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Malaria: Vorbeugung und Behandlung
Malaria ist eine Infektion mit Parasiten (Plasmodien), die Anopheles-Mücken in tropischen und subtropischen Gebieten übertragen; die Malaria tropica kann ohne Behandlung innerhalb weniger Tage tödlich verlaufen. Zur Vorbeugung gehören Mückenschutz und je nach Reiseziel Medikamente, die in einer reisemedizinischen Beratung individuell ausgewählt werden; behandelt wird eine Malaria mit Malariamitteln, die Malaria tropica laut Robert Koch-Institut stationär. Fieber während oder nach einem Aufenthalt in einem Malariagebiet muss laut DTG umgehend ärztlich abgeklärt werden, auch noch Monate nach der Rückkehr.

Malaria ist eine Infektionskrankheit, die hauptsächlich in den Tropen und Subtropen vorkommt; Reisende können sich dort anstecken [2]. Ohne angemessene Behandlung kann sie innerhalb weniger Tage tödlich verlaufen [3]. Eine Impfung steht für Reisende nicht zur Verfügung [1]. Wichtig sind deshalb Mückenschutz und, je nach Reiseziel, Medikamente zur Vorbeugung, die in einer reisemedizinischen Beratung ausgewählt werden [1, 3]. Bei Fieber nach einem Aufenthalt in einem Malariagebiet muss immer an eine Malaria gedacht werden [1].
Was ist Malaria?
Malaria wird durch einzellige Parasiten der Gattung Plasmodium verursacht [1]. Das Robert Koch-Institut (RKI) unterscheidet die Malaria tropica durch Plasmodium falciparum, die Malaria tertiana durch P. vivax und P. ovale, die Malaria quartana durch P. malariae sowie in Südostasien die Infektion mit P. knowlesi [1]. Die Malaria tropica ist die gefährlichste Form; unbehandelt verläuft sie bei Menschen ohne Immunität laut RKI in bis zu 20 Prozent der Fälle tödlich [1]. Die Malaria tertiana verläuft nur selten tödlich [1].
Weltweit wurden 2024 laut der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit (DTG) rund 282 Millionen Malariafälle registriert, etwa 94 Prozent in Afrika südlich der Sahara; rund drei Viertel der 610.000 Todesfälle betrafen afrikanische Kinder unter 5 Jahren [3]. In Deutschland wurden 2025 laut DTG 890 eingeschleppte Fälle gemeldet, davon 86 Prozent der Fälle mit bekannter Erregerart durch P. falciparum, 83 Prozent aus Afrika [3]. Der Nachweis von Plasmodien, der auf eine akute Infektion hinweist, wird dem Gesundheitsamt namentlich gemeldet [1].
Symptome und Verlauf
Die Beschwerden sind unspezifisch: Meist treten plötzlich hohes Fieber, Schüttelfrost, ein deutliches Krankheitsgefühl sowie Kopf- und Gliederschmerzen auf [3]. Bei etwa einem Drittel kommt es zu Durchfall, bei Kindern oft auch zu Erbrechen, was von der Diagnose ablenken kann [3]. Häufig werden solche Anzeichen laut RKI als grippaler Infekt oder Magen-Darm-Infektion fehlgedeutet [1]. Mehr zu Fieber allgemein: Fieber.
Malaria tropica: Das Fieber verläuft unregelmäßig, ohne festen Rhythmus [1]. Krampfanfälle und Bewusstseinstrübungen bis zum Koma sind laut RKI Ausdruck eines Befalls des Gehirns (zerebrale Malaria); weitere Komplikationen sind unter anderem akutes Nierenversagen, Beteiligung der Lunge, Kreislaufkollaps und ein Zerfall roter Blutkörperchen [1]. Laut gesund.bund.de können auch Gelbfärbung der Haut und Atemprobleme auftreten [2].
Malaria tertiana und quartana: Bei der Malaria tertiana treten die Fieberanfälle oft nach wenigen Tagen alle 48 Stunden auf: typischerweise am späten Nachmittag mit Schüttelfrost und raschem Anstieg auf etwa 40 °C, nach 3 bis 4 Stunden fällt die Temperatur unter starkem Schwitzen ab [1]. Ruheformen der Erreger in der Leber können laut RKI Rückfälle auslösen, bei P. vivax bis zu 2 Jahre, bei P. ovale bis zu 5 Jahre nach der Infektion [1]. Die seltenere Malaria quartana zeigt Fieber im 72-Stunden-Rhythmus [1].
