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Guanfacin: Nebenwirkungen und Wirkung

Guanfacin ist ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel zur Behandlung der ADHS bei Kindern und Jugendlichen von 6 bis 17 Jahren, für die eine Behandlung mit Stimulanzien nicht infrage kommt, nicht vertragen wird oder unwirksam ist. Sehr häufig, also bei mehr als 1 von 10 Behandelten, sind Schläfrigkeit, Müdigkeit, Kopfschmerzen und Bauchschmerzen; häufig, also bei bis zu 1 von 10, sind ein Blutdruckabfall und eine niedrige Herzfrequenz. Brechen Sie die Einnahme nicht ohne Rücksprache ab: Nach einem abrupten Abbruch können Herzfrequenz und Blutdruck ansteigen.

Eltern sitzen in einem hellen Sprechzimmer und hören einer Ärztin aufmerksam zu
Bild: KI-generiert

Die häufigsten Nebenwirkungen

  • Sehr häufig: Schläfrigkeit (Somnolenz)[1, 2]
  • Sehr häufig: Müdigkeit (laut Fachinformation Ermüdung)[1, 2]
  • Sehr häufig: Kopfschmerzen[1, 2]
  • Sehr häufig: Magen- bzw. Bauchschmerzen[1, 2]
  • Häufig: Benommenheit (Sedierung)[1, 2]
  • Häufig: Schwindelgefühl[2]
  • Häufig: Niedrige Herzfrequenz (laut Fachinformation Bradykardie)[1, 2]
  • Häufig: Blutdruckabfall (laut Fachinformation Hypotonie bzw. erniedrigter Blutdruck)[1, 2]
  • Häufig: Blutdruckabfall beim Aufstehen (orthostatische Hypotonie; laut Fachinformation Orthostasesyndrom)[1, 2]
  • Häufig: Ruhelosigkeit oder Reizbarkeit[1, 2]
  • Häufig: Schlaflosigkeit (Insomnie) oder Schlafstörungen (Aufwachen mitten in der Nacht) oder Alpträume[1, 2]
  • Häufig: Depressionen, Angst oder Stimmungsschwankungen (Affektlabilität)[1, 2]
  • Häufig: Antriebslosigkeit (Lethargie)[1, 2]
  • Häufig: Gewichtszunahme[1, 2]
  • Häufig: Appetitlosigkeit (laut Fachinformation verminderter Appetit)[1, 2]
  • Häufig: Mundtrockenheit[1, 2]
  • Häufig: Bettnässen (Enuresis)[1, 2]
  • Häufig: Übelkeit oder Erbrechen[1, 2]
  • Häufig: Durchfall, Bauchbeschwerden oder Verstopfung[1, 2]
  • Häufig: Hautausschlag[1, 2]

Alle Nebenwirkungen nach Häufigkeit

Wofür wird Guanfacin eingesetzt?

Guanfacin ist ein verschreibungspflichtiger Wirkstoff zur Behandlung der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung, kurz ADHS [1, 2]. Zugelassen ist er für Kinder und Jugendliche von 6 bis 17 Jahren, für die eine Behandlung mit Stimulanzien (den Organismus anregenden Arzneimitteln) nicht infrage kommt, die sie nicht vertragen oder bei denen sie sich als unwirksam erwiesen hat [1, 2].

Guanfacin wird im Rahmen eines umfassenden Behandlungsprogramms angewendet, zu dem in der Regel psychologische, pädagogische und soziale Maßnahmen gehören [1, 2]. Die Behandlung beginnt unter der Aufsicht einer Spezialistin oder eines Spezialisten für Verhaltensstörungen bei Kindern und Jugendlichen [1, 2]. Bei Kindern unter 6 Jahren und bei Erwachsenen ab 18 Jahren sollte Guanfacin nicht angewendet werden, weil nicht bekannt ist, ob es bei ihnen wirkt und welche Risiken bestehen [1]. Einen Überblick über andere Mittel gibt die Seite ADHS-Medikamente.

Wie wirkt Guanfacin?

