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Ticagrelor: Nebenwirkungen und Wirkung

Ticagrelor ist ein verschreibungspflichtiger Hemmer der Blutplättchen, der zusammen mit ASS nach einem Herzinfarkt oder bei instabiler Angina pectoris eingenommen wird, um weiteren Herzinfarkten und Schlaganfällen vorzubeugen. Sehr häufig sind Blutungen durch Blutungsstörungen, ein Gefühl von Kurzatmigkeit und ein erhöhter Harnsäurewert. Bei Anzeichen eines Schlaganfalls, einer schweren Blutung oder einer Ohnmacht suchen Sie umgehend ärztliche Hilfe.

Frau um die sechzig steht nach einem Spaziergang auf einem Aussichtspunkt in hügeliger Landschaft und atmet ruhig durch
Bild: KI-generiert

Die häufigsten Nebenwirkungen

  • Sehr häufig: Hoher Harnsäurewert im Blut, festgestellt bei Untersuchungen (Hyperurikämie)[1, 2]
  • Sehr häufig: Blutung, hervorgerufen durch Blutungsstörungen; laut Fachinformation z. B. erhöhte Neigung zu Blutergüssen oder spontane Blutergüsse[1, 2]
  • Sehr häufig: Gefühl von Kurzatmigkeit (Dyspnoe); laut Packungsbeilage im Allgemeinen leicht, als plötzliches, unerwartetes Bedürfnis nach Atemluft, das gewöhnlich in Ruhe in den ersten Behandlungswochen auftritt und bei vielen wieder zurückgehen kann[1, 2]
  • Häufig: Blutergüsse[1, 2]
  • Häufig: Kopfschmerzen[1, 2]
  • Häufig: Gefühl von Schwindel oder als würde sich das Zimmer drehen (Schwindel, Vertigo)[1, 2]
  • Häufig: Durchfall oder Verdauungsstörung[1, 2]
  • Häufig: Übelkeit[1, 2]
  • Häufig: Verstopfung[1, 2]
  • Häufig: Hautausschlag[1, 2]
  • Häufig: Juckreiz[1, 2]
  • Häufig: Starke Schmerzen und Schwellungen der Gelenke als Anzeichen von Gicht[1, 2]
  • Häufig: Schwindel, Benommenheit oder verschwommenes Sehen als Anzeichen eines niedrigen Blutdrucks[1, 2]
  • Häufig: Nasenbluten[1, 2]
  • Häufig: Blutung nach einer Operation oder aus Schnitten (z. B. beim Rasieren) und mehr Verletzungen als normal[1, 2]
  • Häufig: Blutung aus der Magenschleimhaut (Geschwür)[1, 2]
  • Häufig: Zahnfleischbluten[1, 2]
  • Häufig: Ohnmacht (Synkope): vorübergehender Bewusstseinsverlust durch ein plötzliches Absinken des Blutflusses zum Gehirn[1, 2]
  • Häufig: Blutungen der Harnwege, z. B. Blut im Urin[2]
  • Häufig: Erhöhte Kreatininwerte im Blut[2]

Alle Nebenwirkungen nach Häufigkeit

Wofür wird Ticagrelor eingesetzt?

Ticagrelor ist ein verschreibungspflichtiger Wirkstoff aus der Gruppe der Thrombozytenfunktionshemmer, die zu den Blutverdünnern zählen [1, 2]. Er wird nur bei Erwachsenen angewendet, und zwar zusammen mit Acetylsalicylsäure (ASS), einem weiteren Thrombozytenfunktionshemmer [1]. Es gibt zwei Anwendungsgebiete, die sich nach der Stärke unterscheiden [1, 2, 3]:

  • Tabletten mit 90 mg erhalten Menschen, die einen Herzinfarkt hatten oder eine instabile Angina pectoris haben (Brustschmerzen, die nicht ausreichend kontrolliert sind); die Fachinformation fasst beides als akutes Koronarsyndrom zusammen,
  • Tabletten mit 60 mg erhalten Menschen, deren Herzinfarkt mehr als ein Jahr zurückliegt und die laut Fachinformation ein hohes Risiko für weitere Ereignisse durch Blutgerinnsel haben.