Inkubationszeit: Laut RKI dauert sie bei P. falciparum 7 bis 15 Tage, bei P. vivax und P. ovale 12 bis 18 Tage und bei P. malariae 18 bis 40 Tage; längere Zeiten sind bei allen Formen möglich, zum Beispiel nach unzureichender Vorbeugung [1]. Jedes unklare Fieber ab dem siebten Tag nach dem ersten Betreten eines Malariagebiets und bis mehrere Monate, in Ausnahmefällen Jahre, nach der Rückkehr ist laut DTG malariaverdächtig [3].
Ursachen und Risikofaktoren
In der Regel überträgt der Stich einer weiblichen Stechmücke der Gattung Anopheles die Erreger [1]. Anopheles-Mücken sind laut DTG meist in der Dämmerung und nachts aktiv, es gibt aber auch tagaktive Arten [3]. Seltene Übertragungswege sind laut RKI Bluttransfusionen, gemeinsam benutzte, nicht ausreichend sterilisierte Spritzen, Nadelstichverletzungen und die Übertragung von der Mutter auf das ungeborene Kind; von Mensch zu Mensch ist eine direkte Ansteckung nicht möglich [1]. Sehr selten werden Mücken im Flugzeug oder im Gepäck eingeschleppt (Flughafen- oder Koffermalaria) [1, 2].
Wie hoch das Risiko ist, hängt laut DTG von der Aufenthaltsdauer, der Art der Unterkunft, der Jahreszeit und der Verbreitung infektiöser Mücken am Reiseziel ab [3]. Ein höheres Risiko haben laut DTG zum Beispiel Menschen, die Freunde und Familie in ihrem Herkunftsland besuchen, und Langzeitreisende [3]. Am stärksten gefährdet für eine schwere Erkrankung sind Menschen ohne Teilimmunität, unter ihnen besonders Kleinkinder und ältere Menschen [1]; die DTG nennt außerdem Schwangere, Menschen mit komplexen Vorerkrankungen, geschwächter Abwehr oder ohne Milz [3].
Diagnose
Bei jeder unklaren fieberhaften Erkrankung nach einem Tropenaufenthalt muss laut RKI immer eine Malaria in Betracht gezogen und unverzüglich eine Labordiagnostik veranlasst werden; auch eine regelrecht durchgeführte Malariaprophylaxe schließt eine Malaria nicht aus [1]. Reisende sollen ihre Ärztin oder ihren Arzt laut DTG aktiv auf die Reise und ihr Malariarisiko hinweisen [3].
Als Goldstandard gilt die mikroskopische Untersuchung des Blutes ("Dicker Tropfen" und Blutausstrich) [1, 3]. Ein negatives Ergebnis schließt die Erkrankung laut RKI nicht sicher aus; bei Verdacht muss die Untersuchung täglich wiederholt werden [1]. Schnelltests können falsch negativ ausfallen [1]. Zur Selbsttestung empfiehlt die DTG sie Reisenden nicht allgemein, nur in Ausnahmefällen nach Schulung für entlegene Gebiete [3]. Antikörpertests eignen sich laut RKI nicht für die Akutdiagnose [1].
Vorbeugung ohne Medikamente: Mückenschutz und Beratung
Reisende in Malariagebiete sollten sich laut RKI vor der Reise von einer Ärztin oder einem Arzt mit entsprechender Erfahrung über das Malariarisiko und die nötigen Vorsorgemaßnahmen beraten lassen [1]. Zur Beratung gehören laut Checkliste der DTG unter anderem Fragen nach Vorerkrankungen, regelmäßig eingenommenen Medikamenten, Allergien, Schwangerschaft oder Stillzeit und geplanten Aktivitäten wie Tauchen, Bergsteigen oder dem Steuern von Motorrädern oder Flugzeugen [3]. Schwangeren und Kindern unter 5 Jahren rät die DTG von Aufenthalten in Malaria-Hochrisikogebieten ab [3]. Mehr in den Ratgebern Reiseapotheke und Medikamente ins Ausland.