Laut Packungsbeilage gehört Guanfacin zu den Arzneimitteln, die auf die Aktivität des Gehirns einwirken. Es kann dazu beitragen, Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit zu verbessern und Impulsivität und Hyperaktivität zu verringern [1]. Zu Behandlungsbeginn merken Behandelte unter Umständen nicht sofort eine Wirkung: Manche stellen eine Besserung nach der ersten Woche fest, es kann aber auch länger dauern [1].

Laut Fachinformation ist Guanfacin kein Stimulans, sondern ein selektiver Agonist am alpha2A-adrenergen Rezeptor. Wie es bei ADHS wirkt, ist nicht vollständig geklärt; präklinische Untersuchungen deuten darauf hin, dass es die Signalübertragung durch den Botenstoff Noradrenalin im präfrontalen Kortex und in den Basalganglien verändert [2]. Guanfacin ist außerdem als blutdrucksenkendes Mittel bekannt: Es verringert die Impulse des sympathischen Nervensystems zu Herz und Blutgefäßen und senkt so Gefäßwiderstand, Blutdruck und Herzfrequenz [2].

Die höchste Konzentration im Blut ist bei Kindern und Jugendlichen etwa 5 Stunden nach der Einnahme erreicht, die Eliminationshalbwertszeit liegt bei etwa 18 Stunden [2]. Guanfacin wird über die Enzyme CYP3A4 und CYP3A5 abgebaut; Mittel, die diese Enzyme hemmen oder anregen, können die Menge an Guanfacin im Blut erhöhen oder senken [2].

Nebenwirkungen nach Häufigkeit

Die Liste unten nennt alle Nebenwirkungen, für die Packungsbeilage und Fachinformation eine Häufigkeit angeben. "Sehr häufig" heißt: bei mehr als 1 von 10 Behandelten, "häufig" bei bis zu 1 von 10, "gelegentlich" bei bis zu 1 von 100, "selten" bei bis zu 1 von 1.000 und "sehr selten" bei bis zu 1 von 10.000; bei "nicht bekannt" lässt sich die Häufigkeit nicht abschätzen [1, 2]. Wie Sie solche Angaben lesen, erklärt der Ratgeber Beipackzettel verstehen.

Laut Fachinformation traten Schläfrigkeit und Benommenheit überwiegend zu Beginn der Behandlung auf; sie dauern typischerweise 2 bis 3 Wochen, können in manchen Fällen aber auch länger bestehen [2]. Zu den schwerwiegendsten häufig gemeldeten Nebenwirkungen zählt die Fachinformation einen niedrigen Blutdruck, eine Gewichtszunahme, einen verlangsamten Herzschlag und Ohnmacht [2]. Bei Kindern und Jugendlichen kann der Körpermassenindex (BMI) zunehmen; Körpergewicht und Körpergröße werden deshalb regelmäßig kontrolliert [1, 2]. Mehr dazu auf den Seiten Müdigkeit, Niedriger Blutdruck und Gewichtszunahme.

Sehr häufigkann mehr als 1 von 10 Behandelten betreffen

  • NervensystemSchläfrigkeit (Somnolenz)[1, 2]Mehr dazu: Müdigkeit
  • Allgemeine BeschwerdenMüdigkeit (laut Fachinformation Ermüdung)[1, 2]Mehr dazu: Müdigkeit
  • NervensystemKopfschmerzen[1, 2]Mehr dazu: Kopfschmerzen
  • Magen und DarmMagen- bzw. Bauchschmerzen[1, 2]Mehr dazu: Bauchschmerzen

Häufigkann bis zu 1 von 10 Behandelten betreffen

Gelegentlichkann bis zu 1 von 100 Behandelten betreffen

Seltenkann bis zu 1 von 1.000 Behandelten betreffen

  • NervensystemÜbermäßiges Schlafbedürfnis (Hypersomnie)[1, 2]Mehr dazu: Müdigkeit
  • Gefäße und KreislaufBluthochdruck (Hypertonie)[1, 2]Mehr dazu: Blutdruckanstieg
  • Allgemeine BeschwerdenUnwohlsein[1, 2]

Sehr seltenkann bis zu 1 von 10.000 Behandelten betreffen

Nicht bekanntHäufigkeit nicht abschätzbar oder in der Quelle nicht angegeben

  • Geschlechtsorgane und BrustSchwierigkeit, eine Erektion zu bekommen und aufrechtzuerhalten (erektile Dysfunktion)[1, 2]Mehr dazu: Erektionsstörungen

Eine Häufigkeit sagt, wie oft eine Beschwerde während der Behandlung beobachtet wurde. Sie sagt nicht, dass das Medikament sie verursacht hat.

