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Schwangerschaftsübelkeit

Übelkeit und Erbrechen sind in der Frühschwangerschaft häufig und haben laut IQWiG normalerweise keine Folgen für Mutter und Kind; bei etwa 1 von 100 Frauen sind sie besonders stark (Hyperemesis gravidarum). Reichen Maßnahmen wie das Meiden von Auslösern nicht aus, sollte laut Embryotox als erstes Medikament die dafür zugelassene Kombination aus Doxylamin und Pyridoxin (Vitamin B6) vorgeschlagen werden; mögliche Alternativen sind danach Meclozin über die Auslandsapotheke und Dimenhydrinat, das allerdings weniger Erfahrungen aufweist. Bei schwereren Verläufen kommen laut Embryotox Metoclopramid für höchstens fünf Tage und Ondansetron infrage, die aber nicht als erstes eingesetzt werden sollten. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Ausdrücklich für Übelkeit in der Schwangerschaft zugelassen ist laut IQWiG nur die Kombination aus Doxylamin und Vitamin B6. Erbrechen Sie öfter als fünfmal am Tag, verlieren Sie deutlich an Gewicht oder fällt es Ihnen schwer, zu essen oder zu trinken, sollten Sie laut BIÖG zur Ärztin oder zum Arzt gehen.

Frau Anfang dreißig mit langem dunkelblondem Haar in einer hellgrünen Strickjacke sitzt morgens auf der Bettkante und isst in Ruhe einen Zwieback
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Übelkeit und Erbrechen sind in den ersten Monaten der Schwangerschaft häufig. Sie können für einige Wochen stark belasten, haben laut Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) aber normalerweise keine Folgen für die Schwangere und das Kind [2]. Reichen Maßnahmen wie das Meiden von Auslösern nicht aus, sollte laut Embryotox, dem Beratungszentrum der Charité Berlin, als erstes Medikament die dafür zugelassene Kombination aus Doxylamin und Pyridoxin (Vitamin B6) vorgeschlagen werden [1].

Was ist Schwangerschaftsübelkeit?

Übelkeit und Erbrechen gelten laut Embryotox als schwangerschaftsbedingt, wenn sie vor der 16. Schwangerschaftswoche beginnen und andere Ursachen ausgeschlossen sind [1]. Wie viele Schwangere betroffen sind, wird unterschiedlich angegeben: Laut Embryotox schwanken die Angaben zwischen 35 und 91 Prozent, im Durchschnitt sind es 70 Prozent; rund 25 bis 33 Prozent haben nur Übelkeit ohne Erbrechen [1]. Das IQWiG spricht von mindestens der Hälfte aller Frauen [2]. Weil die Beschwerden morgens oft am stärksten sind, spricht man auch von Morgenübelkeit; manchmal dauern sie aber den ganzen Tag an [2].

Hyperemesis gravidarum: Bei etwa 1 von 100 Schwangeren sind die Beschwerden besonders stark [1, 2]. Kennzeichen sind laut Embryotox Erbrechen mit Übelkeit schon in der Frühschwangerschaft, das eine normale Nahrungsaufnahme nur sehr eingeschränkt zulässt und den Alltag stark beeinträchtigt, dazu Flüssigkeitsmangel (Dehydratation), ein Gewichtsverlust von mehr als 5 Prozent des Körpergewichts und Veränderungen der Blutsalze (Elektrolyte); andere Ursachen sollten ausgeschlossen sein [1]. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) spricht von starkem Schwangerschaftserbrechen, wenn sich eine Frau häufiger als fünfmal am Tag erbricht und mehr als 5 Prozent ihres Gewichts verliert [4].

Symptome und Verlauf

Gewöhnlich beginnt die Übelkeit laut IQWiG zwischen der 6. und 8. Schwangerschaftswoche und klingt um die 16. Woche ab; bei manchen Frauen hält sie länger an [2]. Embryotox nennt als typischen Beginn die 4. bis 7. Woche; in 60 Prozent der Fälle verschwinden die Beschwerden danach zum Ende des ersten Schwangerschaftsdrittels, in 90 Prozent bis zur 20. Schwangerschaftswoche [1]. Bei etwa 20 Prozent der Frauen halten sie laut BIÖG die ganze Schwangerschaft über an [3]. Viele Schwangere beschreiben außerdem eine Abneigung gegen bestimmte Gerüche oder Speisen, oftmals gegen Fleisch [3].

