Ratgeber
Medikamente bei Hitze
Bestimmte Medikamente können laut gesund.bund.de die Anpassung an Hitze erschweren, etwa wenn sie entwässernd wirken oder die Schweißproduktion vermindern; viele Arzneimittel verlieren bei Hitze außerdem ihre Wirksamkeit und sollten kühl aufbewahrt werden, ein entsprechender Hinweis steht in der Packungsbeilage. Ob die Einnahme von Medikamenten wie Diuretika oder Blutdrucksenkern an Hitzetagen angepasst werden muss, kann man laut IQWiG vorsorglich mit der Ärztin oder dem Arzt besprechen; die Dosierung ändern Sie nie ohne ärztlichen Rat. Bei Zeichen eines Hitzenotfalls wie Bewusstseinstrübung oder plötzlicher Verwirrtheit rufen Sie laut IQWiG sofort die 112.

Hitze kann bei Medikamenten auf zwei Wegen eine Rolle spielen. Bestimmte Medikamente können laut gesund.bund.de die Anpassung an Hitze erschweren, etwa wenn sie entwässernd wirken oder die Schweißproduktion vermindern; außerdem kann sich Hitze auf die Wirkdauer von Medikamenten und Wirkstoffpflastern auswirken [1]. Zudem können Arzneimittel laut dem Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) durch hohe Temperaturen ihre Wirksamkeit verlieren; wie ein Präparat aufzubewahren ist, steht in der Packungsbeilage [2].
In seinen Hinweisen für ältere und pflegebedürftige Menschen rät gesund.bund.de: Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte zu Beginn des Sommers mit der Hausärztin oder dem Hausarzt besprechen, ob und wie Medikamente bei extremen Hitzephasen angepasst werden können, und die Dosierung nie ohne ärztlichen Rat verändern [1]. Das BIÖG empfiehlt Menschen mit chronischen Erkrankungen, die Arzneimittel möglichst schon im Frühling, spätestens aber vor einer Hitzewelle ärztlich auf Hitzeverträglichkeit prüfen zu lassen [2].
Warum Hitze bei Medikamenten eine Rolle spielt
Der Körper kühlt sich vor allem über Schweiß ab, der auf der Haut verdunstet; außerdem wird die Haut stärker durchblutet, um Wärme abzugeben [3]. Bei extremer Hitze fällt es diesem Kühlsystem schwerer, die normale Körpertemperatur zu halten, häufig weil nicht genug getrunken und deshalb nicht genug Schweiß gebildet wird. Durch vermehrtes Schwitzen verliert der Körper außerdem Elektrolyte; ein Flüssigkeits- und Elektrolytmangel kann laut gesund.bund.de zu hitzebedingten Erkrankungen führen [3].
Chronische Erkrankungen können die Fähigkeit beeinflussen, die Körpertemperatur zu regulieren, und auch die Einnahme von Arzneimitteln wirkt sich laut BIÖG mitunter negativ auf den Wärmehaushalt des Körpers aus [2]. Einen negativen Einfluss auf die Hitzeverträglichkeit können laut BIÖG unter anderem diese Arzneimittel haben [2, 4]:
- blutdrucksenkende Mittel wie Betarezeptorenblocker (Betablocker) und Diuretika (Entwässerungsmittel)
- Benzodiazepine (laut BIÖG Schlaf verursachende und stark betäubende Mittel)
- Beruhigungsmittel (Sedativa)
- bestimmte Antidepressiva und Neuroleptika (Antipsychotika)
Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) zählt Menschen, die Beruhigungsmittel, entwässernde oder blutdrucksenkende Mittel einnehmen, und Menschen, die Antipsychotika, Anticholinergika oder Antidepressiva einnehmen, zu den bei Hitze besonders Gefährdeten [5]. Zwei weitere Punkte nennt das BIÖG: Bei Hitze und Flüssigkeitsmangel kann sich die Ausscheidung mancher Medikamente verändern, die über die Nieren oder die Leber abgebaut und ausgeschieden werden, sodass Wirkung und Nebenwirkungen stärker werden können; das sollten Sie laut BIÖG in Ihrer Hausarztpraxis oder Apotheke prüfen lassen. Und bei Wirkstoffpflastern kann die bei hohen Temperaturen stärker durchblutete Haut zu einer zu hohen Wirkstoffaufnahme führen [2]. Die Listen beschreiben Gruppen; welche Hinweise für ein einzelnes Präparat gelten, steht in seiner Packungsbeilage.
