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Histaminintoleranz
Bei einer Histaminintoleranz, in der Leitlinie Histaminunverträglichkeit genannt, werden Beschwerden wie Hautrötung, Juckreiz, Übelkeit, Durchfall oder Bauchschmerzen nach histaminhaltigen Nahrungsmitteln vermutet; laut S1-Leitlinie der allergologischen Fachgesellschaften gibt es wegen nicht reproduzierbarer Beschwerden berechtigte Zweifel an ihrer Existenz und keine verlässlichen Laborbefunde. Zu Beginn sollten danach andere Ursachen abgeklärt werden; im Mittelpunkt ihres Vorgehens steht eine dreistufige Ernährungsumstellung. Kapseln mit dem Enzym Diaminoxidase empfiehlt die Leitlinie nicht; einen zeitlich begrenzten Versuch mit H1- und H2-Rezeptorblockern (Antihistaminika) hält sie für denkbar, dafür zugelassen sind diese Mittel aber nicht.

Bei einer Histaminintoleranz sollen Beschwerden wie Hautrötung, Juckreiz, Übelkeit, Durchfall oder Bauchschmerzen nach Lebensmitteln mit dem Botenstoff Histamin auftreten. Laut der S1-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI) und weiterer allergologischer Fachgesellschaften von 2021 gibt es wegen fehlender Reproduzierbarkeit der Beschwerden berechtigte Zweifel an der Existenz einer Unverträglichkeit gegenüber Histamin aus der Nahrung; verlässliche Laborbefunde fehlen [1]. Die Leitlinie beschreibt ein praktisches Vorgehen: andere Ursachen abklären, ein Symptom- und Ernährungstagebuch führen und die Ernährung in drei Stufen umstellen [1]. Kapseln mit dem Enzym Diaminoxidase (DAO) empfiehlt sie nicht. Einen zeitlich begrenzten Versuch mit H1- und H2-Rezeptorblockern (Antihistaminika) hält sie für denkbar, kontrollierte Studien dazu fehlen [1]; für eine Histaminunverträglichkeit sind diese Mittel nicht zugelassen [2, 3].
Was ist eine Histaminintoleranz?
Histamin ist ein biogenes Amin. Der Körper bildet es selbst aus der Aminosäure Histidin und speichert es vor allem in Mastzellen und bestimmten weißen Blutkörperchen (Basophilen); es ist einer der wichtigsten Botenstoffe bei Überempfindlichkeitsreaktionen, mit und ohne Beteiligung von IgE-Antikörpern [1]. Histamin wirkt über vier Bindestellen (Rezeptoren): H1-Rezeptoren erweitern Blutgefäße, verengen die Atemwege und lösen Juckreiz aus, H2-Rezeptoren regeln die Bildung von Magensäure, H3-Rezeptoren den Schlaf-Wach-Rhythmus, und H4-Rezeptoren beeinflussen das Immunsystem [1]. Abgebaut wird Histamin über zwei Enzyme: die Histamin-N-Methyltransferase (HNMT) in den Zellen der meisten Körpergewebe und die Diaminoxidase (DAO), die im Darm, in den Nieren und in der Plazenta gebildet wird [1].
Ein umstrittenes Krankheitsbild: Vermutet wurde, dass vor allem die DAO Histamin aus der Nahrung nicht ausreichend abbaut. Der Begriff "Histaminintoleranz" wurde in Anlehnung an die Laktoseintoleranz geprägt, eine Milchzuckerunverträglichkeit infolge eines Enzymmangels. Kontrollierte Studien, die einen Enzymmangel als Ursache sicher belegen, fehlen jedoch [1]. Weil dieser Zusammenhang nicht bewiesen ist, verwendet die Leitlinie ausschließlich den Begriff Histaminunverträglichkeit [1]. Lange wurde das Krankheitsbild nur für Erwachsene beschrieben, vor allem bei chronischer Nesselsucht und anderen Hautbeschwerden; zuletzt wurde vermehrt über Magen-Darm-Beschwerden und auch über betroffene Kinder berichtet [1].