Wann Sie ärztliche Hilfe brauchen

Laut Packungsbeilage treten einige der schwerwiegenden Nebenwirkungen wahrscheinlich eher zu Beginn der Behandlung auf und verschwinden im weiteren Verlauf wieder [1]. Kinder und Jugendliche, die sich während der Behandlung in irgendeiner Weise unwohl fühlen, sollen sich laut Packungsbeilage sofort an einen Erwachsenen wenden [1]. Nach abruptem Absetzen wurde in sehr seltenen Fällen ein hoher Blutdruck mit Kopfschmerz, Verwirrtheit, Nervosität, Erregung und Zittern beschrieben (hypertensive Enzephalopathie) [1, 2]. Mehr dazu auf der Seite Blutdruckanstieg.

Was Sie bei Nebenwirkungen tun können

Frau in den Vierzigern trinkt in einer hellen Küche ein Glas Wasser
Bild: KI-generiert

Schwindel und niedriger Blutdruck: Laut Fachinformation sollen Behandelte reichlich Flüssigkeit trinken [2]. Bei Schwindel oder Benommenheit gilt: kein Fahrzeug führen, nicht Rad fahren, keine Werkzeuge oder Maschinen benutzen und keine Aktivitäten mit Verletzungsgefahr, bis klar ist, wie das Arzneimittel wirkt [1]. Mehr zum Thema auf der Seite Schwindel.

Schläfrigkeit: Trinken Sie während der Einnahme keinen Alkohol, denn das kann zu Schläfrigkeit oder Benommenheit führen [1]. Fühlen Sie sich nach etwa 6 Wochen nicht besser oder sogar schlechter und treten starke Schläfrigkeit oder Benommenheit auf, wenden Sie sich an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt; sie oder er überdenkt dann gegebenenfalls die Behandlung [1].

Kontrollen: Die Ärztin oder der Arzt überprüft vor und während der Behandlung Blutdruck und Herzfrequenz, eine mögliche Schläfrigkeit sowie Körpergewicht und Körpergröße: während der Einstellung der Dosis und nach Dosisanpassungen wöchentlich, im ersten Behandlungsjahr mindestens alle 3 Monate und später mindestens zweimal jährlich [1]. Welche Wirkstoffe eine bestimmte Beschwerde auslösen können, zeigt der Nebenwirkungs-Finder.

Wechselwirkungen

Informieren Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke über alle Arzneimittel, die Sie einnehmen, kürzlich eingenommen haben oder einnehmen wollen [1]. Blutdrucksenkende Mittel können zusammen mit Guanfacin den Blutdruck stärker senken und zu Ohnmacht führen; beruhigende Mittel wie Benzodiazepine, Barbiturate oder Antipsychotika können die Schläfrigkeit verstärken [1, 2]. Bestimmte Mittel gegen Infektionen, Pilzerkrankungen und HIV sowie die Herzmittel Diltiazem und Verapamil können laut Fachinformation die Menge an Guanfacin im Blut erhöhen; bestimmte Antiepileptika, Rifampicin oder Johanniskraut können sie senken [2]. Trinken Sie keinen Grapefruitsaft, weil auch er die Wirkung beeinflussen kann [1]; mehr dazu im Ratgeber Medikamente und Grapefruit.

In Studien zur Erfassung von Wechselwirkungen beeinflussten sich Guanfacin und retardiertes Methylphenidat in ihrer Pharmakokinetik nicht gegenseitig; zusammen mit Lisdexamfetamin stiegen die höchsten Guanfacin-Spiegel geringfügig an, was laut Fachinformation nicht als klinisch bedeutsam gewertet wird [2].

