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Erektionsstörungen
Bei einer Erektionsstörung (erektile Dysfunktion) gelingt es dauerhaft nicht, eine für befriedigenden Sex ausreichende Erektion zu bekommen und zu halten; sie hat laut EAU-Leitlinie gemeinsame Risikofaktoren mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, etwa Diabetes, Bluthochdruck und Rauchen. Die Leitlinie der Europäischen Gesellschaft für Urologie (EAU) empfiehlt, Lebensstil und Risikofaktoren vor oder gleichzeitig mit der Behandlung anzugehen und PDE-5-Hemmer wie Sildenafil oder Tadalafil als erste Behandlung (Erstlinientherapie) einzusetzen (jeweils starke Empfehlung). Diese Tabletten sind verschreibungspflichtig und dürfen laut Packungsbeilage nicht zusammen mit Nitraten gegen Herzschmerzen angewendet werden. Lassen Sie eine Erektionsstörung ärztlich abklären, weil sie laut EAU als Vorbote einer Herz-Kreislauf-Erkrankung gilt.

Eine Erektionsstörung (erektile Dysfunktion) ist laut der Leitlinie der Europäischen Gesellschaft für Urologie (EAU) weltweit häufig und hat gemeinsame Risikofaktoren mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen [1]. Die EAU empfiehlt, den Lebensstil zu ändern und Risikofaktoren anzugehen, bevor oder während eine Behandlung beginnt, und als erste Behandlung (Erstlinientherapie) Tabletten aus der Gruppe der PDE-5-Hemmer einzusetzen, etwa Sildenafil oder Tadalafil (jeweils starke Empfehlung) [1]. Diese Mittel sind verschreibungspflichtig und dürfen nicht zusammen mit Nitraten angewendet werden [4, 5, 6, 7].
Was sind Erektionsstörungen?
Die EAU-Leitlinie beschreibt eine Erektionsstörung als anhaltende Unfähigkeit, eine Erektion zu erreichen und aufrechtzuerhalten, die für eine befriedigende sexuelle Aktivität ausreicht [1]. Eine Erektion entsteht, wenn sich bei Erregung die Schwellkörper im Penis mit Blut füllen; füllen sie sich nicht gut, wird der Penis nicht richtig steif [2].
Üblicherweise werden Erektionsstörungen laut EAU nach der Ursache in körperlich bedingte (organische), seelisch bedingte (psychogene) und gemischte Formen eingeteilt. Die Einteilung sollte mit Vorsicht verwendet werden, weil die meisten Fälle gemischte Ursachen haben [1]. Eine Erektionsstörung ist laut EAU ein Symptom und keine eigene Krankheit. Manche Betroffene werden möglicherweise nicht richtig untersucht oder nicht wegen einer Grunderkrankung behandelt, die die Erektionsstörung verursachen kann [1].
Symptome
Typisch ist, dass der Penis für eine sexuelle Aktivität nicht hart genug wird oder nicht lange genug steif bleibt [4]. Für die Einschätzung sollten laut EAU die Härte und Dauer der Erektionen beim Sex und am Morgen sowie Probleme mit Lust, Erregung, Samenerguss und Orgasmus genau beschrieben werden [1]. Erektionsstörungen können laut EAU die seelische Gesundheit beeinträchtigen und die Lebensqualität der Betroffenen und ihrer Partnerinnen oder Partner erheblich beeinflussen [1].
Weil auch ein Mangel an Testosteron dahinterstecken kann, sollten Betroffene laut EAU immer auf weitere Zeichen untersucht werden, etwa weniger Lust auf Sex, wenig Energie und Müdigkeit [1]. Mehr dazu: Testosteronmangel.
Ursachen und Risikofaktoren
Erektionsstörungen haben laut EAU mehrere bekannte Ursachen, unter anderem Störungen der Blutgefäße, der Hormone, der Nerven und der Psyche, und hängen mit chronischen Erkrankungen zusammen [1]. Als Risikofaktoren nennt die Leitlinie unter anderem [1]:
- höheres Alter,
- Diabetes,
- erhöhte Blutfette (Cholesterin) und Bluthochdruck,
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie die koronare Herzkrankheit,
- Übergewicht und das metabolische Syndrom,
- Bewegungsmangel und Rauchen.