Ticagrelor kann das Risiko verringern, einen erneuten Herzinfarkt oder einen Schlaganfall zu erleiden oder an einer Erkrankung von Herz oder Blutgefäßen zu versterben [1]. Mehr zur Grunderkrankung lesen Sie unter Koronare Herzkrankheit.

Wie wirkt Ticagrelor?

Blutplättchen (Thrombozyten) sind sehr kleine Blutzellen, die helfen, eine Blutung zu stoppen: Sie klumpen zusammen und verschließen kleine Löcher in verletzten Blutgefäßen. In krankhaften Blutgefäßen im Herzen oder im Gehirn können sie aber auch zu Gerinnseln verklumpen. Ein solches Gerinnsel kann die Blutversorgung vollständig unterbrechen und einen Herzinfarkt oder Schlaganfall auslösen oder die Gefäße zum Herzen teilweise blockieren und Brustschmerzen verursachen [1]. Ticagrelor hilft, das Verklumpen der Blutplättchen zu verhindern [1].

Laut Fachinformation bindet Ticagrelor direkt und umkehrbar an den P2Y12-Rezeptor der Blutplättchen und unterbindet so ihre durch den Botenstoff ADP vermittelte Aktivierung; zudem erhöht es die örtlichen Spiegel des körpereigenen Botenstoffs Adenosin [2]. Bei Menschen mit stabiler koronarer Herzkrankheit zeigte sich die Wirkung 0,5 Stunden nach der Anfangsdosis, die stärkste Hemmung wurde nach 2 bis 4 Stunden erreicht. Die mittlere Halbwertszeit (die Zeit, in der sich die Menge im Blut halbiert) beträgt ungefähr 7 Stunden für Ticagrelor und 8,5 Stunden für seinen aktiven Abbaustoff [2].

Nebenwirkungen nach Häufigkeit

Ticagrelor beeinflusst die Blutgerinnung, deshalb hängen die meisten Nebenwirkungen mit Blutungen zusammen. Blutungen können überall im Körper auftreten. Manche, etwa Blutergüsse und Nasenbluten, sind häufig; schwere Blutungen treten gelegentlich auf, können aber lebensbedrohlich sein [1]. "Sehr häufig" heißt: mehr als 1 von 10 Behandelten, "häufig" bis zu 1 von 10 und "gelegentlich" bis zu 1 von 100; bei "nicht bekannt" lässt sich die Häufigkeit aus den vorliegenden Daten nicht abschätzen. Wie Sie solche Angaben lesen, erklärt der Ratgeber Beipackzettel verstehen.

Die Liste unten enthält alle Nebenwirkungen, für die die Packungsbeilage eine Häufigkeit angibt. Ergänzt sind drei Einträge, die nur die Fachinformation mit Häufigkeit nennt: Blutungen der Harnwege, erhöhte Kreatininwerte und Blutungen aus Tumoren [1, 2]. Für die thrombotisch-thrombozytopenische Purpura (TTP) nennt die Packungsbeilage die Warnzeichen, die Einstufung "nicht bekannt" stammt aus der Fachinformation [1, 2]. Die Häufigkeiten für erhöhte Harnsäure- und Kreatininwerte sind laut Fachinformation aus Laborbefunden abgeleitet [2]. Mehr über Blutungen als Nebenwirkung lesen Sie unter Blutungen und Blutbild, mehr über Kurzatmigkeit unter Atemnot und über Harnsäure unter Harnsäure und Gicht.

Sehr häufigkann mehr als 1 von 10 Behandelten betreffen

  • Stoffwechsel und ErnährungHoher Harnsäurewert im Blut, festgestellt bei Untersuchungen (Hyperurikämie)[1, 2]Mehr dazu: Erhöhte Harnsäure und Gicht
  • Blut und LymphsystemBlutung, hervorgerufen durch Blutungsstörungen; laut Fachinformation z. B. erhöhte Neigung zu Blutergüssen oder spontane Blutergüsse[1, 2]Mehr dazu: Blutungen und blaue Flecken
  • AtemwegeGefühl von Kurzatmigkeit (Dyspnoe); laut Packungsbeilage im Allgemeinen leicht, als plötzliches, unerwartetes Bedürfnis nach Atemluft, das gewöhnlich in Ruhe in den ersten Behandlungswochen auftritt und bei vielen wieder zurückgehen kann[1, 2]Mehr dazu: Atemnot

