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Reisekrankheit
Die Reisekrankheit (Kinetose) ist eine Reaktion auf ungewohnte Bewegungen, etwa im Auto, auf dem Schiff oder im Flugzeug; typisch sind Übelkeit, Erbrechen und Schwindel. Bei den meisten Betroffenen verschwinden die Beschwerden, sobald die Bewegung aufhört. Zur Vorbeugung gibt es Tabletten mit dem Antihistaminikum Dimenhydrinat ohne Rezept in der Apotheke und ärztlich verschriebene Pflaster mit Scopolamin; beide können müde machen und die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen. Vergiftungen, etwa wenn ein Kind versehentlich größere Mengen Reisetabletten geschluckt oder sich ein Pflaster aufgeklebt hat, sind ein Fall für den Notruf 112.

Die Reisekrankheit (Kinetose) ist eine Reaktion des Körpers auf ungewohnte Bewegungen, etwa im Auto, auf dem Schiff oder im Flugzeug; typisch sind Übelkeit, Erbrechen und Schwindel [1]. Bei den meisten Betroffenen verschwinden die Beschwerden auch ohne Behandlung, sobald die Bewegung aufhört [1]. Zur Vorbeugung gibt es Tabletten mit dem Antihistaminikum Dimenhydrinat ohne Rezept in der Apotheke und ärztlich verschriebene Pflaster mit Scopolamin [3, 4, 5]. Beide können müde machen und die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen [3, 5].
Was ist die Reisekrankheit?
Als Reisekrankheit oder Bewegungskrankheit bezeichnet das öffentliche Gesundheitsportal Österreichs körperliche Reaktionen auf ungewohnte Bewegungen, zum Beispiel in Verkehrsmitteln; der Fachbegriff lautet Kinetose [1]. Genau genommen handelt es sich danach nicht um eine Krankheit, sondern um Beschwerden, die durch Störungen des Gleichgewichtssinns ausgelöst werden. Formen sind etwa die Seekrankheit und die Luftkrankheit [1]. Laut Deutscher Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit (DTG) kann Reiseübelkeit auf Reisen mit dem Schiff, dem Flugzeug, der Bahn, im Bus oder im Auto auftreten [2].
Beschwerden einer Reisekrankheit können laut Gesundheitsportal nicht nur auf Reisen auftreten, sondern in allen Situationen, in denen das Gehirn widersprüchliche Sinneseindrücke verarbeiten muss, zum Beispiel in Fahr- und Flugsimulatoren, in Erlebniskinos oder bei manchen Computer- und Virtual-Reality-Spielen [1].
Wer häufiger betroffen ist: Frauen, besonders in der Schwangerschaft, haben laut Gesundheitsportal häufiger eine Reisekrankheit als Männer. Anfälliger sind auch Kinder über zwei Jahre und Menschen mit Migräne [1]. Kinder unter zwei Jahren leiden danach praktisch nie an einer Reisekrankheit, weil ihr Gleichgewichtsorgan noch nicht voll ausgereift ist [1]. Auch die DTG schreibt, dass besonders Kinder häufig unter Reiseübelkeit leiden [2].
Symptome
Bei ungewohnten Bewegungen oder Sinneseindrücken kann es laut Gesundheitsportal zum Beispiel zu diesen Beschwerden kommen [1]:
- Unwohlsein und Magendrücken,
- Aufstoßen, Übelkeit und Erbrechen,
- Schwitzen und Kopfschmerzen,
- Schwindel.
Auch Müdigkeit, Schläfrigkeit und Abgeschlagenheit sind möglich. Manche Menschen sind anfälliger für eine Reisekrankheit als andere, und auch die Stärke der Beschwerden kann sehr unterschiedlich sein [1]. Bei längeren Seereisen bessern sich die Beschwerden laut Gesundheitsportal in der Regel spätestens nach drei bis vier Tagen von selbst [1].
