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Amoxicillin: Nebenwirkungen und Wirkung

Amoxicillin ist ein verschreibungspflichtiges Antibiotikum aus der Gruppe der Penicilline. Es wird gegen bakterielle Infektionen eingesetzt, etwa an Atemwegen und Harnwegen, gegen Borreliose und zusammen mit anderen Mitteln gegen Magengeschwüre durch Helicobacter pylori. Häufige Nebenwirkungen sind Übelkeit, Durchfall und Hautausschlag. Bei Zeichen einer schweren allergischen Reaktion nehmen Sie Amoxicillin nicht weiter ein und holen sofort ärztliche Hilfe.

Frau um die dreißig sitzt in eine Wolldecke gehüllt auf dem Sofa, hält eine Tasse Tee in den Händen und schaut aus dem Fenster
Bild: KI-generiert

Die häufigsten Nebenwirkungen

  • Häufig: Übelkeit und Durchfall[1, 2]
  • Häufig: Hautausschlag[1, 2]

Alle Nebenwirkungen nach Häufigkeit

Wofür wird Amoxicillin eingesetzt?

Amoxicillin ist ein verschreibungspflichtiges Antibiotikum aus der Gruppe der Penicilline [1, 2]. Laut Packungsbeilage behandelt es bakterielle Infektionen an verschiedenen Stellen des Körpers. Zusammen mit anderen Arzneimitteln wird es außerdem gegen Magengeschwüre eingesetzt [1].

Die Fachinformation nennt die zugelassenen Anwendungsgebiete bei Erwachsenen und Kindern genauer: akute bakterielle Nebenhöhlenentzündung, akute Mittelohrentzündung, akute Mandel- und Rachenentzündung durch Streptokokken, eine akute Verschlimmerung einer chronischen Bronchitis, eine außerhalb des Krankenhauses erworbene Lungenentzündung, akute Blasenentzündung, Bakterien im Urin ohne Beschwerden in der Schwangerschaft, akute Nierenbeckenentzündung, Typhus und Paratyphus, Zahnabszesse mit ausgedehnter Weichteilentzündung, Infektionen künstlicher Gelenke, die Beseitigung von Helicobacter pylori und die Lyme-Borreliose. Außerdem ist Amoxicillin zur Vorbeugung einer Entzündung der Herzinnenhaut (Endokarditis) zugelassen [2].

Antibiotika wirken nur gegen Bakterien, nicht gegen Viren. Manchmal spricht eine bakterielle Infektion nicht an; einer der häufigsten Gründe ist, dass die Erreger gegen das Antibiotikum widerstandsfähig (resistent) sind. Ein vorsichtiger Umgang mit Antibiotika kann helfen, das Risiko für solche Resistenzen zu verringern: Laut Packungsbeilage sollten Sie ein Antibiotikum nur einnehmen, wenn es speziell für Sie verschrieben wurde, es nicht an andere weitergeben und übrig gebliebene Tabletten zur ordnungsgemäßen Entsorgung in eine Apotheke bringen [1]. Mehr dazu im Ratgeber Antibiotika richtig einnehmen.

Wie wirkt Amoxicillin?

Amoxicillin ist ein halbsynthetisches Penicillin und gehört zu den Betalaktam-Antibiotika. Es hemmt die sogenannten Penicillin-bindenden Proteine; diese Enzyme brauchen Bakterien zum Aufbau ihrer Zellwand. Die Zellwand wird dadurch geschwächt, und die Bakterien gehen in der Regel zugrunde [2]. Manche Bakterien bilden Enzyme (Betalaktamasen), mit denen sie Amoxicillin abbauen können. Gegen solche Erreger wirkt Amoxicillin allein nicht [2].

Nach der Einnahme wird Amoxicillin schnell und gut aufgenommen: Etwa 70 % des Wirkstoffs gelangen ins Blut, die höchste Konzentration ist nach etwa einer Stunde erreicht. Ob Sie dabei etwas essen, beeinflusst die Aufnahme nicht [2]. Als wichtigste Kenngröße für die Wirksamkeit gilt, wie lange der Wirkstoffspiegel über der Konzentration liegt, die die Bakterien hemmt [2]. Die Packungsbeilage sieht vor, die Dosen gleichmäßig über den Tag zu verteilen [1].

