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Heparin: Nebenwirkungen und Wirkung

Heparin ist ein verschreibungspflichtiger Gerinnungshemmer, der unter die Haut oder in die Vene gespritzt wird. Er dient dazu, Blutgerinnseln vorzubeugen, etwa vor und nach Operationen oder bei längerer Bettlägerigkeit, und laut Fachinformation auch dazu, sie zu behandeln. Sehr häufig sind Blutungen und ein Anstieg der Leberwerte. Selten löst Heparin einen gefährlichen Abfall der Blutplättchen mit Blutgerinnseln aus (heparininduzierte Thrombozytopenie Typ II). Die Packungsbeilage sieht regelmäßige Kontrollen der Blutplättchen vor.

Frau um die fünfzig liegt nach einer Operation in einem hellen Krankenhauszimmer im Bett und spricht mit einer Pflegekraft
Bild: KI-generiert

Die häufigsten Nebenwirkungen

  • Sehr häufig: Abhängig von der Heparin-Dosis vermehrt Blutungen, insbesondere aus Haut, Schleimhäuten, Wunden, Magen-Darm-Trakt sowie Harn- und Geschlechtsorganen[1, 2]
  • Sehr häufig: Anstieg der Leberwerte (GOT, GPT, Gamma-GT) sowie von LDH und Lipase[1, 2]
  • Häufig: Zu Beginn der Behandlung ein durch Heparin hervorgerufener Abfall der Blutplättchen ohne Beteiligung von Antikörpern (Thrombozytopenie Typ I, 100.000 bis 150.000 Blutplättchen pro Mikroliter), ohne Thrombose[1, 2]
  • Häufig: Gewebsreaktionen an der Einstichstelle: Verhärtungen, Rötungen, Verfärbungen und kleinere Blutergüsse[1, 2]

Alle Nebenwirkungen nach Häufigkeit

Wofür wird Heparin eingesetzt?

Heparin ist ein verschreibungspflichtiges Mittel zur Hemmung der Blutgerinnung (Antikoagulans) aus der Gruppe der Blutverdünner [1, 2]. Heparin-Fertigspritzen werden zur Vorbeugung von Erkrankungen durch Blutgerinnsel angewendet, also gegen eine Thrombose oder Embolie [1]. Die Packungsbeilage nennt dafür die Vorbeugung vor und nach Operationen und in der nicht operativen Medizin, etwa bei längerer Bettlägerigkeit, erhöhter Thromboseneigung oder Erkrankungen mit erhöhtem Thromboserisiko [1]. Wie die Spritze unter die Haut abläuft, erklärt die Seite Heparinspritze.

Laut Fachinformation wird Heparin aus Ampullen außerdem im Rahmen der Behandlung von Blutgerinnseln in Venen und Arterien eingesetzt, einschließlich der Frühbehandlung eines Herzinfarkts und der instabilen Angina pectoris, und zur Gerinnungshemmung, wenn das Blut außerhalb des Körpers geleitet wird, etwa bei der Herz-Lungen-Maschine oder der Blutwäsche (Hämodialyse) [2]. Fertigspritzen sind dagegen nur zur Vorbeugung bestimmt [2].

Heparin wird laut Embryotox auch äußerlich bei stumpfen Verletzungen mit Schwellungen und Blutergüssen angewendet [3]. Gele und Salben zum Auftragen haben eigene Packungsbeilagen und sind nicht Gegenstand dieser Seite.

Wie wirkt Heparin?

Heparin verbindet sich mit dem körpereigenen Gerinnungshemmer Antithrombin III und steigert dessen Aktivität etwa um das 700-Fache. Der Komplex hemmt mehrere Gerinnungsfaktoren, besonders stark Thrombin (Faktor IIa), außerdem Faktor Xa. Schon niedrige Dosen beschleunigen diese Hemmung; darauf beruht die vorbeugende Wirkung niedrig dosierten Heparins. Hohe Dosen machen zusätzlich überschüssiges Thrombin unwirksam und verhindern so die Entstehung von Fibrin aus Fibrinogen [2].