Außerdem nennt die EAU unter anderem Vorhofflimmern, eine Schilddrüsenüberfunktion, Depressionen und Angststörungen, chronische Nieren- und Rheumaerkrankungen, COPD, Migräne und Schlafstörungen [1]. Auch Erkrankungen des Nervensystems wie Multiple Sklerose, ein Schlaganfall oder Verletzungen des Rückenmarks kommen infrage [1]. Operationen im Becken, besonders bei Krebs, etwa die Entfernung der Prostata, können die Erektion beeinträchtigen; auch eine Bestrahlung bei Prostatakrebs kann mit Erektionsstörungen einhergehen [1]. Nach solchen Eingriffen empfiehlt die EAU, möglichst früh mit einer Behandlung zu beginnen, die die Erektion fördert (schwache Empfehlung) [1]. Häufig treten Erektionsstörungen laut EAU auch zusammen mit Beschwerden beim Wasserlassen bei einer Prostatavergrößerung auf [1].
Auch seelische Belastungen und die Partnerschaft können beteiligt sein. Die EAU nennt unter anderem Unzufriedenheit mit der Partnerschaft, ein schlechtes Sexualleben, Leistungsdruck und Stress; Nähe in der Beziehung erwies sich als schützender Faktor [1]. Eine ausreichende Erektion kann auch fehlen, ohne dass es eine körperliche Ursache dafür gibt [3].
Medikamente als Ursache: Auch manche Medikamente können dazu führen, dass der Penis nicht richtig steif wird [2]. Die EAU nennt unter anderem Blutdrucksenker wie Thiazid-Diuretika und Betablocker, Antidepressiva wie SSRI und trizyklische Antidepressiva, Antipsychotika sowie Mittel gegen männliche Geschlechtshormone (Antiandrogene) wie GnRH-Analoga und 5-Alpha-Reduktasehemmer [1]. Neuere Herz-Kreislauf-Mittel zeigten laut EAU dagegen eine neutrale oder sogar günstige Wirkung [1]. Außerdem nennt die EAU Drogen wie Heroin, Kokain und Cannabis, Anabolika und übermäßigen Alkoholkonsum [1]. Welche Packungsbeilagen Erektionsstörungen als Nebenwirkung nennen und was Sie tun können, steht auf der Seite Libido- und Potenzprobleme durch Medikamente.
Diagnose

Am Anfang steht laut EAU immer ein ausführliches Gespräch über Gesundheit und Sexualität, mit dem Betroffenen und, wenn vorhanden, mit der Partnerin oder dem Partner. Die EAU empfiehlt dabei unter anderem diese Schritte (jeweils starke Empfehlung) [1]:
- eine umfassende Befragung zu Vorerkrankungen und Sexualität, auch zu Belastungen im Leben und zu Erwartungen an die eigene Leistung,
- einen anerkannten Fragebogen, der alle Bereiche der Sexualfunktion erfasst,
- eine gezielte körperliche Untersuchung, um Grunderkrankungen und Erkrankungen der Geschlechtsorgane zu erkennen,
- Blutuntersuchungen, unter anderem Blutzucker, Blutfette und Gesamt-Testosteron, um behandelbare Risikofaktoren zu finden.
Blutdruck und Puls sollten laut EAU gemessen werden, wenn das in den letzten drei bis sechs Monaten nicht geschehen ist; Testosteron sollte am frühen Morgen und nüchtern bestimmt werden [1]. Die meisten Betroffenen können laut EAU auf Grundlage der Befragung zu Vorerkrankungen und Sexualität behandelt werden. Spezielle Untersuchungen wie ein Ultraschall der Blutgefäße im Penis empfiehlt sie in bestimmten Situationen (starke Empfehlung), zum Beispiel bei jungen Männern nach einer Verletzung im Becken oder Damm oder bei Verformungen des Penis, die operiert werden müssten [1]. Laut Fachinformation von Sildenafil sollten vor einer medikamentösen Behandlung die Diagnose gestellt und die Ursachen durch Befragung und körperliche Untersuchung ermittelt werden; die Ärztin oder der Arzt sollte den Zustand von Herz und Kreislauf berücksichtigen, weil sexuelle Aktivität mit einem gewissen Risiko für das Herz verbunden ist [5]. Bringen Sie eine Liste Ihrer Medikamente mit, zum Beispiel Ihren Medikationsplan.
