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Insulinresistenz und Prädiabetes

Bei einer Insulinresistenz reagieren die Körperzellen weniger empfindlich auf das Hormon Insulin; liegen die Blutzuckerwerte schon über dem Normalbereich, aber noch unter der Grenze für einen Diabetes, spricht man von Prädiabetes. Für Laborwerte in diesem Bereich empfiehlt die Nationale VersorgungsLeitlinie Typ-2-Diabetes lebensstilmodifizierende Maßnahmen (starke Empfehlung, "sollen"), ein Medikament nennt sie dafür nicht. Die meisten Menschen mit Prädiabetes spüren keine Beschwerden; starker Durst, häufiges Wasserlassen und Müdigkeit, die länger oder immer wieder auftreten, sind ein Grund für einen Arztbesuch.

Frau Anfang fünfzig mit kurzem aschblondem Haar in einer petrolfarbenen Regenjacke geht an einem hellen Herbstmorgen zügig einen baumgesäumten Uferweg entlang
Bild: KI-generiert

Bei einer Insulinresistenz reagieren die Körperzellen weniger empfindlich auf das Hormon Insulin; der Blutzucker kann dadurch langfristig steigen [2]. Liegen die Werte über dem Normalbereich, aber noch nicht im Diabetesbereich, spricht man von Prädiabetes, die Nationale VersorgungsLeitlinie (NVL) Typ-2-Diabetes von Laborwerten im Bereich des erhöhten Diabetesrisikos [1, 3]. Für diese Werte empfiehlt die NVL lebensstilmodifizierende Maßnahmen; ein Medikament nennt sie dafür nicht [1].

Was sind Insulinresistenz und Prädiabetes?

Insulin wird in der Bauchspeicheldrüse gebildet und nach dem Essen ins Blut abgegeben. Es sorgt dafür, dass Zellen etwa in Leber und Muskeln den Zucker (Glukose) aus dem Blut aufnehmen können [4]. Bei einer Insulinresistenz sprechen die Zellen von Muskulatur, Fettgewebe und Leber weniger empfindlich auf die Signale des Insulins an. Es gelangt weniger Zucker in die Zellen, und der Blutzuckerspiegel steigt [2]. Die Mechanismen, die dazu führen, sind laut diabinfo bislang nicht vollständig geklärt [2].

Um die schwächere Wirkung auszugleichen, stellt die Bauchspeicheldrüse mehr Insulin her. So bleibt der Blutzucker oft noch über viele Jahre unauffällig [3]. Irgendwann kommt das Organ an seine Grenzen, und der Blutzucker steigt an: zuerst nur nach dem Essen, später dauerhaft [2, 4]. Laut diabinfo liegt eine Insulinresistenz meist schon Jahre bis Jahrzehnte vor, bevor ein Typ-2-Diabetes festgestellt wird [2].

Ein Prädiabetes liegt laut diabinfo vor, wenn die Blutzuckerwerte dauerhaft in einem Graubereich erhöht sind, aber noch nicht so hoch, dass man von einem Typ-2-Diabetes spricht. Ursache kann eine Insulinresistenz sein oder eine zu geringe Insulinproduktion der Bauchspeicheldrüse [3]. Die NVL schätzt Menschen mit solchen Werten als Risikopersonen für einen Diabetes und für Schäden an kleinen und großen Blutgefäßen ein [1]. Nach Daten des Robert Koch-Instituts lag der HbA1c-Wert im Jahr 2010 bei 20,8 Prozent der 18- bis 79-Jährigen im Bereich des erhöhten Risikos [1].

Metabolisches Syndrom: Eine Insulinresistenz geht laut diabinfo häufig mit Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Übergewicht und erhöhten Blutzuckerwerten einher; zusammen nennen Fachleute das ein metabolisches Syndrom [2]. Die NVL bevorzugt eine Definition, nach der es vorliegt, wenn drei von fünf Kriterien erfüllt sind: Taillenumfang, Triglyzeride, HDL-Cholesterin, Blutdruck und Nüchternblutzucker [1]. Als Grenzen nennt gesund.bund.de unter anderem einen oberen Blutdruckwert ab 130 mmHg und/oder einen unteren ab 85 mmHg, einen Nüchternblutzucker ab 100 mg/dl und Triglyzeride ab 150 mg/dl [6]. Mehr dazu unter Bluthochdruck und Hohes Cholesterin.