Heparin wird aus dem Darm nicht aufgenommen; es wird unter die Haut oder in die Vene gespritzt. Nach einer Gabe in die Vene wirkt es sofort, nach einer Spritze unter die Haut innerhalb von 20 bis 30 Minuten. Die mittlere Halbwertszeit wird mit 90 bis 120 Minuten angegeben; sie ist von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich und hängt unter anderem von der Dosis und der Funktion von Leber und Nieren ab [2]. Die Wirkung wird im Allgemeinen über einen Gerinnungstest, die aktivierte partielle Thromboplastinzeit (aPTT), überwacht [1, 2].

Nebenwirkungen nach Häufigkeit

Die Liste unten enthält alle Nebenwirkungen, die die Packungsbeilage mit Häufigkeit nennt; Packungsbeilage und Fachinformation stimmen in den Häufigkeiten überein [1, 2]. "Sehr häufig" heißt: mehr als 1 von 10 Behandelten, "häufig" bis zu 1 von 10, "gelegentlich" bis zu 1 von 100, "selten" bis zu 1 von 1.000 und "sehr selten" bis zu 1 von 10.000; bei "nicht bekannt" lässt sich die Häufigkeit aus den vorliegenden Daten nicht abschätzen. Wie Sie solche Angaben lesen, erklärt der Ratgeber Beipackzettel verstehen.

Heparininduzierte Thrombozytopenie (HIT): Häufig sinkt die Zahl der Blutplättchen zu Beginn der Behandlung auf 100.000 bis 150.000 pro Mikroliter ab, ohne Beteiligung von Antikörpern und ohne Thrombose (Typ I). Selten löst Heparin über Antikörper einen starken Abfall aus (Typ II), bei dem Blutgerinnsel in Arterien und Venen entstehen können. Er setzt bei Menschen ohne Überempfindlichkeit gegen Heparin meist 6 bis 14 Tage nach Behandlungsbeginn ein, bei bestehender Überempfindlichkeit schon nach wenigen Stunden, sehr selten erst Wochen nach dem Ende der Behandlung [1, 2]. Mehr über Blutungen und Veränderungen des Blutbilds lesen Sie unter Blutungen und Blutbild.

Sehr häufigkann mehr als 1 von 10 Behandelten betreffen

Häufigkann bis zu 1 von 10 Behandelten betreffen

  • Blut und LymphsystemZu Beginn der Behandlung ein durch Heparin hervorgerufener Abfall der Blutplättchen ohne Beteiligung von Antikörpern (Thrombozytopenie Typ I, 100.000 bis 150.000 Blutplättchen pro Mikroliter), ohne Thrombose[1, 2]Mehr dazu: Veränderungen des Blutbilds
  • Allgemeine BeschwerdenGewebsreaktionen an der Einstichstelle: Verhärtungen, Rötungen, Verfärbungen und kleinere Blutergüsse[1, 2]Mehr dazu: Blutungen und blaue Flecken

Gelegentlichkann bis zu 1 von 100 Behandelten betreffen

Seltenkann bis zu 1 von 1.000 Behandelten betreffen

  • Blut und LymphsystemDurch Heparin hervorgerufener, durch Antikörper vermittelter starker Abfall der Blutplättchen (Thrombozytopenie Typ II: weniger als 100.000 pro Mikroliter oder schneller Abfall auf weniger als die Hälfte des Ausgangswerts) mit Blutgerinnseln in Arterien und Venen oder Embolien, Verbrauch von Gerinnungsfaktoren (Verbrauchskoagulopathie), Absterben von Hautgewebe, flohstichartigen Blutungen (Petechien) und Teerstuhl; die gerinnungshemmende Wirkung von Heparin kann vermindert sein[1, 2]Mehr dazu: Veränderungen des BlutbildsBlutgerinnselBlutungen und blaue Flecken
  • HormonsystemFunktionseinschränkung der Nebennierenrinde (Hypoaldosteronismus) mit erhöhtem Kaliumspiegel im Blut und Störung des Säure-Basen-Haushalts (metabolische Azidose), insbesondere bei eingeschränkter Nierenfunktion und Diabetes[1, 2]Mehr dazu: Veränderter Kaliumspiegel

