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Mirtazapin absetzen

Mirtazapin beenden Sie laut Packungsbeilage nur nach Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt und nicht abrupt, auch wenn die Depression abgeklungen ist. Nach einem abrupten Ende können Übelkeit, Schwindel, Erregtheit, Angst und Kopfschmerzen auftreten; laut Fachinformation sind die meisten Absetzsymptome leicht und klingen von selbst ab, und schrittweises Absetzen kann sie vermeiden. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Bei Gedanken, sich das Leben zu nehmen, gehen Sie sofort zu Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder in ein Krankenhaus.

Frau Mitte vierzig mit schulterlangem rotbraunem Haar geht im Herbst mit einer Freundin mit kurzem grauem Haar ruhig durch einen Park
Bild: KI-generiert

Mirtazapin beenden Sie laut Packungsbeilage nur nach Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt und nicht abrupt, auch wenn Ihre Depression abgeklungen ist. Nach einem abrupten Ende können Übelkeit, Schwindel, Erregtheit, Angst und Kopfschmerzen auftreten; diese Beschwerden lassen sich vermeiden, indem das Mittel schrittweise abgesetzt wird [1]. Laut Fachinformation führt Mirtazapin nicht zu einer Abhängigkeit, und die meisten Absetzsymptome sind leicht und klingen von selbst ab [2].

Mirtazapin ist ein verschreibungspflichtiges Antidepressivum zur Behandlung depressiver Erkrankungen (Episoden einer Major Depression) bei Erwachsenen [1, 2]. Wird die Einnahme zu früh beendet, kann die Depression laut Packungsbeilage wieder auftreten. Wann die Behandlung beendet werden kann, entscheidet laut Packungsbeilage Ihre Ärztin oder Ihr Arzt [1].

Was Packungsbeilage und Fachinformation zum Absetzen sagen

Laut Packungsbeilage beenden Sie die Einnahme von Mirtazapin nur nach Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Sobald es Ihnen besser geht, sprechen Sie mit ihr oder ihm; sie oder er entscheidet, wann die Behandlung beendet werden kann. Beenden Sie die Einnahme nicht abrupt, auch wenn Ihre Depression abgeklungen ist. Wie die Dosis schrittweise verringert wird, erklärt Ihnen Ihre Ärztin oder Ihr Arzt [1].

Die Fachinformation für Ärztinnen und Ärzte empfiehlt, die Behandlung schrittweise abzusetzen, um Absetzsymptome zu vermeiden [2]. Wie lange das Ausschleichen dauert und in welchen Schritten die Dosis sinkt, steht weder in der Packungsbeilage noch in der Fachinformation [1, 2].

Wie lange die Behandlung normalerweise dauert

Normalerweise nehmen Sie Mirtazapin laut Packungsbeilage so lange ein, bis die Beschwerden der Depression 4 bis 6 Monate lang nicht mehr aufgetreten sind [1]. Laut Fachinformation sollten Behandelte mindestens 6 Monate lang behandelt werden, um sicherzustellen, dass sie beschwerdefrei sind [2]. Laut Nationaler VersorgungsLeitlinie (NVL) Unipolare Depression soll die Einnahme eines Antidepressivums 6 bis 12 Monate über das Abklingen der depressiven Episode (Remission) hinaus empfohlen werden. Ist danach keine längere Behandlung zur Vorbeugung neuer Episoden (Rezidivprophylaxe) angezeigt, soll das Antidepressivum ausgeschlichen werden. Ein vorzeitiges Ende ist laut Leitlinie mit einem hohen Risiko für frühe Rückfälle verbunden, selbst wenn die Beschwerden vollständig abgeklungen waren [11].

Wirkt Mirtazapin nicht ausreichend, kann die Dosis laut Fachinformation erhöht werden; die Behandlung sollte abgebrochen werden, wenn sich innerhalb weiterer 2 bis 4 Wochen kein Therapieerfolg einstellt [2]. Wird die Dosis erhöht, sprechen Sie laut Packungsbeilage nach weiteren 2 bis 4 Wochen erneut mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt [1].