Symptome

Eine Insulinresistenz selbst verursacht laut diabinfo keine Symptome und bleibt deshalb oft lange unentdeckt. Bis daraus zu hohe Blutzuckerwerte werden, können Jahre bis Jahrzehnte vergehen [2]. Auch die meisten Menschen mit Prädiabetes spüren keine Beschwerden [3]. Auf eine Insulinresistenz hindeuten können nach diabinfo folgende Merkmale; je mehr davon vorliegen, desto wahrscheinlicher ist sie [2]:

  • erhöhte Triglyzeride und ein niedriges HDL-Cholesterin im Blut,
  • Bluthochdruck,
  • Übergewicht im Bauchbereich,
  • erhöhte Blutzuckerwerte,
  • Typ-2-Diabetes bei Eltern oder Geschwistern.

Erst wenn der Blutzucker stark erhöht ist, können starker Durst, häufiges Wasserlassen, Müdigkeit und Abgeschlagenheit auftreten; dann liegt laut diabinfo in der Regel bereits ein Typ-2-Diabetes vor [3]. Das IQWiG nennt bei stark erhöhtem Blutzucker außerdem Antriebsschwäche, Übelkeit und Schwindel [5].

Ursachen und Risikofaktoren

Insulinresistenz wird laut diabinfo häufig vererbt; die Wahrscheinlichkeit, insulinresistent zu werden, ist besonders hoch, wenn Eltern oder Geschwister einen Typ-2-Diabetes haben. Damit sie voranschreitet und sich ein Typ-2-Diabetes entwickelt, müssen aber weitere Lebensstilfaktoren hinzukommen [2]. Als häufige Risikofaktoren nennt diabinfo [2]:

  • Übergewicht: Fettzellen, vor allem im Bauchbereich, setzen Botenstoffe frei, die eine Insulinresistenz fördern.
  • Bewegungsmangel: Zu wenig körperliche Aktivität begünstigt Übergewicht; die fehlende Muskelarbeit trägt außerdem direkt dazu bei, dass Insulin schwächer wirkt.
  • Ernährung: Zu viele ungünstige Fette, zu viele Kalorien und zu wenig Ballaststoffe fördern Übergewicht, Insulinresistenz und erhöhte Blutzuckerwerte.

Als Faktoren, die einen Typ-2-Diabetes fördern oder mit ihm verbunden sind, führt die NVL unter anderem auf: Diabetes in der Familie, höheres Lebensalter, Bewegungsmangel, ballaststoffarme und fettreiche Kost, Rauchen, Fett am Bauch, Insulinresistenz, gestörte Glukosetoleranz, Bluthochdruck, eine nicht alkoholische Fettleber, einen Schwangerschaftsdiabetes in der Vorgeschichte, das PCO-Syndrom und andere Hormonerkrankungen sowie eine obstruktive Schlafapnoe [1]. Eine Adipositas erhöht das Risiko für Prädiabetes und Typ-2-Diabetes laut Gemeinsamem Bundesausschuss (G-BA) jeweils um mehr als das Dreifache [7].

Medikamente: Die NVL nennt Medikamente, die den Glukosestoffwechsel verschlechtern, als weiteren Faktor [1]; auch das IQWiG zählt sie zu den Risikofaktoren für einen Typ-2-Diabetes [4]. Laut diabinfo können sich zum Beispiel Glukokortikoide ("Kortison") ungünstig auf die Insulinempfindlichkeit der Körperzellen auswirken, ebenso Stress, Infektionen und Rauchen; ihr Einfluss ist danach aber geringer und zum Teil nur vorübergehend [2]. Mehr dazu unter Glucocorticoide und Blutzuckerveränderungen durch Medikamente.