Häufigkann bis zu 1 von 10 Behandelten betreffen

Gelegentlichkann bis zu 1 von 100 Behandelten betreffen

Nicht bekanntHäufigkeit nicht abschätzbar oder in der Quelle nicht angegeben

  • HerzUnnormal langsamer Herzschlag, üblicherweise weniger als 60 Schläge pro Minute; laut Fachinformation Herzrhythmusstörungen mit verlangsamtem Herzschlag (Bradyarrhythmie) und AV-Block[1, 2]Mehr dazu: Verlangsamter HerzschlagHerzrhythmusstörungen
  • Blut und LymphsystemThrombotisch-thrombozytopenische Purpura (TTP), eine Blutgerinnungsstörung: Fieber und purpurrote, punktartige Flecken auf der Haut oder im Mund, mit oder ohne Gelbfärbung von Haut oder Augen, unerklärliche extreme Müdigkeit oder Verwirrung[1, 2]Mehr dazu: Veränderungen des BlutbildsFieberBlutungen und blaue Flecken

Eine Häufigkeit sagt, wie oft eine Beschwerde während der Behandlung beobachtet wurde. Sie sagt nicht, dass das Medikament sie verursacht hat.

Wann Sie ärztliche Hilfe brauchen

Laut Fachinformation kann eine thrombotisch-thrombozytopenische Purpura (TTP) tödlich verlaufen und erfordert eine sofortige Behandlung [2]. Bei Anzeichen eines Schlaganfalls oder bei Lebensgefahr wählen Sie den Notruf 112.

Was Sie bei Nebenwirkungen tun können

Mann um die sechzig sitzt entspannt auf einem Sessel am offenen Fenster und atmet ruhig, im Hintergrund Pflanzen auf der Fensterbank
Bild: KI-generiert

Kurzatmigkeit: Ein Gefühl von Kurzatmigkeit ist sehr häufig. Es kann auf die Herzerkrankung oder eine andere Ursache zurückgehen oder eine Nebenwirkung von Ticagrelor sein. Laut Packungsbeilage ist die Kurzatmigkeit durch Ticagrelor im Allgemeinen leicht und zeigt sich als plötzliches, unerwartetes Bedürfnis nach Luft, gewöhnlich in Ruhe in den ersten Behandlungswochen; bei vielen kann sie wieder zurückgehen [1]. Laut Fachinformation ist die Atemnot üblicherweise leicht bis mittelschwer und geht oft zurück, ohne dass die Behandlung beendet werden muss; eine neue, länger andauernde oder schlimmer werdende Atemnot sollte vollständig abgeklärt werden [2]. Informieren Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, wenn die Kurzatmigkeit schlimmer wird oder lange anhält [1].

Blutungen und Blutergüsse: Blutergüsse, Nasen- und Zahnfleischbluten sowie Blutungen aus Schnitten, etwa beim Rasieren, sind häufig [1]. Suchen Sie umgehend ärztliche Hilfe, wenn eine Blutung schwer ist, sich nicht stillen lässt oder lange anhält, wenn der Urin rosa, rot oder braun ist, wenn Sie Blut erbrechen oder Blut abhusten oder wenn der Stuhl rot oder schwarz ist [1].

Gicht und Harnsäure: Ein erhöhter Harnsäurewert ist sehr häufig, Anzeichen von Gicht (starke Schmerzen und Schwellungen der Gelenke) sind häufig [1]. Hatten Sie schon einmal einen erhöhten Harnsäurewert, sagen Sie das vor Beginn der Behandlung [1].

Weitere Beschwerden: Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, auch solche, die nicht in der Packungsbeilage stehen, wenden Sie sich an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke [1]. Setzen Sie Ticagrelor wegen Beschwerden nicht selbst ab [1]. Welche Wirkstoffe eine bestimmte Beschwerde auslösen können, zeigt der Nebenwirkungs-Finder.

Wechselwirkungen

Informieren Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke über alle Arzneimittel, die Sie einnehmen, kürzlich eingenommen haben oder einnehmen wollen: Ticagrelor kann die Wirkung anderer Arzneimittel beeinflussen, und einige Arzneimittel beeinflussen die Wirkung von Ticagrelor [1]. Gerinnungshemmer zum Einnehmen wie Warfarin, entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Naproxen und Antidepressiva aus der Gruppe der SSRI wie Sertralin oder Citalopram erhöhen das Blutungsrisiko [1].