Bei starkem Schwangerschaftserbrechen verliert die Schwangere laut BIÖG viel Flüssigkeit und Elektrolyte. Sie kann austrocknen, der Stoffwechsel gerät durcheinander und schaltet in eine Art "Hungermodus", der Blutdruck kann stark absinken; ist die Leber betroffen, entwickelt sich eine Gelbsucht [4]. Schon nach einer Woche mit schwerem Erbrechen und ohne Nahrung kann es laut Embryotox zu einem Mangel an Vitamin B1 (Thiamin) kommen, der sich unter anderem durch schnellen Herzschlag und Muskelschwäche zeigt [1].

Ursachen

Warum Schwangeren so oft übel ist, ist nicht geklärt [2, 3]. Vermutet wird laut IQWiG, dass die hormonelle Umstellung eine wichtige Rolle spielt [2]. Laut BIÖG liefern neue Untersuchungen Hinweise darauf, dass der Anstieg des Hormons GDF-15 die Übelkeit verursacht; bei höheren Hormonspiegeln, zum Beispiel bei einer Zwillingsschwangerschaft, treten Übelkeit und Erbrechen danach verstärkt auf [3]. Dass Stress oder seelische Probleme die Beschwerden auslösen oder verstärken, ist laut IQWiG nicht nachgewiesen [2]. Das BIÖG sieht Hinweise darauf, dass psychische Belastungen und die Stärke der Übelkeit zusammenhängen können; die frühere Behauptung, Frauen sei vor allem dann übel, wenn sie die Schwangerschaft ablehnen, hat danach keine wissenschaftliche Grundlage [3].

Ein starkes Schwangerschaftserbrechen machen laut BIÖG unter anderem eine vermutlich vererbte Veranlagung, ein junges Alter der werdenden Mutter, ein weiblicher Fötus oder psychiatrische Erkrankungen wie eine Depression wahrscheinlicher; vorbeugen lässt sich ihm danach nicht [4].

Andere Ursachen und Medikamente: Starke Übelkeit kann laut IQWiG auch auf Erkrankungen wie Magen-Darm-Infekte, Migräne oder Erkrankungen der Gallenblase oder Bauchspeicheldrüse hinweisen [2]. Mehr dazu: Magen-Darm-Grippe und Gallensteine. Als Auslöser, die gemieden werden können, nennt Embryotox neben fettem, scharfem Essen und als unangenehm empfundenen Gerüchen auch Eisen zum Einnehmen [1]. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Welche Medikamente Übelkeit als Nebenwirkung nennen, steht auf der Seite Übelkeit durch Medikamente; mehr zu Eisenpräparaten unter Eisenmangel.

Behandlung ohne Medikamente

Viele Schwangere reagieren laut IQWiG besonders auf bestimmte Auslöser wie Gerüche und Nahrungsmittel, Hitze oder Geräusche. Es kann helfen, darauf zu achten, wann die Beschwerden auftreten und ob Auslöser erkennbar sind, und diese dann zu meiden [2]. Manchen Schwangeren hilft es, mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt zu essen, viel zu trinken und fettarm zu essen [2]. Ob bestimmte Ernährungsweisen, Änderungen des Lebensstils oder psychologische Unterstützung Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft lindern, ist laut IQWiG nicht sicher geklärt [2].

Das BIÖG nennt diese Tipps [3]:

  • schon vor dem Aufstehen im Bett eine Kleinigkeit essen, die auf dem Nachttisch bereitliegt, denn ein leerer Magen kann die Übelkeit verstärken,
  • sehr fettige, sehr süße oder sehr würzige Speisen meiden; auch der Verzicht auf Kaffee, schwarzen Tee und kohlensäurehaltige Getränke kann sich positiv auswirken,
  • herausfinden, welche Gerüche Übelkeit auslösen, zum Beispiel Parfüm oder bestimmte Essensgerüche.

Laut Embryotox werden regelmäßige kleine, kohlenhydrat- und eiweißreiche Mahlzeiten und ausreichendes Trinken empfohlen; Unterstützung durch die Familie und durch Ärztinnen und Ärzte wirkt sich danach positiv auf die Beschwerden aus [1].

Ingwer, Vitamin B6, Akupressur: Ingwer, Akupunktur oder Akupressur und Vitamin B6 (Pyridoxin) scheinen laut Embryotox die Übelkeit zu verringern, wirken sich aber nicht auf das Erbrechen aus [1]. Laut IQWiG deuten Studien darauf hin, dass bestimmte Ingwerprodukte wie Kapseln und Sirup die Beschwerden lindern können; ob Ingwertee oder größere Mengen Ingwer in der Nahrung wirken, ist unklar [2]. Ingwer kann laut Embryotox in allen Phasen der Schwangerschaft in üblicher Dosierung eingenommen werden [13]. Zu Akupressur, etwa mit Bändern für das Handgelenk, gibt es laut IQWiG widersprüchliche Studienergebnisse, für Akupunktur und homöopathische Mittel fehlen Belege [2]. Viele angebotene "Pülverchen" wurden laut BIÖG bisher nicht auf ihre Sicherheit untersucht; halten Sie vor der Einnahme Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt [3].