Diagnose

Gesetzlich Krankenversicherte haben ab 35 Jahren alle drei Jahre Anspruch auf eine allgemeine Gesundheitsuntersuchung, zu der unter anderem der Nüchternblutzucker gehört; zwischen 18 und 35 Jahren einmal, mit Laboruntersuchungen je nach Risikoprofil [1]. Bei Menschen mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung eines Diabetes soll laut NVL die Untersuchung auf einen Diabetes angeboten werden (Empfehlung 3-1, starke Empfehlung) [1]. Zur Abschätzung des Risikos nennt die NVL den Deutschen Diabetes-Risiko-Score und den Fragebogen FINDRISK, die ohne Laborwerte auskommen [1].

Die NVL unterscheidet bei den Laborwerten diese Bereiche [1]:

Laborwerte laut NVL Typ-2-Diabetes (Version 3.0, 2023)
MesswertKein DiabetesErhöhtes DiabetesrisikoDiabetes
Nüchternblutzucker (Plasma)unter 100 mg/dl100 bis 125 mg/dl (5,6 bis 6,9 mmol/l)ab 126 mg/dl (ab 7,0 mmol/l)
HbA1c (Langzeitblutzucker)unter 5,7 Prozent5,7 bis unter 6,5 Prozent (39 bis unter 48 mmol/mol)ab 6,5 Prozent (ab 48 mmol/mol)

Im oralen Glukosetoleranztest (oGTT) trinkt man eine Zuckerlösung; ein 2-Stunden-Wert von 140 bis 199 mg/dl (7,8 bis 11,0 mmol/l) bei einem Nüchternwert unter 126 mg/dl zählt laut NVL ebenfalls zum Bereich des erhöhten Risikos (gestörte Glukosetoleranz) [1, 3]. Die DEGAM, die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) und zwei weitere Fachgesellschaften folgen beim Nüchternblutzucker den Grenzwerten der Weltgesundheitsorganisation (WHO): kein Diabetes unter 110 mg/dl, erhöhtes Risiko bei 110 bis 125 mg/dl. Für sie hat der Zuckerbelastungstest (oGTT) im hausärztlichen Bereich keinen Stellenwert [1]. Der HbA1c-Wert ist laut NVL nur aussagekräftig, wenn keine Störfaktoren oder Einflussgrößen vorliegen; zu berücksichtigen ist unter anderem seine Altersabhängigkeit [1]. Nach dem Diagnosealgorithmus der NVL werden mindestens zwei Werte bestimmt: Liegen zwei Ergebnisse im krankhaften Bereich, liegt ein Diabetes vor; sind sie widersprüchlich oder liegen sie im Bereich des erhöhten Risikos, folgt ein dritter Wert, gegebenenfalls ein Zuckerbelastungstest [1].

Insulinresistenz messen: Ein einfaches Verfahren ist laut diabinfo der HOMA-Index, der aus nüchtern gemessenem Insulin und Blutzucker berechnet wird. Er eignet sich besonders für frühe und mittlere Stadien; wenn die insulinbildenden Zellen bereits erschöpfen, hat er keine Aussagekraft mehr. Auch erhöhte Werte von intaktem Proinsulin, einer Vorstufe des Insulins, sprechen für eine Insulinresistenz. Eine exakte Bestimmung mit der sogenannten Clamp-Technik ist sehr aufwendig und erfolgt meist nur in Studien [2].

Behandlung ohne Medikamente

Bei Laborwerten im Bereich des erhöhten Diabetesrisikos sollen laut NVL lebensstilmodifizierende Maßnahmen empfohlen werden (Empfehlung 3-2, starke Empfehlung) [1]. In ihrer Begründung nennt die NVL eine Übersichtsarbeit (Cochrane-Review), die Hinweise liefert, dass lebensstilmodifizierende Maßnahmen (Ernährungstherapie und körperliche Aktivität) mit weniger neuen Diabetesfällen verbunden sind (moderate Aussagesicherheit der Evidenz); die Aussagesicherheit für den Nutzen bei Endpunkten wie der Sterblichkeit schätzt die Leitliniengruppe als sehr niedrig ein [1]. Für körperliche Aktivität und Tabakverzicht spricht laut NVL zudem, dass sie auch andere chronische Erkrankungen, die einen Diabetes begleiten können, positiv beeinflussen können [1]. Mehr dazu unter Rauchen aufhören.