Nebenwirkungen nach Häufigkeit

Unten stehen alle Nebenwirkungen, für die die Packungsbeilage eine Häufigkeit angibt, ergänzt um die Fachbegriffe der Fachinformation. "Häufig" heißt: bis zu 1 von 10 Behandelten, "gelegentlich" bis zu 1 von 100 und "sehr selten" bis zu 1 von 10.000; bei "nicht bekannt" lässt sich die Häufigkeit aus den vorliegenden Daten nicht abschätzen [1, 2]. Wie Sie solche Angaben lesen, erklärt der Ratgeber Beipackzettel verstehen.

Laut Fachinformation sind Durchfall, Übelkeit und Hautausschlag die am häufigsten berichteten Nebenwirkungen. Die meisten der aufgeführten Nebenwirkungen können auch bei anderen Penicillinen auftreten. Die Häufigkeiten stammen, soweit nicht anders angegeben, aus Berichten nach der Markteinführung über mehr als 30 Jahre; die Angaben zu Übelkeit, Durchfall, Erbrechen, Hautausschlag, Nesselsucht und Juckreiz beruhen auf klinischen Studien mit ungefähr 6.000 Erwachsenen und Kindern [2]. Mehr über Hautausschläge durch Medikamente lesen Sie auf der Seite Hautausschlag.

Häufigkann bis zu 1 von 10 Behandelten betreffen

Gelegentlichkann bis zu 1 von 100 Behandelten betreffen

  • Magen und DarmErbrechen[1, 2]Mehr dazu: Erbrechen
  • HautLeichter juckender Ausschlag mit runden, rosa-roten Flecken und "wabenartig" geschwollenen Bereichen an Unterarmen, Beinen, Handflächen und Fußsohlen (Nesselsucht, Juckreiz); die Einnahme muss dann beendet werden[1, 2]Mehr dazu: NesselsuchtJuckreizHautausschlag

