KrankheitenKrankheit
Mandelentzündung
Eine Mandelentzündung (Tonsillitis) ist eine Entzündung der Gaumenmandeln durch Viren oder Bakterien, bei Bakterien meist Streptokokken; Beschwerden wie Halsschmerzen und Fieber klingen laut IQWiG innerhalb von 1 bis 2 Wochen ab. Gegen Schmerzen und Fieber kommen Mittel wie Ibuprofen oder Paracetamol infrage, Antibiotika nur bei einer bakteriellen Entzündung, und laut IQWiG kann man häufig auf sie verzichten; als Therapie der Wahl bei Racheninfektionen mit Streptokokken nennt das RKI Penicillin, Amoxicillin oder Ampicillin. Sehr starke einseitige Halsschmerzen, eine kloßige Sprache und Schwierigkeiten, den Mund zu öffnen, können laut IQWiG auf eine Eiteransammlung um die Mandeln hinweisen; es ist sehr wichtig, dass sie behandelt wird. Schwere Atemnot ist laut KBV ein Fall für den Notruf 112.

Eine Mandelentzündung ist schmerzhaft, die Beschwerden klingen laut dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) aber innerhalb von 1 bis 2 Wochen ab [1]. Gegen die Beschwerden kommen schmerzlindernde und fiebersenkende Mittel wie Ibuprofen oder Paracetamol infrage, bei einer bakteriellen Entzündung unter Umständen auch Antibiotika [1]. Weil Antibiotika nur begrenzt gegen die Beschwerden helfen und Nebenwirkungen haben, kann man laut IQWiG häufig auf eine Einnahme verzichten. Bei häufigen Mandelentzündungen kann eine Operation infrage kommen [1].
Was ist eine Mandelentzündung?
Von einer Mandelentzündung (Tonsillitis) spricht man laut IQWiG, wenn die Entzündung vorwiegend die Gaumenmandeln betrifft; oft ist außerdem der Rachen entzündet (Pharyngitis) [1]. Die Entzündung tritt plötzlich auf. Kinder und Jugendliche erkranken sehr viel häufiger als Erwachsene [1]. Davon zu unterscheiden ist eine Vergrößerung der Mandeln (Tonsillenhyperplasie), eine andere Erkrankung [1].
Die S3-Leitlinie Halsschmerzen der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) zählt Rachenentzündung und akute Mandelentzündung zu den akuten Halsschmerzen, wenn die Beschwerden weniger als 14 Tage bestehen [5]. Diese Leitlinie (Fassung von 2020) war bis Oktober 2025 gültig und wird derzeit überarbeitet [5].
Symptome und Verlauf
Typische Beschwerden einer akuten Mandelentzündung sind laut IQWiG [1]:
- Halsschmerzen und Schluckbeschwerden,
- geschwollene und stark gerötete Mandeln mit gelblichem Belag,
- geschwollene und schmerzende Halslymphknoten,
- Fieber über 38 °C,
- Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit und Müdigkeit,
- Appetitlosigkeit und Mundgeruch.
Besonders bei Kindern kann sich die Erkrankung auch durch Bauchschmerzen äußern; manchmal ist ihnen übel und sie müssen sich übergeben [1]. Lösen Viren die Entzündung aus, kommen häufig Husten und Schnupfen hinzu [1]. Auch Durchfall oder eine Bindehautentzündung weisen laut gesund.bund.de auf eine durch Viren verursachte Rachenentzündung hin [6].
Halsschmerzen und Fieber klingen laut IQWiG innerhalb von 1 bis 2 Wochen ab; bis die Mandeln abgeschwollen sind, kann es länger dauern [1].
Ursachen und Ansteckung
Meist sind Halsschmerzen laut IQWiG Folge einer Rachenentzündung durch Erkältungsviren, die auch die Mandeln befallen können; seltener ist eine bakterielle Entzündung der Gaumenmandeln [1]. Bakterielle Mandelentzündungen werden meist durch bestimmte Streptokokken ausgelöst. Aber nicht jeder, der die Bakterien im Körper hat, bekommt eine Mandelentzündung [1]. Der häufigste Erreger ist Streptococcus pyogenes aus der Gruppe der A-Streptokokken [6, 7].
Die Rachenentzündung durch Streptokokken wird laut Robert Koch-Institut (RKI) durch direkten oder indirekten Kontakt übertragen, weniger häufig durch erregerhaltige Tröpfchen [7]. Eine Mandelentzündung kann auch im Rahmen von Scharlach auftreten, der ebenfalls von Bakterien verursacht wird, oder bei einer Viruserkrankung wie dem Pfeifferschen Drüsenfieber [1].
Medikamente als Hintergrund: Eine Infektion im Halsbereich kann laut DEGAM-Leitlinie (Stand 2020, Gültigkeit abgelaufen) auch Ausdruck einer starken Verminderung bestimmter weißer Blutkörperchen sein (Agranulozytose). Ursache sind meistens Medikamente, insbesondere Mittel gegen eine Schilddrüsenüberfunktion (Thyreostatika) und Schmerzmittel wie Metamizol [5]. Mehr dazu auf den Seiten Halsschmerzen und Blutungen und Blutbild.