Behandlung mit Medikamenten

Schwangere Frau Ende zwanzig mit kurzen braunen Haaren in einem senfgelben Pullover spricht in einer hellen Frauenarztpraxis ruhig mit einer Ärztin mit grauem Bob
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Wenn das Meiden von Auslösern allein nicht hilft, sollten laut Embryotox Vor- und Nachteile verschiedener Behandlungen mit der Schwangeren besprochen werden, auch mit Blick auf ihre Erfahrungen aus früheren Schwangerschaften [1]. Als erstes Medikament sollte danach das für schwangerschaftsbedingte Übelkeit und Erbrechen zugelassene Doxylamin in Kombination mit Pyridoxin vorgeschlagen werden. Mögliche Alternativen sind laut Embryotox Meclozin über die Auslandsapotheke sowie Dimenhydrinat, das allerdings weniger Erfahrungen aufweist. Diese drei Mittel zeigten danach keine Erhöhung der Gesamtfehlbildungsraten, machen aber in etwas unterschiedlichem Umfang müde. Bei schwereren Verläufen kommen laut Embryotox Metoclopramid, allerdings nur für höchstens fünf Tage, und Ondansetron infrage; beide sollten wegen spezieller möglicher Nebenwirkungen nicht primär eingesetzt werden [1]. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Zulassung: Nur die Kombination aus Doxylamin und Vitamin B6 ist laut IQWiG in Deutschland ausdrücklich zur Behandlung von Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft zugelassen. Andere Medikamente kann eine Ärztin oder ein Arzt im sogenannten Off-Label-Use verschreiben; dann ist es besonders wichtig, sich zu Wirkungen und Nebenwirkungen ärztlich beraten zu lassen [2].

Medikamente, die Embryotox bei Schwangerschaftsübelkeit nennt: Beispiele mit eigener Wirkstoffseite
WirkstoffgruppeBeispieleWie sie wirkenHäufige Nebenwirkungen
H1-Antihistaminika (Mittel gegen Übelkeit)Doxylamin mit Pyridoxin (Vitamin B6): laut Fachinformation zugelassen zur symptomatischen Behandlung von Übelkeit und Erbrechen während der Schwangerschaft bei Frauen, die nicht auf eine konservative Behandlung ansprechen; bei Hyperemesis gravidarum nicht untersucht; verschreibungspflichtig [6]. Dimenhydrinat: laut Packungsbeilage in der Schwangerschaft nicht erlaubt [14]Doxylamin blockiert die H1-Rezeptoren für den Botenstoff Histamin und auch andere Rezeptoren wie Muscarinrezeptoren; Doxylamin und Pyridoxin wirken gegen Brechreiz und Erbrechen, wie die Kombination bei Schwangerschaftsübelkeit wirkt, ist nicht bekannt [6]. Dimenhydrinat verdrängt Histamin von seinen H1-Rezeptoren und wirkt deutlich gegen Erbrechen und dämpfend [15]Doxylamin mit Pyridoxin laut Packungsbeilage sehr häufig, also bei mehr als 1 von 10 Behandelten: starke Schläfrigkeit; häufig, also bei bis zu 1 von 10: Schwindelgefühl, Müdigkeitsgefühl, Mundtrockenheit [5]. Dimenhydrinat häufig: Schläfrigkeit und Benommenheit [14]
Dopamin-Antagonisten (Mittel gegen Übelkeit)Metoclopramid: bei Erwachsenen unter anderem zur Behandlung von Übelkeit und Erbrechen zugelassen; verschreibungspflichtig [16, 17]; für Übelkeit in der Schwangerschaft nicht ausdrücklich zugelassen: Packungsbeilage und Fachinformation nennen diese Anwendung nicht, laut IQWiG ist dafür nur Doxylamin mit Vitamin B6 ausdrücklich zugelassen [2, 16, 17]Hemmt am Brechzentrum im Hirnstamm Rezeptoren für die Botenstoffe Dopamin und Serotonin und beschleunigt die Magenentleerung und die Passage durch den Dünndarm [17]Sehr häufig: Schläfrigkeit; häufig: Depression, unkontrollierbare Bewegungen, Beschwerden wie bei der Parkinson-Krankheit, Ruhelosigkeit, Blutdruckabfall (besonders bei Gabe in die Vene), Durchfall, Schwächegefühl [16]
Serotonin-(5-HT3-)Rezeptorantagonisten (Mittel gegen Übelkeit)Ondansetron: zugelassen bei Chemo- oder Strahlentherapie und zur Vorbeugung nach Operationen, nicht für Übelkeit in der Schwangerschaft; verschreibungspflichtig [18, 19, 20]Blockiert stark und gezielt die 5-HT3-Rezeptoren für den Botenstoff Serotonin. Eine Chemo- oder Strahlentherapie kann im Dünndarm Serotonin freisetzen, das den Brechreflex auslöst; Ondansetron blockiert die Auslösung dieses Reflexes. Der genaue Wirkmechanismus ist nicht bekannt [19]Sehr häufig: Kopfschmerzen; häufig: Wärmegefühl oder Hitzewallungen, Verstopfung, veränderte Leberwerte zusammen mit dem Krebsmittel Cisplatin [18]

