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Colitis ulcerosa

Colitis ulcerosa ist eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung, bei der der Enddarm, manchmal auch der gesamte Dickdarm entzündet ist; typisch sind Bauchschmerzen, Krämpfe und Durchfall, und die Erkrankung verläuft bei vielen Menschen in Schüben. Laut S3-Leitlinie der DGVS (Version 7.0 von 2025) soll eine leicht bis mäßig aktive Entzündung des Enddarms zunächst mit Mesalazin-Zäpfchen behandelt werden, ein leicht bis mäßig schwerer ausgedehnter Befall mit Mesalazin zum Einnehmen zusammen mit Mesalazin-Einläufen oder -Schäumen (jeweils Empfehlungsgrad A); reicht das nicht, kommen Kortison, Immunsuppressiva, Biologika und Small Molecules infrage. Einen schweren akuten Schub, auf den laut IQWiG zum Beispiel mindestens sechs blutige Stuhlgänge am Tag, Fieber und ein hoher Puls hinweisen, sollte man laut Leitlinie im Krankenhaus behandeln (Empfehlungsgrad B).

Frau Anfang dreißig mit schulterlangem kastanienbraunem Haar in einem senfgelben Mantel geht an einem ruhigen Herbstmorgen einen Uferweg an einem See entlang
Bild: KI-generiert

Colitis ulcerosa ist eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung: Der Enddarm, manchmal auch der gesamte Dickdarm ist entzündet. Es kommt zu Bauchschmerzen, Krämpfen und Durchfall, bei vielen Menschen in Schüben [1]. Laut S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) soll eine leicht bis mäßig aktive Entzündung des Enddarms zunächst mit Mesalazin-Zäpfchen behandelt werden (Empfehlungsgrad A) [4]. Reicht das nicht, kommen Kortison, Immunsuppressiva, Biologika und Small Molecules infrage [2, 4].

Was ist Colitis ulcerosa?

Colitis ulcerosa gehört wie Morbus Crohn zu den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED). Bei der Colitis ulcerosa ist laut dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) nur der Dickdarm betroffen, bei Morbus Crohn können Entzündungen auch an anderen Stellen des Magen-Darm-Trakts auftreten [1]. In der entzündeten Darmschleimhaut bilden sich kleine blutende Geschwüre [1]. Fachleute vermuten, dass in Deutschland etwa 400.000 Menschen eine Colitis ulcerosa haben. Am häufigsten wird sie zwischen 20 und 40 Jahren festgestellt, Männer und Frauen sind gleich oft betroffen [1].

Die S3-Leitlinie Colitis ulcerosa der DGVS in der Version 7.0 vom November 2025 teilt die Erkrankung nach ihrer Ausdehnung ein. Eine endoskopische Einteilung soll erfolgen in die Proktitis (begrenzt auf den Enddarm), die Linksseitencolitis (bis zur linken Biegung des Dickdarms) und die ausgedehnte Colitis (starke Empfehlung); von der Ausdehnung hängt auch die Wahl der Behandlung ab [4].

Symptome

Während eines akuten Schubs kommt es laut IQWiG zu Bauchschmerzen, oft mit Bauchkrämpfen, vor allem beim Stuhlgang. Der Stuhldrang setzt innerhalb von 24 Stunden mehrmals ein und ist dann oft so stark, dass man ihn kaum unterdrücken kann. Der Durchfall ist nicht unbedingt flüssig, eher schleimig und blutig [1]. Bei schweren Darmentzündungen können Fieber und ein hoher Puls dazukommen. Viele Betroffene sind blass, müde und abgeschlagen; das Gefühl fehlender Energie kann auch bestehen bleiben, wenn Bauchschmerzen und Durchfall abgeklungen sind [1].

Bei ungefähr einem Drittel der Erkrankten treten laut IQWiG Beschwerden außerhalb des Verdauungstrakts auf, vor allem Gliederschmerzen oder schmerzhafte Knoten in der Haut, aber auch gerötete Augen, Sehstörungen, Husten und Atemprobleme [1]. Hinweise auf einen schweren Verlauf sind [1]:

  • heftige Durchfälle mit mindestens sechs blutigen Stuhlgängen am Tag,
  • Fieber,
  • Blutarmut,
  • ein hoher Puls,
  • erhöhte Entzündungswerte im Blut.

