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Dimenhydrinat: Nebenwirkungen und Wirkung

Dimenhydrinat ist ein H1-Antihistaminikum gegen Reisekrankheit, Schwindel, Übelkeit und Erbrechen; als Tablette gibt es das Mittel rezeptfrei in der Apotheke. Schläfrigkeit und Benommenheit stuft die Packungsbeilage von Reisetabletten-ratiopharm als häufig ein, die von Reisetabletten STADA als sehr häufig. Auch bei richtiger Anwendung kann die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigt sein. Bei einer Überdosierung rufen Sie sofort ärztliche Hilfe; Kinder sind besonders gefährdet.

Frau Anfang vierzig steht an der Reling einer Fähre und blickt bei ruhigem Wetter auf das Meer
Bild: KI-generiert

Die häufigsten Nebenwirkungen

  • Häufig: Schläfrigkeit und Benommenheit[1, 2]

Alle Nebenwirkungen nach Häufigkeit

Wofür wird Dimenhydrinat eingesetzt?

Dimenhydrinat ist ein Arzneimittel gegen Schwindel, Übelkeit und Erbrechen aus der Gruppe der H1-Antihistaminika [1]. Es wird angewendet, um einer Reisekrankheit vorzubeugen und sie zu behandeln, außerdem bei Schwindel sowie bei Übelkeit und Erbrechen, nicht jedoch bei Übelkeit und Erbrechen durch eine Chemotherapie [1, 2].

Tabletten mit Dimenhydrinat gibt es ohne Rezept in der Apotheke (apothekenpflichtig) [2]. Verschreibungspflichtig ist der Wirkstoff laut Arzneimittelverschreibungsverordnung nur zur parenteralen Anwendung, also als Spritze oder Infusion [4]. Was "apothekenpflichtig" bedeutet, erklärt der Ratgeber Rezeptfrei, apothekenpflichtig, verschreibungspflichtig. Für Reisen hilft die Checkliste im Ratgeber Reiseapotheke.

Wie wirkt Dimenhydrinat?

Dimenhydrinat verdrängt den körpereigenen Botenstoff Histamin von seinen H1-Bindungsstellen (Rezeptoren). Neben dieser antihistaminischen Wirkung sind laut Fachinformation die Wirkung gegen Erbrechen und die dämpfende Wirkung deutlich ausgeprägt. Außerdem wirkt Dimenhydrinat besonders stark anticholinerg, das heißt, es hemmt den Botenstoff Acetylcholin [2]. Mundtrockenheit, Verstopfung, Beschwerden beim Wasserlassen, Sehstörungen, Herzrasen, das Gefühl einer verstopften Nase und einen erhöhten Augeninnendruck bezeichnet die Packungsbeilage als "anticholinerge" Begleiterscheinungen [1].

Der Wirkstoff wird aus dem Magen-Darm-Trakt vollständig aufgenommen und in der Leber abgebaut. Die Wirkung hält 3 bis 6 Stunden an; die Abbauprodukte werden hauptsächlich über die Nieren ausgeschieden [2].

Nebenwirkungen nach Häufigkeit

Die Liste unten nennt alle Nebenwirkungen, für die Packungsbeilage oder Fachinformation von Reisetabletten-ratiopharm eine Häufigkeit angeben. "Häufig" heißt: bis zu 1 von 10 Behandelten, "gelegentlich" bis zu 1 von 100; bei "nicht bekannt" lässt sich die Häufigkeit aus den verfügbaren Daten nicht abschätzen. So stuft die Fachinformation das Stevens-Johnson-Syndrom und das fixe Arzneimittelexanthem ein, die die Packungsbeilage ohne Häufigkeit beschreibt [1, 2]. Wie Sie solche Angaben lesen, erklärt der Ratgeber Beipackzettel verstehen.