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt untersucht den Rachen und fragt nach den genauen Beschwerden. Für eine bakterielle Mandelentzündung spricht laut IQWiG, wenn die Mandeln geschwollen und belegt sind und Fieber besteht, aber kein Husten [1].
Punktwerte (Scores): Wird ein Antibiotikum erwogen, sollte laut DEGAM-Leitlinie (Stand 2020, Gültigkeit abgelaufen) bei Menschen ab 3 Jahren mit akuten Halsschmerzen ohne Warnzeichen ein klinischer Score ermittelt werden, zum Beispiel der Centor-Score (Empfehlungsgrad B) [5]. Er vergibt je einen Punkt für Fieber über 38 °C in der Vorgeschichte, fehlenden Husten, geschwollene vordere Halslymphknoten und Beläge auf den Mandeln [5]. Antikörper gegen Streptokokken (etwa der Antistreptolysin-Titer) sollen laut Leitlinie bei akuter und wiederkehrender Mandel- und Rachenentzündung nicht bestimmt werden (Empfehlungsgrad A) [5].
Schnelltest: Ein Abstrich von den Mandeln kann innerhalb weniger Minuten auf Streptokokken untersucht werden; das Ergebnis ist laut IQWiG aber nicht immer richtig. Im Labor fällt es genauer aus, liegt dann aber erst nach 1 bis 2 Tagen vor. Für Kinder bis zum 16. Lebensjahr bezahlen die Krankenkassen den Schnelltest [1]. Wird bei Kindern und Jugendlichen von 3 bis 15 Jahren ohne Warnzeichen ein Antibiotikum ärztlich erwogen oder von den Eltern erwartet, kann der Schnelltest laut DEGAM-Leitlinie (Stand 2020, Gültigkeit abgelaufen) ab einem Score von 3 zur Entscheidung herangezogen werden (Empfehlungsgrad 0). Ist er negativ, sollte auf ein Antibiotikum verzichtet werden (Empfehlungsgrad B) [5].
Behandlung ohne Medikamente
Viele Menschen empfinden es laut IQWiG als wohltuend, Halsbonbons zu lutschen oder die Beschwerden mit Hausmitteln zu lindern, etwa mit Halswickeln und Gurgeln mit Salzwasser oder Tee [1]. Bei akuten Halsschmerzen ohne Warnzeichen sollte laut DEGAM-Leitlinie (Stand 2020, Gültigkeit abgelaufen) über den voraussichtlichen Verlauf und über Selbsthilfe beraten werden, zum Beispiel über Flüssigkeit und körperliche Schonung (Expertenkonsens) [5].
Operation bei häufigen Mandelentzündungen
Kehren Mandelentzündungen häufig wieder, kann eine Operation infrage kommen. Bei der Tonsillektomie werden die Mandeln vollständig entfernt, bei der Tonsillotomie teilweise [3, 4]. Bei Erwachsenen kommt ein Eingriff laut IQWiG nur dann infrage, wenn pro Jahr mindestens drei- bis fünfmal eine bakterielle Mandelentzündung auftritt, wiederholt ein Antibiotikum eingenommen wurde und die Beschwerden sehr belastend sind [3]. Kindern kann ein Eingriff laut IQWiG am ehesten bei stärkeren Beschwerden helfen: mindestens 3- bis 5-mal im Jahr eine mit Antibiotika behandelte, mehrere Tage dauernde Mandelentzündung, deren Halsschmerzen begleitet werden von Fieber über 38 °C, vergrößerten oder verhärteten Halslymphknoten, eitrig belegten Mandeln, dem Nachweis bestimmter Bakterien [4].
Die DEGAM-Leitlinie (Stand 2020, Gültigkeit abgelaufen) empfiehlt, die ärztlich dokumentierten und behandelten Episoden der letzten 12 Monate zu beurteilen (Expertenkonsens). Bei weniger als 3 Episoden ist eine Entfernung oder Teilentfernung der Mandeln keine Option. Bei 3 bis 5 Episoden ist sie eine Option, wenn sich in den nächsten 6 Monaten weitere ereignen und die Zahl 6 erreicht wird; ab 6 Episoden ist sie eine Option [5]. Bei mehr als 6 Mandelentzündungen im Jahr sollte zur Frage einer Operation an eine HNO-Praxis überwiesen werden (Expertenkonsens) [5].
In den ersten Tagen nach dem Eingriff können die Wunde und das Schlucken schmerzen; die Beschwerden können nach wenigen Tagen vorüber sein, manchmal aber auch 1 bis 2 Wochen anhalten. Es kann zu Nachblutungen kommen, meist innerhalb der ersten Woche, möglich bis zu vier Wochen danach [3].