Ursachen und Risikofaktoren

Welche Ursachen eine Colitis ulcerosa hat, ist laut IQWiG unklar. Wahrscheinlich kommen mehrere Faktoren zusammen: Fachleute gehen unter anderem von einer erblichen Veranlagung aus, die die Darmschleimhaut durchlässiger für Bakterien macht. Auch eine ungünstige Zusammensetzung der Darmflora gilt als mögliche Ursache. Sie könnte zum Beispiel durch eine Ernährung mit wenig Gemüse und vielen hochverarbeiteten Lebensmitteln oder durch die Einnahme von Antibiotika verändert sein [1]. Raucherinnen und Raucher haben ein erhöhtes Risiko für eine Colitis ulcerosa und einen schwereren Verlauf, auch wenn beobachtet wurde, dass Rauchen die akuten Beschwerden unterdrücken kann [1].

Belastende Lebensereignisse, psychologischer Stress und psychische Störungen sind laut Leitlinie nicht ursächlich für die Entstehung einer CED; subjektive Stressbelastung kann aber einen negativen Einfluss auf den Verlauf haben (Statements, Evidenzlevel 1) [4]. Welche Medikamente Durchfall als Nebenwirkung nennen, steht auf der Seite Durchfall durch Medikamente, Durchfall aus anderen Gründen unter Durchfall.

Diagnose

Die Diagnose soll laut Leitlinie aus einer Kombination von Krankengeschichte, körperlicher Untersuchung und typischen Befunden aus Labor, Ultraschall, Darmspiegelung und Gewebeuntersuchung gestellt werden (starke Empfehlung) [4]. Die Krankengeschichte sollte laut Leitlinie unter anderem Fragen nach Reisen, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Impfungen, Rauchen, Erkrankungen in der Familie und eingenommenen Medikamenten beinhalten, insbesondere Antibiotika und nichtsteroidalen Antirheumatika (Empfehlung) [4]. Notieren Sie Ihre Mittel vorher, zum Beispiel im Medikationsplan.

Bei der ersten Diagnostik sollte eine Stuhluntersuchung auf bakterielle Erreger einschließlich Clostridioides-difficile-Toxin erfolgen (Empfehlungsgrad B) [4]. Um auszuschließen, dass die Darmentzündung durch Bakterien oder andere Krankheitserreger hervorgerufen wurde, muss man laut IQWiG eine Stuhlprobe abgeben. Bei der Darmspiegelung können Gewebeproben entnommen werden. Die Untersuchungen zeigen, ob die Entzündung auf den Enddarm beschränkt ist oder sich auf den Dickdarm ausgebreitet hat [1]. Wie eine Darmspiegelung vorbereitet wird, steht unter Darmspiegelung und Abführlösung.

Behandlung ohne Medikamente

Laut IQWiG empfehlen Fachleute, die Ernährung an die Erkrankung anzupassen und mit dem Rauchen aufzuhören, unabhängig vom Schweregrad [2]. Um neuen Schüben vorzubeugen, raten sie zu einem gemüsereichen Speiseplan mit möglichst frischen und wenig verarbeiteten Lebensmitteln [2]. Patientinnen und Patienten mit Colitis ulcerosa sollten laut Leitlinie bei der Erstdiagnose und im weiteren Verlauf auf eine Mangelernährung untersucht werden und, falls notwendig, eine qualifizierte Ernährungstherapie erhalten (Empfehlungsgrad B). Eine spezielle Ernährungstherapie mit Trinknahrung oder Sonde oder eine ausschließliche Ernährung über die Vene soll aber nicht als primäre Therapie eingesetzt werden, um einen Schub zu beenden oder die Remission zu erhalten (Empfehlungsgrad A) [4].

Strukturierte körperliche Bewegung sollte laut Leitlinie bei leichter Aktivität und in Remission angewendet werden (Empfehlungsgrad B). Achtsamkeitsbasierte Verfahren können ergänzend zur Stressreduktion und für die Lebensqualität eingesetzt werden, Yoga ergänzend für die Lebensqualität (jeweils Empfehlungsgrad 0). Menschen mit vermehrter psychischer Belastung sollen psychotherapeutische Verfahren angeboten werden (Empfehlungsgrad A) [4]. Alternativtherapien anstelle einer evidenzgesicherten Therapie sollen laut Leitlinie abgelehnt werden (starke Empfehlung). Ergänzend können Flohsamen (Plantago ovata) in der remissionserhaltenden Behandlung und Curcumin zusätzlich zu Mesalazin eingesetzt werden (jeweils Empfehlungsgrad 0); Cannabis-Arzneimittel sollten nicht zur Behandlung der akuten Entzündung eingesetzt werden (Empfehlung) [4].

Operation: Lindern Medikamente die Beschwerden nicht oder drohen bei einer schweren Entzündung Komplikationen, kommt laut IQWiG eine Operation infrage, bei der der gesamte Dickdarm entfernt wird [1]. Als Standardoperation sollte laut Leitlinie eine restaurative Proktokolektomie erfolgen, bei der aus Dünndarm ein Beutel (Pouch) gebildet und mit dem After verbunden wird (Empfehlungsgrad B) [2, 4]. Nach der Entfernung des Dickdarms kommt es laut IQWiG im Darm nicht mehr zu Entzündungsschüben; Entzündungen an anderen Körperstellen wie Haut oder Augen werden durch die Operation aber nicht geheilt [2].