Ursachen
Die Sinnesorgane und das Gleichgewichtsorgan melden dem Gehirn, wie sich der Körper bewegt und wie er liegt. Passen diese Meldungen nicht zueinander, entsteht laut Gesundheitsportal die Reisekrankheit [1]. Ein Beispiel ist das Lesen im Auto auf einer kurvigen Straße: Das Gleichgewichtsorgan registriert die Bewegung, die Augen sind auf das Buch gerichtet und nehmen sie nicht wahr. Ähnlich ist es, wenn man ruhig in einer Schiffskabine sitzt, während das Schiff stark schwankt [1]. Auf solche widersprüchlichen Informationen reagiert das Gehirn mit der Ausschüttung verschiedener Stresshormone, die Schwindel und Übelkeit bewirken können [1]. Auslöser sind etwa kurvenreiche Autofahrten, Turbulenzen im Flugzeug und Wellengang [1].
Übelkeit oder Schwindel ohne Bewegungsreiz? Mehr unter Übelkeit und Erbrechen, Schwindel und Übelkeit durch Medikamente.
Vorbeugen ohne Medikamente
Die DTG nennt diese Tipps, um Reiseübelkeit zu vermeiden [2]:
- Umwelteinflüsse verringern,
- in Fahrtrichtung sitzen, auf einem Platz mit möglichst wenig Bewegung: auf dem Schiff in den unteren Decks und zur Mitte des Schiffs hin, im Auto auf dem Vordersitz, im Flugzeug über der vorderen Kante des Flügels,
- den Horizont oder einen weiter entfernten, unbeweglichen Gegenstand betrachten und nicht lesen oder auf einen Bildschirm schauen,
- sich ablenken, zum Beispiel mit Hörspielen; das hilft laut DTG besonders Kindern.
Autos sollten laut DTG nach Möglichkeit selbst gefahren werden [2]; Fahrerinnen und Fahrer sind laut Gesundheitsportal so gut wie nie von der Reisekrankheit betroffen [1]. Haben Sie ein Mittel gegen die Reisekrankheit genommen, beachten Sie: Dimenhydrinat kann laut Packungsbeilage auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch die Fähigkeit zur Teilnahme am Straßenverkehr beeinträchtigen, und die Packungsbeilage der Scopolamin-Pflaster sagt ausdrücklich, dass Sie nicht Auto oder andere Fahrzeuge fahren sollen [3, 5].
Manchmal kann es laut Gesundheitsportal helfen, sich flach auf den Rücken zu legen und die Augen zu schließen; so fallen unerwünschte optische Reize weg [1]. Die vom Gesundheitsportal genannten Verhaltensmaßnahmen, etwa der Blick nach vorne in Fahrtrichtung, ein unbewegter Punkt in der Ferne und der Verzicht auf Lesen, werden danach oft von Fachleuten empfohlen und sind im Alltag gut umsetzbar; es gibt aber nur sehr wenige wissenschaftliche Untersuchungen dazu [1].
Behandlung mit Medikamenten

Mittel gegen die Reisekrankheit wirken laut Gesundheitsportal am besten, wenn sie schon vor dem Auftreten von Beschwerden angewendet werden; die meisten können müde und schläfrig machen und zur Fahruntauglichkeit führen [1]. Nach ärztlicher Beratung oder Beratung in der Apotheke stehen laut DTG Medikamente unter anderem in Form von Tabletten, Kaugummis oder Pflastern zur Verfügung, beispielhaft Scopolamin oder Antihistaminika [2].
