MedikamenteWirkstoff
Propiverin: Nebenwirkungen und Wirkung
Propiverin ist ein verschreibungspflichtiges Mittel gegen die Beschwerden einer überaktiven Blase wie Harninkontinenz, häufiges Wasserlassen und Harndrang. Es hemmt die Anspannung des Blasenmuskels und erhöht die Speicherkapazität der Blase. Sehr häufig ist ein trockener Mund, häufig sind unter anderem Sehstörungen, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Bauchschmerzen und Verstopfung. Bei Anzeichen einer schweren allergischen Reaktion brechen Sie die Einnahme ab und benachrichtigen sofort Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.

Die häufigsten Nebenwirkungen
Wofür wird Propiverin eingesetzt?
Propiverin wird angewendet, um die Beschwerden einer überaktiven Blase zu behandeln: eine ungewollte Harnabgabe (Harninkontinenz), häufiges Wasserlassen und Harndrang [1, 2]. Zugelassen ist es auch, wenn der Blasenmuskel infolge von Rückenmarkschädigungen überaktiv ist (neurogene Detrusorhyperaktivität) [1, 2]. Die Fachinformation ordnet Propiverin den Urologika zu, genauer den Mitteln bei häufiger Blasenentleerung und Harninkontinenz [2]. Mehr über das Krankheitsbild lesen Sie auf der Seite Reizblase und Inkontinenz; weitere Wirkstoffe dieses Bereichs stellt die Seite Prostata-, Blasen- und Potenzmittel vor.
Grundlage dieser Seite sind Packungsbeilage und Fachinformation von Mictonorm FT, Filmtabletten der Stärke 15 mg zur Anwendung bei Erwachsenen [1, 2]. Wegen der hohen Wirkstärke sollten diese Filmtabletten nicht bei Kindern unter 12 Jahren und nicht bei Erwachsenen unter 35 kg Körpergewicht angewendet werden [1, 2]. Für Kinder gibt es Präparate mit geringerer Stärke: Mictonetten der Stärke 5 mg sind laut ihrer Packungsbeilage zur Anwendung bei Kindern und Erwachsenen bestimmt; für sie gilt diese eigene Packungsbeilage [3]. Außerdem gibt es Hartkapseln mit veränderter Wirkstofffreisetzung zur Anwendung bei Erwachsenen [4].
Wie wirkt Propiverin?
Propiverin hemmt die Anspannung des Blasenmuskels und erhöht die Speicherkapazität der Harnblase [1]. Laut Fachinformation beruht das auf zwei Wirkungen: Propiverin hemmt den Einstrom von Calcium in die glatte Muskulatur der Harnblase, und es hemmt durch seine anticholinerge Wirkung die efferenten Nervenbahnen des Nervus pelvicus. Im Tierversuch nahm der Druck in der Blase dosisabhängig ab, und die Blasenkapazität nahm zu; an der Wirkung sind auch drei wirksame Abbauprodukte beteiligt, die schnell mit dem Urin ausgeschieden werden [2].
Propiverin wird fast vollständig aus dem Magen-Darm-Trakt aufgenommen; die höchste Konzentration im Blut ist nach 2,3 Stunden erreicht [2]. Bei wiederholter Einnahme stellt sich nach 4 bis 5 Tagen ein gleichbleibender Spiegel ein; in drei Untersuchungen an gesunden Probanden lagen die mittleren Eliminationshalbwertszeiten bei 14,1, 20,1 und 22,1 Stunden [2]. Eine fettreiche Mahlzeit erhöht die Aufnahme des Wirkstoffs; deshalb sollte Propiverin laut Fachinformation von allen Patienten vor dem Essen eingenommen werden [2].
