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Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen
Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen (Antiemetika) setzen an unterschiedlichen Botenstoffen an: Metoclopramid und Domperidon blockieren Dopamin-Rezeptoren und regen den Magen an, Dimenhydrinat ist ein Antihistaminikum, Ondansetron blockiert Serotonin-Rezeptoren. Dimenhydrinat-Tabletten gibt es rezeptfrei in der Apotheke; Metoclopramid, Domperidon und Ondansetron sind verschreibungspflichtig. Typisch sind je nach Wirkstoff Müdigkeit, unwillkürliche Bewegungen, Kopfschmerzen oder Verstopfung; Domperidon und Ondansetron können den Herzrhythmus beeinflussen.

Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen heißen fachlich Antiemetika. Die auf dieser Website beschriebenen Wirkstoffe setzen an drei verschiedenen Botenstoffen an: an Dopamin (Metoclopramid, Domperidon), an Histamin (Dimenhydrinat) und an Serotonin (Ondansetron) [2, 5, 7, 9]. Anwendungsgebiete und Nebenwirkungen unterscheiden sich. Einzelheiten zu jedem Wirkstoff stehen auf den verlinkten Wirkstoffseiten.
Was sind Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen?
In ihren Fachinformationen tragen Metoclopramid und Domperidon die pharmakotherapeutische Gruppe "Prokinetika", Ondansetron "Antiemetika und Mittel gegen Übelkeit, Serotonin-5HT3-Antagonisten" und Dimenhydrinat "Antiemetika und Mittel gegen Übelkeit, Antihistaminika" [2, 5, 7, 9].
Wie Mittel gegen Übelkeit wirken
Dopamin-Antagonisten: Metoclopramid und Domperidon
Metoclopramid blockiert laut Fachinformation im Gehirn Rezeptoren für die Botenstoffe Dopamin (D2) und Serotonin (5-HT3), unter anderem im Brechzentrum des Hirnstamms; außerdem beschleunigt es die Magenentleerung und die Passage durch den Dünndarm [2]. Die typischen unwillkürlichen Bewegungen als Nebenwirkung beruhen auf der Blockade von Dopamin-Rezeptoren im Gehirn [2]. Domperidon durchdringt die Blut-Hirn-Schranke laut Fachinformation praktisch nicht; seine Wirkung gegen Erbrechen beruht möglicherweise auf einer Kombination aus Wirkungen am Magen-Darm-Trakt und der Blockade von Dopamin-Rezeptoren in einem Bereich des Hirnstamms außerhalb der Blut-Hirn-Schranke (Area postrema) [5]. Beide können den Spiegel des Hormons Prolaktin erhöhen [2, 5].
Antihistaminikum: Dimenhydrinat
Dimenhydrinat verdrängt laut Fachinformation den Botenstoff Histamin von seinen H1-Rezeptoren; neben der Wirkung gegen Erbrechen ist die dämpfende (sedierende) Wirkung deutlich ausgeprägt, außerdem wirkt es stark anticholinerg, also gegen den Botenstoff Acetylcholin [7]. Laut Embryotox ist es eine Verbindung aus Diphenhydramin und 8-Chlortheophyllin [19]. Mehr zu dieser Gruppe unter Antihistaminika.
Serotonin-Antagonist: Ondansetron
Eine Chemo- oder Strahlentherapie kann laut Fachinformation im Dünndarm Serotonin freisetzen, das über den Vagusnerv und 5-HT3-Rezeptoren den Brechreflex auslöst; Ondansetron blockiert die Auslösung dieses Reflexes [9]. Der genaue Wirkmechanismus ist nicht bekannt, ebenso wenig, wie Ondansetron bei Übelkeit nach Operationen wirkt [9]. In einer Studie an Gesunden zeigte es keine dämpfende Wirkung [9].
Wofür Mittel gegen Übelkeit eingesetzt werden
Die zugelassenen Anwendungsgebiete und Altersgrenzen stehen in der Fachinformation des jeweiligen Präparats:
- Metoclopramid: bei Erwachsenen zur Vorbeugung von verzögert auftretender Übelkeit und verzögertem Erbrechen nach einer Chemotherapie, zur Vorbeugung bei Strahlentherapie und zur Behandlung von Übelkeit und Erbrechen, auch bei akuter Migräne [2]. Bei Kindern und Jugendlichen nur zur Vorbeugung verzögerter Übelkeit nach einer Chemotherapie, wenn andere Behandlungen nicht infrage kommen (die Tabletten ab 9 Jahren bzw. ab 30 kg, die Lösung zum Einnehmen ab 1 Jahr) [2, 3]. Kinder unter 1 Jahr dürfen Metoclopramid nicht erhalten [2].
