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Nesselsucht

Nesselsucht (Urtikaria) ist eine Hauterkrankung mit juckenden Quaddeln, tiefen Schwellungen der Haut (Angioödemen) oder beidem; sie gilt als akut, wenn sie bis zu 6 Wochen besteht, und als chronisch, wenn sie länger anhält. Die internationale Urtikaria-Leitlinie von 2026 empfiehlt als erste Behandlung ein modernes Antihistaminikum der zweiten Generation; reicht die übliche Dosis bei chronischer Nesselsucht nicht, empfiehlt sie eine ärztliche Dosiserhöhung, die außerhalb der Zulassung liegt, und danach zusätzlich Omalizumab. Quaddeln zusammen mit Atemnot, Heiserkeit oder Kreislaufproblemen können Zeichen einer anaphylaktischen Reaktion sein; dann wählen Sie laut IQWiG den Notruf 112.

Frau Anfang vierzig mit rotbraunem Haar in mintgrüner Bluse sitzt an einem sonnigen Wohnzimmerfenster und betrachtet ruhig ihren Unterarm
Bild: KI-generiert

Bei Nesselsucht (Urtikaria) bilden sich juckende Quaddeln, tiefe Schwellungen der Haut (Angioödeme) oder beides [1, 2]. Akute Nesselsucht klingt von selbst ab, eine chronische Nesselsucht kann den Alltag stark beeinträchtigen [1, 2]. Als erste Behandlung empfiehlt die internationale Urtikaria-Leitlinie von 2026 für alle Formen ein modernes Antihistaminikum der zweiten Generation [1]. Quaddeln zusammen mit Atemnot oder Kreislaufproblemen können Zeichen einer anaphylaktischen Reaktion sein; dann wählen Sie den Notruf 112 [3].

Was ist Nesselsucht?

Die internationale Urtikaria-Leitlinie, zuletzt 2026 aktualisiert und von über 100 Fachgesellschaften erarbeitet, beschreibt Urtikaria als Erkrankung, bei der sich Quaddeln, Angioödeme oder beides entwickeln. Sie wird vor allem von Mastzellen angetrieben, bestimmten Immunzellen der Haut [1]. Laut gesund.bund.de bilden die Mastzellen vermehrt den Botenstoff Histamin; die Blutgefäße weiten sich und werden durchlässiger, es kommt zu Rötungen und Schwellungen [2]. Nesselsucht ist nicht ansteckend [2].

Die Leitlinie empfiehlt, Nesselsucht nach zwei Merkmalen einzuteilen [1]:

  • Dauer: Akut ist sie, wenn Quaddeln, Angioödeme oder beides 6 Wochen oder kürzer auftreten, chronisch bei mehr als 6 Wochen.
  • Auslöser: Spontan ist sie ohne eindeutigen Auslöser. Induzierbar ist sie, wenn ein bestimmter Reiz die Beschwerden immer auslöst, etwa Kälte, Druck, Wärme, Sonnenlicht, Reibung an der Haut (Dermographismus), Vibration, Wasser oder der Kontakt mit bestimmten Stoffen [1, 2].

Etwa 20 Prozent der Menschen bekommen laut Leitlinie im Lauf ihres Lebens eine akute Nesselsucht [1]. Von der chronischen Form sind laut gesund.bund.de bis zu 5 Prozent der Bevölkerung betroffen, Frauen doppelt so häufig wie Männer [2]. Chronische Nesselsucht beeinträchtigt laut Leitlinie die Lebensqualität und die Leistung in Arbeit und Schule; Schlafstörungen, Depressionen und Angststörungen sind häufige Folgen der chronischen spontanen Form [1]. Mehr dazu: Depression und Angststörung.

Symptome

Eine Quaddel hat laut Leitlinie drei typische Merkmale [1]:

  • eine scharf begrenzte, oberflächliche Schwellung unterschiedlicher Größe und Form, fast immer umgeben von einer Rötung,
  • Juckreiz oder manchmal ein brennendes Gefühl,
  • sie ist flüchtig: Die Haut sieht meist innerhalb von 30 Minuten bis 24 Stunden wieder normal aus.

Ein Angioödem ist eine plötzliche, ausgeprägte, gerötete oder hautfarbene tiefe Schwellung in tieferen Hautschichten oder Schleimhäuten. Es kribbelt, brennt, spannt und schmerzt manchmal, statt zu jucken, und bildet sich langsamer zurück als Quaddeln, innerhalb von bis zu 72 Stunden [1]. Laut gesund.bund.de bekommt mehr als die Hälfte der Menschen mit chronischer spontaner Nesselsucht Quaddeln und Angioödeme, etwa ein Drittel nur Quaddeln und etwa jeder Zehnte nur Angioödeme [2]. Bei den meisten induzierbaren Formen erscheinen die Beschwerden laut Leitlinie meist innerhalb von 10 Minuten nach dem Kontakt mit dem Reiz und klingen 1 bis 3 Stunden nach seinem Ende ab [1].