Abgrenzung zur Histaminvergiftung: Größere Mengen Histamin können Vergiftungen hervorrufen, etwa durch verdorbenen Fisch wie Thunfisch oder Makrele. Das ist eine Folge einer Überdosierung und keine Unverträglichkeit; auf unnatürlich große Mengen reagiert jeder Mensch [1].
Symptome
Als klassische Beschwerden einer Histaminunverträglichkeit gelten laut Leitlinie eine plötzliche Rötung im Gesicht (Flush) sowie Juckreiz und Rötungen am Körper. Auch Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Bauchschmerzen können durch Histamin ausgelöst werden. Seltener werden Beschwerden der Atemwege oder des Kreislaufs beschrieben, etwa Blutdruckabfall, Schwindel oder Herzrasen [1].
Wichtig ist der zeitliche Zusammenhang: Nur wenn Beschwerden innerhalb von Minuten bis zu vier Stunden nach dem Essen auftreten, besteht laut Leitlinie der Verdacht auf eine Nahrungsmittelunverträglichkeit [1]. Bei Frauen werden vor der Menstruation vermehrt Beschwerden beobachtet [1].
Ursachen und andere Erkrankungen mit ähnlichen Beschwerden
Seit Mitte der 1980er-Jahre stehen biogene Amine im Verdacht, bei bestimmten Menschen schon in geringen Mengen Unverträglichkeitsreaktionen hervorzurufen. Neben Histamin können laut Leitlinie auch andere biogene Amine wie Tyramin oder Serotonin solche Reaktionen auslösen oder den Abbau von Histamin beeinflussen [1].
Einflussfaktoren: Alkohol kann den Abbau von Histamin behindern, weil dafür dieselben Enzyme gebraucht werden [1]. Die Empfindlichkeit kann laut Leitlinie von Mensch zu Mensch sehr stark schwanken. Auf die Durchlässigkeit der Darmwand können unter anderem die Einnahme von Acetylsalicylsäure, anderen nicht steroidalen Entzündungshemmern (NSAR) und weiteren Medikamenten, Darmerkrankungen, besonders entzündliche, gleichzeitiger Alkoholgenuss, der Hormonstatus und wahrscheinlich die Zusammensetzung der Darmflora einwirken [1].
Medikamente: Einer Reihe von Medikamenten wurde ein negativer Einfluss auf die Histamin abbauenden Enzyme zugeschrieben, vor allem auf die DAO. Die Leitlinie nennt als Beispiele Acetylcystein, Metamizol, Verapamil, Metronidazol und Metoclopramid. Die Datenlage zu diesen älteren Berichten ist nach aktueller Literatur inkonsistent; weitere Forschung ist nötig [1]. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Haben Sie ein Medikament im Verdacht, können Sie Ihre Beschwerden im Nebenwirkungs-Tagebuch festhalten und zum Arztgespräch mitnehmen.
Histamin in Lebensmitteln: Der Histamingehalt schwankt stark mit Reifegrad, Lagerdauer und Verarbeitung. In Emmentaler reicht er zum Beispiel von unter 0,1 bis 2.000 Milligramm je Kilogramm. Die Verträglichkeit nach der Höhe des Histamingehalts abzuschätzen, ist laut Leitlinie nicht sinnvoll, weil die Gehalte stark schwanken und Zweifel bestehen, dass Histamin der alleinige Auslöser ist [1]. Manche Empfehlungen histaminarmer Kost sind nicht wissenschaftlich belegt: Verboten werden etwa Nahrungsmittel ohne Histamin wie Hefe, oder es wird geraten, sogenannte Histaminliberatoren zu meiden, also Stoffe, die eine Ausschüttung von Histamin bewirken sollen, ohne dass ihr Vorkommen in Lebensmitteln oder ihre Bedeutung für die Beschwerden sicher belegt ist [1].
