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Prednisolon absetzen
Prednisolon dürfen Sie laut Packungsbeilage nie eigenmächtig absetzen: Vor allem eine länger dauernde Behandlung unterdrückt die körpereigene Bildung von Glucocorticoiden, und eine ausgeprägte körperliche Stresssituation kann dann lebensgefährlich sein. Nach längerer Behandlung wird die Dosis nach einem ärztlichen Schema schrittweise verringert; hohe und höchste Dosen, die nur wenige Tage gegeben wurden, können laut Packungsbeilage je nach Grunderkrankung und klinischem Ansprechen ohne Ausschleichen abgesetzt werden. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.

Prednisolon dürfen Sie laut Packungsbeilage nie eigenmächtig absetzen. Vor allem eine länger dauernde Behandlung unterdrückt die körpereigene Bildung von Glucocorticoiden, und eine ausgeprägte körperliche Stresssituation kann dann lebensgefährlich sein (Addison-Krise). Folgen Sie stets dem Dosierungsschema Ihrer Ärztin oder Ihres Arztes [1]. Auch laut IQWiG ist es wichtig, Kortisontabletten nach längerer Anwendung nicht abrupt abzusetzen; die Ärztin oder der Arzt legt zum Ende der Behandlung ein Schema fest, nach dem die Dosis allmählich verringert wird [12].
Nicht jede Behandlung muss ausgeschlichen werden. Hohe und höchste Dosen, die über wenige Tage gegeben wurden, können laut Packungsbeilage und Fachinformation je nach Grunderkrankung und klinischem Ansprechen ohne Ausschleichen abgesetzt werden [1, 2]. Wofür Prednisolon eingesetzt wird und welche Nebenwirkungen es hat, steht auf der Wirkstoffseite.
Was Packungsbeilage und Fachinformation zum Absetzen sagen
Warum der Körper Zeit braucht
Prednisolon ist ein Glucocorticoid, also ein Nebennierenrindenhormon [1]. In der Menge, die der Körper selbst bildet, ist die Wirkung der Glucocorticoide laut Fachinformation lebensnotwendig: Sie hält das innere Gleichgewicht des Körpers in Ruhe und unter Belastung aufrecht und reguliert Aktivitäten des Immunsystems. Eine länger dauernde Behandlung mit hohen Dosen führt zur Rückbildung der Nebennierenrinde [2]. Packungsbeilage und Fachinformation nennen die Unterdrückung beziehungsweise den Schwund der Nebennierenrinde auch unter den möglichen Nebenwirkungen [1, 2].
Den Hintergrund erklärt eine internationale Leitlinie, die die European Society of Endocrinology (ESE) und die Endocrine Society, zwei Fachgesellschaften für Hormonerkrankungen, 2024 gemeinsam auf Englisch veröffentlicht haben. Jede Dosis oberhalb der Menge, die etwa der körpereigenen Cortisolbildung entspricht, kann den Regelkreis aus Zwischenhirn, Hirnanhangsdrüse und Nebennieren unterdrücken. Wie stark und wie lange, hängt unter anderem von der Wirkstärke, der Dosis, der Behandlungsdauer und der persönlichen Empfindlichkeit ab [11]. Wird die Dosis gesenkt, erholen sich zuerst Zwischenhirn und Hirnanhangsdrüse, danach die Cortisolbildung der Nebennieren. Bei einer Minderheit kann die Cortisolbildung eingeschränkt bleiben [11].
Nach einer längeren Behandlung
Nach Eintritt der erwünschten Wirkung wird die Dosis abhängig von der Grunderkrankung verringert. Ist die Tagesdosis auf mehrere Einzeldosen verteilt, wird zuerst die Abenddosis und dann eine etwaige Mittagsdosis reduziert. Die Schritte sind zunächst etwas größer und werden bei niedrigeren Tagesdosen kleiner [1, 2]. Sobald ein befriedigendes Behandlungsergebnis erreicht ist, wird die Dosis auf eine Erhaltungsdosis verringert oder die Behandlung beendet. Dafür legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt ein Behandlungsschema fest, das Sie genau einhalten sollten [1].