Behandlung mit Medikamenten

Mann Ende dreißig mit kurzem dunkelblondem Haar in einem dunkelgrünen Pullover spricht in einer hellen Praxis ruhig mit einer Ärztin mit grauem Bob
Bild: KI-generiert

Die Wahl der Medikamente hängt laut Leitlinie von der Ausdehnung, vom Verlauf, vom Ansprechen auf frühere Behandlungen und deren Nebenwirkungen, von der Sicherheit der Behandlung, von Begleiterkrankungen, Alter und den Wünschen der Betroffenen ab; eine allgemeingültige Rangfolge der verfügbaren Medikamente ist danach nicht möglich [4]. Nach erfolgreicher Schubtherapie sollte eine langfristige remissionserhaltende Therapie durchgeführt werden (Empfehlung) [4].

Leichte bis mäßige Entzündung: Eine Proktitis soll laut Leitlinie zunächst mit Mesalazin als Zäpfchen behandelt werden; alternativ können Mesalazin-Schaum oder -Einläufe eingesetzt werden (Empfehlungsgrad A). Eine Linksseitencolitis sollte zunächst mit Mesalazin-Einläufen oder -Schäumen zusammen mit Mesalazin zum Einnehmen behandelt werden (Empfehlungsgrad B), ein ausgedehnter Befall soll zunächst mit Mesalazin zum Einnehmen zusammen mit Einläufen oder Schäumen behandelt werden (Empfehlungsgrad A) [4]. Bei unzureichendem Ansprechen oder Unverträglichkeit von Mesalazin sollte bei einer leichten bis mäßig aktiven Linksseitencolitis Budesonid als MMX-Tablette eingesetzt werden (Empfehlungsgrad B) [4].

Kortison: Eine systemische Steroidtherapie soll laut Leitlinie begonnen werden, wenn die Beschwerden auf die genannten Behandlungen nicht ansprechen oder bereits bei der Diagnose eine schwere Colitis vorliegt (Empfehlungsgrad A) [4]. Das Kortison wirkt dann laut IQWiG im gesamten Körper [2].

Erhaltung: Mesalazin soll laut Leitlinie primär zur Remissionserhaltung eingesetzt werden, wenn ein Ansprechen auf Mesalazin oder Steroide besteht (Empfehlungsgrad A); bei Wirksamkeit sollte es mindestens 2 Jahre angewendet werden (Empfehlungsgrad B). Wegen des Nebenwirkungsprofils bei vergleichbarer Wirksamkeit sollte Mesalazin der Vorzug vor Sulfasalazin gegeben werden (Empfehlungsgrad B). Der Bakterienstamm Escherichia coli Nissle 1917 kann als Alternative zu Mesalazin zur Remissionserhaltung erwogen werden (Empfehlungsgrad 0). Kortikosteroide sollen zur Remissionserhaltung nicht eingesetzt werden (Empfehlungsgrad A) [4].

Wenn die Standardbehandlung nicht reicht: Patientinnen und Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Colitis, die auf die bisherige Therapie nicht oder nicht mehr ansprechen oder sie nicht vertragen haben, sollten laut Leitlinie mit JAK-Hemmern (Filgotinib, Tofacitinib, Upadacitinib), IL-23-Antikörpern (Guselkumab, Mirikizumab, Risankizumab), S1P-Rezeptor-Modulatoren (Etrasimod, Ozanimod), TNF-Antikörpern (Adalimumab, Golimumab, Infliximab; Infliximab gegebenenfalls kombiniert mit einem Thiopurin), Ustekinumab oder Vedolizumab behandelt werden (Empfehlungsgrad B). Die Leitlinie reiht diese Mittel alphabetisch, ohne Rangfolge [4]. Menschen mit steroidabhängiger Colitis sollen laut Leitlinie mit einem dieser Mittel oder mit Thiopurinen wie Azathioprin behandelt werden (Empfehlungsgrad A) [4]. Aus Studien lässt sich laut IQWiG nicht klar ableiten, ob einer dieser Wirkstoffe besser hilft als andere; bei der Auswahl spielen eher persönliche Fragen eine Rolle, etwa andere Erkrankungen oder ob ein Mittel gespritzt oder als Tablette genommen wird [2].