Andere Ursachen: Weil alle genannten Beschwerden auch durch körpereigenes Histamin entstehen können, kann laut Leitlinie eine breite Abklärung nötig sein. Sie nennt diese anderen möglichen Ursachen (Differenzialdiagnosen) [1]:
| Beschwerde | Andere mögliche Ursachen |
|---|---|
| Plötzliche Rötung (Flush) | Hormonbildende (neuroendokrine) Tumoren, Mastozytose (Vermehrung von Mastzellen) [1] |
| Juckreiz | Nesselsucht (Urtikaria), Juckreiz ohne erkennbare Hauterkrankung (Pruritus sine materia), Prurigo [1] |
| Übelkeit und Erbrechen | Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür [1] |
| Durchfall und Bauchschmerzen | Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa, Kohlenhydratverwertungsstörungen (Laktoseintoleranz, Fructosemalabsorption), Zöliakie, Mastozytose [1] |
| Schnupfen | Allergischer und nicht allergischer Schnupfen [1] |
| Atemnot, Stimmstörung | Allergisches und nicht allergisches Asthma [1] |
| Blutdruckabfall, Schwindel, Herzrasen | Anaphylaxie, Mastozytose [1] |
Diagnose
Ein gesichertes Vorgehen zur Diagnose ist laut Leitlinie nicht beschrieben. Die Verdachtsdiagnose wird vorwiegend anhand der Krankengeschichte gestellt, nachdem andere Ursachen ausgeschlossen wurden [1]. Zu den vorgeschlagenen Tests schreibt die Leitlinie [1]:
- DAO im Blut: Die Messung der Enzymaktivität im Blut ist nicht aussagekräftig. Untersuchungen legen danach nahe, dass die Werte von Betroffenen und Gesunden vergleichbar sind; zudem ließ sich die DAO im Blutserum nicht in relevanter Menge nachweisen.
- Histamin-50-Pricktest: Dabei wird die Hautquaddel nach einem Pricktest mit Histamin nach 50 Minuten erneut abgelesen. Ob oral aufgenommenes Histamin verlangsamt abgebaut wird, zeigt der Test nicht; Nachfolgeuntersuchungen liegen nicht vor.
- Enzyme in der Darmschleimhaut: Der Messung kommt möglicherweise eine Aussagekraft zu; ob sie Aufschluss über den Abbau von Histamin aus der Nahrung gibt, muss noch untersucht werden.
- Histamin im Stuhl: Die Aussagekraft ist fraglich, weil Darmbakterien, vor allem Laktobazillen, zum Teil große Mengen Histamin bilden.
- Histamin im Blutplasma und Methylhistamin im Urin: Die Bedeutung ist umstritten beziehungsweise kritisch zu hinterfragen; der Wert im Urin hängt auch vom Eiweißanteil der Nahrung ab.
Provokation: Geeignet, um eine Unverträglichkeit festzustellen oder auszuschließen, ist laut Leitlinie eine schrittweise orale Provokation mit Histamin, idealerweise doppelblind und placebokontrolliert; für die Routine in der Praxis gibt es dafür bislang kein etabliertes Verfahren [1]. In einer österreichischen Studie ließen sich Reaktionen aus einer offenen Provokation unter doppelblinden Bedingungen nicht wiederholen, es traten sogar Reaktionen nach Placebo auf. Das legt laut Leitlinie nahe, dass die Erwartungshaltung einen relevanten Einfluss auf das Ergebnis hat [1]. Eine Histaminprovokation muss unter ärztlicher Aufsicht erfolgen, weil Übelkeit oder Erbrechen bis hin zu vorübergehenden Kreislaufstörungen auftreten können; in der Regel treten diese Beschwerden kurzfristig auf und können mit Antihistaminika beherrscht werden [1]. Die Diagnose und auch der Ausschluss einer Histaminunverträglichkeit "soll/muss klinisch erfolgen" [1].
Behandlung ohne Medikamente
Zu Beginn sollten laut Leitlinie mögliche andere Ursachen abgeklärt und gegebenenfalls behandelt werden. Bleibt der Verdacht bestehen, können mit einem Symptom- und Ernährungstagebuch verdächtige Mengen biogener Amine eingegrenzt und Umstände erkannt werden, die eine Überempfindlichkeit fördern [1]. Im Mittelpunkt ihres Vorgehens steht eine dreistufige Ernährungsumstellung (Tabelle 2 der Leitlinie) [1]:
- Phase 1, Karenz (10 bis 14 Tage): gemüsebetonte Mischkost mit weniger biogenen Aminen, vor allem weniger Histamin. Im Vordergrund stehen eine bessere Nährstoffversorgung, eine veränderte Zusammensetzung der Mahlzeiten und die Grundsätze der angepassten Vollkost. Ziel ist, die Beschwerden so weit wie möglich zu verringern.