Ursachen und Risikofaktoren

Akute Nesselsucht folgt laut Leitlinie häufig auf Infekte der oberen Atemwege, etwa eine Erkältung, auch auf COVID-19 [1]. Laut gesund.bund.de findet sich bei 30 bis 50 Prozent der Betroffenen mit akuter Nesselsucht keine bestimmte Ursache; bei den anderen stecken oft Infektionen mit Rota- oder Erkältungsviren oder Bakterien wie Streptokokken dahinter. Auch allergische Reaktionen auf Kuhmilch, Latex, Bienenstiche, Pollen oder Tierhaare und bestimmte Medikamente gegen Rheuma oder Bluthochdruck können Ursachen sein [2]. Mehr dazu: Allergie.

Bei mehr als der Hälfte der Menschen mit chronischer spontaner Nesselsucht treiben laut Leitlinie zwei Autoimmunvorgänge die Erkrankung an: Abwehrstoffe vom Typ IgE gegen körpereigene Stoffe oder Abwehrstoffe vom Typ IgG, die Mastzellen aktivieren [1]. Weitere mögliche Ursachen oder verstärkende Faktoren sind eine aktive Schilddrüsenerkrankung, Infektionen, Krebs, Entzündungen, Nahrungsmittel und Medikamente; bis zu ein Drittel der Menschen mit chronischer spontaner Nesselsucht erlebt Stress als verstärkenden Faktor [1]. Eine Allergie gegen Nahrungsmittel ist laut Leitlinie nur äußerst selten die Ursache einer chronischen spontanen Nesselsucht [1].

Medikamente als Ursache: Eine Medikamentenallergie kann laut IQWiG zu Quaddelbildung (Nesselsucht), Juckreiz und Schwellungen der Schleimhäute führen, meist innerhalb der ersten Stunde nach der Einnahme. Zu den häufigsten Auslösern zählen Antibiotika (oft Penicillin), Schmerz- und Rheumamittel (NSAR) wie Acetylsalicylsäure (ASS) oder Ibuprofen und ACE-Hemmer zur Blutdrucksenkung [4]. NSAR können laut Leitlinie eine chronische spontane Nesselsucht auch verstärken; Paracetamol und COX-2-Hemmer gelten dort bei dieser Form als sicherere Optionen [1]. Schwellungen ohne Quaddeln können auf ein Angioödem anderer Art hinweisen, das durch den Botenstoff Bradykinin vermittelt wird, etwa durch ACE-Hemmer oder eine erbliche Form [1]. Laut einer Risikoinformation des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) vom 28.05.2026 kann es während der Behandlung mit ACE-Hemmern jederzeit, auch erst zu einem späteren Zeitpunkt, zum Auftreten eines Angioödems kommen; darüber hinaus gibt es Hinweise, dass Epinephrin/Adrenalin bei der Behandlung eines durch ACE-Hemmer ausgelösten Angioödems möglicherweise unwirksam ist [16]. Mehr dazu: Arzneimittelallergie und Hautausschlag durch Medikamente.

Diagnose

Am Anfang stehen ein ausführliches Gespräch und die körperliche Untersuchung; weil Quaddeln und Schwellungen flüchtig sind, helfen auch Fotos, die Betroffene davon gemacht haben [1]. Bei akuter spontaner Nesselsucht empfiehlt die Leitlinie keine routinemäßigen Untersuchungen; einzige Ausnahme ist der Verdacht auf eine Nahrungsmittelallergie bei sensibilisierten Menschen oder auf eine Überempfindlichkeit gegen Medikamente, vor allem NSAR [1]. Im Gespräch fragt die Ärztin oder der Arzt laut gesund.bund.de unter anderem nach Schmerzmitteln mit ASS, nach Mitteln gegen Rheuma oder Bluthochdruck, nach Infektionen, Reisen und Stress [2].

Bei chronischer spontaner Nesselsucht empfiehlt die Leitlinie begrenzte Untersuchungen: ein Differenzialblutbild, CRP und/oder Blutsenkung, in spezialisierter Versorgung das Gesamt-IgE und Antikörper gegen die Schilddrüse (IgG-anti-TPO); weitere Untersuchungen richten sich nach Vorgeschichte und Befund [1]. Bei induzierbarer Nesselsucht empfiehlt sie Provokationstests, etwa mit Kälte oder Druck [1]. Andere Erkrankungen mit ähnlichen Beschwerden, etwa eine Urtikaria-Vaskulitis, eine Medikamentenallergie oder eine Kontaktdermatitis, werden ausgeschlossen [1, 2].