Laut Fachinformation entscheidet die klinische Situation darüber, ob die Dosis ganz abgebaut wird oder eine Erhaltungsdosis nötig ist. Gerade bei chronischen Erkrankungen ist oft eine Langzeitbehandlung mit niedrigen Erhaltungsdosen erforderlich. Dosisabbau und Beenden geschehen gegebenenfalls unter Kontrolle des Regelkreises, der die Nebennierenrinde steuert [2]. Anders beim Hormonersatz: Bei einer dauerhaften Schwäche der Nebennierenrinde erfolgt er lebenslang [1]. Mehr zum Hormonersatz steht auf der Seite Hydrocortison.
Nach wenigen Tagen mit hohen Dosen
Hohe und höchste Dosen, die über wenige Tage gegeben wurden, können laut Packungsbeilage und Fachinformation je nach Grunderkrankung und klinischem Ansprechen ohne Ausschleichen abgesetzt werden [1, 2]. Bei bestimmten bösartigen Erkrankungen des blutbildenden Systems wird Prednisolon im Rahmen von Chemotherapie-Schemata in der Regel ohne Ausschleichen zum Behandlungsende angewendet [1, 2]. Für eine akute Verschlechterung einer chronischen, einengenden Atemwegserkrankung (COPD) nennt die Packungsbeilage eine empfohlene Behandlungsdauer von bis zu 10 Tagen [1].
Die Leitlinie der ESE und der Endocrine Society schlägt vor, eine kurze Behandlung von weniger als 3 bis 4 Wochen unabhängig von der Dosis nicht auszuschleichen. Sie kann ohne Test beendet werden, weil eine Unterdrückung der Hormonsteuerung der Nebennieren dann wenig zu befürchten ist. Die Aussagesicherheit dieser Empfehlung stuft die Leitlinie als sehr niedrig ein [11]. Ob das bei Ihrer Erkrankung gilt, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.
Corticoid-Ausweis
Bei einer Langzeitbehandlung sollte Ihnen Ihre Ärztin oder Ihr Arzt einen Corticoid-Ausweis ausstellen, den Sie immer bei sich tragen sollten [1]. Die Fachinformation begründet den Notfallausweis mit der möglichen Gefährdung in Stresssituationen [2]. Die Leitlinie nennt als Beispiel den europäischen Notfallausweis der ESE für Menschen mit einer Unterfunktion der Nebennierenrinde. Er informiert Fachleute, wenn jemand schwer erkrankt oder bewusstlos ist [11].
Welche Beschwerden beim Absetzen auftreten können
Beim Beenden oder gegebenenfalls Abbrechen einer langzeitigen Einnahme ist laut Packungsbeilage und Fachinformation an drei Risiken zu denken: das Wiederaufflammen oder die Verschlimmerung der Grunderkrankung, eine akute Unterfunktion der Nebennierenrinde, besonders in Stresssituationen wie einer Infektion, nach Unfällen oder bei verstärkter körperlicher Belastung, und Beschwerden durch den Cortison-Entzug [1, 2].
Muskel- und Gelenkschmerzen
Wird die Dosis nach lang dauernder Behandlung zu rasch verringert, kann es laut Packungsbeilage zu Beschwerden wie Muskel- und Gelenkschmerzen kommen [1, 2]. Unter den möglichen Nebenwirkungen nennen Packungsbeilage und Fachinformation außerdem eine Gefäßentzündung (Vaskulitis), auch als Entzugssyndrom nach einer Langzeitbehandlung [1, 2]. Mehr dazu auf den Seiten Muskelschmerzen und Gelenkschmerzen.
Cortison-Entzugssyndrom
Die internationale Leitlinie der ESE und der Endocrine Society beschreibt das Glucocorticoid-Entzugssyndrom genauer. Gemeint sind Beschwerden, die beim Verringern der Dosis auftreten, solange die Tagesdosis noch über der Menge liegt, die etwa der körpereigenen Cortisolbildung entspricht. Sie gehen weder auf die Grunderkrankung noch auf eine unbehandelte Unterfunktion der Nebennierenrinde zurück [11]. Als Beschwerden nennt die Leitlinie allgemeines Unwohlsein, Müdigkeit, Übelkeit, Muskel- und Gelenkschmerzen, Schlafstörungen und Stimmungsveränderungen. Vermutet wird, dass die plötzlich geringere Menge an Glucocorticoiden zu einem Anstieg entzündungsfördernder Botenstoffe führt [11].