Bewegung: Regelmäßiges Training verbessert laut diabinfo die Insulinempfindlichkeit der Muskelzellen; die Skelettmuskulatur ist danach für mehr als 80 Prozent der Zuckeraufnahme aus dem Blut verantwortlich [2]. Empfohlen werden laut diabinfo mindestens 150 bis 300 Minuten Bewegung pro Woche; auf die Art der Bewegung kommt es danach nicht an [3]. Bei Erwachsenen mit Adipositas können laut der G-BA-Richtlinie zum strukturierten Behandlungsprogramm Adipositas sowohl Ausdauer- als auch Krafttraining, einzeln oder kombiniert, die Insulinsensitivität erhöhen [7].

Ernährung: Bei erhöhten Blutzuckerwerten eignet sich laut diabinfo zum Beispiel eine vollwertige, ausgewogene Mischkost mit viel Gemüse, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten, Nüssen, Samen und Obst. Fruchtsäfte und Softdrinks lassen den Blutzucker schnell und stark ansteigen; große Mengen Zucker sollten danach reduziert werden [3]. Bei Übergewicht, vor allem am Bauch, gehört laut diabinfo auch eine Gewichtsabnahme zu den Maßnahmen, die eine Insulinresistenz abschwächen können [2].

Die NVL weist darauf hin, dass eine wertschätzende Kommunikation und positive Motivation dem Risiko einer Stigmatisierung entgegenwirken und dass Maßnahmen, die nicht in den Alltag passen, zu Frustration führen können [1]. Welche Maßnahmen in Ihren Alltag passen, besprechen Sie mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt.

Behandlung mit Medikamenten

Mann Mitte vierzig mit dunkelbraunem Haar in einem senfgelben Pullover sitzt in einem hellen Sprechzimmer einer Hausärztin mit kastanienbraunem Haar gegenüber, beide unterhalten sich ruhig
Bild: KI-generiert

Für Laborwerte im Bereich des erhöhten Diabetesrisikos empfiehlt die NVL lebensstilmodifizierende Maßnahmen; eine Wirkstoffgruppe nennt sie dafür nicht [1]. Ein Medikament, mit dem man hohe Blutzuckerwerte an ihrem Ursprung bekämpfen kann, gibt es laut diabinfo bis heute nicht. Medikamente, die verschiedene Vorgänge im Körper unterstützen, werden danach vor allem beim Typ-2-Diabetes angewendet; meist erst, wenn ein Typ-2-Diabetes festgestellt wurde und Ernährungsumstellung und Bewegung nicht ausgereicht haben [3]. Wegen möglicher Risiken und Nebenwirkungen verschreiben Fachleute Medikamente laut diabinfo nur, wenn ihr gesundheitlicher Nutzen überwiegt [3]. Das entscheidet die Ärztin oder der Arzt.

Metformin: Metformin aus der Gruppe der oralen Antidiabetika ist laut Packungsbeilage zur Behandlung des Typ-2-Diabetes vorgesehen, wenn der Blutzucker durch Diät und Bewegung allein nicht ausreichend kontrolliert werden konnte, insbesondere bei Übergewicht [8]. Ein Anwendungsgebiet Insulinresistenz oder Prädiabetes nennt die Packungsbeilage nicht [8].