- Phase 2, Testphase (bis zu 6 Wochen): verdächtige Nahrungsmittel werden gezielt wieder eingeführt und strikte Vorgaben gelockert, unter Berücksichtigung von Einflüssen wie Stress, Menstruation oder Medikamenten. Ziel ist, die individuelle Histaminverträglichkeit zu ermitteln.
- Phase 3, Dauerernährung: individuelle Empfehlungen, die sich an der persönlichen Verträglichkeit orientieren; Ziel ist eine dauerhaft bedarfsdeckende Ernährung bei hoher Lebensqualität.
Die Leitlinie empfiehlt diese Umstellung trotz des eingeschränkten und widersprüchlichen Wissens über die Ursache, um Betroffenen den Weg von pauschalen und häufig unnötigen Verboten zu individuellen Strategien zu erleichtern [1]. Eine Abklärung zusammen mit einer individuellen, an den Beschwerden ausgerichteten Ernährungstherapie ist laut Leitlinie zu empfehlen und gegenüber pauschalen, restriktiven Diäten zu bevorzugen [1]. Ob dabei biologische Effekte, der natürliche Verlauf oder psychologische Effekte einer kompetenten Beratung wirken, müssen kontrollierte Studien klären [1].
Behandlung mit Medikamenten

Ein Arzneimittel mit Zulassung für eine Histaminunverträglichkeit nennt die Leitlinie nicht. Sie bespricht zwei Ansätze: Antihistaminika und Kapseln mit dem Enzym Diaminoxidase [1].
Antihistaminika
Doppelblinde, placebokontrollierte Studien zur Wirksamkeit von H1- und H2-Blockern bei einer Histaminunverträglichkeit liegen laut Leitlinie nicht vor. Aus ihrem Wirkmechanismus ergibt sich danach, dass sie zur Behandlung einzelner Beschwerden geeignet sein sollten, zum Beispiel H1-Blocker bei Flush oder H2-Blocker bei Übelkeit und Erbrechen, zumindest bei akuten Belastungen wie einer Feier mit stark histaminhaltigen Speisen oder bei einer Histaminvergiftung durch Fisch [1]. Als pragmatisches Vorgehen hält es die Leitlinie für denkbar, Betroffene über einen festgelegten Zeitraum mit H1- und H2-Blockern zu behandeln, um zu prüfen, ob sich die Beschwerden verändern [1].
Zugelassen sind diese Mittel für andere Anwendungsgebiete, zum Beispiel H1-Rezeptorblocker für allergischen Schnupfen und Nesselsucht und H2-Rezeptorblocker für Zwölffingerdarmgeschwüre und gutartige Magengeschwüre, nicht für eine Histaminunverträglichkeit [2, 3]. Ob ein solcher Behandlungsversuch für Sie infrage kommt und wie lange, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.
Kapseln mit Diaminoxidase (DAO)
Die Wirksamkeit einer Einnahme von Diaminoxidase ist laut Leitlinie bisher wissenschaftlich nicht belegt und wird nicht empfohlen [1]. Die zwei Studien, nach denen DAO-Kapseln die Beschwerden verbessern sollen, wurden vom Hersteller der Kapseln unterstützt. In der ersten ließen sich bei 39 Menschen, die auf eine offene Provokation mit Histamin reagiert hatten, die Beschwerden in doppelblinden, placebokontrollierten Provokationen nicht reproduzieren; das Hauptziel der Studie wurde nicht erreicht. Die zweite war eine Beobachtung von 28 Betroffenen ohne Kontrollgruppe; ihr Aufbau kann laut Leitlinie keine ursächlichen Effekte zeigen und birgt ein großes Risiko, Placeboeffekte zu beschreiben [1]. Was bei Nahrungsergänzungsmitteln neben Medikamenten zu beachten ist, erklärt der Ratgeber Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel.