Schwerer Schub: Ein schwer verlaufender Schub soll laut Leitlinie mit einer systemischen Steroidtherapie behandelt werden (Empfehlungsgrad A) [4]. Sprechen Menschen mit einem sehr schweren Schub nicht auf Kortison über die Vene an, sollten sie laut Leitlinie unter anderem mit Infliximab behandelt werden, vorzugsweise kombiniert mit einem Thiopurin (Empfehlungsgrad B); verschlechtert sich der Zustand darunter, sollte der Dickdarm entfernt werden (Empfehlung) [4].

Medikamente bei Colitis ulcerosa: Beispiele mit eigener Wirkstoffseite
WirkstoffgruppeBeispieleWie sie wirkenHäufige Nebenwirkungen
5-Aminosalicylsäure (5-ASA)Mesalazin [5]Entzündungshemmend; wirkt nach dem Einnehmen hauptsächlich örtlich an der Darmschleimhaut, wie genau, ist unbekannt [6]Häufig: Kopfschmerzen, Ausschlag, Juckreiz [5]
Glucocorticoide (Kortison)Prednisolon [7]In höheren Dosen als zum Hormonersatz rasch entzündungshemmend und verzögert abwehrdämpfend (immunsuppressiv) [8]Häufigkeit laut Fachinformation nicht angebbar, stark abhängig von Dosis und Dauer; unter anderem Verschleierung und Verschlimmerung von Infektionen, Cushing-Syndrom, erhöhter Blutzucker, Bluthochdruck, Osteoporose, Stimmungsschwankungen [7, 8]
Thiopurine (Immunsuppressiva)Azathioprin [9]Vorstufe von 6-Mercaptopurin; hemmt Vermehrung und Aktivität bestimmter Abwehrzellen (B- und T-Lymphozyten); die Wirkung kann erst nach mehreren Wochen oder Monaten erkennbar sein [10]Sehr häufig: Unterdrückung der Knochenmarkfunktion, zu wenige weiße Blutkörperchen; häufig: zu wenige Blutplättchen, laut Fachinformation auch Übelkeit, bisweilen mit Erbrechen [9, 10]
TNF-alpha-Antikörper (Biologika)Adalimumab [11], Infliximab [12]Binden den Entzündungsbotenstoff Tumornekrosefaktor alpha (TNF alpha) und hemmen seine Wirkung [11, 12]Adalimumab sehr häufig: Reaktionen an der Injektionsstelle, Atemwegsinfektionen, Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, Hautausschlag, Schmerzen in Muskeln und Knochen [11]. Infliximab sehr häufig: Magenschmerzen, Übelkeit, Virusinfektionen, Infektionen der oberen Atemwege, Kopfschmerzen, Reaktionen auf die Infusion, Schmerzen [12]
Integrin-Antikörper (Biologika)Vedolizumab [13]Bindet an das Alpha-4-Beta-7-Integrin auf bestimmten weißen Blutkörperchen und hemmt ihre Anheftung an die Blutgefäße des Darms; wirkt laut Fachinformation selektiv im Magen-Darm-Trakt [13]Sehr häufig: Erkältung, Gelenkschmerzen, Kopfschmerzen [13]
Interleukin-Antikörper (Biologika)Ustekinumab [14], Guselkumab [15], Risankizumab [16]Ustekinumab bindet an die gemeinsame Untereinheit der Botenstoffe Interleukin-12 und Interleukin-23; Guselkumab und Risankizumab binden gezielt Interleukin-23 und hemmen so die Freisetzung entzündungsfördernder Botenstoffe [14, 15, 16]Ustekinumab häufig unter anderem: Infektionen von Nase und Hals, Nasennebenhöhlenentzündung, Kopfschmerzen, Schwindelgefühl, Durchfall, Übelkeit [14]. Guselkumab sehr häufig: Infektionen der Atemwege [15]. Risankizumab sehr häufig: Infektionen der oberen Atemwege [16]
JAK-Hemmer (Small Molecules)Upadacitinib [17]Hemmt Enzyme in den Zellen (Januskinasen), die Signale von Entzündungsbotenstoffen weiterleiten [17]Sehr häufig: Infektionen von Nase und Rachen; Akne laut Packungsbeilage sehr häufig, in den Studien zu Colitis ulcerosa laut Fachinformation häufig; häufig unter anderem Gürtelrose, Fieber, Kopfschmerzen, Blutarmut, erhöhte Cholesterin- und Leberwerte [17]

Sehr häufig heißt: bei mehr als 1 von 10 Behandelten, häufig: bei bis zu 1 von 10 [5, 9]. Die Häufigkeiten gelten nur für den Wirkstoff, bei dem sie stehen; alle Nebenwirkungen stehen auf den Wirkstoffseiten. Die Dosierung legt die Ärztin oder der Arzt fest; die Angaben der Packungsbeilage stehen jeweils im Abschnitt Dosierung der Wirkstoffseite, etwa bei Mesalazin.