Doxylamin mit Pyridoxin

Die Kombination wird laut Embryotox seit Jahrzehnten weltweit bei Schwangerschaftserbrechen eingesetzt und ist seit 2019 auch in Deutschland für diese Anwendung zugelassen [1]. Den Erfahrungsumfang bewertet Embryotox als sehr hoch; eine große Metaanalyse aus dem Jahr 2021 fand danach keine erhöhten Risiken [7]. Ein Präparat ist Xonvea (Doxylaminhydrogensuccinat und Pyridoxinhydrochlorid): Laut Packungsbeilage wird es bei Schwangeren angewendet, um Übelkeit und Erbrechen zu vermeiden, wenn Änderungen in der Ernährung oder andere nicht medizinische Behandlungen keinen Erfolg gezeigt haben [5]. Laut Fachinformation sollte es durchgehend und nicht nur bei Bedarf eingenommen werden; ob es weiter nötig ist, sollte im Verlauf der Schwangerschaft wiederholt beurteilt werden [6]. Die Tabletten werden auf leeren Magen unzerkaut mit einem Glas Wasser eingenommen und dürfen nicht zerdrückt, zerkaut oder zerteilt werden [5].

Nicht eingenommen werden darf Xonvea laut Packungsbeilage bei einer Allergie gegen die Wirkstoffe oder andere Antihistaminika wie Diphenhydramin, zusammen mit MAO-Hemmern (bestimmte Mittel gegen Depressionen) oder mit Arzneimitteln, die bestimmte Enzyme (CYP450-Isoenzyme) stark hemmen, und bei Porphyrie [5]. Sprechen Sie vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wenn Sie zum Beispiel Asthma, ein Engwinkelglaukom, Epilepsie, ein verlängertes QT-Intervall oder niedrige Kaliumwerte haben [5]. Xonvea dürfen Sie laut Packungsbeilage nicht einnehmen, während Sie Mittel gegen Husten oder Erkältungen, Schlafmittel oder bestimmte Schmerzmittel einnehmen oder Alkohol getrunken haben; während der Behandlung dürfen Sie keinen Alkohol trinken [5]. Vor einer zusätzlichen Einnahme von Vitamin B6, auch über Nahrungsergänzungsmittel, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke [5].

Die Einnahme dürfen Sie laut Packungsbeilage nicht abbrechen, ohne vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt gesprochen zu haben, weil Übelkeit und Erbrechen bei einem plötzlichen Absetzen wieder auftreten können; die Ärztin oder der Arzt sagt Ihnen, wie Sie das Mittel langsam absetzen [5]. Präparate, die nur Doxylamin enthalten, gibt es als Schlafmittel; ob sie ebenfalls gegen Übelkeit in der Schwangerschaft helfen, ist laut IQWiG unklar [2]. Mehr dazu auf der Seite Doxylamin.

Meclozin und Dimenhydrinat

Meclozin gehört laut Embryotox zu den Mitteln der Wahl bei Schwangerschaftsübelkeit und kann in der gesamten Schwangerschaft eingenommen werden. In Deutschland ist es seit 2007/2008 außer Vertrieb und nur über Auslandsapotheken erhältlich [9].

Reisetabletten mit Dimenhydrinat dürfen laut Packungsbeilage in der Schwangerschaft nicht eingenommen werden, weil Dimenhydrinat vorzeitig Wehen auslösen kann [14]. Embryotox bewertet das anders: Dimenhydrinat darf danach bei Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft angewendet werden; bei vorzeitigen Wehen sollte es möglichst nicht zum Einsatz kommen. Als besser geeignete Alternativen, die zunächst probiert werden sollten, nennt Embryotox Doxylamin mit Pyridoxin oder Meclozin [8]. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Mehr dazu: Reisekrankheit.