Wenn die Behandlung wegen einer Nebenwirkung endet

Bei einigen schwerwiegenden Nebenwirkungen verlangt die Packungsbeilage ausdrücklich, Mirtazapin nicht weiter einzunehmen und sich umgehend an eine Ärztin oder einen Arzt zu wenden [1]:

  • ein Gefühl freudiger Erregung oder Hochstimmung (Manie) oder eine übermäßige Erregtheit
  • eine Gelbfärbung von Augen oder Haut (Gelbsucht)
  • Anzeichen einer Infektion wie plötzliches, unerklärliches hohes Fieber, Halsschmerzen und Geschwüre im Mund, damit das Blut untersucht werden kann
  • Krampfanfälle oder Krampfanfälle, die häufiger werden
  • mehrere Beschwerden eines Serotonin-Syndroms zugleich, etwa unerklärliches Fieber, Schwitzen, beschleunigter Herzschlag und unkontrollierbare Muskelkontraktionen
  • Gedanken, sich selbst zu verletzen oder sich das Leben zu nehmen
  • Anzeichen einer schweren Hautreaktion; danach darf die Behandlung mit Mirtazapin nicht wieder aufgenommen werden

Holen Sie in jedem Fall sofort ärztliche Hilfe. Ist ärztlich geplant, ein Antidepressivum wegen gefährlicher oder stark belastender Nebenwirkungen abzusetzen, soll das laut NVL rasch oder abrupt geschehen [11].

Welche Beschwerden beim Absetzen auftreten können

Wenn Sie Mirtazapin abrupt beenden, kann Ihnen laut Packungsbeilage übel oder schwindelig werden, Sie können erregt oder ängstlich werden und Kopfschmerzen bekommen [1]:

Die Fachinformation beschreibt Absetzsymptome aus den Erfahrungen nach der Markteinführung: Ein plötzliches Absetzen nach längerer Behandlung kann manchmal zu Absetzsymptomen führen. Die meisten sind leicht und klingen von selbst ab. Am häufigsten wurde über Schwindel, Agitiertheit, Angst, Kopfschmerzen und Übelkeit berichtet. Diese Beschwerden können auch mit der Grunderkrankung zusammenhängen [2]. Wie häufig Absetzsymptome sind und wie lange sie anhalten, geben Packungsbeilage und Fachinformation nicht an [1, 2]. In der Übersicht der NVL zum Risiko für Absetzsyndrome steht Mirtazapin unter "unklar"; die Evidenz dazu ist gering und stammt aus Kohortenstudien, Fallserien oder Fallberichten [11].

Absetzsyndrom bei Antidepressiva

Für Antidepressiva allgemein beschreibt die NVL ein Absetzsyndrom mit unspezifischen, überwiegend milden Beschwerden. Dazu zählen grippeähnliche Beschwerden und Kopfschmerz, Schlafstörungen und Albträume, Übelkeit und Erbrechen, Schwindel, Gleichgewichtsstörungen und Benommenheit, stromschlagähnliche Missempfindungen sowie Angst, Agitation und Reizbarkeit. Typisch sind laut Leitlinie ein enger zeitlicher Zusammenhang mit dem Absetzen, ein vorübergehender Verlauf mit Rückbildung von selbst je nach Halbwertszeit innerhalb von 2 bis 6 Wochen und eine rasche Besserung, wenn das Mittel wieder eingenommen wird [11]. Laut Patientenblatt der NVL treten solche Beschwerden oft innerhalb von 2 bis 4 Tagen nach dem Absetzen auf [12]. Diese Angaben gelten für Antidepressiva als Gruppe, nicht speziell für Mirtazapin.

Rebound und Rückfall

Die NVL beschreibt neben dem Absetzsyndrom sogenannte Rebound-Phänomene. Die depressiven Beschwerden kehren dann stärker zurück als zuvor oder mit zusätzlichen Beschwerden wie Ängsten, Panikattacken oder Schlafstörungen, oder Rückfälle kommen rascher. Die Datenlage dazu ist laut Leitlinie noch unzureichend. Rebound-Phänomene und teilweise auch Absetzsyndrome lassen sich nur schwer von einem Rückfall der Depression unterscheiden [11]. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) weist darauf hin, dass ein eigenständiges Absetzen, sobald es einem besser geht, das Risiko erhöht, dass die Depression erneut auftritt [13]. Mehr zum Krankheitsbild: Depression.