Behandlung ohne Medikamente
Die EAU empfiehlt, den Lebensstil zu ändern und Risikofaktoren anzugehen, bevor oder während eine Behandlung der Erektionsstörung beginnt (starke Empfehlung) [1]. Mehrere Studien zeigten laut EAU, dass mehr Bewegung, vor allem Ausdauersport, Abnehmen und die Behandlung von Herz-Kreislauf-Risikofaktoren die Sexualfunktion verbessern können [1]. Begleiterkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck sollten als erster Schritt jeder Behandlung immer gut eingestellt sein [1].
Oft beginnt die Behandlung mit einem aufklärenden Gespräch darüber, wie Erregung und Erektion seelisch und körperlich ablaufen; dabei sollten auch die Erwartungen und Bedürfnisse des Patienten und seiner Partnerin oder seines Partners zur Sprache kommen [1]. Wenn es angezeigt ist, empfiehlt die EAU eine kognitive Verhaltenstherapie, bei der die Partnerin oder der Partner einbezogen wird, zusammen mit der medizinischen Behandlung (starke Empfehlung) [1].
Für gut informierte Patienten, die eine Behandlung ohne Eingriff und ohne Medikamente wünschen, empfiehlt die EAU eine Vakuumpumpe (schwache Empfehlung). Schwere Hautschäden lassen sich laut EAU vermeiden, wenn der Ring an der Peniswurzel innerhalb von 30 Minuten abgenommen wird. Bei Blutgerinnungsstörungen oder unter Blutverdünnern ist eine Vakuumpumpe nicht geeignet (Gegenanzeige) [1]. Ebenfalls schwach empfohlen sind eine Stoßwellenbehandlung mit niedriger Energie für bestimmte Patienten, etwa bei einer leichten Erektionsstörung durch Gefäßveränderungen, und täglich Nahrungsergänzungen mit L-Arginin oder Ginseng für Männer mit leichter Erektionsstörung, die eine medikamentöse Behandlung ablehnen, nachdem sie darüber aufgeklärt wurden, dass die Verbesserung gering sein kann [1].
Behandlung mit Medikamenten
Als erste Behandlung (Erstlinientherapie) empfiehlt die EAU Hemmstoffe der Phosphodiesterase 5 (PDE-5-Hemmer, starke Empfehlung). Die Europäische Arzneimittel-Agentur hat laut EAU vier PDE-5-Hemmer gegen Erektionsstörungen zugelassen: Sildenafil, Tadalafil, Vardenafil und Avanafil [1]. Unterschiede in der Wirksamkeit zwischen ihnen sind laut EAU nicht belegt; die Wahl hängt davon ab, wie oft jemand Geschlechtsverkehr hat, und von den eigenen Erfahrungen [1]. Sildenafil und Tadalafil sind verschreibungspflichtig [5, 7].
| Wirkstoffgruppe | Beispiele | Wie sie wirken | Häufige Nebenwirkungen |
|---|---|---|---|
| PDE-5-Hemmer (Potenzmittel) | Sildenafil [4] | Unterstützt bei sexueller Erregung die Entspannung der Blutgefäße im Penis, sodass Blut leichter in den Penis fließt; ohne sexuelle Stimulation keine Erektion [4, 5] | Sehr häufig: Kopfschmerzen. Häufig: Übelkeit, Gesichtsrötung, Hitzewallung, Verdauungsstörungen, Störungen des Farbsehens, verschwommenes Sehen, Sehstörungen, verstopfte Nase, Schwindel [4] |
| Tadalafil [6] | Hilft nach sexueller Stimulierung, die Blutgefäße im Penis zu entspannen; wirkt nicht ohne sexuelle Stimulation [6] | Häufig: Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Muskelschmerzen, Schmerzen in Armen und Beinen, Gesichtsrötung, verstopfte Nase, Verdauungsstörungen [6] |
Sehr häufig heißt laut Packungsbeilage bei mehr als 1 von 10 Behandelten, häufig bei bis zu 1 von 10 Behandelten [4]. Jede Häufigkeit gilt nur für den Wirkstoff, bei dem sie steht.