Mittel zur Gewichtsregulierung: Semaglutid (Wegovy), Tirzepatid (Mounjaro) und Liraglutid (Saxenda) sind laut Fachinformation als Ergänzung zu einer kalorienreduzierten Ernährung und verstärkter körperlicher Aktivität zur Gewichtsregulierung bei Erwachsenen zugelassen, die einen Ausgangs-BMI ab 30 haben oder einen BMI von 27 bis unter 30 und mindestens eine gewichtsbedingte Begleiterkrankung; als Beispiel für eine solche Begleiterkrankung nennen die Fachinformationen jeweils auch den Prädiabetes [9, 10, 11]. Ein Anwendungsgebiet Insulinresistenz oder Prädiabetes nennen sie nicht [9, 10, 11]. Saxenda ist laut Fachinformation abzusetzen, wenn nach 12 Wochen mit der Erhaltungsdosis nicht mindestens 5 Prozent des ursprünglichen Körpergewichts verloren wurden [11]. Arzneimittel, die überwiegend zur Regulierung des Körpergewichts dienen, sind nach Paragraf 34 SGB V von der Versorgung durch die gesetzlichen Krankenkassen ausgeschlossen; die Anlage II der Arzneimittel-Richtlinie führt Wegovy, Mounjaro und Saxenda für die Anwendung zur Gewichtsreduktion auf [12, 13]. Einzelheiten zu diesen Mitteln stehen unter Adipositas und GLP-1-Rezeptoragonisten.

Wenn ein Typ-2-Diabetes festgestellt wird: Er wird laut diabinfo in der Regel zu Beginn mit einer Umstellung der Ernährung und mehr Bewegung behandelt; reichen diese Maßnahmen nicht aus, sind blutzuckersenkende Medikamente oder Insulin erforderlich [3]. Mehr dazu unter Diabetes Typ 2. Die Dosierungen laut Packungsbeilage stehen auf den Wirkstoffseiten, etwa unter Metformin.

Nebenwirkungen der Medikamente

Metformin: Sehr häufig, also bei mehr als 1 von 10 Behandelten, sind laut Packungsbeilage Verdauungsprobleme wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen und Appetitverlust; sie treten meistens zu Beginn der Behandlung auf [8]. Mehr dazu unter Magenbeschwerden und auf der Seite Metformin.

Mittel zur Gewichtsregulierung: Bei Semaglutid (Wegovy) sind laut Packungsbeilage unter anderem Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Verstopfung, Bauchschmerzen sowie Schwächegefühl oder Müdigkeit sehr häufig; sie werden hauptsächlich während der Dosissteigerung beobachtet und verschwinden normalerweise mit der Zeit [9]. Bei Tirzepatid (Mounjaro) sind Übelkeit und Durchfall sehr häufig, bei der Behandlung im Gewichtsmanagement außerdem Bauchschmerzen, Erbrechen und Verstopfung; bei Liraglutid (Saxenda) sind es Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Verstopfung und Kopfschmerzen [10, 11]. Eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse ist bei allen drei Mitteln als gelegentlich eingestuft, also bei bis zu 1 von 100 Behandelten [9, 10, 11]. Mehr dazu unter Übelkeit, Durchfall und Pankreatitis.

Übelkeit, Erbrechen und Durchfall können zu Flüssigkeitsverlust führen; die Packungsbeilagen raten, ausreichend beziehungsweise viel zu trinken [9, 10, 11]. Zusammen mit einem Sulfonylharnstoff oder Insulin kann das Risiko einer Unterzuckerung steigen [9, 10, 11]. Vor einer Operation unter Narkose informieren Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, dass Sie ein solches Mittel anwenden [9, 10, 11]. In der Schwangerschaft darf Semaglutid (Wegovy) laut Packungsbeilage nicht angewendet werden und muss mindestens zwei Monate vor einer geplanten Schwangerschaft abgesetzt werden; Saxenda wenden Sie bei Schwangerschaft oder Kinderwunsch nicht an, und Tirzepatid sollte in der Schwangerschaft nicht angewendet werden [9, 10, 11].

Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Nebenwirkungen können Sie Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt, Ihrer Apotheke oder direkt dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) melden [8]; wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden.

Leben mit Prädiabetes

Kontrollen: Wie oft die Werte kontrolliert werden, schätzen die Fachgesellschaften in der NVL unterschiedlich ein [1]. Aus Sicht von DEGAM und AkdÄ reicht bei erhöhtem Risiko ohne weiteren Verdacht die Bestimmung des Nüchternblutzuckers im Rahmen der Gesundheitsuntersuchung alle drei Jahre; liegt er im Normalbereich oder im Bereich des erhöhten Risikos, ist ein weiterer Wert danach nicht notwendig [1]. Aus Sicht der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) und der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) ist es bei Werten im Bereich des erhöhten Risikos wichtig, die Laborwerte zunächst nach drei Monaten und dann alle sechs Monate zu kontrollieren; bei Werten im Normalbereich empfehlen sie eine Kontrolle nach einem Jahr [1].

