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Testosteronmangel

Ein Testosteronmangel beim Mann (männlicher Hypogonadismus) ist laut Leitlinie der Europäischen Gesellschaft für Urologie (EAU) ein Krankheitsbild aus Beschwerden und einem im Labor nachgewiesenen Mangel an Testosteron; typisch sind zum Beispiel ein nachlassendes sexuelles Verlangen, Erektionsstörungen und Müdigkeit. Testosteron als Gel oder Spritze ist laut Fach- und Gebrauchsinformation nur für einen Mangel bestimmt, der durch Krankheitszeichen und Laborwerte bestätigt ist; vorher empfiehlt die EAU unter anderem, das Gewicht zu verringern, Begleiterkrankungen zu behandeln und Medikamente, die die Testosteronbildung stören, wenn möglich abzusetzen (starke Empfehlung). Bei Zeichen eines Blutgerinnsels wie plötzlicher Atemnot oder einem schmerzhaft geschwollenen Bein brauchen Sie unter Testosteron dringend ärztliche Hilfe.

Mann Anfang fünfzig mit kurzem braunem, an den Schläfen ergrautem Haar im waldgrünen Pullover spaziert mit seiner Frau an einem herbstlichen Seeufer
Bild: KI-generiert

Ein Testosteronmangel beim Mann heißt in der Medizin männlicher Hypogonadismus, also eine Unterfunktion der Hoden. Laut Leitlinie der Europäischen Gesellschaft für Urologie (EAU) gehören dazu Beschwerden und ein im Labor nachgewiesener Mangel an Testosteron [1]. Testosteron als Gel oder Depotspritze ist laut Fach- und Gebrauchsinformation nur zur Behandlung eines Mangels bestimmt, der durch Krankheitszeichen und Laborwerte bestätigt ist [4, 5]. Liegt keine erkennbare Erkrankung von Hoden oder Hirnanhangsdrüse vor, sondern ein sogenannter funktioneller Mangel, stehen laut EAU Lebensstil, Gewicht und die Behandlung von Begleiterkrankungen an erster Stelle [1].

Was ist ein Testosteronmangel?

Testosteron ist das wichtigste männliche Geschlechtshormon. Die natürlichen Androgene, vor allem Testosteron, sind laut Fachinformation für die Entwicklung der Geschlechtsorgane und die Aufrechterhaltung der männlichen Geschlechtsmerkmale verantwortlich, etwa Körperbehaarung, Stimmbruch und Libido; sie fördern außerdem den Eiweißaufbau, die Entwicklung der Skelettmuskulatur und die Verteilung des Körperfetts [4].

Die EAU beschreibt den männlichen Hypogonadismus als Krankheitsbild aus Beschwerden, mit oder ohne körperliche Zeichen, und einem laborchemisch nachgewiesenen Testosteronmangel. Er kann viele Organfunktionen und die Lebensqualität beeinträchtigen [1]. Die Leitlinie unterscheidet [1]:

  • Primärer Hypogonadismus: Die Hoden selbst arbeiten nicht ausreichend. Häufigste genetische Ursache ist das Klinefelter-Syndrom, bei dem ein zusätzliches X-Chromosom vorliegt [1].
  • Sekundärer Hypogonadismus: Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) und Hypothalamus regen die Hoden nicht ausreichend an [1].
  • Funktioneller Hypogonadismus: Es gibt keine erkennbare organische Störung; der Mangel ist vor allem eine Folge von Begleiterkrankungen und sollte zuerst durch deren Behandlung angegangen werden [1].

Laut einem Übersichtsbeitrag in der Zeitschrift Arzneiverordnung in der Praxis der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) aus dem Jahr 2021 finden sich in der andrologischen Abklärung die klassischen Ursachen bei höchstens 5 von 100 Männern, die wegen eines Hypogonadismus in die Praxis kommen; bei den übrigen liegt ein funktioneller Hypogonadismus vor [2]. Die Häufigkeit eines im Erwachsenenalter auftretenden Testosteronmangels steigt laut EAU mit dem Alter, wobei starkes Übergewicht, andere Begleiterkrankungen wie Diabetes und ein insgesamt schlechter Gesundheitszustand die Hauptursachen sind [1].