Behandlung ohne Medikamente

Ziel ist laut Leitlinie eine vollständige Kontrolle der Beschwerden, unter Berücksichtigung von Sicherheit und Lebensqualität [1]. Die Ursachen lassen sich bei den meisten Betroffenen nicht beseitigen. Auslöser zu meiden, kann aber helfen: bei induzierbarer Nesselsucht etwa Kälte bei Kälteurtikaria, bei chronischer spontaner Nesselsucht unspezifische Auslöser wie Stress oder NSAR [1]. Laut Leitlinie ist es wichtig, das Meiden von Auslösern mit Lebensqualität und Teilhabe an Arbeit und sozialem Leben abzuwägen; Menschen mit cholinerger Urtikaria etwa ganz von körperlicher Anstrengung abzuraten, ist nicht das Ziel [1].

Medikamente: Die Leitlinie empfiehlt, Menschen mit chronischer spontaner Nesselsucht zu raten, Medikamente abzusetzen, die die Erkrankung vermutlich verschlimmern, zum Beispiel NSAR [1]. Wird niedrig dosiertes ASS zur Blutverdünnung gebraucht, ist der Verzicht laut Leitlinie nicht immer nötig [1]. Laut gesund.bund.de empfiehlt es sich, gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt nach Alternativen zu suchen [2]. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.

Infektionen und Ernährung: Eine Infektion mit Helicobacter pylori wird laut Leitlinie behandelt, auch wenn ihr Zusammenhang mit der Nesselsucht im Einzelfall unklar ist; als Grund nennt sie einen vermuteten Zusammenhang mit Magenkrebs [1]. Eine pseudoallergenarme oder histaminarme Suchdiät nennt die Leitlinie bei chronischer spontaner Nesselsucht als Möglichkeit für ausgewählte Betroffene, in der Regel für 2 bis 3 Wochen; wichtig ist laut Leitlinie, dass sie eine wirksame Behandlung nicht verzögert. Vor zu häufig gestellten Diagnosen einer Histaminintoleranz warnt die Leitlinie, weil sie zu unnötigen Einschränkungen beim Essen führen können [1].

Toleranz aufbauen: Bei einigen induzierbaren Formen wie Kälte-, cholinerger oder Sonnenurtikaria kann eine Gewöhnung an den Reiz helfen; sie hält aber nur wenige Tage an und erfordert einen täglichen Kontakt mit dem Reiz knapp an der Auslöseschwelle [1].

Behandlung mit Medikamenten

Mann in den Fünfzigern mit grau-blondem Haar in weinrotem Poloshirt im Gespräch mit einer Ärztin mit zurückgebundenem schwarzem Haar in einem hellen Sprechzimmer
Bild: KI-generiert

Die internationale Urtikaria-Leitlinie von 2026 sieht eine Behandlung in Stufen vor, die je nach Verlauf gesteigert oder verringert wird, und eine fortlaufende Behandlung mit Medikamenten, bis sie nicht mehr gebraucht wird [1].

Medikamente bei Nesselsucht nach der internationalen Urtikaria-Leitlinie von 2026
WirkstoffgruppeBeispieleWie sie wirkenHäufige Nebenwirkungen
Antihistaminika der zweiten Generation (erste Stufe, alle Formen)Cetirizin, Levocetirizin, Loratadin, Desloratadin [5, 7, 8, 10]Blockieren selektiv die H1-Rezeptoren für den Botenstoff Histamin außerhalb des Gehirns [6, 9]Häufig: Schläfrigkeit (Cetirizin, Levocetirizin, Loratadin); Müdigkeit, Kopfschmerzen und Mundtrockenheit (Cetirizin, Levocetirizin, Desloratadin); bei Cetirizin außerdem unter anderem Schwindel, Durchfall und Übelkeit [5, 7, 8, 10]
Antikörper gegen IgE (Zusatz bei chronischer spontaner Nesselsucht laut Zulassung)Omalizumab [11]Bindet selektiv an Immunglobulin E (IgE) und senkt die Menge an freiem IgE; wie das die Beschwerden lindert, ist laut Fachinformation noch nicht vollständig aufgeklärt [11]Häufig in den Studien zur chronischen spontanen Urtikaria: Nasennebenhöhlenentzündung, Kopfschmerzen, Gelenkschmerzen, Reaktionen an der Injektionsstelle, Infektionen der oberen Atemwege [11]
Antikörper gegen den Interleukin-4-Rezeptor (Zusatz bei chronischer spontaner Nesselsucht)Dupilumab [12]Hemmt die Signalwege der Botenstoffe Interleukin-4 und Interleukin-13, die die sogenannte Typ-2-Entzündung antreiben [12]Häufig: Reaktionen an der Injektionsstelle, Bindehautentzündung (auch allergisch), Herpes im Mundbereich, Vermehrung bestimmter weißer Blutkörperchen (Eosinophilie), Gelenkschmerzen [12]
Glucocorticoide zum Einnehmen (nur kurz; Prednisolon laut Packungsbeilage bei akuter Nesselsucht)Prednisolon [14]Wirken in höheren Dosen rasch entzündungshemmend und verzögert immunsuppressiv [15]Stark abhängig von Dosis und Dauer, Häufigkeit laut Packungsbeilage nicht angegeben: unter anderem Infektionen, erhöhter Blutzucker, Gewichtszunahme, Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen, verschwommenes Sehen [14]