Schwangerschaft und Stillzeit

Vor einer geplanten Schwangerschaft sollten sich Frauen mit Colitis ulcerosa laut Leitlinie seit drei bis sechs Monaten in Remission befinden (Empfehlungsgrad B). Akute Schübe in der Schwangerschaft sollten ohne Verzögerung behandelt werden; als Mittel dafür nennt die Leitlinie unter anderem TNF-alpha-Antikörper, Ustekinumab, Vedolizumab und Steroide; eine stabile Behandlung mit Azathioprin und/oder TNF-alpha-Antikörpern sollte fortgeführt werden; eine Behandlung mit Guselkumab, Mirikizumab oder Risankizumab soll wegen der begrenzten Datenlage nur nach kritischer Prüfung und individueller Entscheidung fortgeführt werden (Empfehlungsgrad B). Methotrexat, JAK-Hemmer und S1P-Rezeptor-Modulatoren sollten vor einer geplanten Schwangerschaft abgesetzt und in der Schwangerschaft nicht eingesetzt werden (Empfehlungsgrad B) [4].

Unter den Mitteln der Wahl nennt Embryotox (Charité Berlin) die intensiv untersuchten 5-ASA-Präparate, insbesondere Mesalazin und Sulfasalazin; unter den Immunmodulatoren ist danach Azathioprin am besten untersucht, und TNF-alpha-Hemmer gehören zu den Immunsuppressiva der Wahl, wenn ihr Einsatz indiziert oder notwendig ist. Glukokortikoide sind danach in allen Phasen der Schwangerschaft erlaubt [21]. Methotrexat und JAK-Hemmer sollten laut Embryotox schon vor der Empfängnis abgesetzt und umgestellt werden [21]. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Steroide und Biologika sollten laut Leitlinie in der Stillzeit indikationsgerecht fortgeführt werden (Empfehlungsgrad B) [4]. Nach einem Rote-Hand-Brief vom 7. März 2022 sollten Säuglinge, die im Mutterleib Infliximab ausgesetzt waren, bis 12 Monate nach der Geburt keine Lebendimpfstoffe wie den BCG-Impfstoff erhalten; ein früherer Zeitpunkt kommt danach nur bei eindeutigem Nutzen in Betracht, wenn kein Infliximab im Blut des Säuglings nachweisbar ist oder die Behandlung auf das erste Schwangerschaftsdrittel beschränkt war. Bei Säuglingen, die gestillt werden, während die Mutter Infliximab erhält, wird die Anwendung von Lebendimpfstoffen danach nicht empfohlen, außer bei ihnen ist kein Infliximab im Blut nachweisbar [19]. Mehr in den Ratgebern Medikamente in der Schwangerschaft und Medikamente in der Stillzeit.

Nebenwirkungen der Medikamente

Infektionen: Weil Immunsuppressiva, Biologika und Small Molecules in das Immunsystem eingreifen, sind Infektionen laut IQWiG wahrscheinlicher und mit einem erhöhten Komplikationsrisiko verbunden, vor allem bei älteren oder geschwächten Menschen. Deshalb wird vor der Behandlung mit Bluttests geprüft, ob eine schlummernde Infektion wie eine Tuberkulose vorliegt; fehlende Impfungen werden, wenn nötig, nachgeholt [2]. Lebendimpfungen sind unter immunsuppressiver Therapie laut Leitlinie kontraindiziert (Empfehlungsgrad B) [4]. Treten unter Infliximab Anzeichen einer Infektion wie Fieber, anhaltender Husten, Gewichtsverlust oder nächtliches Schwitzen auf, teilen Sie das laut Packungsbeilage sofort Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt mit [12]. Mehr dazu: Infektanfälligkeit durch Medikamente.

Haut: Einige der Wirkstoffe sind laut IQWiG mit einem erhöhten Risiko für Hautkrebs verbunden; wie oft die Haut kontrolliert werden sollte, bespricht man mit der Ärztin oder dem Arzt [2]. Unter Azathioprin sollten Sie laut Packungsbeilage unnötige Sonne und UV-Licht meiden und Sonnenschutz mit hohem Lichtschutzfaktor verwenden [9].

JAK-Hemmer: Nach einem Rote-Hand-Brief vom 17. März 2023 sollten Januskinase-Hemmer bei Menschen ab 65 Jahren, Rauchern und ehemaligen Langzeitrauchern sowie bei anderen Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs nur angewendet werden, wenn keine geeigneten Behandlungsalternativen zur Verfügung stehen [18]. Auch laut Leitlinie sollten JAK-Hemmer bei diesen Menschen nur eingesetzt werden, wenn keine geeigneten Behandlungsalternativen zur Verfügung stehen (Empfehlung) [4].