Symptome

Die EAU nennt Beschwerden, die eher spezifisch für einen Testosteronmangel sind, und solche, die weniger spezifisch sind; sexuelle Beschwerden sind danach die spezifischsten [1]:

  • Sexuell: weniger sexuelles Verlangen (Libido), Erektionsstörungen und seltenere spontane oder morgendliche Erektionen; weniger spezifisch sind seltenerer Geschlechtsverkehr und ein verzögerter Samenerguss [1].
  • Körperlich: weniger anstrengende Aktivität, Schwierigkeiten, mehr als einen Kilometer zu gehen oder sich zu bücken; weniger spezifisch sind Hitzewallungen, Energiemangel und eine geringere körperliche Kraft [1].
  • Psychisch: gedrückte Stimmung, weniger Antrieb und Müdigkeit; weniger spezifisch sind Konzentrations- oder Gedächtnisprobleme und Schlafstörungen [1].

Diese Beschwerden kommen laut EAU nicht nur bei einem Testosteronmangel vor und müssen deshalb immer zusammen mit dem gesamten klinischen Bild und den Laborwerten beurteilt werden [1]. Auch Menschen mit Depression oder starkem Übergewicht berichten laut AkdÄ-Übersicht zahlreiche solcher unspezifischen Beschwerden [2]. Kopfschmerzen oder Sehstörungen können laut EAU auf eine Erkrankung der Hirnanhangsdrüse hinweisen [1]. Als klinische Anzeichen nennt die Packungsbeilage von Testogel außerdem den Verlust von Knochensubstanz durch die niedrige Hormonkonzentration, eine Rückbildung der männlichen Geschlechtsmerkmale und einen Rückgang der fettfreien Körpermasse [3]. Mehr dazu unter Erektionsstörungen und Osteoporose.

Ursachen und Risikofaktoren

Als Ursachen eines primären Hypogonadismus führt die EAU unter anderem das Klinefelter-Syndrom, nicht behandelte Hodenhochstände, eine Entfernung oder Verletzung beider Hoden, eine Bestrahlung der Hoden und eine Hodenentzündung, zum Beispiel bei Mumps, auf [1]. Ein sekundärer Hypogonadismus kann laut EAU unter anderem durch Tumoren der Hirnanhangsdrüse, einen erhöhten Prolaktinspiegel, Kopfverletzungen oder das angeborene Kallmann-Syndrom entstehen [1].

Für einen funktionellen Hypogonadismus nennt die AkdÄ-Übersicht das Alter, das metabolische Syndrom, starkes Übergewicht (Adipositas), chronische Entzündungen, Depression, übermäßigen Sport, Unterernährung und eine Niereninsuffizienz [2]. Die EAU nennt als Hauptursachen Übergewicht, Begleiterkrankungen und das Alter, wobei die ersten beiden die meisten Fälle ausmachen; das Alter scheint bis 80 Jahre danach eine relativ kleine Rolle zu spielen [1]. Relativ häufig ist ein niedriges Testosteron laut EAU bei Männern mit Typ-2-Diabetes und Stoffwechselstörungen [1]. Akute Erkrankungen sind laut EAU mit einem funktionellen Hypogonadismus verbunden; das Testosteron sollte in dieser Zeit nicht bestimmt werden [1]. Mehr dazu unter Adipositas, Diabetes Typ 2, Depression und Niereninsuffizienz.

Medikamente als Ursache: Einen sekundären Hypogonadismus können laut EAU unter anderem Opioide, Glukokortikoide (Kortison), GnRH-Agonisten und -Antagonisten (Mittel, die die Hormonsteuerung der Hirnanhangsdrüse beeinflussen), Östrogene, Gestagene und Mittel auslösen, die den Prolaktinspiegel erhöhen; einen primären unter anderem bestimmte Krebsmedikamente (Chemotherapie) [1]. Die Leitlinie empfiehlt, bei der Abklärung nach Begleiterkrankungen, Medikamenten und Substanzen zu fragen, die die Bildung oder Wirkung von Testosteron stören können (starke Empfehlung) [1]. Mehr unter Libido- und Potenzprobleme durch Medikamente, Opioide, Glucocorticoide und Prolaktin und Brustveränderungen.