Ohne Häufigkeitsangabe nennt die Packungsbeilage außerdem: In einzelnen Fällen wurden vorübergehende Störungen der Blutbildung beobachtet (Agranulozytose und Leukopenie, also ein Mangel an weißen Blutkörperchen). Berichtet wurden auch eine erhöhte Lichtempfindlichkeit der Haut (direkte Sonneneinstrahlung meiden) und Leberfunktionsstörungen mit Gallestau (cholestatischer Ikterus) [1, 2]. Laut Fachinformation kann Dimenhydrinat schon in üblichen Dosen das Farbsehen, das räumliche Sehen und die Reaktionszeit stören [2].

Die Packungsbeilage von Reisetabletten STADA ordnet die Häufigkeiten anders ein: Sie nennt Schläfrigkeit, Benommenheit, Schwindelgefühl und Muskelschwäche sehr häufig, also bei mehr als 1 von 10 Behandelten, insbesondere zu Beginn der Behandlung. Die übrigen Nebenwirkungen der Liste unten nennt sie häufig, also bei bis zu 1 von 10, außer dem Stevens-Johnson-Syndrom und dem fixen Arzneimittelexanthem, die in ihrer Fassung vom November 2020 nicht stehen; ebenfalls häufig nennt sie Lichtempfindlichkeit der Haut und Leberfunktionsstörungen, Agranulozytose und Leukopenie dagegen sehr selten. Insbesondere bei Kindern beschreibt sie mögliche "paradoxe Reaktionen" wie Unruhe, Erregung, Schlaflosigkeit, Angstzustände oder Zittern [5]. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.

Häufigkann bis zu 1 von 10 Behandelten betreffen

  • NervensystemSchläfrigkeit und Benommenheit[1, 2]Mehr dazu: Müdigkeit

Gelegentlichkann bis zu 1 von 100 Behandelten betreffen

Nicht bekanntHäufigkeit nicht abschätzbar oder in der Quelle nicht angegeben

  • HautSchwere Hautreaktion (Stevens-Johnson-Syndrom), die laut Fachinformation lebensbedrohlich oder tödlich sein kann[1, 2]Mehr dazu: Schwere Hautreaktionen
  • HautFixes Arzneimittelexanthem: allergische Hautreaktion, die runde oder ovale gerötete und geschwollene Stellen, Blasen und Juckreiz umfassen kann; die Haut kann sich dort dunkel verfärben, die Verfärbung kann nach der Heilung bleiben. Bei erneuter Einnahme tritt die Reaktion in der Regel an denselben Stellen wieder auf[1, 2]Mehr dazu: HautausschlagJuckreizPigmentstörungen der HautAllergische Reaktionen

Eine Häufigkeit sagt, wie oft eine Beschwerde während der Behandlung beobachtet wurde. Sie sagt nicht, dass das Medikament sie verursacht hat.

Wann Sie ärztliche Hilfe brauchen

Laut Packungsbeilage kann das Mittel schwerwiegende Hautreaktionen verursachen. Bemerken Sie Anzeichen einer schweren Hautreaktion wie zielscheibenartige oder kreisförmige Flecken am Rumpf, Blasen, Abschälen der Haut oder Geschwüre in Mund, Rachen, Nase, an den Genitalien oder Augen, brechen Sie die Einnahme ab und begeben Sie sich unverzüglich in ärztliche Behandlung [1]. Laut Fachinformation kann ein Stevens-Johnson-Syndrom lebensbedrohlich oder tödlich sein; nach einer solchen Reaktion darf die Behandlung zu keinem Zeitpunkt erneut begonnen werden [2]. Mehr dazu auf der Seite Schwere Hautreaktionen.

Vergiftungen mit Dimenhydrinat können laut Fachinformation lebensbedrohlich sein; Kinder sind besonders gefährdet [2]. Bewahren Sie das Arzneimittel für Kinder unzugänglich auf [1]. Für Mittel mit Dimenhydrinat zum Einnehmen oder als Zäpfchen gilt laut BfArM seit dem Abschluss eines Stufenplanverfahrens am 22.12.2017: Bei Kindern unter drei Jahren sollen sie nur nach strenger ärztlicher Prüfung, ob sie nötig sind, und unter sorgfältiger Beachtung der Dosierung angewendet werden, um Überdosierungen zu vermeiden [6]. Telefonnummern der Giftinformationszentren finden Sie unter Notfall und Giftnotruf.