Metoclopramid und Ondansetron bei schwereren Verläufen

Metoclopramid (MCP) ist laut Embryotox der gebräuchlichste Dopamin-Antagonist gegen Übelkeit und Erbrechen und hat umfangreiche Erfahrungen in der Schwangerschaft; wegen des Risikos von Bewegungsstörungen (extrapyramidale Nebenwirkungen) ist es kein Mittel der ersten Wahl [1]. Für das erste Schwangerschaftsdrittel zeigten mehr als 36.000 ausgewertete Schwangerschaften danach weder ein erhöhtes Fehlgeburtsrisiko noch eine erhöhte Gesamtfehlbildungsrate. Weil das Risiko für neurologische Nebenwirkungen bei der Mutter mit Dauer und Dosis steigt, sollte so kurz wie möglich und nicht wochenlang behandelt werden [10]. Falls notwendig, kann Metoclopramid laut Packungsbeilage während der Schwangerschaft eingenommen werden; die Ärztin oder der Arzt entscheidet darüber [16]. Am Ende der Schwangerschaft sollte es laut Fachinformation vermieden werden, weil beim Neugeborenen Bewegungsstörungen nicht auszuschließen sind; wird es dennoch angewendet, muss das Neugeborene überwacht werden [17]. Nach einem Durchführungsbeschluss der Europäischen Kommission vom 20.12.2013, den das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) mit Bescheid vom 09.04.2014 umsetzte, beträgt die maximale empfohlene Behandlungsdauer 5 Tage. Hintergrund ist laut der Zusammenfassung des BfArM vom 23.04.2014 das Risiko schwerer neurologischer Nebenwirkungen wie akuter Bewegungsstörungen (extrapyramidaler Symptome) und nicht umkehrbarer Spätdyskinesien [21].

Ondansetron ist laut Embryotox mit mehr als 112.000 ausgewerteten Schwangerschaften das am besten untersuchte Mittel gegen Erbrechen in der Schwangerschaft, mit einem allenfalls sehr gering erhöhten Risiko für Gaumenspalten [1, 11]. Zuerst sollten laut Embryotox Doxylamin, Meclozin und auch Dimenhydrinat versucht werden; wenn diese primär empfohlenen Mittel nicht wirksam sind, kann Ondansetron danach nach individueller Abwägung von Nutzen und Risiko eingesetzt werden [11]. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Hohe Dosen in die Vene sind laut Embryotox bei Schwangeren mit einem Risiko für Herzrhythmusstörungen (QT-Verlängerung) kontraindiziert, also nicht erlaubt [11]. Laut Packungsbeilage sollten Sie Ondansetron nicht im ersten Schwangerschaftsdrittel einnehmen, weil es das Risiko für eine Lippen- und/oder Gaumenspalte beim Kind leicht erhöhen kann [18]. Ein Rote-Hand-Brief vom Oktober 2019 (vom BfArM am 01.10.2019 veröffentlicht) informierte über die Vermutung, dass Ondansetron Fehlbildungen im Mund- und Gesichtsbereich verursacht, wenn es im ersten Schwangerschaftsdrittel angewendet wird. Ondansetron sollte danach im ersten Schwangerschaftsdrittel nicht angewendet werden, und Frauen im gebärfähigen Alter sollten eine Schwangerschaftsverhütung in Erwägung ziehen. Für Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft ist Ondansetron danach nicht zugelassen [20].

Promethazin wird laut IQWiG in erster Linie bei Unruhe- und Erregungszuständen verwendet, ist aber auch gegen Übelkeit und Erbrechen zugelassen [2]. Laut Packungsbeilage gilt diese Zulassung, wenn andere Behandlungsmöglichkeiten nicht durchführbar sind oder nicht erfolgreich waren; Übelkeit in der Schwangerschaft nennt sie nicht ausdrücklich. In der Frühschwangerschaft sollte Promethazin danach nur nach ausdrücklicher ärztlicher Anweisung angewendet werden [23]. Embryotox führt es dafür als Reservemittel; es dämpft danach deutlich stärker als die oben genannten Antihistaminika und kommt infrage, wenn andere Mittel gegen Erbrechen versagen; zunächst kommen laut Embryotox zum Beispiel Doxylamin oder Meclozin infrage [1, 12]. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Bei Einnahme bis zur Geburt ist das Risiko für Anpassungsstörungen beim Neugeborenen erhöht [12]. Mehr dazu: Promethazin.

Bei starkem Schwangerschaftserbrechen

Bei einer Hyperemesis gravidarum sind laut BIÖG so gut wie immer Medikamente notwendig. Ist der Stoffwechsel entgleist, muss die Schwangere ins Krankenhaus; dort werden Flüssigkeit und Elektrolyte über Infusionen ausgeglichen, manchmal gibt die Ärztin oder der Arzt auch Vitamine wie Vitamin B1 [4]. Die betroffenen Frauen verzichten laut IQWiG dann meist für einige Tage auf feste Nahrung [2]. Feste Behandlungsschemata gibt es laut Embryotox nicht; H1-Antihistaminika allein reichen meist nicht aus, die genannten Medikamente kommen allein oder kombiniert infrage, und an Vitamin B1 (Thiamin) sollte gedacht werden [1]. Frauen mit Hyperemesis gravidarum müssen laut Packungsbeilage von Xonvea von einer Fachärztin oder einem Facharzt behandelt werden; die Kombination wurde bei dieser Erkrankung laut Fachinformation nicht untersucht [5, 6].