Diagnose

Für die Diagnose empfiehlt die EAU (jeweils starke Empfehlung) [1]:

  • das Gesamt-Testosteron morgens zwischen 7 und 10 Uhr und nüchtern mit einem zuverlässigen Laborverfahren zu messen,
  • die Messung an mindestens zwei Terminen zu wiederholen, wenn der Wert unter 12 nmol/l liegt, und vor jeder Testosteronbehandlung,
  • 12 nmol/l (3,5 ng/ml) als verlässlichen Grenzwert für die Diagnose eines im Erwachsenenalter auftretenden Testosteronmangels zu verwenden,
  • die Hormone LH und FSH zu bestimmen, um die Formen des Hypogonadismus zu unterscheiden, und bei vermindertem sexuellem Verlangen oder anderen Hinweisen und einem sekundären Hypogonadismus das Prolaktin,
  • bei Bedarf das Bindungseiweiß SHBG zu messen und das freie Testosteron zu berechnen.

Die EAU empfiehlt, nur bei Männern mit Beschwerden nach einem Testosteronmangel zu suchen und strukturierte Interviews oder Fragebögen zur Selbsteinschätzung wegen ihrer geringen Spezifität, also weil sie auch bei Männern ohne Mangel auffällig ausfallen können, nicht als Suchtest zu verwenden (jeweils starke Empfehlung) [1]. Zur Untersuchung gehören laut EAU unter anderem der Body-Mass-Index, der Taillenumfang, die Größe von Hoden und Penis und vor einer Testosteronbehandlung eine Tastuntersuchung der Prostata [1]. Laut Fachinformation von Testogel sollten alle Testosteronmessungen einer Person im selben Labor erfolgen, weil Laborwerte schwanken; einen Konsens über altersabhängige Referenzwerte gibt es danach bisher nicht [4].

Behandlung ohne Medikamente

Ein funktioneller Hypogonadismus hängt laut EAU häufig mit Übergewicht und Stoffwechselstörungen zusammen. Abnehmen und Änderungen des Lebensstils sollten danach bei allen Männern mit Hypogonadismus und Übergewicht der erste Ansatz sein; Gewichtsabnahme durch kalorienarme Ernährung und regelmäßige Bewegung führt zu einer kleinen Verbesserung des Testosteronspiegels [1]. Vor einer Testosteronbehandlung empfiehlt die EAU (starke Empfehlung), den Lebensstil zu verbessern und Gewicht abzubauen, Medikamente, die die Testosteronbildung beeinträchtigen können, wenn möglich abzusetzen und Begleiterkrankungen zu behandeln [1]. Organische Ursachen wie Tumoren der Hirnanhangsdrüse oder einen erhöhten Prolaktinspiegel zu behandeln, wenn das angezeigt ist, empfiehlt die EAU ebenfalls (starke Empfehlung) [1]. Ob ein Medikament abgesetzt oder ersetzt werden kann, entscheidet die Ärztin oder der Arzt. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Mehr dazu im Ratgeber Medikamente absetzen.

Behandlung mit Medikamenten

Mann Mitte vierzig mit kurzem dunkelblondem Haar im hellblauen Hemd spricht in einer hellen Praxis mit einem Arzt mit Brille, der ihm ruhig zuhört
Bild: KI-generiert

Testosteron-Gel (Testogel) ist laut Fachinformation zur Testosteronersatztherapie bei männlichem Hypogonadismus zugelassen, wenn der Testosteronmangel klinisch und labormedizinisch bestätigt wurde [4]. Es darf danach nur bei einem nachgewiesenen Hypogonadismus und nach Ausschluss anderer Ursachen der Beschwerden angewendet werden; der Mangel muss durch zwei getrennte Bestimmungen des Testosteronspiegels bestätigt sein [4]. Laut Packungsbeilage ist das Gel nur für erwachsene Männer bestimmt; Frauen dürfen es nicht anwenden, und junge Männer unter 18 Jahren sollten es nicht anwenden [3]. Die Depotspritze (Testosteron-ratiopharm) wird laut ihrer Packungsbeilage ebenfalls bei erwachsenen Männern zur Testosteronersatztherapie angewendet; der Mangel muss durch zwei voneinander unabhängige Bestimmungen im Blut bestätigt sein, und bestimmte klinische Anzeichen sollten vorhanden sein [5].