So wirken PDE-5-Hemmer
Bei sexueller Stimulation wird im Schwellkörper Stickstoffmonoxid freigesetzt. Es erhöht den Botenstoff cGMP, der die glatte Muskulatur entspannt und so den Bluteinstrom ermöglicht. Das Enzym PDE-5 baut cGMP ab; Sildenafil hemmt dieses Enzym. Deshalb ist eine sexuelle Stimulation nötig, damit das Mittel wirkt [5]. Bis zur Wirkung von Sildenafil vergehen laut Packungsbeilage üblicherweise ½ bis 1 Stunde; nach einer reichhaltigen Mahlzeit kann es länger dauern [4]. Tadalafil zur Einnahme nach Bedarf wird laut Packungsbeilage mindestens 30 Minuten vor der sexuellen Aktivität eingenommen und kann noch bis zu 36 Stunden wirken [8]. Tadalafil gibt es auch zur einmal täglichen Einnahme; das kann laut Packungsbeilage bei Männern vorteilhaft sein, die zweimal oder öfter pro Woche sexuell aktiv sind [6]. Tadalafil ist außerdem gegen Beschwerden beim Wasserlassen bei gutartiger Prostatavergrößerung zugelassen [6]. Die Angaben der Packungsbeilagen zur Dosis stehen auf den Wirkstoffseiten unter Sildenafil: Dosierung und Tadalafil: Dosierung.
Nitrate: gefährliche Kombination
PDE-5-Hemmer dürfen laut Packungsbeilage nicht eingenommen werden, wenn Sie Nitrate anwenden, die häufig gegen Angina pectoris (Herzschmerzen) verordnet werden: Die Kombination kann einen gefährlichen Abfall des Blutdrucks bewirken. Dasselbe gilt für Stickstoffmonoxid-Donatoren wie Amylnitrit ("Poppers") und für Riociguat, ein Mittel gegen Lungenhochdruck [4, 6]. Laut EAU ist auch die gleichzeitige Anwendung von Nicorandil gegenangezeigt, weil es Stickstoffmonoxid freisetzen kann [1]. Bei Tadalafil hielt die Wechselwirkung mit Nitroglycerin in einer Studie mehr als 24 Stunden an. Wird ein Nitrat in einer lebensbedrohlichen Situation für nötig gehalten, sollten laut Fachinformation seit der letzten Tadalafil-Einnahme mindestens 48 Stunden vergangen sein [7].
Auch die Packungsbeilage des Nitrat-Sprays Nitrolingual akut (Wirkstoff Glyceroltrinitrat) verbietet die Anwendung, wenn Sie einen PDE-5-Hemmer eingenommen haben und akute Herzschmerzen bekommen. Wer dann ein Akutnitrat braucht, ist vorher sofort ins Krankenhaus einzuweisen [9]. Bei einem medizinischen Notfall sollten Sie laut Packungsbeilage von Sildenafil sagen, dass Sie das Mittel eingenommen haben und wann [4].
Herz, Blutdruck und andere Medikamente
Sexuelle Aktivität ist für Menschen mit einer Herzerkrankung ein mögliches Risiko, weil sie das Herz belastet [6]. Sildenafil darf laut Packungsbeilage unter anderem bei einer schweren Herz- oder Lebererkrankung, nach einem kürzlich erlittenen Schlaganfall oder Herzinfarkt und bei niedrigem Blutdruck nicht eingenommen werden [4]. Tadalafil darf laut Packungsbeilage nicht eingenommen werden bei einer schweren Herzerkrankung, nach einem Herzinfarkt in den letzten 90 Tagen, nach einem Schlaganfall in den letzten 6 Monaten und bei niedrigem oder unkontrolliert hohem Blutdruck [6].