Sehr seltenkann bis zu 1 von 10.000 Behandelten betreffen

  • ImmunsystemAllergische Reaktionen mit Juckreiz oder Ausschlag, Schwellung von Gesicht, Lippen, Zunge oder Körper oder Atembeschwerden (auch angioneurotisches Ödem und Anaphylaxie); sie können schwerwiegend sein, es kam gelegentlich zum Tod[1, 2]Mehr dazu: Allergische ReaktionenSchwellungen von Gesicht, Zunge oder RachenJuckreizHautausschlagAtemnot
  • ImmunsystemAllergische Entzündung der Blutgefäßwände (allergische Vaskulitis): Hautausschlag, stecknadelkopfgroße flache rote Punkte unter der Haut oder kleinflächige Hautblutungen, eventuell mit Gelenkschmerzen (Arthritis) und Nierenproblemen[1, 2]Mehr dazu: HautausschlagBlutungen und blaue FleckenGelenkschmerzenNierenfunktionsstörungen
  • ImmunsystemVerzögerte allergische Reaktion (ähnlich einer Serumkrankheit), gewöhnlich 7 bis 12 Tage nach der Einnahme: Hautausschläge, Fieber, Gelenkschmerzen und vergrößerte Lymphknoten, vor allem unter den Armen[1, 2]Mehr dazu: Allergische ReaktionenHautausschlagFieberGelenkschmerzen
  • ImmunsystemJarisch-Herxheimer-Reaktion während der Behandlung einer Borreliose mit Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen und Hautausschlag[1, 2]Mehr dazu: KopfschmerzenFieberMuskelschmerzenHautausschlag
  • HautHautreaktion "Erythema multiforme": juckende rötlich-violette Flecken vor allem an Handflächen und Fußsohlen, wabenartig erhabene Schwellungen, empfindliche Stellen im Mund, an den Augen und im Intimbereich, eventuell mit Fieber und starker Müdigkeit[1, 2]Mehr dazu: Schwere HautreaktionenHautausschlagJuckreizFieber
  • HautAndere schwere Hautreaktionen (Stevens-Johnson-Syndrom, toxische epidermale Nekrolyse, bullöse und exfoliative Dermatitis, akute generalisierte exanthematische Pustulose): veränderte Hautfarbe, Beulen unter der Haut, Bläschen, Pusteln, Abschälen der Haut, Rötung, Schmerzen, Juckreiz, Schuppen, eventuell mit Fieber, Kopf- und Körperschmerzen[1, 2]Mehr dazu: Schwere HautreaktionenHautausschlagJuckreizFieber
  • HautArzneimittelreaktion mit Eosinophilie und systemischen Symptomen (DRESS): grippeähnliche Beschwerden mit Hautausschlag, Fieber, geschwollenen Drüsen und auffälligen Blutwerten (mehr Eosinophile, erhöhte Leberenzyme)[1, 2]Mehr dazu: Schwere HautreaktionenHautausschlagLeberschäden und erhöhte LeberwerteFieberVeränderungen des Blutbilds
  • Blut und LymphsystemZu wenige weiße Blutkörperchen (Leukopenie, auch schwere Neutropenie oder Agranulozytose) und zu wenige Blutplättchen (Thrombozytopenie), beide umkehrbar; mögliche Zeichen sind Fieber, Schüttelfrost, Halsschmerzen, andere Infektzeichen oder leicht entstehende blaue Flecken[1, 2]Mehr dazu: Veränderungen des BlutbildsErhöhte InfektanfälligkeitBlutungen und blaue Flecken
  • Blut und LymphsystemBlutarmut durch übermäßigen Zerfall roter Blutkörperchen (hämolytische Anämie) mit Müdigkeit, Kopfschmerzen, Kurzatmigkeit, Schwindel, Blässe und Gelbfärbung von Haut und Augenweiß[1, 2]Mehr dazu: Veränderungen des BlutbildsMüdigkeitAtemnotSchwindel
  • Blut und LymphsystemDie Blutgerinnung dauert länger als normal (verlängerte Blutungs- und Prothrombinzeit); das kann bei Nasenbluten oder einer Schnittwunde auffallen[1, 2]Mehr dazu: Blutungen und blaue Flecken
  • Magen und DarmEntzündung des Dickdarms (Antibiotika-assoziierte Kolitis, auch pseudomembranöse oder hämorrhagische Kolitis) mit Durchfall, der manchmal Blut enthält, Schmerzen und Fieber[1, 2]Mehr dazu: DurchfallBauchschmerzenFieber
  • Magen und DarmGelb, braun oder schwarz verfärbte Zunge mit haarigem Aussehen (schwarze Haarzunge)[1, 2]
  • Leber und GalleSchwere Nebenwirkungen an der Leber (Leberentzündung, Gelbsucht durch Gallestau) und mäßig erhöhte Leberwerte (AST, ALT); betroffen sind hauptsächlich Personen, die lange behandelt wurden, Männer und ältere Menschen. Zeichen sind unter anderem dunklerer Urin, blasserer Stuhl und Gelbfärbung von Haut oder Augenweiß[1, 2]Mehr dazu: Leberschäden und erhöhte Leberwerte
  • InfektionenPilzinfektion (Soor) der Scheide, des Mundes oder in Hautfalten (mukokutane Candidose)[1, 2]Mehr dazu: Pilzinfektionen
  • Nieren und HarnwegeNierenprobleme (Entzündung des Nierengewebes, interstitielle Nephritis)[1, 2]Mehr dazu: Nierenfunktionsstörungen
  • NervensystemKrampfanfälle; sie zeigten sich bei Patientinnen und Patienten, die hohe Dosen einnahmen oder Nierenprobleme hatten[1, 2]Mehr dazu: Krampfanfälle
  • NervensystemSchwindel[1, 2]Mehr dazu: Schwindel
  • NervensystemÜberaktivität (Hyperkinese)[1, 2]