Wechselwirkungen von Guanfacin
Zusammen mitWas passieren kannHinweis
Blutdrucksenkende Mittel (Antihypertensiva)Verstärkte Blutdrucksenkung und Ohnmacht möglich[1, 2]Laut Fachinformation Vorsicht; Ärztin oder Arzt informieren
Arzneimittel mit dämpfender Wirkung auf das Gehirn: Beruhigungs- und Schlafmittel, Benzodiazepine, Barbiturate, Antipsychotika; auch AlkoholVerstärkte Beruhigung und Schläfrigkeit[1, 2]Laut Fachinformation Vorsicht; während der Behandlung keinen Alkohol trinken
Valproinsäure (Epilepsie)Die Konzentration von Valproinsäure im Blut kann ansteigen; zusätzliche Wirkungen auf das Nervensystem sind möglich[1, 2]Laut Fachinformation sollte eine Kontrolle der Valproinsäure-Spiegel erwogen werden; die Dosis beider Mittel muss eventuell angepasst werden
Mittel, die den Abbau über die Enzyme CYP3A4/5 hemmen, z. B. Ketoconazol, Itraconazol, Posaconazol, Fluconazol, Clarithromycin, Erythromycin, Ciprofloxacin, Ritonavir, Diltiazem, Verapamil; auch GrapefruitsaftMehr Guanfacin im Blut, höheres Risiko für niedrigen Blutdruck, langsamen Herzschlag und Beruhigung[1, 2]Laut Fachinformation wird eine Verringerung der Guanfacin-Dosis empfohlen; keinen Grapefruitsaft trinken
Mittel, die den Abbau beschleunigen (CYP3A4-Induktoren), z. B. Carbamazepin, Oxcarbazepin, Phenobarbital, Phenytoin, Primidon, Rifampicin, Rifabutin, Efavirenz, Bosentan, Modafinil, JohanniskrautWeniger Guanfacin im Blut, die Wirkung kann nachlassen[1, 2]Laut Fachinformation wird zu einer Anpassung der Dosis innerhalb des empfohlenen Dosisbereichs geraten
Arzneimittel, die das QT-Intervall verlängernGuanfacin senkt die Herzfrequenz[2]Gleichzeitige Anwendung laut Fachinformation generell nicht empfohlen
Fettreiche MahlzeitErhöht die Menge an Guanfacin im Körper[1, 2]Nicht zusammen mit einer fettreichen Mahlzeit einnehmen

Die Liste nennt die wichtigsten Wechselwirkungen aus der Produktinformation, nicht alle. Welche Mittel Sie zusammen einnehmen können, klären Sie am besten mit Ihrer Apotheke, auch bei rezeptfreien und pflanzlichen Mitteln.

Wer Guanfacin nicht oder nur mit Vorsicht nehmen sollte

Guanfacin darf nicht eingenommen werden, wenn eine Allergie gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile besteht [1, 2]. Sprechen Sie vor der Einnahme mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wenn Sie einen niedrigen oder hohen Blutdruck oder Herzprobleme haben, wenn in Ihrer Familie Herzerkrankungen aufgetreten sind, wenn Sie vor kurzem ohnmächtig waren oder wenn Sie Selbsttötungsgedanken oder eine andere psychiatrische Störung haben, denn Guanfacin kann diese Probleme verschlimmern [1].

Nicht einnehmen bei

  • Allergie gegen Guanfacin oder einen der sonstigen Bestandteile[1, 2]

Besondere Vorsicht bei

  • Niedriger oder hoher Blutdruck, Herzprobleme oder Herzerkrankungen in der Familie[1]
  • Ein kürzlich erlittener Ohnmachtsanfall; laut Fachinformation auch Zustände, die für einen Kreislaufkollaps anfällig machen, etwa niedriger Blutdruck beim Aufstehen, langsamer Herzschlag oder Flüssigkeitsmangel, Behandelte sollen reichlich trinken[1, 2]
  • Selbsttötungsgedanken oder -gefühle oder eine andere psychiatrische Störung[1]
  • Verlängertes QT-Intervall in der Vorgeschichte, Risikofaktoren für die Herzrhythmusstörung Torsade de Pointes (z. B. Herzblock, langsamer Herzschlag, niedriger Kaliumwert) oder Arzneimittel, die das QT-Intervall verlängern: laut Fachinformation nur mit Vorsicht[2]
  • Kontrolluntersuchungen: Vor und während der Behandlung werden unter anderem Blutdruck und Herzfrequenz, eine mögliche Schläfrigkeit sowie Körpergewicht und Körpergröße überprüft, während der Einstellung der Dosis und nach Dosisanpassungen wöchentlich, im ersten Behandlungsjahr mindestens alle 3 Monate und später mindestens zweimal jährlich[1]
  • Wachstum: Bei längerer Einnahme kann Guanfacin das Körpergewicht und die Körpergröße beeinflussen; laut Fachinformation kann der Körpermassenindex (BMI) zunehmen[1, 2]
  • Kinder unter 6 Jahren und Erwachsene ab 18 Jahren: Guanfacin sollte nicht angewendet werden, weil nicht bekannt ist, ob es wirkt und sicher ist[1, 2]
  • Unverträglichkeit bestimmter Zucker: Die Tabletten enthalten Lactose[1, 2]