Welche Medikamente betroffen sein können
Die Tabelle zeigt Angaben aus Packungsbeilage und Fachinformation je eines Präparats zu Hitze und Flüssigkeitsverlust.
| Wirkstoff | Was die Packungsbeilage sagt | Mehr dazu |
|---|---|---|
| Buprenorphin (Pflaster) | Fieber und äußerliche Wärmeanwendung können die Hautdurchlässigkeit steigern, sodass Buprenorphin in größerer Menge als gewöhnlich ins Blut gelangt; äußere Wärme kann außerdem dazu führen, dass das Pflaster nicht mehr ausreichend klebt. Bei Fieber mit dem Arzt sprechen und äußerliche Wärmeanwendung vermeiden, zum Beispiel Sauna, Infrarot-Bestrahlung, elektrische Heizdecken und Wärmflaschen [6] | Vorsicht bei Buprenorphin |
| Fentanyl (Pflaster) | Das Pflaster keinen direkten Wärmequellen aussetzen wie Heizkissen, Heizdecken, Wärmflaschen, geheizten Wasserbetten, Wärme- oder Bräunungsstrahlern; keine Sonnenbäder, ausgedehnten heißen Bäder, Saunagänge oder heißen Whirlpool-Bäder, sonst kann sich die freigesetzte Menge erhöhen. Bei Fieber mit dem Arzt sprechen, weil Fieber die über die Haut aufgenommene Menge erhöhen kann [7] | Anwendung von Fentanyl |
| Furosemid (Tabletten) | Bei einem stärkeren Flüssigkeitsverlust, zum Beispiel durch Erbrechen, Durchfall oder intensives Schwitzen, ist eine besonders enge Überwachung erforderlich. Ein Mangel an Körperwasser muss korrigiert werden; das kann die zeitweilige Einstellung der Behandlung erfordern [8] | Warnzeichen bei Furosemid |
| Lithium (Retardtabletten) | Besondere Vorsicht ist erforderlich bei Wasserverlust (starkes Schwitzen, häufiges und vermehrtes Wasserlassen, starke Durchfälle oder Erbrechen). Achten Sie darauf, genügend Salz und Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Bei Erkrankungen mit starkem Erbrechen, heftigen Durchfällen oder hohem Fieber zum Arzt gehen [9] | Vorsicht bei Lithium |
| Metformin (Filmtabletten) | Dehydrierung erhöht das Risiko einer Laktatazidose. Hitzebelastung nennt die Packungsbeilage als Beispiel für einen Zustand, der mit einer Dehydrierung (erheblicher Verlust an Körperflüssigkeit) verbunden sein kann; für diesen Fall sieht sie vor, die Einnahme für kurze Zeit zu unterbrechen und mit dem Arzt über weitere Anweisungen zu sprechen [11] | Warnzeichen bei Metformin |
| Risperidon (Filmtabletten) | Vor der Einnahme mit dem Arzt oder Apotheker sprechen, wenn Sie Probleme haben, Ihre Körpertemperatur oder ein Überhitzen zu kontrollieren. Laut Fachinformation wurden Störungen der Fähigkeit des Körpers, seine Kerntemperatur zu senken, mit Antipsychotika in Verbindung gebracht; Sorgfalt empfiehlt sich bei der Verschreibung, wenn die Körpertemperatur zum Beispiel durch intensive körperliche Betätigung, extreme Hitzeeinwirkung, gleichzeitige Behandlung mit anticholinerg wirkenden Arzneimitteln oder Dehydrierung steigen kann [12, 13] | Vorsicht bei Risperidon |