Mit Alphablockern gegen Bluthochdruck oder Prostatavergrößerung kann es laut Packungsbeilage von Sildenafil zu Schwindel und Benommenheit durch zu niedrigen Blutdruck beim raschen Aufsetzen oder Aufstehen kommen, meist innerhalb von 4 Stunden; der Alphablocker sollte vorher in einer regelmäßigen Tagesdosis eingenommen werden [4]. Die Kombination von Tadalafil mit dem Alphablocker Doxazosin wird laut Fachinformation nicht empfohlen [7]. Sildenafil darf laut Packungsbeilage nicht gleichzeitig mit anderen Behandlungen der Erektionsstörung angewendet werden, Tadalafil laut Fachinformation nicht in solchen Kombinationen eingenommen werden [4, 7]. Prüfen Sie Ihre Medikamente mit Ihrer Apotheke; mehr im Ratgeber Wechselwirkungen.
Wenn Tabletten nicht infrage kommen oder nicht helfen
Spritzen in den Schwellkörper (Schwellkörper-Injektion) empfiehlt die EAU für gut informierte Patienten als alternative erste Behandlung oder als zweiten Schritt (starke Empfehlung). Das erste und einzige dafür zugelassene Mittel ist laut EAU Alprostadil; die Injektionstechnik lernen Betroffene in einer Schulung in der Praxis [1]. Alprostadil als Creme oder als kleines Stäbchen für die Harnröhre empfiehlt die EAU als alternative erste Behandlung für gut informierte Patienten in diesen Situationen (schwache Empfehlung) [1]:
- sie möchten keine Tabletten, oder Tabletten sind für sie nicht geeignet,
- sie möchten keine Spritzen in den Schwellkörper,
- sie bevorzugen eine weniger eingreifende Behandlung.
Welche Nebenwirkungen und Gegenanzeigen gelten, steht in der Packungsbeilage des jeweiligen Präparats. Sind die Kriterien für einen Testosteronmangel erfüllt, kann laut EAU eine Behandlung mit Testosteron auch bei Erektionsstörungen besser geeignet sein; Männer mit Testosteronmangel, die auf PDE-5-Hemmer nicht ansprechen, können danach besser darauf ansprechen [1]. Mehr dazu: Testosteronmangel. Ein Penisimplantat empfiehlt die EAU, wenn andere Behandlungen versagen oder der Patient es wünscht; über Nutzen und Risiken des Eingriffs sollten Patienten vorher vollständig informiert werden (starke Empfehlung) [1].
Nebenwirkungen der Medikamente
Die Nebenwirkungen von Sildenafil sind laut Packungsbeilage meist leicht bis mäßig und von kurzer Dauer [4]. Zu den häufigen Nebenwirkungen beider Wirkstoffe gehören laut Packungsbeilage Kopfschmerzen (bei Sildenafil sehr häufig), Gesichtsrötung, verstopfte Nase und Verdauungsstörungen; bei Sildenafil außerdem Übelkeit, Hitzewallungen, Störungen des Farbsehens, verschwommenes Sehen und Schwindel, bei Tadalafil Rücken- und Muskelschmerzen und Schmerzen in Armen und Beinen [4, 6]. Gelegentlich können bei beiden Wirkstoffen Herzklopfen, Herzrasen sowie hoher oder niedriger Blutdruck auftreten [4, 6]. Weil Sildenafil Schwindel verursachen und das Sehvermögen beeinflussen kann, achten Sie darauf, wie Sie reagieren, bevor Sie Auto fahren oder Maschinen bedienen [4].