Was Sie bei Nebenwirkungen tun können

Mann in den Fünfzigern sitzt entspannt am Fenster eines Zuges und schaut auf grüne Hügel
Bild: KI-generiert

Schläfrigkeit und Benommenheit: Auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch kann Dimenhydrinat das Reaktionsvermögen so weit verändern, dass die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Straßenverkehr, zum Bedienen von Maschinen oder zum Arbeiten ohne sicheren Halt beeinträchtigt ist; zusammen mit Alkohol gilt das in verstärktem Maße [1, 2]. Mehr dazu auf der Seite Medikamente, die müde machen.

Mundtrockenheit und Verstopfung: Sie gehören zu den anticholinergen Begleiterscheinungen und können sich verstärken, wenn Sie gleichzeitig andere anticholinerg wirkende Mittel einnehmen, etwa bestimmte Antidepressiva [1, 2]. Halten Beschwerden an, fragen Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke; über eventuell nötige Gegenmaßnahmen entscheidet laut Packungsbeilage die Ärztin oder der Arzt [1]. Hinweise finden Sie auf den Seiten Mundtrockenheit durch Medikamente und Verstopfung durch Medikamente.

Haut und Sonne: Weil über eine erhöhte Lichtempfindlichkeit der Haut berichtet wurde, rät die Packungsbeilage, direkte Sonneneinstrahlung zu meiden [1]. Notieren können Sie Beschwerden im Nebenwirkungs-Tagebuch.

Wechselwirkungen

Informieren Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke über alle Arzneimittel, die Sie einnehmen, kürzlich eingenommen haben oder einnehmen wollen [1]. Nicht zusammen eingenommen werden darf Dimenhydrinat mit MAO-Hemmern (bestimmten Mitteln gegen Depressionen); außerdem darf es nicht während einer Behandlung mit Aminoglykosid-Antibiotika angewendet werden [1, 2]. Vor einem Allergietest sollten Sie Bescheid geben, weil das Ergebnis falsch negativ ausfallen kann [1].

Wechselwirkungen von Dimenhydrinat
Zusammen mitWas passieren kannHinweis
MAO-Hemmer (bestimmte Mittel gegen Depressionen)Unter Umständen lebensbedrohliche Darmlähmung, Harnverhalt oder Anstieg des Augeninnendrucks; außerdem Blutdruckabfall und verstärkte Einschränkung von Nervensystem und Atmung[1, 2]Kombination nicht erlaubt
Aminoglykosid-AntibiotikaEine Gehörschädigung durch diese Antibiotika kann verdeckt werden[1, 2]Kombination nicht erlaubt
Mittel, die das QT-Intervall im EKG verlängern, z. B. Antiarrhythmika Klasse IA oder III, bestimmte Antibiotika wie Erythromycin, Cisaprid, Malariamittel, Antihistaminika, Neuroleptika; Mittel, die zu Kaliummangel führen, z. B. bestimmte harntreibende MittelDiese Mittel verlängern ebenfalls das QT-Intervall im EKG oder können zu Kaliummangel führen[1, 2]Gleichzeitige Anwendung vermeiden
Mittel, die auf das zentrale Nervensystem wirken, z. B. Psychopharmaka, Schlafmittel, SchmerzmittelBeruhigende bzw. erregende Wirkungen können sich gegenseitig verstärken[1, 2]Vorher Rücksprache mit Ärztin, Arzt oder Apotheke
Trizyklische Antidepressiva, MAO-Hemmer, andere anticholinerg wirkende Stoffe wie Atropin oder Biperiden und Arzneimittel gegen die Parkinson-KrankheitAnticholinerge Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit und Verstopfung werden verstärkt[1, 2]Vorher Rücksprache mit Ärztin, Arzt oder Apotheke
Blutdrucksenkende MittelVerstärkte Blutdrucksenkung[1, 2]Die Dosis muss angepasst werden, ärztlich besprechen
Procarbazin (Mittel gegen bestimmte Krebserkrankungen)Seine hemmende Wirkung auf das Zellwachstum wird verstärkt[1, 2]Ärztin oder Arzt informieren
Bestimmte Kortison-Präparate (Glukokortikoide) und HeparinIhre Wirkung kann abgeschwächt werden[1, 2]Ärztin oder Arzt informieren
Allergie-TestsFalsch-negative Testergebnisse möglich[1, 2]Vor dem Test Bescheid geben

Die Liste nennt die wichtigsten Wechselwirkungen aus der Produktinformation, nicht alle. Welche Mittel Sie zusammen einnehmen können, klären Sie am besten mit Ihrer Apotheke, auch bei rezeptfreien und pflanzlichen Mitteln.