Kortison: Nebenwirkungen wie Bluthochdruck, Knochenprobleme, Infektanfälligkeit und Gewichtszunahme werden laut IQWiG wahrscheinlicher, meist erst bei längerer Anwendung [2]. Nach einer Risikoinformation des BfArM vom 14. Juni 2017 sind verschwommenes Sehen und eine bestimmte Erkrankung der Netzhaut (zentrale seröse Chorioretinopathie) laut der europäischen Koordinierungsgruppe CMDh ein Problem der gesamten Gruppe der Kortikosteroide [20]. Mehr dazu: Osteoporose durch Medikamente und Sehstörungen.

Mesalazin: Bei allgemeinen allergischen Reaktionen wie Hautausschlag, Fieber, Gelenkschmerzen oder Atembeschwerden, bei einer Entzündung des gesamten Dickdarms mit starkem Durchfall und Bauchschmerzen und bei einer deutlichen Verschlechterung des Allgemeinzustands, insbesondere mit Fieber und/oder Halsschmerzen und wunden Stellen im Mund, beenden Sie die Einnahme laut Packungsbeilage umgehend und wenden sich an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt [5]. Mehr dazu: Blutungen und Blutbildveränderungen.

Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Nebenwirkungen können Sie Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke mitteilen oder direkt dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) melden [5]; wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden.

Leben mit Colitis ulcerosa

Darmkrebs früh erkennen: Das Risiko für Dickdarmkrebs ist laut IQWiG erhöht, hoch zum Beispiel, wenn der gesamte Dickdarm stark entzündet ist [1]. Zur Festlegung der Überwachung sollte laut Leitlinie 6 bis 8 Jahre nach Beginn der Beschwerden oder nach der Diagnose eine Kontroll-Darmspiegelung mit Gewebeproben erfolgen (Empfehlungsgrad B) [4]. Laut IQWiG wird sie danach bei hohem Risiko jährlich, bei mittlerem alle 2 bis 3 Jahre und bei gering erhöhtem Risiko alle 5 Jahre wiederholt [1].

Blut, Eisen und Knochen: Viele Betroffene haben laut IQWiG einen Eisenmangel und eine Blutarmut, manche einen Vitamin-D- oder Folsäuremangel [1]. Eine Untersuchung auf Blutarmut und Eisenmangel sollte laut Leitlinie bei der Erstdiagnose und dann je nach Krankheitsschwere und Verlauf regelmäßig alle 3 bis 12 Monate erfolgen (Empfehlungsgrad B); bei aktiver Colitis ist Eisen über die Vene zu bevorzugen [4]. Der Vitamin-D-Spiegel sollte gemessen und ein Mangel ausgeglichen werden; wer längerfristig systemische Steroide erhält oder erhielt oder bei chronisch aktiver Erkrankung unzureichend behandelt ist, sollte eine Knochendichtemessung bekommen (jeweils Empfehlung) [4]. Mehr dazu: Eisenmangel, Eiseninfusion und Vitamin-D-Mangel.

Alltag: Manche informieren sich laut IQWiG vor Ausflügen über öffentliche Toiletten oder buchen im Zug einen Platz in Toilettennähe. Wer im Alltag eingeschränkt ist, kann beim Versorgungsamt einen Grad der Behinderung feststellen lassen und damit unter anderem den Euroschlüssel für viele Behindertentoiletten in Europa bekommen [3]. Eine Medikamentenliste oder ein Dispenser kann helfen, an die Mittel zu denken [3]; dazu passt die Einnahme-Erinnerung. Fatigue, also anhaltende Erschöpfung, sollte laut Leitlinie regelmäßig erfragt werden (Empfehlung) [4].

Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen

Patientinnen und Patienten mit einem schweren akuten Schub sollten laut Leitlinie stationär behandelt werden (Empfehlungsgrad B) [4]. Bei schwerer Colitis ulcerosa besteht laut IQWiG das Risiko für starke Blutungen aus dem Darm. Seltener schwillt der Dickdarm während eines schweren Schubs stark an und bläht sich auf; der Darm kann einreißen und eine Blutvergiftung (Sepsis) mit hohem Fieber, starken Schmerzen, Benommenheit und Kreislaufzusammenbruch auslösen [1]. Akute Bauchschmerzen sind laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) ein Fall für den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117, wenn die Praxen geschlossen sind und die Behandlung nicht bis zum nächsten Tag warten kann. Starke, nicht stillbare Blutungen, Bewusstlosigkeit oder erhebliche Bewusstseinstrübung und akute und anhaltende stärkste Schmerzen sind Fälle für den Notruf 112 [22].