Absetzsymptome und Abhängigkeit

Dass Mirtazapin laut Fachinformation nicht zu einer Abhängigkeit führt [2], ordnet die NVL für Antidepressiva allgemein ein. Formal besteht danach keine Abhängigkeit im Sinne der Definition, weil nur zwei Kriterien einer Abhängigkeitserkrankung erfüllt sind, nämlich eine Toleranzentwicklung und Entzugssymptome [11]. Auch laut IQWiG machen Antidepressiva anders als viele Schlaf- und Beruhigungsmittel nicht körperlich abhängig oder süchtig [13].

Wie Ärztinnen und Ärzte beim Absetzen vorgehen

Mann in den Fünfzigern mit kurzem braunem Haar im gestreiften Pullover spricht in einem hellen Sprechzimmer ruhig mit einer Ärztin mit zurückgebundenem dunkelblondem Haar
Bild: KI-generiert

Die NVL gibt Empfehlungen für Antidepressiva allgemein; wie das Absetzen bei Ihnen abläuft, legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest. Laut NVL soll ein Antidepressivum am Ende der Erhaltungstherapie oder einer Rezidivprophylaxe schrittweise abgesetzt werden, um eine Rebound-Depression und Absetzsymptome zu vermeiden. Am Ende einer solchen Behandlung sollte es über mindestens 8 bis 12 Wochen ausgeschlichen werden, wenn keine anderen Gründe dagegen sprechen [11]. Wie man Antidepressiva am besten absetzt, ist laut Patientenblatt der NVL bisher nur in wenigen Studien untersucht [12].

Ein sehr langsames Vorgehen hält die Leitliniengruppe nicht in jedem Fall für nötig, weil ein zügiges Ausschleichen bei vielen Patientinnen und Patienten problemlos möglich sei. Sie empfiehlt, engmaschig auf Absetzsymptome zu achten und nur dann langsamer auszuschleichen, wenn solche auftreten. Das Vorgehen hängt laut NVL von der Situation ab [11]:

  • Keine Wirkung nach den ersten Wochen: Bleibt die Wirkung nach 3 bis 4 Wochen Behandlung mit der Standarddosis aus, soll die Behandlungsstrategie geprüft werden. Weil mit Absetzsymptomen erst nach einer Behandlung von mindestens acht Wochen zu rechnen ist, erscheint der Leitlinie hier keine besondere Absetzstrategie notwendig.
  • Behandlung ohne Erfolg: Ein eher kurzer Zeitraum zum Ausschleichen erscheint sinnvoll, weil in der Regel eine neue Behandlung beginnt. Ein abruptes Absetzen hält die Leitlinie wegen möglicher Absetzsyndrome aber für zu riskant.
  • Ende einer Erhaltungstherapie oder Rezidivprophylaxe: Hier kann deutlich mehr Zeit eingeplant werden. Nach dem Absetzen eines länger erfolgreich eingenommenen Antidepressivums kann laut Leitlinie von einem relevanten Risiko für ein rasches und schweres Wiederauftreten der Depression ausgegangen werden; langsames Ausschleichen kann dieses Risiko vermutlich verringern.
  • Unverträglichkeit: Tritt sie schon zu Beginn der Behandlung auf, ist erfahrungsgemäß kaum mit Absetzsymptomen oder einem Rebound zu rechnen.
  • Mehrere Antidepressiva: Nach einer Kombinationsbehandlung sollen die Mittel nicht gleichzeitig, sondern nacheinander ausgeschlichen werden.