Nebenwirkungen der Medikamente

Doxylamin mit Pyridoxin: Sehr häufig, also bei mehr als 1 von 10 Behandelten, ist laut Packungsbeilage starke Schläfrigkeit; häufig, also bei bis zu 1 von 10, sind Schwindelgefühl, Müdigkeitsgefühl und Mundtrockenheit [5]. Während der Einnahme dürfen Sie laut Packungsbeilage kein Auto oder Fahrrad fahren und keine Werkzeuge oder Maschinen bedienen [5]. Zusammen mit anderen Arzneimitteln, die das Nervensystem beeinflussen, kann das Mittel sehr schläfrig machen; dann können Sie hinfallen oder andere Unfälle verursachen [5]. Es kann die Lichtempfindlichkeit erhöhen, deshalb wird Sonnenbaden während der Behandlung nicht empfohlen. Weil es das Schwitzen verringert, kann es eine Austrocknung verstärken und einen Hitzschlag verursachen [5]. Mehr dazu: Müdigkeit und Medikamente und Autofahren.

Metoclopramid: Bei unkontrollierbaren Bewegungen, häufig unter Einbeziehung von Kopf oder Nacken, bei hohem Fieber mit hohem Blutdruck, Krämpfen, Schweißausbruch und vermehrtem Speichel (Zeichen eines malignen neuroleptischen Syndroms) und bei Zeichen einer allergischen Reaktion brechen Sie die Behandlung laut Packungsbeilage ab und sprechen unverzüglich mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke [16]. Wegen des Risikos unwillkürlicher Muskelkrämpfe darf die Behandlung höchstens 3 Monate dauern [16]. Mehr dazu: Parkinson-Symptome durch Medikamente.

Ondansetron: Bei Krampfanfällen, einer allergischen Reaktion (Schwellung von Gesicht, Lippen, Zunge oder Rachen, Schwierigkeiten beim Atmen oder Schlucken, Ekzem), einem Kreislaufkollaps, Herzrhythmusstörungen, die manchmal einen plötzlichen Bewusstseinsverlust verursachen, oder einem ausgedehnten Ausschlag mit Blasenbildung und Hautablösung (toxische epidermale Nekrolyse) nehmen Sie laut Packungsbeilage keine weiteren Tabletten ein und informieren sofort Ihre Ärztin oder Ihren Arzt oder gehen in die Notaufnahme [18]. Mehr dazu: QT-Verlängerung und Kopfschmerzen.

Dimenhydrinat: Häufig sind Schläfrigkeit und Benommenheit; bei Zeichen einer schweren Hautreaktion wie zielscheibenartigen Flecken, Blasen, Abschälen der Haut oder Geschwüren im Mund brechen Sie die Einnahme laut Packungsbeilage ab und begeben sich unverzüglich in ärztliche Behandlung [14]. Mehr dazu: schwere Hautreaktionen.

Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Nebenwirkungen können Sie Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke mitteilen oder direkt dem BfArM melden [5]. Wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden.

Leben mit Schwangerschaftsübelkeit

Viele Betroffene fühlen sich laut Embryotox mit Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft allein gelassen und werden zu wenig behandelt; sie brauchen danach mehr Unterstützung aus dem medizinischen Bereich, und dazu gehört auch eine Behandlung mit Medikamenten gegen Erbrechen [1]. Werden Frauen nach einer Schwangerschaft mit schwerem Erbrechen erneut schwanger, wird laut Embryotox eine frühzeitige Behandlung mit solchen Mitteln empfohlen [1]. Embryotox bietet auch eine individuelle Beratung an; sie ist kostenlos [1].

Starkes Schwangerschaftserbrechen kann laut BIÖG auch psychisch stark beeinträchtigen und dazu führen, dass die Schwangerschaft als belastend erlebt wird [4]. Mehr zu Arzneimitteln in dieser Zeit im Ratgeber Medikamente in der Schwangerschaft.

Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen

Zur Ärztin oder zum Arzt sollten Sie laut BIÖG gehen, wenn Sie öfter als fünfmal am Tag erbrechen, deutlich an Gewicht verlieren oder es Ihnen schwerfällt, zu essen oder zu trinken [3].