Behandlung mit Medikamenten

Die Behandlung soll laut IQWiG in erster Linie die Beschwerden lindern und Komplikationen vorbeugen [1]. Auch wenn eine Rachenentzündung durch Bakterien verursacht wurde, muss man laut gesund.bund.de nicht grundsätzlich Antibiotika einnehmen; Ärztinnen und Ärzte entscheiden anhand der Beschwerden und der Vorgeschichte, ob ein Antibiotikum sinnvoll ist [6].
Die Nebenwirkungen in der Tabelle stammen aus der Packungsbeilage oder Fachinformation des genannten Präparats und gelten nur für diesen Wirkstoff ("häufig": bei bis zu 1 von 10 Behandelten, "selten": bei bis zu 1 von 1.000); maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.
| Wirkstoffgruppe | Beispiele | Wie sie wirken | Häufige Nebenwirkungen |
|---|---|---|---|
| Entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR) | Ibuprofen [1] | Ibuprofen hemmt die Bildung von Prostaglandinen, körpereigenen Botenstoffen, und verringert entzündlich bedingte Schmerzen, Schwellungen und Fieber [14] | Häufig: Magen-Darm-Beschwerden wie Sodbrennen, Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Blähungen, Durchfall, Verstopfung und geringfügige Blutverluste im Magen-Darm-Trakt [13] |
| Schmerz- und Fiebermittel (Nichtopioid-Analgetika) | Paracetamol [1] | Wirkt schmerzstillend und fiebersenkend; wie genau, ist nicht eindeutig geklärt, nachgewiesen ist eine ausgeprägte Hemmung der Prostaglandinbildung im Gehirn [16] | Die Packungsbeilage nennt keine häufigen Nebenwirkungen; selten steigen bestimmte Leberenzyme leicht an [15] |
| Penicilline (nur bei bakterieller Entzündung) | Penicillin V (Phenoxymethylpenicillin) [5, 17], Amoxicillin [6, 7] | Penicillin V hemmt in der Wachstumsphase den Aufbau der Bakterienzellwand, indem es bestimmte Eiweiße der Bakterien (Penicillin-bindende Proteine) blockiert, und tötet die Bakterien dadurch ab [20]. Amoxicillin hemmt Enzyme, die Bakterien für den Aufbau ihrer Zellwand brauchen; die Zellwand wird geschwächt, die Bakterien sterben in der Regel ab [9] | Penicillin V, häufig: Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Magendrücken, Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfall, Hautausschläge und Schleimhautentzündungen besonders im Mund, allergische Hautreaktionen wie Juckreiz oder Nesselsucht [17, 20]. Amoxicillin, häufig: Hautausschlag, Übelkeit, Durchfall [8] |
| Makrolide (Antibiotika, bei Penicillinallergie) | Clarithromycin, Erythromycin [7] | Hemmen die Eiweißherstellung der Bakterien, indem sie an deren Ribosomen binden; meist wird dadurch ihr Wachstum gehemmt [11, 12] | Clarithromycin, häufig: Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Geschmacksstörungen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Magen- und Bauchschmerzen, Verdauungsstörungen, Hautausschlag, verstärktes Schwitzen, veränderte Leberwerte [10]. Erythromycin, häufig: Magen-Darm-Störungen, meist leichter Natur, in Form von Appetitlosigkeit, Brechreiz, Erbrechen, Bauchschmerzen, Blähungen, Übelkeit, Krämpfen, weichen Stühlen oder Durchfall [12] |
Schmerz- und Fiebermittel
Gegen die Beschwerden kommen laut IQWiG schmerzlindernde und fiebersenkende Mittel wie Ibuprofen oder Paracetamol infrage [1]. Kortikosteroide ("Kortison") sollen laut DEGAM-Leitlinie (Stand 2020, Gültigkeit abgelaufen) nicht zur Schmerzbehandlung bei Halsschmerzen eingesetzt werden (Empfehlungsgrad A) [5].
Ohne ärztlichen Rat nehmen Sie Paracetamol laut Packungsbeilage nicht länger als 3 Tage ein [15]. Ist Ibuprofen bei Erwachsenen länger als 3 Tage bei Fieber oder 4 Tage bei Schmerzen nötig, bei Kindern und Jugendlichen länger als 3 Tage, oder verschlimmern sich die Beschwerden, sollte laut Packungsbeilage ärztlicher Rat eingeholt werden [13]. Ibuprofen kann Anzeichen einer Infektion wie Fieber und Schmerzen verdecken; halten die Beschwerden an oder verschlimmern sie sich, wenden Sie sich laut Packungsbeilage unverzüglich an eine Ärztin oder einen Arzt [13]. Die Angaben der Packungsbeilagen zur Dosis stehen auf den Seiten zu Ibuprofen und Paracetamol, Lutschtabletten und Rachensprays auf der Seite Halsschmerzen.
Antibiotika: wann sie infrage kommen
Antibiotika wirken nur gegen Bakterien. Laut IQWiG können sie die Krankheitsdauer etwas verkürzen, und spätestens 24 Stunden nach Behandlungsbeginn ist man nicht mehr ansteckend. Sie können auch das Risiko von Komplikationen senken, die allerdings ohnehin die Ausnahme sind [1]. Ein übermäßiger Einsatz von Antibiotika fördert außerdem, dass Erreger unempfindlich werden (Resistenzen) [2].
