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Prostatavergrößerung
Bei einer gutartigen Prostatavergrößerung (benignes Prostatasyndrom) drückt die wachsende Prostata auf Blase und Harnröhre; typisch sind laut IQWiG häufiger Harndrang, auch nachts, und das Gefühl, dass die Blase nie ganz leer wird. Bei leichten Beschwerden ohne Komplikationen kann es laut IQWiG reichen, den Alltag umzustellen und etwa einmal im Jahr zur Kontrolle zu gehen. Für Männer mit mittelschweren bis schweren Beschwerden empfiehlt die Leitlinie der European Association of Urology (EAU) Alpha-Blocker wie Tamsulosin, bei zusätzlich erhöhtem Risiko eines Fortschreitens auch 5-Alpha-Reduktasehemmer wie Finasterid (jeweils starke Empfehlung). Kann ein Mann plötzlich kaum noch oder gar kein Wasser mehr lassen, ist das ein Notfall.

Bei einer gutartigen Prostatavergrößerung drückt die Prostata auf Blase und Harnröhre. Typisch sind laut IQWiG häufiger Harndrang, nächtliche Toilettengänge und das Gefühl, dass die Blase nie ganz leer wird; auch der Harnstrahl kann schwächer werden [1]. Die Vergrößerung kann sehr lästig sein; wird eine Behandlung nötig, besteht laut IQWiG in der Regel kein Grund zur Eile [1]. Bei leichten Beschwerden ohne Komplikationen kann es laut IQWiG ausreichen, den Alltag umzustellen und etwa einmal im Jahr zur Kontrolle zu gehen. Wird mit Medikamenten behandelt, kommt laut IQWiG meist der Alpha-Blocker Tamsulosin zum Einsatz [1]. Die Leitlinie der European Association of Urology (EAU) empfiehlt, Männern mit mittelschweren bis schweren Beschwerden Alpha-Blocker anzubieten (starke Empfehlung) [4].
Was ist eine Prostatavergrößerung?
Die Prostata liegt direkt unterhalb der Blase und umschließt einen Teil der Harnröhre [1]. Dass sie mit dem Alter langsam wächst, ist normal. Bei einigen Männern vergrößert sie sich aber übermäßig; die Ursachen dafür sind nicht bekannt [1]. Der Fachausdruck für die Beschwerden lautet benignes Prostatasyndrom (BPS), oft spricht man auch von benigner Prostatahyperplasie (BPH). Benigne heißt gutartig: Es handelt sich nicht um Prostatakrebs [1].
Bei Männern unter 40 Jahren ist eine gutartige Prostatavergrößerung selten. Im Alter von 50 bis 59 Jahren sind laut IQWiG etwa 20 bis 45 von 100 Männern betroffen, über 70 Jahre haben bis zu 70 von 100 Männern damit zu tun [1]. Größe der Prostata und Stärke der Beschwerden hängen nicht immer direkt zusammen: Manche Männer mit stark vergrößerter Prostata haben nur wenige Beschwerden, anderen macht schon eine leicht vergrößerte Prostata Probleme [1].
Symptome und Verlauf
Ist die Prostata deutlich vergrößert, kann sie laut IQWiG diese Beschwerden verursachen [1]:
- Der Harndrang ist häufiger und stärker als zuvor, besonders in der Nacht.
- Es dauert eine Weile, bis der Urin kommt.
- Der Harnstrahl ist schwächer, und das Wasserlassen dauert länger als früher.
- Nach dem Wasserlassen tropft Urin nach, und die Blase fühlt sich nicht richtig leer an.
Die meisten Männer haben leichte bis mittelschwere Beschwerden, auf die sie sich im Alltag einstellen können. Manchmal bessern sie sich vorübergehend; in der Regel nehmen sie über die Jahre aber zu, wenn auch sehr langsam [1]. Bei manchen Männern kommt es zu häufig wiederkehrenden Harnwegsinfektionen. Eher selten kann ein Mann plötzlich kaum noch oder gar kein Wasser mehr lassen: Zu einem solchen Harnverhalt kommt es laut IQWiG in fünf Jahren bei etwa 1 bis 3 von 100 Männern mit einer gutartigen Prostatavergrößerung [1]. Manche Männer müssen nachts so oft zur Toilette, dass sie nicht mehr genug Schlaf bekommen und tagsüber erschöpft sind [1].