Patientinnen und Patienten sollen laut Leitlinie darüber informiert werden, dass solche Beschwerden beim Verringern der Dosis zu erwarten sind. Nach höheren Dosen, lang wirkenden Glucocorticoiden und längerer Behandlungsdauer sind wahrscheinlich mehr Entzugsbeschwerden zu erwarten; bei Zeichen eines Cushing-Syndroms wie einem Vollmondgesicht wird das Ausschleichen wahrscheinlich schwieriger [11]. Ein langsames Verringern der Dosis ist laut Leitlinie die einzige bekannte Maßnahme, die helfen kann, schweren Entzugsbeschwerden vorzubeugen [11]. Mehr dazu auf der Seite Müdigkeit.
Unterfunktion der Nebennierenrinde
Beschwerden durch eine Unterfunktion der Nebennierenrinde sind laut Leitlinie wesentlich wahrscheinlicher, wenn die gesamte Tagesdosis unter der Menge liegt, die etwa der körpereigenen Cortisolbildung entspricht, oder unter der Menge, die für eine ausreichende Reaktion auf Stress nötig ist [11]. Als Beschwerden nennt die Leitlinie allgemeines Unwohlsein, Müdigkeit, Übelkeit sowie Muskel- und Gelenkschmerzen, als Zeichen einen niedrigen Blutdruck, Kreislaufbeschwerden beim Aufstehen und eine Gewichtsabnahme. Bei einer Gewichtsabnahme ist laut Leitlinie auch daran zu denken, dass sich ein durch die Behandlung entstandenes Cushing-Syndrom zurückbildet [11].
Ohne Belastung können Betroffene beschwerdefrei sein. Kommen Auslöser wie eine Infektion hinzu, können Beschwerden von leicht bis zu einer lebensbedrohlichen Nebennierenkrise auftreten [11]. Frühere Studien haben laut Leitlinie gezeigt, dass eine Unterfunktion der Nebennierenrinde bis zu 2 bis 4 Jahre nach dem Ende der Behandlung anhalten kann. Das Risiko einer klinisch bedeutsamen Nebennierenkrise beim Beenden einer Langzeitbehandlung ist laut Leitlinie im Allgemeinen gering [11].
Wiederaufflammen der Grunderkrankung
Während des Ausschleichens können laut Leitlinie Autoimmunerkrankungen zurückkehren, gegen die das Glucocorticoid eingesetzt wurde. Die Beschwerden von Entzugssyndrom, Unterfunktion der Nebennierenrinde und Grunderkrankung überschneiden sich, etwa Gelenkschmerzen bei einer rheumatoiden Arthritis. Liegt die Dosis nahe der körpereigenen Menge, lassen sich Entzugssyndrom und Unterfunktion nicht ganz sicher unterscheiden [11]. Welche Ursache Ihre Beschwerden haben, kann nur Ihre Ärztin oder Ihr Arzt beurteilen.
Wie Ärztinnen und Ärzte beim Absetzen vorgehen

Das Ausschleichen einer Langzeitbehandlung soll laut der internationalen Leitlinie von ESE und Endocrine Society nur dann versucht werden, wenn die Grunderkrankung unter Kontrolle ist und Glucocorticoide nicht mehr gebraucht werden. Dann wird die Dosis verringert, bis sie sich der Menge nähert, die etwa der körpereigenen Cortisolbildung entspricht [11]. Für das beste Vorgehen beim Ausschleichen gibt es laut Leitlinie keine überzeugenden Belege, und ein einheitliches Vorgehen ist bisher nicht festgelegt [11].
Die Packungsbeilage nennt Schritte, die unter Beobachtung der Krankheitsaktivität als Orientierung für den Dosisabbau dienen können. Je niedriger die Tagesdosis, desto kleiner sind darin die Schritte und desto länger die Abstände dazwischen [1, 2]. Die einzelnen Angaben stehen auf der Seite Prednisolon im Abschnitt zur Dosierung. Ihr eigenes Schema legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest [1].