- Domperidon: zur Besserung der Beschwerden Übelkeit und Erbrechen bei Erwachsenen und Jugendlichen über 12 Jahren mit einem Körpergewicht ab 35 kg [5]. Bei Kindern unter 12 Jahren und Jugendlichen unter 35 kg ist die Wirksamkeit nicht erwiesen [5].
- Dimenhydrinat: Vorbeugung und Behandlung von Reisekrankheit, Schwindel, Übelkeit und Erbrechen, nicht bei Chemotherapie [7]. Früh- und Neugeborene sowie Kinder bis einschließlich 5 Jahren dürfen die Reisetabletten nicht einnehmen [7].
- Ondansetron: Übelkeit und Erbrechen durch eine Chemo- oder Strahlentherapie bei Erwachsenen sowie bei Chemotherapie bei Kindern und Jugendlichen von 6 Monaten bis 17 Jahren; außerdem zur Vorbeugung von Übelkeit und Erbrechen nach Operationen bei Erwachsenen (bei Kindern wird dafür die Gabe in die Vene empfohlen) [9]. Mehr unter Narkose.
Die Dimenhydrinat-Tabletten sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich; Metoclopramid, Domperidon und Ondansetron sind verschreibungspflichtig [2, 5, 7, 9]. Dimenhydrinat soll ohne ärztliche Rücksprache nur wenige Tage angewendet werden [7]. Auch Promethazin ist bei Übelkeit und Erbrechen zugelassen, allerdings nur, wenn andere Behandlungen nicht möglich sind oder nicht geholfen haben [17]. Mehr im Ratgeber Reiseapotheke.
Metoclopramid: Einschränkungen seit 2014
Nach einer europäischen Risikobewertung entschied die Europäische Kommission am 20.12.2013, die Zulassungen von Metoclopramid-Präparaten oberhalb bestimmter Wirkstoffgrenzwerte zu widerrufen; das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) setzte das mit Bescheid vom 09.04.2014 um (Mitteilung vom 23.04.2014) [10, 11]. Ein negatives Nutzen-Risiko-Verhältnis wurde unter anderem für Kinder unter 1 Jahr, für Magen-Darm-Bewegungsstörungen einschließlich einer Magenlähmung (Gastroparese) und für Refluxkrankheit und Verdauungsbeschwerden festgestellt; diese Anwendungen wurden gestrichen [11]. Die maximale empfohlene Behandlungsdauer beträgt laut Fachinformation 5 Tage [2].
Domperidon: Rote-Hand-Briefe 2014 und 2019
Nach einem europäischen Risikobewertungsverfahren informierten die Zulassungsinhaber in einem Rote-Hand-Brief vom 20.08.2014 über Maßnahmen zur Minimierung schwerwiegender Herzrisiken: Domperidon sollte nur noch zur Besserung der Beschwerden Übelkeit und Erbrechen, in begrenzter Dosis und für längstens eine Woche angewendet werden [12]. Ein weiterer Rote-Hand-Brief vom 29.04.2019 erinnerte an diese Maßnahmen, weil eine Studie gezeigt hatte, dass Ärztinnen und Ärzte zum Teil nicht ausreichend damit vertraut waren; in anderen Anwendungsgebieten ist das Nutzen-Risiko-Verhältnis danach negativ [13]. Laut Fachinformation wird Domperidon in der niedrigsten wirksamen Dosis angewendet; die Behandlung sollte in der Regel eine Woche nicht überschreiten [5].
