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Urologika: Prostata-, Blasen- und Potenzmittel (inkl. PDE-5-Hemmer)

Zu den Urologika auf dieser Seite gehören Alpha-Blocker wie Tamsulosin und 5-Alpha-Reduktasehemmer wie Finasterid gegen Beschwerden einer gutartigen Prostatavergrößerung, PDE-5-Hemmer wie Sildenafil und Tadalafil gegen Erektionsstörungen und Anticholinergika wie Solifenacin gegen eine überaktive Blase. Als Nebenwirkungen nennen Fachinformationen und IQWiG je nach Untergruppe unter anderem Schwindel durch Blutdruckabfall und Ejakulationsstörungen (Alpha-Blocker), Erektionsstörungen und weniger Lust auf Sex (Finasterid), Kopfschmerzen und Gesichtsrötung (PDE-5-Hemmer) sowie Mundtrockenheit und Verstopfung (Anticholinergika). PDE-5-Hemmer dürfen laut Fachinformation nicht zusammen mit Nitraten angewendet werden.

Mann Anfang sechzig mit grauem Haar sitzt in einer hellen Hausarztpraxis und spricht mit seiner Ärztin
Bild: KI-generiert

Diese Seite beschreibt vier Wirkstoffgruppen gegen Prostata-, Blasen- und Erektionsbeschwerden: Alpha-Blocker wie Tamsulosin, Alfuzosin, Silodosin und Doxazosin sowie den 5-Alpha-Reduktasehemmer Finasterid bei gutartiger Prostatavergrößerung, die PDE-5-Hemmer Sildenafil und Tadalafil bei Erektionsstörungen und die Anticholinergika Trospiumchlorid, Solifenacin und Propiverin bei überaktiver Blase [1, 2, 3, 4, 5, 7, 9, 10, 11, 12]. Alle sind laut Fachinformation verschreibungspflichtig [1, 2, 3, 4, 5, 7, 9, 10, 11, 12]. Einzelheiten stehen auf den verlinkten Wirkstoffseiten.

Was sind Urologika?

Zu welcher Gruppe ein Mittel gehört, steht in Abschnitt 5.1 der Fachinformation unter "Pharmakotherapeutische Gruppe": Tamsulosin ist dort als Alpha-1A-Adrenorezeptor-Blocker eingeordnet, Alfuzosin, Silodosin und Doxazosin als Alpha-Adrenozeptor-Antagonisten (Alpha-Blocker), Finasterid als Testosteron-5-Alpha-Reduktasehemmer. Sildenafil und Tadalafil gehören zur Gruppe "Urologika, Mittel bei erektiler Dysfunktion", Solifenacin zur Gruppe "Urologika, Mittel bei häufiger Blasenentleerung und Harninkontinenz" [1, 2, 3, 4, 5, 7, 9, 11]. Die hier beschriebenen Alpha-Blocker Alfuzosin, Doxazosin, Silodosin und Tamsulosin enden auf "-osin"; Sildenafil, Tadalafil und Vardenafil, die die Fachinformation von Doxazosin als PDE-5-Hemmer nennt, enden auf "-afil" [1, 2, 3, 4].

Wie Urologika wirken

Alpha-Blocker: Tamsulosin bindet laut Fachinformation selektiv an Alpha-1-Rezeptoren, vor allem der Untertypen α1A und α1D, und entspannt die glatte Muskulatur von Prostata und Harnröhre [1]. Alfuzosin bindet gezielt an Alpha-1-Rezeptoren im Blasendreieck, in der Harnröhre und in der Prostata; Silodosin wirkt an α1A-Rezeptoren in Prostata, Blase, Blasenhals und Harnröhre und hat eine wesentlich geringere Affinität zu den α1B-Rezeptoren, die vorwiegend im Herz-Kreislauf-System liegen [2, 3]. Doxazosin ist laut Fachinformation ein selektiver Alpha-1-Blocker, dessen Wirkung zu einer Senkung des Blutdrucks führt [4]. Da Alpha-Blocker auch den Blutdruck senken, können sie laut IQWiG zu Schwindel führen [13].

5-Alpha-Reduktasehemmer: Finasterid hemmt das Enzym 5-Alpha-Reduktase Typ II, das Testosteron in das stärker wirksame männliche Hormon Dihydrotestosteron (DHT) umwandelt; Funktion und Wachstum der Prostata hängen von dieser Umwandlung ab [5]. Laut IQWiG wird die Prostata dadurch kleiner; die Wirkung setzt sehr langsam ein, und es kann mehrere Monate dauern, bis sich die Beschwerden bessern [13].