Ist die Tagesdosis bei der körpereigenen Menge angekommen, schlägt die Leitlinie zwei Wege vor: die Dosis unter ärztlicher Beobachtung auf Zeichen einer Unterfunktion der Nebennierenrinde langsam weiter verringern oder morgens den Cortisolwert im Blut messen [11]. Treten beim weiteren Verringern Zeichen einer Unterfunktion auf, wird das Glucocorticoid laut Leitlinie wieder gegeben und erst abgesetzt, wenn sich die Hormonsteuerung nachweislich erholt hat. Hat sie sich bei dieser niedrigen Dosis nach einem Jahr nicht erholt, schlägt die Leitlinie eine Untersuchung durch Fachleute für Hormonerkrankungen (Endokrinologie) vor, ebenso nach einer früheren Nebennierenkrise [11].
Sind die Entzugsbeschwerden stark, kann die Dosis laut Leitlinie vorübergehend auf die zuletzt vertragene erhöht und das Ausschleichen verlängert werden [11]. Die Leitlinie empfiehlt außerdem, mindestens ein Familienmitglied oder eine betreuende Person in die Aufklärung einzubeziehen [11].
Belastungen während und nach dem Ausschleichen
Kommt es während der Behandlung zu besonderen körperlichen Belastungen wie fieberhaften Erkrankungen, Unfällen, Operationen oder einer Geburt, verständigen Sie laut Packungsbeilage sofort Ihre Ärztin oder Ihren Arzt oder unterrichten einen Notarzt über die laufende Behandlung. Eine vorübergehende Steigerung der Tagesdosis kann dann notwendig werden [1, 2]. Was in Schwangerschaft und Stillzeit gilt, steht auf der Seite Prednisolon in der Schwangerschaft.
Die Leitlinie empfiehlt, Menschen, die Glucocorticoide nehmen oder kürzlich genommen haben und bei denen eine Unterfunktion der Nebennierenrinde nicht durch einen Bluttest ausgeschlossen wurde, bei Stress zusätzlich mit Glucocorticoiden abzusichern. Als leichten Stress nennt sie zum Beispiel Fieber, eine Infektion, die Antibiotika erfordert, eine Verletzung oder eine erhebliche seelische Belastung; dann werden Tabletten verwendet. Bei mittlerem bis schwerem Stress, bei Eingriffen in Vollnarkose oder Regionalanästhesie, bei anhaltendem Erbrechen oder Durchfall und bei einem instabilen Kreislauf wird das Glucocorticoid gespritzt oder als Infusion gegeben [11]. An eine mögliche Unterfunktion und die Absicherung bei Stress ist laut Leitlinie auch nach dem Ende der Behandlung zu denken [11]. Wie viel Sie wann einnehmen, legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest. Was Sie vor einem Eingriff klären sollten, steht im Ratgeber Medikamente vor der OP.
Wenn Sie eine Einnahme vergessen haben
Haben Sie eine Einnahme vergessen, können Sie sie laut Packungsbeilage im Laufe des Tages nachholen und am nächsten Tag die verordnete Dosis wie gewohnt weiter einnehmen. Nehmen Sie nicht die doppelte Menge ein. Haben Sie die Einnahme mehrmals vergessen, kann die behandelte Krankheit unter Umständen wieder aufflammen oder sich verschlimmern; wenden Sie sich dann an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, die oder der die Behandlung überprüft und gegebenenfalls anpasst [1].
Bei Menschen, die Glucocorticoide in einer Dosis über der körpereigenen Menge einnehmen, kann laut der internationalen Leitlinie von ESE und Endocrine Society eine Nebennierenkrise auftreten, wenn plötzlich weniger Wirkstoff zur Verfügung steht, zum Beispiel durch ausgelassene Einnahmen oder eine Magen-Darm-Infektion. Bei einer Magen-Darm-Infektion ist nicht gesichert, dass der Wirkstoff aufgenommen wird [11]. Sprechen Sie bei Erbrechen oder Durchfall deshalb rasch mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Was Sie tun können
Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Laut der internationalen Leitlinie von ESE und Endocrine Society sollen Ärztinnen und Ärzte, die Glucocorticoide verordnen, über die Folgen für den Hormonhaushalt aufklären, auch über das Entzugssyndrom und die Absicherung bei Stress [11]. Diese Fragen helfen, das Gespräch vorzubereiten:
- Ist meine Grunderkrankung so weit unter Kontrolle, dass die Dosis verringert werden kann?
- Muss ich nach meiner Behandlungsdauer ausschleichen, oder kann die Behandlung direkt enden?
- Nach welchem Schema verringere ich die Dosis, und wann sprechen wir erneut darüber?