| Rivastigmin (Pflaster) | Das Pflaster nicht über längere Zeit äußeren Wärmequellen aussetzen, zum Beispiel übermäßiger Sonnenstrahlung, Sauna oder Solarium. Laut Fachinformation kann es in allen Alltagssituationen getragen werden, auch beim Duschen oder Baden und bei heißem Wetter [14] | Rivastigmin im Alltag |
| Topiramat (Filmtabletten) | Vermindertes oder fehlendes Schwitzen ist als gelegentliche Nebenwirkung genannt, besonders bei kleinen Kindern, die hohen Umgebungstemperaturen ausgesetzt sind; dann den Arzt informieren oder sich umgehend in ärztliche Behandlung begeben. Laut Fachinformation kann eine angemessene Flüssigkeitszufuhr vor und während körperlicher Aktivität oder Wärmeexposition das Risiko hitzebezogener Nebenwirkungen reduzieren [15, 16] | Vorsicht bei Topiramat |
Die Tabelle ist eine Auswahl. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.
"Gelegentlich" heißt in der Packungsbeilage: kann bis zu 1 von 100 Behandelten betreffen [15]; was das anschaulich bedeutet, zeigt das Werkzeug Was heißt "häufig"?. Die Angaben zu Lithium stammen aus der Packungsbeilage von Quilonorm retard aus Österreich [9]; in Deutschland ist Lithium desselben Zulassungsinhabers als Quilonum retard zugelassen [10], und die deutsche Packungsbeilage kann in Einzelheiten abweichen. Beschwerden, die Sie für eine Nebenwirkung halten, können Sie selbst melden; wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden.
Medikamente bei Hitze richtig lagern

Viele Arzneimittel verlieren laut gesund.bund.de bei Hitze ihre Wirksamkeit und sollten kühl aufbewahrt werden; ein entsprechender Hinweis findet sich in der Packungsbeilage [1]. Allgemein gehören Medikamente laut gesund.bund.de zusammen mit der Packungsbeilage in die Originalverpackung, geschützt vor Hitze und Sonnenlicht, in eine trockene Umgebung und, bei Lagerung im Kühlschrank, geschützt gegen Einfrieren [17]. Das BIÖG rät, Medikamente nicht in der prallen Sonne oder im heißen Auto zu lagern und im Kühlschrank nur, wenn es ausdrücklich empfohlen wird; wenn Sie unsicher sind, fragen Sie in Ihrer Apotheke [2].
Nach einer Leitlinie der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) sollen die Lagerhinweise in Abschnitt 5 der Packungsbeilage auf Stabilitätsprüfungen des fertigen Arzneimittels beruhen. Begriffe wie "Raumtemperatur" sind nicht zulässig [18]. Für deutsche Packungsbeilagen gibt die EMA feste Sätze vor, etwa "Nicht über 25 °C lagern", "Nicht über 30 °C lagern", "Im Kühlschrank lagern" mit dem Bereich 2 °C bis 8 °C, "Nicht im Kühlschrank lagern oder einfrieren" oder "Für dieses Arzneimittel sind keine besonderen Lagerungsbedingungen erforderlich" [19]. Welcher Satz steht, richtet sich nach der Leitlinie danach, unter welchen Prüfbedingungen das Arzneimittel stabil war [18]:
- Keine besonderen Lagerungsbedingungen: stabil in der Langzeitprüfung bei 25 °C oder 30 °C und zusätzlich in der beschleunigten Prüfung bei 40 °C.
- Nicht über 30 °C lagern: stabil in der Langzeitprüfung bei 25 °C und unter Zwischenbedingungen bei 30 °C oder in der Langzeitprüfung bei 30 °C.