Wirkstoffe der Gruppe
Diese Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen sind auf dieser Website mit einem geprüften Wirkstoff-Steckbrief beschrieben:
- Dimenhydrinatz. B. Reisetabletten STADA, Reisetabletten-ratiopharm, Vomex AReisekrankheit, Schwindel, Übelkeit und Erbrechen
- Domperidonz. B. Domperidon-ratiopharm, Domperidon AbZ, Domperidon STADAÜbelkeit und Erbrechen
- Metoclopramidz. B. MCP-AbZ, MCP STADA, MCP-ratiopharmÜbelkeit und Erbrechen, auch bei Migräne und nach Chemo- oder Strahlentherapie
- Ondansetronz. B. Ondansetron-ratiopharm, Ondansetron AbZ, Ondansetron STADAÜbelkeit und Erbrechen bei Chemo- oder Strahlentherapie und nach Operationen
Gegen Übelkeit in der Schwangerschaft ist laut Embryotox seit 2019 Doxylamin in Kombination mit Pyridoxin (Vitamin B6) in Deutschland zugelassen; Meclozin ist danach seit 2007 nur über Auslandsapotheken erhältlich [22]. Mehr unter Doxylamin.
Typische Nebenwirkungen
Die vollständige Liste steht in der Packungsbeilage Ihres Präparats und auf den Wirkstoffseiten. Die Wirkstoffe setzen an verschiedenen Botenstoffen an, ihre typischen Nebenwirkungen unterscheiden sich [2, 5, 7, 9]. Wie die Produktinformationen ausgewählte Nebenwirkungen einstufen, zeigt die Tabelle; die Spalte "Parkinson-Symptome" umfasst unwillkürliche Bewegungen und andere Bewegungsstörungen. Was die Angaben bedeuten, erklärt der Ratgeber Beipackzettel verstehen.
| Wirkstoff | Müdigkeit | Kopfschmerzen | Mundtrockenheit | Parkinson-Symptome | Herzrhythmusstörungen | Verstopfung |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Dimenhydrinat | Häufig | nicht genannt | Gelegentlich | Gelegentlich | nicht genannt | Gelegentlich |
| Domperidon | Gelegentlich | Gelegentlich | Häufig | Nicht bekannt | Nicht bekannt | nicht genannt |
| Metoclopramid | Sehr häufig | Nicht bekannt | nicht genannt | Häufig | Nicht bekannt | nicht genannt |
| Ondansetron | nicht genannt | Sehr häufig | nicht genannt | Gelegentlich | Gelegentlich | Häufig |
Angaben aus der Packungsbeilage bzw. Fachinformation des jeweiligen Wirkstoffs; die Quellen stehen auf der Wirkstoffseite. "nicht genannt" heißt: Die Wirkstoffseite führt diese Beschwerde nicht als eigene Nebenwirkung auf. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats. Zeilen, die in der Produktinformation gesondert für Kinder oder Jugendliche aufgeführt sind, sind nicht berücksichtigt; sie stehen auf der Wirkstoffseite. Die Tabelle umfasst nur Wirkstoffe, die auf dieser Website mit geprüftem Datensatz beschrieben sind.
Unwillkürliche Bewegungen
Unter Metoclopramid können unwillkürliche Bewegungen (extrapyramidale Störungen) besonders bei Kindern und jungen Erwachsenen und bei hohen Dosierungen auftreten, normalerweise zu Beginn der Behandlung und selbst nach nur einer einzigen Gabe; Metoclopramid muss dann sofort abgesetzt werden [2]. Eine längere Behandlung kann besonders bei älteren Menschen eine Spätdyskinesie verursachen, also unwillkürliche Bewegungen, die bleiben können; deshalb sollte die Behandlung laut Fachinformation 3 Monate nicht überschreiten [2]. Laut Embryotox ist Metoclopramid wegen des Risikos dieser Nebenwirkungen bei Schwangerschaftsübelkeit kein Mittel der ersten Wahl [22]. Auch unter Domperidon, Dimenhydrinat und Ondansetron sind Bewegungsstörungen beschrieben, zum Beispiel Muskelverkrampfungen und Blickkrämpfe [4, 6, 9]. Mehr unter Parkinson-Symptome durch Medikamente.
Herzrhythmusstörungen und QT-Verlängerung
Domperidon wurde mit einer Verlängerung des QT-Intervalls im EKG in Verbindung gebracht; epidemiologische Studien zeigten einen Zusammenhang mit einem erhöhten Risiko für schwerwiegende Herzrhythmusstörungen der Herzkammern oder einen plötzlichen Herztod [5]. Höher war das Risiko laut Fachinformation bei Menschen über 60 Jahren, bei höheren Tagesdosen und bei gleichzeitiger Einnahme anderer QT-verlängernder Mittel oder bestimmter Hemmstoffe des Abbauenzyms CYP3A4 [5]. Treten Anzeichen einer Herzrhythmusstörung auf, wird Domperidon abgebrochen [5].