Nicht bekanntHäufigkeit nicht abschätzbar oder in der Quelle nicht angegeben

  • HerzBrustschmerzen bei einer allergischen Reaktion als mögliches Zeichen eines allergisch bedingten Herzinfarkts (Kounis-Syndrom)[1, 2]Mehr dazu: Allergische Reaktionen
  • Magen und DarmArzneimittelbedingtes Enterokolitissyndrom (DIES), hauptsächlich bei Kindern berichtet: allergische Reaktion mit anhaltendem Erbrechen 1 bis 4 Stunden nach der Einnahme, dazu möglich Bauchschmerzen, Teilnahmslosigkeit (Lethargie), Durchfall und niedriger Blutdruck[1, 2]Mehr dazu: ErbrechenBauchschmerzenDurchfallNiedriger BlutdruckMüdigkeit
  • HautAusschlag mit kreisförmig oder perlenkettenartig angeordneten Bläschen mit Kruste in der Mitte (lineare IgA-Krankheit)[1, 2]Mehr dazu: Hautausschlag
  • NervensystemEntzündung der Häute, die Gehirn und Rückenmark umgeben (aseptische Meningitis)[1, 2]
  • Nieren und HarnwegeKristalle im Urin (Kristallurie), die zu einer akuten Nierenschädigung führen können[1, 2]Mehr dazu: Nierenfunktionsstörungen

Eine Häufigkeit sagt, wie oft eine Beschwerde während der Behandlung beobachtet wurde. Sie sagt nicht, dass das Medikament sie verursacht hat.

Wann Sie ärztliche Hilfe brauchen

Die schweren Nebenwirkungen können während der Einnahme auftreten, aber auch noch bis zu einigen Wochen danach [1]. Laut Fachinformation wurden unter Penicillinen schwerwiegende und gelegentlich tödlich verlaufende Überempfindlichkeitsreaktionen berichtet; wahrscheinlicher sind sie bei Menschen, die schon einmal allergisch auf ein Penicillin reagiert haben, und bei Menschen mit einer Neigung zu Allergien (Atopie) [2]. Was eine Arzneimittelallergie ausmacht, erklärt die Seite Arzneimittelallergie.

Was Sie bei Nebenwirkungen tun können

Mann in den Vierzigern isst am Küchentisch eine Schüssel Suppe, daneben ein Glas Wasser
Bild: KI-generiert

Übelkeit und Magenbeschwerden: Die Packungsbeilage sieht vor, Amoxicillin mit einer Mahlzeit einzunehmen, weil das die Verträglichkeit verbessert; die Wirksamkeit leidet darunter nicht. Schlucken Sie die Tabletten unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit, zum Beispiel einem Glas Wasser [1].

Durchfall: Durchfall gehört zu den häufigen Nebenwirkungen [1, 2]. Laut Fachinformation sollte bei Durchfall während oder nach einer Antibiotika-Behandlung an eine Antibiotika-bedingte Darmentzündung gedacht werden, die leicht bis lebensbedrohlich verlaufen kann. Kommt es zu einer solchen Darmentzündung, wird Amoxicillin sofort abgesetzt, und Mittel, die die Darmbewegung hemmen, dürfen nicht angewendet werden [2]. Ist der Durchfall blutig oder kommen Bauchschmerzen und Fieber hinzu, nehmen Sie Amoxicillin nicht weiter ein und holen sofort ärztliche Hilfe [1]. Hintergründe stehen auf der Seite Durchfall durch Medikamente.

Hautausschlag: Ein leichter juckender Ausschlag mit runden, rosa-roten Flecken oder wabenartigen Schwellungen tritt gelegentlich auf. Sprechen Sie dann mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, denn die Einnahme muss beendet werden [1]. Bei Pfeifferschem Drüsenfieber kann nach Amoxicillin ein masernartiger Ausschlag entstehen; bei Verdacht auf diese Erkrankung sollte Amoxicillin vermieden werden [2].

Pilzinfektionen: Bei längerer Anwendung kann Soor entstehen, eine Hefepilzinfektion feuchter Körperregionen, die Schmerzen, Juckreiz und weißen Ausfluss verursachen kann. Informieren Sie dann Ihre Ärztin oder Ihren Arzt; gegen Soor gibt es eine Behandlung [1]. Welche Wirkstoffe eine bestimmte Beschwerde auslösen können, zeigt der Nebenwirkungs-Finder.

Wechselwirkungen

Informieren Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke, wenn Sie andere Arzneimittel einnehmen, kürzlich eingenommen haben oder einnehmen wollen [1]. Nehmen Sie Gerinnungshemmer wie Warfarin ein, sind möglicherweise zusätzliche Blutuntersuchungen nötig: Laut Fachinformation wurden erhöhte Gerinnungswerte (INR) beschrieben, wenn zusätzlich Amoxicillin gegeben wurde [1, 2]. Andere Antibiotika wie Tetracycline können die Wirkung von Amoxicillin abschwächen [1, 2].