Laut Fachinformation wird Ticagrelor vor allem über das Enzym CYP3A4 abgebaut. Starke Hemmer dieses Enzyms (Ketoconazol, Clarithromycin, Nefazodon, Ritonavir und Atazanavir) können die Ticagrelor-Konzentration erheblich erhöhen und dürfen nicht gleichzeitig eingenommen werden; Rifampicin, Phenytoin, Carbamazepin und Phenobarbital senken sie dagegen [1, 2]. Ticagrelor selbst kann die Konzentration anderer Mittel erhöhen, etwa von Simvastatin, Lovastatin, Rosuvastatin und Digoxin [2]. Mehr dazu im Ratgeber Wechselwirkungen.

Wechselwirkungen von Ticagrelor
Zusammen mitWas passieren kannHinweis
Gerinnungshemmer zum Einnehmen ("Blutverdünner") wie WarfarinErhöhtes Blutungsrisiko[1, 2]Ärztin oder Arzt informieren
Entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR) wie Ibuprofen oder NaproxenErhöhtes Blutungsrisiko[1, 2]Ärztin oder Arzt informieren
Antidepressiva aus der Gruppe der SSRI wie Paroxetin, Sertralin oder CitalopramErhöhtes Blutungsrisiko[1, 2]Ärztin oder Arzt informieren; laut Fachinformation Vorsicht
Mittel zur Auflösung von Blutgerinnseln (Fibrinolytika) wie Streptokinase oder AlteplaseErhöhtes Blutungsrisiko[1, 2]Ärztin oder Arzt auf die Einnahme von Ticagrelor hinweisen
Ketoconazol, Clarithromycin, Nefazodon, Ritonavir oder AtazanavirLaut Fachinformation erheblicher Anstieg der Ticagrelor-Konzentration[1, 2]Gleichzeitige Anwendung nicht erlaubt
Rifampicin (Antibiotikum), Phenytoin, Carbamazepin oder Phenobarbital (gegen Krampfanfälle)Laut Fachinformation weniger Ticagrelor im Blut, die Wirksamkeit kann abnehmen[1, 2]Laut Fachinformation wird von der gleichzeitigen Anwendung abgeraten
Ciclosporin (zur Dämpfung der Abwehrkräfte)Laut Fachinformation um das 2,3-Fache höhere Spitzenkonzentration und um das 2,8-Fache höhere Gesamtmenge (AUC) von Ticagrelor im Blut[1, 2]Ärztin oder Arzt informieren
Verapamil oder ChinidinLaut Fachinformation kann die Ticagrelor-Konzentration steigen (keine Daten zur Kombination)[1, 2]Laut Fachinformation mit Vorsicht, wenn die Kombination nicht vermieden werden kann
Mittel, die den Herzschlag verlangsamen können, z. B. Betablocker, Verapamil, Diltiazem oder DigoxinLaut Fachinformation wurden unter Ticagrelor meist beschwerdefreie Herzpausen und ein verlangsamter Herzschlag beobachtet[1, 2]Laut Fachinformation Vorsicht bei gleichzeitiger Anwendung
Simvastatin oder Lovastatin in Dosen über 40 mg täglich (Cholesterinsenker)Laut Fachinformation mehr Statin im Blut, Nebenwirkungen des Statins möglich[1, 2]Laut Fachinformation nicht empfohlen
Rosuvastatin (Cholesterinsenker)Laut Fachinformation etwa 2,4-fach höhere Rosuvastatin-Menge im Blut und erhöhtes Risiko für Muskelerkrankungen (Myopathie) einschließlich Rhabdomyolyse[1, 2]Nutzen und Risiko werden ärztlich abgewogen
Digoxin (bei Herzleistungsschwäche)Laut Fachinformation steigt der Digoxin-Spiegel[1, 2]Laut Fachinformation angemessene klinische und/oder Laborüberwachung
Morphin oder andere Opioide (gegen schwere Schmerzen)Laut Fachinformation wurde bei gleichzeitiger Gabe von Morphin eine verzögerte und verringerte Ticagrelor-Konzentration im Blut beobachtet, das betrifft auch andere Opioide; die Wirksamkeit kann geringer sein[1, 2]Ärztin oder Arzt informieren
Cisaprid (gegen Sodbrennen) oder Mutterkornalkaloide (gegen Migräne und Kopfschmerzen)Laut Fachinformation kann Ticagrelor ihre Konzentration erhöhen[1, 2]Laut Fachinformation nicht empfohlen
Acetylsalicylsäure (ASS) in hoher DosisLaut Fachinformation wurde in der Studie PLATO eine Beziehung zwischen der ASS-Erhaltungsdosis und der Wirksamkeit von Ticagrelor im Vergleich zu Clopidogrel beobachtet[2]Laut Fachinformation nicht empfohlen bei ASS-Erhaltungsdosen über 300 mg