Ursachen und Risikofaktoren
Wenn die Prostata wächst, kann sie auf die Blase, die Harnröhre und die Blasenmuskulatur drücken. Dann ist schon Harndrang spürbar, wenn die Blase noch längst nicht gefüllt ist. Der ständige Druck kann die Blasenmuskeln schwächen, sodass sich die Blase nicht mehr vollständig entleert, und er kann den Harnfluss behindern [1].
Medikamente als Ursache: Bestimmte Medikamente können laut IQWiG entwässernd wirken oder die Blasenmuskulatur beeinflussen und so Beschwerden verstärken. Das IQWiG nennt harntreibende Mittel (Diuretika), krampflösende Medikamente, bestimmte Mittel gegen Allergien sowie bestimmte Mittel gegen Parkinson und Depressionen [3]. Es rät, die eingenommenen Medikamente mit der Ärztin oder dem Arzt oder in der Apotheke durchzugehen; die Ärztin oder der Arzt kann zu Alternativen beraten [3]. Mehr dazu: Blasenprobleme durch Medikamente.
Diagnose
Eine gutartige Prostatavergrößerung ist laut IQWiG der häufigste Grund für Beschwerden beim Wasserlassen, es gibt aber andere mögliche Ursachen [1]. Hilfreich ist eine Strichliste über ein oder zwei Tage vor dem Arztbesuch; die EAU-Leitlinie empfiehlt ein Blasentagebuch über mindestens drei Tage (starke Empfehlung) [1, 4]. Teilen Sie auch mit, welche Medikamente Sie nehmen, zum Beispiel mit einem Medikationsplan [1].
Die Ärztin oder der Arzt tastet die Prostata über den Enddarm ab (rektale Untersuchung). Eine Urinprobe hilft, Anzeichen einer Prostata- oder Harnwegsinfektion zu erkennen. Bei der Harnstrahlmessung wird gemessen, wie viel Urin pro Sekunde abfließt, und ein Ultraschall zeigt die Größe der Prostata und den Restharn in der Blase [1]. Häufig wird der PSA-Wert (prostataspezifisches Antigen) im Blut bestimmt. Ein erhöhter Wert kann auch bei einer gutartigen Vergrößerung auftreten; der PSA-Test ist bei Männern mit vergrößerter Prostata laut IQWiG umstritten [1]. Die EAU-Leitlinie empfiehlt, den PSA-Wert zu messen, wenn die Diagnose eines Prostatakrebses die Behandlung ändern würde oder wenn er bei der Behandlungsentscheidung hilft, und über den Test aufzuklären (jeweils starke Empfehlung) [4]. Weil ein Prostatakrebs dieselben Beschwerden verursachen kann, sollte er laut Fachinformation vor einer Behandlung mit Doxazosin ausgeschlossen werden [11].
Behandlung ohne Medikamente
Welche Behandlung infrage kommt, hängt laut IQWiG vor allem davon ab, wie belastend die Beschwerden sind, ob es Komplikationen wie häufige Harnwegsentzündungen gibt und wie man die Vor- und Nachteile der Behandlung beurteilt [1]. Die EAU-Leitlinie empfiehlt, Männern mit leichten bis mittelschweren Beschwerden, die wenig darunter leiden, ein abwartendes Beobachten anzubieten, und allen Männern vor oder neben einer Behandlung Tipps zu Lebensstil und Selbsthilfe zu geben (jeweils starke Empfehlung) [4]. Im Alltag können laut IQWiG helfen [3]:
- weniger trinken, wenn man längere Zeit nicht zur Toilette gehen kann oder möchte, etwa vor dem Schlafengehen; insgesamt aber genug trinken, vor allem bei Durst. Die Deutsche Gesellschaft für Urologie empfahl laut IQWiG (gestützt auf ihre Leitlinie von 2016), nicht mehr als 1,5 Liter am Tag zu trinken und die Menge gleichmäßig über den Tag zu verteilen,
- Alkohol und koffeinhaltige Getränke wie grünen oder schwarzen Tee nur in Maßen,
- nach dem Wasserlassen einen Moment warten und es noch einmal versuchen; auch Ausstreichen der Harnröhre kann helfen,
- die Blase trainieren, indem man den Toilettengang regelmäßig etwas hinauszögert.