Wenn beim Ausschleichen Absetzsymptome auftreten: Dann soll laut NVL wieder auf die vorherige Dosierung erhöht und anschließend langsamer und wenn möglich mit kleineren Schritten ausgeschlichen werden [11]. Treten bei Ihnen Absetzsymptome auf, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Kontrollen: Während des schrittweisen Absetzens sollen Behandelte laut NVL engmaschig auf Absetzsymptome und auf eine Verschlechterung oder ein Neuauftreten der Depression untersucht werden; nach Absetzsymptomen soll aktiv gefragt werden. Ein Kontakt sollte etwa 1 Woche nach jeder Verringerung der Dosis erfolgen, mindestens aber alle 2 Wochen. Nach der letzten Einnahme soll der regelmäßige Kontakt mindestens 6 Monate lang weitergehen, zum Beispiel alle 4 Wochen. Absetzsymptome können laut Leitlinie auch erst nach dem vollständigen Ende der Einnahme auftreten, und in dieser Zeit besteht eine besondere Anfälligkeit für einen Rückfall [11]. Wegen des Suizidrisikos bei Depressionen sieht die Fachinformation vor, Behandelte insbesondere zu Beginn der Behandlung und nach Dosisanpassungen engmaschig zu überwachen [2].

Wechsel auf ein anderes Antidepressivum: Beim Wechsel sollte laut NVL wegen möglicher Wechselwirkungen das neue Mittel schrittweise aufdosiert und das alte ausschleichend abgesetzt werden [11]. Nach dem Ende von Mirtazapin nehmen Sie laut Packungsbeilage zwei Wochen lang keine Monoaminoxidasehemmer (MAO-Hemmer) ein, zum Beispiel die Antidepressiva Moclobemid und Tranylcypromin oder das Parkinsonmittel Selegilin [1, 2].

Schwangerschaft

Werden Sie unter Mirtazapin schwanger, besprechen Sie das weitere Vorgehen mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Begrenzte Erfahrungen bei Schwangeren deuten laut Packungsbeilage nicht auf ein erhöhtes Risiko hin; bei der Anwendung in der Schwangerschaft ist jedoch Vorsicht geboten [1]. Laut Embryotox, dem Beratungszentrum der Charité Universitätsmedizin Berlin, kann Mirtazapin bei entsprechender Indikation in der Schwangerschaft und bei Kinderwunsch angewendet werden. Die Schwangerschaft sollte sorgfältig gynäkologisch überwacht und engmaschig psychiatrisch begleitet werden, um Krisen bei der Mutter und Entwicklungskomplikationen beim Ungeborenen wie Frühgeburtsbestrebungen oder Wachstumsverzögerung rechtzeitig begegnen zu können [3]. Als besser geeignete Alternativen nennt Embryotox Sertralin oder Citalopram bzw. Escitalopram, als beruhigendes (sedierendes) Antidepressivum keines [3]. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Nehmen Sie Mirtazapin bis zur Geburt oder kurz davor ein, sollte laut Packungsbeilage beim Kind auf mögliche Nebenwirkungen geachtet werden; Hebamme und Ärztin oder Arzt sollten von der Einnahme wissen [1]. Die Fachinformation empfiehlt dann eine Überwachung des Neugeborenen, um mögliche Absetzphänomene berücksichtigen zu können [2]. Laut Embryotox ist das Risiko für Anpassungsstörungen beim Neugeborenen erhöht, wenn Antidepressiva bis zur Entbindung eingenommen werden; die Entbindung sollte deshalb in einer Klinik mit Neugeborenenmedizin (Neonatologie) erfolgen [3]. Mehr dazu: Medikamente in der Schwangerschaft.

Wenn Sie eine Einnahme vergessen haben

Nehmen Sie Mirtazapin einmal täglich, nehmen Sie laut Packungsbeilage nicht die doppelte Menge, sondern die nächste Dosis zum gewohnten Zeitpunkt. Bei zweimal täglicher Einnahme gilt: Eine vergessene Morgendosis nehmen Sie zusammen mit der Abenddosis ein. Eine vergessene Abenddosis lassen Sie aus und nehmen sie nicht mit der nächsten Morgendosis ein. Haben Sie beide Dosen vergessen, holen Sie sie nicht nach und fahren am nächsten Tag wie gewohnt fort [1].