| Wirkstoffgruppe | Beispiele | Wie sie wirken | Häufige Nebenwirkungen |
|---|---|---|---|
| H1-Antihistaminika (Mittel gegen Übelkeit) | Dimenhydrinat: Vorbeugung und Behandlung von Reisekrankheit, Schwindel, Übelkeit und Erbrechen, nicht bei Chemotherapie; apothekenpflichtig [3, 4] | Verdrängt den Botenstoff Histamin von seinen H1-Rezeptoren; die Wirkung gegen Erbrechen und die dämpfende Wirkung sind deutlich ausgeprägt, außerdem wirkt es besonders stark anticholinerg, also gegen den Botenstoff Acetylcholin [4] | Häufig, also bei bis zu 1 von 10 Behandelten: Schläfrigkeit und Benommenheit [3] |
| Anticholinergika (Pflaster) | Scopolamin als Pflaster hinter dem Ohr: Vorbeugung gegen die Symptome der Reise- und Seekrankheit; ärztlich verschrieben [5] | Hemmt als Gegenspieler den Botenstoff Acetylcholin an seinen Muskarinrezeptoren; wirkt motorisch dämpfend und einschläfernd, hemmt die Speichel- und Schweißbildung und erweitert die Pupillen. Wie es bei der Reisekrankheit Übelkeit und Erbrechen verhindert, ist laut Fachinformation nicht geklärt; vermutet wird eine Hemmung der Reizübertragung vom Gleichgewichtskern (Nucleus vestibularis) zu höheren Zentren des Nervensystems und von der Formatio reticularis zum Brechzentrum [13] | Sehr häufig, also bei mehr als 1 von 10 Behandelten: Mundtrockenheit, Schläfrigkeit, Schwindel, verschwommenes Sehen in der Nähe mit erweiterten Pupillen, Verlust der Fähigkeit, nah oder fern scharf zu sehen; häufig: Reizung der Augenlider, Hautreizung [5] |
Reisetabletten mit Dimenhydrinat
Zur Vorbeugung der Reisekrankheit sieht die Packungsbeilage von Reisetabletten-ratiopharm vor, die erste Tablette 30 Minuten vor Reisebeginn einzunehmen, vorzugsweise vor den Mahlzeiten mit reichlich Flüssigkeit [3]. Laut Fachinformation hält die Wirkung 3 bis 6 Stunden an [4]. Ohne Rücksprache mit der Ärztin oder dem Arzt sollen die Tabletten nur wenige Tage eingenommen werden; nehmen Sie nicht mehr als die empfohlene Dosis ein und wenden Sie das Mittel nicht aus anderen als den in der Packungsbeilage beschriebenen Gründen an [3]. Wie viel Sie laut Packungsbeilage einnehmen dürfen, steht auf der Wirkstoffseite unter Dosierung.
Nicht eingenommen werden dürfen die Tabletten laut Packungsbeilage unter anderem [3]:
- von Früh- und Neugeborenen und von Kindern bis einschließlich 5 Jahren,
- in der Schwangerschaft und während der Stillzeit,
- bei Krampfanfällen (Epilepsie, Eklampsie), einem akuten Asthma-Anfall, einer vergrößerten Prostata mit Restharn oder einem Engwinkelglaukom,
- bei Alkoholmissbrauch,
- bei gleichzeitiger Behandlung mit MAO-Hemmern (bestimmten Mitteln gegen Depressionen) oder mit Aminoglykosid-Antibiotika,
- wenn Sie nach der Einnahme schon einmal einen schweren Hautausschlag, Abschälen der Haut, Blasen oder wunde Stellen im Mund hatten.
Sprechen Sie vorher mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke, wenn Sie Herzrhythmusstörungen, einen Kalium- oder Magnesiummangel, eine eingeschränkte Leberfunktion, chronische Atembeschwerden oder Asthma haben oder Mittel einnehmen, die das QT-Intervall im EKG verlängern [3]. Sprechen Sie vor der Einnahme außerdem mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wenn Sie an einer psychotischen Erkrankung leiden oder schon einmal Missbrauch oder eine Abhängigkeit hatten; dann besteht möglicherweise ein höheres Risiko für Missbrauch oder Abhängigkeit durch Dimenhydrinat [3]. Während der Einnahme sollten Sie keinen Alkohol trinken, weil er die Wirkung von Dimenhydrinat unvorhersehbar verändern und verstärken kann [3]. Mehr dazu: QT-Verlängerung und Medikamente und Alkohol.