Nebenwirkungen der Medikamente
Welche Nebenwirkungen H1-Rezeptorblocker haben können, steht auf der Seite Antihistaminika. Haben Sie ein Medikament als Auslöser von Beschwerden im Verdacht, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Nebenwirkungen können Sie Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke mitteilen oder direkt dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) melden [2]. Wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden.
Leben mit Verdacht auf Histaminunverträglichkeit
Schon der Verdacht führt laut Leitlinie nicht selten zu umfangreichen Einschränkungen beim Essen, die auch das Sozialleben betreffen. Aus Angst vor Reaktionen und Unsicherheit über das Vorkommen von Histamin schränken sich Betroffene sehr oft deutlich stärker ein, als die Krankengeschichte nahelegt [1]. Nach dem jetzigen Wissensstand geht es laut Leitlinie vor allem darum, mit einer fachkundigen Ernährungsberatung zu vermeiden, dass Betroffene Kostformen folgen, die den Speiseplan und damit die Lebensqualität unnötig einschränken [1]. Die dreistufige Ernährungsumstellung kann laut Leitlinie Menschen angeboten werden, die sich wegen des Verdachts stark eingeschränkt ernähren und unter einer verminderten Lebensqualität, vor allem im sozialen Bereich, sehr leiden [1].
Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen
Blutdruckabfall, Schwindel und Herzrasen können laut Leitlinie auch auf eine Anaphylaxie oder eine Mastozytose hinweisen, Atemnot oder Stimmstörungen auf Asthma [1]. Eine Nahrungsmittelallergie kann laut gesund.bund.de zu einer anaphylaktischen Reaktion führen; mögliche Zeichen sind Blutdruckabfall, Bewusstlosigkeit, Hautausschlag und Schwellungen im Gesicht. Schwellen die Atemwege an, kann das Atemnot hervorrufen [4]. Mehr dazu: Anaphylaxie.
In lebensbedrohlichen Fällen, etwa bei schwerer Atemnot, Bewusstlosigkeit oder erheblicher Bewusstseinstrübung, alarmieren Sie laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) den Rettungsdienst unter der Notrufnummer 112. Akute Bauchschmerzen oder anhaltender Brechdurchfall bei mangelnder Flüssigkeitsaufnahme sind Beispiele für den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117, wenn die Praxen geschlossen sind und die Behandlung aus medizinischen Gründen nicht bis zum nächsten Tag warten kann [5].
Quellen
- Leitlinie Leitlinie zum Vorgehen bei Verdacht auf Unverträglichkeit gegenüber oral aufgenommenem Histamin (S1, AWMF-Register-Nr. 061-030), Allergologie 44 (10/2021), S. 761-772; Erstpublikation Allergologie select 2021; 5: 305-314. Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI), Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin (GPA), Ärzteverband Deutscher Allergologen (AeDA), Schweizerische Gesellschaft für Allergologie und Immunologie (SGAI), Österreichische Gesellschaft für Allergologie und Immunologie (ÖGAI); Reese I et al.. Stand 2021. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Cetirizin-ratiopharm bei Allergien 10 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2022. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Famotidin-ratiopharm 20 mg Filmtabletten (verschreibungspflichtig). ratiopharm GmbH. Stand 03/2024. abgerufen am 17.10.2026
- Behörde Nahrungsmittelallergie. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de (in Zusammenarbeit mit dem IQWiG). Stand 27.05.2024. abgerufen am 17.10.2026
- Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Abschnitte "116117 oder 112? Für alle Fälle die richtige Nummer", "Fälle für den Bereitschaftsdienst" und "Fälle für die Notrufnummer 112"). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 17.10.2026
Häufige Fragen
Was hilft bei einer Histaminintoleranz?