Wer Dimenhydrinat nicht oder nur mit Vorsicht nehmen sollte

Die Packungsbeilage von Reisetabletten-ratiopharm nennt eine lange Liste von Gegenanzeigen, unter anderem für Kinder bis einschließlich 5 Jahren, Krampfanfälle, einen akuten Asthma-Anfall und ein Engwinkelglaukom [1, 2]. Nicht einnehmen dürfen Sie die Tabletten außerdem, wenn Sie nach einer früheren Einnahme schon einmal einen schweren Hautausschlag, Abschälen der Haut, Blasen oder wunde Stellen im Mund hatten [1]. Bei einer psychotischen Erkrankung oder wenn Sie früher Missbrauch oder Abhängigkeit hatten, besteht möglicherweise ein höheres Risiko für Missbrauch und Abhängigkeit; sprechen Sie dann vor der Einnahme mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt [1]. Die Hinweise zu schweren Hautreaktionen und zum Missbrauch gehen auf einen europäischen Beschluss vom 23.07.2026 zurück, den das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) mit Bescheid vom 17.09.2026 für Arzneimittel mit Dimenhydrinat umgesetzt hat [7]. Bei Herzrhythmusstörungen, Kalium- oder Magnesiummangel und Arzneimitteln, die das QT-Intervall im EKG verlängern, ist besondere Vorsicht geboten; sprechen Sie dann vor der Einnahme mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke [1, 2]. Mehr dazu auf der Seite QT-Verlängerung und Herzrhythmusstörungen durch Medikamente.

Nicht einnehmen bei

  • Allergie gegen Dimenhydrinat, andere Antihistaminika oder einen der sonstigen Bestandteile[1, 2]
  • Früh- und Neugeborene sowie Kinder bis einschließlich 5 Jahren[1, 2]
  • Schwangerschaft und Stillzeit[1, 2]
  • Krampfanfälle (Epilepsie, Eklampsie)[1, 2]
  • Akuter Asthma-Anfall[1, 2]
  • Vergrößerung der Vorsteherdrüse (Prostataadenom) mit Restharnbildung[1, 2]
  • Erhöhter Augeninnendruck mit engem Kammerwinkel (Engwinkelglaukom)[1, 2]
  • Tumor der Nebenniere (Phäochromozytom)[1, 2]
  • Alkoholmissbrauch[1, 2]
  • Mangeldurchblutung des Gehirns (zerebrovaskuläre Insuffizienz)[1, 2]
  • Behandlung mit Aminoglykosid-Antibiotika, weil deren gehörschädigende Wirkung verdeckt werden kann[1, 2]
  • Störung der Bildung des Blutfarbstoffs (Porphyrie)[1, 2]
  • Gleichzeitige Behandlung mit MAO-Hemmern (bestimmte Mittel gegen Depressionen)[1, 2]
  • Schwerer Hautausschlag oder Abschälen der Haut, Blasenbildung und/oder wunde Stellen im Mund nach einer früheren Einnahme von Dimenhydrinat; laut Fachinformation darf nach einer schweren Hautreaktion wie dem Stevens-Johnson-Syndrom die Behandlung zu keinem Zeitpunkt erneut begonnen werden[1, 2, 7]