Sehr seltenkann bis zu 1 von 10.000 Behandelten betreffen

  • Blut und LymphsystemThrombozytopenie Typ II, die erst mehrere Wochen nach dem Ende der Heparin-Behandlung auftritt[1, 2]Mehr dazu: Veränderungen des Blutbilds
  • ImmunsystemAllergischer (anaphylaktischer) Schock, insbesondere bei Menschen, die schon früher Heparin erhalten haben[1, 2]Mehr dazu: Allergische Reaktionen
  • Gefäße und KreislaufKrampfartige Verengung der Blutgefäße (Vasospasmen)[1, 2]
  • Geschlechtsorgane und BrustSchmerzhafte Gliedversteifung (Priapismus)[1, 2]
  • Allgemeine BeschwerdenVerkalkung des Unterhautfettgewebes an der Einstichstelle (Calcinosis), hauptsächlich bei schwerem Nierenversagen[1, 2]

Nicht bekanntHäufigkeit nicht abschätzbar oder in der Quelle nicht angegeben

  • Muskeln, Knochen und GelenkeVermehrte Knochenbrüchigkeit (Osteoporose) bei Anwendung über Monate, vor allem in höheren Dosen und bei entsprechender Veranlagung[1, 2]Mehr dazu: Knochenschwund und Knochenbrüche

Eine Häufigkeit sagt, wie oft eine Beschwerde während der Behandlung beobachtet wurde. Sie sagt nicht, dass das Medikament sie verursacht hat.

Wann Sie ärztliche Hilfe brauchen

Sobald eine Thrombozytopenie Typ II auftritt, ist Heparin laut Packungsbeilage unverzüglich abzusetzen; weitere Heparin-Gaben sind laut Fachinformation dann absolut ausgeschlossen [1, 2]. Bei lebensbedrohlichen Blutungen kann die Heparinwirkung laut Fachinformation mit dem Gegenmittel Protamin aufgehoben werden [2]. Bei Lebensgefahr wählen Sie den Notruf 112.

Was Sie bei Nebenwirkungen tun können

Frau um die fünfzig sitzt zu Hause auf dem Sofa, eine Pflegekraft erklärt ihr freundlich etwas, auf dem Tisch eine Tasse Tee
Bild: KI-generiert

Einstichstelle: Verhärtungen, Rötungen, Verfärbungen und kleinere Blutergüsse an der Einstichstelle sind häufig [1]. Wechseln Sie die Einstichstelle bei jeder Injektion, um das Risiko für Reizungen oder Schmerzen zu verringern. Schütteln Sie einen Tropfen an der Nadel vor dem Einstich ab, statt ihn abzustreifen, denn Heparin im Stichkanal kann einen oberflächlichen Bluterguss oder selten eine örtliche allergische Reizung auslösen [1].

Blutungen: Blutungen sind dosisabhängig sehr häufig [1]. Spritzen in den Muskel sind während der Behandlung wegen der Gefahr von Blutergüssen zu vermeiden; ab der Tagesdosis, die unten unter "Besondere Vorsicht bei" genannt ist, sollten Sie jede Verletzungsgefahr meiden [1, 2]. Heparin kann die Regelblutung verstärken und verlängern; ist sie ungewöhnlich stark oder unregelmäßig, sollte eine gynäkologische Untersuchung andere Ursachen ausschließen [1].

Weitere Beschwerden: Bemerken Sie eine oder mehrere der genannten Nebenwirkungen, benachrichtigen Sie unverzüglich Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, damit sie oder er über die nötigen Maßnahmen entscheiden kann [1]. Sprechen Sie auch mit ihr oder ihm, wenn Sie den Eindruck haben, dass die Wirkung zu stark oder zu schwach ist [1]. Nach Anwendung über Monate kann sich, vor allem bei höheren Dosen und entsprechender Veranlagung, eine Osteoporose entwickeln [1, 2]. Welche Wirkstoffe eine bestimmte Beschwerde auslösen können, zeigt der Nebenwirkungs-Finder.