Pflaster mit Scopolamin
Scopoderm TTS ist ein Pflaster mit dem Wirkstoff Scopolamin. Es wird laut Packungsbeilage zur Vorbeugung gegen die Symptome der Reise- oder Seekrankheit wie Schwindel, Übelkeit und Erbrechen angewendet [5]. Soweit nicht anders verordnet, sollte es etwa 5 bis 6 Stunden oder schon am Abend vor dem Reiseantritt auf eine intakte, unbehaarte Hautstelle hinter dem Ohr geklebt werden; ein einziges Pflaster reicht danach für 72 Stunden [5]. Nach jeder Berührung des Pflasters und nach dem Entfernen sollen die Hände gründlich mit Seife gewaschen werden, nach dem Entfernen auch die Klebestelle. Gelangen Wirkstoffreste in die Augen, kann das vorübergehend zu leicht verschwommenem Sehen und erweiterten Pupillen führen, auch auf nur einer Seite [5]. Das Pflaster sollte nicht zusammen mit anderen Mitteln gegen die Reisekrankheit angewendet werden; Alkohol ist während der Anwendung zu vermeiden [5].
Nicht angewendet werden darf das Pflaster laut Packungsbeilage bei einer Allergie gegen Scopolamin und bei erhöhtem Augeninnendruck (grüner Star, Glaukom) [5]. Fragen Sie vorher Ihre Ärztin oder Ihren Arzt um Rat, wenn Sie unter anderem eine Verengung am Magenausgang, Schwierigkeiten beim Wasserlassen, etwa bei vergrößerter Prostata, einen Darmverschluss, Herzrhythmusstörungen, Epilepsie oder Leber- oder Nierenprobleme haben oder älter sind [5]. Vor bildgebenden Untersuchungen wird das Pflaster entfernt [5].
Kinder
Kinder unter zwei Jahren haben laut Gesundheitsportal praktisch nie eine Reisekrankheit [1]. Bei Medikamenten gilt zuerst die Altersgrenze der Packungsbeilage: Reisetabletten mit Dimenhydrinat dürfen Kinder bis einschließlich 5 Jahren nicht einnehmen, für Kinder von 6 bis 12 Jahren nennt die Packungsbeilage eine eigene, niedrigere Dosis [3]. Von Scopolamin-Pflastern sollen Kinder unter 10 Jahren laut Packungsbeilage ausgeschlossen werden, weil bei ihnen noch wenig Erfahrungen vorliegen [5]. Mittel mit Dimenhydrinat oder Diphenhydramin gegen Erbrechen, die eingenommen oder als Zäpfchen gegeben werden, sollen bei Kindern unter drei Jahren laut Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM, Abschluss eines Stufenplanverfahrens am 22.12.2017) nur nach strenger Indikationsstellung und unter sorgfältiger Beachtung der Dosierung angewendet werden [10].
In ihrer Liste für die Reiseapotheke zählt die DTG Medikamente gegen Erbrechen zu den Mitteln, die man für Kinder nicht braucht: Die Nebenwirkungen überwiegen danach den Effekt und verdecken im schlimmsten Fall wichtige Zeichen eines zu großen Flüssigkeitsverlusts [2]. Bei einer versehentlichen Einnahme größerer Mengen von Reisetabletten sind Kinder laut Packungsbeilage besonders gefährdet [3]. Auch benutzte Scopolamin-Pflaster enthalten noch Wirkstoff und müssen für Kinder unerreichbar aufbewahrt und entsorgt werden [5]. Mehr im Ratgeber Medikamente bei Kindern.
Schwangerschaft und Stillzeit
Frauen in der Schwangerschaft haben laut Gesundheitsportal häufiger eine Reisekrankheit [1]. Reisetabletten mit Dimenhydrinat dürfen laut Packungsbeilage in der Schwangerschaft nicht eingenommen werden, weil Dimenhydrinat vorzeitig Wehen auslösen kann. Auch während der Stillzeit dürfen sie danach nicht eingenommen werden; Dimenhydrinat geht in die Muttermilch über [3]. Embryotox (Charité Berlin) bewertet Dimenhydrinat anders: Es darf danach bei Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft angewendet werden; bei vorzeitigen Wehen sollte es möglichst nicht zum Einsatz kommen. In der Stillzeit ist Dimenhydrinat laut Embryotox bei Übelkeit und Erbrechen für einige Tage akzeptabel [6]. Als besser geeignete Alternativen, die zunächst probiert werden sollten, nennt Embryotox Doxylamin mit Pyridoxin oder Meclozin [6]. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Doxylamin mit Pyridoxin ist laut Embryotox in Deutschland für Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft zugelassen [12]; Meclozin ist danach in Deutschland seit 2007/2008 außer Vertrieb und nur über Auslandsapotheken erhältlich [9].