Mückenstiche konsequent zu vermeiden, ist laut DTG sehr wichtig, auch wenn Medikamente zur Vorbeugung eingenommen werden; der Schutz sollte tags wie nachts erfolgen, weil in Malariagebieten auch tagaktive Mücken andere Krankheiten wie Dengue übertragen [3]. Die DTG nennt [3]:
- lange, locker geschnittene, imprägnierte Kleidung; helle Farben schützen besser als dunkle,
- Mückenschutzmittel (Repellentien) auf unbedeckter Haut, aufgetragen 20 bis 30 Minuten nach dem Sonnenschutz; als Goldstandard gilt DEET, daneben gibt es Alternativen wie Icaridin,
- Aufenthalt in mückensicheren Räumen mit Klimaanlage oder Mückengitter,
- mit einem Insektizid imprägnierte Moskitonetze für den Schlaf.
Artemisininhaltige Teeaufgüsse sind laut DTG zur Vorbeugung nicht geeignet und können Reisende in lebensbedrohliche Situationen bringen [3].
Medikamente zur Vorbeugung und Behandlung

Malariamittel werden zur Vorbeugung, zur Notfallselbstbehandlung und zur Behandlung einer Malaria eingesetzt [3]. Welches Mittel infrage kommt, entscheidet die Ärztin oder der Arzt individuell [1, 3].
| Wirkstoffgruppe | Beispiele | Wie sie wirken | Häufige Nebenwirkungen |
|---|---|---|---|
| Atovaquon/Proguanil (feste Kombination), laut RKI zur Behandlung der unkomplizierten Malaria tropica [1], laut DTG auch zur Vorbeugung und Notfallselbstbehandlung [3] | Atovaquon/Proguanil (ohne eigene Wirkstoffseite), Filmtabletten; laut Packungsbeilage und Fachinformation zugelassen zur Vorbeugung der Malaria tropica ab 40 kg und zur Behandlung der akuten, unkomplizierten Malaria tropica ab 11 kg Körpergewicht [4, 5] | Tötet die Erreger im Blut ab und wirkt auch gegen die sich in der Leber vermehrenden Formen von P. falciparum, nicht gegen die Ruheformen von P. vivax; beide Wirkstoffe hemmen auf zwei verschiedenen Wegen die Herstellung von Bausteinen, die der Erreger für die Vervielfältigung seines Erbguts braucht [5] | Sehr häufig: Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, Bauchschmerzen, Durchfall. Häufig: Schwindel, Schlaflosigkeit, ungewöhnliche Träume, Depression, Appetitlosigkeit, Fieber, Hautausschlag mit möglichem Juckreiz, Husten, in Blutuntersuchungen Blutarmut, weniger weiße Blutkörperchen, niedriger Natriumspiegel und erhöhte Leberwerte [4] |
| Artemisinin-Kombinationen, laut RKI zur Behandlung der unkomplizierten Malaria tropica [1]; laut DTG nur zur Behandlung und Notfallselbstbehandlung, nicht zur Vorbeugung [3] | Artemether/Lumefantrin (Riamet, ohne eigene Wirkstoffseite), Tabletten, laut DTG die einzige in Deutschland verfügbare Artemisinin-Kombination [3]; laut Packungsbeilage nur zur Behandlung der akuten, unkomplizierten Malaria tropica ab 5 kg Körpergewicht [6] | Kombination aus zwei Malariamitteln, Artemether aus der Gruppe der Artemisinine und Lumefantrin [3, 6] | Sehr häufig: schneller Herzschlag, Kopfschmerzen, Schwindel, Husten, Erbrechen, Magen- oder Bauchschmerzen, Übelkeit, Gelenk- oder Muskelschmerzen, Appetitverlust, allgemeine Schwäche, Müdigkeit, Schlafstörungen. Häufig unter anderem: unwillkürliches Muskelzucken, Verlängerung des QTc-Intervalls im EKG, Anzeichen von Leberproblemen, Durchfall, Hautausschlag oder Juckreiz [6] |
| Artesunat in die Vene, laut RKI bei komplizierter Malaria tropica unter intensivmedizinischen Bedingungen [1] | Artesunat (Artesunate Amivas, ohne eigene Wirkstoffseite), Pulver und Lösungsmittel für eine Injektionslösung; laut Produktinformation zugelassen zur anfänglichen Behandlung der schweren Malaria bei Erwachsenen und Kindern [7] | Wird im Körper aktiviert; dabei entsteht ein freies Radikal, das an Eiweiße des Erregers bindet und seine Membranen schädigt [7] | Sehr häufig: Blutarmut, die sich auch noch mindestens 7 Tage oder mehrere Wochen nach der Behandlung entwickeln kann. Häufig unter anderem: Venenentzündung, veränderter Geschmack, Fieber, sehr dunkler Urin, eingeschränkte Nierenfunktion, Neigung zu Blutergüssen, Gelbsucht, Durchfall, Erbrechen, langsamer Herzschlag, niedriger Blutdruck, Schwindel, Kopfschmerzen [7] |
Sehr häufig bedeutet laut Packungsbeilage mehr als 1 von 10 Behandelten, häufig bis zu 1 von 10 [4]. Jede Angabe gilt nur für den Wirkstoff, bei dem sie steht; maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats. Mehr im Ratgeber Beipackzettel verstehen.