Nebenwirkungen nach Häufigkeit
Die Liste unten nennt alle Nebenwirkungen, die Packungsbeilage oder Fachinformation einer Häufigkeitsklasse zuordnen. "Sehr häufig" heißt: mehr als 1 von 10 Behandelten, "häufig" bis zu 1 von 10, "gelegentlich" bis zu 1 von 100, "selten" bis zu 1 von 1.000 und "sehr selten" bis zu 1 von 10.000; bei "nicht bekannt" lässt sich die Häufigkeit nicht abschätzen [1, 2]. Die Fachinformation nennt zusätzlich seltene Überempfindlichkeitsreaktionen [2]. Wie Sie solche Angaben einordnen, erklärt der Ratgeber Beipackzettel verstehen.
Laut Packungsbeilage sind alle unerwünschten Wirkungen vorübergehend: Sie klingen nach einer Verringerung der Dosis oder bei Beendigung der Therapie nach 1 bis 4 Tagen ab [1, 2]. Bei einer Langzeitbehandlung sollten die Leberenzyme kontrolliert werden, da in seltenen Fällen umkehrbare Veränderungen der Leberenzyme auftreten können [1, 2]. Mehr zu einzelnen Beschwerden lesen Sie auf den Seiten Mundtrockenheit, Verstopfung und Sehstörungen.
Sehr häufigkann mehr als 1 von 10 Behandelten betreffen
- Magen und DarmMundtrockenheit[1, 2]Mehr dazu: Mundtrockenheit
Häufigkann bis zu 1 von 10 Behandelten betreffen
- AugenSehstörungen, Schwierigkeiten beim Scharfsehen (Akkommodationsstörungen)[1, 2]Mehr dazu: Sehstörungen
- Allgemeine BeschwerdenMüdigkeit und Erschöpfung[1, 2]Mehr dazu: Müdigkeit
- NervensystemKopfschmerzen[1, 2]Mehr dazu: Kopfschmerzen
- Magen und DarmBauchschmerzen[1, 2]Mehr dazu: Bauchschmerzen
- Magen und DarmVerdauungsstörungen (Dyspepsie)[1, 2]Mehr dazu: Sodbrennen und Verdauungsbeschwerden
- Magen und DarmVerstopfung[1, 2]Mehr dazu: Verstopfung
Gelegentlichkann bis zu 1 von 100 Behandelten betreffen
- Magen und DarmÜbelkeit, Erbrechen[1, 2]Mehr dazu: ÜbelkeitErbrechen
- NervensystemSchwindel[1, 2]Mehr dazu: Schwindel
- NervensystemZittern (Tremor)[1, 2]Mehr dazu: Zittern
- NervensystemGeschmacksstörungen[1, 2]Mehr dazu: Geschmacksstörungen
- Nieren und HarnwegeUnvermögen, die Blase zu entleeren (Harnverhalt)[1, 2]Mehr dazu: Probleme beim Wasserlassen
- Nieren und HarnwegeSchwierigkeiten beim Wasserlassen (Blasen- und Harnröhrenbeschwerden)[1, 2]Mehr dazu: Probleme beim Wasserlassen
- Gefäße und KreislaufErröten, Hitzewallung[1, 2]Mehr dazu: Hitzewallungen
- Gefäße und KreislaufBlutdrucksenkung mit Benommenheit[1, 2]Mehr dazu: Niedriger BlutdruckMüdigkeit
- HautJuckreiz[1, 2]Mehr dazu: Juckreiz
Seltenkann bis zu 1 von 1.000 Behandelten betreffen
- HautHautausschlag[1, 2]Mehr dazu: Hautausschlag
- HerzSchneller Herzschlag (Tachykardie)[1, 2]Mehr dazu: Herzrasen
- ImmunsystemÜberempfindlichkeitsreaktionen[2]Mehr dazu: Allergische Reaktionen
Sehr seltenkann bis zu 1 von 10.000 Behandelten betreffen
- ImmunsystemSchwere allergische Reaktionen[1]Mehr dazu: Allergische Reaktionen
- HerzHerzklopfen (Palpitationen)[1, 2]Mehr dazu: Herzrasen
- PsycheUnruhe, Verwirrtheit[1, 2]Mehr dazu: Unruhe und NervositätVerwirrtheit
Nicht bekanntHäufigkeit nicht abschätzbar oder in der Quelle nicht angegeben
- PsycheWahrnehmen von Dingen, die nicht existieren (Halluzinationen)[1, 2]Mehr dazu: Psychose und Halluzinationen
- NervensystemSprachstörungen[1, 2]
Eine Häufigkeit sagt, wie oft eine Beschwerde während der Behandlung beobachtet wurde. Sie sagt nicht, dass das Medikament sie verursacht hat.