Alkohol, Autofahren, Schwangerschaft

Die Karten fassen zusammen, was Packungsbeilage und Fachinformation zu Alkohol, Autofahren, Schwangerschaft und Stillzeit sagen [1, 2]. Nehmen Sie Guanfacin laut Packungsbeilage nicht ein, wenn Sie schwanger sind oder keine Empfängnisverhütung anwenden; ob es das ungeborene Kind beeinflusst, ist nicht bekannt [1]. Zum Thema Fahren gibt der Ratgeber Medikamente und Autofahren allgemeine Hinweise.

Schwangerschaft

Nehmen Sie Guanfacin nicht ein, wenn Sie schwanger sind oder keine Empfängnisverhütung anwenden; es ist nicht bekannt, ob es das ungeborene Kind beeinflusst. Laut Fachinformation liegen keine oder nur sehr begrenzte Erfahrungen bei Schwangeren vor, und Tierstudien haben eine Reproduktionstoxizität gezeigt.[1, 2]

Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.

Stillzeit

Stillen Sie während der Einnahme nicht, es sei denn, Ihre Ärztin oder Ihr Arzt hat es Ihnen ausdrücklich gestattet. Laut Fachinformation ist nicht bekannt, ob Guanfacin beim Menschen in die Muttermilch übergeht; im Tierversuch war das der Fall, und ein Risiko für das gestillte Kind kann nicht ausgeschlossen werden.[1, 2]

Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.

Alkohol

Trinken Sie während der Einnahme keinen Alkohol, denn das kann zu Schläfrigkeit oder Benommenheit führen.[1, 2]

Autofahren und Maschinen

Guanfacin kann schwindelig oder benommen machen, besonders zu Beginn der Behandlung; diese Beschwerden können 2 bis 3 Wochen und möglicherweise länger anhalten. Wenn sie auftreten, führen Sie kein Fahrzeug, fahren Sie nicht Rad, benutzen Sie keine Werkzeuge oder Maschinen und nehmen Sie an keinen Aktivitäten mit Verletzungsgefahr teil, bis Sie wissen, wie das Arzneimittel bei Ihnen wirkt. Auch Bewusstlosigkeit wurde berichtet, ist aber keine häufige Wirkung. Laut Fachinformation hat Guanfacin einen mäßigen bis großen Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit.[1, 2]

Einnahme

Die Retardtablette im Ganzen mit etwas Wasser oder einer anderen Flüssigkeit schlucken, aber nicht mit Grapefruitsaft; nicht zerkleinern, zerdrücken oder zerkauen. Guanfacin kann mit oder ohne Mahlzeit eingenommen werden, aber nicht zusammen mit einer fettreichen Mahlzeit, etwa einem fettreichen Frühstück.[1, 2]

Dosis vergessen: bis zum nächsten Tag warten und dann die übliche Dosis einnehmen, nicht die doppelte Menge. Wurden zwei oder mehr Dosen vergessen, mit der Ärztin oder dem Arzt sprechen, möglicherweise muss die Einnahme mit einer niedrigeren Dosis wieder beginnen.[1]

Dauert die Behandlung länger als ein Jahr, überprüft die Ärztin oder der Arzt das Ansprechen; das Arzneimittel kann auch für kurze Zeit abgesetzt werden, in der Regel während der Schulferien.[1, 2]