Quellen

  1. Colitis ulcerosa. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 04.03.2026. abgerufen am 17.10.2026
  2. Wie wird Colitis ulcerosa bei Erwachsenen behandelt?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 04.03.2026. abgerufen am 17.10.2026
  3. Leben und Alltag mit einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 04.03.2026. abgerufen am 17.10.2026
  4. Leitlinie S3-Leitlinie Colitis ulcerosa, Version 7.0 (AWMF-Register-Nr. 021-009), digitale Fassung mit Empfehlungen 3.1 bis 9.34. Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). Stand 11/2025. abgerufen am 17.10.2026
  5. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Salofalk 500 mg magensaftresistente Tabletten. DR. FALK PHARMA GmbH. Stand 08/2026. abgerufen am 17.10.2026
  6. Fachinformation Fachinformation Salofalk 500 mg magensaftresistente Tabletten. DR. FALK PHARMA GmbH. Stand 01/2025. abgerufen am 17.10.2026
  7. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Predni H Tablinen 5 mg. Winthrop Arzneimittel GmbH (Mitvertrieb Zentiva Pharma GmbH). Stand 07/2022. abgerufen am 17.10.2026
  8. Fachinformation Fachinformation Predni H Tablinen 5 mg/20 mg/50 mg, Tabletten. Winthrop Arzneimittel GmbH (Mitvertrieb Zentiva Pharma GmbH). Stand 07/2022. abgerufen am 17.10.2026
  9. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Azathioprin STADA 25 mg/50 mg Filmtabletten. STADAPHARM GmbH. Stand 01/2025. abgerufen am 17.10.2026
  10. Fachinformation Fachinformation Azathioprin STADA 25 mg/50 mg Filmtabletten. STADAPHARM GmbH. Stand 02/2026. abgerufen am 17.10.2026
  11. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Humira (Adalimumab), Anhang I: Fachinformation und Anhang III B: Packungsbeilage. AbbVie Deutschland GmbH & Co. KG (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 10/2025 (EMA, aktualisiert am 08.10.2025). abgerufen am 17.10.2026
  12. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Remicade (Infliximab), Anhang I: Fachinformation und Anhang III B: Packungsbeilage. Janssen-Cilag International NV (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 12/2025 (EMA, aktualisiert am 15.12.2025). abgerufen am 17.10.2026
  13. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Entyvio (Vedolizumab), Anhang I: Fachinformation und Anhang III B: Packungsbeilage. Takeda Pharma A/S (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 03/2026 (EMA, aktualisiert am 03.03.2026). abgerufen am 17.10.2026
  14. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Stelara (Ustekinumab), Anhang I: Fachinformationen und Anhang III B: Packungsbeilagen. Janssen-Cilag International NV (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 10/2026 (EMA, aktualisiert am 16.10.2026). abgerufen am 17.10.2026
  15. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Tremfya (Guselkumab), Anhang I: Fachinformationen und Anhang III B: Packungsbeilagen. Janssen-Cilag International NV (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 03/2026 (EMA, aktualisiert am 23.03.2026). abgerufen am 17.10.2026
  16. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Skyrizi (Risankizumab), Anhang I: Fachinformationen und Anhang III B: Packungsbeilagen. AbbVie Deutschland GmbH & Co. KG (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 09/2026 (EMA, aktualisiert am 11.09.2026). abgerufen am 17.10.2026
  17. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Rinvoq (Upadacitinib), Anhang I: Fachinformation und Anhang III B: Packungsbeilage. AbbVie Deutschland GmbH & Co. KG (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 10/2026 (EMA, aktualisiert am 13.10.2026). abgerufen am 17.10.2026
  18. Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu Januskinase-Inhibitoren (Cibinqo, Jyseleca, Olumiant, Rinvoq, Xeljanz): Aktualisierte Empfehlungen zur Minimierung der Risiken. AbbVie, Galapagos, Lilly und Pfizer in Abstimmung mit EMA und BfArM; veröffentlicht vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. Stand 17.03.2023. abgerufen am 17.10.2026
  19. Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu Infliximab (Remicade, Flixabi, Inflectra, Remsima, Zessly): Anwendung von Lebendimpfstoffen bei Säuglingen, die in utero oder über das Stillen exponiert waren. Zulassungsinhaber Infliximab-haltiger Arzneimittel in Abstimmung mit EMA und Paul-Ehrlich-Institut (Archiv der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft). Stand 07.03.2022. abgerufen am 17.10.2026
  20. Behörde Kortikosteroide: Nebenwirkungen am Auge (Risikoinformation). Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand 14.06.2017. abgerufen am 17.10.2026
  21. Embryotox Embryotox: Chronisch entzündliche Darmerkrankungen (Erkrankungen). Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 17.10.2026
  22. Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Abschnitte "116117 oder 112? Für alle Fälle die richtige Nummer", "Fälle für den Bereitschaftsdienst" und "Fälle für die Notrufnummer 112"). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 17.10.2026

Häufige Fragen

Welche Medikamente helfen bei Colitis ulcerosa?