Wechselwirkungen

Informieren Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke über alle Arzneimittel, die Sie anwenden, kürzlich angewendet haben oder anwenden wollen [1]. Hemmer der Blutplättchen wie Acetylsalicylsäure, Clopidogrel, Prasugrel oder Ticagrelor, andere Gerinnungshemmer wie Cumarin-Derivate, Apixaban, Rivaroxaban oder Dabigatran, Mittel zur Auflösung von Blutgerinnseln und Schmerzmittel aus der Gruppe der NSAR wie Phenylbutazon oder Indometacin können die Wirkung von Heparin klinisch bedeutsam verstärken und die Blutungsgefahr erhöhen [1, 2].

Abgeschwächt werden kann die Heparinwirkung dagegen durch Nitroglycerin in die Vene, Ascorbinsäure, Digitalis, Tetracycline und Nikotinmissbrauch [1, 2]. Arzneimittel, die den Kaliumspiegel im Blut erhöhen, dürfen nur unter besonders sorgfältiger ärztlicher Überwachung gleichzeitig angewendet werden [1, 2]. Selten führt Heparin selbst zu einer Funktionseinschränkung der Nebennierenrinde mit erhöhtem Kaliumspiegel, insbesondere bei eingeschränkter Nierenfunktion und Diabetes [1, 2]. Mehr dazu im Ratgeber Wechselwirkungen.

Wechselwirkungen von Heparin
Zusammen mitWas passieren kannHinweis
Hemmer der Blutplättchen (Acetylsalicylsäure, Ticlopidin, Clopidogrel, Prasugrel, Ticagrelor, Dipyridamol in hohen Dosen), andere Gerinnungshemmer (Cumarin-Derivate, Apixaban, Rivaroxaban, Dabigatran, Bivalirudin, Argatroban, Desirudin), Mittel zur Auflösung von Blutgerinnseln, Glykoprotein-IIb/IIIa-Rezeptorantagonisten, NSAR wie Phenylbutazon oder Indometacin, Penicillin in hohen Dosen, DextraneKlinisch bedeutsame Wirkungsverstärkung und erhöhte Blutungsgefahr[1, 2]Besonders sorgfältige ärztliche Überwachung
Mittel gegen Krebs (Zytostatika)Können die Heparinwirkung verstärken; Doxorubicin schwächt sie wahrscheinlich ab[1, 2]Ärztin oder Arzt informieren
Nitroglycerin in die VeneKann zu einer bedeutsamen Abschwächung der Heparinwirkung führen; nach dem Absetzen von Nitroglycerin kann die aPTT sprunghaft ansteigen[1, 2]Engmaschige aPTT-Kontrollen und Anpassung der Heparin-Dosis notwendig
Ascorbinsäure, Digitalis, Tetracycline, NikotinmissbrauchHemmung der Heparinwirkung möglich[1, 2]Ärztin oder Arzt informieren
An Bluteiweiße gebundene Arzneimittel, z. B. PropranololWirkungsverstärkung durch Verdrängung aus der Bindung an Bluteiweiße[1, 2]Ärztin oder Arzt informieren
Arzneimittel, die den Kaliumspiegel im Blut erhöhenKaliumspiegel kann steigen[1, 2]Nur unter besonders sorgfältiger ärztlicher Überwachung
Basische Arzneimittel: trizyklische Psychopharmaka, Antihistaminika, ChininGegenseitige Wirkungsabschwächung[1, 2]Ärztin oder Arzt informieren

Die Liste nennt die wichtigsten Wechselwirkungen aus der Produktinformation, nicht alle. Welche Mittel Sie zusammen einnehmen können, klären Sie am besten mit Ihrer Apotheke, auch bei rezeptfreien und pflanzlichen Mitteln.

Wer Heparin nicht oder nur mit Vorsicht anwenden sollte

Bitte sprechen Sie vor der Anwendung mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke [1]. Bei Säuglingen und Kindern sowie bei eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion sind laut Packungsbeilage eine sorgfältige Überwachung und Kontrolle der Gerinnungswerte nötig, auch bei der niedrig dosierten Vorbeugung [1]. Haben Sie eine eingeschränkte Nierenfunktion oder Diabetes, sollte zudem der Kaliumwert kontrolliert werden [1, 2].