- Welche Beschwerden sind beim Verringern zu erwarten, und wann soll ich mich melden?
- Was tue ich bei Fieber, einer Infektion, Erbrechen oder Durchfall, auch nach dem Absetzen?
- Brauche ich einen Corticoid-Ausweis, und ist ein Bluttest auf Cortisol sinnvoll?
- Steht eine Operation, eine Zahnbehandlung oder eine Geburt an?
Weitere Fragen können Sie mit dem Werkzeug Fragen für das Arztgespräch sammeln. Allgemeines zum Beenden einer Behandlung steht im Ratgeber Medikamente absetzen.
Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, wenden Sie sich an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke. Sie können Nebenwirkungen auch direkt dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) melden [1]. Wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden.
Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen
Eine Nebennierenkrise ist laut der internationalen Leitlinie von ESE und Endocrine Society ein lebensbedrohlicher Notfall, der rasch erkannt und behandelt werden muss. Kennzeichen sind laut Leitlinie ein niedriger Blutdruck oder ein Kreislaufschock zusammen mit mindestens einem dieser Zeichen: Übelkeit oder Erbrechen, starke Erschöpfung, Fieber oder eine Bewusstseinsstörung wie Schläfrigkeit, Verwirrtheit oder Kollaps [11]. Bei Menschen, die Glucocorticoide nehmen oder kürzlich genommen haben, ist laut Leitlinie auch bei Erbrechen, Durchfall, akuten Bauchbeschwerden oder einem instabilen Kreislauf an eine Nebennierenkrise zu denken, unabhängig von Wirkstoff, Darreichungsform und Dosis. Behandelt wird sie mit Glucocorticoiden über die Vene oder den Muskel und mit Flüssigkeit [11].
Die Packungsbeilage nennt außerdem Beschwerden, bei denen Sie während der Behandlung sofort Ihre Ärztin oder Ihren Arzt informieren und die Behandlung auf keinen Fall selbst abbrechen. Sie stehen mit den übrigen Warnzeichen in der Liste unten [1].
Quellen
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Predni H Tablinen 5 mg. Winthrop Arzneimittel GmbH (Mitvertrieb Zentiva Pharma GmbH). Stand 07/2022. abgerufen am 10.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Predni H Tablinen 5 mg/20 mg/50 mg, Tabletten. Winthrop Arzneimittel GmbH (Mitvertrieb Zentiva Pharma GmbH). Stand 07/2022. abgerufen am 10.10.2026
- Embryotox Embryotox: Prednisolon. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 16.10.2026
- Fachinformation Fachinformation INFECTOCORTIKRUPP Zäpfchen 100 mg (Prednisolonacetat). INFECTOPHARM Arzneimittel und Consilium GmbH. Stand 08/2020. abgerufen am 18.10.2026
- Leitlinie European Society of Endocrinology and Endocrine Society Joint Clinical Guideline: Diagnosis and Therapy of Glucocorticoid-induced Adrenal Insufficiency (J Clin Endocrinol Metab 2024; 109(7): 1657-1683, gleichlautend in Eur J Endocrinol 2024; 190(5): G25-G51). European Society of Endocrinology (ESE) und Endocrine Society. Stand 05/2024. abgerufen am 16.10.2026
- Kortison richtig anwenden und Nebenwirkungen vermeiden. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 16.06.2021. abgerufen am 16.10.2026
Häufige Fragen
Was passiert, wenn man Prednisolon plötzlich absetzt?
Beim Beenden oder Abbrechen einer langzeitigen Einnahme ist laut Packungsbeilage an drei Risiken zu denken: Die Grunderkrankung kann wieder aufflammen oder sich verschlimmern, es kann zu einer akuten Unterfunktion der Nebennierenrinde kommen, besonders bei Infektionen, nach Unfällen oder bei verstärkter körperlicher Belastung, und es können Beschwerden durch den Cortison-Entzug auftreten. Bei zu rascher Dosisverringerung nach lang dauernder Behandlung sind Muskel- und Gelenkschmerzen möglich. Weil vor allem eine länger dauernde Behandlung die körpereigene Bildung von Glucocorticoiden unterdrückt, kann eine ausgeprägte körperliche Stresssituation laut Packungsbeilage lebensgefährlich sein (Addison-Krise). Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.
Kann ich Prednisolon nach kurzer Einnahme ohne Ausschleichen absetzen?