Das hängt laut S3-Leitlinie der DGVS von Ausdehnung und Schwere der Entzündung ab. Eine leicht bis mäßig aktive Entzündung des Enddarms soll zunächst mit Mesalazin-Zäpfchen behandelt werden, ein leicht bis mäßig schwerer ausgedehnter Befall mit Mesalazin zum Einnehmen zusammen mit Mesalazin-Einläufen oder -Schäumen (jeweils Empfehlungsgrad A). Sprechen die Beschwerden darauf nicht an oder liegt schon bei der Diagnose eine schwere Colitis vor, soll eine systemische Kortisonbehandlung begonnen werden (Empfehlungsgrad A). Danach nennt die Leitlinie Thiopurine wie Azathioprin, Biologika und Small Molecules. Welches Mittel für Sie infrage kommt, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.

Wie lange muss ich Mesalazin nehmen?

Eine remissionserhaltende Behandlung mit Mesalazin sollte laut Leitlinie bei Wirksamkeit mindestens 2 Jahre durchgeführt werden (Empfehlungsgrad B). Fachleute gehen laut IQWiG außerdem davon aus, dass die Langzeitbehandlung mit 5-ASA das Darmkrebsrisiko bei Colitis ulcerosa senkt. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Mehr auf der Seite Mesalazin.

Ist Kortison für die Dauerbehandlung geeignet?

Nein. Kortikosteroide sollen laut Leitlinie zur Remissionserhaltung nicht eingesetzt werden (Empfehlungsgrad A). Laut IQWiG eignen sich Glukokortikoide nicht für eine langfristige Therapie, weil es dann zu Nebenwirkungen wie Gewichtszunahme, Schlafstörungen, Bluthochdruck, Osteoporose oder Haut-, Magen- und Augenproblemen kommen kann und das Risiko für Thrombosen, Diabetes und Infektionen steigt. Prednisolon darf laut Packungsbeilage nie eigenmächtig abgesetzt werden; mehr dazu unter Prednisolon absetzen.

Was kann ich selbst bei Colitis ulcerosa tun?

Laut IQWiG empfehlen Fachleute, die Ernährung an die Erkrankung anzupassen und mit dem Rauchen aufzuhören, unabhängig vom Schweregrad. Strukturierte körperliche Bewegung sollte laut Leitlinie bei leichter Aktivität und in Remission angewendet werden (Empfehlungsgrad B). Vielen Betroffenen helfen laut IQWiG außerdem Entspannungstechniken, psychotherapeutische Unterstützung und der Austausch in Selbsthilfegruppen, etwa bei der Deutschen Morbus Crohn / Colitis ulcerosa Vereinigung (DCCV).

Erhöht Colitis ulcerosa das Darmkrebsrisiko?

Ja, laut IQWiG ist das Risiko für Dickdarmkrebs erhöht; wie stark, hängt vom Ausmaß der Erkrankung und weiteren Risikofaktoren ab. Um Dickdarmkrebs frühzeitig zu erkennen, wird spätestens 6 bis 8 Jahre nach der Diagnose eine Darmspiegelung gemacht und dann je nach Risiko jährlich, alle 2 bis 3 Jahre oder alle 5 Jahre wiederholt. Ist die Entzündung auf den Enddarm beschränkt, ohne frühere oder aktuelle Entzündung weiter oben, sollte laut Leitlinie keine regelmäßige Überwachungs-Darmspiegelung erfolgen (Empfehlung).

Kann ich mit Colitis ulcerosa schwanger werden?

Vor einer geplanten Schwangerschaft sollten sich Frauen mit Colitis ulcerosa laut Leitlinie seit drei bis sechs Monaten in Remission befinden; eine Beratung vorab kann sich positiv auf den Schwangerschaftsverlauf auswirken (Empfehlungsgrad B). Die meisten Immunsuppressiva können laut Embryotox fortgesetzt werden, wenn es notwendig ist; Methotrexat und JAK-Hemmer sollten dagegen schon vor der Empfängnis abgesetzt und umgestellt werden. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Wann muss ich mit Colitis ulcerosa ins Krankenhaus?

Einen schweren akuten Schub sollte man laut Leitlinie stationär behandeln (Empfehlungsgrad B). Hinweise auf einen schweren Verlauf sind laut IQWiG mindestens sechs blutige Stuhlgänge am Tag, Fieber, Blutarmut, ein hoher Puls und erhöhte Entzündungswerte. Bei starken, nicht stillbaren Blutungen, Bewusstlosigkeit oder akuten und anhaltenden stärksten Schmerzen rufen Sie laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung den Notruf 112.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

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