Testosteron bei bestätigtem Testosteronmangel
WirkstoffgruppeBeispieleWie sie wirkenHäufige Nebenwirkungen
Männliche Geschlechtshormone (Androgene): Gel zum Auftragen auf die HautTestosteron als Gel [3]Ersetzt das fehlende Testosteron; nach dem Auftragen auf Schultern und Oberarme wird ein Teil über die Haut aufgenommen [3, 4]Häufig, also bei bis zu 1 von 10 Behandelten: Stimmungsveränderungen, Schwindel, "Ameisenlaufen", Gedächtnisverlust, gesteigertes Schmerzempfinden, Kopfschmerzen, hoher Blutdruck, Durchfall, Haarausfall, Nesselsucht, Vergrößerung der Brustdrüsen, Reaktionen an der Anwendungsstelle, Anstieg von Hämatokrit, Hämoglobin und roten Blutkörperchen, veränderte Blutfette [3]
Männliche Geschlechtshormone (Androgene): Depotspritze in den MuskelTestosteron als Testosteronundecanoat [5]Wird in einen Muskel gespritzt, dort gespeichert und allmählich über einen längeren Zeitraum freigesetzt [5]Häufig: Vermehrung der roten Blutzellen, Gewichtszunahme, Hitzewallungen, Akne, gutartige Vergrößerung der Prostata mit den damit verbundenen Beschwerden, Reaktionen an der Injektionsstelle; selten, also bei bis zu 1 von 1.000 Behandelten: ölige Lösung gelangt in die Lunge (Öl-Mikroembolie) [5]

Wie Sie Angaben wie "häufig" und "selten" einordnen, erklärt der Ratgeber Beipackzettel verstehen. Die Mengen laut Packungsbeilage stehen auf der Wirkstoffseite unter Dosierung; wie viel Sie anwenden, legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest [3].

Was die EAU-Leitlinie empfiehlt

Die EAU-Leitlinie (Ausgabe 2026) empfiehlt [1]:

  • keine Testosteronbehandlung bei Männern mit normalem Testosteronspiegel (starke Empfehlung),
  • kein Testosteron gegen männliche Unfruchtbarkeit und bei Männern mit Kinderwunsch (starke Empfehlung),
  • kein Testosteron, um Gewicht zu verringern oder den Herz-Kreislauf- und Stoffwechselzustand zu verbessern (schwache Empfehlung),
  • kein Testosteron, um geistige Leistungsfähigkeit, Vitalität und Körperkraft bei älteren Männern zu verbessern (starke Empfehlung),
  • bei starken depressiven Beschwerden und bei Osteoporose die üblichen Behandlungen (starke Empfehlung),
  • bei Männern mit Hypogonadismus und leichter Erektionsstörung Testosteron als erste Behandlung (starke Empfehlung).

Vor der Behandlung empfiehlt die EAU, Patienten umfassend über den erwarteten Nutzen und die Nebenwirkungen aufzuklären und das Präparat gemeinsam auszuwählen (starke Empfehlung). Bei Männern mit hohem Risiko empfiehlt die Leitlinie, zu Beginn eher ein Gel als eine Depotspritze zu verwenden (schwache Empfehlung) [1]. Laut AkdÄ-Übersicht sollte ein Behandlungsversuch beim funktionellen Hypogonadismus besser mit einem Gel erfolgen, weil Spritzen in den Muskel meist die steuernden Hormone der Hirnanhangsdrüse unterdrücken und nach dem Absetzen zu einem vorübergehenden Testosteronmangel führen; ohne Besserung nach 6 bzw. 12 Monaten sollte die Behandlung danach wieder beendet werden [2]. Ob und wie lange behandelt wird, entscheidet die Ärztin oder der Arzt.