Häufig heißt laut Packungsbeilage: bei bis zu 1 von 10 Behandelten [5].

Antihistaminika der zweiten Generation

Die Leitlinie empfiehlt ein Antihistaminikum der zweiten Generation als erste Behandlung bei allen Formen der Nesselsucht. Welches davon, lässt sie offen, weil gut gemachte Vergleichsstudien weitgehend fehlen [1]. Bei chronischer spontaner Nesselsucht sieht sie eine regelmäßige Einnahme vor; bei induzierbarer Nesselsucht wird laut Leitlinie nach den Auslösern entschieden, ob regelmäßig oder bei Bedarf [1]. Ältere Antihistaminika der ersten Generation wirken laut Leitlinie ausgeprägt dämpfend (sedierend); für die routinemäßige Behandlung chronischer Nesselsucht als erstes Mittel empfiehlt sie sie nicht [1]. Mehr zum Vergleich im Ratgeber Cetirizin oder Loratadin.

Cetirizin ist laut Packungsbeilage zur Linderung von Nesselsucht bei Erwachsenen und Kindern ab 6 Jahren angezeigt [5]. Levocetirizin ist laut Packungsbeilage bei chronischer Nesselsucht vorgesehen, die Filmtabletten ab 6 Jahren [7]. Loratadin ist bei chronischer Nesselsucht unbekannter Ursache (chronische idiopathische Urtikaria) angezeigt; bei Kindern unter 2 Jahren sind Wirksamkeit und Sicherheit nicht erwiesen [8]. Desloratadin-Filmtabletten werden laut Packungsbeilage zur Besserung von Juckreiz und Quaddeln bei Urtikaria angewendet und sind für Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren bestimmt [10]. Die Mengen laut Packungsbeilage stehen auf den Wirkstoffseiten, etwa unter Cetirizin und Loratadin.

Dosiserhöhung: Bei chronischer Nesselsucht, die auf die übliche Dosis nicht anspricht, empfiehlt die Leitlinie als zweiten Schritt eine ärztliche Erhöhung der Dosis eines Antihistaminikums der zweiten Generation, bevor andere Mittel erwogen werden. Diese Dosiserhöhung liegt außerhalb der Zulassung, und Betroffene müssen darüber informiert werden [1]. Verschiedene Antihistaminika gleichzeitig einzunehmen, sieht die Leitlinie nicht vor [1]. Nehmen Sie Cetirizin laut Packungsbeilage immer genau wie dort beschrieben oder nach Anweisung Ihrer Ärztin, Ihres Arztes oder Ihrer Apotheke ein [5].

Wenn Antihistaminika nicht reichen

Omalizumab: Bei chronischer Nesselsucht, die auf hohe Dosen eines Antihistaminikums nicht anspricht, empfiehlt die Leitlinie zusätzlich Omalizumab [1]. Laut Fachinformation wird Xolair als Zusatztherapie bei chronischer spontaner Urtikaria bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren angewendet, wenn H1-Antihistaminika nicht ausreichend wirken [11]. Es wird unter die Haut gespritzt; die ersten 3 Anwendungen müssen laut Fachinformation durch medizinisches Fachpersonal oder unter dessen Aufsicht erfolgen [11].

Dupilumab: Als Zusatzbehandlung bei chronischer spontaner Nesselsucht, die auf hohe Dosen von Antihistaminika nicht anspricht, nennt die Leitlinie Dupilumab [1]. Laut EMA-Produktinformation ist Dupixent angezeigt bei mittelschwerer bis schwerer chronischer spontaner Urtikaria bei Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern ab 2 Jahren, die auf H1-Antihistaminika unzureichend ansprechen und für ihre Urtikaria bisher keine Antikörper gegen IgE erhalten haben [12].