Vorbeugung mit Medikamenten (Chemoprophylaxe)
Bei Reisen in Gebiete mit hohem Übertragungsrisiko ist eine Vorbeugung mit Medikamenten laut DTG empfehlenswert und kann das Erkrankungsrisiko wesentlich senken [3]. In Gebieten mit mittlerem Malariarisiko wird sie in der Regel nicht empfohlen, ausgenommen für Schwangere [3]. Die Entscheidung über die Art der Vorbeugung muss laut RKI anhand von Reiseziel, Reisezeit, Reisedauer und Reisestil von der Ärztin oder dem Arzt individuell getroffen werden; dabei sind unter anderem Vorerkrankungen, Unverträglichkeiten und Besonderheiten bei der Einnahme zu beachten [1]. Einen absoluten Schutz bietet sie nicht [1].
Als zentrale Mittel zur Vorbeugung nennt die DTG Atovaquon/Proguanil, Doxycyclin und Mefloquin [3]. Doxycyclin ist in Deutschland für die Malariavorbeugung nicht zugelassen ("Off-Label") [3]; die Fachinformation von Doxy-M-ratiopharm nennt Malaria nicht unter den Anwendungsgebieten [8]. Mehr dazu im Ratgeber Off-Label-Use. Mefloquin ist laut DTG in Deutschland nicht mehr auf dem Markt, kann aber über Apotheken aus dem Ausland eingeführt werden [3]. Keines dieser Mittel verhindert laut DTG die Ruheformen der Erreger der Malaria tertiana [3]. Nach dem Verlassen des Malariagebiets muss die Vorbeugung fortgesetzt werden; wie lange, hängt vom Mittel ab [3]. Malariamittel sollten laut DTG nicht im tropischen Ausland mit unklarer Versorgungslage gekauft werden, weil Inhalt und Wirkstoffgehalt nicht gewährleistet werden können [3].
Notfallselbstbehandlung
Für Reisende in abgelegenen Regionen mit mittlerem Malariarisiko, die mehr als 48 Stunden von einer Einrichtung mit Malariadiagnostik und -behandlung entfernt sind, empfiehlt die DTG, ein Malariamittel zur Notfallselbstbehandlung mitzuführen; laut DTG ist das heute nur in sehr seltenen Fällen angezeigt [3]. Dabei wird ein Malariamittel in therapeutischer Dosis 3 Tage lang eingenommen [3]. Eine ärztliche Kontrolle ist auch danach dringend notwendig [3]. Laut RKI sollte die Notfallselbstbehandlung nur eine Notfallmaßnahme bis zum Erreichen ärztlicher Hilfe sein [1].