Bei Scopolamin-Pflastern soll laut Fachinformation (Stand April 2025) eine Anwendung in der Schwangerschaft aus Vorsichtsgründen vermieden werden; bei stillenden Frauen sollte das Pflaster danach nur mit Vorsicht angewendet werden [13]. Anticholinergika wie Scopolamin können laut Embryotox bei strenger Indikationsstellung in der gesamten Schwangerschaft angewendet werden; den Erfahrungsumfang bewertet Embryotox als mittel. Bei einmaliger Anwendung scheint Stillen danach bei sorgfältiger Beobachtung des Kindes auf anticholinerge Symptome akzeptabel zu sein [7]. Ingwer kann laut Embryotox in allen Phasen der Schwangerschaft in üblicher Dosierung eingenommen werden [8]. Mehr dazu: Schwangerschaftsübelkeit und die Ratgeber Medikamente in der Schwangerschaft und Medikamente in der Stillzeit.
Nebenwirkungen der Medikamente
Dimenhydrinat: Häufig, also bei bis zu 1 von 10 Behandelten, kommt es laut Packungsbeilage zu Schläfrigkeit und Benommenheit [3]. Gelegentlich, also bei bis zu 1 von 100, nennt sie unter anderem Erregung und Unruhe, Bewegungsstörungen, Schwindel, Krämpfe, Verstopfung, Mundtrockenheit, Beschwerden beim Wasserlassen, Sehstörungen, einen schnelleren Herzschlag und einen erhöhten Augeninnendruck [3]. Auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch kann das Reaktionsvermögen so verändert sein, dass die Teilnahme am Straßenverkehr, das Bedienen von Maschinen und das Arbeiten ohne sicheren Halt beeinträchtigt sind, verstärkt zusammen mit Alkohol [3]. Bei einer längeren Behandlung ist eine Medikamentenabhängigkeit nicht auszuschließen; deshalb sollten die Tabletten nach Möglichkeit nur kurz angewendet werden [3]. Laut Fachinformation wurden Fälle von Missbrauch berichtet, hauptsächlich bei Jugendlichen oder jungen Erwachsenen [4]. Mehr dazu: Müdigkeit, Mundtrockenheit und Abhängigkeit.
Bei Zeichen einer schweren Hautreaktion, also rötlichen, nicht erhabenen, zielscheibenartigen oder kreisförmigen Flecken am Rumpf, häufig mit Blasenbildung in der Mitte, Abschälen der Haut oder Geschwüren in Mund, Rachen und Nase sowie an den Genitalien und Augen, brechen Sie die Einnahme laut Packungsbeilage ab und begeben sich unverzüglich in ärztliche Behandlung [3]. Holen Sie in jedem Fall sofort ärztliche Hilfe. Diesen Hautausschlägen gehen mitunter Fieber und grippeähnliche Beschwerden voraus (Stevens-Johnson-Syndrom) [3]. Die Hinweise zum Stevens-Johnson-Syndrom und zum Missbrauch gehen auf einen europäischen Beschluss vom 23.07.2026 zurück, den das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) mit Bescheid vom 17.09.2026 für Arzneimittel mit Dimenhydrinat umgesetzt hat [14]. Außerdem ist über Lichtempfindlichkeit der Haut berichtet worden; direkte Sonne sollten Sie meiden [3]. Mehr dazu: schwere Hautreaktionen und Lichtempfindlichkeit.