Ondansetron verlängert laut Fachinformation dosisabhängig das QT-Intervall; nach der Markteinführung wurde über bestimmte gefährliche Herzrhythmusstörungen (Torsade de pointes) berichtet, und bei angeborenem Long-QT-Syndrom ist die Anwendung zu vermeiden [9]. Zur Gabe in die Vene informierte der Zulassungsinhaber des Originalpräparats in einem Informationsbrief vom 16.07.2013 (vom BfArM am 18.07.2013 veröffentlicht) über neue Empfehlungen für wiederholte Gaben und für ältere Menschen, ergänzend zu einem Informationsschreiben vom 14.08.2012 [15]. Auch über Durchblutungsstörungen des Herzmuskels wurde berichtet, teils unmittelbar nach einer Gabe in die Vene [9]. Bei Metoclopramid gab es Berichte über Kreislaufkollaps, schweren verlangsamten Herzschlag, Herzstillstand und QT-Verlängerung nach Gabe als Spritze, insbesondere in die Vene [2]. Bei Dimenhydrinat verlangt die Fachinformation besondere Vorsicht bei Herzrhythmusstörungen, angeborenem langem QT-Syndrom und gleichzeitiger Einnahme QT-verlängernder Mittel [7]. Mehr unter QT-Verlängerung.
Müdigkeit und Verkehrstüchtigkeit

Dimenhydrinat kann auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch das Reaktionsvermögen so verändern, dass die Teilnahme am Straßenverkehr und das Bedienen von Maschinen beeinträchtigt sind, verstärkt zusammen mit Alkohol [6, 7]. Nach Metoclopramid können Sie sich schläfrig oder schwindlig fühlen oder Bewegungsstörungen bekommen, die Sehkraft und Verkehrstüchtigkeit beeinträchtigen können [1, 2]. Domperidon und Ondansetron haben laut Fachinformation keinen oder einen vernachlässigbaren Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit [5, 9]. Mehr unter Müdigkeit und im Ratgeber Medikamente und Autofahren.
Prolaktin, Verstopfung und weitere Beschwerden
Metoclopramid und Domperidon können den Prolaktinspiegel erhöhen; als Folgen nennen die Packungsbeilagen Milchfluss aus der Brust, Störungen bzw. Ausbleiben der Regelblutung und Brustwachstum bei Männern [1, 4]. Bei Metoclopramid bilden sich diese Beschwerden laut Fachinformation nach dem Absetzen zurück [2]. Mehr unter Prolaktin und Brust. Ondansetron kann Kopfschmerzen, Wärmegefühl und Verstopfung verursachen; es verlängert die Dauer der Dickdarmpassage [8, 9]. Dimenhydrinat kann anticholinerge Beschwerden wie Mundtrockenheit, Sehstörungen, Beschwerden beim Wasserlassen und einen erhöhten Augeninnendruck auslösen [6, 7].