Die Liste nennt die wichtigsten Wechselwirkungen aus der Produktinformation, nicht alle. Welche Mittel Sie zusammen einnehmen können, klären Sie am besten mit Ihrer Apotheke, auch bei rezeptfreien und pflanzlichen Mitteln.

Wer Ticagrelor nicht oder nur mit Vorsicht nehmen sollte

Trifft einer der folgenden Punkte auf Sie zu oder sind Sie sich nicht sicher, sprechen Sie vor der Einnahme mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke [1]. Bei Menschen mit einem bekannten erhöhten Blutungsrisiko muss laut Fachinformation der Nutzen gegen die Risiken abgewogen werden [2]. Haben Sie Asthma, andere Lungenprobleme oder Atembeschwerden, sprechen Sie vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt [1]; laut Fachinformation haben Menschen mit Asthma oder COPD unter Ticagrelor möglicherweise ein höheres Risiko für Kurzatmigkeit [2].

Nicht einnehmen bei

  • Allergie gegen Ticagrelor oder einen der sonstigen Bestandteile[1, 2]
  • Bestehende Blutungen (laut Fachinformation eine aktive krankhafte Blutung)[1, 2]
  • Früherer Schlaganfall durch eine Blutung im Gehirn (laut Fachinformation Blutungen innerhalb des Schädels in der Vorgeschichte)[1, 2]
  • Schwere Lebererkrankung[1, 2]
  • Gleichzeitige Einnahme von Ketoconazol (gegen Pilzinfektionen), Clarithromycin (gegen bakterielle Infektionen), Nefazodon (ein Antidepressivum), Ritonavir oder Atazanavir (gegen HIV-Infektionen); laut Fachinformation kann das die Ticagrelor-Konzentration erheblich erhöhen[1, 2]

Besondere Vorsicht bei

  • Erhöhtes Blutungsrisiko durch eine kürzliche schwerwiegende Verletzung, eine kürzliche Operation (auch zahnärztliche Eingriffe), eine Erkrankung, die die Blutgerinnung beeinträchtigt, oder eine kürzliche Magen- oder Darmblutung (z. B. bei einem Magengeschwür oder Darmpolypen)[1, 2]
  • Operation während der Behandlung, auch zahnärztliche Eingriffe: Die Ärztin oder der Arzt rät möglicherweise, die Behandlung 5 Tage vorher zu unterbrechen; laut Fachinformation sollte Ticagrelor vor einer geplanten Operation, bei der keine Hemmung der Blutplättchen erwünscht ist, 5 Tage vorher abgesetzt werden[1, 2]
  • Unnormal langsamer Herzschlag (üblicherweise weniger als 60 Schläge pro Minute) ohne Herzschrittmacher[1, 2]
  • Asthma, andere Lungenprobleme oder Atembeschwerden; laut Fachinformation haben Menschen mit Asthma oder COPD unter Ticagrelor möglicherweise ein höheres Risiko für Kurzatmigkeit[1, 2]
  • Unregelmäßige Atmung, etwa eine Beschleunigung, Verlangsamung oder kurze Pausen beim Atmen; laut Fachinformation wurden nach der Markteinführung Atemaussetzer im Schlaf (zentrale Schlafapnoe einschließlich Cheyne-Stokes-Atmung) berichtet[1, 2]
  • Frühere Leberprobleme oder eine kürzliche Krankheit, die die Leber beeinträchtigt haben könnte; laut Fachinformation gibt es bei mäßiger Leberfunktionsstörung nur begrenzte Erfahrungen[1, 2]
  • Mehr Harnsäure im Blut als üblich; laut Fachinformation ist bei Hyperurikämie oder Gicht in der Vorgeschichte Vorsicht geboten, bei einer Nierenerkrankung durch Harnsäure (Harnsäure-Nephropathie) wird von Ticagrelor abgeraten[1, 2]
  • Laut Fachinformation können die Kreatininwerte ansteigen; bei akutem Koronarsyndrom wird einen Monat nach Beginn eine Kontrolle der Nierenfunktion empfohlen, mit besonderer Aufmerksamkeit ab 75 Jahren, bei mäßiger oder schwerer Nierenfunktionsstörung und bei gleichzeitiger Einnahme eines Sartans (Angiotensin-II-Rezeptorblocker)[2]
  • Gleichzeitige Behandlung mit Heparin: Ticagrelor kann Bluttests auf eine seltene, durch Heparin ausgelöste Blutplättchen-Erkrankung beeinflussen; sagen Sie Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, dass Sie beides erhalten[1, 2]
  • Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren: Anwendung nicht empfohlen[1]