Bei Kinderwunsch: Gonadotropine

Testosteron von außen hemmt laut EAU die Ausschüttung der steuernden Hormone der Hirnanhangsdrüse und damit die Bildung von Samenzellen [1]. Laut Packungsbeilage von Testogel kann die Produktion von Samenzellen unterdrückt werden, das ist jedoch umkehrbar [3]. Bei Männern mit sekundärem Hypogonadismus und Kinderwunsch sollte laut EAU eine Behandlung mit Gonadotropinen als Standard gelten, also mit Hormonen, die die Hoden anregen; hCG sollte danach zusammen mit FSH gegeben werden [1].

Wer kein Testosteron anwenden darf

Testosteron-Gel darf laut Packungsbeilage nicht angewendet werden bei Prostatakrebs oder Brustkrebs oder dem Verdacht darauf und bei einer Allergie gegen Testosteron oder einen der sonstigen Bestandteile [3]. Für die Depotspritze kommt laut deren Packungsbeilage ein bestehender oder früherer Lebertumor hinzu; bei Kindern und Jugendlichen darf sie nicht angewendet werden [5]. Mehr unter Prostatavergrößerung.

Nebenwirkungen der Medikamente

Rote Blutkörperchen: Bei einer längeren Behandlung kann die Zahl der roten Blutkörperchen laut Packungsbeilage anormal ansteigen (Polyzythämie); deshalb sind regelmäßige Blutuntersuchungen nötig [3]. Ein Hämatokrit über 54 Prozent erfordert laut EAU eine Anpassung oder Beendigung der Behandlung und bei Bedarf einen Aderlass (starke Empfehlung) [1]. Zusammen mit SGLT-2-Hemmern (Mittel gegen Diabetes wie Empagliflozin, Dapagliflozin oder Canagliflozin) kann Testosteron laut Packungsbeilage der Depotspritze die Zahl der roten Blutkörperchen erhöhen; die Ärztin oder der Arzt muss die Blutwerte dann möglicherweise häufiger kontrollieren [5]. Für Testosteron zum Auftragen auf die Haut werden die Zulassungen nach einem Durchführungsbeschluss der Europäischen Kommission vom 30.01.2026 um diese Wechselwirkung ergänzt; bei Männern, die beide Mittel erhalten, wird danach eine Überwachung von Hämatokrit und Hämoglobin empfohlen [9]. Mehr dazu: Veränderte Laborwerte.

Blutgerinnsel: Bei Männern mit Gerinnungsneigung (Thrombophilie) oder Risikofaktoren für Blutgerinnsel in den Venen wurden laut Fachinformation unter Testosteron Thrombosen berichtet, etwa tiefe Venenthrombosen und Lungenembolien [4]. Die EAU empfiehlt, vor Beginn Blutgerinnsel in den Venen bei Familienangehörigen abzuklären (starke Empfehlung) [1]. Mehr unter Thromboserisiko.

Herz und Blutdruck: Testosteron kann laut Packungsbeilage den Blutdruck erhöhen; bei schwerer Herz-, Leber- oder Nierenerkrankung oder einer Durchblutungsstörung des Herzens kann die Behandlung ernsthafte Komplikationen durch Wassereinlagerungen verursachen, manchmal mit Herzschwäche [3, 4]. Treten solche Komplikationen auf, muss die Behandlung laut Fachinformation sofort abgebrochen werden [4]. Die Europäische Arzneimittel-Agentur prüfte 2014 in einem Verfahren nach Artikel 31 ein mögliches Herz-Kreislauf-Risiko; ihr Sicherheitsausschuss PRAC kam in seiner Empfehlung vom 9. Oktober 2014 zu dem Schluss, dass die Daten nicht durchgängig ein erhöhtes Risiko zeigen und das Signal schwach und nicht eindeutig bleibt. Der PRAC empfahl, in die Produktinformation aufzunehmen, dass die Entscheidung für eine Verordnung auf der Bestätigung klinischer Anzeichen und von Laboruntersuchungen beruhen sollte [6]. Die EAU empfiehlt, vor Beginn die Herz-Kreislauf-Risikofaktoren zu prüfen (starke Empfehlung) [1]. Mehr unter Blutdruckanstieg und Wassereinlagerungen.