Remibrutinib (ohne eigene Wirkstoffseite): Auch diese Tablette nennt die Leitlinie als Zusatzbehandlung bei chronischer spontaner Nesselsucht, die auf hohe Dosen von Antihistaminika nicht anspricht [1]. Laut EMA-Produktinformation wird Rhapsido bei chronischer spontaner Urtikaria bei Erwachsenen angewendet, die unzureichend auf H1-Antihistaminika ansprechen. Der Wirkstoff hemmt das Enzym Bruton-Tyrosinkinase und dadurch die Freisetzung von Histamin und anderen Botenstoffen aus Mastzellen und basophilen Zellen [13]. Sehr häufig sind Infektionen der oberen Atemwege, häufig unter anderem Herpesvirus-Infektionen, Kopfschmerzen, Blutergüsse, punktförmige Hautblutungen, Übelkeit und Bauchschmerzen; zusammen mit Mitteln gegen Blutgerinnsel kann das Blutungsrisiko erhöht sein [13].

Ciclosporin: Für chronische Nesselsucht, die auf zugelassene Behandlungen nicht anspricht oder wenn diese nicht verfügbar sind, nennt die Leitlinie Ciclosporin; wegen häufigerer Nebenwirkungen empfiehlt sie es nicht als Standardbehandlung [1]. Ciclosporin ist für Nesselsucht nicht zugelassen, die Fachinformation nennt sie nicht unter den Anwendungsgebieten [18].

Kortison

Eine Langzeitbehandlung mit Glucocorticoiden zum Einnehmen oder mit Depotspritzen empfiehlt die Leitlinie bei chronischer Nesselsucht nicht. Bei einem akuten Schub einer chronischen Nesselsucht nennt sie eine kurze Notfallbehandlung als Möglichkeit [1]. Für akute Nesselsucht und akute Schübe nennt sie dafür höchstens bis zu 10 Tage; gut gemachte Studien fehlen [1]. Prednisolon ist laut Packungsbeilage unter anderem bei Nesselsucht (akuter Urtikaria) angezeigt, wenn eine Behandlung mit Glucocorticoiden zum Auftragen wegen Schwere oder Ausdehnung nicht ausreicht [14]. Für chronische Nesselsucht ist Prednisolon in Deutschland nicht zugelassen: Die Packungsbeilage nennt nur die akute Form [14], ebenso die Leitlinie [1]. Kortison zum Auftragen ist laut Leitlinie bei Nesselsucht nicht sinnvoll, mit einer möglichen Ausnahme bei Druckurtikaria an den Fußsohlen [1].

Kinder, Schwangerschaft und Stillzeit

Für Kinder mit chronischer Nesselsucht sieht die Leitlinie denselben Behandlungsplan vor, mit Vorsicht, etwa nach Zulassung, Erfahrung bei Kindern und mit an Gewicht und Alter angepasster Dosis; Antihistaminika der ersten Generation empfiehlt sie bei Kindern nicht als erste Behandlung [1]. Die Altersgrenzen stehen in der jeweiligen Packungsbeilage [5, 7, 8, 10]. Mehr im Ratgeber Medikamente bei Kindern.

Auch für Schwangere und Stillende sieht die Leitlinie denselben Plan vor, mit Vorsicht und nach Abwägung von Nutzen und Risiken; Mittel, die in der Schwangerschaft gegenangezeigt oder ungeeignet sind, nimmt sie dabei aus. Für die Schwangerschaft nennt sie unter den Antihistaminika der zweiten Generation Loratadin und Cetirizin als bevorzugte Mittel [1]. Die Packungsbeilagen raten zur Vorsicht: Cetirizin sollte bei Schwangeren vermieden und nur wenn notwendig und nach ärztlichem Rat eingenommen werden, in der Stillzeit nicht, bevor Sie sich an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt gewendet haben [5]; Loratadin sollte als Vorsichtsmaßnahme in der Schwangerschaft vermieden und in der Stillzeit nicht eingenommen werden [8]; Desloratadin wird in Schwangerschaft und Stillzeit nicht empfohlen [10]. Remibrutinib wird in der Schwangerschaft nicht empfohlen; sexuell aktive Frauen im gebärfähigen Alter müssen während der Behandlung und mindestens 1 Woche danach zuverlässig verhüten, und während der Behandlung und 1 Woche danach soll nicht gestillt werden [13]. Mehr in den Ratgebern Medikamente in der Schwangerschaft und Medikamente in der Stillzeit.

Nebenwirkungen der Medikamente

Antihistaminika: Selten oder sehr selten kommt es laut Packungsbeilage von Cetirizin zu allergischen Reaktionen, einschließlich schwerwiegender allergischer Reaktionen und eines Angioödems mit Anschwellen von Gesicht und Rachen; dann beenden Sie die Einnahme sofort und setzen sich mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt in Verbindung [5]. Wenn Sie die Einnahme von Cetirizin abbrechen, können in seltenen Fällen intensiver Juckreiz und Nesselsucht wieder auftreten [5]; die Packungsbeilage von Levocetirizin nennt starken Juckreiz nach dem Absetzen ohne bekannte Häufigkeit [7]. Mehr dazu: Cetirizin absetzen. Wer Auto fahren oder Maschinen bedienen will, sollte laut Packungsbeilage von Cetirizin seine Reaktion auf das Mittel aufmerksam beobachten; empfohlen wird, Cetirizin nicht zusammen mit Alkohol einzunehmen [5]. Mehr zu den Beschwerden: Müdigkeit durch Medikamente.