Anhaltender Brechdurchfall bei mangelnder Flüssigkeitsaufnahme ist laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) ein Fall für den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117, wenn die Praxen geschlossen sind. Komplikationen in der Schwangerschaft, Bewusstlosigkeit oder eine erhebliche Bewusstseinstrübung sowie akute und anhaltende stärkste Schmerzzustände sind Fälle für den Notruf 112 [22]. Nach einer zu großen Menge Xonvea beenden Sie laut Packungsbeilage die Einnahme und suchen unverzüglich eine Ärztin, einen Arzt oder ein Krankenhaus auf; nehmen Sie die Packung mit [5].

Quellen

  1. Embryotox Embryotox: Emesis gravidarum / Hyperemesis gravidarum (Erkrankungen), Abschnitte Besonderheiten einer Therapie in der Schwangerschaft und Mittel der Wahl. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 17.10.2026
  2. Was hilft gegen Übelkeit in der Schwangerschaft?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 21.09.2022. abgerufen am 17.10.2026
  3. Behörde Beschwerden in der Schwangerschaft: Übelkeit und Erbrechen. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), familienplanung.de. Stand 19.07.2023. abgerufen am 17.10.2026
  4. Behörde Starkes Schwangerschaftserbrechen (Hyperemesis gravidarum). Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), familienplanung.de. Stand 07.01.2026. abgerufen am 17.10.2026
  5. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation XONVEA 10 mg/10 mg magensaftresistente Tabletten (Doxylaminhydrogensuccinat/Pyridoxinhydrochlorid). Exeltis Germany GmbH. Stand 02/2022. abgerufen am 17.10.2026
  6. Fachinformation Fachinformation XONVEA 10 mg/10 mg magensaftresistente Tabletten. Exeltis Germany GmbH. Stand 02/2022. abgerufen am 17.10.2026
  7. Embryotox Embryotox: Doxylamin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 17.10.2026
  8. Embryotox Embryotox: Dimenhydrinat. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 17.10.2026
  9. Embryotox Embryotox: Meclozin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 17.10.2026
  10. Embryotox Embryotox: Metoclopramid. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 17.10.2026
  11. Embryotox Embryotox: Ondansetron. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 17.10.2026
  12. Embryotox Embryotox: Promethazin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 17.10.2026
  13. Embryotox Embryotox: Ingwer. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 17.10.2026
  14. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Reisetabletten-ratiopharm 50 mg Tabletten (Dimenhydrinat), Versionscode Z08. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 17.10.2026
  15. Fachinformation Fachinformation Reisetabletten-ratiopharm 50 mg Tabletten (Dimenhydrinat), Version 5. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 17.10.2026
  16. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation MCP-ratiopharm 10 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2026. abgerufen am 17.10.2026
  17. Fachinformation Fachinformation MCP-ratiopharm 10 mg Tabletten, Version 4. ratiopharm GmbH. Stand 07/2026. abgerufen am 17.10.2026
  18. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Ondansetron-ratiopharm 4 mg, 8 mg Filmtabletten. TEVA GmbH, Mitvertrieb ratiopharm GmbH. Stand 10/2024. abgerufen am 17.10.2026
  19. Fachinformation Fachinformation Ondansetron-ratiopharm 4 mg Filmtabletten, Version 5. TEVA GmbH, Mitvertrieb ratiopharm GmbH. Stand 08/2022. abgerufen am 17.10.2026
  20. Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu Ondansetron: Erhöhtes Risiko orofazialer Fehlbildungen bei der Anwendung im ersten Trimenon der Schwangerschaft. Zulassungsinhaber ondansetronhaltiger Arzneimittel in Abstimmung mit dem BfArM. Stand Oktober 2019, vom BfArM veröffentlicht am 01.10.2019. abgerufen am 17.10.2026
  21. Behörde Metoclopramidhaltige Arzneimittel: Umsetzung des Durchführungsbeschlusses der EU-Kommission (Zusammenfassung der wichtigsten Änderungen vom 23.04.2014, aktualisiert am 29.04.2014). Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand 23.04.2014. abgerufen am 17.10.2026
  22. Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Abschnitte "Fälle für den Bereitschaftsdienst" und "Fälle für die Notrufnummer 112"). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 17.10.2026
  23. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Atosil 25 mg Filmtabletten (Promethazin). DESITIN Arzneimittel GmbH. Stand 08/2025. abgerufen am 11.10.2026

Häufige Fragen

Was hilft gegen Übelkeit in der Schwangerschaft?