Besondere Vorsicht bei

  • Eingeschränkte Leberfunktion[1, 2]
  • Herzrhythmusstörungen (z. B. Herzjagen), verlangsamter Herzschlag (Bradykardie), angeborenes langes QT-Syndrom oder andere bedeutsame Herzschäden wie Durchblutungsstörungen der Herzkranzgefäße oder Erregungsleitungsstörungen[1, 2]
  • Kalium- oder Magnesiummangel[1, 2]
  • Gleichzeitige Anwendung von Arzneimitteln, die das QT-Intervall im EKG verlängern oder zu Kaliummangel führen[1, 2]
  • Chronische Atembeschwerden und Asthma[1, 2]
  • Verengung am Magenausgang (Pylorusstenose)[1, 2]
  • Längere Anwendung: Eine Medikamentenabhängigkeit ist nicht auszuschließen, deshalb möglichst nur kurz anwenden[1, 2]
  • Psychotische Erkrankung oder Missbrauch und/oder Abhängigkeit in der Vorgeschichte: möglicherweise höheres Risiko für Missbrauch und Abhängigkeit durch Dimenhydrinat, vorher mit der Ärztin oder dem Arzt sprechen. Laut Fachinformation wurden Fälle von Missbrauch berichtet, hauptsächlich bei Jugendlichen oder jungen Erwachsenen. Nicht mehr als die empfohlene Dosis einnehmen und das Mittel nicht aus anderen als den in der Packungsbeilage beschriebenen Gründen anwenden[1, 2, 7]
  • Unverträglichkeit gegenüber bestimmten Zuckern: Die Tabletten enthalten Lactose[1, 2]
  • Kinder unter 3 Jahren: Reisetabletten-ratiopharm dürfen Kinder bis einschließlich 5 Jahren nicht einnehmen. Für andere Mittel mit Dimenhydrinat zum Einnehmen oder als Zäpfchen gilt laut BfArM seit dem Abschluss eines Stufenplanverfahrens am 22.12.2017: Bei Kindern unter drei Jahren sollen sie nur nach strenger ärztlicher Prüfung, ob sie nötig sind (strenge Indikationsstellung), und unter sorgfältiger Beachtung der Dosierung angewendet werden, um Überdosierungen zu vermeiden[1, 6]

Alkohol, Autofahren, Schwangerschaft

Die Karten fassen zusammen, was die Packungsbeilagen, die Fachinformation und das Beratungszentrum Embryotox der Charité sagen [1, 2, 3, 5]. Zu Schwangerschaft und Stillzeit unterscheiden sich die Angaben: Die Packungsbeilage von Reisetabletten-ratiopharm nennt Schwangerschaft und Stillzeit als Gegenanzeigen, laut Embryotox darf Dimenhydrinat bei Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft angewendet werden und ist in der Stillzeit für einige Tage akzeptabel [1, 3]. Wenn Sie schwanger sind oder stillen, fragen Sie laut Packungsbeilage vor der Einnahme Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke um Rat [1]. Mehr zu Übelkeit in der Schwangerschaft lesen Sie auf der Seite Schwangerschaftsübelkeit.

Schwangerschaft

Laut Packungsbeilage von Reisetabletten-ratiopharm dürfen die Tabletten in der Schwangerschaft nicht eingenommen werden, da Dimenhydrinat vorzeitig Wehen auslösen kann; laut Fachinformation kann es die Kontraktionen der Gebärmutter verstärken.[1, 2]

Auch die Packungsbeilage von Reisetabletten STADA führt die Schwangerschaft als Gegenanzeige auf, weil vorzeitig Wehen ausgelöst werden können. In ihrem Abschnitt zur Schwangerschaft heißt es außerdem: In den letzten Schwangerschaftswochen sollte das Mittel nicht angewendet werden, in den ersten sechs Monaten nur, wenn nichtmedikamentöse Maßnahmen keinen Erfolg gezeigt haben und die Ärztin oder der Arzt dazu rät.[5]

Embryotox bewertet den Erfahrungsumfang (zusammen mit Diphenhydramin) als sehr hoch; ein erhöhtes Fehlbildungsrisiko zeigte sich nicht. Dimenhydrinat darf laut Embryotox bei Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft angewendet werden, bei vorzeitigen Wehen möglichst nicht; zunächst sollten Doxylamin mit Pyridoxin oder Meclozin probiert werden. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.[3]

Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.