Operation: Mit verschiedenen Techniken kann Prostatagewebe entfernt oder zerstört werden. Mögliche Gründe für eine Operation sind laut IQWiG ein Harnverhalt, wiederholte Infektionen und starke Beschwerden, die sich anders nicht lindern lassen. Eine häufige Nebenwirkung der Eingriffe sind Störungen beim Samenerguss; Inkontinenz oder Erektionsstörungen sind selten [1].
Behandlung mit Medikamenten

Medikamente, die die Blasenentleerung unterstützen, werden laut IQWiG häufig eingesetzt, wenn die Beschwerden so belastend sind, dass man ohne Behandlung im Alltag nur schlecht zurechtkommt [2]. Laut IQWiG ist es immer sinnvoll, vorher mit der Ärztin oder dem Arzt über mögliche Wechselwirkungen zu sprechen, zumal viele ältere Männer bereits regelmäßig Medikamente nehmen, etwa gegen Bluthochdruck [2]. Die Häufigkeiten in der Tabelle stammen aus den Packungsbeilagen der genannten Präparate.
| Wirkstoffgruppe | Beispiele | Wie sie wirken | Häufige Nebenwirkungen |
|---|---|---|---|
| Alpha-Blocker (Prostatamittel) | Tamsulosin [5], Alfuzosin [7], Silodosin [9], Doxazosin [10] | Blockieren Alpha-1-Rezeptoren und entspannen so die glatte Muskulatur von Prostata und Harnröhre; der Harn fließt leichter ab [6, 8, 9]. Doxazosin senkt außerdem den Blutdruck [11] | Tamsulosin: Schwindel, besonders beim Aufsetzen oder Aufstehen, Ejakulationsstörungen [5]. Alfuzosin: Schwächegefühl, Müdigkeit, Schwindel, Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Übelkeit, Verdauungsstörungen [7]. Silodosin: sehr häufig Ejakulationsstörung, häufig Schwindel, laufende oder verstopfte Nase, Durchfall [9]. Doxazosin: unter anderem Schwindel, Kopfschmerzen, Müdigkeit, niedriger Blutdruck, Herzklopfen, Infektionen der Atem- und Harnwege [10] |
| 5-Alpha-Reduktasehemmer | Finasterid [12], Dutasterid [2] | Finasterid hemmt das Enzym 5-Alpha-Reduktase Typ II, das Testosteron in das stärker wirksame Dihydrotestosteron (DHT) umwandelt; von dieser Umwandlung hängen Funktion und Wachstum der Prostata ab [13]. Dutasterid richtet sich gegen beide Formen des Enzyms [14] | Finasterid: Erektionsstörungen, verminderte Lust auf Sex, vermindertes Spermavolumen [12] |
| PDE-5-Hemmer | Tadalafil [15] | Hemmt das Enzym Phosphodiesterase 5; die dadurch entspannten Blutgefäße und die bessere Durchblutung könnten laut Fachinformation die Beschwerden verringern, möglicherweise unterstützt durch eine gehemmte Aktivität von Nerven der Blase und eine Entspannung der Muskulatur von Prostata und Blase [16] | Kopfschmerzen, Rücken- und Muskelschmerzen, Schmerzen in Armen und Beinen, Gesichtsrötung, verstopfte Nase, Verdauungsstörungen [15] |
| Mittel gegen eine überaktive Blase, bei vorwiegendem Harndrang | Solifenacin [17], Mirabegron [19] | Solifenacin hemmt Muskarinrezeptoren (Untertyp M3), über die sich der Blasenmuskel zusammenzieht [18]; Mirabegron regt Beta-3-Rezeptoren in der Harnblase an [19] | Solifenacin: sehr häufig Mundtrockenheit, häufig verschwommenes Sehen, Verstopfung, Übelkeit, Verdauungsstörungen [17]. Mirabegron: unter anderem Harnwegsinfektion, Kopfschmerzen, Schwindel, beschleunigter Herzschlag [19] |
Wenn nicht anders angegeben, sind die genannten Nebenwirkungen häufig, also bei bis zu 1 von 10 Behandelten; sehr häufig heißt bei mehr als 1 von 10 [5, 9]. Mehr dazu im Werkzeug Häufigkeiten übersetzen.