Wird ein Antibiotikum ärztlich erwogen oder erwartet, empfiehlt die DEGAM-Leitlinie (Stand 2020, Gültigkeit abgelaufen) bei Menschen ab 3 Jahren mit akuten Halsschmerzen ohne Warnzeichen ein Vorgehen nach Score (Empfehlungsgrad B) [5]:
- Score bis 2: Es sollte ausschließlich eine Behandlung der Beschwerden angeboten werden.
- Score 3: Ein Antibiotikum sollte ausschließlich als Rezept für später angeboten werden (verzögerte Verordnung).
- Score ab 4: Es sollte ein Rezept für später oder eine sofortige antibiotische Behandlung angeboten werden.
Das Rezept für später wird laut Leitlinie eingelöst, wenn sich die Beschwerden deutlich verschlechtern oder nach 3 bis 5 Tagen keine Besserung eintritt; vorgesehen ist eine gemeinsame Entscheidung von Ärztin oder Arzt und Patient [5]. Bei Kindern und Jugendlichen kann zusätzlich ein Schnelltest helfen (siehe Diagnose).
Antibiotika: welche Wirkstoffe
Als Therapie der Wahl bei Racheninfektionen mit Streptococcus pyogenes nennt das RKI Penicillin, Amoxicillin oder Ampicillin; bei einer Penicillin-Allergie beschreibt es die Behandlung mit Erythromycin oder anderen Makroliden. Weil die Resistenz gegen Makrolide regional unterschiedlich häufig ist, ist vor ihrer Gabe laut RKI optimalerweise eine Resistenztestung dringend angezeigt [7]. Die DEGAM-Leitlinie (Stand 2020, Gültigkeit abgelaufen) nennt Penicillin das Antibiotikum der ersten Wahl, weil es wegen seines engen Wirkspektrums das geringste Schadenpotenzial hat, und empfiehlt Penicillin V (Phenoxymethylpenicillin), bei Penicillin-Unverträglichkeit zum Beispiel Clarithromycin (Empfehlungsgrad A) [5].
Penicillin V wird laut Packungsbeilage unter anderem bei leichten bis mittelschweren Infektionen des Rachenraums und der Rachenmandeln durch empfindliche Erreger angewendet; die hier zitierten Filmtabletten mit 1,5 Mega sind für Erwachsene und Jugendliche über 12 Jahren bestimmt, für jüngere Kinder gibt es andere, abgestuft dosierbare Darreichungsformen [17]. Amoxicillin ist laut Fachinformation für akute Mandel- und Rachenentzündungen durch Streptokokken zugelassen [9], Clarithromycin-Tabletten dafür bei Erwachsenen und Kindern ab 12 Jahren nur bei Überempfindlichkeit gegen Beta-Lactam-Antibiotika wie Penicilline oder wenn diese aus anderen Gründen nicht geeignet sind, Erythromycin-Saft als Alternative zu Penicillin bei einer Penicillinallergie [11, 12]. Cephalosporine zum Einnehmen nennt das RKI in einem auf 5 Tage verkürzten Schema für Kinder als gleichwertig [7]; die DEGAM-Leitlinie (Stand 2020, Gültigkeit abgelaufen) hält dagegen einen Verzicht auf Cephalosporine für geboten, weil ihr Zusatznutzen gegenüber Penicillin V allenfalls gering ist, und verweist auf Resistenzprobleme und Kosten [5]. Welches Mittel infrage kommt, entscheidet die Ärztin oder der Arzt.
Dauer: Bei Infektionen mit Beta-hämolysierenden Streptokokken sollte Penicillin V laut Packungsbeilage mindestens 10 Tage lang eingenommen werden, um Spätkomplikationen wie rheumatischem Fieber vorzubeugen [17]; mindestens 10 Tage nennen dafür auch die Fachinformationen von Clarithromycin und Erythromycin [11, 12]. Das RKI nennt eine 10-tägige Gabe [7], die DEGAM-Leitlinie (Stand 2020, Gültigkeit abgelaufen) hält 5 bis 7 Tage Penicillin für ausreichend, wenn es vor allem um kürzere Beschwerden geht [5]. Über die Dauer entscheidet die Ärztin oder der Arzt; nehmen Sie ein verordnetes Antibiotikum laut Packungsbeilage so lange ein, wie es Ihnen verordnet wurde, auch wenn Sie sich bereits besser fühlen [8, 17]. Mehr im Ratgeber Antibiotika richtig einnehmen.
Pfeiffersches Drüsenfieber: Amoxicillin sollte laut Fachinformation bei Verdacht auf eine infektiöse Mononukleose vermieden werden, weil dann nach der Einnahme ein masernartiger Ausschlag auftreten kann [9]. Mehr: Pfeiffersches Drüsenfieber.