Scopolamin-Pflaster: Sehr häufig, also bei mehr als 1 von 10 Behandelten, sind laut Packungsbeilage Mundtrockenheit, Schläfrigkeit und Schwindel, verschwommenes Sehen in der Nähe mit erweiterten Pupillen, vor allem wenn Wirkstoffreste von den Händen in die Augen gelangen, und der Verlust der Fähigkeit, Gegenstände in der Nähe oder Ferne scharf zu sehen [5]. Selten, also bei bis zu 1 von 1.000, treten Schwierigkeiten beim Wasserlassen, Gedächtnis- oder Konzentrationsstörungen, Ruhelosigkeit, Desorientierung, Verwirrtheit oder Halluzinationen auf [5]. Kommt es, besonders bei älteren Menschen, zu Verwirrtheit oder optischen Sinnestäuschungen, soll das Pflaster sofort entfernt und eine Ärztin oder ein Arzt aufgesucht werden [5]. Achten Sie auch nach dem Entfernen auf Nebenwirkungen, denn sie können bis zu 24 Stunden oder länger anhalten [5]. Mehr dazu: Sehstörungen und Halluzinationen.
Bei Schwierigkeiten beim Atmen oder Schlucken, einer Schwellung von Gesicht, Lippen, Zunge oder Kehle oder starkem Juckreiz mit rotem Hautausschlag oder Schwellungen stoppen Sie laut Packungsbeilage die Anwendung und suchen sofort eine Ärztin oder einen Arzt auf [5]. Holen Sie in jedem Fall sofort ärztliche Hilfe. Sehr selten, also bei bis zu 1 von 10.000, verändert sich das Sehvermögen mit erhöhtem Druck in den Augen (mögliche Anzeichen eines Glaukoms); dann wird das Pflaster sofort entfernt und umgehend ärztliche Hilfe gesucht [5]. Nach dem Absetzen wurde in seltenen Fällen, meist nach mehrtägiger Anwendung, über Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen und Gleichgewichtsstörungen berichtet; suchen Sie dann laut Packungsbeilage eine Ärztin oder einen Arzt auf [5]. Mehr dazu: Arzneimittelallergie.
Wenn Sie die Anwendung eines Scopolamin-Pflasters abbrechen, informieren Sie laut Packungsbeilage auf jeden Fall Ihre Ärztin oder Ihren Arzt und nennen die Gründe, zum Beispiel Nebenwirkungen [5]. Nebenwirkungen können Sie Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke mitteilen oder direkt dem BfArM melden [3, 5]. Wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden.
Vor der Reise
Wer schon einmal eine Reisekrankheit hatte, kann sich laut Gesundheitsportal vor einer geplanten Reise ärztlich zur Vorbeugung beraten lassen [1]. In ihrer Liste für die Reiseapotheke von Erwachsenen nennt die DTG Dimenhydrinat als Medikament gegen Übelkeit; insbesondere bei Vorerkrankungen ist danach eine ärztliche Beratung sinnvoll [2]. Was in die Reiseapotheke gehört und was bei der Einreise mit Medikamenten gilt, erklären die Ratgeber Reiseapotheke und Medikamente ins Ausland; zum Abhaken gibt es die Reise-Checkliste Medikamente.
Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen
Zu viele Reisetabletten: Eine Überdosierung von Dimenhydrinat kann laut Packungsbeilage zu Schläfrigkeit, Schwindel, Mundtrockenheit, Sehstörungen und Magen-Darm-Beschwerden führen, eine massive Überdosierung zu Krämpfen, Sinnestäuschungen, Unruhe, schnellem Herzschlag und Blutdruckanstieg. Rufen Sie dann den nächsten erreichbaren Arzt zu Hilfe und halten Sie die Packung bereit; Kinder sind bei versehentlicher Einnahme größerer Mengen besonders gefährdet [3]. Vergiftungen mit Dimenhydrinat können laut Fachinformation lebensbedrohlich sein [4].
Zu viel Scopolamin: Die Zeichen beginnen laut Packungsbeilage mit Unruhe, Erregungszuständen und Verwirrtheit; mit steigender Dosis treten Delirium, Halluzinationen und Krämpfe auf, bei sehr hohen Dosen Koma und Atemlähmung. Dann wird das Pflaster sofort entfernt und umgehend eine Ärztin oder ein Arzt benachrichtigt [5]. Bei kleinen Kindern kann schon das spielerische Aufkleben eines Pflasters, wenn es nicht rechtzeitig bemerkt wird, zu schweren Vergiftungen bis hin zu Koma und Atemlähmung führen [5].