Wichtige Wechselwirkungen
Die folgenden Wechselwirkungen beschreiben die Fachinformationen der einzelnen Wirkstoffe [2, 5, 7, 9]:
| Zusammen mit | Was passieren kann |
|---|---|
| Levodopa und andere dopaminerge Parkinson-Mittel | Mit Metoclopramid heben sich die Wirkungen gegenseitig auf; die Kombination ist nicht erlaubt [2]. Domperidon erhöht die Levodopa-Konzentration im Blut [5] |
| Mittel, die das QT-Intervall verlängern, z. B. bestimmte Antibiotika, Antiarrhythmika wie Amiodaron, Antipsychotika wie Haloperidol, Antidepressiva wie Citalopram | Domperidon darf nicht damit kombiniert werden (Ausnahme Apomorphin unter strengen Bedingungen) [5]. Ondansetron nur mit Vorsicht [9]; bei Dimenhydrinat soll die gleichzeitige Anwendung vermieden werden [7] |
| Starke Hemmstoffe des Enzyms CYP3A4, z. B. Ketoconazol, Itraconazol, Clarithromycin, Erythromycin, Ritonavir | Mehr Domperidon im Blut; die Kombination ist nicht erlaubt [5] |
| Apomorphin (Parkinson-Mittel) | Mit Ondansetron starker Blutdruckabfall und Bewusstseinsverlust berichtet; die Kombination ist nicht erlaubt [9] |
| Antidepressiva aus den Gruppen SSRI und SNRI, z. B. Sertralin | Serotonin-Syndrom mit verändertem Geisteszustand, Störungen des vegetativen Nervensystems und der Muskeln bei Ondansetron berichtet [9]; Metoclopramid kann zusammen mit serotonergen Mitteln wie SSRI das Risiko eines Serotonin-Syndroms erhöhen [2] |
| Alkohol und andere dämpfende Mittel wie Beruhigungsmittel, Schlafmittel, Opioide | Verstärkte Dämpfung bei Metoclopramid und Dimenhydrinat [2, 7] |
| Neuroleptika (Mittel gegen Psychosen) | Mit Metoclopramid werden unwillkürliche Bewegungen begünstigt [2] |
| MAO-Hemmer (bestimmte Antidepressiva) | Mit Dimenhydrinat unter Umständen lebensbedrohliche Darmlähmung, Harnverhalt oder Anstieg des Augeninnendrucks; die Kombination ist nicht erlaubt [7] |
| Tramadol | Ondansetron kann die schmerzlindernde Wirkung herabsetzen [9] |
| Mittel gegen Magensäure | Domperidon wird schlechter aufgenommen [5] |
Die Liste ist nicht vollständig. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke, bevor Sie ein neues Mittel dazunehmen, auch ein rezeptfreies.
Mehr in den Ratgebern Wechselwirkungen und Medikamente und Alkohol.
Wann Mittel gegen Übelkeit nicht oder nur mit Vorsicht angewendet werden
Metoclopramid und Domperidon dürfen nicht angewendet werden, wenn eine Anregung der Magen-Darm-Bewegung gefährlich sein könnte, etwa bei Blutungen, einem mechanischen Verschluss oder einem Durchbruch im Magen-Darm-Trakt, außerdem nicht bei einem Tumor der Nebenniere (Phäochromozytom), Metoclopramid nicht bei prolaktinabhängigen Tumoren und Domperidon nicht bei einem Prolaktin bildenden Tumor der Hirnanhangdrüse (Prolaktinom) [2, 5]. Metoclopramid ist zusätzlich bei Epilepsie, Parkinson-Krankheit und anderen Bewegungsstörungen sowie bei einer durch Neuroleptika oder Metoclopramid verursachten Spätdyskinesie in der Vorgeschichte nicht erlaubt [2]. Domperidon darf bei mäßigen oder schweren Lebererkrankungen, bei bestehender QT-Verlängerung, deutlichen Störungen der Blutsalze und Herzerkrankungen wie einer Herzschwäche nicht eingenommen werden [5].
Dimenhydrinat ist laut Fachinformation unter anderem bei Epilepsie, akutem Asthma-Anfall, vergrößerter Prostata mit Restharn, Engwinkelglaukom, Alkoholmissbrauch, Porphyrie sowie in Schwangerschaft und Stillzeit nicht erlaubt [7]. Hatte jemand unter Dimenhydrinat eine schwere Hautreaktion wie ein Stevens-Johnson-Syndrom, darf die Behandlung laut Fachinformation zu keinem Zeitpunkt erneut begonnen werden; bei Anzeichen einer schweren Hautreaktion ist die Einnahme laut Packungsbeilage abzubrechen und unverzüglich ärztliche Behandlung aufzusuchen [6, 7]. Bei einer psychotischen Erkrankung oder Missbrauch und/oder Abhängigkeit in der Vorgeschichte ist laut Fachinformation Vorsicht geboten; berichtet wurden Fälle von Missbrauch, hauptsächlich bei Jugendlichen oder jungen Erwachsenen [7]. Ondansetron darf nicht zusammen mit Apomorphin angewendet werden; die Filmtabletten dürfen Kinder mit einem Körpergewicht bis 10 kg nicht einnehmen [9]. Bei Metoclopramid ist Vorsicht bei QT-Verlängerung, Störungen der Blutsalze und langsamem Herzschlag geboten, bei Ondansetron bei Herzschwäche, Störungen der Blutsalze und Anzeichen eines Darmverschlusses [2, 9]. Trifft ein Punkt auf Sie zu, besprechen Sie das mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Mehr im Ratgeber Medikamente bei Kindern.