Was Sie tun können

Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Wenn Sie die Behandlung beenden möchten, besprechen Sie laut Patientenblatt der NVL mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt das beste Vorgehen für Sie [12]. Diese Fragen können Sie in das Gespräch mitnehmen:

  • Ist jetzt ein guter Zeitpunkt, die Behandlung zu beenden, oder spricht etwas dafür, Mirtazapin noch länger einzunehmen?
  • Über welchen Zeitraum verringern wir die Dosis, und wann sehen wir uns zur Kontrolle?
  • Welche Absetzerscheinungen sind möglich, und was tue ich, wenn sie auftreten?
  • Woran erkenne ich, ob meine Depression zurückkehrt?
  • Wie lange bleiben wir nach der letzten Einnahme in Kontakt?
  • Was muss ich bei meinen anderen Medikamenten beachten, auch bei einem Wechsel?

Notieren Sie während des Absetzens im Nebenwirkungs-Tagebuch, wann sich die Dosis ändert und welche Beschwerden wann auftreten. Laut Packungsbeilage kann es hilfreich sein, Freunden oder Verwandten von der Depression zu erzählen und sie zu bitten, Ihnen zu sagen, wenn sie den Eindruck haben, dass sich Ihre Depression verschlimmert, oder wenn sie sich Sorgen über Veränderungen in Ihrem Verhalten machen [1].

Nebenwirkung melden: Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, wenden Sie sich an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke; Sie können sie auch direkt dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) melden [1]. Wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden. Mehr dazu: Medikamente absetzen und Mirtazapin und Gewichtszunahme.

Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen

Gedanken, sich etwas anzutun: Laut Fachinformation wurde über Suizidgedanken und suizidales Verhalten während der Behandlung mit Mirtazapin und kurze Zeit nach ihrem Ende berichtet [2]. Haben Sie zu irgendeinem Zeitpunkt Gedanken, sich selbst zu verletzen oder sich das Leben zu nehmen, gehen Sie laut Packungsbeilage zu Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt oder suchen Sie unverzüglich ein Krankenhaus auf [1]. Hilfe bekommen Betroffene und Angehörige laut IQWiG auch beim Sozialpsychiatrischen Dienst, in Krisenzentren oder bei der Telefonseelsorge, notfalls anonym und rund um die Uhr; ist jemand akut gefährdet, sollte die 112 angerufen werden [14]. Weitere Nummern finden Sie unter Notfall und Giftnotruf.

Die Depression wird schlimmer: Behandelte und die Menschen, die sie betreuen, sollen laut Fachinformation darauf hingewiesen werden, auf jede Verschlechterung, auf suizidales Verhalten oder Suizidgedanken und auf ungewöhnliche Veränderungen im Verhalten zu achten; treten solche Anzeichen auf, sollten sie unverzüglich ärztlichen Rat einholen [2].

Sind Sie nicht lebensbedrohlich erkrankt, können aber nicht bis zur nächsten Sprechzeit warten, hilft laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117 [15].

Quellen

  1. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Mirtazapin-ratiopharm 15 mg/30 mg/45 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2026. abgerufen am 10.10.2026
  2. Fachinformation Fachinformation Mirtazapin-ratiopharm Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2026. abgerufen am 10.10.2026
  3. Embryotox Embryotox: Mirtazapin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 10.10.2026
  4. Leitlinie Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression, Langfassung, Version 3.2 (AWMF-Register-Nr. nvl-005), Kapitel 4.4.8 mit Empfehlungen 4-15 bis 4-23 und Tabellen 31 und 32, Kapitel 6.1 mit Empfehlungen 6-1 und 6-2, Empfehlung 7-13. Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF. Stand Version 3.2, Juli 2023 (gültig bis 29.09.2027). abgerufen am 16.10.2026
  5. Leitlinie Patientenblatt "Antidepressiva: Was ist beim Absetzen zu beachten?" zur NVL Unipolare Depression. Programm für Nationale VersorgungsLeitlinien (Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF), Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin. Stand 2022. abgerufen am 16.10.2026
  6. Wie wirksam sind Antidepressiva? (Abschnitt "Wie werden Antidepressiva wieder abgesetzt?"). Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 13.12.2023. abgerufen am 16.10.2026
  7. Depression (Abschnitt "Leben und Alltag"). Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 13.12.2023. abgerufen am 16.10.2026
  8. Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst. Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 16.10.2026

Häufige Fragen

Kann ich Mirtazapin einfach absetzen?