Behandlung einer Malaria
Wird eine Malaria festgestellt, muss laut RKI unverzüglich die geeignete Behandlung beginnen; sie sollte von einer tropenmedizinisch oder infektiologisch erfahrenen Ärztin oder einem solchen Arzt oder zumindest nach Rücksprache mit ihnen durchgeführt werden [1]. Die Behandlung einer Malaria tropica sollte laut RKI unbedingt stationär erfolgen, möglichst in einer Einrichtung mit tropenmedizinischer Erfahrung und intensivmedizinischen Möglichkeiten [1]. Die Therapie hängt vom Erreger, von Resistenzen, von einer vorher eingenommenen Vorbeugung und vom Krankheitsbild ab [1]. Atovaquon/Proguanil und Artemether/Lumefantrin sind zur Behandlung der akuten, unkomplizierten Malaria tropica zugelassen [5, 6], Artesunat zur anfänglichen Behandlung der schweren Malaria [7].
Bei der Malaria tertiana soll laut RKI nach der Behandlung eine weitere Behandlung folgen, um die Ruheformen in der Leber zu beseitigen und Rückfällen vorzubeugen; vorher muss ein Mangel des Enzyms Glucose-6-Phosphat-Dehydrogenase ausgeschlossen werden, weil sonst massiv rote Blutkörperchen zerfallen können [1]. Bei der Malaria quartana ist laut RKI keine Anschlussbehandlung gegen Ruheformen nötig, weil P. malariae keine bildet [1].
Schwangerschaft, Stillzeit und Kinder
Eine Malaria kann in der Schwangerschaft schwerer verlaufen und ist ein hohes Risiko für Mutter und Kind; Schwangere sollten Reisen in Malariagebiete laut DTG grundsätzlich vermeiden [3]. Für keines der Malariamittel besteht laut DTG Gewissheit, dass es für die Entwicklung des ungeborenen Kindes ohne Risiko ist, deshalb ist in jedem Einzelfall eine strenge Nutzen-Risiko-Abwägung nötig [3]. Mefloquin ist laut den DTG-Empfehlungen von 2026 ab dem ersten Schwangerschaftsdrittel zur Vorbeugung einsetzbar; Atovaquon/Proguanil sollte nur unter strenger Risikoabwägung verwendet werden [3]. Doxycyclin darf laut Fachinformation in Schwangerschaft und Stillzeit nicht angewendet werden [8]. Riamet wird laut Packungsbeilage in den ersten 3 Schwangerschaftsmonaten nicht empfohlen, wenn ein anderes Mittel möglich ist; während der Einnahme und mindestens 1 Woche danach sollte nicht gestillt werden [6]. Unter Atovaquon/Proguanil dürfen Sie laut Packungsbeilage nicht stillen [4]. Mehr im Ratgeber Medikamente in der Schwangerschaft.
Bei Kindern beginnt die Vorbeugung laut DTG mit konsequentem Mückenschutz, etwa Mückengittern und imprägnierten Moskitonetzen über Betten und Spielflächen [3]. Auch voll gestillte Säuglinge brauchen in Hochrisikogebieten eine eigene Vorbeugung, weil die Konzentration der Mittel in der Muttermilch nicht schützt [3]. Atovaquon/Proguanil ist als Präparat mit verringerter Wirkstoffmenge für Kinder ab 11 kg Körpergewicht zur Vorbeugung zugelassen [3]. Doxycyclin darf laut Fachinformation bei Kindern unter 8 Jahren nur bei schwerwiegenden oder lebensbedrohlichen Erkrankungen ohne angemessene Alternative angewendet werden [8]. Mehr im Ratgeber Medikamente bei Kindern.
Nebenwirkungen der Medikamente
Atovaquon/Proguanil: Bei Zeichen einer schweren allergischen Reaktion, etwa Hautausschlag mit Juckreiz, plötzlichem Keuchen, Engegefühl in Brust oder Hals, Atembeschwerden oder Schwellungen von Augenlidern, Gesicht, Lippen oder Zunge, nehmen Sie das Mittel laut Packungsbeilage nicht mehr ein und kontaktieren sofort Ihre Ärztin oder Ihren Arzt; bei schweren Hautreaktionen mit Blasen wenden Sie sich sofort an eine Ärztin oder einen Arzt [4]. Wer sich benommen fühlt, darf kein Fahrzeug steuern [4]. Mehr unter Arzneimittelallergie.