Rückbildung möglich: Studien zeigen laut diabinfo, dass sich ein Prädiabetes zurückentwickeln kann; die Blutzuckerwerte können sich danach durch eine gesündere Lebensweise schon innerhalb eines Jahres normalisieren [3]. Wer nach der Feststellung eines Prädiabetes nichts unternimmt, hat laut diabinfo eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass sich der Stoffwechsel weiter verschlechtert und ein Typ-2-Diabetes entsteht [3].

Strukturiertes Behandlungsprogramm: Für Erwachsene mit Adipositas Grad 1, also einem BMI von 30 bis unter 35, zählt ein Prädiabetes zu den Begleiterkrankungen, mit denen eine Einschreibung in das strukturierte Behandlungsprogramm (DMP) Adipositas möglich ist; der G-BA definiert ihn dort als HbA1c von 5,7 bis unter 6,5 Prozent bei Menschen ohne Diabetestherapie [7]. Bei einem bestehenden Prädiabetes kann das Risiko eines Typ-2-Diabetes laut G-BA durch Änderung des Ernährungsverhaltens und mehr Bewegung deutlich und langfristig gesenkt werden [7]. Ihre Medikamente behalten Sie mit dem Medikationsplan im Blick.

Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen

Ein stark erhöhter Blutzucker kann laut IQWiG starken Durst, häufiges Wasserlassen, Müdigkeit, Antriebsschwäche, Übelkeit und Schwindel verursachen. Treten diese Beschwerden längere Zeit oder immer wieder auf, ist es wichtig, zur Ärztin oder zum Arzt zu gehen; sie können ein Hinweis auf einen Diabetes sein [5]. Ist der Blutzucker sehr stark erhöht, kann es zu Bewusstseinsstörungen bis hin zur Bewusstlosigkeit kommen. Bei Bewusstseinsstörungen, Verwirrtheit oder Bewusstlosigkeit sollte laut IQWiG unter 112 der Rettungsdienst gerufen werden [5].

Wenden Sie ein Mittel zur Gewichtsregulierung wie Semaglutid, Tirzepatid oder Liraglutid an, können starke, anhaltende Bauchschmerzen, die in den Rücken ausstrahlen können, auf eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse hindeuten. Dann suchen Sie laut den Packungsbeilagen von Wegovy und Mounjaro sofort eine Ärztin oder einen Arzt auf; laut Packungsbeilage von Saxenda brechen Sie die Behandlung ab und wenden sich sofort an eine Ärztin oder einen Arzt [9, 10, 11]. Bei Atemproblemen, Schwellungen von Gesicht, Lippen, Zunge oder Rachen und schnellem Herzschlag nehmen Sie laut den Packungsbeilagen von Wegovy und Mounjaro sofort medizinische Hilfe in Anspruch [9, 10]. Bemerken Sie unter Semaglutid einen plötzlichen Sehverlust oder eine rasche Verschlechterung des Sehvermögens, wenden Sie sich sofort an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt [9].