Nicht einnehmen bei

  • Allergie gegen Heparin oder einen der sonstigen Bestandteile[1, 2]
  • Akuter oder früherer allergisch bedingter Abfall der Blutplättchen durch Heparin (Thrombozytopenie Typ II)[1, 2]
  • Erkrankungen mit erhöhter Blutungsneigung, z. B. Mangel an Blutplättchen oder Gerinnungsfaktoren, schwere Leber-, Nieren- oder Bauchspeicheldrüsenerkrankungen[1, 2]
  • Erkrankungen mit Verdacht auf eine Schädigung der Blutgefäße, z. B. Geschwüre in Magen oder Darm, Bluthochdruck mit einem unteren Wert über 105 mmHg, Hirnblutung, Verletzungen oder Operationen am Zentralnervensystem, Augenoperationen, schwere Netzhauterkrankungen (Retinopathien), Glaskörperblutungen, Hirnarterienaneurysma, infektiöse Entzündung der Herzinnenhaut (Endokarditis)[1, 2]
  • Drohende Fehlgeburt (Abortus imminens)[1, 2]
  • Rückenmarksnahe Betäubung (Spinal- oder Periduralanästhesie), Entnahme von Rückenmarksflüssigkeit oder Gabe von Arzneimitteln in den Rückenmarkskanal (Lumbalpunktion)[1, 2]
  • Organschädigungen, die mit einer Blutungsneigung einhergehen[1, 2]

Besondere Vorsicht bei

  • Verdacht auf eine bösartige Erkrankung mit erhöhtem Blutungsrisiko, Nieren- und Harnleitersteine oder chronischer Alkoholismus: Heparin sollte dann nicht angewendet werden[1, 2]
  • Besonders sorgfältige ärztliche Überwachung in der Schwangerschaft (vor allem bei längerer Anwendung) und bei älteren Menschen (insbesondere Frauen); bei Säuglingen und Kindern sowie bei eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion sorgfältige Überwachung und Kontrolle der Gerinnungswerte, auch bei niedrig dosierter Vorbeugung[1, 2]
  • Gleichzeitige Behandlung mit Mitteln zur Auflösung von Blutgerinnseln, Gerinnungshemmern zum Einnehmen oder Hemmern der Blutplättchen (z. B. Acetylsalicylsäure, Ticlopidin, Clopidogrel): besonders sorgfältige ärztliche Überwachung[1, 2]
  • Kalium: Bei Diabetes, eingeschränkter Nierenfunktion oder Einnahme von Arzneimitteln, die den Kaliumspiegel erhöhen, sollte der Kaliumwert im Blut kontrolliert werden[1, 2]
  • Kontrollen der Blutplättchenzahl sollen erfolgen: vor Beginn, am 1. Tag nach Beginn, in den ersten 3 Wochen regelmäßig alle 3 bis 4 Tage und am Ende der Behandlung; treten unter Heparin Blutgerinnsel auf, muss die Blutplättchenzahl kontrolliert werden[1, 2]
  • Spritzen in den Muskel sind wegen der Gefahr von Blutergüssen zu vermeiden; bei mehr als 22.500 I.E. Heparin-Natrium am Tag sollten Sie jede Verletzungsgefahr vermeiden[1, 2]
  • Geplante oder bereits erfolgte rückenmarksnahe Betäubung: In Einzelfällen wurden Blutergüsse im Wirbelkanal berichtet, die bis zu lang dauernder oder bleibender Lähmung führen können, vor allem bei Gabe in die Vene oder bei höheren als vorbeugenden Dosen; Heparin soll dann erst nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung gegeben werden, nach einer Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Anästhesie und Intensivmedizin sollen zwischen der letzten niedrig dosierten Gabe und dem Legen oder Entfernen eines Rückenmarkskatheters 4 Stunden liegen, die nächste Gabe frühestens 1 Stunde danach[1, 2]
  • Heparin kann die Regelblutung verstärken und verlängern; bei ungewöhnlich starken oder unregelmäßigen Blutungen sollte eine gynäkologische Untersuchung andere Ursachen ausschließen[1, 2]
  • Heparin kann Laborergebnisse verfälschen, z. B. Blutsenkung, Prothrombinzeit (wichtig bei der Einstellung auf Cumarin-Derivate) und Schilddrüsenwerte (fälschlich hohe T3- und T4-Werte)[1, 2]