Kinder
Bei Kleinkindern unter 3 Jahren ist eine bakterielle Rachenentzündung durch Streptokokken laut gesund.bund.de sehr selten [6]. Bei Schmerzmitteln gelten Körpergewicht und Alter laut Packungsbeilage des jeweiligen Präparats: Die hier zitierten Paracetamol-Tabletten mit 500 mg sind ab 17 kg Körpergewicht (ab 4 Jahren) bestimmt; für Jüngere gibt es geeignete andere Stärken und Darreichungsformen [15]. Die Ibuprofen-Tabletten mit 400 mg sind für Kinder unter 20 kg (unter 6 Jahren) in der Regel nicht geeignet [13]. Acetylsalicylsäure (ASS) kommt laut IQWiG für Kinder und Jugendliche bei fieberhaften Erkrankungen nicht infrage, weil sie bei ihnen eine seltene, aber gefährliche Nebenwirkung haben kann, das Reye-Syndrom [18].
Clarithromycin-Tabletten sind laut Packungsbeilage für Kinder unter 30 kg Körpergewicht oder unter 12 Jahren nicht geeignet; bei Kindern unter 12 Jahren sollte laut Fachinformation eine Suspension verwendet werden [10, 11]. Mehr im Ratgeber Medikamente bei Kindern.
Schwangerschaft und Stillzeit
Amoxicillin kann laut Fachinformation in der Schwangerschaft angewendet werden, wenn der mögliche Nutzen das mögliche Risiko überwiegt; in der Stillzeit sollte es nur nach einer Nutzen-Risiko-Abwägung durch die behandelnde Ärztin oder den behandelnden Arzt angewendet werden [9]. Was Embryotox zu Amoxicillin schreibt, steht unter Amoxicillin in der Schwangerschaft. Penicillin V können Sie laut Packungsbeilage bei entsprechender ausdrücklicher Verordnung durch die Ärztin oder den Arzt in der Schwangerschaft einnehmen [17]. Clarithromycin soll bei Schwangeren laut Packungsbeilage nur nach einer sorgfältigen Nutzen-Risiko-Bewertung durch die Ärztin oder den Arzt angewendet werden [10]. Ibuprofen dürfen Sie im letzten Drittel der Schwangerschaft nicht einnehmen; in den ersten 6 Monaten sollten Sie es nur einnehmen, wenn es absolut notwendig ist und Ihre Ärztin oder Ihr Arzt es empfiehlt [13]. Zu Paracetamol: Paracetamol in der Schwangerschaft. Mehr: Medikamente in der Schwangerschaft und Medikamente in der Stillzeit.
Nebenwirkungen der Medikamente
Antibiotika allgemein: Zu den häufigsten Nebenwirkungen von Antibiotika gegen Halsentzündungen gehören laut IQWiG Durchfälle und Hautausschläge [2]. Bei Durchfall und Hautausschlägen handelt es sich laut DEGAM-Leitlinie (Stand 2020, Gültigkeit abgelaufen) in der Regel nicht um eine allergische Reaktion; gibt es valide Hinweise auf eine Penicillin-Allergie, empfiehlt sie eine kontrollierte allergologische Testung [5]. Mehr: Durchfall durch Medikamente, Hautausschlag und Arzneimittelallergie.
Penicillin V: Häufig, also bei bis zu 1 von 10 Behandelten, sind laut Packungsbeilage und Fachinformation Magen-Darm-Beschwerden, Hautausschläge, Schleimhautentzündungen besonders im Mund und allergische Hautreaktionen [17, 20]. Bei allergischen Hautreaktionen oder einem Nesselausschlag setzen Sie sich laut Packungsbeilage umgehend mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt in Verbindung; bei einer schweren Überempfindlichkeitsreaktion (anaphylaktischer Schock) muss die Behandlung sofort abgebrochen und sofort eine Ärztin oder ein Arzt verständigt werden. Bei schweren, anhaltenden, manchmal blutig-schleimigen Durchfällen während oder einige Wochen nach der Behandlung muss eine Ärztin oder ein Arzt befragt werden [17].
Amoxicillin: Häufig, also bei bis zu 1 von 10 Behandelten, sind laut Packungsbeilage Hautausschlag, Übelkeit und Durchfall [8]. Bei einer allergischen Reaktion mit Juckreiz oder Ausschlag, Schwellung von Gesicht, Lippen, Zunge oder Körper oder Atembeschwerden nehmen Sie Amoxicillin laut Packungsbeilage nicht weiter ein und wenden sich sofort an eine Ärztin oder einen Arzt; dasselbe gilt bei einer Entzündung des Dickdarms mit Durchfall, der manchmal Blut enthält, mit Schmerzen und Fieber [8].