Seltene, aber ernste Nebenwirkungen nennen beide Packungsbeilagen: übermäßig lang anhaltende und manchmal schmerzhafte Erektionen (Priapismus), eine plötzliche Verschlechterung oder ein Verlust des Sehvermögens (Sehstörungen), eine plötzliche Schwerhörigkeit oder Taubheit und Krampfanfälle [4, 6]. Bei Sildenafil sind schwerwiegende Hautreaktionen mit Blasen im Mund, an den Genitalien und um die Augen und Fieber selten (schwere Hautreaktionen) [4]. Herzinfarkte und Schlaganfälle sind bei Sildenafil selten [4]. Bei Tadalafil wurden sie selten berichtet; die meisten dieser Männer hatten schon vorher bekannte Herzerkrankungen [6]. Eine Erektion, die länger als 4 Stunden anhält, braucht sofort ärztliche Hilfe: Ein nicht sofort behandelter Priapismus kann laut Fachinformation das Gewebe im Penis schädigen und zu dauerhaftem Potenzverlust führen [5].
Alle Nebenwirkungen mit Häufigkeit finden Sie auf den Seiten Sildenafil und Tadalafil; was die Häufigkeitsangaben bedeuten, erklärt der Ratgeber Beipackzettel verstehen. Haben Sie ein verordnetes Medikament als Auslöser Ihrer Erektionsstörung im Verdacht, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Nebenwirkungen können Sie Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke mitteilen oder direkt dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte melden [6]. Wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden.
Leben mit Erektionsstörungen
Alkohol kann laut Packungsbeilage von Sildenafil vorübergehend die Fähigkeit herabsetzen, eine Erektion zu bekommen; vor der Einnahme sollten Sie keine übermäßigen Mengen trinken [4]. Bei Tadalafil kann übermäßiges Trinken (ab 0,8 Promille) laut Packungsbeilage das Risiko für Schwindel beim Aufstehen erhöhen; auch Grapefruitsaft könnte beeinflussen, wie gut Tadalafil wirkt [6]. Mehr im Ratgeber Medikamente und Alkohol.
Arzneimittel, die überwiegend zur Behandlung der erektilen Dysfunktion dienen, sind nach dem Fünften Sozialgesetzbuch von der Versorgung durch die gesetzliche Krankenversicherung ausgeschlossen [10]. Wer Herz-Kreislauf-Risikofaktoren hat, sollte sie unabhängig von der Erektionsstörung behandeln lassen: Die EAU sieht eine Erektionsstörung als Vorboten einer Herz-Kreislauf-Erkrankung. In einer Beobachtungsstudie hatten jüngere Männer mit Erektionsstörungen, besonders unter 50 Jahren, ein erhöhtes geschätztes Herz-Kreislauf-Risiko [1].
Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen
Lassen Sie eine Erektionsstörung ärztlich abklären, auch wenn sie Ihnen unangenehm ist, denn sie kann laut EAU auf eine unerkannte Erkrankung hinweisen [1]. Sofort ärztliche Hilfe brauchen Sie laut den Packungsbeilagen von Sildenafil und Tadalafil bei diesen Zeichen; die Packungsbeilagen sehen dann vor, die Einnahme zu beenden [4, 6]:
- Brustschmerzen; treten sie beim oder nach dem Sex auf, nehmen Sie laut Packungsbeilage von Sildenafil eine halbsitzende Haltung ein, versuchen zu entspannen und wenden keine Nitrate an,
- eine Erektion, die länger als 4 Stunden anhält,
- eine plötzliche Abnahme oder ein Verlust der Sehkraft, bei Tadalafil auch verzerrtes oder trübes Sehen,
- eine plötzliche Verschlechterung oder ein Verlust des Hörvermögens (Packungsbeilage von Tadalafil),
- Zeichen einer allergischen Reaktion, bei Sildenafil zum Beispiel plötzlich pfeifendes Atmen, Schwierigkeiten beim Atmen oder Schwellungen von Augenlidern, Gesicht, Lippen oder Rachen,
- schwere Hautreaktionen mit Blasen und Fieber oder Krampfanfälle (Packungsbeilage von Sildenafil).
Starke Brustschmerzen oder Herzbeschwerden, schwere Atemnot sowie Bewusstlosigkeit sind laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) Fälle für den Notruf 112 [11].