Wann Sie ärztliche Hilfe brauchen
Jedes Arzneimittel kann allergische Reaktionen hervorrufen; schwere allergische Reaktionen sind laut Packungsbeilage sehr selten [1]. Wie andere Anticholinergika erweitert Propiverin die Pupille. Bei Menschen mit engem Kammerwinkel der vorderen Augenkammer kann deshalb laut Fachinformation ein erhöhtes Risiko bestehen, dass Glaukomanfälle ausgelöst werden [2].
Was Sie bei Nebenwirkungen tun können

Mundtrockenheit: Ein trockener Mund ist die häufigste Nebenwirkung und kann mehr als 1 von 10 Behandelten betreffen [1, 2]. Belastet Sie das, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke. Laut Packungsbeilage klingen die Nebenwirkungen nach einer Dosisverringerung oder bei Beendigung der Therapie nach 1 bis 4 Tagen ab; ändern Sie die Dosis aber nicht selbst [1].
Sehen und Aufmerksamkeit: Propiverin kann Sehstörungen, Schwierigkeiten beim Scharfsehen, Benommenheit und verschwommenes Sehen verursachen. Sind Sie schläfrig oder sehen Sie verschwommen, setzen Sie sich nicht ans Steuer und bedienen Sie keine Werkzeuge oder Maschinen [1]. Beruhigungsmittel können die Benommenheit laut Fachinformation verstärken [2].
Verdauung und Wasserlassen: Verstopfung, Bauchschmerzen und Verdauungsstörungen sind häufig; gelegentlich gelingt es nicht, die Blase zu entleeren (Harnverhalt), oder das Wasserlassen fällt schwer [1, 2]. Bemerken Sie solche Beschwerden, wenden Sie sich an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt [1]. Weitere Informationen bietet die Seite Blasenprobleme; Ihre Beschwerden können Sie im Nebenwirkungs-Tagebuch festhalten.
Wechselwirkungen
Informieren Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke, wenn Sie andere Arzneimittel einnehmen, kürzlich eingenommen haben oder einnehmen möchten [1]. Die Wirkung von Propiverin kann sich verstärken, wenn Sie zugleich bestimmte Antidepressiva, Schlaf- und Beruhigungsmittel, andere anticholinerg wirksame Mittel, Amantadin, Neuroleptika oder Asthmamittel aus der Gruppe der Beta-Sympathomimetika anwenden; cholinerg wirksame Mittel können sie abschwächen [1, 2]. Propiverin kann die Wirkung von Metoclopramid verringern, und zusammen mit Isoniazid kann der Blutdruck sinken [1, 2]. Trotzdem kann es für Sie richtig sein, Propiverin einzunehmen; Ihre Ärztin oder Ihr Arzt entscheidet, was für Sie geeignet ist [1].