Omalizumab: Laut Fachinformation können allergische Reaktionen einschließlich Anaphylaxie und anaphylaktischem Schock auftreten, auch nach längerer Behandlungsdauer; die meisten traten innerhalb von 2 Stunden nach einer Injektion auf, manche aber auch nach mehr als 2 und sogar nach mehr als 24 Stunden [11]. Dupilumab: Berichtet wurden laut Fachinformation anaphylaktische Reaktionen, Angioödeme und Serumkrankheit; Augenerkrankungen und Herpes im Mundbereich traten hauptsächlich in den Studien zur atopischen Dermatitis auf [12].

Prednisolon: Die Nebenwirkungen hängen laut Packungsbeilage sehr stark von Dosis und Dauer ab [14]. Bei verschwommenem Sehen oder anderen Sehstörungen wenden Sie sich an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt [14]. Verschwommenes Sehen und eine bestimmte Erkrankung der Netzhaut (zentrale seröse Chorioretinopathie) sind laut BfArM ein Problem der gesamten Arzneimittelgruppe der Kortikosteroide (Risikoinformation vom 14.06.2017) [17]. Prednisolon darf laut Packungsbeilage nie eigenmächtig abgesetzt werden, weil vor allem eine längere Behandlung die körpereigene Bildung von Glucocorticoiden unterdrückt [14]. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Mehr dazu: Sehstörungen durch Medikamente.

Nebenwirkungen können Sie Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke mitteilen oder direkt dem BfArM melden [5]. Wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden.

Leben mit Nesselsucht

Die Leitlinie empfiehlt, Krankheitsaktivität, Belastung und Krankheitskontrolle bei jedem Arztbesuch zu erfassen, mit geprüften Fragebögen. Ein Tagebuch über einen Monat, auf Papier oder digital, in dem Quaddeln und Juckreiz täglich bewertet werden, zeigt Schwankungen und kann verstärkende Faktoren wie die Einnahme von NSAR aufdecken [1]. Wie sehr die Erkrankung belastet und ob Stress eine Rolle spielt, gehört ins ärztliche Gespräch; Maßnahmen gegen Stress können helfen [1]. Weil die Krankheitsaktivität schwankt und sich die Nesselsucht jederzeit zurückbilden kann, empfiehlt die Leitlinie, alle 3 bis 6 Monate zu prüfen, ob die Behandlung noch nötig ist [1].

Selbsthilfegruppen bieten Information, Beratung und Austausch; geeignete Angebote lassen sich über die Datenbank der Nationalen Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe (NAKOS) finden [2].

Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen

Eine akute Nesselsucht mit oder ohne Angioödem kann laut gesund.bund.de ein frühes Zeichen für eine schwere allergische (anaphylaktische) Reaktion sein, bei der es sich um einen Notfall handelt [2]. Bei einer anaphylaktischen Reaktion können laut IQWiG zu Juckreiz, Quaddeln und Hautschwellungen Übelkeit, Krämpfe, Erbrechen, eine laufende Nase, Heiserkeit, Atemnot, ein schneller Puls oder ein niedriger Blutdruck hinzukommen, in schweren Fällen eine Schwellung des Kehlkopfs, Atemkrämpfe oder ein Schock [3]. Laut IQWiG ist es wichtig, schon bei ersten leichteren Beschwerden die Notfallnummer 112 zu wählen und mitzuteilen, dass es sich vermutlich um eine Anaphylaxie handelt; wer ein Notfallset hat, verwendet es wie vorgegeben [3]. Mehr dazu: Anaphylaxie.

Ärztlichen Rat brauchen Sie auch, wenn Sie sich unter Cetirizin nach 3 Tagen nicht besser oder sogar schlechter fühlen [5], wenn Schwellungen ohne Quaddeln auftreten, etwa unter ACE-Hemmern [1, 16], und wenn die Nesselsucht länger als 6 Wochen anhält [1, 2].