Alpha-Blocker
Da Alpha-Blocker auch den Blutdruck senken, eignen sie sich laut IQWiG besonders für Männer mit Bluthochdruck [2]. Eine Besserung ist normalerweise nach einigen Tagen spürbar, die volle Wirkung entfaltet sich innerhalb eines Monats; ganz verschwinden die Beschwerden in der Regel nicht. Tritt nach acht Wochen keine Besserung ein, wirkt das Mittel wahrscheinlich nicht [2]. Bei Doxazosin und Terazosin ist es laut IQWiG wichtig, mit einer niedrigen Dosierung zu beginnen und langsam zu steigern [2].
Tamsulosin und Silodosin sind laut ihren Packungsbeilagen bei Beschwerden einer gutartigen Prostatavergrößerung zugelassen [5, 9], Alfuzosin laut Fachinformation bei mäßigen bis schweren Beschwerden und begleitend bei einem akuten Harnverhalt mit Blasenkatheter [7, 8], Doxazosin bei Bluthochdruck und bei Beschwerden einer gutartigen Prostatavergrößerung [10]. Tamsulosin darf laut Packungsbeilage nicht bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren angewendet werden [5].
Augenoperation: Unter Alpha-Blockern kann während einer Operation am Grauen Star (Katarakt) das intraoperative Floppy-Iris-Syndrom (IFIS) auftreten, bei dem sich die Pupille schlecht erweitert und die Regenbogenhaut erschlafft [6, 7]. Die EAU-Leitlinie nennt dieses Risiko für Alfuzosin, Doxazosin, Tamsulosin und Terazosin (Evidenzgrad 1a) [4]. Informieren Sie vor einer Katarakt- oder Glaukomoperation Ihre Augenärztin oder Ihren Augenarzt, dass Sie Tamsulosin früher eingenommen haben, einnehmen oder einnehmen wollen [5]. Laut Fachinformation sollte eine Behandlung mit Tamsulosin nicht begonnen werden, wenn eine solche Operation geplant ist; IFIS wurde auch nach längerem Absetzen vor der Operation berichtet [6].
5-Alpha-Reduktasehemmer
Finasterid mit 5 mg wird laut Packungsbeilage zur Behandlung der gutartigen Prostatavergrößerung angewendet; es bewirkt eine Rückbildung der vergrößerten Prostata, eine Verbesserung des Harnflusses und weiterer Beschwerden und eine Verminderung des Risikos eines plötzlichen Harnverhalts und der Notwendigkeit von Operationen [12]. Laut Fachinformation sollte es bei Männern mit einem Prostatavolumen über ca. 40 ml angewendet werden [13]. Die EAU-Leitlinie empfiehlt 5-Alpha-Reduktasehemmer für Männer mit mittelschweren bis schweren Beschwerden und erhöhtem Risiko eines Fortschreitens, zum Beispiel bei einem Prostatavolumen über 40 ml (starke Empfehlung) [4]. In Deutschland werden laut IQWiG fast ausschließlich Finasterid oder ein Kombinationsmittel aus Dutasterid und Tamsulosin eingesetzt [2].
Die Wirkung setzt sehr langsam ein; es kann mehrere Monate dauern, bis sich die Beschwerden bessern [2]. Laut Packungsbeilage kann es nötig sein, Finasterid über mindestens 6 Monate einzunehmen [12]. Finasterid kann den PSA-Wert beeinflussen; sagen Sie vor einem PSA-Test, dass Sie es einnehmen [2, 12]. Frauen dürfen Finasterid nicht einnehmen. Schwangere oder Frauen, die schwanger werden könnten, dürfen zerbrochene oder zerstoßene Tabletten nicht berühren, weil sonst bei einem männlichen Kind die Geschlechtsorgane fehlgebildet sein können. Ist die Partnerin schwanger oder plant sie eine Schwangerschaft, müssen laut Packungsbeilage Kondome oder andere Methoden verwendet werden, die einen Kontakt mit dem Sperma verhindern [12].
Alpha-Blocker und 5-Alpha-Reduktasehemmer zusammen
Laut IQWiG kommt eine Kombination aus Alpha-Blocker und 5-Alpha-Reduktasehemmer für Männer mit stärkeren Beschwerden und deutlich vergrößerter Prostata infrage. Ihre Vorteile zeigten sich erst nach 1 bis 2 Jahren und nur bei stark vergrößerter Prostata; das Risiko für Samenerguss- und Erektionsstörungen ist höher als mit einem Alpha-Blocker allein [2]. Die EAU-Leitlinie empfiehlt diese Kombination Männern mit mittelschweren bis schweren Beschwerden und erhöhtem Risiko eines Fortschreitens, zum Beispiel bei einem Prostatavolumen über 40 ml (starke Empfehlung) [4].