Stillzeit

Dimenhydrinat geht in die Muttermilch über, laut Fachinformation in geringen Mengen. Die Packungsbeilage von Reisetabletten-ratiopharm nennt die Stillzeit als Gegenanzeige: Während der Stillzeit dürfen die Tabletten nicht eingenommen werden.[1, 2]

Laut Embryotox liegen kaum Erfahrungen vor; eines von sieben gestillten Kindern zeigte leichte Unruhe, auch Schläfrigkeit ist möglich. Bei Übelkeit und Erbrechen hält Embryotox Dimenhydrinat für einige Tage für akzeptabel.[3]

Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.

Alkohol

Während der Einnahme sollten Sie keinen Alkohol trinken: Er kann die Wirkung von Dimenhydrinat in nicht vorhersehbarer Weise verändern und verstärken und beeinträchtigt die Fahrtüchtigkeit zusätzlich. Bei Alkoholmissbrauch darf Dimenhydrinat nicht eingenommen werden.[1, 2]

Autofahren und Maschinen

Auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch kann Dimenhydrinat das Reaktionsvermögen so weit verändern, dass die Teilnahme am Straßenverkehr, das Bedienen von Maschinen und das Arbeiten ohne sicheren Halt beeinträchtigt sind, verstärkt zusammen mit Alkohol.[1, 2]

Einnahme

Tabletten vorzugsweise vor den Mahlzeiten mit reichlich Flüssigkeit einnehmen; sie können in gleiche Hälften geteilt werden. Zur Vorbeugung der Reisekrankheit die erste Tablette 30 Minuten vor Reisebeginn einnehmen.[1, 2]

Einnahme vergessen: nicht die doppelte Menge einnehmen.[1]

Höchstmenge in der Selbstmedikation

Reisetabletten-ratiopharm (Tabletten mit 50 mg): zur Behandlung höchstens 6 Tabletten pro Tag (300 mg Dimenhydrinat), Kinder von 6 bis 12 Jahren höchstens 3 Tabletten pro Tag (150 mg). Kinder bis einschließlich 5 Jahren dürfen diese Tabletten nicht einnehmen.[1, 2]

Ohne Rücksprache mit der Ärztin oder dem Arzt nur wenige Tage einnehmen. Fühlen Sie sich nicht besser oder sogar schlechter, wenden Sie sich an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.[1, 2]

Absetzen

Nach längerer täglicher Einnahme können bei plötzlichem Beenden vorübergehend Schlafstörungen auftreten; dann die Dosis schrittweise verringern.[1, 2]

Überdosierung

Vergiftungen mit Dimenhydrinat können laut Fachinformation lebensbedrohlich sein, Kinder sind besonders gefährdet. Möglich sind Schläfrigkeit, Schwindel, Mundtrockenheit, Sehstörungen und Magen-Darm-Störungen, bei massiver Überdosierung Krämpfe, Sinnestäuschungen, Unruhe, beschleunigter Herzschlag und Blutdruckanstieg. Rufen Sie sofort den nächsten erreichbaren Arzt und halten Sie die Packung bereit.[1, 2]

Dosierung laut Packungsbeilage

Die Packungsbeilage von Reisetabletten-ratiopharm unterscheidet zwischen Vorbeugung und Behandlung und nennt für Kinder von 6 bis 12 Jahren eine eigene Dosis; die Fachinformation ergänzt die Angaben in Milligramm und pro Kilogramm Körpergewicht [1, 2]. Die Übersicht gibt diese Angaben wieder. Andere Präparate und Darreichungsformen können abweichende Angaben haben; maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats, und eine ärztliche Verordnung geht vor [1].

Einnahme und Absetzen

Nehmen Sie die Tabletten vorzugsweise vor den Mahlzeiten mit reichlich Flüssigkeit ein; sie können in gleiche Hälften geteilt werden. Zur Vorbeugung der Reisekrankheit nehmen Sie die erste Tablette 30 Minuten vor Reisebeginn ein [1, 2]. Ohne ärztlichen Rat sollten Sie Dimenhydrinat nur wenige Tage einnehmen; fühlen Sie sich nicht besser oder sogar schlechter, wenden Sie sich an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt [1]. Nehmen Sie nicht mehr als die empfohlene Dosis ein und wenden Sie das Mittel nicht aus anderen als den in der Packungsbeilage beschriebenen Gründen an [1].