- Nicht über 25 °C lagern: stabil in der Langzeitprüfung bei 25 °C.
- Im Kühlschrank lagern: stabil in der Langzeitprüfung bei 5 °C, plus oder minus 3 °C.
Die Prüftemperatur von 25 °C beruht laut Leitlinie auf der mittleren kinetischen Temperatur der für die EU maßgeblichen Klimazone; sie schließt die Schwankungen zwischen Winter und Sommer ein [18]. Was für Ihr Präparat gilt, steht in seiner Packungsbeilage. Einige Beispiele aus der Packungsbeilage je eines Präparats:
- Salbutamol (Dosieraerosol): Der Behälter steht unter Druck. Nicht über 25 °C lagern; vor Hitze, direkter Sonneneinstrahlung und Frost sowie vor Temperaturen über 50 °C schützen; nicht im Kühlschrank lagern oder einfrieren [20].
- Insulin glargin (Fertigpen Lantus SoloStar): Noch nicht verwendete Pens im Kühlschrank (2 °C bis 8 °C), nicht einfrieren. In Verwendung befindliche oder als Vorrat mitgeführte Pens können höchstens 4 Wochen bei nicht über 30 °C aufbewahrt werden, geschützt vor direkter Hitzeeinwirkung und direktem Licht; in Verwendung befindliche Pens nicht im Kühlschrank [21].
- Latanoprost (Augentropfen): Im Kühlschrank lagern (2 °C bis 8 °C); nach Anbruch der Flasche nicht über 25 °C lagern [22].
- Budesonid (Pulverinhalator): Nach dem Öffnen der Folienverpackung nicht über 30 °C aufbewahren und vor Feuchtigkeit schützen [23].
Was das Verfalldatum mit der Lagerung zu tun hat, erklärt der Ratgeber Haltbarkeit und Verfallsdatum.
Mehr in den Ratgebern Medikamente im Kühlschrank, Medikamente richtig aufbewahren und Medikamente im Handgepäck.
Trinken und Flüssigkeitsverlust
Wer viel schwitzt, verliert Elektrolyte; eine ausgewogene Ernährung und eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr helfen laut gesund.bund.de, sie im Gleichgewicht zu halten [3]. Bei Vorerkrankungen wie Herz-Kreislauf- oder Nierenerkrankungen sollten Sie die richtige Trinkmenge laut gesund.bund.de mit Ihrer behandelnden Ärztin oder Ihrem behandelnden Arzt besprechen [3]. Bei Herz- und Nierenschwäche kann eine zu hohe Trinkmenge schädlich sein; die Hausärztin oder der Hausarzt erstellt dafür individuelle Trinkpläne [1]. Menschen ab 65 mit bestimmten Vorerkrankungen wie Herz- und Nierenerkrankungen müssen laut BIÖG ihre optimale tägliche Trinkmenge mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt absprechen [4].
Für einzelne Mittel nennen die Packungsbeilagen eigene Hinweise zum Flüssigkeitshaushalt: Bei Lithium heißt es: Achten Sie darauf, genügend Salz und Flüssigkeit zu sich zu nehmen [9]. Bei Topiramat kann eine angemessene Flüssigkeitszufuhr vor und während einer Wärmeexposition laut Fachinformation das Risiko hitzebezogener Nebenwirkungen reduzieren [16]. Und bei Furosemid gilt intensives Schwitzen als Beispiel für einen stärkeren Flüssigkeitsverlust, der eine besonders enge Überwachung erfordert [8]. Mehr dazu auf den Seiten Natriummangel durch Medikamente und Schwitzen durch Medikamente.
Für wen es besonders wichtig ist
- Ältere Menschen: Im Alter verringert sich die Durchblutung der Haut, ältere Menschen schwitzen später und weniger als junge, und wegen des nachlassenden Durstgefühls kann es zu einem Flüssigkeits- und Elektrolytmangel kommen [1]. Nicht nur Erkrankungen, auch die zu ihrer Behandlung eingenommenen Arzneimittel bergen laut BIÖG zusätzliche Hitzerisiken [4]. Mehr im Ratgeber Medikamente im Alter.