| Zusammen mit | Was passieren kann | Hinweis |
|---|---|---|
| Antidepressiva (z. B. Imipramin, Clomipramin, Amitriptylin), Schlaf- und Beruhigungsmittel (z. B. Benzodiazepine), andere anticholinerg wirksame Mittel zum Einnehmen oder Spritzen, Amantadin, Neuroleptika (z. B. Promazin, Olanzapin, Quetiapin) und Beta-Sympathomimetika (Asthmamittel) | Wirkung kann verstärkt werden[1, 2] | Ärztin, Arzt oder Apotheke informieren |
| Cholinerg wirksame Mittel (z. B. Carbachol, Pilocarpin) | Wirkung kann abgeschwächt werden[1, 2] | Ärztin, Arzt oder Apotheke informieren |
| Isoniazid (gegen Tuberkulose) | Blutdrucksenkung[1, 2] | Ärztin, Arzt oder Apotheke informieren |
| Metoclopramid und andere Prokinetika | Deren Wirkung kann verringert werden[1, 2] | Ärztin, Arzt oder Apotheke informieren |
| Methimazol (gegen Schilddrüsenüberfunktion) zusammen mit starken CYP3A4-Hemmern, z. B. Pilzmitteln wie Ketoconazol oder Itraconazol | Laut Fachinformation ist Vorsicht geboten; die Behandlung sollte mit einer niedrigeren Tagesdosis beginnen (siehe Dosierung)[1, 2] | Ärztin oder Arzt informieren |
Die Liste nennt die wichtigsten Wechselwirkungen aus der Produktinformation, nicht alle. Welche Mittel Sie zusammen einnehmen können, klären Sie am besten mit Ihrer Apotheke, auch bei rezeptfreien und pflanzlichen Mitteln.
Wer Propiverin nicht oder nur mit Vorsicht nehmen sollte
Propiverin dürfen Sie unter anderem nicht einnehmen bei einer Darmverengung, einer Verengung des Blasenausgangs, Myasthenia gravis, schwerer Colitis ulcerosa, einem unbehandelten Engwinkelglaukom, einer mittelgradigen oder schweren Leberfunktionsstörung oder einem schnellen und unregelmäßigen Herzschlag [1, 2]. Leiden Sie an einer der Erkrankungen unter "Besondere Vorsicht bei", teilen Sie es Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt mit; sie oder er sagt Ihnen, was zu tun ist [1]. Laut Fachinformation sollten häufiges und nächtliches Wasserlassen infolge von Nierenerkrankungen oder einer dekompensierten Herzschwäche sowie organische Blasenerkrankungen wie Harnwegsinfektionen oder Tumoren vor der Behandlung ausgeschlossen werden [2].
Nicht einnehmen bei
- Allergie gegen Propiverin oder einen der sonstigen Bestandteile[1, 2]
- Darmverengung (Darmobstruktion) oder Verlust der Muskelfunktion, die die Darmbewegung steuert (Darmatonie)[1, 2]
- Verengung des Blasenausgangs mit Schwierigkeiten beim Wasserlassen; laut Fachinformation ausgeprägte Blasenentleerungsstörung durch eine Abflussbehinderung (obstruktiv) mit vorhersehbarem Harnverhalt[1, 2]
- Myasthenia gravis (eine Erkrankung, die Muskelschwäche verursacht)[1, 2]
- Schwere entzündliche Darmerkrankung (schwere Colitis ulcerosa) oder toxisches Megacolon (eine Erkrankung mit Darmerweiterung)[1, 2]
- Erhöhter Augeninnendruck bei unkontrolliertem bzw. unbehandeltem Engwinkelglaukom[1, 2]
- Mittelgradige oder schwere Leberfunktionsstörung[1, 2]
- Schneller und unregelmäßiger Herzschlag (Tachyarrhythmie)[1, 2]
Besondere Vorsicht bei
- Schädigung der Nerven, die Blutdruck, Herzschlag, Darm- und Blasenbewegung und andere Körperfunktionen steuern (autonome Neuropathie)[1, 2]
- Nieren- oder Leberfunktionsstörungen[1, 2]
- Schwere Herzschwäche, Prostatavergrößerung, Sodbrennen durch Rückfluss von Magensaft (Hiatushernie mit Refluxösophagitis), unregelmäßiger oder schneller Herzschlag: laut Fachinformation können sich die Beschwerden dieser Erkrankungen verstärken[1, 2]
- Grüner Star (Engwinkelglaukom): Propiverin erweitert wie andere Anticholinergika die Pupille; bei Menschen mit engem Kammerwinkel kann laut Fachinformation ein erhöhtes Risiko für Glaukomanfälle bestehen[1, 2]