Absetzen

Brechen Sie die Einnahme nicht ab, ohne vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt zu sprechen: Nach einem Abbruch können Blutdruck und Herzfrequenz ansteigen. Soll Guanfacin abgesetzt werden, verringert die Ärztin oder der Arzt die Dosis langsam. Laut Fachinformation werden beim Verringern der Dosis und beim Absetzen Blutdruck und Puls überwacht; nach abruptem Absetzen wurde in sehr seltenen Fällen eine hypertensive Enzephalopathie beschrieben.[1, 2]

Überdosierung

Bei Einnahme einer zu großen Menge sofort an eine Ärztin oder einen Arzt wenden oder das nächstgelegene Krankenhaus aufsuchen; die Packung mitnehmen und sagen, wie viel eingenommen wurde. Möglich sind Blutdruckabfall oder Blutdruckanstieg, eine verlangsamte Herz- und Atemfrequenz, Müdigkeit oder Erschöpfung. Laut Fachinformation sollten Kinder und Jugendliche, die antriebslos (lethargisch) werden, bis zu 24 Stunden auf schwerere Vergiftungszeichen wie Koma, langsamen Herzschlag oder niedrigen Blutdruck beobachtet werden, weil diese verzögert auftreten können.[1, 2]

Dosierung laut Packungsbeilage und Fachinformation

Die Packungsbeilage nennt die Anfangsdosis, die empfohlene Erhaltungsdosis nach Körpergewicht und die höchste Tagesdosis; die Fachinformation ergänzt Höchstdosen nach Alter und Körpergewicht sowie Hinweise bei eingeschränkter Nieren- und Leberfunktion und bei Wechselwirkungen [1, 2]. Während der Einstellung auf die richtige Dosis wird die Behandlung engmaschig ärztlich überwacht [1]. Die Übersicht ersetzt nicht die Verordnung; die Dosis legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest.

Einnahme und Absetzen

Nehmen Sie Guanfacin immer genau nach Absprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ein [1]. Schlucken Sie die Retardtablette im Ganzen mit Wasser oder einer anderen Flüssigkeit, aber nicht mit Grapefruitsaft; zerkleinern, zerdrücken oder zerkauen Sie sie nicht, weil das die Wirkung beeinträchtigt [1]. Sie können Guanfacin mit oder ohne Mahlzeit einnehmen, aber nicht zusammen mit einer fettreichen Mahlzeit wie einem fettreichen Frühstück [1]. Wer die Tablette nicht im Ganzen schlucken kann, spricht mit der Ärztin oder dem Arzt [1].

Haben Sie eine Dosis vergessen, warten Sie bis zum nächsten Tag und nehmen Sie dann die übliche Dosis; bei zwei oder mehr vergessenen Dosen sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt [1]. Brechen Sie die Einnahme nicht ohne Rücksprache ab, denn danach können Blutdruck und Herzfrequenz ansteigen; soll Guanfacin abgesetzt werden, verringert die Ärztin oder der Arzt die Dosis langsam [1]. Dauert die Behandlung länger als ein Jahr, überprüft die Ärztin oder der Arzt das Ansprechen und kann das Arzneimittel für kurze Zeit absetzen, in der Regel während der Schulferien [1]. Allgemeine Hinweise gibt der Ratgeber Medikamente absetzen.

Präparate mit Guanfacin

Intuniv enthält Guanfacin als Retardtabletten mit 1, 2, 3 oder 4 mg. Grundlage dieser Seite ist die EMA-Produktinformation von Intuniv mit Stand Oktober 2026 [1, 2]. Tabletten mit sofortiger Wirkstofffreisetzung sollten laut Fachinformation wegen ihrer anderen Pharmakokinetik nicht Milligramm für Milligramm gegen die Retardtabletten ausgetauscht werden [2].

Präparate mit Guanfacin
PräparatAnbieterHinweis
IntunivTakeda Pharmaceuticals International AG Ireland Branchverschreibungspflichtig; Retardtabletten mit 1, 2, 3 oder 4 mg; Grundlage dieser Seite

Auswahl ohne Wertung. Präparate mit demselben Wirkstoff können sich in Stärke, Hilfsstoffen und zugelassenen Anwendungsgebieten unterscheiden. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.