Notruf 112: Vergiftungen, Bewusstlosigkeit oder eine erhebliche Bewusstseinstrübung, schwere Atemnot sowie akute und anhaltende Krampfanfälle sind laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) Fälle für den Notruf 112 [11]. Sofort ärztliche Hilfe brauchen Sie laut Packungsbeilage außerdem unter einem Scopolamin-Pflaster bei Schwierigkeiten beim Atmen oder Schlucken, einer Schwellung von Gesicht, Lippen, Zunge oder Kehle oder starkem Juckreiz mit rotem Hautausschlag oder Schwellungen und unter Dimenhydrinat bei Zeichen einer schweren Hautreaktion [3, 5].
Quellen
- Behörde Reisekrankheit (Abschnitte Ursachen, Symptome und Was hilft gegen die Reisekrankheit). Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs (gesundheit.gv.at), Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (Österreich). Stand 08.11.2023. abgerufen am 17.10.2026
- Nachhaltige Reiseapotheke (Abschnitte Reiseübelkeit, Erwachsenenbox und Kinderbox). Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit e.V. (DTG). Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Reisetabletten-ratiopharm 50 mg Tabletten (Dimenhydrinat), Versionscode Z08. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 17.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Reisetabletten-ratiopharm 50 mg Tabletten (Dimenhydrinat), Version 5. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Scopoderm TTS, Scopolamin 1,5 mg pro transdermalem Pflaster. Baxter Deutschland GmbH. Stand 04/2022. abgerufen am 17.10.2026
- Embryotox Embryotox: Dimenhydrinat. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 17.10.2026
- Embryotox Embryotox: Scopolamin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 17.10.2026
- Embryotox Embryotox: Ingwer. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 17.10.2026
- Embryotox Embryotox: Meclozin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 17.10.2026
- Behörde Dimenhydrinat und Diphenhydramin: Überdosierung oraler und rektaler Darreichungsformen bei Kindern bis 3 Jahre (Abschluss des Stufenplanverfahrens). Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand 22.12.2017. abgerufen am 17.10.2026
- Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Abschnitt "Fälle für die Notrufnummer 112"). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 17.10.2026
- Embryotox Embryotox: Doxylamin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 17.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Scopoderm TTS, Scopolamin 1,3 mg pro transdermalem Pflaster. Baxter Deutschland GmbH. Stand 04/2025. abgerufen am 17.10.2026
- Behörde PSUR Single Assessment: Umsetzung des einstimmigen Beschlusses der Koordinierungsgruppe vom 23.07.2026 betreffend die Zulassungen für Humanarzneimittel mit dem Wirkstoff Coffein/Dimenhydrinat, Dimenhydrinat. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand 17.09.2026. abgerufen am 17.10.2026
Häufige Fragen
Was hilft schnell gegen Reiseübelkeit?
Akute Beschwerden lassen sich laut öffentlichem Gesundheitsportal Österreichs meist nur schwer lindern; bei den meisten Betroffenen verschwinden sie, sobald die ungewohnte Bewegung aufhört. Manchmal kann es danach helfen, sich flach auf den Rücken zu legen und die Augen zu schließen. Die Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit (DTG) rät, den Horizont oder einen weiter entfernten, unbeweglichen Gegenstand zu betrachten und nicht zu lesen oder auf einen Bildschirm zu schauen. Mittel gegen die Reisekrankheit wirken laut Gesundheitsportal am besten, wenn sie schon vor den Beschwerden angewendet werden.
Welche Tabletten gegen Reisekrankheit gibt es ohne Rezept?
Ohne Rezept in der Apotheke gibt es Tabletten mit Dimenhydrinat (apothekenpflichtig). Zur Vorbeugung sollte laut Packungsbeilage die erste Tablette 30 Minuten vor Reisebeginn eingenommen werden. Ohne ärztliche Rücksprache sollen die Tabletten nur wenige Tage eingenommen werden; Kinder bis einschließlich 5 Jahren, Schwangere und Stillende dürfen sie nicht einnehmen. Wie viel Sie laut Packungsbeilage nehmen dürfen, steht auf der Seite Dimenhydrinat. Pflaster mit Scopolamin werden ärztlich verschrieben.