Schwangerschaft und Stillzeit
Bei Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft sollte laut Embryotox, wenn Maßnahmen wie das Meiden von Auslösern allein nicht helfen, als erstes Medikament das dafür zugelassene Doxylamin in Kombination mit Pyridoxin vorgeschlagen werden. Mögliche Alternativen sind danach Meclozin über die Auslandsapotheke sowie Dimenhydrinat, das allerdings weniger Erfahrungen aufweist. Bei schwereren Verläufen kommen laut Embryotox Metoclopramid, allerdings nur für höchstens fünf Tage, und Ondansetron infrage; beide sollten wegen spezieller möglicher Nebenwirkungen nicht primär eingesetzt werden [22]. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Für Metoclopramid wurden laut Embryotox mehr als 36.000 Schwangerschaften ausgewertet, für Domperidon mehr als 11.000; ein erhöhtes Fehlbildungsrisiko im ersten Schwangerschaftsdrittel zeigte sich dabei nicht [18, 20]. Für Domperidon nennt Embryotox Doxylamin, Meclozin oder Dimenhydrinat als besser geeignet, je nach Schwere kurzfristig auch Metoclopramid oder Ondansetron [20]. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Ondansetron sollte laut Packungsbeilage nicht im ersten Schwangerschaftsdrittel eingenommen werden, weil es das Risiko für eine Lippen- und/oder Gaumenspalte beim Kind leicht erhöhen kann [8]. Ein Rote-Hand-Brief vom 01.10.2019 informierte über dieses vermutete Risiko; in einer Kohortenstudie mit 1,8 Millionen Schwangeren gab es laut Fachinformation 3 zusätzliche Fälle von Lippen-, Kiefer- oder Gaumenspalten pro 10.000 behandelten Frauen [9, 14]. Embryotox bezeichnet Ondansetron als das am besten untersuchte Mittel gegen Erbrechen in der Schwangerschaft mit einem allenfalls sehr gering erhöhten Risiko für Gaumenspalten und nennt Doxylamin, Meclozin und Dimenhydrinat als zuerst zu versuchende Alternativen [21, 22]. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Dimenhydrinat-Reisetabletten dürfen laut Fachinformation in der Schwangerschaft nicht eingenommen werden, weil sie vorzeitig Wehen auslösen können; Metoclopramid sollte am Ende der Schwangerschaft wegen möglicher Bewegungsstörungen beim Neugeborenen vermieden werden [2, 7].
In der Stillzeit darf Metoclopramid laut Embryotox indikationsgerecht über einige Tage eingesetzt werden, Dimenhydrinat ist danach für einige Tage akzeptabel, und Stillen unter Ondansetron scheint akzeptabel zu sein [18, 19, 21]. Ist Domperidon kurzfristig dringend nötig, ist laut Embryotox keine Stillpause erforderlich; die Anwendung zur Steigerung der Milchbildung beurteilt Embryotox kritisch [20]. Die Packungsbeilagen und Fachinformationen sind zurückhaltender: Metoclopramid wird in der Stillzeit nicht empfohlen, Dimenhydrinat-Reisetabletten sind nicht erlaubt, Domperidon nur bei eindeutiger Notwendigkeit, und unter Ondansetron sollte nicht gestillt werden [1, 4, 7, 8]. Mehr in den Ratgebern Medikamente in der Schwangerschaft und Medikamente in der Stillzeit.
Unterschied zu Allergie-Antihistaminika und Magenmitteln
Dimenhydrinat gehört wie Cetirizin zu den H1-Antihistaminika, wirkt aber laut Fachinformation ausgeprägt dämpfend und gegen Erbrechen [7]; Cetirizin ist dagegen laut seiner Fachinformation ein selektiv peripher wirkender H1-Hemmer [16]. Mehr unter Antihistaminika. Bei Refluxkrankheit und Verdauungsbeschwerden (Dyspepsie) ist Metoclopramid seit 2014 nicht mehr zugelassen; für diese Anwendungen wurde ein negatives Nutzen-Risiko-Verhältnis festgestellt [11]. Mittel gegen Magensäure beschreibt die Seite Protonenpumpenhemmer, Mittel gegen Durchfall die Seite Abführmittel und Mittel gegen Durchfall. Mehr zu Übelkeit als Nebenwirkung anderer Medikamente unter Übelkeit und Erbrechen durch Medikamente.