PDE-5-Hemmer: Sildenafil und Tadalafil hemmen das Enzym Phosphodiesterase Typ 5 (PDE5) [7, 9]. Bei sexueller Stimulation wird im Schwellkörper Stickstoffmonoxid freigesetzt, das den Botenstoff cGMP erhöht; cGMP entspannt die glatte Muskulatur, sodass Blut in den Penis fließt, und PDE5 baut cGMP ab [7, 9]. Ohne sexuelle Stimulation wirken die Mittel bei Erektionsstörungen nicht [7, 9]. Beide erweitern Gefäße und bewirken eine leichte und vorübergehende Blutdrucksenkung [7, 9].

Anticholinergika: Trospiumchlorid gehört laut Fachinformation zu den Parasympatholytika oder Anticholinergika: Es konkurriert mit dem körpereigenen Botenstoff Acetylcholin um Bindungsstellen und entspannt über Muskarin-Rezeptoren die glatte Muskulatur; außerdem hemmt es die Absonderung von Bronchialsekret, Speichel und Schweiß und lähmt die Naheinstellung des Auges (Akkommodation) [10]. Acetylcholin bringt den Blasenmuskel über Muskarin-Rezeptoren, hauptsächlich den Untertyp M3, zum Zusammenziehen; Solifenacin hemmt diesen Untertyp [11]. Propiverin hemmt den Calcium-Einstrom in die glatte Muskulatur der Harnblase und wirkt anticholinerg [12].

Wofür Urologika eingesetzt werden

Die zugelassenen Anwendungsgebiete laut Fachinformation:

  • Tamsulosin, Silodosin: Beschwerden einer gutartigen Prostatavergrößerung (benigne Prostatahyperplasie, BPH) [1, 3].
  • Alfuzosin: mäßige bis schwere Beschwerden einer BPH, auch begleitend bei einem akuten Harnverhalt durch BPH mit Blasenkatheter und nach dessen Entfernung [2].
  • Doxazosin: Bluthochdruck und Beschwerden einer BPH [4].
  • Finasterid (5-mg-Tabletten): Behandlung der BPH, um eine Rückbildung der Prostata zu erreichen, Harnfluss und Beschwerden zu verbessern und das Risiko eines akuten Harnverhalts und einer Operation zu vermindern [5]. Niedrig dosierte Tabletten sind laut Rote-Hand-Brief zur Behandlung von männlichem Haarausfall in einem frühen Stadium (androgenetische Alopezie) angezeigt [6].
  • Tadalafil: Erektionsstörungen und Beschwerden eines benignen Prostatasyndroms bei erwachsenen Männern [7].
  • Sildenafil: Erektionsstörungen bei erwachsenen Männern [9].
  • Trospiumchlorid, Solifenacin, Propiverin: häufiger und plötzlicher, zwingender Harndrang und Dranginkontinenz bei überaktiver Blase; Trospiumchlorid und Propiverin auch bei einer Überaktivität des Blasenmuskels infolge von Nervenerkrankungen bzw. Rückenmarkschädigungen [10, 11, 12].

Vor einer Behandlung der Prostatavergrößerung soll laut Fachinformationen ein Prostatakrebs ausgeschlossen werden, der die gleichen Beschwerden verursachen kann [3, 4, 7]. Bei einer überaktiven Blase sind vorher andere Ursachen wie Herz- oder Nierenerkrankungen und Harnwegsinfektionen auszuschließen [10, 11, 12]. Vor einer Behandlung von Erektionsstörungen soll die Ärztin oder der Arzt den Zustand von Herz und Kreislauf erheben, weil mit sexueller Aktivität ein gewisses Herzrisiko verbunden ist [7, 9].

Wirkstoffe der Gruppe

Diese Wirkstoffe sind auf dieser Website mit einem geprüften Wirkstoff-Steckbrief beschrieben:

  • Alfuzosinz. B. Alfuzosin-ratiopharm uno, Alfuzosin STADABeschwerden bei gutartiger Prostatavergrößerung
  • Doxazosinz. B. Doxazosin-ratiopharm, Doxazosin AbZBluthochdruck, gutartige Prostatavergrößerung
  • Finasteridz. B. Finasterid STADA 1 mg, Finasterid STADA 5 mg, PropeciaGutartige Prostatavergrößerung (5 mg), Haarausfall vom männlichen Typ (1 mg)
  • Propiverinz. B. Mictonetten, Mictonorm FT, Mictonorm UnoÜberaktive Blase, Harninkontinenz, häufiges Wasserlassen, Harndrang
  • Sildenafilz. B. Revatio, Sildenafil ratiopharm, VIAGRAErektionsstörungen bei erwachsenen Männern
  • Silodosinz. B. Silodosin Zentiva, UrorecBeschwerden bei gutartiger Prostatavergrößerung
  • Solifenacinz. B. Solifenacin-ratiopharm, Solifenacin AbZÜberaktive Blase: plötzlicher, zwingender Harndrang, häufiges Wasserlassen, Dranginkontinenz
  • Tadalafilz. B. Cialis, Tadalafil AbZ, Tadalafil PAH-ratiopharmErektionsstörungen, Beschwerden bei gutartiger Prostatavergrößerung
  • Tamsulosinz. B. Tamsulosin AbZ, Tamsulosin-CT, Tamsulosin-ratiopharmBeschwerden beim Wasserlassen bei gutartiger Prostatavergrößerung
  • Trospiumchloridz. B. Spasmex, TrospiInstabile oder überaktive Blase: häufiger, nicht unterdrückbarer Harndrang, Dranginkontinenz

Als 5-Alpha-Reduktasehemmer werden laut IQWiG in Deutschland fast ausschließlich Finasterid oder ein Kombinationsmedikament aus Dutasterid und Tamsulosin eingesetzt [13].

Typische Nebenwirkungen

Mann um die siebzig mit weißem Haar und Brille sitzt auf einer Parkbank und trinkt aus einer Wasserflasche
Bild: KI-generiert

Die vollständige Liste steht in der Packungsbeilage Ihres Präparats und auf den Wirkstoffseiten. Als mögliche Nebenwirkungen nennt das IQWiG bei Alpha-Blockern Schwindel und Ejakulationsstörungen, bei 5-Alpha-Reduktasehemmern Erektionsstörungen, Störungen beim Samenerguss, ein verringertes Lustempfinden, Müdigkeit und eine Vergrößerung der Brustdrüsen [13]. Wie die Produktinformationen der einzelnen Wirkstoffe ausgewählte Nebenwirkungen einstufen, zeigt die Tabelle; was die Angaben bedeuten, erklärt der Ratgeber Beipackzettel verstehen.

Häufigkeit ausgewählter Nebenwirkungen je Wirkstoff: Angaben aus der Produktinformation
WirkstoffSchwindelNiedriger BlutdruckKopfschmerzenMundtrockenheitSehstörungenErektionsstörungen
AlfuzosinHäufigGelegentlichHäufigGelegentlichGelegentlichnicht genannt
DoxazosinHäufigHäufigHäufigHäufigSehr seltenGelegentlich
Finasteridnicht genanntnicht genanntnicht genanntnicht genanntnicht genanntHäufig
PropiverinGelegentlichGelegentlichHäufigSehr häufigHäufignicht genannt
SildenafilHäufigGelegentlichSehr häufigGelegentlichHäufignicht genannt
SilodosinHäufigHäufignicht genanntGelegentlichnicht genanntGelegentlich
SolifenacinSeltennicht genanntSeltenSehr häufigHäufignicht genannt
TadalafilGelegentlichGelegentlichHäufignicht genanntGelegentlichnicht genannt
TamsulosinHäufigGelegentlichGelegentlichNicht bekanntNicht bekanntnicht genannt
Trospiumchloridnicht genanntnicht genanntnicht genanntSehr häufigGelegentlichnicht genannt

Angaben aus der Packungsbeilage bzw. Fachinformation des jeweiligen Wirkstoffs; die Quellen stehen auf der Wirkstoffseite. "nicht genannt" heißt: Die Wirkstoffseite führt diese Beschwerde nicht als eigene Nebenwirkung auf. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats. Zeilen, die in der Produktinformation gesondert für Kinder oder Jugendliche aufgeführt sind, sind nicht berücksichtigt; sie stehen auf der Wirkstoffseite. Die Tabelle umfasst nur Wirkstoffe, die auf dieser Website mit geprüftem Datensatz beschrieben sind.

Hinter der Spalte "Sehstörungen" stehen bei Sildenafil unter anderem Störungen des Farbsehens, bei den Anticholinergika verschwommenes Sehen und Störungen der Naheinstellung des Auges [9, 10, 11, 12]. Bei Sildenafil und Tadalafil sind Erektionsstörungen das Anwendungsgebiet; die Spalte "Erektionsstörungen" zeigt dort deshalb keinen Eintrag [7, 9].