Tadalafil
Tadalafil ist laut Packungsbeilage für Erektionsstörungen und für Beschwerden einer gutartigen Prostatavergrößerung bei erwachsenen Männern zugelassen [15]. Die EAU-Leitlinie empfiehlt PDE-5-Hemmer für Männer mit mittelschweren bis schweren Beschwerden, mit oder ohne Erektionsstörung (starke Empfehlung) [4]. Laut Fachinformation kann Tadalafil bei Männern, die Alpha-Blocker nehmen, einen Blutdruckabfall mit Beschwerden auslösen; die Kombination mit Doxazosin wird nicht empfohlen, bei anderen Alpha-Blockern sollte besondere Vorsicht gelten [16]. Die EAU-Leitlinie empfiehlt die Kombination eines Alpha-Blockers mit einem PDE-5-Hemmer bei belastenden Beschwerden, besonders bei Männern, die auch ihre Erektionsfähigkeit verbessern möchten, mit dem Hinweis, dass der Effekt bescheiden ist (jeweils schwache Empfehlung) [4]. Tadalafil darf nicht eingenommen werden, wenn man Nitrate gegen Brustschmerzen (Angina pectoris) anwendet [15]. Vor der Behandlung schließt die Ärztin oder der Arzt einen Prostatakrebs aus [15]. Mehr dazu: Erektionsstörungen.
Mittel gegen eine überaktive Blase
Stehen bei mittelschweren bis schweren Beschwerden Harndrang und häufiges Wasserlassen im Vordergrund, empfiehlt die EAU-Leitlinie Muskarinrezeptor-Antagonisten wie Solifenacin oder Beta-3-Agonisten wie Mirabegron (jeweils starke Empfehlung) [4]. Bei mehr als 150 ml Restharn rät sie von Muskarinrezeptor-Antagonisten und von Kombinationen mit ihnen ab (schwache Empfehlung) [4]. Bleiben diese Beschwerden unter einem Alpha-Blocker allein bestehen, empfiehlt sie die Kombination mit einem dieser Mittel (schwache Empfehlung) [4]. Bei Schwierigkeiten mit der Blasenentleerung, etwa einem dünnen Harnstrahl, ist unter Solifenacin das Risiko eines Harnverhalts laut Packungsbeilage stark erhöht [17]. Auch Mirabegron kann bei einer Verengung des Blasenausgangs die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass sich die Blase nicht vollständig entleert [19]. Mirabegron kann den Blutdruck erhöhen; bei schwerem, nicht ausreichend eingestelltem Bluthochdruck ist es laut Rote-Hand-Brief vom 4. September 2015 kontraindiziert [20]. Mehr dazu: Reizblase und Inkontinenz.
Pflanzliche Mittel
Es gibt laut IQWiG mehr als 30 pflanzliche Präparate gegen Prostatabeschwerden, die meisten rezeptfrei. Häufige Inhaltsstoffe sind Kürbissamen, Sägezahnpalme, afrikanischer Pflaumenbaum, Roggenpollen, südafrikanisches Sternengras und Brennnesselwurzel [3]. Viele dieser Mittel sind nicht in aussagekräftigen Studien untersucht. Am besten untersucht sind Extrakte aus der Sägezahnpalme, teils mit Brennnesselwurzel; eine Auswertung von 32 Studien zeigte keinen Unterschied zu einem Scheinmedikament. Auch auf den Harnfluss und die Zahl nächtlicher Toilettengänge hatten die Mittel in einer der größten Studien keinen Einfluss [3]. Die Deutsche Gesellschaft für Urologie empfahl pflanzliche Mittel laut IQWiG (Stand 2022, gestützt auf ihre Leitlinie von 2016) nicht regelhaft [1]. Die EAU-Leitlinie empfiehlt dagegen, Männern, die Nebenwirkungen besonders auf die Sexualfunktion vermeiden möchten, einen mit Hexan gewonnenen Sägepalmenextrakt anzubieten (schwache Empfehlung), und darüber aufzuklären, dass die Wirkung bescheiden sein kann (starke Empfehlung) [4].