- Menschen mit chronischen Erkrankungen: Die Anpassung an hohe Temperaturen erschweren laut gesund.bund.de unter anderem Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie koronare Herzkrankheit, Herzinsuffizienz und Schlaganfall, Erkrankungen der Nerven wie Polyneuropathie, Erkrankungen, die Gedächtnis und Wahrnehmung beeinträchtigen, wie Alzheimer-Demenz, sowie Diabetes und chronische Lungen- und Nierenerkrankungen [1].
- Menschen mit psychischen Erkrankungen: Das IQWiG nennt Menschen mit psychischen Erkrankungen, zum Beispiel Depression oder Schizophrenie, als bei Hitze besonders gefährdet, ebenso Menschen, die Antipsychotika oder Antidepressiva einnehmen [5].
- Kinder: Säuglinge und Kleinkinder gehören laut gesund.bund.de zu den besonders Gefährdeten [3]. Bei Topiramat nennt die Packungsbeilage vermindertes Schwitzen besonders bei kleinen Kindern, die hohen Umgebungstemperaturen ausgesetzt sind [15]. Mehr im Ratgeber Medikamente bei Kindern.
So gehen Sie vor
- Vor dem Sommer besprechen Lassen Sie Ihre Arzneimittel laut BIÖG möglichst schon im Frühling, spätestens vor einer Hitzewelle ärztlich auf Hitzeverträglichkeit prüfen; auch Apothekerinnen und Apotheker sind Ansprechpartner [2]. Ärztinnen und Ärzte prüfen laut gesund.bund.de den Medikamentenplan und passen ihn gegebenenfalls für Hitzetage an [1]. Eine Übersicht Ihrer Mittel erstellen Sie mit dem Werkzeug Medikationsplan.
- Nichts selbst ändern Das BIÖG rät, Arzneimittel keinesfalls selbstständig abzusetzen und weder die Dosierung noch das Einnahmeschema selbst zu verändern [2]. Eine Ausnahme gilt, wenn die Packungsbeilage es ausdrücklich verlangt, etwa bei Metformin: Laut Packungsbeilage von Metformin-ratiopharm unterbrechen Sie die Einnahme für eine kurze Zeit, wenn Sie einen Zustand haben, der mit einer Dehydrierung verbunden sein kann, zum Beispiel Hitzebelastung, und sprechen mit Ihrem Arzt über weitere Anweisungen [11].
- Packungsbeilage lesen Abschnitt 5 nennt die Lagerbedingungen, Abschnitt 2 die Warnhinweise, etwa zu Wärme bei Pflastern [7, 20].
- Kühl und geschützt lagern Originalverpackung, geschützt vor Hitze und Sonnenlicht, nicht im heißen Auto, im Kühlschrank nur, wenn es ausdrücklich empfohlen wird [2, 17].
- Trinkmenge klären Bei Herz-Kreislauf- oder Nierenerkrankungen die richtige Trinkmenge mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt besprechen [3].
- Auf Warnzeichen achten Kopfschmerzen, Erbrechen und Kreislaufbeschwerden, die auf eine Überhitzung hinweisen, sollten Sie laut gesund.bund.de ärztlich abklären lassen, auch über den ärztlichen Bereitschaftsdienst 116 117; bei Zeichen eines Hitzschlags ist ein Notruf erforderlich [1].
Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen
Bei diesen Anzeichen eines Hitzenotfalls ist laut IQWiG notärztliche Hilfe nötig, rufen Sie sofort die 112: Bewusstseinstrübung bis hin zu Bewusstlosigkeit, plötzliche Verwirrtheit, sehr starke Kopfschmerzen, rasches Ansteigen der Körpertemperatur über 39 °C, Krampfanfälle, unstillbares Erbrechen oder Nackensteife [5]. Anzeichen eines Hitzschlags sind laut gesund.bund.de eine Körpertemperatur über 40 Grad, Kreislaufprobleme und Bewusstseinsstörungen, eventuell Krampfanfälle, Erbrechen und Durchfall; dann muss sofort der Notruf gewählt und der Körper so rasch wie möglich abgekühlt werden, bis der Rettungsdienst eintrifft [3]. Dazu nennen die Packungsbeilagen aus der Tabelle eigene Warnzeichen:
- Ungewöhnliche Schläfrigkeit mit langsamer oder schwacher Atmung unter einem Fentanyl-Pflaster: Laut Packungsbeilage entfernen Sie das Pflaster, verständigen einen Arzt oder gehen direkt ins nächstgelegene Krankenhaus und halten die Person möglichst viel zum Bewegen und Sprechen an [7].
- Zeichen einer Laktatazidose unter Metformin: Erbrechen, Bauchschmerzen, Muskelkrämpfe, allgemeines Unwohlsein mit starker Müdigkeit, Schwierigkeiten beim Atmen, verringerte Körpertemperatur und Herzklopfen. Dann beenden Sie laut Packungsbeilage die Einnahme und wenden sich unverzüglich an einen Arzt oder an das nächstgelegene Krankenhaus [11].
- Bewegungsstörungen, Zittern, Zucken, Verwirrtheit oder Schläfrigkeit unter Lithium: Laut Packungsbeilage gehen Sie dann zu Ihrem Arzt, ebenso bei unwillkürlichen oder verlangsamten Bewegungen, veränderten Reflexen, Sprachstörungen und Augenzittern [9].
Quellen
- Behörde Hitze: Ältere und pflegebedürftige Menschen schützen (Abschnitte Risiken, Medikamente, Hitzevorsorge, Häusliche Pflege). Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de. Stand 04.06.2025. abgerufen am 18.10.2026
- Behörde Hitze und Hitzeschutz: Tipps für Menschen mit chronischen Erkrankungen und Angehörige (Abschnitte Was tun bei Hitze? und Arzneimittel auf den Prüfstand stellen). Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), klima-mensch-gesundheit.de. Stand Juli 2026. abgerufen am 18.10.2026
- Behörde Hitze: Risiken und Schutzmaßnahmen (Abschnitte Warum belastet Hitze die Gesundheit?, Hitzschlag, Risikogruppen, Tipps). Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de. Stand 06.06.2025. abgerufen am 18.10.2026
- Behörde Hitze und Hitzeschutz: Tipps für Menschen ab 65 und Angehörige (Abschnitte Arzneimittel auf den Prüfstand stellen, Ausreichend trinken, Hinweise für Angehörige). Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), klima-mensch-gesundheit.de. Stand Juli 2026. abgerufen am 18.10.2026
- Wann schadet Hitze der Gesundheit? (Abschnitte Hitzenotfall und Wer ist bei Hitze besonders gefährdet?). Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 18.10.2023. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Buprenorphin-ratiopharm 35 Mikrogramm/h Transdermales Pflaster (Abschnitte 2 und 3). ratiopharm GmbH. Stand 05/2026. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Fentanyl-ratiopharm 12 / 25 / 50 / 75 / 100 Mikrogramm/h Matrixpflaster transdermales Pflaster (Abschnitte 2 und 3). ratiopharm GmbH. Stand 05/2025. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Furosemid-ratiopharm 40 mg Tabletten (Abschnitt 2, Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen). ratiopharm GmbH. Stand 05/2026. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Quilonorm retard 450 mg Filmtabletten (Österreich). Teofarma S.r.l. (Zulassungsinhaber); veröffentlicht vom Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG), Österreich. Stand 07/2024. abgerufen am 18.10.2026