Artemether/Lumefantrin: Bei Ausschlag oder Schwellungen von Gesicht, Lippen, Zunge oder Rachen mit Schluck- oder Atembeschwerden informieren Sie laut Packungsbeilage sofort Ihre Ärztin oder Ihren Arzt [6]. Nicht eingenommen werden darf Riamet unter anderem bei Störungen des Herzrhythmus oder einer schweren Herzkrankheit und wenn Familienangehörige plötzlich an einem Herzproblem verstorben sind [6]. Bis zu wenige Wochen nach der Behandlung wurde ein Zerfall roter Blutkörperchen berichtet (verzögerte hämolytische Anämie) [6]; die DTG hält eine Kontrolle des Blutfarbstoffs etwa 2 Wochen nach der Behandlung für empfehlenswert [3]. Riamet kann müde, schwindlig oder schwach machen; dann sollten Sie kein Fahrzeug führen [6]. Mehr unter QT-Verlängerung.
Mefloquin: Nebenwirkungen zeigen sich laut DTG vor allem im seelischen und neurologischen Bereich, etwa verstärktes Träumen, Albträume und depressive Verstimmung; selten treten Sehstörungen, epileptische Anfälle und psychotische Beschwerden auf, die auch nach dem Absetzen anhalten können [3]. Laut einem Rote-Hand-Brief des Zulassungsinhabers vom September 2013 (vom BfArM am 10.09.2013 veröffentlicht) ist Mefloquin zur Vorbeugung unter anderem bei bestehenden oder früheren Depressionen, generalisierten Angstzuständen, Psychosen, Schizophrenie, Suizidversuchen, Suizidgedanken, selbstgefährdendem Verhalten oder anderen psychischen Störungen und bei Krampfanfällen in der Vorgeschichte kontraindiziert [9]. Treten Suizidgedanken, selbstgefährdendes Verhalten, starke Angst, Unruhe, Verwirrung, Halluzinationen, Depression oder andere seelische Veränderungen auf, soll die Einnahme laut Rote-Hand-Brief sofort beendet und umgehend ärztlicher Rat eingeholt werden [9]. Bei Sehstörungen, Herzrhythmusstörungen oder Herzklopfen soll laut Rote-Hand-Brief eine Ärztin oder ein Arzt aufgesucht werden; bei Zeichen einer Nervenschädigung wie Schmerzen, Brennen, Kribbeln, Taubheit oder Schwäche soll Mefloquin abgesetzt werden, um bleibenden Schäden vorzubeugen [9]. Wer eine ungestörte Aufmerksamkeit und Feinmotorik braucht, etwa beim Fliegen oder Tauchen, sollte laut DTG kein Mefloquin nehmen [3]. Mehr unter Depression durch Medikamente und Halluzinationen.
Doxycyclin: Sehr häufig sind laut Fachinformation Lichtempfindlichkeitsreaktionen der Haut, häufig unter anderem Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen und Hautausschläge; Sonnenbaden im Freien oder im Solarium sollte während der Einnahme vermieden werden [8]. Um Geschwüre der Speiseröhre zu vermeiden, sollte die Tablette mit einem Glas Wasser (keine Milch) und nicht unmittelbar vor dem Zubettgehen eingenommen werden [8]. Mehr unter Lichtempfindlichkeit.
Artesunat: Bei Atem- oder Schluckbeschwerden oder Schwellungen von Gesicht, Mund oder Rachen suchen Sie laut Packungsbeilage sofort eine Ärztin oder einen Arzt auf [7].
Nicht jedes Unwohlsein auf Reisen geht auf ein Malariamittel zurück: Laut DTG kann das Reisen selbst Beschwerden hervorrufen, und nicht jede körperliche Beschwerde sollte unmittelbar Anlass sein, die wichtige Vorbeugung abzubrechen [3]. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Nebenwirkungen können Sie Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke mitteilen oder direkt dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte melden [4]; wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden.
Nach der Reise
Alle Reisenden in Malariagebiete müssen laut DTG darüber informiert werden, dass auch noch Monate nach der Rückkehr bei Fieber oder anderen unklaren Beschwerden umgehend eine Malaria ausgeschlossen werden muss [3]. Wer sich in Malariagebieten aufgehalten hat, darf laut gesund.bund.de mindestens 6 Monate kein Blut spenden; nach einer überstandenen Malaria ist keine Blutspende mehr möglich [2]. Wiederholte Infektionen in einem Malariagebiet bewirken laut RKI nur eine zeitlich begrenzte Teilimmunität [1]. Zum Abhaken vor der Reise gibt es die Reise-Checkliste Medikamente.
Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen
Auf der Reise soll bei Fieber ab 38 °C (unter der Achsel gemessen), das über 24 Stunden anhält oder wiederkehrt, laut DTG umgehend medizinische Hilfe aufgesucht werden; die DTG rät, ein Fieberthermometer mitzunehmen [3]. Gehen Sie nach der Rückkehr umgehend zur Ärztin oder zum Arzt, wenn Beschwerden wie hohes Fieber, Kopfschmerzen, Zittern oder Müdigkeit auftreten [4], und nennen Sie Ihre Reise [3]. Bei Fieber eines Kindes während oder nach einem Aufenthalt in einem Malariagebiet sollte laut DTG unverzüglich medizinische Hilfe aufgesucht werden [3].
Krampfanfälle, Bewusstseinstrübung, Atemprobleme oder eine Gelbfärbung der Haut können auf einen schweren Verlauf hinweisen [1, 2]. Bewusstlosigkeit oder eine erhebliche Bewusstseinstrübung, schwere Atemnot und akute und anhaltende Krampfanfälle sind laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) Fälle für den Notruf 112; kann die Behandlung bei geschlossenen Praxen nicht bis zum nächsten Tag warten, hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117 [10].
Quellen
- Behörde RKI-Ratgeber Malaria (Abschnitte Erreger, Vorkommen, Infektionsweg, Inkubationszeit, Klinische Symptomatik, Dauer der Ansteckungsfähigkeit, Diagnostik, Therapie (Stand 04/2015), Präventive Maßnahmen (Stand 03/2024), Meldepflicht). Robert Koch-Institut (RKI). Stand Stand 07.03.2024. abgerufen am 18.10.2026
- Behörde Malaria. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de (geprüft durch die Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit). Stand 04.01.2024. abgerufen am 18.10.2026
- Empfehlungen zur Malariaprävention für Reisende, Ständiger Ausschuss Reisemedizin (StAR) der DTG; Rothe C et al., Flug u Reisemed 2026; 33: 165-203 (online 10.08.2026). Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit (DTG). Stand 2026. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Atovaquon/Proguanilhydrochlorid-ratiopharm 250 mg/100 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 06/2024. abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Atovaquon/Proguanilhydrochlorid-ratiopharm 250 mg/100 mg Filmtabletten (Version 3). ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Riamet 20 mg/120 mg Tabletten (Artemether und Lumefantrin). Novartis Pharma GmbH. Stand 09/2025. abgerufen am 18.10.2026
- EMA-Produktinformation Artesunate Amivas 110 mg Pulver und Lösungsmittel zur Herstellung einer Injektionslösung, Produktinformation (Anhang I Fachinformation, Anhang III B Packungsbeilage), Zulassung vom 22.11.2021. Amivas Ireland Ltd; Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA). Stand ohne Datumsangabe im Dokument. abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Doxy-M-ratiopharm 100 mg / 200 mg Tabletten (Version 12). ratiopharm GmbH. Stand 06/2025. abgerufen am 18.10.2026
- Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu Lariam (Mefloquin): Risiko neuropsychiatrischer und anderer schwerwiegender Nebenwirkungen sowie Aufnahme neuer Kontraindikationen. Roche Pharma AG in Abstimmung mit dem BfArM; veröffentlicht vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. Stand 10.09.2013. abgerufen am 18.10.2026
- Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Abschnitte "116117 oder 112? Für alle Fälle die richtige Nummer" und "Fälle für die Notrufnummer 112"). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
Häufige Fragen
Woran erkenne ich eine Malaria?
Die Beschwerden sind laut DTG unspezifisch: meist plötzlich hohes Fieber, Schüttelfrost, ein deutliches Krankheitsgefühl sowie Kopf- und Gliederschmerzen. Bei etwa einem Drittel kommt Durchfall dazu, bei Kindern oft Erbrechen. Laut Robert Koch-Institut werden solche Anzeichen häufig als grippaler Infekt oder Magen-Darm-Infektion fehlgedeutet. Ob es eine Malaria ist, lässt sich laut DTG nur durch eine Blutuntersuchung klären.