Wechselwirkungen von Amoxicillin
Zusammen mitWas passieren kannHinweis
Methotrexat (gegen Krebs und schwere Schuppenflechte)Penicilline können die Ausscheidung von Methotrexat verringern; mehr Nebenwirkungen möglich[1, 2]Ärztin oder Arzt informieren
Allopurinol (gegen Gicht)Allergische Hautreaktionen werden wahrscheinlicher[1, 2]Ärztin oder Arzt informieren
Probenecid (gegen Gicht)Amoxicillin wird langsamer ausgeschieden; höhere und länger anhaltende Blutspiegel[1, 2]Gleichzeitige Anwendung nicht empfohlen
Gerinnungshemmer zum Einnehmen wie Warfarin oder AcenocoumarolErhöhte INR-Werte beschrieben (längere Gerinnungszeit)[1, 2]Zusätzliche Blutuntersuchungen; Gerinnungswerte zu Beginn und am Ende der Amoxicillin-Behandlung kontrollieren, ggf. Dosis des Gerinnungshemmers anpassen
Andere Antibiotika wie Tetracycline und andere bakteriostatische MittelAmoxicillin kann weniger wirksam sein[1, 2]Ärztin oder Arzt informieren

Die Liste nennt die wichtigsten Wechselwirkungen aus der Produktinformation, nicht alle. Welche Mittel Sie zusammen einnehmen können, klären Sie am besten mit Ihrer Apotheke, auch bei rezeptfreien und pflanzlichen Mitteln.

Wer Amoxicillin nicht oder nur mit Vorsicht nehmen sollte

Wer allergisch auf Penicilline reagiert, darf Amoxicillin nicht einnehmen [1, 2]. Trifft einer der Punkte unten auf Sie zu oder sind Sie sich nicht sicher, sprechen Sie vor der Einnahme mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke [1]. Steht ein Zuckertest im Urin, eine Bestimmung der Leberwerte im Blut oder ein Estriol-Test in der Schwangerschaft an, sagen Sie Bescheid, dass Sie Amoxicillin einnehmen: Es kann die Ergebnisse beeinflussen [1].

Nicht einnehmen bei

  • Allergie gegen Amoxicillin, Penicillin oder einen der sonstigen Bestandteile[1, 2]
  • Frühere allergische Reaktion auf ein anderes Penicillin, etwa ein Hautausschlag oder Schwellungen von Gesicht oder Hals[1]
  • Frühere schwere Sofortreaktion (z. B. Anaphylaxie) auf ein anderes Betalaktam-Antibiotikum, etwa ein Cephalosporin, Carbapenem oder Monobactam[2]
  • Nach einer akuten generalisierten exanthematischen Pustulose (AGEP) unter Amoxicillin darf es nicht erneut angewendet werden[2]

Besondere Vorsicht bei

  • Pfeiffersches Drüsenfieber (infektiöse Mononukleose; Fieber, Halsschmerzen, geschwollene Drüsen, extreme Müdigkeit): Bei Verdacht sollte Amoxicillin vermieden werden, weil ein masernartiger Ausschlag auftreten kann[1, 2]
  • Nierenprobleme oder unregelmäßiges Wasserlassen: Die Dosis wird der Nierenfunktion angepasst[1, 2]
  • Frühere Arzneimittelreaktion mit Eosinophilie und systemischen Symptomen (DRESS) auf andere Arzneimittel: Ein erneutes Aufflammen durch Amoxicillin wurde berichtet[1, 2]
  • Krampfanfälle in der Vorgeschichte, behandelte Epilepsie oder Hirnhauterkrankungen: höheres Risiko für Krampfanfälle, ebenso bei eingeschränkter Nierenfunktion oder hohen Dosen[2]
  • Längere Behandlung: Nieren, Leber und Blutbild werden kontrolliert; es kann Soor entstehen[1, 2]
  • Hohe Dosen: auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr und Harnausscheidung achten, um Kristalle im Urin zu vermeiden; bei Blasenkatheter dessen Durchgängigkeit regelmäßig kontrollieren[2]
  • Eingeschränkte Leberfunktion: Dosis mit Bedacht wählen, Leberfunktion regelmäßig kontrollieren[2]
  • Untersuchungen: Amoxicillin kann Urintests auf Zucker (Glucose), Bestimmungen der Leberwerte und Estriol-Tests in der Schwangerschaft beeinflussen, vorher Bescheid geben[1, 2]