Prostata und Brust: Androgene können laut Fachinformation die Entwicklung eines unentdeckten Prostatakrebses und einer gutartigen Prostatavergrößerung beschleunigen. Während der Behandlung müssen Prostata und Brust danach mindestens einmal pro Jahr kontrolliert werden, bei älteren Männern und Risikopatienten zweimal pro Jahr, mit Tastuntersuchung und PSA-Wert [4]. Mehr unter Brustveränderungen.

Übertragung des Gels: Bei wiederholtem oder längerem Körperkontakt kann das Gel auf andere Menschen übertragen werden; schwangere Frauen dürfen keinerlei Kontakt mit dem Gel oder den behandelten Hautstellen haben, weil es beim ungeborenen Kind zu einer Vermännlichung führen kann [3]. Nach dem Durchführungsbeschluss der Europäischen Kommission vom 30.01.2026 soll die Packungsbeilage künftig raten, die Anwendungsstelle stets mit Kleidung zu bedecken, damit das Gel auch nicht auf Haustiere übertragen wird [9]. Wie Sie eine Übertragung vermeiden, steht auf der Seite Testosteron.

Öl-Mikroembolie bei der Spritze: Die ölige Lösung kann selten in die Lunge gelangen und während oder unmittelbar nach der Injektion zu Husten, Kurzatmigkeit, Unwohlsein, Schwitzen, Brustschmerzen, Schwindel, Kribbeln oder Ohnmacht führen; diese Reaktionen bilden sich zurück [5]. Laut einem mit dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) abgestimmten Leitfaden für Angehörige der Heilberufe (Schulungsmaterial, Version 1 vom April 2025) muss die Lösung exakt in den Muskel und sehr langsam gespritzt werden, und der Patient ist während und unmittelbar nach jeder Injektion zu beobachten [7].

Die Therapie sollten Sie laut Packungsbeilage nicht abbrechen, ohne dass Ihre Ärztin oder Ihr Arzt Sie dazu aufgefordert hat [3]. Nebenwirkungen können Sie Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke mitteilen oder direkt dem BfArM melden [3]. Wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden.

Leben mit Testosteronmangel: Kontrollen

Vor und während der Behandlung sollte die Ärztin oder der Arzt laut Packungsbeilage die Testosteronkonzentration und das vollständige Blutbild bestimmen; regelmäßige Kontrollen finden mindestens einmal pro Jahr statt, bei älteren Männern und Risikopatienten zweimal pro Jahr [3]. Die EAU empfiehlt, Testosteron und Hämatokrit 3, 6 und 12 Monate nach Beginn und danach jährlich zu kontrollieren (starke Empfehlung); Männer mit höherem Risiko für einen erhöhten Hämatokrit sollten danach im ersten Jahr alle drei Monate und anschließend mindestens alle sechs Monate untersucht werden (starke Empfehlung) [1]. Haben Sie Diabetes und spritzen Insulin, kann Testosteron laut Packungsbeilage die Reaktion auf Insulin beeinflussen [3]. Ihre Mittel behalten Sie mit dem Medikationsplan im Blick.

Reizbarkeit, Nervosität, Gewichtszunahme oder häufige oder lang anhaltende Erektionen können laut Packungsbeilage auf eine zu hohe Dosis hinweisen; sprechen Sie dann mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt [3, 5]. Haben Sie Atembeschwerden beim Schlafen (Schlafapnoe), sprechen Sie laut Packungsbeilage vor der Anwendung mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, weil Testosteron solche Beschwerden verschlimmern kann; sie sind wahrscheinlicher bei Übergewicht oder chronischen Lungenproblemen [3].

Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen

Bei Zeichen eines Blutgerinnsels suchen Sie laut Packungsbeilage von Testogel dringend eine Ärztin oder einen Arzt auf: schmerzhafte Schwellung eines Beins oder plötzliche Verfärbung der Haut, plötzliche Atemnot, plötzlicher unerklärlicher Husten, auch mit Blut, plötzliche Brustschmerzen, starke Benommenheit oder starker Schwindel, starke Magenschmerzen, plötzlicher Sehverlust [3]. Mehr unter Thrombose und Lungenembolie.