Schwindel und Blutdruckabfall beim Aufstehen

Wie bei anderen Alpha-1-Blockern kann es laut Fachinformation von Tamsulosin in Einzelfällen zu einem Blutdruckabfall kommen, selten mit Ohnmacht (Synkope); bei ersten Anzeichen wie Schwindel oder Schwäche sollen Sie sich hinsetzen oder hinlegen, bis die Beschwerden abgeklungen sind [1, 3]. Bei Doxazosin kann der Blutdruck besonders am Anfang der Behandlung beim Lagewechsel abfallen; zu Beginn sollen Situationen gemieden werden, in denen Schwindel oder Schwäche zu Verletzungen führen könnten [4]. Bei Alfuzosin kann ein solcher Blutdruckabfall in den ersten Stunden nach der Einnahme auftreten, gewöhnlich vorübergehend und zu Beginn der Behandlung; bei älteren Menschen kann das Risiko stärker ausgeprägt sein [2]. Mehr unter Schwindel und niedriger Blutdruck.

Samenerguss, Erektion und Lust auf Sex

Ejakulationsstörungen, darunter ein Samenerguss in die Harnblase (retrograde Ejakulation) und ein Ausbleiben des Samenergusses, stuft die Fachinformation von Tamsulosin als häufig ein, also bei bis zu 1 von 10 Behandelten [1]. Bei Silodosin waren Ejakulationsstörungen laut Fachinformation mit 23 Prozent die am häufigsten berichtete Nebenwirkung; sie können die Zeugungsfähigkeit vorübergehend beeinträchtigen und klingen wenige Tage nach dem Absetzen ab [3]. Unter Finasterid sind Impotenz und verminderte Libido die häufigsten Nebenwirkungen; sie treten zu Beginn der Behandlung auf und bilden sich bei der Mehrheit im Verlauf zurück [5]. Ohne bekannte Häufigkeit nennt die Fachinformation Erektionsstörungen und eine verminderte Libido, die auch nach dem Absetzen andauerten, sowie Unfruchtbarkeit und schlechte Samenqualität [5]. Mehr unter Libido- und Potenzprobleme.

Floppy-Iris-Syndrom bei Augenoperationen

Während einer Operation am Grauen Star (Katarakt) wurde bei manchen Männern, die gleichzeitig oder früher mit Alpha-1-Blockern behandelt wurden, ein intraoperatives Floppy-Iris-Syndrom (IFIS) beobachtet, eine Variante des Syndroms der engen Pupille; es kann die Komplikationsrate während der Operation erhöhen [3]. Die Fachinformationen von Alfuzosin und Doxazosin beschreiben es bei Männern unter Tamsulosin; weil es vereinzelt auch bei anderen Alpha-Blockern gemeldet wurde, kann ein Gruppeneffekt nicht ausgeschlossen werden [2, 4]. IFIS wurde auch berichtet, wenn Tamsulosin längere Zeit vor der Operation abgesetzt worden war [1]. Eine Behandlung mit Tamsulosin oder Silodosin soll nicht begonnen werden, wenn eine Kataraktoperation (bei Tamsulosin auch eine Glaukomoperation) geplant ist [1, 3].

Dauererektion (Priapismus)

Eine lang anhaltende, möglicherweise schmerzhafte Erektion (Priapismus) beschreiben die Fachinformationen bei Alpha-Blockern wie Alfuzosin und Doxazosin sowie bei Sildenafil und Tadalafil [2, 4, 7, 9]. Dauert eine Erektion länger als 4 Stunden, ist sofort ärztliche Hilfe nötig: Wird ein Priapismus nicht umgehend behandelt, können das Penisgewebe geschädigt werden und ein dauerhafter Potenzverlust folgen [2, 4, 7, 9].

PDE-5-Hemmer: Gesichtsrötung, Sehen und Hören

Neben Kopfschmerzen (Tabelle) stufen die Packungsbeilagen von Sildenafil und Tadalafil eine Gesichtsrötung und eine verstopfte Nase als häufig ein, also bei bis zu 1 von 10 Behandelten [8, 9]. Sehstörungen und Fälle einer nicht arteriitischen anterioren ischämischen Optikusneuropathie (NAION), einer seltenen Erkrankung des Sehnervs, sind laut den Fachinformationen im Zusammenhang mit Sildenafil, Tadalafil und anderen PDE-5-Hemmern berichtet worden [7, 9]. Bei einer plötzlichen Sehstörung sollen Sie das Mittel absetzen und sofort ärztliche Hilfe suchen [7, 9]. Laut Fachinformation von Tadalafil wurden auch Fälle von plötzlichem Hörverlust berichtet; dann soll die Anwendung beendet und sofort ärztlicher Rat eingeholt werden [7]. Schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse wie Herzinfarkt, plötzlicher Herztod und Schlaganfall wurden im zeitlichen Zusammenhang gemeldet; die meisten Betroffenen hatten vorbestehende Risikofaktoren [7, 9].