- Behörde List of nationally authorised medicinal products, Active substance: lithium (PSUSA/00001897/202308, EMA/159597/2024). Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA). Stand 25.04.2024. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Metformin-ratiopharm 1.000 mg Filmtabletten (Abschnitt 2, Risiko einer Laktatazidose). ratiopharm GmbH. Stand 01/2025. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Risperidon AbZ 1 mg Filmtabletten (Abschnitt 2). AbZ-Pharma GmbH. Stand 05/2023. abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Risperidon AbZ Filmtabletten (Abschnitt 4.4, Regulierung der Körpertemperatur). AbZ-Pharma GmbH. Stand 03/2026. abgerufen am 18.10.2026
- EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Exelon (EPAR), Anhang III B: Packungsbeilage Exelon 4,6 mg/9,5 mg/13,3 mg/24 Stunden transdermales Pflaster, und Anhang I: Fachinformation Exelon transdermales Pflaster (Abschnitt 4.2). Novartis Europharm Limited (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 02/2026. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Topiramat-ratiopharm 50 mg Filmtabletten (Abschnitt 4). ratiopharm GmbH. Stand 05/2025. abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Topiramat-ratiopharm Filmtabletten (Abschnitt 4.4). ratiopharm GmbH. Stand 11/2023. abgerufen am 18.10.2026
- Behörde Umgang mit Arzneimitteln: Richtig lagern, einnehmen und entsorgen (Abschnitt Lagerung). Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de (in Zusammenarbeit mit dem BfArM). Stand 17.02.2026. abgerufen am 18.10.2026
- Behörde Guideline on declaration of storage conditions: A: in the product information of medicinal products, B: for active substances (CPMP/QWP/609/96/Rev 2). Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA), Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP). Stand 19.11.2007. abgerufen am 18.10.2026
- Behörde Appendix III to the QRD templates for human medicinal products: Storage Conditions, deutsche Fassung (EMEA/29277/03 v.6). Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA). Stand 25.03.2026. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Salbutamol-ratiopharm N Dosieraerosol 0,1 mg/Sprühstoß (Abschnitt 5). ratiopharm GmbH. Stand 09/2024. abgerufen am 18.10.2026
- EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Lantus (EPAR), Anhang III B: Packungsbeilage Lantus SoloStar 100 Einheiten/ml Injektionslösung in einem Fertigpen (Insulin glargin; Abschnitt 5). Sanofi-Aventis Deutschland GmbH (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 03/2026. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Latanoprost-ratiopharm 50 Mikrogramm/ml Augentropfen, Lösung (Abschnitt 5). ratiopharm GmbH. Stand 09/2024. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Budesonid Easyhaler 0,2 mg/Dosis Pulver zur Inhalation (Abschnitt 5). Orion Corporation (Mitvertrieb Orion Pharma GmbH). Stand 02/2026. abgerufen am 18.10.2026
Häufige Fragen
Welche Medikamente sind bei Hitze problematisch?
Einen negativen Einfluss auf die Hitzeverträglichkeit können laut Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) unter anderem blutdrucksenkende Mittel wie Betablocker und Diuretika, Benzodiazepine, Beruhigungsmittel sowie bestimmte Antidepressiva und Neuroleptika haben. Das IQWiG zählt Menschen, die Beruhigungsmittel, entwässernde oder blutdrucksenkende Mittel, Antipsychotika, Anticholinergika oder Antidepressiva einnehmen, zu den bei Hitze besonders Gefährdeten. Was für Ihr Präparat gilt, steht in seiner Packungsbeilage; besprechen Sie es vor dem Sommer mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Muss ich meine Medikamente bei Hitze anders einnehmen?
Das entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt. Um sich auf Hitzetage vorzubereiten, kann man laut IQWiG vorsorglich mit der Ärztin oder dem Arzt besprechen, ob die Einnahme von Medikamenten wie Diuretika oder Blutdrucksenkern dann angepasst werden muss. In seinen Hinweisen für ältere und pflegebedürftige Menschen rät gesund.bund.de, das zu Beginn des Sommers mit der Hausarztpraxis zu klären und die Dosierung nie ohne ärztlichen Rat zu verändern. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.