- Häufige Harnwegsinfektionen oder Tumoren der Harnwege: laut Fachinformation sollten organische Blasenerkrankungen vor der Behandlung ausgeschlossen werden[1, 2]
- Kinder unter 12 Jahren und Erwachsene mit einem Körpergewicht unter 35 kg: Wegen der hohen Wirkstärke sollten Filmtabletten mit 15 mg nicht angewendet werden[1, 2]
- Unverträglichkeit bestimmter Zucker: Die Filmtabletten enthalten Lactose[1, 2]
Alkohol, Autofahren, Schwangerschaft
Wenn Sie schwanger sind oder stillen, vermuten, schwanger zu sein, oder eine Schwangerschaft planen, dürfen Sie Propiverin laut Packungsbeilage nicht einnehmen [1]. Zum Thema Alkohol machen Packungsbeilage und Fachinformation keine eigenen Angaben; Beruhigungsmittel können die von Propiverin verursachte Benommenheit laut Fachinformation verstärken [2]. Allgemeine Hinweise bieten die Ratgeber Medikamente in der Schwangerschaft und Medikamente und Autofahren.
Schwangerschaft
Wenn Sie schwanger sind, vermuten, schwanger zu sein, oder eine Schwangerschaft planen, dürfen Sie Propiverin laut Packungsbeilage nicht einnehmen. Laut Fachinformation liegen keine Erfahrungen bei Schwangeren vor, Tierstudien haben eine Reproduktionstoxizität gezeigt, und die Anwendung in der Schwangerschaft wird nicht empfohlen.[1, 2]
Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.
Stillzeit
In der Stillzeit dürfen Sie Propiverin laut Packungsbeilage nicht einnehmen. Laut Fachinformation ist nicht bekannt, ob Propiverin beim Menschen in die Muttermilch übergeht; bei Tieren geht es in die Milch über, ein Risiko für den Säugling kann nicht ausgeschlossen werden.[1, 2]
Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.
Autofahren und Maschinen
Propiverin kann zu Benommenheit und verschwommenem Sehen führen. Wenn Sie schläfrig sind oder verschwommen sehen, dürfen Sie sich nicht ans Steuer setzen und keine Werkzeuge oder Maschinen bedienen. Laut Fachinformation können Beruhigungsmittel die Benommenheit verstärken.[1, 2]
Einnahme
Die Filmtabletten jeden Tag zur gleichen Zeit unzerkaut im Ganzen mit ausreichend Wasser vor der Mahlzeit einnehmen. Laut Fachinformation erhöht eine fettreiche Mahlzeit die Aufnahme des Wirkstoffs; das ist besonders bei eingeschränkter Leber- oder Nierenfunktion von Bedeutung.[1, 2]
Einnahme vergessen: nicht die doppelte Menge einnehmen.[1]
Absetzen
Setzen Sie die Tabletten nicht ab, ohne vorher mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke zu sprechen. Laut Packungsbeilage sind alle Nebenwirkungen vorübergehend und klingen nach einer Dosisverringerung oder bei Beendigung der Therapie nach 1 bis 4 Tagen ab.[1, 2]
Überdosierung
Haben Sie versehentlich mehr als die verschriebene Dosis eingenommen, benachrichtigen Sie sofort Ihre Ärztin, Ihren Arzt, die Apotheke oder die nächste Notfallaufnahme und nehmen Sie Packung und restliche Tabletten mit. Laut Fachinformation kann eine Überdosierung zu schweren anticholinergen Nebenwirkungen führen, zum Beispiel starker Mundtrockenheit, verlangsamtem und später möglicherweise beschleunigtem Herzschlag, erweiterten Pupillen, Harnverhalt, Unruhe, Verwirrtheit, Halluzinationen, Schwindel, Übelkeit, Sprachstörungen und Muskelschwäche.[1, 2]
Dosierung laut Packungsbeilage und Fachinformation
Die Packungsbeilage von Mictonorm FT nennt die übliche Dosis für Erwachsene und ältere Patienten mit einer Höchstmenge; die Angaben zur neurogenen Detrusorhyperaktivität, zur eingeschränkten Nieren- und Leberfunktion und zur Kombination mit Methimazol stammen aus der Fachinformation [1, 2]. Die Übersicht gibt diese Angaben wieder; Ihre Dosis legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest [1].