Laut S1-Leitlinie sollten zu Beginn andere mögliche Ursachen der Beschwerden abgeklärt und gegebenenfalls behandelt werden. Bleibt der Verdacht bestehen, können mit einem Symptom- und Ernährungstagebuch verdächtige Mengen und begünstigende Umstände eingegrenzt werden. Im Mittelpunkt ihres Vorgehens steht eine dreistufige Ernährungsumstellung aus Karenz, Testphase und Dauerernährung. Eine individuelle Ernährungstherapie ist laut Leitlinie zu empfehlen und pauschalen, strengen Diäten vorzuziehen.
Helfen DAO-Kapseln bei Histaminintoleranz?
Die Wirksamkeit einer Einnahme des Enzyms Diaminoxidase (DAO) ist laut Leitlinie bisher wissenschaftlich nicht belegt und wird nicht empfohlen. Die zwei Studien, auf die sich die Annahme stützt, wurden laut Leitlinie vom Hersteller der Kapseln unterstützt: In der einen ließen sich die Beschwerden in doppelblinden Provokationen nicht reproduzieren, die andere hatte keine Kontrollgruppe und birgt danach ein großes Risiko, Placeboeffekte zu beschreiben.
Helfen Antihistaminika bei Histaminintoleranz?
Doppelblinde, placebokontrollierte Studien dazu gibt es laut Leitlinie nicht. Aus ihrem Wirkmechanismus ergibt sich danach, dass H1-Blocker etwa bei Gesichtsrötung (Flush) und H2-Blocker bei Übelkeit oder Erbrechen geeignet sein sollten, zumindest bei akuten Belastungen; als pragmatisches Vorgehen hält die Leitlinie eine Behandlung über einen festgelegten Zeitraum für denkbar, um zu prüfen, ob sich die Beschwerden verändern. Für eine Histaminunverträglichkeit sind diese Mittel nicht zugelassen. Ob ein solcher Versuch für Sie infrage kommt, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.
Wie wird eine Histaminintoleranz festgestellt?
Ein gesichertes Vorgehen zur Diagnose ist laut Leitlinie nicht beschrieben. Die Verdachtsdiagnose wird vorwiegend anhand der Krankengeschichte gestellt, nachdem andere Ursachen ausgeschlossen sind. Die Messung der Diaminoxidase im Blut ist danach nicht aussagekräftig; auch die Aussagekraft von Histamin im Stuhl, Histamin im Blutplasma und Methylhistamin im Urin stellt die Leitlinie in Frage. Eine Provokation mit Histamin ist nur unter ärztlicher Aufsicht möglich; ein etabliertes Verfahren für die Praxis gibt es dafür bislang nicht.
Welche Lebensmittel enthalten viel Histamin?
Der Histamingehalt schwankt laut Leitlinie stark mit Reifegrad, Lagerdauer und Verarbeitung; in Emmentaler zum Beispiel von unter 0,1 bis 2.000 Milligramm je Kilogramm. Die Verträglichkeit nach der Höhe des Histamingehalts abzuschätzen, ist danach nicht sinnvoll, auch weil Zweifel bestehen, dass Histamin der alleinige Auslöser ist. Manche Empfehlungen histaminarmer Kost sind laut Leitlinie nicht wissenschaftlich belegt, etwa das Verbot von Hefe, die kein Histamin enthält.
Können Medikamente eine Histaminintoleranz auslösen?
Einer Reihe von Medikamenten wurde laut Leitlinie ein negativer Einfluss auf die Histamin abbauenden Enzyme zugeschrieben, erwähnt werden etwa Acetylcystein, Metamizol, Verapamil, Metronidazol und Metoclopramid. Die Datenlage zu diesen älteren Berichten ist danach inkonsistent; weitere Forschung ist nötig. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.
Ist eine Histaminintoleranz eine Allergie?
Nein. Der Begriff Histaminintoleranz wurde laut Leitlinie in Anlehnung an die Laktoseintoleranz geprägt, also an eine Unverträglichkeit infolge eines Enzymmangels; ein solcher Mangel ist bei Histamin aber nicht belegt. Bei einer Nahrungsmittelallergie reagiert dagegen das Immunsystem auf eigentlich unschädliche Eiweiße. Allergien und eine Anaphylaxie gehören laut Leitlinie zu den Erkrankungen, die bei ähnlichen Beschwerden abgeklärt werden sollten.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
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