Quellen

  1. Leitlinie The International Guideline for the Definition, Classification, Diagnosis and Management of Urticaria (internationale Urtikaria-Leitlinie, Aktualisierung mit Konsensuskonferenz vom 06.12.2024), Allergy 2026; 81(8): 2582-2632, doi:10.1111/all.70210. Zuberbier T. et al. für das Global Allergy and Asthma Excellence Network (GA2LEN) mit 107 nationalen und internationalen Fachgesellschaften, von der UEMS anerkannt. Stand online 06.02.2026. abgerufen am 18.10.2026
  2. Behörde Nesselsucht (Urtikaria). Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de (in Zusammenarbeit mit dem IQWiG). Stand 26.02.2021. abgerufen am 18.10.2026
  3. Anaphylaktische Reaktion (Anaphylaxie). Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 12.07.2023. abgerufen am 18.10.2026
  4. Medikamentenallergie. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 12.07.2023. abgerufen am 18.10.2026
  5. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Cetirizin-ratiopharm bei Allergien 10 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2022. abgerufen am 18.10.2026
  6. Fachinformation Fachinformation Cetirizin-ratiopharm bei Allergien 10 mg Filmtabletten (Abschnitt 5.1). ratiopharm GmbH. Stand 09/2022. abgerufen am 18.10.2026
  7. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Levocetirizin-ratiopharm 5 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 10/2024. abgerufen am 18.10.2026
  8. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Loratadin-ratiopharm 10 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 10/2023. abgerufen am 18.10.2026
  9. Fachinformation Fachinformation Loratadin-ratiopharm 10 mg Tabletten (Abschnitt 5.1). ratiopharm GmbH. Stand 08/2023. abgerufen am 18.10.2026
  10. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Desloratadin-ratiopharm 5 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 04/2026. abgerufen am 18.10.2026
  11. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Xolair (Omalizumab), Anhang I: Fachinformation (Abschnitte 4.1, 4.4, 4.8 Tabelle 5, 5.1). Novartis Europharm Limited (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 06/2026. abgerufen am 18.10.2026
  12. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Dupixent (Dupilumab), Anhang I: Fachinformation (Abschnitte 4.1, 4.8, 5.1). Sanofi Winthrop Industrie (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 08/2026. abgerufen am 18.10.2026
  13. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Rhapsido 25 mg Filmtabletten (Remibrutinib), Anhang I: Fachinformation (Abschnitte 4.1, 4.4, 4.6, 4.8, 5.1). Novartis Europharm Limited (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 03/2026. abgerufen am 18.10.2026
  14. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Predni H Tablinen 5 mg (Prednisolon). Winthrop Arzneimittel GmbH (Mitvertrieb Zentiva Pharma GmbH). Stand 07/2022. abgerufen am 18.10.2026
  15. Fachinformation Fachinformation Predni H Tablinen 5 mg/20 mg/50 mg, Tabletten (Abschnitt 5.1). Winthrop Arzneimittel GmbH (Mitvertrieb Zentiva Pharma GmbH). Stand 07/2022. abgerufen am 18.10.2026
  16. Behörde Risikoinformation: ACE-Hemmer-haltige Arzneimittel, Epinephrin/Adrenalin möglicherweise unwirksam bei durch ACE-Hemmer ausgelöstem Angioödem. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand 28.05.2026. abgerufen am 18.10.2026
  17. Behörde Risikoinformation: Kortikosteroide, Nebenwirkungen am Auge. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand 14.06.2017. abgerufen am 18.10.2026
  18. Fachinformation Fachinformation Ciclosporin Pro 25 mg/50 mg/100 mg Weichkapseln und 100 mg/ml Lösung zum Einnehmen (Abschnitt 4.1, Version 10). TEVA GmbH. Stand 11/2025. abgerufen am 18.10.2026

Häufige Fragen

Welche Medikamente helfen gegen Nesselsucht?

Die internationale Urtikaria-Leitlinie von 2026 empfiehlt für alle Formen der Nesselsucht als erste Behandlung ein modernes Antihistaminikum der zweiten Generation in üblicher Dosis, zum Beispiel Cetirizin, Levocetirizin, Loratadin oder Desloratadin. Welches davon, lässt sie offen, weil gut gemachte Vergleichsstudien weitgehend fehlen. Bei chronischer Nesselsucht kommen danach eine ärztliche Dosiserhöhung außerhalb der Zulassung und zusätzlich Omalizumab infrage, bei der spontanen Form auch Dupilumab oder Remibrutinib. Kortison zum Einnehmen sieht die Leitlinie nur kurzzeitig bei einem akuten Schub einer chronischen Nesselsucht vor.

Wie lange dauert Nesselsucht?

Laut Leitlinie gilt Nesselsucht als akut, wenn Quaddeln, Schwellungen oder beides 6 Wochen oder kürzer auftreten, und als chronisch, wenn sie länger als 6 Wochen bestehen. Akute Nesselsucht klingt von selbst ab. Bei der chronischen spontanen Form können Schübe auch nach Monaten oder Jahren ohne Beschwerden wiederkommen. Weil die Krankheitsaktivität schwankt und jederzeit eine Rückbildung möglich ist, empfiehlt die Leitlinie, alle 3 bis 6 Monate zu prüfen, ob die Behandlung noch nötig ist.