Anticholinergika: Mund, Darm, Blase und Augen

Neben Mundtrockenheit und Sehstörungen (Tabelle) stufen die Fachinformationen von Trospiumchlorid, Solifenacin und Propiverin Verstopfung als häufig ein, also bei bis zu 1 von 10 Behandelten [10, 11, 12]. Ein Harnverhalt ist bei Trospiumchlorid und Solifenacin eine Gegenanzeige, bei Propiverin eine ausgeprägte Abflussstörung mit vorhersehbarem Harnverhalt; Trospiumchlorid und Solifenacin sind bei einer Abflussbehinderung mit Risiko für Restharn bzw. Harnverhalt nur mit Vorsicht anzuwenden [10, 11, 12]. Wie andere Anticholinergika erweitert Propiverin laut Fachinformation die Pupille; bei engem Kammerwinkel kann ein erhöhtes Risiko für Glaukomanfälle bestehen, und es wurde berichtet, dass Wirkstoffe dieser Klasse, einschließlich Propiverin, akute Engwinkelglaukomanfälle auslösen oder verstärken können [12]. Durch Störungen der Naheinstellung des Auges kann die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigt sein; Propiverin kann außerdem Benommenheit hervorrufen [10, 12]. Sehr selten nennt die Fachinformation von Solifenacin Halluzinationen und Verwirrtheit [11]. Mehr unter Mundtrockenheit, Verstopfung und Blasenprobleme.

Finasterid: Stimmung, Brust und PSA-Wert

Unter Finasterid wurde über Stimmungsänderungen einschließlich depressiver Verstimmung, Depression und, seltener, Suizidgedanken berichtet; treten solche Beschwerden auf, sollen die Betroffenen ärztlichen Rat einholen [5]. Ein Rote-Hand-Brief vom 15.09.2025 bestätigt Suizidgedanken als Nebenwirkung von Finasterid zum Einnehmen mit nicht bekannter Häufigkeit, berichtet vor allem bei der Behandlung von Haarausfall; wer Finasterid gegen Haarausfall einnimmt, soll die Behandlung bei depressiver Stimmung, Depression oder Suizidgedanken abbrechen und ärztlichen Rat einholen [6]. Wegen des gemeinsamen Wirkmechanismus sollen auch Männer unter Dutasterid bei Stimmungsänderungen unverzüglich ärztlichen Rat einholen, obwohl die Belege für einen direkten Zusammenhang unzureichend sind [6]. Veränderungen des Brustgewebes wie Knoten, Schmerzen, Vergrößerung oder Ausfluss aus der Brustwarze sollen Sie unverzüglich melden; Brustkrebs bei Männern wurde unter Finasterid berichtet [5]. Finasterid senkt den PSA-Wert im Blut, der zur Erkennung von Prostatakrebs dient, um etwa die Hälfte; informieren Sie vor einem PSA-Test über die Einnahme [5, 13].

Wichtige Wechselwirkungen

Diese Wechselwirkungen beschreiben die Fachinformationen der einzelnen Wirkstoffe [1, 2, 3, 4, 7, 9, 10, 11, 12]:

Wichtige Wechselwirkungen von Prostata-, Blasen- und Potenzmitteln (Auswahl)
Zusammen mitWas passieren kann
Nitrate in jeder Form und Stickstoffmonoxid-Donatoren wie AmylnitritSildenafil und Tadalafil verstärken die blutdrucksenkende Wirkung; die Kombination ist eine Gegenanzeige [7, 9]. Ist ein Nitrat in einer lebensbedrohlichen Lage nötig, sollen seit der letzten Einnahme von Tadalafil mindestens 48 Stunden vergangen sein [7]. Alfuzosin mit Nitraten: Vorsicht [2]
Riociguat (gegen Lungenhochdruck)Mit PDE-5-Hemmern Gegenanzeige, weil ein Blutdruckabfall mit Beschwerden möglich ist [7, 9]
Alpha-Blocker zusammen mit PDE-5-HemmernBlutdruckabfall mit Beschwerden möglich; die Kombination von Tadalafil und Doxazosin wird nicht empfohlen [4, 7, 9]. Unter Silodosin und einem PDE-5-Hemmer sollen Patienten auf Nebenwirkungen überwacht werden [3]
Andere Alpha-Blocker und BlutdrucksenkerDoxazosin verstärkt die blutdrucksenkende Wirkung anderer Alpha-Blocker und anderer Blutdrucksenker [4]; bei Tamsulosin könnte die gleichzeitige Gabe anderer Alpha-1-Blocker zu blutdrucksenkenden Wirkungen führen [1]. Mit Alfuzosin ist ein weiterer Alpha-1-Blocker eine Gegenanzeige, mit Silodosin wird er nicht empfohlen; Blutdrucksenker zusammen mit Alfuzosin oder Silodosin: Vorsicht [2, 3]
Ritonavir und andere starke CYP3A4-Hemmer wie Ketoconazol, Itraconazol oder ClarithromycinHöhere Spiegel von Tamsulosin, Alfuzosin, Silodosin, Sildenafil, Tadalafil und Solifenacin im Blut [1, 2, 3, 7, 9, 11]; bei Doxazosin ist Vorsicht geboten [4]. Ritonavir ist mit Alfuzosin eine Gegenanzeige (starker Blutdruckabfall möglich), mit Sildenafil wird es nicht empfohlen [2, 9]
Andere anticholinerg wirkende Mittel, z. B. trizyklische Antidepressiva, Amantadin, AntihistaminikaWirkungen und Nebenwirkungen der Anticholinergika können sich verstärken [10, 11, 12]
Metoclopramid und andere ProkinetikaIhre Wirkung kann durch Anticholinergika abgeschwächt werden [10, 11, 12]
NarkosemittelUnter Alfuzosin Blutdruckschwankungen möglich [2]

Die Liste ist nicht vollständig. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke, bevor Sie ein neues Mittel dazunehmen, auch ein Potenzmittel oder ein rezeptfreies Mittel. Mehr im Ratgeber Wechselwirkungen.

Wann Urologika nicht oder nur mit Vorsicht angewendet werden

Alpha-Blocker: Eine orthostatische Hypotonie in der Vorgeschichte (Tamsulosin, Doxazosin) bzw. Beschwerden durch eine orthostatische Hypotonie (Alfuzosin) sind Gegenanzeigen, bei Silodosin wird die Behandlung bei orthostatischer Hypotonie nicht empfohlen [1, 2, 3, 4]. Weitere Gegenanzeigen sind eine schwere Leberinsuffizienz bei Tamsulosin und eine Leberinsuffizienz bei Alfuzosin [1, 2]. Doxazosin darf unter anderem nicht bei einer Prostatavergrößerung mit Stauung der oberen Harnwege, chronischem Harnwegsinfekt oder Blasensteinen und nicht bei einer Verengung des Verdauungstrakts angewendet werden [4]. Vorsicht gilt bei akuter Herzschwäche [2, 4].

Finasterid ist weder für Frauen noch für Kinder angezeigt und bei Frauen, die schwanger sind oder sein könnten, eine Gegenanzeige [5]. Bei großem Restharnvolumen oder stark vermindertem Harnfluss ist eine sorgfältige Überwachung nötig [5].

PDE-5-Hemmer dürfen nicht angewendet werden bei gleichzeitiger Anwendung von Nitraten oder Riociguat, bei Herzerkrankungen, bei denen von sexueller Aktivität abzuraten ist, nach einem kürzlichen Herzinfarkt oder Schlaganfall, bei einem Blutdruck unter 90/50 mmHg und nach einem Sehverlust durch NAION [7, 9]. Bei Sildenafil sind außerdem eine schwere Leberinsuffizienz und erbliche Netzhauterkrankungen wie Retinitis pigmentosa Gegenanzeigen [9].

Anticholinergika dürfen nicht angewendet werden bei Myasthenia gravis, einem Engwinkelglaukom (bei Propiverin unbehandelt) und schweren entzündlichen Darmerkrankungen bzw. einem toxischen Megakolon; Trospiumchlorid und Propiverin auch nicht bei schnellem, unregelmäßigem Herzschlag (Tachyarrhythmie) [10, 11, 12]. Trifft ein Punkt auf Sie zu, besprechen Sie das mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Schwangerschaft und Stillzeit

Tamsulosin ist laut Fachinformation nicht für die Behandlung von Frauen angezeigt, Silodosin nur für die Anwendung bei Männern bestimmt; für Alfuzosin bezeichnet die Fachinformation Angaben zu Schwangerschaft und Stillzeit als nicht relevant [1, 2, 3]. Doxazosin darf bei Bluthochdruck in der Schwangerschaft nur angewendet werden, wenn der mögliche Nutzen das Risiko überwiegt; in der Stillzeit gilt Entsprechendes nach ärztlicher Abwägung [4]. Tadalafil und Sildenafil sind nicht zur Anwendung bei Frauen angezeigt; Tadalafil soll als Vorsichtsmaßnahme in der Schwangerschaft vermieden und in der Stillzeit nicht angewendet werden [7, 9].