Quellen

  1. Leitlinie Nationale VersorgungsLeitlinie Typ-2-Diabetes, Langfassung, Version 3.0 (AWMF-Register-Nr. nvl-001), Kapitel 3 Screening und erhöhtes Diabetesrisiko (Empfehlungen 3-1 und 3-2, Tabellen 7 und 8) und Kapitel 4 Diagnostik (Tabelle 10). Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF. Stand Version 3.0, verabschiedet am 15.05.2023, gültig bis 15.05.2028. abgerufen am 17.10.2026
  2. Was ist eine Insulinresistenz?. Diabetesinformationsportal diabinfo.de (Helmholtz Munich, Deutsches Diabetes-Zentrum, Deutsches Zentrum für Diabetesforschung; gefördert durch das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit). Stand 02.03.2022. abgerufen am 17.10.2026
  3. Prädiabetes: Die Vorstufe von Diabetes Typ 2. Diabetesinformationsportal diabinfo.de (Helmholtz Munich, Deutsches Diabetes-Zentrum, Deutsches Zentrum für Diabetesforschung; gefördert durch das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit). Stand 24.05.2023. abgerufen am 17.10.2026
  4. Diabetes Typ 2 (Abschnitte Ursachen und Risikofaktoren). Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 18.10.2023. abgerufen am 17.10.2026
  5. Über- und Unterzuckerung bei Typ-2-Diabetes. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 18.10.2023. abgerufen am 17.10.2026
  6. Behörde Metabolisches Syndrom: Ursachen, Therapie. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de. Stand 11.01.2023. abgerufen am 17.10.2026
  7. DMP-Anforderungen-Richtlinie (DMP-A-RL), Anlage 23: Anforderungen an das strukturierte Behandlungsprogramm für Patientinnen und Patienten mit Adipositas, Erwachsene (Nummern 1.2, 1.5.3 und 1.6.2.1). Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA). Stand zuletzt geändert am 16.04.2026, BAnz AT 03.08.2026 B5, in Kraft getreten am 01.10.2026. abgerufen am 17.10.2026
  8. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Metformin-ratiopharm 1.000 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 01/2025. abgerufen am 17.10.2026
  9. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Wegovy (Semaglutid), Anhang I: Fachinformation und Anhang III B: Packungsbeilage Wegovy Injektionslösung im Fertigpen. Novo Nordisk A/S (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 09/2026 (EMA, aktualisiert am 21.09.2026). abgerufen am 17.10.2026
  10. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Mounjaro (Tirzepatid), Anhang I: Fachinformation und Anhang III B: Packungsbeilage Mounjaro Injektionslösung im Fertigpen. Eli Lilly Nederland B.V. (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 09/2026 (EMA, aktualisiert am 21.09.2026). abgerufen am 17.10.2026
  11. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Saxenda (Liraglutid), Anhang I: Fachinformation und Anhang III B: Packungsbeilage. Novo Nordisk A/S (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 07/2025 (EMA, aktualisiert am 31.07.2025). abgerufen am 17.10.2026
  12. Behörde Sozialgesetzbuch Fünftes Buch (SGB V), Paragraf 34 Ausgeschlossene Arznei-, Heil- und Hilfsmittel, Absatz 1. Bundesministerium der Justiz (gesetze-im-internet.de). Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 17.10.2026
  13. Arzneimittel-Richtlinie, Anlage II: Lifestyle Arzneimittel (Abmagerungsmittel). Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA). Stand letzte Änderung in Kraft getreten am 20.08.2025. abgerufen am 17.10.2026

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Insulinresistenz und Prädiabetes?

Bei einer Insulinresistenz reagieren die Körperzellen weniger empfindlich auf Insulin; die Bauchspeicheldrüse stellt dann mehr Insulin her, und der Blutzucker bleibt oft noch über viele Jahre unauffällig. Von Prädiabetes spricht man laut diabinfo, wenn die Blutzuckerwerte dauerhaft in einem Graubereich erhöht sind, aber noch nicht so hoch, dass ein Typ-2-Diabetes vorliegt. Ursache kann eine Insulinresistenz sein oder eine zu geringe Insulinproduktion.

Ab welchem Wert spricht man von Prädiabetes?

Die Nationale VersorgungsLeitlinie Typ-2-Diabetes (Version 3.0, 2023) nennt als Bereich des erhöhten Diabetesrisikos einen Nüchternblutzucker von 100 bis 125 mg/dl, einen HbA1c-Wert von 5,7 bis unter 6,5 Prozent oder im Zuckerbelastungstest einen 2-Stunden-Wert von 140 bis 199 mg/dl. Die DEGAM und die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft folgen beim Nüchternblutzucker den Grenzwerten der WHO, also 110 bis 125 mg/dl. Ab einem Nüchternblutzucker von 126 mg/dl oder einem HbA1c von 6,5 Prozent liegt ein Wert im Diabetesbereich; für die Diagnose müssen laut NVL zwei Ergebnisse im krankhaften Bereich liegen.