Nebenwirkungen der Medikamente
Alpha-Blocker: Weil sie den Blutdruck senken, können sie laut IQWiG zu Schwindel führen [2]. Kommt es unter Tamsulosin zu Schwindel bis hin zu Ohnmacht, setzen oder legen Sie sich laut Packungsbeilage sofort hin, bis die Beschwerden abgeklungen sind; geht es Ihnen dann nicht besser, wenden Sie sich an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt [5]. Bei Alfuzosin kann der Blutdruck in den ersten Stunden nach der Einnahme beim Aufstehen abfallen; dann hinlegen und die Beine hochlagern [7]. Mehr dazu: Niedriger Blutdruck durch Medikamente. Bei Atemnot oder Schwellungen von Gesicht, Zunge oder Rachen (Angioödem) brechen Sie die Einnahme von Tamsulosin laut Packungsbeilage ab und begeben sich umgehend in medizinische Behandlung [5]. Ejakulationsstörungen sind laut EAU-Leitlinie unter Alpha-Blockern signifikant häufiger als unter Placebo, besonders unter Tamsulosin und Silodosin (Evidenzgrad 1a) [4]. Unter Silodosin sind sie sehr häufig und verschwinden laut Packungsbeilage nach dem Absetzen wieder [9]. Bei einer schmerzhaften Dauererektion, die länger als 4 Stunden anhält, gehen Sie unter Alfuzosin unverzüglich zur Ärztin oder zum Arzt oder ins Krankenhaus [7]. Brustschmerzen unter Alfuzosin sind laut Packungsbeilage ein Grund, die Einnahme sofort zu beenden und sofort ärztliche Hilfe zu holen [7].
Finasterid: Erektionsstörungen und eine verminderte Lust auf Sex treten laut Packungsbeilage im Allgemeinen zu Beginn der Behandlung auf und verschwinden bei Fortsetzung meist wieder [12]. Ohne bekannte Häufigkeit können sie auch nach dem Absetzen andauern [12], laut Rote-Hand-Brief vom 5. Juli 2018 nach einzelnen Fallberichten auch länger als 10 Jahre [22]. Mehr dazu: Libido und Potenz. Bei Veränderungen im Brustgewebe wie Knoten, Schmerzen, Vergrößerung der Brust oder Ausfluss aus den Brustwarzen wenden Sie sich umgehend an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt [12]. Unter Finasterid 5 mg wurde über Stimmungsänderungen wie depressive Verstimmung, Depression und seltener Suizidgedanken berichtet; dann fragen Sie unverzüglich Ihre Ärztin oder Ihren Arzt um Rat [12]. Laut Rote-Hand-Brief vom 15. September 2025 sind Suizidgedanken eine Nebenwirkung von Finasterid zum Einnehmen, berichtet vor allem bei Männern, die wegen Haarausfalls behandelt werden; auch für Finasterid 5 mg bestätigte die Überprüfung sie als Nebenwirkung mit unbekannter Häufigkeit. Männern unter Dutasterid sollte geraten werden, bei Stimmungsänderungen unverzüglich ärztlichen Rat einzuholen, obwohl die Belege für einen direkten Zusammenhang nicht ausreichen [14]. Mehr dazu: Depression durch Medikamente.
Tadalafil: Bei Brustschmerzen stoppen Sie laut Packungsbeilage die Behandlung, wenden keine Nitrate an und holen unverzüglich ärztliche Hilfe [15]. Bei plötzlicher Abnahme oder plötzlichem Verlust der Sehkraft, plötzlicher Verschlechterung des Hörvermögens oder einer Erektion, die länger als 4 Stunden anhält, brechen Sie die Behandlung ab und wenden sich sofort an eine Ärztin oder einen Arzt [15].
Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Nebenwirkungen können Sie Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke mitteilen oder direkt dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) melden [5]. Wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden.
Leben mit einer vergrößerten Prostata
Prostatabeschwerden entwickeln sich in der Regel allmählich über mehrere Jahre; das macht es leichter, sich darauf einzustellen [1]. Trotzdem empfinden es laut IQWiG viele Männer als unangenehm und peinlich, immer häufiger zur Toilette zu müssen. Die Beschwerden bedeuten aber nicht, dass das Liebesleben nicht mehr erfüllend sein kann; das IQWiG hält es für wichtig, mit der Partnerin oder dem Partner offen über die Veränderungen zu reden [1]. Unter Tamsulosin sind laut Packungsbeilage regelmäßige ärztliche Kontrollen notwendig, um die Entwicklung der Erkrankung zu beurteilen [5]. Mehr im Ratgeber Medikamente im Alter.
Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen
Ein Harnverhalt, bei dem ein Mann plötzlich kaum noch oder gar kein Wasser mehr lassen kann, ist laut IQWiG ein Notfall und muss rasch behandelt werden. Zunächst wird die Harnblase über einen Katheter entlastet; einige Tage danach wird die Prostata in der Regel operativ verkleinert [1]. Starke Brustschmerzen, schwere Atemnot und akute, anhaltende stärkste Schmerzen sind laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) Fälle für den Notruf 112. Sind die Praxen geschlossen und kann die Behandlung nicht bis zum nächsten Tag warten, hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117 [21].
Quellen
- Gutartige Prostatavergrößerung. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 28.06.2022. abgerufen am 18.10.2026
- Gutartige Prostatavergrößerung: Welche Medikamente können helfen?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 28.06.2022. abgerufen am 18.10.2026
- Gutartige Prostatavergrößerung: Was kann ich selbst gegen die Beschwerden tun?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 28.06.2022. abgerufen am 18.10.2026
- Leitlinie EAU Guidelines on Non-Neurogenic Male Lower Urinary Tract Symptoms (LUTS), Update March 2026 (Kapitel 4.3, 4.6, 5.1, 5.2). European Association of Urology (EAU). Stand 03/2026. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Tamsulosin-ratiopharm 0,4 mg Hartkapseln mit veränderter Wirkstofffreisetzung. ratiopharm GmbH. Stand 08/2026. abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Tamsulosin-ratiopharm 0,4 mg Hartkapseln mit veränderter Wirkstofffreisetzung. ratiopharm GmbH. Stand 08/2026. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Alfuzosin-ratiopharm uno 10 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 03/2026. abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Alfuzosin-ratiopharm uno 10 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 03/2026. abgerufen am 18.10.2026
- EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Urorec 8 mg/4 mg Hartkapseln (EPAR), Anhang I (Fachinformation) und Anhang III B (Packungsbeilage). Recordati Ireland Ltd. (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 05/2025. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Doxazosin-ratiopharm 4 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 06/2025. abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Doxazosin-ratiopharm 4 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2023. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Finasterid STADA 5 mg Filmtabletten. STADAPHARM GmbH. Stand 08/2025. abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Finasterid STADA 5 mg Filmtabletten. STADAPHARM GmbH. Stand 08/2025. abgerufen am 18.10.2026
- Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief: Finasterid, Dutasterid: Neue Maßnahmen zur Minimierung des Risikos für Suizidgedanken. Zulassungsinhaber finasterid- und dutasteridhaltiger Arzneimittel in Abstimmung mit EMA und BfArM; veröffentlicht vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. Stand 15.09.2025. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Tadalafil-ratiopharm 5 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 11/2023. abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Tadalafil-ratiopharm 5 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 01/2024. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Solifenacin-ratiopharm 5 mg/10 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2026. abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Solifenacin-ratiopharm 5 mg/10 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2026. abgerufen am 18.10.2026
- EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Betmiga 25 mg/50 mg Retardtabletten (EPAR), Anhang I (Fachinformation) und Anhang III B (Packungsbeilage). Astellas Pharma Europe B.V. (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 08/2025. abgerufen am 18.10.2026
- Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief: Mirabegron (Betmiga), neue Empfehlungen zum Risiko eines Blutdruckanstiegs. Astellas Pharma GmbH in Abstimmung mit EMA und BfArM; veröffentlicht vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte am 07.09.2015. Stand 04.09.2015. abgerufen am 18.10.2026
- Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Abschnitte "116117 oder 112?" und "Fälle für die Notrufnummer 112"). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
- Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu Finasterid: Risiko sexueller Dysfunktionen und psychischer Störungen. Zulassungsinhaber finasteridhaltiger Arzneimittel in Absprache mit dem BfArM; veröffentlicht vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. Stand 05.07.2018. abgerufen am 18.10.2026
Häufige Fragen
Welche Medikamente helfen bei einer vergrößerten Prostata?