Alkohol, Autofahren, Schwangerschaft

Die Karten fassen zusammen, was Packungsbeilage und Fachinformation zu Autofahren, Schwangerschaft und Stillzeit sagen; zu Alkohol enthalten beide keinen eigenen Hinweis [1, 2]. Frauen sollten während der Einnahme geeignete Maßnahmen zur Empfängnisverhütung anwenden [1].

Schwangerschaft

Die Anwendung wird nicht empfohlen, wenn Sie schwanger sind oder schwanger werden könnten. Frauen sollten während der Einnahme geeignete Maßnahmen zur Empfängnisverhütung anwenden.[1, 2]

Laut Fachinformation gibt es keine oder nur begrenzte Daten zur Anwendung bei Schwangeren; Tierstudien zeigten eine schädliche Wirkung auf die Fortpflanzung.[2]

Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.

Stillzeit

Wenn Sie stillen, sprechen Sie vor der Einnahme mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über Vorteile und Risiken. Laut Fachinformation gehen Ticagrelor und seine aktiven Abbaustoffe bei Tieren in die Milch über; ein Risiko für Säuglinge kann nicht ausgeschlossen werden. Es ist zu entscheiden, ob abgestillt oder auf die Behandlung verzichtet wird.[1, 2]

Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.

Autofahren und Maschinen

Eine Auswirkung auf die Verkehrstüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen ist nicht wahrscheinlich. Fühlen Sie sich während der Behandlung schwindelig oder verwirrt, seien Sie beim Führen von Fahrzeugen und beim Bedienen von Maschinen vorsichtig.[1, 2]

Einnahme

Mit oder unabhängig von einer Mahlzeit einnehmen, jeden Tag ungefähr zu den gleichen Zeiten (z. B. eine Tablette morgens und eine abends). Sonne und Mond auf der Blisterpackung zeigen, ob die Morgen- oder die Abenddosis genommen wurde.[1]

Schwierigkeiten beim Schlucken: Die Tablette kann zu einem feinen Pulver zerstoßen, in ein halbvolles Glas Wasser gegeben, umgerührt und sofort getrunken werden; danach das Glas mit einem weiteren halben Glas Wasser ausspülen und auch das trinken. Im Krankenhaus kann die Mischung über eine Nasen-Magen-Sonde gegeben werden.[1]

Dosis vergessen: einfach die nächste Dosis wie vorgesehen einnehmen, nicht die doppelte Dosis.[1]

Absetzen

Setzen Sie Ticagrelor nicht ohne Rücksprache ab und nehmen Sie es regelmäßig so lange ein, wie es verordnet ist: Wenn Sie aufhören, könnte die Wahrscheinlichkeit steigen, dass Sie einen erneuten Herzinfarkt oder einen Schlaganfall erleiden oder an einer Herz- oder Gefäßerkrankung versterben.[1]