Alkohol, Autofahren, Schwangerschaft

Die Karten fassen zusammen, was Packungsbeilage, Fachinformation und das Beratungszentrum Embryotox der Charité zu Autofahren, Schwangerschaft und Stillzeit sagen [1, 2, 3]. Bei chronischem Alkoholismus sollte Heparin laut Packungsbeilage nicht angewendet werden; weitere Hinweise zu Alkohol enthält sie nicht [1]. Allgemeines zum Thema lesen Sie im Ratgeber Medikamente in der Schwangerschaft.

Schwangerschaft

Heparin geht nicht über die Plazenta zum Kind. Bisher gibt es keine Berichte, dass Heparin in der Schwangerschaft Fehlbildungen verursacht; Tierversuche ergaben ebenfalls keine Hinweise auf fruchtschädigende Einflüsse. Es liegen jedoch Berichte über ein erhöhtes Risiko für Fehl- und Frühgeburten vor. Tägliche hoch dosierte Gaben über mehr als 3 Monate können das Osteoporoserisiko erhöhen. Unter der Geburt darf bei gerinnungshemmender Behandlung keine rückenmarksnahe (epidurale) Betäubung erfolgen. Falls notwendig, kann Heparin in der Schwangerschaft in Betracht gezogen werden.[1, 2]

Embryotox nennt Heparin ein Medikament der Wahl, eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung sei dennoch nötig. Im ersten Schwangerschaftsdrittel gibt es keine Hinweise auf schädliche Wirkungen beim Embryo, im zweiten und dritten Drittel sind schädliche Wirkungen beim Ungeborenen nicht bekannt; eine hoch dosierte Langzeitbehandlung über Wochen bis Monate kann zu Osteoporose führen. Zur Vorbeugung und Behandlung von Blutgerinnseln sollten in der Schwangerschaft laut Embryotox bevorzugt niedermolekulare Heparine wie Dalteparin oder Enoxaparin angewendet werden. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.[3]

Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.

Stillzeit

Heparin geht nicht in die Muttermilch über und kann in der Stillzeit angewendet werden. Tägliche hoch dosierte Gaben über mehr als 3 Monate können bei stillenden Frauen das Osteoporoserisiko erhöhen.[1, 2]

Laut Embryotox darf während einer Behandlung mit Heparin weiter gestillt werden. Wegen der Größe des Moleküls und weil Heparin über den Darm nicht aufgenommen wird, werden Beschwerden beim gestillten Säugling nicht erwartet und sind bisher nicht beschrieben; Untersuchungen zum Übergang von Heparin in die Muttermilch liegen laut Embryotox nicht vor.[3]

Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.

Autofahren und Maschinen

Besondere Vorsichtsmaßnahmen sind nicht erforderlich; laut Fachinformation sind keine Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen bekannt.[1, 2]

Einnahme

Die Fertigspritzen werden unter die Haut gespritzt (subkutan); geeignet sind der obere Bereich des Oberschenkels und der Bauch mit Ausnahme des Nabelbereichs. Wechseln Sie die Einstichstelle bei jeder Injektion. Spritzen Sie sich Heparin nur selbst, wenn Ihre Ärztin, Ihr Arzt oder das medizinische Fachpersonal es Ihnen gezeigt hat. Jede Fertigspritze ist nur zum Einmalgebrauch.[1]

Die kleine Luftblase in der Fertigspritze nicht entfernen. Einen Tropfen an der Nadel vor dem Einstich abschütteln (nicht abstreifen), weil Heparin im Stichkanal zu einem oberflächlichen Bluterguss oder selten zu einer örtlichen allergischen Reizung führen kann. Heparin nicht mit anderen Arzneimitteln in einer Spritze aufziehen.[1]

Anwendung vergessen: die Menge nicht verdoppeln, sondern beim nächsten Anwendungszeitpunkt mit der normalen verordneten Dosis fortfahren.[1]