Alkohol, Autofahren, Schwangerschaft

Die Karten fassen zusammen, was Packungsbeilage, Fachinformation und das Beratungszentrum Embryotox der Charité zu Alltag, Schwangerschaft und Stillzeit sagen [1, 2, 3]. Zu Alkohol enthalten Packungsbeilage und Fachinformation keinen Hinweis [1, 2]. Eine Wartezeit oder eine Alkoholmenge ohne Risiko nennen sie damit auch nicht; ob Alkohol während der Behandlung infrage kommt, klären Sie mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke [1, 2]. Mehr dazu: Amoxicillin und Alkohol. Allergische Reaktionen, Schwindel oder Krampfanfälle können die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen [1, 2]. Für die Fruchtbarkeit des Menschen gibt es laut Fachinformation keine Daten; in Tierstudien zeigten sich keine Auswirkungen [2]. Für die Schwangerschaft gibt Embryotox den Erfahrungsumfang mit "sehr hoch" an und kennzeichnet Amoxicillin grün: Medikament der Wahl, dennoch sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung nötig [3]. Mehr dazu: Amoxicillin in der Schwangerschaft.

Schwangerschaft

Die Packungsbeilage rät, vor der Einnahme in Schwangerschaft oder bei Kinderwunsch ärztlichen oder pharmazeutischen Rat einzuholen. Laut Fachinformation lassen Tierstudien nicht auf schädliche Wirkungen schließen, und begrenzte Daten beim Menschen weisen nicht auf ein erhöhtes Risiko für Geburtsfehler hin; Amoxicillin kann in der Schwangerschaft angewendet werden, wenn der mögliche Nutzen das mögliche Risiko überwiegt.[1, 2]

Für die Schwangerschaft kennzeichnet Embryotox Amoxicillin in seiner Ampel mit "grün": Medikament der Wahl, dennoch ist eine sorgfältige Abwägung von Nutzen und Risiko nötig. Den Erfahrungsumfang in der Schwangerschaft gibt Embryotox mit "sehr hoch" an; Amoxicillin gehört laut Embryotox zu den Antibiotika der Wahl in der Schwangerschaft. Zu Amoxicillin liegen Veröffentlichungen mit insgesamt mehr als 20.000 Schwangerschaften mit Einnahme im ersten Drittel vor, zur Gesamtgruppe der Penicilline mehrere zehntausend dokumentierte Schwangerschaftsverläufe; in der Gesamtschau ergeben sich daraus keine Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für Fehlbildungen oder Fehlgeburten durch Amoxicillin und andere Penicilline. In Fall-Kontroll-Studien wurde ein gering erhöhtes Risiko für Lippen- und/oder Gaumenspalten nach Anwendung im ersten Drittel diskutiert; einen ursächlichen Zusammenhang hält Embryotox für unwahrscheinlich, zumal der Großteil der Studien weder ein erhöhtes Fehlbildungsrisiko insgesamt noch erhöhte Risiken für bestimmte Fehlbildungen fand. Für das zweite und dritte Drittel sprechen laut Embryotox die bisher veröffentlichten Studien und die langjährige Markterfahrung gegen eine schädigende Wirkung auf das ungeborene Kind. Nach einer Anwendung in der Schwangerschaft sieht Embryotox keine Konsequenzen vor.[3]

Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.

Stillzeit

Amoxicillin geht in geringen Mengen in die Muttermilch über. Beim gestillten Säugling sind Durchfall, eine Pilzinfektion der Schleimhäute und eine Sensibilisierung möglich, sodass eventuell abgestillt werden muss; in der Stillzeit nur nach Nutzen-Risiko-Abwägung durch die behandelnde Ärztin oder den behandelnden Arzt.[2]

Embryotox zählt Amoxicillin zu den Antibiotika der Wahl in der Stillzeit; die meisten gestillten Kinder haben keine Beschwerden; gelegentlich kann eine Antibiotika-Therapie der Mutter beim gestillten Kind zum Beispiel zu vorübergehendem Durchfall oder Soor führen.[3]

Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.