Quellen
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation MCP-ratiopharm® 10 mg Tabletten (Metoclopramid). ratiopharm GmbH. Stand 07/2026. abgerufen am 12.10.2026
- Fachinformation Fachinformation MCP-ratiopharm® 10 mg Tabletten (Metoclopramid). ratiopharm GmbH. Stand 07/2026. abgerufen am 12.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation MCP-ratiopharm® 1 mg/ml Lösung zum Einnehmen. ratiopharm GmbH. Stand 02/2023. abgerufen am 12.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Domperidon-ratiopharm® 10 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2025. abgerufen am 12.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Domperidon-ratiopharm® 10 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2025. abgerufen am 12.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Reisetabletten-ratiopharm® 50 mg Tabletten (Dimenhydrinat). ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 17.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Reisetabletten-ratiopharm® 50 mg Tabletten (Dimenhydrinat). ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Ondansetron-ratiopharm® 4 mg, 8 mg Filmtabletten. TEVA GmbH, Mitvertrieb ratiopharm GmbH. Stand 10/2024. abgerufen am 12.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Ondansetron-ratiopharm® 4 mg Filmtabletten. TEVA GmbH, Mitvertrieb ratiopharm GmbH. Stand 08/2022. abgerufen am 12.10.2026
- Behörde Metoclopramidhaltige Arzneimittel: Umsetzung des Durchführungsbeschlusses der EU-Kommission. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand 23.04.2014. abgerufen am 12.10.2026
- Behörde Zusammenfassung der wichtigsten Änderungen und Hintergründe zum Durchführungsbeschluss der EU-Kommission zu metoclopramidhaltigen Arzneimitteln. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand 23.04.2014 (aktualisiert 29.04.2014). abgerufen am 12.10.2026
- Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu Domperidon: schwerwiegende kardiale Nebenwirkungen. Zulassungsinhaber domperidonhaltiger Arzneimittel (veröffentlicht vom BfArM). Stand 20.08.2014. abgerufen am 12.10.2026
- Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu Domperidon: Erinnerung an Maßnahmen zur Minimierung kardialer Risiken. Zulassungsinhaber domperidonhaltiger Arzneimittel in Abstimmung mit dem BfArM. Stand 29.04.2019. abgerufen am 12.10.2026
- Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu Ondansetron: Erhöhtes Risiko orofazialer Fehlbildungen bei der Anwendung im ersten Trimenon der Schwangerschaft. Zulassungsinhaber ondansetronhaltiger Arzneimittel in Abstimmung mit dem BfArM. Stand 01.10.2019. abgerufen am 12.10.2026
- Behörde Informationsbrief zu Zofran® (Ondansetron) und Generika: Risiko der QTc-Verlängerung. Zulassungsinhaber (veröffentlicht vom BfArM). Stand 18.07.2013. abgerufen am 12.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Cetirizin-ratiopharm® bei Allergien 10 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2022. abgerufen am 12.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Atosil® Filmtabletten 25 mg/Atosil Tropfen (Promethazin). DESITIN Arzneimittel GmbH. Stand 08/2025. abgerufen am 12.10.2026
- Embryotox Embryotox: Metoclopramid. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 12.10.2026
- Embryotox Embryotox: Dimenhydrinat. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 12.10.2026
- Embryotox Embryotox: Domperidon. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 12.10.2026
- Embryotox Embryotox: Ondansetron. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 12.10.2026
- Embryotox Embryotox: Emesis gravidarum / Hyperemesis gravidarum (Erkrankungen). Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 12.10.2026
Häufige Fragen
Welche Mittel helfen gegen Übelkeit und Erbrechen?
Auf dieser Website beschrieben sind Metoclopramid und Domperidon, die Dopamin-Rezeptoren blockieren, das Antihistaminikum Dimenhydrinat und der Serotonin-Antagonist Ondansetron. Welches Mittel infrage kommt, hängt von der Ursache ab, etwa Reisekrankheit, Migräne, Chemotherapie oder eine Operation. Bei verschreibungspflichtigen Mitteln entscheidet das Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.