Clarithromycin: Es darf laut Packungsbeilage unter anderem nicht eingenommen werden bei Herzrhythmusstörungen oder einer verlängerten QT-Zeit im EKG bei Ihnen oder in Ihrer Familie und zusammen mit bestimmten anderen Mitteln, etwa den Cholesterinsenkern Simvastatin oder Lovastatin [10]. Bei schweren, anhaltenden, manchmal blutig-schleimigen Durchfällen mit krampfartigen Bauchschmerzen unterbrechen Sie laut Packungsbeilage die Einnahme und suchen sofort Ihre Ärztin oder Ihren Arzt auf [10]. Mehr: QT-Verlängerung.
Erythromycin: Häufig sind laut Fachinformation meist leichte Magen-Darm-Störungen. Bei Erbrechen oder Durchfall kann die empfängnisverhütende Wirkung der Pille in Frage gestellt sein [12]. Mehr im Ratgeber Pille und Antibiotika.
Ibuprofen und Paracetamol: Bei Zeichen einer Magen-Darm-Blutung wie Blut im Stuhl oder schwarzem Stuhl nehmen Sie Ibuprofen laut Packungsbeilage nicht weiter ein und begeben sich sofort in ärztliche Behandlung [13]. Bei Paracetamol sollte laut Packungsbeilage sichergestellt sein, dass gleichzeitig angewendete andere Arzneimittel kein Paracetamol enthalten [15]. Mehr: Magenbeschwerden durch Medikamente.
Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Nebenwirkungen können Sie Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke mitteilen oder direkt dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) melden [8]. Wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden.
Im Alltag: Ansteckung, Kita und Schule
Menschen mit einer akuten Streptokokken-Infektion, die nicht gezielt behandelt werden, können laut RKI bis zu 3 Wochen ansteckend sein. Nach Beginn einer wirksamen antibiotischen Behandlung endet die Ansteckungsfähigkeit bei Racheninfektionen nach 24 Stunden [7]. Vorbeugen lässt sich laut gesund.bund.de, indem man Kontakt zu akut Erkrankten vermeidet, sich häufig und sorgfältig die Hände mit Seife wäscht und Gegenstände wie Spielzeug oder Türklinken regelmäßig desinfiziert [6].
Gemeinschaftseinrichtungen: Wer an einer Streptokokken-Infektion erkrankt ist oder bei wem der Verdacht besteht, darf laut RKI nach § 34 Infektionsschutzgesetz in Gemeinschaftseinrichtungen wie Kitas und Schulen keine Tätigkeiten mit Kontakt zu den Betreuten ausüben; Betreute mit einer Streptokokken-Infektion dürfen die Räume der Einrichtung nicht betreten [7]. Eine Wiederzulassung kann nach Beginn einer wirksamen Antibiotika-Behandlung und dem Abklingen der Beschwerden nach 24 Stunden erfolgen; bestehen Fieber oder schweres Krankheitsgefühl unter der Behandlung fort, erst nach deren Abklingen. Ohne geeignete Antibiotika-Behandlung ist eine Wiederzulassung frühestens 24 Stunden nach Abklingen der Beschwerden angezeigt; eine schriftliche Bescheinigung fordert das Gesetz nicht [7].
Nach einer Mandeloperation: Laut IQWiG wird geraten, sich in den ersten Tagen körperlich zu schonen und anfangs nur weiches Essen zu sich zu nehmen; scharfe Zutaten, Fruchtsäfte, Zitrusfrüchte und Gurgeln mit Mundwasser können die Wunde reizen [3, 4].
Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen
Die häufigste Komplikation ist laut IQWiG eine Eiteransammlung um die Mandeln (Peritonsillarabszess). Weil sich die Entzündung in das umliegende Gewebe ausbreiten oder eine Blutvergiftung (Sepsis) entstehen kann, ist es sehr wichtig, dass ein Abszess behandelt wird [1]. Hinweise darauf sind laut IQWiG [1]:
- sehr starke einseitige Halsschmerzen und Beschwerden beim Schlucken,
- allgemeine Schwäche und Fieber,
- Ohrenschmerzen, vor allem einseitige,
- das Gefühl, beim Sprechen einen Kloß im Hals zu haben,
- Schwierigkeiten, den Mund zu öffnen.
Eine sofortige Einweisung ins Krankenhaus soll laut DEGAM-Leitlinie (Stand 2020, Gültigkeit abgelaufen) erfolgen bei Atemgeräuschen beim Einatmen (Stridor) oder einer Beeinträchtigung der Atmung, bei Hinweisen auf eine schwere Allgemeinerkrankung oder eine schwere Eiteransammlung im Rachenraum und bei gestörter Flüssigkeitsaufnahme mit drohender Austrocknung (Expertenkonsens) [5]. Bei Verdacht auf einen Peritonsillarabszess sollte die Vorstellung in einer HNO-Praxis noch am selben Tag erfolgen, sonst im Krankenhaus [5]. Verschlechtern sich die Beschwerden oder bessern sie sich nach 3 bis 4 Tagen nicht, sollte laut Leitlinie erneut ärztlich untersucht werden (Expertenkonsens) [5].