Autofahren und Maschinen

Nebenwirkungen wie allergische Reaktionen, Schwindel und Krämpfe können die Verkehrstüchtigkeit beeinträchtigen. Wenn Sie sich nicht wohlfühlen, setzen Sie sich nicht ans Steuer und bedienen Sie keine Maschinen.[1, 2]

Einnahme

Die Filmtabletten sollen unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit, z. B. einem Glas Wasser, eingenommen werden. Amoxicillin sollte mit einer Mahlzeit eingenommen werden, weil das die Verträglichkeit verbessert; die Wirksamkeit wird dadurch nicht beeinträchtigt.[1]

Einnahme vergessen: nicht die doppelte Menge einnehmen.[1]

Absetzen

Nehmen Sie Amoxicillin so lange ein, wie es verordnet wurde, auch wenn Sie sich schon besser fühlen: Überlebende Bakterien können dazu führen, dass die Infektion erneut auftritt. Fühlen Sie sich nach Abschluss der Behandlung immer noch unwohl, gehen Sie zu Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.[1]

Bei einer Antibiotika-assoziierten Darmentzündung wird Amoxicillin sofort abgesetzt; Mittel, die die Darmbewegung hemmen, dürfen dann nicht angewendet werden.[2]

Überdosierung

Zu viel eingenommen: Möglich sind Magenprobleme wie Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall und Kristalle im Urin, erkennbar an trübem Urin oder Problemen beim Wasserlassen. Wenden Sie sich so schnell wie möglich an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt und nehmen Sie die Packung mit.[1, 2]

Dosierung laut Packungsbeilage und Fachinformation

Die Packungsbeilage nennt ab 40 kg Körpergewicht (Erwachsene, ältere Menschen und Kinder) übliche Dosen und besondere Dosen für einzelne Anwendungsgebiete, unter 40 kg Körpergewicht (Kinder) eine Dosis je Kilogramm Körpergewicht pro Tag; die Fachinformation ergänzt eine Tabelle für eingeschränkte Nierenfunktion [1, 2]. Die Übersicht gibt diese Angaben wieder und ersetzt nicht die Verordnung. Welche Dosis für Sie oder Ihr Kind richtig ist, legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest [1].

Einnahme und Absetzen

Nehmen Sie Amoxicillin immer genau nach Absprache mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke ein. Die Filmtabletten sollen laut Packungsbeilage unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit eingenommen werden, und Amoxicillin sollte mit einer Mahlzeit eingenommen werden [1]. Wie Sie die Dosen über den Tag verteilen und was bei einer vergessenen Einnahme gilt, beschreibt die Packungsbeilage; nehmen Sie nicht die doppelte Menge ein [1].

Nehmen Sie Amoxicillin so lange ein, wie es verordnet wurde, auch wenn es Ihnen schon besser geht: Für die Bekämpfung der Infektion brauchen Sie alle verordneten Dosen [1]. Bei längerer Einnahme kontrolliert die Ärztin oder der Arzt Nieren, Leber und Blutbild [1, 2]. Haben Sie zu viel eingenommen, kann es zu Übelkeit, Erbrechen, Durchfall oder Kristallen im Urin kommen; wenden Sie sich dann so schnell wie möglich an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt und nehmen Sie die Packung mit [1]. Telefonnummern für den Notfall finden Sie unter Notfall und Giftnotruf.

Präparate mit Amoxicillin

Amoxicillin gibt es als Filmtabletten in verschiedenen Stärken und als Pulver für einen Saft; laut Fachinformation können Kinder mit Filmtabletten oder mit dem Saft behandelt werden [2]. Grundlage dieser Seite sind Packungsbeilage und Fachinformation von Amoxicillin-ratiopharm [1, 2]. Für Präparate, die Amoxicillin zusammen mit Clavulansäure enthalten, gelten eigene Packungsbeilagen.

Präparate mit Amoxicillin
PräparatAnbieterHinweis
Amoxicillin-ratiopharmratiopharm GmbHverschreibungspflichtig; Filmtabletten mit 500, 750 oder 1.000 mg, Pulver für einen Saft; Grundlage dieser Seite
Infectomoxverschreibungspflichtig

Auswahl ohne Wertung. Präparate mit demselben Wirkstoff können sich in Stärke, Hilfsstoffen und zugelassenen Anwendungsgebieten unterscheiden. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.