Kann sich ein Prädiabetes wieder zurückbilden?

Ja, das ist möglich. Laut diabinfo zeigen Studien, dass sich ein Prädiabetes sogar zurückentwickeln kann; die wirksamste Methode ist danach eine gesündere Lebensweise mit angepasster Ernährung und mehr Bewegung. Auch die NVL empfiehlt bei Laborwerten im Bereich des erhöhten Diabetesrisikos lebensstilmodifizierende Maßnahmen (starke Empfehlung). Wie oft Ihre Werte danach kontrolliert werden, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Hilft Metformin bei Insulinresistenz?

Metformin ist laut Packungsbeilage zur Behandlung des Typ-2-Diabetes vorgesehen, wenn der Blutzucker durch Ernährung und Bewegung allein nicht ausreichend eingestellt werden konnte; ein Anwendungsgebiet Insulinresistenz oder Prädiabetes nennt sie nicht. Die NVL empfiehlt für Laborwerte im Bereich des erhöhten Diabetesrisikos lebensstilmodifizierende Maßnahmen und nennt dafür kein Medikament. Ob bei Ihnen ein Medikament sinnvoll ist, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt. Mehr zum Wirkstoff auf der Seite Metformin.

Gibt es eine Abnehmspritze bei Prädiabetes?

Semaglutid (Wegovy), Tirzepatid (Mounjaro) und Liraglutid (Saxenda) sind zur Gewichtsregulierung bei Erwachsenen zugelassen: bei einem BMI ab 30 oder bei einem BMI von 27 bis unter 30 mit mindestens einer gewichtsbedingten Begleiterkrankung; ein Prädiabetes zählt laut den Fachinformationen dazu. Ein Anwendungsgebiet Insulinresistenz oder Prädiabetes nennen die Fachinformationen nicht. Sie werden immer ergänzend zu einer kalorienreduzierten Ernährung und mehr Bewegung angewendet. Mittel zur Regulierung des Körpergewichts sind nach Paragraf 34 SGB V von der Versorgung durch die gesetzlichen Krankenkassen ausgeschlossen. Mehr dazu unter Adipositas.

Wie wird eine Insulinresistenz festgestellt?

Eine Insulinresistenz verursacht laut diabinfo selbst keine Beschwerden. Hinweise können erhöhte Triglyzeride, ein niedriges HDL-Cholesterin, Bluthochdruck, Bauchfett, erhöhte Blutzuckerwerte und Typ-2-Diabetes bei Eltern oder Geschwistern sein. Ein einfaches Verfahren ist der HOMA-Index, der aus nüchtern gemessenem Insulin und Blutzucker berechnet wird; eine exakte Messung mit der Clamp-Technik erfolgt meist nur in Studien. Für die Einschätzung des Diabetesrisikos nutzt die NVL Blutzuckerwerte und den HbA1c.

Können Medikamente den Blutzucker erhöhen?

Ja. Die NVL zählt Medikamente, die den Glukosestoffwechsel verschlechtern, zu den Faktoren, die einen Typ-2-Diabetes fördern. Als Beispiel nennt diabinfo Glukokortikoide ("Kortison"); ihr Einfluss auf die Insulinempfindlichkeit ist danach aber geringer und zum Teil nur vorübergehend. Welche Mittel betroffen sind, steht unter Blutzuckerveränderungen durch Medikamente. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.

Wie oft sollte der Blutzucker bei Prädiabetes kontrolliert werden?

Dazu gibt es in der NVL unterschiedliche Einschätzungen der Fachgesellschaften. Aus Sicht von DEGAM und AkdÄ kann eine erneute Kontrolle nach drei Jahren im Rahmen der nächsten allgemeinen Gesundheitsuntersuchung erfolgen. Die DDG und die DGIM halten bei Werten im Bereich des erhöhten Risikos Kontrollen zunächst nach drei Monaten und dann alle sechs Monate für wichtig. Welcher Abstand für Sie passt, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

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