Welches Mittel gegen Übelkeit gibt es ohne Rezept?
Von den hier beschriebenen Wirkstoffen sind Dimenhydrinat-Tabletten rezeptfrei in der Apotheke erhältlich; laut Fachinformation sollen sie ohne ärztliche Rücksprache nur wenige Tage angewendet werden. Metoclopramid, Domperidon und Ondansetron sind verschreibungspflichtig.
Warum darf MCP nur kurz eingenommen werden?
Metoclopramid kann unwillkürliche Bewegungen auslösen, besonders bei Kindern und jungen Erwachsenen und schon nach einer einzigen Gabe. Eine längere Behandlung kann besonders bei älteren Menschen eine Spätdyskinesie verursachen, also unwillkürliche Bewegungen, die bleiben können. Laut Fachinformation beträgt die maximale empfohlene Behandlungsdauer 5 Tage.
Ist Domperidon gefährlich für das Herz?
Domperidon wurde mit einer Verlängerung des QT-Intervalls und einem erhöhten Risiko für schwere Herzrhythmusstörungen in Verbindung gebracht. Das Risiko war höher bei Menschen über 60 Jahren, bei höheren Dosen und zusammen mit bestimmten anderen Arzneimitteln. Laut Rote-Hand-Brief von 2014 sollte Domperidon deshalb nur noch bei Übelkeit und Erbrechen und für längstens eine Woche angewendet werden, ein Rote-Hand-Brief von 2019 erinnerte daran. Bei Herzklopfen, unregelmäßigem Herzschlag oder Bewusstlosigkeit brechen Sie die Einnahme ab und holen ärztliche Hilfe.
Welche Mittel gegen Übelkeit dürfen Kinder nehmen?
Das hängt vom Wirkstoff ab. Metoclopramid darf bei Kindern unter 1 Jahr nicht angewendet werden und ist bei Kindern und Jugendlichen nur zur Vorbeugung verzögerter Übelkeit und verzögerten Erbrechens nach einer Chemotherapie zugelassen, wenn andere Behandlungen nicht infrage kommen. Bei Domperidon ist die Wirksamkeit bei Kindern unter 12 Jahren nicht erwiesen. Dimenhydrinat-Reisetabletten dürfen Kinder bis einschließlich 5 Jahren nicht einnehmen, Ondansetron ist bei Chemotherapie ab 6 Monaten zugelassen. Sprechen Sie mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt.
Was hilft gegen Übelkeit in der Schwangerschaft?
Wenn Maßnahmen wie das Meiden von Auslösern allein nicht helfen, sollte laut Embryotox als erstes Medikament das für Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft zugelassene Doxylamin in Kombination mit Pyridoxin vorgeschlagen werden. Mögliche Alternativen sind danach Meclozin über die Auslandsapotheke sowie Dimenhydrinat, das allerdings weniger Erfahrungen aufweist. Bei schwereren Verläufen kommen Metoclopramid, allerdings nur für höchstens fünf Tage, und Ondansetron infrage; beide sollten wegen spezieller möglicher Nebenwirkungen nicht primär eingesetzt werden. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Ondansetron sollte laut Packungsbeilage nicht im ersten Schwangerschaftsdrittel eingenommen werden.
Machen Mittel gegen Übelkeit müde?
Dimenhydrinat und Metoclopramid können müde machen und die Verkehrstüchtigkeit beeinträchtigen, besonders zusammen mit Alkohol. Domperidon und Ondansetron haben laut Fachinformation keinen oder einen vernachlässigbaren Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
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Wirkstoffgruppen Hormonelle Verhütungsmittel (Pille & Co.)Pille, Minipille, Vaginalring, Hormonspirale und Dreimonatsspritze verhüten mit Hormonen.
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Wirkstoffgruppen Cannabis-Arzneimittel (Medizinal-Cannabis, Dronabinol, Nabiximols, Cannabidiol)Cannabis-Arzneimittel enthalten Wirkstoffe der Cannabispflanze oder verwandte Stoffe.
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Wirkstoffgruppen Vitamine, Mineralstoffe und EisenpräparateFolsäure, Eisen, Vitamin D, Calcitriol und Iod gleichen einen Mangel aus oder beugen ihm vor.
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