Quellen

  1. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Amoxicillin-ratiopharm 1000 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 05/2026. abgerufen am 10.10.2026
  2. Fachinformation Fachinformation Amoxicillin-ratiopharm Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 05/2026. abgerufen am 10.10.2026
  3. Embryotox Embryotox: Amoxicillin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 10.10.2026

Häufige Fragen

Wofür nimmt man Amoxicillin?

Amoxicillin behandelt bakterielle Infektionen an verschiedenen Stellen des Körpers. Laut Fachinformation gehören dazu unter anderem Nebenhöhlen-, Mittelohr-, Mandel- und Lungenentzündungen, Blasen- und Nierenbeckenentzündungen, Zahnabszesse und die Lyme-Borreliose. Zusammen mit anderen Arzneimitteln wird es gegen Magengeschwüre durch Helicobacter pylori eingesetzt. Gegen Infektionen durch Viren wirken Antibiotika nicht.

Welche Nebenwirkungen hat Amoxicillin am häufigsten?

Übelkeit, Durchfall und Hautausschlag sind häufig (bei bis zu 1 von 10 Behandelten). Gelegentlich (bei bis zu 1 von 100) kommt es zu Erbrechen oder zu einem leichten juckenden Ausschlag mit Quaddeln. Bei diesem Ausschlag sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, denn die Einnahme muss dann beendet werden. Schwere allergische Reaktionen sind sehr selten.

Darf ich Alkohol trinken, wenn ich Amoxicillin nehme?

Packungsbeilage und Fachinformation von Amoxicillin-ratiopharm enthalten keinen Hinweis zu Alkohol. Ob Alkohol während Ihrer Infektion und Behandlung infrage kommt, besprechen Sie am besten mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke. Allgemeine Informationen finden Sie im Ratgeber Medikamente und Alkohol.

Wirkt die Pille, wenn ich Amoxicillin nehme?

Packungsbeilage und Fachinformation von Amoxicillin-ratiopharm nennen keine Wechselwirkung mit hormonellen Verhütungsmitteln. Durchfall ist aber eine häufige, Erbrechen eine gelegentliche Nebenwirkung. Was das für Ihre Verhütung bedeutet, steht in der Packungsbeilage Ihrer Pille; fragen Sie im Zweifel Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke. Mehr dazu im Ratgeber Pille und Antibiotika.

Soll ich Amoxicillin vor oder nach dem Essen einnehmen?

Laut Packungsbeilage sollte Amoxicillin mit einer Mahlzeit eingenommen werden, weil das die Verträglichkeit verbessert; die Wirksamkeit wird dadurch nicht beeinträchtigt. Die Filmtabletten sollen unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit eingenommen werden; wie Sie die Dosen über den Tag verteilen, ist in der Packungsbeilage angegeben.

Darf ich Amoxicillin in der Schwangerschaft und Stillzeit nehmen?

Laut Fachinformation kann Amoxicillin in der Schwangerschaft angewendet werden, wenn der mögliche Nutzen das mögliche Risiko überwiegt; in der Stillzeit nach Abwägung durch die behandelnde Ärztin oder den behandelnden Arzt. Das Beratungszentrum Embryotox zählt Amoxicillin zu den Antibiotika der Wahl in Schwangerschaft und Stillzeit. Beim gestillten Kind sind vorübergehender Durchfall oder Soor möglich.

Darf ich Amoxicillin früher absetzen, wenn es mir besser geht?

Nein, nicht eigenmächtig. Die Packungsbeilage sieht vor, Amoxicillin so lange einzunehmen, wie es verordnet wurde, auch wenn Sie sich schon besser fühlen. Überlebende Bakterien können dazu führen, dass die Infektion erneut auftritt. Fühlen Sie sich nach Ende der Behandlung immer noch unwohl, gehen Sie wieder zu Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Wie hoch ist die Dosis von Amoxicillin?

Die Dosis legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest; sie richtet sich nach Art und Schwere der Infektion, bei Kindern unter 40 kg nach dem Körpergewicht und bei Nierenproblemen nach der Nierenfunktion. Die Angaben der Packungsbeilage finden Sie weiter oben auf dieser Seite im Abschnitt "Dosierung laut Packungsbeilage".

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

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