5-Alpha-Reduktasehemmer wie Finasterid können laut Fachinformation Fehlbildungen der äußeren Geschlechtsorgane männlicher Ungeborener hervorrufen, wenn eine Schwangere sie aufnimmt [5]. Frauen, die schwanger sind oder sein könnten, dürfen zerbrochene oder zerstoßene Tabletten nicht berühren; der Filmüberzug verhindert bei unbeschädigten Tabletten den Kontakt mit dem Wirkstoff [5]. Kleine Mengen Finasterid wurden im Sperma gefunden; ist die Partnerin schwanger oder könnte sie es sein, soll ihr Kontakt mit dem Sperma auf ein Minimum beschränkt werden [5].

Trospiumchlorid soll in Schwangerschaft und Stillzeit nur unter strenger Indikationsstellung angewendet werden, weil keine Erfahrungen beim Menschen vorliegen [10]. Bei Solifenacin ist in der Schwangerschaft Vorsicht geboten, in der Stillzeit ist die Anwendung zu vermeiden [11]. Propiverin wird in der Schwangerschaft nicht empfohlen; in der Stillzeit wird zwischen Stillen und Behandlung abgewogen [12]. Mehr im Ratgeber Medikamente in der Schwangerschaft.

Unterschied zu Blutdrucksenkern

Doxazosin ist bei Bluthochdruck und bei Prostatavergrößerung zugelassen [4]. Tamsulosin und Silodosin sind dagegen nur für Prostatabeschwerden zugelassen; Silodosin hat eine wesentlich geringere Affinität zu den Alpha-1B-Rezeptoren des Herz-Kreislauf-Systems, und in Studien mit Tamsulosin wurde keine klinisch relevante Blutdrucksenkung beschrieben [1, 3]. Doxazosin verstärkt laut Fachinformation die blutdrucksenkende Wirkung anderer Blutdrucksenker; laut Fachinformation von Alfuzosin wurde bei Männern mit Herzerkrankung oder Blutdrucksenkern über einen deutlichen Blutdruckabfall berichtet [2, 4]. Andere Blutdrucksenker beschreiben die Seiten ACE-Hemmer, Sartane, Betablocker und Calciumkanalblocker.

Quellen

  1. Fachinformation Fachinformation Tamsulosin-ratiopharm® 0,4 mg Hartkapseln mit veränderter Wirkstofffreisetzung. ratiopharm GmbH. Stand 08/2026. abgerufen am 12.10.2026
  2. Fachinformation Fachinformation Alfuzosin-ratiopharm® uno 10 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 03/2026. abgerufen am 12.10.2026
  3. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Urorec 8 mg/4 mg Hartkapseln (Silodosin), Anhang I: Fachinformation. Recordati Ireland Ltd.. Stand 05/2025. abgerufen am 12.10.2026
  4. Fachinformation Fachinformation Doxazosin-ratiopharm® 4 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2023. abgerufen am 12.10.2026
  5. Fachinformation Fachinformation Finasterid STADA® 5 mg Filmtabletten. STADAPHARM GmbH. Stand 08/2025. abgerufen am 12.10.2026
  6. Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief Finasterid, Dutasterid: Neue Maßnahmen zur Minimierung des Risikos für Suizidgedanken. Zulassungsinhaber in Abstimmung mit EMA und BfArM (veröffentlicht vom BfArM). Stand 15.09.2025. abgerufen am 12.10.2026
  7. Fachinformation Fachinformation Tadalafil-ratiopharm® 5 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 01/2024. abgerufen am 12.10.2026
  8. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Tadalafil-ratiopharm® 5 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 11/2023. abgerufen am 12.10.2026
  9. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation VIAGRA 25 mg/50 mg/100 mg Filmtabletten (Sildenafil), Anhang I: Fachinformation und Anhang III B: Packungsbeilage. Upjohn EESV. Stand 09/2025. abgerufen am 12.10.2026
  10. Fachinformation Fachinformation Spasmex® 30 mg TC Filmtabletten (Trospiumchlorid). Dr. Pfleger Arzneimittel GmbH. Stand 03/2021. abgerufen am 12.10.2026
  11. Fachinformation Fachinformation Solifenacin-ratiopharm® 5 mg/10 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2026. abgerufen am 12.10.2026
  12. Fachinformation Fachinformation Mictonorm® FT 15 mg Filmtabletten (Propiverinhydrochlorid). APOGEPHA Arzneimittel GmbH. Stand 05/2021. abgerufen am 12.10.2026
  13. Gutartige Prostatavergrößerung: Welche Medikamente können helfen?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 28.06.2022. abgerufen am 12.10.2026