Nein. Laut Packungsbeilage beenden Sie die Einnahme nur nach Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt und nicht abrupt, auch wenn Ihre Depression abgeklungen ist. Wie die Dosis schrittweise verringert wird, erklärt Ihnen Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.

Welche Symptome können beim Absetzen von Mirtazapin auftreten?

Nach einem abrupten Ende können laut Packungsbeilage Übelkeit, Schwindel, Erregtheit, Angst und Kopfschmerzen auftreten. Laut Fachinformation wurde nach der Markteinführung am häufigsten über Schwindel, Agitiertheit, Angst, Kopfschmerzen und Übelkeit berichtet; diese Beschwerden können auch mit der Depression selbst zusammenhängen.

Wie lange dauern Absetzerscheinungen bei Mirtazapin?

Eine Dauer nennen Packungsbeilage und Fachinformation nicht; laut Fachinformation sind die meisten Absetzsymptome leicht und klingen von selbst ab. Für Antidepressiva allgemein beschreibt die Nationale VersorgungsLeitlinie, dass sich Absetzbeschwerden je nach Halbwertszeit innerhalb von 2 bis 6 Wochen von selbst zurückbilden. Halten Beschwerden an oder werden sie stärker, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Gibt es einen Plan zum Ausschleichen von Mirtazapin?

Packungsbeilage und Fachinformation enthalten keinen Plan mit einzelnen Schritten, sie sehen nur vor, Mirtazapin schrittweise abzusetzen. Für Antidepressiva allgemein empfiehlt die Nationale VersorgungsLeitlinie den Behandelnden: Am Ende einer Erhaltungstherapie oder Rezidivprophylaxe sollte das Antidepressivum über mindestens 8 bis 12 Wochen ausgeschlichen werden, wenn keine anderen Gründe dagegen sprechen. Den Plan und die Schritte für Mirtazapin legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.

Macht Mirtazapin abhängig?

Laut Fachinformation führt Mirtazapin nicht zu einer Abhängigkeit. Ein plötzliches Absetzen nach längerer Behandlung kann aber manchmal zu Absetzsymptomen führen. Die Nationale VersorgungsLeitlinie erklärt, dass Antidepressiva formal keine Abhängigkeit verursachen, weil nur zwei Kriterien erfüllt sind: Toleranzentwicklung und Entzugssymptome.

Nimmt man nach dem Absetzen von Mirtazapin wieder ab?

Dazu machen Packungsbeilage und Fachinformation keine Angabe. Verstärkter Appetit und Gewichtszunahme gehören zu den sehr häufigen Nebenwirkungen von Mirtazapin. Was die Quellen zur Gewichtszunahme sagen, lesen Sie unter Mirtazapin und Gewichtszunahme.

Darf ich Mirtazapin in der Schwangerschaft absetzen?

Besprechen Sie das mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, bevor Sie etwas ändern. Laut Embryotox kann Mirtazapin bei entsprechender Indikation in der Schwangerschaft und bei Kinderwunsch angewendet werden; die Schwangerschaft sollte sorgfältig gynäkologisch überwacht und engmaschig psychiatrisch begleitet werden. Als besser geeignete Alternativen nennt Embryotox Sertralin oder Citalopram bzw. Escitalopram, als beruhigendes (sedierendes) Antidepressivum keines. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Embryotox bietet eine kostenlose individuelle Beratung an.

Was tun, wenn nach dem Absetzen die Depression zurückkommt?

Sprechen Sie zeitnah mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Laut Packungsbeilage kann die Depression wieder auftreten, wenn die Einnahme zu früh beendet wird, und laut Leitlinie lassen sich Absetzbeschwerden teilweise nur schwer von einem Rückfall unterscheiden. Bei Gedanken, sich das Leben zu nehmen, gehen Sie sofort zu Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder in ein Krankenhaus; bei akuter Gefahr rufen Sie die 112.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

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