Laut Fachinformation kann bei Menschen mit akutem Koronarsyndrom, einem Kathetereingriff an den Herzkranzgefäßen (perkutane Koronarintervention) und erhöhtem Blutungsrisiko erwogen werden, ASS nach 3 Monaten abzusetzen und Ticagrelor allein für 9 Monate fortzuführen; die Entscheidung beruht auf einer ärztlichen Abwägung.[2]

Überdosierung

Haben Sie zu viel eingenommen, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt oder gehen Sie sofort in ein Krankenhaus und nehmen Sie die Packung mit; das Blutungsrisiko kann erhöht sein. Laut Fachinformation gibt es derzeit kein bekanntes Gegenmittel, Ticagrelor lässt sich nicht durch Dialyse entfernen, und Übertragungen von Blutplättchen sind bei Blutungen wahrscheinlich nicht von klinischem Nutzen.[1, 2]

Dosierung laut Packungsbeilage

Die Packungsbeilagen nennen für die beiden Anwendungsgebiete unterschiedliche Stärken; nach einem frischen Herzinfarkt oder bei instabiler Angina pectoris beginnt die Behandlung mit einer Anfangsdosis, die üblicherweise im Krankenhaus gegeben wird. ASS verordnet die Ärztin oder der Arzt in der Regel zusätzlich [1, 3]. Die Übersicht gibt diese Angaben wieder und ersetzt nicht die Verordnung: Nehmen Sie Ticagrelor immer genau nach Absprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ein [1].

Einnahme und Absetzen

Sie können Ticagrelor zusammen mit einer Mahlzeit oder unabhängig davon einnehmen, jeden Tag ungefähr zu den gleichen Zeiten. Fällt Ihnen das Schlucken schwer, dürfen Sie die Tablette zerstoßen und in Wasser einnehmen; wie das geht, steht oben in der Karte "Einnahme" [1]. Laut Fachinformation ist die aufgenommene Menge dabei vergleichbar mit der ganzen Tablette [2].

Setzen Sie Ticagrelor nicht ohne Rücksprache ab und nehmen Sie es so lange ein, wie es Ihnen verordnet wird. Wenn Sie aufhören, könnte die Wahrscheinlichkeit für einen erneuten Herzinfarkt, einen Schlaganfall oder einen Tod durch eine Herz- oder Gefäßerkrankung steigen [1]. Vor einer Operation, auch vor zahnärztlichen Eingriffen, sagen Sie Bescheid, dass Sie Ticagrelor einnehmen; die Ärztin oder der Arzt rät möglicherweise, die Behandlung 5 Tage vorher zu unterbrechen [1, 2]. Hinweise zur Vorbereitung finden Sie im Ratgeber Medikamente vor der OP. Was bei einer Überdosierung zu tun ist, steht in der Karte oben; Telefonnummern finden Sie unter Notfall und Giftnotruf.

Präparate mit Ticagrelor

Ticagrelor ist als Brilique zentral in der Europäischen Union zugelassen, als Tabletten mit 60 mg und 90 mg (Filmtabletten) und als Schmelztabletten mit 90 mg [1, 2, 3]. Grundlage dieser Seite sind die Packungsbeilagen der Filmtabletten und die Fachinformation von Brilique in der deutschen Fassung der EMA-Produktinformation [1, 2, 3]. Präparate anderer Anbieter haben eigene Packungsbeilagen; maßgeblich ist die Beilage Ihres Präparats.

Präparate mit Ticagrelor
PräparatAnbieterHinweis
BriliqueAstraZeneca AB (Zulassungsinhaber)Filmtabletten mit 60 mg und 90 mg, Schmelztabletten mit 90 mg (verschreibungspflichtig): Grundlage dieser Seite
Ticagrelor-ratiopharmratiopharm GmbHFilmtabletten mit 60 mg und 90 mg (verschreibungspflichtig)

Auswahl ohne Wertung. Präparate mit demselben Wirkstoff können sich in Stärke, Hilfsstoffen und zugelassenen Anwendungsgebieten unterscheiden. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.

Quellen

  1. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Brilique (EPAR), Anhang III B: Packungsbeilage Brilique 90 mg Filmtabletten. AstraZeneca AB (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 08/2026. abgerufen am 11.10.2026
  2. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Brilique (EPAR), Anhang I: Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (Fachinformation) Brilique 90 mg Filmtabletten, und Anhang II. AstraZeneca AB (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 08/2026. abgerufen am 11.10.2026
  3. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Brilique (EPAR), Anhang III B: Packungsbeilage Brilique 60 mg Filmtabletten. AstraZeneca AB (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 08/2026. abgerufen am 11.10.2026

Häufige Fragen

Wofür nimmt man Ticagrelor?