Manchen Schwangeren hilft es laut IQWiG, mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt zu essen, viel zu trinken, fettarm zu essen und erkennbare Auslöser wie bestimmte Gerüche, Nahrungsmittel, Hitze oder Geräusche zu meiden. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) rät, schon vor dem Aufstehen eine Kleinigkeit zu essen. Ingwer, Akupunktur oder Akupressur und Vitamin B6 scheinen laut Embryotox die Übelkeit zu verringern, wirken sich aber nicht auf das Erbrechen aus. Ob ein Medikament für Sie infrage kommt, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Welche Medikamente darf ich bei Schwangerschaftsübelkeit nehmen?

Reichen Maßnahmen wie das Meiden von Auslösern nicht aus, sollte laut Embryotox als erstes Medikament das für Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft zugelassene Doxylamin in Kombination mit Pyridoxin (Vitamin B6) vorgeschlagen werden; es ist verschreibungspflichtig. Mögliche Alternativen sind danach Meclozin über die Auslandsapotheke sowie Dimenhydrinat, das allerdings weniger Erfahrungen aufweist. Bei schwereren Verläufen kommen laut Embryotox Metoclopramid, allerdings nur für höchstens fünf Tage, und Ondansetron infrage; beide sollten wegen spezieller möglicher Nebenwirkungen nicht als erstes eingesetzt werden. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Nur die Kombination aus Doxylamin und Vitamin B6 ist laut IQWiG ausdrücklich für diesen Zweck zugelassen; andere Mittel kann die Ärztin oder der Arzt im sogenannten Off-Label-Use verschreiben.

Hilft Ingwer oder Vitamin B6 bei Schwangerschaftsübelkeit?

Studien deuten laut IQWiG darauf hin, dass bestimmte Ingwerprodukte wie Ingwerkapseln und -sirup die Beschwerden lindern können; ob Ingwertee wirkt, ist unklar. Ingwer kann danach zu Sodbrennen führen. Präparate mit Vitamin B6 (Pyridoxin) können laut IQWiG die Übelkeit etwas lindern; ob sie Erbrechen vorbeugen, ist unklar. Laut Embryotox kann Ingwer in allen Phasen der Schwangerschaft in üblicher Dosierung eingenommen werden.

Darf ich Reisetabletten mit Dimenhydrinat in der Schwangerschaft nehmen?

Laut Packungsbeilage von Reisetabletten-ratiopharm dürfen die Tabletten in der Schwangerschaft nicht eingenommen werden, weil Dimenhydrinat vorzeitig Wehen auslösen kann. Embryotox bewertet das anders: Dimenhydrinat darf danach bei Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft angewendet werden; bei vorzeitigen Wehen sollte es möglichst nicht zum Einsatz kommen. Als besser geeignete Alternativen sollten laut Embryotox aber zunächst Doxylamin mit Pyridoxin oder Meclozin probiert werden. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Sind MCP und Ondansetron in der Schwangerschaft erlaubt?

Beide sind verschreibungspflichtig. Metoclopramid (MCP) kann laut Packungsbeilage falls notwendig während der Schwangerschaft eingenommen werden, die Ärztin oder der Arzt entscheidet darüber; am Ende der Schwangerschaft sollte es laut Fachinformation vermieden werden. Ausdrücklich für Übelkeit in der Schwangerschaft zugelassen ist MCP nicht; Packungsbeilage und Fachinformation nennen allgemein die Behandlung von Übelkeit und Erbrechen bei Erwachsenen. Ondansetron sollte laut Packungsbeilage nicht im ersten Schwangerschaftsdrittel eingenommen werden, weil es das Risiko für Lippen- und Gaumenspalten leicht erhöhen kann; für Übelkeit in der Schwangerschaft ist es laut Rote-Hand-Brief vom Oktober 2019 nicht zugelassen. Laut Embryotox kommen beide bei schwereren Verläufen infrage, sollten aber wegen spezieller möglicher Nebenwirkungen nicht primär eingesetzt werden; zuerst sollte danach Doxylamin mit Pyridoxin vorgeschlagen werden. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Schadet die Übelkeit meinem Kind?

Übelkeit und Erbrechen können laut IQWiG für einige Wochen stark belasten, haben aber normalerweise keine Folgen für die Schwangere und das Kind. Bei einer Hyperemesis gravidarum, der besonders starken Form, kann es danach zu Gewichts- und Flüssigkeitsverlusten kommen, die auch das Kind gefährden können; deshalb ist meist eine Behandlung im Krankenhaus nötig.

Wann muss ich mit Schwangerschaftsübelkeit zum Arzt?

Laut BIÖG, wenn Sie öfter als fünfmal am Tag erbrechen, deutlich an Gewicht verlieren oder es Ihnen schwerfällt, zu essen oder zu trinken. Anhaltender Brechdurchfall bei mangelnder Flüssigkeitsaufnahme ist laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung ein Fall für den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117, Komplikationen in der Schwangerschaft sind ein Fall für den Notruf 112.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

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