Bei längerer Behandlung ist eine Medikamentenabhängigkeit nicht auszuschließen, deshalb soll Dimenhydrinat möglichst nur kurz angewendet werden. Nach längerer täglicher Einnahme können bei plötzlichem Absetzen vorübergehend Schlafstörungen auftreten; dann wird die Dosis schrittweise verringert [1, 2]. Allgemeines dazu im Ratgeber Medikamente absetzen.

Präparate mit Dimenhydrinat

Dimenhydrinat gibt es von mehreren Herstellern, unter anderem als Tabletten, Dragees, Sublingualtabletten, Zäpfchen für Kinder und Sirup. Grundlage dieser Seite sind Packungsbeilage und Fachinformation von Reisetabletten-ratiopharm; zum Vergleich wurde die Packungsbeilage von Reisetabletten STADA herangezogen [1, 2, 5]. Die Angaben zu Dosis, Altersgrenzen und Gegenanzeigen können sich je nach Präparat und Darreichungsform unterscheiden. Weitere Wirkstoffe stellt die Seite Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen vor.

Präparate mit Dimenhydrinat
PräparatAnbieterHinweis
Reisetabletten STADASTADA Consumer Health Deutschland GmbHapothekenpflichtig; Tabletten mit 50 mg
Reisetabletten-ratiopharmratiopharm GmbHapothekenpflichtig; Tabletten mit 50 mg; Grundlage dieser Seite
Vomex AKlinge Pharma GmbHu. a. Dragees, Sublingualtabletten, Zäpfchen für Kinder und Sirup

Auswahl ohne Wertung. Präparate mit demselben Wirkstoff können sich in Stärke, Hilfsstoffen und zugelassenen Anwendungsgebieten unterscheiden. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.

Quellen

  1. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Reisetabletten-ratiopharm 50 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 17.10.2026
  2. Fachinformation Fachinformation Reisetabletten-ratiopharm 50 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 17.10.2026
  3. Embryotox Embryotox: Dimenhydrinat. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 10.10.2026
  4. Behörde Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV), Anlage 1, Eintrag Dimenhydrinat. Bundesministerium der Justiz (gesetze-im-internet.de). Stand 19.05.2026. abgerufen am 10.10.2026
  5. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Reisetabletten STADA 50 mg Tabletten. STADA Consumer Health Deutschland GmbH. Stand 11/2020. abgerufen am 10.10.2026
  6. Behörde BfArM-Risikoinformation: Dimenhydrinat und Diphenhydramin: Überdosierung oraler und rektaler Darreichungsformen bei Kindern bis 3 Jahre (Abschluss des Stufenplanverfahrens). Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand 22.12.2017. abgerufen am 17.10.2026
  7. Behörde PSUR Single Assessment: Umsetzung des einstimmigen Beschlusses der Koordinierungsgruppe vom 23.07.2026 betreffend die Zulassungen für Humanarzneimittel mit dem Wirkstoff Coffein/Dimenhydrinat, Dimenhydrinat. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand 17.09.2026. abgerufen am 18.10.2026

Häufige Fragen

Wie lange wirkt Dimenhydrinat?

Laut Fachinformation hält die Wirkung 3 bis 6 Stunden an. Zur Vorbeugung der Reisekrankheit sieht die Packungsbeilage vor, die erste Tablette 30 Minuten vor Reisebeginn einzunehmen. Ohne ärztlichen Rat sollten Sie Dimenhydrinat nur wenige Tage einnehmen.

Wie viele Reisetabletten darf ich am Tag nehmen?

Laut Packungsbeilage von Reisetabletten-ratiopharm sind es zur Behandlung höchstens 6 Tabletten pro Tag; Kinder von 6 bis 12 Jahren nehmen höchstens 3 Tabletten pro Tag. Die genaue Einteilung steht im Abschnitt Dosierung laut Packungsbeilage. Andere Präparate und Darreichungsformen können andere Angaben haben. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.

