einnehmen?

Nein. Melperon kann mit Kaffee, Tee und Milch schwerlösliche Verbindungen bilden; dadurch kann die Aufnahme in den Körper beeinträchtigt und die Wirkung abgeschwächt werden. Nehmen Sie die Filmtabletten deshalb mit einer anderen Flüssigkeit ein, vorzugsweise nach den Mahlzeiten oder vor dem Schlafengehen.

Darf ich während der Einnahme Alkohol trinken?

Sie sollten Alkohol meiden: Er verändert und verstärkt die Wirkung von Melperon in nicht vorhersehbarer Weise. Zusammen mit Alkohol ist auch das Reaktionsvermögen im Straßenverkehr stärker beeinträchtigt.

Ist Melperon gefährlich für das Herz?

Melperon kann besonders zu Beginn und bei höherer Dosierung den Blutdruck senken und den Herzschlag beschleunigen. Es kann das QT-Intervall im EKG verlängern; unter Umständen können schwere Herzrhythmusstörungen (Torsade de pointes) auftreten, dann wird die Behandlung beendet. Bei Herzerkrankungen sollten regelmäßig EKG-Kontrollen durchgeführt werden, bei älteren Menschen und bei Herzvorschädigung wird eine regelmäßige Überwachung der Herzfunktion empfohlen.

Wie hoch ist die Dosis von Melperon?

Die Dosis legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest. Der Grundsatz lautet, sie so gering und die Behandlung so kurz wie möglich zu halten; bei älteren Menschen reicht oft eine niedrige Dosis. Was die Packungsbeilage zur Dosis sagt, steht im Abschnitt "Dosierung laut Packungsbeilage" auf dieser Seite.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

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    Milch kann die Aufnahme mancher Medikamente verringern, etwa bestimmter Antibiotika.