Wie lange vor der Reise nehme ich Reisetabletten?
Laut Packungsbeilage von Reisetabletten-ratiopharm sollte die erste Tablette zur Vorbeugung 30 Minuten vor Reisebeginn eingenommen werden, vorzugsweise vor den Mahlzeiten mit reichlich Flüssigkeit. Die Wirkung hält laut Fachinformation 3 bis 6 Stunden an. Ein Scopolamin-Pflaster sollte laut seiner Packungsbeilage, soweit nicht anders verordnet, etwa 5 bis 6 Stunden oder schon am Abend vor dem Reiseantritt hinter das Ohr geklebt werden.
Darf ich nach Reisetabletten Auto fahren?
Dimenhydrinat kann laut Packungsbeilage auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch das Reaktionsvermögen so verändern, dass die Teilnahme am Straßenverkehr, das Bedienen von Maschinen und das Arbeiten ohne sicheren Halt beeinträchtigt sind, verstärkt zusammen mit Alkohol. Die Packungsbeilage der Scopolamin-Pflaster sagt ausdrücklich: Fahren Sie nicht Auto oder andere Fahrzeuge. Mehr im Ratgeber Medikamente und Autofahren.
Was hilft Kindern bei Reiseübelkeit?
Ablenkung, etwa durch Hörspiele, hilft laut DTG besonders Kindern gegen Reiseübelkeit. Bei Medikamenten gilt zuerst die Altersgrenze der Packungsbeilage: Dimenhydrinat-Reisetabletten dürfen Kinder bis einschließlich 5 Jahren nicht einnehmen, von Scopolamin-Pflastern sollen Kinder unter 10 Jahren laut Packungsbeilage ausgeschlossen werden. Mittel mit Dimenhydrinat oder Diphenhydramin gegen Erbrechen, die eingenommen oder als Zäpfchen gegeben werden, sollen bei Kindern unter drei Jahren laut BfArM nur nach strenger Indikationsstellung und unter sorgfältiger Beachtung der Dosierung angewendet werden. Lassen Sie sich in der Kinderarztpraxis oder Apotheke beraten.
Was hilft gegen Reisekrankheit in der Schwangerschaft?
Dimenhydrinat-Reisetabletten dürfen laut Packungsbeilage in der Schwangerschaft nicht eingenommen werden, weil sie vorzeitig Wehen auslösen können. Laut Embryotox darf Dimenhydrinat bei Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft angewendet werden; bei vorzeitigen Wehen sollte es möglichst nicht zum Einsatz kommen. Als besser geeignete Alternativen sollten danach zunächst Doxylamin mit Pyridoxin oder Meclozin probiert werden. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Bei Scopolamin-Pflastern soll laut Fachinformation (Stand April 2025) eine Anwendung in der Schwangerschaft aus Vorsichtsgründen vermieden werden.
Hilft Ingwer gegen Reiseübelkeit?
Ingwer wird laut Embryotox gegen Übelkeit eingesetzt; wie er wirkt, ist nicht genau bekannt. Ingwerwurzelstock-Pulver gibt es danach als Arzneimittel zur Vorbeugung von (Reise-)Übelkeit und Erbrechen, aber auch als Nahrungsergänzungsmittel. In der Schwangerschaft kann Ingwer laut Embryotox in allen Phasen in üblicher Dosierung eingenommen werden.
Warum wird man im Auto oder auf dem Schiff reisekrank?
Laut öffentlichem Gesundheitsportal Österreichs passen dabei die Sinneseindrücke nicht zusammen: Liest man zum Beispiel im Auto auf einer kurvigen Straße, registriert das Gleichgewichtsorgan die Bewegung, die Augen auf dem Buch aber nicht. Das Gehirn reagiert auf solche widersprüchlichen Informationen mit Stresshormonen, die Schwindel und Übelkeit bewirken können. Fahrerinnen und Fahrer sind danach so gut wie nie betroffen.
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