Am häufigsten werden laut IQWiG Alpha-Blocker eingesetzt, meist Tamsulosin; sie entspannen die Muskulatur von Prostata und Blase. Die Leitlinie der European Association of Urology (EAU) empfiehlt, Männern mit mittelschweren bis schweren Beschwerden Alpha-Blocker anzubieten (starke Empfehlung). Für Männer mit mittelschweren bis schweren Beschwerden und erhöhtem Risiko, dass sie fortschreiten, etwa bei einem Prostatavolumen über 40 ml, empfiehlt sie 5-Alpha-Reduktasehemmer wie Finasterid (starke Empfehlung). Auch Tadalafil ist für diese Beschwerden zugelassen. Welche Behandlung passt, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Welche Nebenwirkungen hat Tamsulosin?
Häufig, also bei bis zu 1 von 10 Behandelten, sind laut Packungsbeilage Schwindel, besonders beim Aufsetzen oder Aufstehen, und Ejakulationsstörungen, auch ein Samenerguss in die Harnblase oder ein Ausbleiben des Samenergusses. Bei Schwindel bis hin zu Ohnmacht setzen oder legen Sie sich sofort hin, bis die Beschwerden abgeklungen sind. Alle Nebenwirkungen stehen auf der Seite Tamsulosin.
Wie lange dauert es, bis Finasterid wirkt?
Die Wirkung von 5-Alpha-Reduktasehemmern setzt laut IQWiG sehr langsam ein; es kann mehrere Monate dauern, bis sich die Beschwerden bessern, und manchmal zeigt sich nach einem Jahr noch keine spürbare Wirkung. Laut Packungsbeilage von Finasterid kann es nötig sein, die Behandlung über mindestens 6 Monate fortzuführen. Die EAU-Leitlinie empfiehlt, über den langsamen Wirkungseintritt und die Nebenwirkungen aufzuklären (starke Empfehlung).
Helfen Kürbiskerne oder Sägepalme bei Prostatabeschwerden?
Die meisten pflanzlichen Mittel gegen Prostatabeschwerden sind laut IQWiG nicht in aussagekräftigen Studien untersucht. Am besten untersucht sind Extrakte aus der Sägezahnpalme; eine Auswertung von 32 Studien zeigte keinen Unterschied zu einem Scheinmedikament. Die Deutsche Gesellschaft für Urologie empfahl pflanzliche Mittel laut IQWiG (Stand 2022, gestützt auf ihre Leitlinie von 2016) nicht regelhaft. Die EAU-Leitlinie empfiehlt, Männern, die Nebenwirkungen auf die Sexualfunktion vermeiden möchten, einen bestimmten Sägepalmenextrakt (mit Hexan gewonnen) anzubieten (schwache Empfehlung), und darüber aufzuklären, dass die Wirkung bescheiden sein kann (starke Empfehlung).
Darf ich Potenzmittel nehmen, wenn ich einen Alpha-Blocker einnehme?
Sprechen Sie vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt: Laut IQWiG kann es zu Wechselwirkungen wie einem Absinken des Blutdrucks kommen. Laut Fachinformation von Tadalafil kann die gleichzeitige Einnahme bei Männern, die Alpha-Blocker nehmen, zu einem Blutdruckabfall mit Beschwerden führen; die Kombination von Tadalafil mit Doxazosin wird nicht empfohlen. Mehr dazu: Erektionsstörungen.
Ist eine vergrößerte Prostata gefährlich oder Krebs?
Benigne bedeutet gutartig: Die gutartige Prostatavergrößerung ist laut IQWiG kein Prostatakrebs. Bei manchen Männern kommt es zu häufig wiederkehrenden Harnwegsinfektionen, eher selten zu einem Harnverhalt. Weil ein Prostatakrebs dieselben Beschwerden verursachen kann, sollte er vor einer Behandlung mit Doxazosin laut dessen Fachinformation ausgeschlossen werden.
Was tun, wenn ich plötzlich kein Wasser mehr lassen kann?
Ein Harnverhalt ist laut IQWiG ein Notfall und muss rasch behandelt werden; zunächst wird die Harnblase über einen Katheter entlastet. Holen Sie sofort ärztliche Hilfe. Außerhalb der Sprechzeiten erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117, in lebensbedrohlichen Fällen den Notruf 112.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
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