Schmerzhafte Dauererektionen (Priapismus) nennt die Packungsbeilage des Gels als seltene Nebenwirkung [3]. Schwere Atemnot sowie starke Brustschmerzen oder Herzbeschwerden sind laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) Fälle für den Notruf 112; außerhalb der Sprechzeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117, wenn die Behandlung nicht bis zum nächsten Tag warten kann [8].

Quellen

  1. Leitlinie EAU Guidelines on Sexual and Reproductive Health, Kapitel 3 Male Hypogonadism (Abschnitte 3.1 bis 3.5 mit Empfehlungen und Empfehlungsstärken), Ausgabe 2026 (begrenzte Aktualisierung der Fassung 2025). European Association of Urology (EAU). Stand 2026. abgerufen am 17.10.2026
  2. Differenzialdiagnostik und -therapie des männlichen Hypogonadismus (Diederich S.), Arzneiverordnung in der Praxis, Band 48, Heft 1-2, S. 5-10. Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ). Stand 04/2021. abgerufen am 17.10.2026
  3. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Testogel Dosiergel 16,2 mg/g Gel. Besins Healthcare Germany GmbH. Stand 11/2024. abgerufen am 17.10.2026
  4. Fachinformation Fachinformation Testogel Dosiergel 16,2 mg/g Gel. Besins Healthcare Germany GmbH. Stand 11/2024. abgerufen am 17.10.2026
  5. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Testosteron-ratiopharm 1000 mg/4 ml Injektionslösung. ratiopharm GmbH. Stand 11/2025. abgerufen am 17.10.2026
  6. Behörde Testosteron enthaltende Arzneimittel, Verfahren nach Artikel 31 der Richtlinie 2001/83/EG, Anhang II: Wissenschaftliche Schlussfolgerungen (PRAC-Empfehlung vom 09.10.2014 und Einigung der CMDh). Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA). Stand 2014. abgerufen am 17.10.2026
  7. Behörde Leitfaden zur Verringerung von Arzneimittel- und Anwendungsrisiken für Angehörige der Heilberufe: Testosteronundecanoat und Testosteronenantat Injektionslösung, Version 1 (Schulungsmaterial, mit dem BfArM abgestimmt). Zulassungsinhaber in Abstimmung mit dem BfArM; veröffentlicht vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. Stand 04/2025. abgerufen am 17.10.2026
  8. Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Abschnitte "116117 oder 112? Für alle Fälle die richtige Nummer" und "Fälle für die Notrufnummer 112"). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 17.10.2026
  9. Behörde Testosteron (topische Anwendung): Durchführungsbeschluss C(2026) 700 der Europäischen Kommission vom 30.01.2026 nach dem PSUR-Verfahren, Anhang I (wissenschaftliche Schlussfolgerungen) und Anhang II (Änderungen der Produktinformation), deutsche Fassung. Europäische Kommission; veröffentlicht vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand 30.01.2026. abgerufen am 17.10.2026

Häufige Fragen

Woran erkenne ich einen Testosteronmangel?

Die spezifischsten Beschwerden eines Testosteronmangels sind laut EAU-Leitlinie sexuelle: weniger sexuelles Verlangen, Erektionsstörungen und seltenere spontane oder morgendliche Erektionen. Dazu kommen zum Beispiel Müdigkeit, gedrückte Stimmung, weniger Antrieb und eine geringere körperliche Leistungsfähigkeit. Diese Beschwerden kommen laut EAU aber nicht nur bei einem Testosteronmangel vor. Ob wirklich ein Mangel vorliegt, zeigen laut EAU erst wiederholte Blutuntersuchungen am Morgen.

Ab welchem Wert spricht man von einem Testosteronmangel?

Die EAU-Leitlinie empfiehlt, ein Gesamt-Testosteron von 12 nmol/l (3,5 ng/ml) als Grenzwert für die Diagnose eines Testosteronmangels im Erwachsenenalter zu verwenden (starke Empfehlung). Die EAU empfiehlt außerdem, morgens zwischen 7 und 10 Uhr und nüchtern zu messen und einen Wert unter 12 nmol/l an mindestens zwei Terminen zu wiederholen (jeweils starke Empfehlung). Die Diagnose stützt sich immer auf Beschwerden und Laborwerte zusammen.