Macht Dimenhydrinat müde?

Ja. Laut Packungsbeilage von Reisetabletten-ratiopharm sind Schläfrigkeit und Benommenheit häufig, also bei bis zu 1 von 10 Behandelten; die Packungsbeilage von Reisetabletten STADA nennt sie sehr häufig, also bei mehr als 1 von 10, insbesondere zu Beginn der Behandlung. Auch bei richtiger Anwendung kann das Reaktionsvermögen so verändert sein, dass die Fähigkeit zum Autofahren, zum Bedienen von Maschinen oder zum Arbeiten ohne sicheren Halt beeinträchtigt ist. Zusammen mit Alkohol gilt das in verstärktem Maße.

Ab welchem Alter dürfen Kinder Dimenhydrinat nehmen?

Laut Packungsbeilage von Reisetabletten-ratiopharm dürfen Früh- und Neugeborene sowie Kinder bis einschließlich 5 Jahren diese Tabletten mit 50 mg nicht einnehmen; für Kinder von 6 bis 12 Jahren nennt sie eine eigene, niedrigere Dosis. Für andere Präparate und Darreichungsformen, etwa Sirup oder Zäpfchen für Kinder, gelten die Angaben ihrer eigenen Packungsbeilage; bei Kindern unter drei Jahren sollen solche Mittel laut BfArM (Stufenplanverfahren, abgeschlossen am 22.12.2017) nur nach strenger ärztlicher Prüfung und unter sorgfältiger Beachtung der Dosierung angewendet werden. Bewahren Sie das Mittel für Kinder unzugänglich auf: Bei einer Vergiftung sind sie besonders gefährdet.

Darf ich Dimenhydrinat in der Schwangerschaft nehmen?

Die Packungsbeilage von Reisetabletten-ratiopharm verbietet die Einnahme in der Schwangerschaft, weil Dimenhydrinat vorzeitig Wehen auslösen kann. Auch die Packungsbeilage von Reisetabletten STADA führt die Schwangerschaft als Gegenanzeige auf; in ihrem Abschnitt zur Schwangerschaft heißt es außerdem, das Mittel sollte in den letzten Schwangerschaftswochen nicht und in den ersten sechs Monaten nur angewendet werden, wenn nichtmedikamentöse Maßnahmen keinen Erfolg gezeigt haben und die Ärztin oder der Arzt dazu rät. Embryotox bewertet den Erfahrungsumfang (zusammen mit Diphenhydramin) als sehr hoch; laut Embryotox darf Dimenhydrinat bei Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft angewendet werden, bei vorzeitigen Wehen möglichst nicht, und zunächst sollten Doxylamin mit Pyridoxin oder Meclozin probiert werden. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Darf ich Alkohol trinken, wenn ich Dimenhydrinat nehme?

Nein. Laut Packungsbeilage sollten Sie während der Einnahme keinen Alkohol trinken, weil er die Wirkung von Dimenhydrinat in nicht vorhersehbarer Weise verändern und verstärken kann; auch die Fahrtüchtigkeit wird dann zusätzlich beeinträchtigt. Bei Alkoholmissbrauch darf Dimenhydrinat nicht eingenommen werden.

Kann man von Dimenhydrinat abhängig werden?

Bei einer längeren Behandlung ist die Entwicklung einer Medikamentenabhängigkeit laut Packungsbeilage nicht auszuschließen; deshalb sollte Dimenhydrinat möglichst nur kurz angewendet werden. Nach längerer täglicher Einnahme können bei plötzlichem Absetzen vorübergehend Schlafstörungen auftreten; dann wird die Dosis schrittweise verringert. Laut Fachinformation wurden Fälle von Missbrauch berichtet, hauptsächlich bei Jugendlichen oder jungen Erwachsenen; bei einer psychotischen Erkrankung oder Missbrauch oder Abhängigkeit in der Vorgeschichte besteht laut Packungsbeilage möglicherweise ein höheres Risiko.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

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