Starke Hals- oder Ohrenschmerzen sind laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) ein Fall für den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117, wenn die Praxen geschlossen sind und die Behandlung nicht bis zum nächsten Tag warten kann. Schwere Atemnot und starke, nicht stillbare Blutungen sind Fälle für den Notruf 112 [19]. Eine Nachblutung nach einer Mandeloperation gilt laut IQWiG als Notfall; Warnzeichen sind häufiges Schlucken und Blut im Speichel. Dann ist es wichtig, sich sofort ins Krankenhaus fahren zu lassen oder über den Notruf 112 einen Rettungsdienst zu rufen [3, 4].
Quellen
- Mandelentzündung. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 30.11.2022. abgerufen am 17.10.2026
- Verschwinden Halsschmerzen schneller durch Antibiotika?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 30.11.2022. abgerufen am 17.10.2026
- Wann ist eine Mandeloperation bei Erwachsenen sinnvoll?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 30.11.2022. abgerufen am 17.10.2026
- Wann ist eine Mandeloperation bei Kindern sinnvoll?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 30.11.2022. abgerufen am 17.10.2026
- Leitlinie S3-Leitlinie Halsschmerzen (DEGAM-Leitlinie Nr. 14, AWMF-Register-Nr. 053-010), Langfassung und Kurzversion; Gültigkeit abgelaufen (gültig bis 10/2025), laut DEGAM in Überarbeitung. Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM). Stand 10/2020, redaktionell geändert 12/2021. abgerufen am 17.10.2026
- Behörde Bakterielle Rachenentzündung (Pharyngitis), geprüft durch die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de. Stand 13.06.2025. abgerufen am 17.10.2026
- Behörde RKI-Ratgeber Streptococcus pyogenes-Infektionen (Abschnitte Vorkommen, Infektionsweg, Dauer der Ansteckungsfähigkeit, Therapie, Infektionsschutz). Robert Koch-Institut (RKI). Stand 01.02.2024. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Amoxicillin-ratiopharm 1000 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 05/2026. abgerufen am 17.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Amoxicillin-ratiopharm Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 05/2026. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Clarithromycin STADA 500 mg Filmtabletten. STADAPHARM GmbH. Stand 03/2021. abgerufen am 17.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Clarithromycin STADA 250 mg/500 mg Filmtabletten. STADAPHARM GmbH. Stand 02/2024. abgerufen am 17.10.2026
- Fachinformation Fachinformation InfectoMycin 200 Saft / 400 Saft / 600 Saft (Erythromycin). INFECTOPHARM Arzneimittel und Consilium GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation IBU-ratiopharm 400 mg akut Schmerztabletten. ratiopharm GmbH. Stand 11/2024. abgerufen am 17.10.2026
- Fachinformation Fachinformation IBU-ratiopharm 400 mg akut Schmerztabletten (Abschnitt 5.1). ratiopharm GmbH. Stand 06/2026. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Paracetamol-ratiopharm 500 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 12/2024. abgerufen am 17.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Paracetamol-ratiopharm 500 mg Tabletten (Abschnitt 5.1). ratiopharm GmbH. Stand 12/2024. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Penicillin V-ratiopharm 1,5 Mega Filmtabletten (Phenoxymethylpenicillin). ratiopharm GmbH. Stand 09/2024. abgerufen am 18.10.2026
- Schnupfen, Husten und Halsschmerzen lindern. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 31.10.2023. abgerufen am 17.10.2026
- Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Abschnitte "Fälle für den Bereitschaftsdienst" und "Fälle für die Notrufnummer 112"). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 17.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Penicillin V-ratiopharm 1 Mega Filmtabletten / Penicillin V-ratiopharm 1,5 Mega Filmtabletten (Abschnitte 4.8 und 5.1). ratiopharm GmbH. Stand 09/2025. abgerufen am 18.10.2026
Häufige Fragen
Was hilft schnell bei einer Mandelentzündung?
Gegen Halsschmerzen und Fieber kommen laut IQWiG schmerzlindernde und fiebersenkende Mittel wie Ibuprofen oder Paracetamol infrage. Viele Menschen empfinden es außerdem als wohltuend, Halsbonbons zu lutschen, Halswickel zu machen oder mit Salzwasser oder Tee zu gurgeln. Ohne ärztlichen Rat nehmen Sie Paracetamol laut Packungsbeilage nicht länger als 3 Tage ein; bei Ibuprofen sollten Erwachsene ärztlichen Rat einholen, wenn es länger als 3 Tage bei Fieber oder 4 Tage bei Schmerzen nötig ist, Kinder und Jugendliche nach 3 Tagen.
Brauche ich bei einer Mandelentzündung ein Antibiotikum?
Nicht unbedingt. Antibiotika helfen nur gegen Bakterien. Laut IQWiG können sie die Krankheitsdauer etwas verkürzen; weil sie nur begrenzt gegen die Beschwerden helfen und Nebenwirkungen haben, kann man aber häufig darauf verzichten. Wird ein Antibiotikum ärztlich erwogen oder von Patientinnen und Patienten erwartet, empfiehlt die DEGAM-Leitlinie (Stand 2020, Gültigkeit abgelaufen) bei Menschen ab 3 Jahren mit akuten Halsschmerzen ohne Warnzeichen ein Vorgehen nach Punktwert (Score), das im Abschnitt zu den Antibiotika beschrieben ist (Empfehlungsgrad B).