Sinkt das Testosteron mit dem Alter?

Laut Fachinformation von Testogel sinkt der Testosteronspiegel mit zunehmendem Alter physiologisch ab; einen Konsens über altersabhängige Referenzwerte gibt es danach bisher nicht. Laut EAU geht das Testosteron bei gesunden Männern bis zum Alter von 80 Jahren nur wenig und allmählich zurück; die meisten Fälle eines funktionellen Mangels erklären sich durch starkes Übergewicht und Begleiterkrankungen. Zur Steigerung von geistiger Leistungsfähigkeit, Vitalität und Körperkraft bei älteren Männern empfiehlt die EAU Testosteron nicht (starke Empfehlung).

Welche Medikamente können den Testosteronspiegel senken?

Die EAU-Leitlinie nennt unter anderem Opioide, Glukokortikoide (Kortison), Mittel, die bestimmte Hormone der Hirnanhangsdrüse beeinflussen (GnRH-Agonisten und -Antagonisten), Östrogene und Gestagene, Mittel, die den Prolaktinspiegel erhöhen, sowie bestimmte Krebsmedikamente. Ob ein Mittel abgesetzt werden kann, entscheidet die Ärztin oder der Arzt. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.

Darf ich Testosteron nehmen, wenn ich Kinder möchte?

Die EAU empfiehlt, Testosteron weder gegen männliche Unfruchtbarkeit noch bei Männern mit Kinderwunsch einzusetzen (starke Empfehlung), denn Testosteron von außen kann die Bildung von Samenzellen unterdrücken; laut Packungsbeilage von Testogel ist das umkehrbar. Bei einem sekundären Hypogonadismus und Kinderwunsch sollten laut EAU Gonadotropine als Standard gelten, also Hormone, die die Hoden anregen. Sprechen Sie Ihren Kinderwunsch vor Beginn einer Behandlung an.

Ist Testosteron schlecht für das Herz?

Die Europäische Arzneimittel-Agentur hat das 2014 in einem Verfahren nach Artikel 31 geprüft: Der Sicherheitsausschuss PRAC sah in seiner Empfehlung vom 9. Oktober 2014 in der Gesamtheit der Daten kein durchgängig erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Ereignisse, das Signal blieb schwach und nicht eindeutig. Der PRAC empfahl, in die Produktinformation aufzunehmen, dass die Verordnung auf der Bestätigung klinischer Anzeichen und von Laborwerten beruhen sollte. Die EAU empfiehlt, vor Beginn die Herz-Kreislauf-Risikofaktoren zu prüfen (starke Empfehlung). Bei schwerer Herz-, Leber- oder Nierenerkrankung kann Testosteron laut Fachinformation ernsthafte Komplikationen durch Wassereinlagerungen verursachen.

Welche Kontrollen sind unter Testosteron nötig?

Vor und während der Behandlung sollte die Ärztin oder der Arzt laut Packungsbeilage von Testogel die Testosteronkonzentration und das vollständige Blutbild bestimmen. Prostata und Brust müssen laut Fachinformation mindestens einmal pro Jahr kontrolliert werden, bei älteren Männern und Risikopatienten zweimal pro Jahr, mit Tastuntersuchung und PSA-Wert. Die EAU empfiehlt, Testosteron und den Anteil der roten Blutkörperchen (Hämatokrit) nach 3, 6 und 12 Monaten und danach jährlich zu kontrollieren (starke Empfehlung).

Was ist besser, Gel oder Spritze?

Die EAU empfiehlt, das Präparat gemeinsam mit dem Patienten auszuwählen, nachdem er über Nutzen und Risiken aufgeklärt wurde (starke Empfehlung). Bei Männern mit hohem Risiko empfiehlt die EAU, zu Beginn eher ein Gel als eine Depotspritze zu verwenden (schwache Empfehlung). Das Gel kann auf andere Menschen übertragen werden; bei der Depotspritze kann selten ölige Lösung in die Lunge gelangen.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

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