Einnahme und Absetzen
Nehmen Sie die Filmtabletten jeden Tag zur gleichen Zeit ein und schlucken Sie sie im Ganzen, unzerkaut und mit ausreichend Wasser vor der Mahlzeit [1]. Die Filmtabletten enthalten Lactose; vertragen Sie bestimmte Zucker nicht, sprechen Sie vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt [1]. Haben Sie eine Einnahme vergessen, nehmen Sie nicht die doppelte Menge ein. Setzen Sie die Tabletten nicht ab, ohne vorher mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke zu sprechen [1].
Haben Sie versehentlich mehr als die verschriebene Dosis eingenommen, benachrichtigen Sie sofort Ihre Ärztin, Ihren Arzt, die Apotheke oder die nächstgelegene Notfallaufnahme und nehmen Sie die Packung und die restlichen Tabletten mit [1]. Laut Fachinformation kann eine Überdosierung zu schweren anticholinergen Nebenwirkungen führen [2]. Telefonnummern finden Sie unter Notfall und Giftnotruf.
Präparate mit Propiverin
Propiverin gibt es als Filmtabletten, überzogene Tabletten und Hartkapseln mit veränderter Wirkstofffreisetzung in verschiedenen Stärken [1, 3, 4]. Grundlage dieser Seite sind Packungsbeilage und Fachinformation von Mictonorm FT [1, 2].
| Präparat | Anbieter | Hinweis |
|---|---|---|
| Mictonetten | APOGEPHA Arzneimittel GmbH | verschreibungspflichtig; überzogene Tabletten mit 5 mg oder 10 mg Propiverinhydrochlorid; die Tabletten mit 5 mg sind laut ihrer Packungsbeilage zur Anwendung bei Kindern und Erwachsenen bestimmt |
| Mictonorm FT | APOGEPHA Arzneimittel GmbH | verschreibungspflichtig; Filmtabletten mit 15 mg Propiverinhydrochlorid, zur Anwendung bei Erwachsenen; Grundlage dieser Seite |
| Mictonorm Uno | APOGEPHA Arzneimittel GmbH | verschreibungspflichtig; Hartkapseln mit veränderter Wirkstofffreisetzung mit 30 mg oder 45 mg Propiverinhydrochlorid, zur Anwendung bei Erwachsenen |
| Propiverin-HCl STADA | STADAPHARM GmbH | Filmtabletten mit 5 mg oder 15 mg Propiverinhydrochlorid |
Auswahl ohne Wertung. Präparate mit demselben Wirkstoff können sich in Stärke, Hilfsstoffen und zugelassenen Anwendungsgebieten unterscheiden. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.
Quellen
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Mictonorm FT 15 mg Filmtabletten (311667/v002de-2). APOGEPHA Arzneimittel GmbH. Stand 05/2018. abgerufen am 11.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Mictonorm FT 15 mg Filmtabletten (v005de-1). APOGEPHA Arzneimittel GmbH. Stand 05/2021. abgerufen am 11.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Mictonetten 5 mg überzogene Tabletten. APOGEPHA Arzneimittel GmbH. Stand 03/2016. abgerufen am 11.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Mictonorm Uno 30 mg Hartkapseln mit veränderter Wirkstofffreisetzung (v007de-5). APOGEPHA Arzneimittel GmbH. Stand 10/2020. abgerufen am 11.10.2026
Häufige Fragen
Wofür nimmt man Propiverin (Mictonorm)?