Quellen
- Leitlinie EAU Guidelines on Sexual and Reproductive Health, Kapitel 5 Management of Erectile Dysfunction (Abschnitte 5.1 bis 5.6 mit Empfehlungen und Empfehlungsstärken), Ausgabe 2026 (begrenzte Aktualisierung der Fassung 2025). European Association of Urology (EAU). Stand 2026. abgerufen am 18.10.2026
- Behörde ICD-Code N48.4: Impotenz organischen Ursprungs (Erläuterung in einfacher Sprache). Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de (Erläuterung der gemeinnützigen GmbH "Was hab' ich?" im Auftrag des BMG). Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
- Behörde ICD-Code F52.2: Versagen genitaler Reaktionen (Erläuterung in einfacher Sprache). Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de (Erläuterung der gemeinnützigen GmbH "Was hab' ich?" im Auftrag des BMG). Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
- EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation VIAGRA (EPAR), Anhang III B: Packungsbeilage VIAGRA 25 mg/50 mg/100 mg Filmtabletten. Viatris EESV (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand EMA, aktualisiert am 13.10.2026. abgerufen am 18.10.2026
- EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation VIAGRA (EPAR), Anhang I: Fachinformation VIAGRA Filmtabletten (Abschnitte 4.3, 4.4 und 5.1), und Anhang II (Verschreibungspflicht). Viatris EESV (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand EMA, aktualisiert am 13.10.2026. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Tadalafil-ratiopharm 5 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 11/2023. abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Tadalafil-ratiopharm 5 mg Filmtabletten (Abschnitte 4.4, 4.5 und 11). ratiopharm GmbH. Stand 01/2024. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Tadalafil-ratiopharm 20 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 11/2023. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Nitrolingual akut Spray (0,4 mg/Sprühstoß, Spray zur Anwendung in der Mundhöhle). G. Pohl-Boskamp GmbH & Co. KG. Stand 04/2018. abgerufen am 18.10.2026
- Behörde Sozialgesetzbuch Fünftes Buch (SGB V), Paragraf 34 Ausgeschlossene Arznei-, Heil- und Hilfsmittel, Absatz 1. Bundesministerium der Justiz (gesetze-im-internet.de). Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
- Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Abschnitte "116117 oder 112? Für alle Fälle die richtige Nummer" und "Fälle für die Notrufnummer 112"). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
Häufige Fragen
Was hilft gegen Erektionsstörungen?
Die Leitlinie der Europäischen Gesellschaft für Urologie (EAU) empfiehlt, den Lebensstil zu ändern und Risikofaktoren anzugehen, bevor oder während eine Behandlung beginnt (starke Empfehlung); mehr Bewegung, Abnehmen und die Behandlung von Herz-Kreislauf-Risikofaktoren können die Sexualfunktion verbessern. Als erste medikamentöse Behandlung empfiehlt sie PDE-5-Hemmer wie Sildenafil oder Tadalafil (starke Empfehlung). Weitere Möglichkeiten sind Spritzen in den Schwellkörper, eine Vakuumpumpe, wenn angezeigt eine kognitive Verhaltenstherapie zusammen mit der medizinischen Behandlung und ein Penisimplantat, wenn andere Behandlungen versagen oder der Patient es wünscht. Welche Behandlung zu Ihnen passt, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Gibt es Potenzmittel ohne Rezept?
Nein, PDE-5-Hemmer wie Sildenafil und Tadalafil sind laut Produktinformation verschreibungspflichtig. Vor einer Behandlung sollten laut Fachinformation von Sildenafil die Diagnose gestellt und die Ursachen mit Befragung und körperlicher Untersuchung ermittelt werden; außerdem sollte die Ärztin oder der Arzt den Zustand von Herz und Kreislauf berücksichtigen, weil sexuelle Aktivität mit einem gewissen Risiko für das Herz verbunden ist. Wirkt eine Behandlung nicht, sollte laut EAU-Leitlinie unter anderem geprüft werden, ob ein zugelassenes Arzneimittel verwendet wurde. Worauf Sie beim Kauf im Internet achten sollten, steht im Ratgeber Medikamente online kaufen.
Was ist der Unterschied zwischen Sildenafil und Tadalafil?