Häufige Fragen

Welche Medikamente werden bei einer gutartigen Prostatavergrößerung eingesetzt?

Vor allem Alpha-Blocker wie Tamsulosin, Alfuzosin, Silodosin oder Doxazosin, die die Muskulatur von Prostata und Harnröhre entspannen, und 5-Alpha-Reduktasehemmer wie Finasterid, die die Prostata verkleinern. Laut IQWiG setzt die Wirkung der 5-Alpha-Reduktasehemmer sehr langsam ein. Tadalafil ist zusätzlich bei Beschwerden eines benignen Prostatasyndroms zugelassen. Welches Mittel passt, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.

Warum dürfen Potenzmittel nicht mit Nitraten kombiniert werden?

Sildenafil und Tadalafil verstärken laut Fachinformation die blutdrucksenkende Wirkung von Nitraten, die zum Beispiel gegen Angina pectoris eingesetzt werden. Die Kombination ist deshalb eine Gegenanzeige, ebenso mit Stickstoffmonoxid-Donatoren wie Amylnitrit und mit Riociguat. Haben Sie unter einem Potenzmittel Brustschmerzen, wenden Sie laut Packungsbeilage keine Nitrate an und holen sofort ärztliche Hilfe.

Darf ich einen Alpha-Blocker und ein Potenzmittel zusammen nehmen?

Nur nach Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Laut Fachinformationen kann die Kombination zu einem Blutdruckabfall mit Beschwerden führen; Tadalafil zusammen mit Doxazosin wird nicht empfohlen. Auch das IQWiG rät Männern unter Alpha-Blockern, vor der Einnahme von Potenzmitteln mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt zu sprechen, weil es zu Wechselwirkungen wie einem Absinken des Blutdrucks kommen kann.

Was ist das Floppy-Iris-Syndrom?

Eine Variante des Syndroms der engen Pupille, die bei manchen Männern unter Alpha-1-Blockern während einer Operation am Grauen Star beobachtet wurde. Es kann die Komplikationsrate während der Operation erhöhen und wurde auch nach früherer Einnahme berichtet. Informieren Sie vor einer Augenoperation Ihre Augenärztin oder Ihren Augenarzt, wenn Sie einen Alpha-Blocker einnehmen oder eingenommen haben.

Kann Tamsulosin den Samenerguss verändern?

Ja. Die Fachinformation stuft Ejakulationsstörungen, darunter einen Samenerguss in die Harnblase und ein Ausbleiben des Samenergusses, als häufig ein, also bei bis zu 1 von 10 Behandelten. Bei Silodosin waren Ejakulationsstörungen laut Fachinformation die am häufigsten berichtete Nebenwirkung; sie klingen wenige Tage nach dem Absetzen ab. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, bevor Sie etwas ändern.

Welche Nebenwirkungen haben Medikamente gegen eine überaktive Blase?

Die Anticholinergika Trospiumchlorid, Solifenacin und Propiverin können laut Fachinformationen unter anderem Mundtrockenheit, Verstopfung und Sehstörungen verursachen. Sie können die Blasenentleerung erschweren. Gegenanzeigen sind unter anderem ein Harnverhalt (bei Propiverin eine ausgeprägte Abflussstörung mit vorhersehbarem Harnverhalt) und ein Engwinkelglaukom (bei Propiverin ein unbehandeltes). Durch Störungen der Naheinstellung des Auges kann die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigt sein.

Dürfen Frauen Finasterid-Tabletten anfassen?

Unbeschädigte Tabletten haben laut Fachinformation einen Filmüberzug, der den Kontakt mit dem Wirkstoff verhindert. Frauen, die schwanger sind oder sein könnten, dürfen zerbrochene oder zerstoßene Tabletten aber nicht berühren, weil Finasterid die Entwicklung der Geschlechtsorgane eines männlichen Ungeborenen stören kann.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

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