Absetzen

Über die Dauer der Behandlung entscheidet die Ärztin oder der Arzt. Sprechen Sie mit ihr oder ihm, wenn Sie den Eindruck haben, dass die Wirkung zu stark oder zu schwach ist. Bei einer Thrombozytopenie Typ II ist Heparin unverzüglich abzusetzen; danach dürfen Sie keine weiteren Heparinspritzen erhalten.[1]

Überdosierung

Eine Überdosierung kann sich in Blutungen äußern, meist aus Haut und Schleimhäuten, aus Wunden, dem Magen-Darm- und dem Harntrakt (z. B. Nasenbluten, Blut im Urin, Teerstuhl, Blutergüsse, flohstichartige Blutungen). Blutdruckabfall oder ein Abfall des Hämatokrits können Zeichen einer verborgenen Blutung sein; dann ist sofort eine Ärztin, ein Arzt oder der Notarzt zu benachrichtigen. Laut Fachinformation kann die Heparinwirkung bei lebensbedrohlichen Blutungen mit dem Gegenmittel Protamin aufgehoben werden; durch Dialyse lässt sich Heparin nicht entfernen.[1, 2]

Dosierung laut Packungsbeilage

Heparin muss individuell dosiert werden. Die Packungsbeilage der Fertigspritzen nennt Richtwerte für die Vorbeugung vor und nach Operationen und in der nicht operativen Medizin und beschreibt, wie die Gerinnungswerte überwacht werden [1]. Die Übersicht gibt diese Angaben wieder und ersetzt nicht die Verordnung: Wenden Sie Heparin immer genau nach Absprache mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke an [1].

Anwendung und Absetzen

Die Fertigspritzen werden unter die Haut gespritzt, am besten in den oberen Bereich des Oberschenkels oder in den Bauch außerhalb des Nabelbereichs. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt schlägt möglicherweise vor, dass Sie sich Heparin selbst spritzen; versuchen Sie das nur nach einer Einweisung durch die Ärztin, den Arzt oder das medizinische Fachpersonal [1]. Die Packungsbeilage enthält am Ende eine ausführliche Anleitung zur Selbstinjektion [1]. Wurden bei Ihnen Lymphknoten im Bauch- oder Beckenbereich operativ entfernt, sollte Heparin am Oberarm gespritzt werden, um Störungen des Lymphabflusses zu verringern [1].

Über die Dauer der Behandlung entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt; dabei werden die Gerinnungswerte und die Blutplättchen regelmäßig kontrolliert [1]. Haben Sie eine Anwendung vergessen, spritzen Sie nicht die doppelte Menge, sondern fahren Sie zum nächsten Zeitpunkt mit der verordneten Dosis fort [1]. Vor einer rückenmarksnahen Betäubung oder einer Operation sagen Sie Bescheid, dass Sie Heparin erhalten; Hinweise zur Vorbereitung finden Sie im Ratgeber Medikamente vor der OP. Was bei einer Überdosierung zu tun ist, steht in der Karte oben; Telefonnummern finden Sie unter Notfall und Giftnotruf.

Präparate mit Heparin

Heparin zum Spritzen gibt es als Fertigspritzen, Ampullen und Durchstechflaschen in verschiedenen Stärken [1, 2]. Grundlage dieser Seite sind die Packungsbeilage der Fertigspritzen und die Fachinformation von Heparin-Natrium-5000-ratiopharm [1, 2]. Höher dosierte Präparate und Präparate anderer Anbieter haben eigene Packungsbeilagen; maßgeblich ist die Beilage Ihres Präparats. Niedermolekulare Heparine wie Enoxaparin sind eigene Wirkstoffe [3].

Präparate mit Heparin
PräparatAnbieterHinweis
Heparin-Natrium-5000-ratiopharmratiopharm GmbHFertigspritzen und Ampullen mit 5.000 I.E. (verschreibungspflichtig): Grundlage dieser Seite
Heparin-Natrium-7500-ratiopharm FSratiopharm GmbHFertigspritzen mit 7.500 I.E.
Heparin-Natrium-25000-ratiopharmratiopharm GmbHDurchstechflaschen

Auswahl ohne Wertung. Präparate mit demselben Wirkstoff können sich in Stärke, Hilfsstoffen und zugelassenen Anwendungsgebieten unterscheiden. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.