Beide gehören zu den PDE-5-Hemmern; Unterschiede in der Wirksamkeit zwischen den PDE-5-Hemmern sind laut EAU-Leitlinie nicht belegt. Welches Mittel gewählt wird, hängt laut EAU davon ab, wie oft jemand Geschlechtsverkehr hat, und von den eigenen Erfahrungen. Sildenafil wird laut Packungsbeilage ungefähr 1 Stunde vor dem Geschlechtsverkehr eingenommen. Tadalafil zur Einnahme nach Bedarf wird mindestens 30 Minuten vorher eingenommen und kann laut Packungsbeilage noch bis zu 36 Stunden wirken; außerdem gibt es Tadalafil zur einmal täglichen Einnahme. Die Angaben der Packungsbeilagen zur Dosis stehen auf den Seiten Sildenafil und Tadalafil.
Warum darf ich Potenzmittel nicht mit Nitraten nehmen?
PDE-5-Hemmer verstärken die blutdrucksenkende Wirkung von Nitraten; die Kombination kann laut Packungsbeilage einen gefährlichen Abfall des Blutdrucks bewirken. Nitrate werden häufig gegen Angina pectoris (Herzschmerzen) verordnet, zum Beispiel als Spray mit Glyceroltrinitrat. Dasselbe gilt für Amylnitrit ("Poppers") und für Riociguat. Nach Tadalafil sollten laut Fachinformation mindestens 48 Stunden vergehen, bevor in einer lebensbedrohlichen Situation ein Nitrat erwogen wird. Wer einen PDE-5-Hemmer genommen hat und bei einem Anfall von Herzschmerzen ein Akutnitrat braucht, ist laut Packungsbeilage von Nitrolingual akut Spray vorher sofort ins Krankenhaus einzuweisen.
Können Erektionsstörungen auf eine Herzkrankheit hinweisen?
Ja. Erektionsstörungen haben laut EAU-Leitlinie gemeinsame Risikofaktoren mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen und erhöhen das Risiko unter anderem für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die koronare Herzkrankheit und den Schlaganfall. Die EAU sieht eine Erektionsstörung deshalb als Vorboten einer Herz-Kreislauf-Erkrankung; je stärker und länger sie besteht, desto größer ist das Risiko. Lassen Sie Erektionsstörungen deshalb ärztlich abklären, auch wenn Sie keine Medikamente möchten.
Zahlt die Krankenkasse Potenzmittel?
Die gesetzlichen Krankenkassen nicht: Nach Paragraf 34 des Fünften Sozialgesetzbuchs (SGB V) sind Arzneimittel, die überwiegend zur Behandlung der erektilen Dysfunktion dienen, von der Versorgung durch die gesetzliche Krankenversicherung ausgeschlossen. Das Nähere regeln die Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses.
Können Medikamente Erektionsstörungen auslösen?
Ja. Die EAU-Leitlinie nennt als mögliche medikamentöse Ursachen unter anderem Blutdrucksenker wie Thiazid-Diuretika und Betablocker, Antidepressiva, Antipsychotika und Mittel gegen männliche Geschlechtshormone (Antiandrogene) wie GnRH-Analoga und 5-Alpha-Reduktasehemmer. Welche Packungsbeilagen Erektionsstörungen als Nebenwirkung nennen, steht auf der Seite Libido- und Potenzprobleme durch Medikamente. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.
Was kann ich tun, wenn die Tablette nicht wirkt?
Häufigster Grund für eine fehlende Wirkung sind laut EAU-Leitlinie eine falsche Anwendung oder fehlende Informationen; die EAU empfiehlt, über Wirkweise und richtige Einnahme vollständig aufzuklären (schwache Empfehlung). PDE-5-Hemmer helfen laut Packungsbeilage nur bei sexueller Stimulation, und nach einer reichhaltigen Mahlzeit kann es bei Sildenafil länger dauern, bis die Wirkung einsetzt. Löst das Mittel keine Erektion aus oder hält sie nicht lange genug an, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Nehmen Sie nicht mehr ein als verordnet.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
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