Hohe und höchste Dosen, die über wenige Tage gegeben wurden, können laut Packungsbeilage je nach Grunderkrankung und klinischem Ansprechen ohne Ausschleichen abgesetzt werden. Die internationale Leitlinie der European Society of Endocrinology und der Endocrine Society schlägt vor, eine Behandlung von weniger als 3 bis 4 Wochen unabhängig von der Dosis nicht auszuschleichen; die Aussagesicherheit dafür stuft sie als sehr niedrig ein. Ob das bei Ihnen gilt, hängt von Ihrer Erkrankung und Ihrer bisherigen Behandlung ab. Fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, wie Ihre Behandlung endet.
Wie sieht ein Schema zum Ausschleichen von Prednisolon aus?
Die Packungsbeilage nennt Schritte, die unter Beobachtung der Krankheitsaktivität als Orientierung dienen können: zunächst etwas größere Schritte, bei niedrigeren Tagesdosen kleinere Schritte in längeren Abständen. Ist die Tagesdosis auf mehrere Einzeldosen verteilt, wird zuerst die Abenddosis und dann eine etwaige Mittagsdosis verringert. Die einzelnen Angaben stehen auf der Seite Prednisolon im Abschnitt zur Dosierung. Ihr persönliches Schema legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest, und Sie sollten es laut Packungsbeilage genau einhalten.
Wie lange dauert das Absetzen nach langer Einnahme?
Eine feste Dauer nennen Packungsbeilage und Fachinformation nicht. Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Krankheitsverlauf, und laut Fachinformation entscheidet die klinische Situation, ob die Dosis ganz abgebaut wird oder eine Erhaltungsdosis nötig ist. Für das beste Vorgehen beim Ausschleichen gibt es laut der internationalen Leitlinie der European Society of Endocrinology und der Endocrine Society keine überzeugenden Belege. Frühere Studien haben laut dieser Leitlinie gezeigt, dass eine Unterfunktion der Nebennierenrinde bis zu 2 bis 4 Jahre nach dem Ende der Behandlung anhalten kann.
Ist Müdigkeit nach dem Absetzen von Prednisolon normal?
Müdigkeit und allgemeines Unwohlsein nennt die internationale Leitlinie der European Society of Endocrinology und der Endocrine Society sowohl beim Cortison-Entzugssyndrom als auch bei einer Unterfunktion der Nebennierenrinde. Liegt die Dosis nahe der körpereigenen Hormonmenge, lassen sich beide laut Leitlinie nicht ganz sicher unterscheiden. Entzugsbeschwerden sind beim Verringern der Dosis laut Leitlinie zu erwarten. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wenn Sie müde sind oder sich unwohl fühlen. Kommen niedriger Blutdruck, Erbrechen, Fieber oder Benommenheit hinzu, holen Sie sofort ärztliche Hilfe.
Kopfschmerzen nach dem Absetzen von Prednisolon: Was tun?
Kopfschmerzen nennen Packungsbeilage und Fachinformation nicht als Beschwerde beim Absetzen, und auch unter den Beschwerden des Cortison-Entzugssyndroms führt die internationale Leitlinie der European Society of Endocrinology und der Endocrine Society sie nicht auf. Dort stehen allgemeines Unwohlsein, Müdigkeit, Übelkeit, Muskel- und Gelenkschmerzen, Schlafstörungen und Stimmungsveränderungen. Notieren Sie, wann die Kopfschmerzen auftreten und wann die Dosis verringert wurde, und lassen Sie sie ärztlich abklären.
Was muss ich nach dem Absetzen von Prednisolon beachten?
An eine mögliche Unterfunktion der Nebennierenrinde und an die Absicherung mit Glucocorticoiden bei Stress ist laut der internationalen Leitlinie der European Society of Endocrinology und der Endocrine Society auch nach dem Ende der Behandlung zu denken, besonders wenn kein Bluttest gezeigt hat, dass sich die körpereigene Hormonbildung erholt hat. Sagen Sie bei Fieber, Unfällen, Operationen oder anderen starken Belastungen, dass Sie Prednisolon genommen haben, und zeigen Sie Ihren Corticoid-Ausweis. Bei niedrigem Blutdruck, Kollaps, Erbrechen, Durchfall oder Benommenheit holen Sie sofort ärztliche Hilfe.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
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