Ticagrelor wird zusammen mit Acetylsalicylsäure (ASS) bei Erwachsenen eingesetzt, die einen Herzinfarkt hatten oder eine instabile Angina pectoris haben. Es soll das Risiko für einen erneuten Herzinfarkt, einen Schlaganfall oder einen Tod durch eine Herz- oder Gefäßerkrankung verringern. Tabletten mit 60 mg sind für Menschen vorgesehen, deren Herzinfarkt mehr als ein Jahr zurückliegt und die laut Fachinformation ein hohes Risiko für weitere Ereignisse haben.

Ist Atemnot bei Ticagrelor normal?

Ein Gefühl von Kurzatmigkeit ist sehr häufig, betrifft also mehr als 1 von 10 Behandelten. Laut Packungsbeilage ist es im Allgemeinen leicht und zeigt sich als plötzliches, unerwartetes Bedürfnis nach Luft, gewöhnlich in Ruhe in den ersten Behandlungswochen; bei vielen kann es wieder zurückgehen. Es kann aber auch an der Herzerkrankung oder einer anderen Ursache liegen. Informieren Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, wenn die Kurzatmigkeit schlimmer wird oder lange anhält.

Welche Nebenwirkungen hat Ticagrelor noch?

Die meisten Nebenwirkungen hängen mit Blutungen zusammen; Blutergüsse und Nasenbluten sind häufig, schwere Blutungen gelegentlich, aber möglicherweise lebensbedrohlich. Sehr häufig ist außerdem ein erhöhter Harnsäurewert im Blut, häufig sind unter anderem Kopfschmerzen, Schwindel, Durchfall, Übelkeit, Verstopfung, Hautausschlag, Juckreiz, Gicht, niedriger Blutdruck und Ohnmacht.

Muss ich Ticagrelor vor einer Operation oder beim Zahnarzt absetzen?

Sagen Sie Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt und Ihrer Zahnarztpraxis vor jeder geplanten Operation, dass Sie Ticagrelor einnehmen. Wegen des erhöhten Blutungsrisikos rät die Ärztin oder der Arzt möglicherweise, die Behandlung 5 Tage vor der Operation zu unterbrechen. Setzen Sie Ticagrelor aber nie ohne Rücksprache ab.

Was mache ich, wenn ich eine Dosis Ticagrelor vergessen habe?

Nehmen Sie einfach die nächste Dosis wie vorgesehen ein. Nehmen Sie nicht die doppelte Dosis, also nicht zwei Dosen auf einmal. Die Sonne- und Mond-Symbole auf der Blisterpackung helfen zu erkennen, ob Sie Ihre Morgen- oder Abenddosis schon genommen haben.

Darf ich Ibuprofen zusammen mit Ticagrelor nehmen?

Entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Naproxen erhöhen zusammen mit Ticagrelor das Blutungsrisiko. Informieren Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke, bevor Sie ein solches Schmerzmittel einnehmen, auch wenn es rezeptfrei ist.

Darf ich Ticagrelor in der Schwangerschaft oder Stillzeit nehmen?

Die Anwendung wird nicht empfohlen, wenn Sie schwanger sind oder schwanger werden könnten; Frauen sollten während der Einnahme geeignete Maßnahmen zur Empfängnisverhütung anwenden. Wenn Sie stillen, besprechen Sie vor der Einnahme mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt Vorteile und Risiken. Laut Fachinformation ist zu entscheiden, ob abgestillt oder auf die Behandlung verzichtet wird.

Wie hoch ist die Dosis von Ticagrelor?

Die Dosis legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest; sie richtet sich nach dem Anwendungsgebiet (Herzinfarkt oder instabile Angina pectoris beziehungsweise Herzinfarkt vor mehr als einem Jahr). Was die Packungsbeilage dazu angibt, steht im Abschnitt Dosierung laut Packungsbeilage. Ändern Sie die Dosis nicht selbst.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

Passt dazu