Propiverin wird zur Behandlung der Beschwerden einer überaktiven Blase angewendet, also bei ungewollter Harnabgabe (Harninkontinenz), häufigem Wasserlassen und Harndrang. Es ist auch zugelassen, wenn der Blasenmuskel infolge von Rückenmarkschädigungen überaktiv ist. Propiverin hemmt die Anspannung des Blasenmuskels und erhöht die Speicherkapazität der Harnblase.
Ist Mundtrockenheit unter Propiverin normal?
Ein trockener Mund ist die häufigste Nebenwirkung und kann mehr als 1 von 10 Behandelten betreffen. Laut Packungsbeilage sind alle Nebenwirkungen vorübergehend und klingen nach einer Verringerung der Dosis oder nach dem Ende der Behandlung nach 1 bis 4 Tagen ab. Belastet Sie die Mundtrockenheit, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt; ändern Sie die Dosis nicht selbst.
Kann Propiverin die Augen beeinflussen?
Sehstörungen und Schwierigkeiten beim Scharfsehen sind häufig, betreffen also bis zu 1 von 10 Behandelten. Wie andere Anticholinergika erweitert Propiverin die Pupille; bei Menschen mit engem Kammerwinkel im Auge kann dadurch laut Fachinformation ein erhöhtes Risiko für Glaukomanfälle bestehen. Sehen Sie farbige Ringe um Lichtquellen und haben Sie starke Schmerzen in und um die Augen, suchen Sie sofort eine Augenärztin oder einen Augenarzt auf.
Macht Propiverin müde?
Müdigkeit und Erschöpfung gehören zu den häufigen Nebenwirkungen; außerdem kann Propiverin zu Benommenheit und verschwommenem Sehen führen. Sind Sie schläfrig oder sehen Sie verschwommen, dürfen Sie sich nicht ans Steuer setzen und keine Werkzeuge oder Maschinen bedienen. Laut Fachinformation können Beruhigungsmittel die Benommenheit verstärken.
Darf ich Propiverin in der Schwangerschaft oder Stillzeit nehmen?
Laut Packungsbeilage dürfen Sie Propiverin nicht einnehmen, wenn Sie schwanger sind oder stillen, vermuten, schwanger zu sein, oder eine Schwangerschaft planen. Laut Fachinformation liegen keine Erfahrungen bei Schwangeren vor, und Tierstudien haben eine Reproduktionstoxizität gezeigt. Ob Propiverin beim Menschen in die Muttermilch übergeht, ist nicht bekannt; ein Risiko für den Säugling kann nicht ausgeschlossen werden.
Gibt es Propiverin für Kinder?
Filmtabletten der Stärke 15 mg sind für Kinder nicht geeignet und sollten wegen der hohen Wirkstärke auch bei Erwachsenen unter 35 kg Körpergewicht nicht angewendet werden. Es gibt Präparate mit geringerer Stärke: Mictonetten der Stärke 5 mg sind laut ihrer Packungsbeilage zur Anwendung bei Kindern und Erwachsenen bestimmt. Für sie gilt die eigene Packungsbeilage; die Dosis legt die Ärztin oder der Arzt fest.
Wann nehme ich Propiverin ein?
Nehmen Sie die Filmtabletten jeden Tag zur gleichen Zeit im Ganzen, unzerkaut und mit ausreichend Wasser vor der Mahlzeit ein. Laut Fachinformation erhöht eine fettreiche Mahlzeit die Aufnahme des Wirkstoffs; das ist besonders bei eingeschränkter Leber- oder Nierenfunktion von Bedeutung. Die Angaben zur Dosis finden Sie im Abschnitt Dosierung.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
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Ratgeber Medikamente vor oder nach dem Essen?Ob ein Medikament vor, zum oder nach dem Essen eingenommen wird, steht in seiner Packungsbeilage.