Welches Antibiotikum hilft bei einer Mandelentzündung?
Als Therapie der Wahl bei Racheninfektionen mit Streptokokken nennt das RKI Penicillin, Amoxicillin oder Ampicillin; bei einer Penicillin-Allergie beschreibt es die Behandlung mit Erythromycin oder anderen Makroliden. Laut gesund.bund.de kommen gegen Streptokokken meist Penicillin oder Amoxicillin zum Einsatz. Die DEGAM-Leitlinie (Stand 2020, Gültigkeit abgelaufen) empfiehlt Penicillin V und bei Penicillin-Unverträglichkeit zum Beispiel Clarithromycin (Empfehlungsgrad A). Bei Verdacht auf Pfeiffersches Drüsenfieber sollte Amoxicillin laut Fachinformation vermieden werden, weil dann ein masernartiger Ausschlag auftreten kann. Welches Mittel infrage kommt, entscheidet die Ärztin oder der Arzt.
Wie lange ist eine Mandelentzündung ansteckend?
Unbehandelt können Menschen mit einer akuten Streptokokken-Infektion laut RKI bis zu 3 Wochen ansteckend sein. Nach Beginn einer wirksamen Antibiotika-Behandlung endet die Ansteckungsfähigkeit bei Racheninfektionen nach 24 Stunden. Die Wiederzulassung zu Kita oder Schule kann laut RKI nach Beginn einer wirksamen Antibiotika-Behandlung und dem Abklingen der Beschwerden nach 24 Stunden erfolgen, bei weiter bestehendem Fieber oder schwerem Krankheitsgefühl erst nach deren Abklingen; ohne geeignetes Antibiotikum frühestens 24 Stunden nach Abklingen der Beschwerden.
Wann muss ich mit einer Mandelentzündung zum Arzt?
Sehr starke einseitige Halsschmerzen, vor allem einseitige Ohrenschmerzen, eine kloßige Sprache und Schwierigkeiten, den Mund zu öffnen, können laut IQWiG auf eine Eiteransammlung um die Mandeln hinweisen; es ist sehr wichtig, dass sie behandelt wird. Bei Atembeeinträchtigung oder gestörter Flüssigkeitsaufnahme mit drohender Austrocknung soll laut DEGAM-Leitlinie (Stand 2020, Gültigkeit abgelaufen) sofort eine Einweisung ins Krankenhaus erfolgen; verschlechtern sich die Beschwerden oder bessern sie sich nach 3 bis 4 Tagen nicht, sollte erneut ärztlich untersucht werden (jeweils Expertenkonsens). Schwere Atemnot ist laut KBV ein Fall für den Notruf 112.
Wann werden die Mandeln entfernt?
Bei Erwachsenen kommt ein Eingriff laut IQWiG nur infrage, wenn pro Jahr mindestens drei- bis fünfmal eine bakterielle Mandelentzündung auftritt, wiederholt ein Antibiotikum eingenommen wurde und die Beschwerden sehr belastend sind; Kindern kann er am ehesten bei stärkeren Beschwerden helfen. Die DEGAM-Leitlinie (Stand 2020, Gültigkeit abgelaufen) macht die Entscheidung von der Zahl der ärztlich dokumentierten Episoden in den letzten 12 Monaten abhängig (Expertenkonsens). Bei vielen Kindern werden Mandelentzündungen laut IQWiG mit den Jahren auch ohne besondere Behandlung seltener oder treten gar nicht mehr auf.
Was hilft Kindern bei einer Mandelentzündung?
Auch bei Kindern kommen gegen Schmerzen und Fieber Ibuprofen oder Paracetamol infrage. Maßgeblich sind Körpergewicht und Alter laut Packungsbeilage: Paracetamol-Tabletten mit 500 mg sind ab 17 kg Körpergewicht (ab 4 Jahren) bestimmt, Ibuprofen-Tabletten mit 400 mg sind unter 20 kg (unter 6 Jahren) in der Regel nicht geeignet; für Jüngere gibt es andere Stärken und Darreichungsformen. Acetylsalicylsäure (ASS) kommt laut IQWiG für Kinder und Jugendliche bei fieberhaften Erkrankungen nicht infrage. Einen Schnelltest auf Streptokokken bezahlen die Krankenkassen laut IQWiG für Kinder bis zum 16. Lebensjahr.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
Passt dazu
-
-
Krankheiten MittelohrentzündungEine akute Mittelohrentzündung klingt in der Regel in 2 bis 3 Tagen von selbst ab.
-
-
Nebenwirkungen Haarausfall durch MedikamenteHaarausfall kann eine Nebenwirkung von Medikamenten sein, etwa von Methotrexat, Valproinsäure oder Krebsmitteln.