Wie lange nach der Reise kann eine Malaria noch ausbrechen?
Die Inkubationszeit beträgt laut DTG mindestens 6 bis 7 Tage. Laut RKI treten 90 Prozent der eingeschleppten Erkrankungen im ersten Monat nach der Rückkehr auf. Bei Fieber muss aber auch noch Monate nach der Rückkehr umgehend eine Malaria ausgeschlossen werden; Rückfälle einer Malaria tertiana sind laut RKI bis zu 2 Jahre (P. vivax) beziehungsweise 5 Jahre (P. ovale) nach der Infektion möglich. Weisen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt immer auf Ihre Reise hin.
Welche Tabletten nimmt man zur Malariavorbeugung?
Das legt die Ärztin oder der Arzt in einer reisemedizinischen Beratung fest, abhängig von Reiseziel, Reisezeit, Reisedauer und Reisestil sowie von Vorerkrankungen und Unverträglichkeiten. Als zentrale Mittel nennt die DTG Atovaquon/Proguanil, Doxycyclin und Mefloquin; Doxycyclin ist in Deutschland für die Malariavorbeugung nicht zugelassen. In Gebieten mit mittlerem Malariarisiko wird laut DTG in der Regel keine Vorbeugung mit Medikamenten empfohlen, ausgenommen für Schwangere. Kaufen Sie Malariamittel laut DTG nicht im tropischen Ausland mit unklarer Versorgungslage, weil Inhalt und Wirkstoffgehalt nicht gewährleistet sind.
Schützt eine Malariaprophylaxe sicher?
Nein. Die Vorbeugung mit Medikamenten bietet laut RKI keinen absoluten Schutz, erhöht aber die Sicherheit maßgeblich. Mückenschutz bleibt laut DTG auch bei Einnahme von Malariamitteln wichtig. Keines der in Deutschland zur Vorbeugung verwendeten Mittel verhindert die Ruheformen der Erreger einer Malaria tertiana; sie kann deshalb auch nach regelrechter Einnahme auftreten.
Was ist eine Notfallselbstbehandlung?
Dabei nimmt man laut DTG ein Malariamittel in therapeutischer Dosis über 3 Tage selbst ein. Mitführen sollen sie laut DTG nur Reisende in Gebieten mit mittlerem Malariarisiko, die nicht sicher innerhalb von 48 Stunden medizinische Versorgung erreichen können; Langzeitreisende sollten sie zusätzlich zu einer Vorbeugung mit Medikamenten mitführen. Auch nach einer Notfallselbstbehandlung ist eine ärztliche Kontrolle dringend notwendig. Ob und welches Mittel Sie mitnehmen, wird in der reisemedizinischen Beratung entschieden.
Gibt es eine Impfung gegen Malaria?
Für Reisende nicht. Laut DTG werden zwei Impfstoffe in Ländern mit sehr hohem Malariarisiko bei Kindern ab 5 Monaten eingesetzt; wegen unsicheren Schutzes spielen sie für Reisende aus Gebieten ohne Malaria keine Rolle. Zu Reiseimpfungen siehe zum Beispiel Gelbfieber-Impfung und Dengue-Impfung.
Ist Malaria ansteckend?
Eine direkte Ansteckung von Mensch zu Mensch ist laut RKI nicht möglich. Selten können die Erreger über Blut, etwa bei Transfusionen oder über verunreinigte Spritzen, oder in der Schwangerschaft auf das ungeborene Kind übertragen werden.
Darf ich in der Schwangerschaft in ein Malariagebiet reisen?
Schwangere sollten Reisen in Malariagebiete laut DTG grundsätzlich vermeiden, weil eine Malaria in der Schwangerschaft schwerer verlaufen kann und ein hohes Risiko für Mutter und Kind darstellt. Ist die Reise nicht vermeidbar, sind konsequenter Mückenschutz und eine Vorbeugung mit Medikamenten nötig; für keines der Mittel gibt es laut DTG Gewissheit, dass es für die Entwicklung des ungeborenen Kindes ohne Risiko ist, deshalb ist eine strenge Abwägung im Einzelfall erforderlich. Doxycyclin darf laut Fachinformation in Schwangerschaft und Stillzeit nicht angewendet werden.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
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