Darf ich Cetirizin oder Loratadin bei Nesselsucht ohne Rezept einnehmen?

Cetirizin- und Loratadin-Tabletten sind laut Fachinformation apothekenpflichtig, also ohne Rezept in der Apotheke erhältlich. Cetirizin ist laut Packungsbeilage zur Linderung von Nesselsucht ab 6 Jahren bestimmt; fühlen Sie sich nach 3 Tagen nicht besser oder schlechter, wenden Sie sich an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt. Loratadin und Levocetirizin sind laut Packungsbeilage für chronische Nesselsucht vorgesehen, Desloratadin-Filmtabletten erst ab 12 Jahren. Eine chronische Nesselsucht sollte laut gesund.bund.de von einer erfahrenen Hautärztin oder einem erfahrenen Hautarzt behandelt werden. Die Mengen laut Packungsbeilage stehen auf der Seite Cetirizin.

Hilft Kortison gegen Nesselsucht?

Bei einem akuten Schub einer chronischen Nesselsucht nennt die Leitlinie eine kurze Notfallbehandlung mit Kortison zum Einnehmen als Möglichkeit; eine Langzeitbehandlung mit Kortison oder Depotspritzen empfiehlt sie nicht. Prednisolon ist in Deutschland laut Packungsbeilage bei akuter Nesselsucht angezeigt, wenn eine Behandlung mit Kortison zum Auftragen nicht ausreicht; für chronische Nesselsucht ist es laut Leitlinie in Deutschland nicht zugelassen. Kortisoncremes sind laut Leitlinie bei Nesselsucht nicht sinnvoll, mit einer möglichen Ausnahme bei Druckurtikaria an den Fußsohlen.

Was löst Nesselsucht aus?

Akute Nesselsucht folgt laut Leitlinie häufig auf Infekte der oberen Atemwege; laut gesund.bund.de kommen auch allergische Reaktionen etwa auf Kuhmilch, Latex, Bienenstiche, Pollen oder Tierhaare und bestimmte Medikamente gegen Rheuma oder Bluthochdruck infrage, bei 30 bis 50 Prozent findet sich keine bestimmte Ursache. Bei chronischer spontaner Nesselsucht stecken laut Leitlinie bei mehr als der Hälfte der Betroffenen Autoimmunvorgänge dahinter. Schmerz- und Rheumamittel aus der Gruppe der NSAR können laut Leitlinie Quaddeln auslösen und eine bestehende chronische spontane Nesselsucht verstärken. Nesselsucht ist laut gesund.bund.de nicht ansteckend.

Wann ist Nesselsucht ein Notfall?

Eine akute Nesselsucht kann laut gesund.bund.de ein frühes Zeichen einer schweren allergischen (anaphylaktischen) Reaktion sein. Kommen zu Quaddeln und Hautschwellungen Übelkeit, Erbrechen, Heiserkeit, Atemnot, ein schneller Puls oder Kreislaufprobleme hinzu, ist es laut IQWiG wichtig, schon bei ersten leichteren Beschwerden die Notfallnummer 112 zu wählen und zu sagen, dass es sich vermutlich um eine Anaphylaxie handelt. Mehr dazu auf der Seite Anaphylaxie.

Was hilft, wenn Antihistaminika nicht reichen?

Bei chronischer Nesselsucht empfiehlt die Leitlinie zuerst eine ärztliche Erhöhung der Dosis des Antihistaminikums; Betroffene müssen darüber informiert werden, dass das außerhalb der Zulassung liegt. Bleiben die Beschwerden, empfiehlt sie zusätzlich Omalizumab; Dupilumab und Remibrutinib nennt sie bei chronischer spontaner Nesselsucht als weitere Zusatzbehandlungen. Ciclosporin, das laut Fachinformation für Nesselsucht nicht zugelassen ist, nennt sie für den Fall, dass zugelassene Mittel nicht helfen oder nicht verfügbar sind. Nehmen Sie Cetirizin laut Packungsbeilage immer genau wie dort beschrieben oder nach Anweisung Ihrer Ärztin, Ihres Arztes oder Ihrer Apotheke ein.

Kann Nesselsucht nach dem Absetzen von Cetirizin auftreten?

Ja. Wenn Sie die Einnahme von Cetirizin abbrechen, können laut Packungsbeilage in seltenen Fällen intensiver Juckreiz und Nesselsucht wieder auftreten. Auch bei Levocetirizin nennt die Packungsbeilage starken Juckreiz nach dem Absetzen, ohne bekannte Häufigkeit. Mehr dazu auf der Seite Cetirizin absetzen.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

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