Quellen

  1. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Intuniv (EPAR), Anhang III B: Packungsbeilage Intuniv 1 mg/2 mg/3 mg/4 mg Retardtabletten. Takeda Pharmaceuticals International AG Ireland Branch (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 10/2026. abgerufen am 18.10.2026
  2. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Intuniv (EPAR), Anhang I: Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (Fachinformation), und Anhang II. Takeda Pharmaceuticals International AG Ireland Branch (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 10/2026. abgerufen am 18.10.2026

Häufige Fragen

Ist Guanfacin ein Stimulans?

Nein. Laut Fachinformation ist Guanfacin kein Stimulans, sondern ein selektiver Agonist am alpha2A-adrenergen Rezeptor. Es ist außerdem als blutdrucksenkendes Mittel bekannt. Zugelassen ist es für Kinder und Jugendliche von 6 bis 17 Jahren mit ADHS, für die eine Behandlung mit Stimulanzien nicht infrage kommt, die sie nicht vertragen oder bei denen sie sich als unwirksam erwiesen hat.

Macht Guanfacin müde?

Schläfrigkeit und Müdigkeit gehören zu den sehr häufigen Nebenwirkungen, also bei mehr als 1 von 10 Behandelten. Laut Fachinformation treten Schläfrigkeit und Benommenheit überwiegend zu Beginn der Behandlung auf und dauern typischerweise 2 bis 3 Wochen, in manchen Fällen auch länger. Fühlen Sie sich nach etwa 6 Wochen nicht besser und treten starke Schläfrigkeit oder Benommenheit auf, wenden Sie sich an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.

Warum werden unter Guanfacin Blutdruck und Puls kontrolliert?

Guanfacin kann Blutdruck und Herzfrequenz senken; ein niedriger Blutdruck und ein langsamer Herzschlag gehören zu den häufigen Nebenwirkungen, auch Ohnmacht ist möglich. Deshalb werden Blutdruck und Herzfrequenz vor und während der Behandlung überprüft: während der Einstellung der Dosis wöchentlich, im ersten Jahr mindestens alle 3 Monate und später mindestens zweimal jährlich.

Was passiert beim Absetzen von Guanfacin?

Nach einem Abbruch können Blutdruck und Herzfrequenz ansteigen. Nach abruptem Absetzen wurde sehr selten ein hoher Blutdruck mit Kopfschmerz, Verwirrtheit, Nervosität, Erregung und Zittern beschrieben (hypertensive Enzephalopathie). Brechen Sie die Einnahme deshalb nicht ohne Rücksprache ab; soll Guanfacin abgesetzt werden, verringert die Ärztin oder der Arzt die Dosis langsam.

Kann Guanfacin zu einer Gewichtszunahme führen?

Ja, Gewichtszunahme gehört zu den häufigen Nebenwirkungen, also bei bis zu 1 von 10 Behandelten. Laut Fachinformation kann bei Kindern und Jugendlichen der Körpermassenindex (BMI) zunehmen; Körpergröße, Körpergewicht und BMI werden deshalb regelmäßig kontrolliert.

Darf man Guanfacin mit Grapefruitsaft einnehmen?

Nein. Trinken Sie keinen Grapefruitsaft, wenn Sie Guanfacin einnehmen, denn er kann die Wirkung beeinflussen. Laut Fachinformation erhöht Grapefruitsaft die Menge an Guanfacin im Blut. Auch eine fettreiche Mahlzeit sollte nicht gleichzeitig eingenommen werden.

Darf Guanfacin bei Erwachsenen angewendet werden?

Laut Packungsbeilage sollte Guanfacin nicht bei Erwachsenen ab 18 Jahren und nicht bei Kindern unter 6 Jahren angewendet werden, weil nicht bekannt ist, ob es bei ihnen wirkt und welche Risiken bestehen.

Wie hoch ist die Dosis von Guanfacin?

Die Dosis legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest; sie richtet sich unter anderem nach Alter, Körpergewicht und Ansprechen. Die Angaben von Packungsbeilage und Fachinformation finden Sie im Abschnitt Dosierung laut Packungsbeilage und Fachinformation.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

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