Bei welcher Temperatur müssen Medikamente gelagert werden?
Das steht in Abschnitt 5 der Packungsbeilage und gilt je Präparat. Nach einer Leitlinie der Europäischen Arzneimittel-Agentur sind Angaben wie "Raumtemperatur" nicht zulässig; die Packungsbeilage nennt feste Grenzen wie "Nicht über 25 °C lagern" oder "Nicht über 30 °C lagern", die Lagerung im Kühlschrank (2 °C bis 8 °C) oder den Satz, dass keine besonderen Lagerungsbedingungen erforderlich sind.
Darf ich Medikamente im Auto liegen lassen?
Das BIÖG rät in seinen Tipps für Menschen mit chronischen Erkrankungen und für Menschen ab 65 Jahren, Medikamente nicht in der prallen Sonne oder im heißen Auto zu lagern. Für ein Dosieraerosol mit Salbutamol etwa verlangt die Packungsbeilage, den Behälter, der unter Druck steht, vor Hitze, direkter Sonneneinstrahlung und Temperaturen über 50 °C zu schützen.
Gehören Medikamente bei Hitze in den Kühlschrank?
Laut BIÖG nur, wenn es ausdrücklich empfohlen wird; wenn Sie unsicher sind, fragen Sie in Ihrer Apotheke. Manche Packungsbeilagen schließen den Kühlschrank aus: Für das Dosieraerosol Salbutamol-ratiopharm N heißt es "Nicht im Kühlschrank lagern oder einfrieren", und Lantus-Pens, die in Verwendung sind, gehören laut Packungsbeilage nicht in den Kühlschrank.
Was ist bei Schmerzpflastern im Sommer zu beachten?
Bei hohen Temperaturen wird die Haut laut BIÖG stärker durchblutet; das kann bei Wirkstoffpflastern zu einer zu hohen Wirkstoffaufnahme führen. Die Packungsbeilage von Fentanyl-ratiopharm verlangt, das Pflaster keinen direkten Wärmequellen auszusetzen und auf Sonnenbäder, ausgedehnte heiße Bäder und Saunagänge zu verzichten; bei Fieber sprechen Sie mit Ihrem Arzt. Ähnliche Hinweise stehen in der Packungsbeilage von Buprenorphin-ratiopharm.
Wirken Medikamente noch, wenn sie zu warm geworden sind?
Arzneimittel können laut BIÖG durch hohe Temperaturen ihre Wirksamkeit verlieren. Ob Sie ein Mittel noch verwenden können, das zu warm gelagert wurde, fragen Sie in Ihrer Apotheke; laut gesund.bund.de ist auch Vorsicht geboten, wenn sich Aussehen, Form oder Geruch eines Medikaments verändern.
Wie viel soll ich bei Hitze trinken, wenn ich Entwässerungstabletten nehme?
Das klären Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Bei Vorerkrankungen wie Herz-Kreislauf- oder Nierenerkrankungen sollten Sie die richtige Trinkmenge laut gesund.bund.de mit Ihrer behandelnden Ärztin oder Ihrem behandelnden Arzt besprechen; bei Herz- und Nierenschwäche kann eine zu hohe Trinkmenge schädlich sein. Für Furosemid nennt die Packungsbeilage intensives Schwitzen als Beispiel für einen stärkeren Flüssigkeitsverlust, bei dem eine besonders enge Überwachung erforderlich ist.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
Passt dazu
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Ratgeber Medikamente im Kühlschrank lagernOb ein Medikament gekühlt werden muss, steht in Abschnitt 5 der Packungsbeilage.
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Ratgeber Medikamente richtig aufbewahrenMedikamente sollten originalverpackt aufbewahrt werden, geschützt vor Hitze, Licht und Feuchtigkeit.
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Medikamente von A bis Z358 Wirkstoffe von A bis Z, auch über den Präparatenamen zu finden.