Quellen

  1. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Heparin-Natrium-5000-ratiopharm Fertigspritzen mit Schutz (Versionscode Z02). ratiopharm GmbH. Stand 05/2025. abgerufen am 11.10.2026
  2. Fachinformation Fachinformation Heparin-Natrium-5000-ratiopharm (Ampullen/Fertigspritzen), Version 1. ratiopharm GmbH. Stand 03/2020. abgerufen am 11.10.2026
  3. Embryotox Embryotox: Heparin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 11.10.2026

Häufige Fragen

Wofür bekommt man Heparin-Spritzen?

Heparin-Fertigspritzen dienen zur Vorbeugung von Erkrankungen durch Blutgerinnsel, etwa vor und nach Operationen oder bei längerer Bettlägerigkeit und erhöhter Thromboseneigung. Laut Fachinformation wird Heparin aus Ampullen außerdem im Rahmen der Behandlung von Blutgerinnseln in Venen und Arterien eingesetzt, auch in der Frühbehandlung eines Herzinfarkts, sowie zur Gerinnungshemmung bei Herz-Lungen-Maschine und Blutwäsche.

Was ist eine HIT und woran erkenne ich sie?

HIT steht für heparininduzierte Thrombozytopenie, einen durch Heparin ausgelösten Abfall der Blutplättchen. Häufig ist zu Beginn ein Abfall auf 100.000 bis 150.000 Blutplättchen pro Mikroliter ohne Antikörper und ohne Thrombose (Typ I). Selten kommt es zu einem durch Antikörper vermittelten starken Abfall (Typ II) mit Blutgerinnseln in Arterien und Venen, Absterben von Hautgewebe, flohstichartigen Blutungen oder Teerstuhl. Er tritt bei Menschen ohne bestehende Überempfindlichkeit gegen Heparin meist 6 bis 14 Tage nach Behandlungsbeginn auf, bei bestehender Überempfindlichkeit schon nach wenigen Stunden, sehr selten erst mehrere Wochen nach dem Ende der Behandlung. Dann ist unverzüglich ärztliche Hilfe nötig, Heparin wird abgesetzt, und Sie dürfen danach keine Heparinspritzen mehr erhalten.

Warum werden unter Heparin die Blutplättchen kontrolliert?

Heparin kann die Zahl der Blutplättchen senken (heparininduzierte Thrombozytopenie). Laut Packungsbeilage sollen die Blutplättchen vor Beginn, am 1. Tag nach Beginn, in den ersten 3 Wochen regelmäßig alle 3 bis 4 Tage und am Ende der Behandlung gezählt werden. Treten unter Heparin Blutgerinnsel auf, muss laut Fachinformation an eine heparininduzierte Thrombozytopenie Typ II gedacht und die Zahl der Blutplättchen kontrolliert werden.

Sind blaue Flecken und Verhärtungen an der Einstichstelle normal?

Gewebsreaktionen an der Einstichstelle (Verhärtungen, Rötungen, Verfärbungen und kleinere Blutergüsse) sind häufige Nebenwirkungen, betreffen also bis zu 1 von 10 Behandelten. Wechseln Sie die Einstichstelle bei jeder Injektion. Schütteln Sie einen Tropfen an der Nadel vor dem Einstich ab, statt ihn abzustreifen, weil Heparin im Stichkanal einen oberflächlichen Bluterguss verursachen kann.

Darf ich Heparin in der Schwangerschaft und Stillzeit bekommen?

Laut Packungsbeilage geht Heparin nicht über die Plazenta zum Kind und nicht in die Muttermilch über; zum Übergang in die Muttermilch liegen laut Embryotox allerdings keine Untersuchungen vor. Falls notwendig, kann es in der Schwangerschaft erwogen werden; in der Stillzeit kann es angewendet werden. Embryotox nennt Heparin ein Medikament der Wahl, empfiehlt zur Vorbeugung und Behandlung von Blutgerinnseln in der Schwangerschaft aber bevorzugt niedermolekulare Heparine. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Hoch dosierte tägliche Gaben über mehr als 3 Monate können das Osteoporoserisiko erhöhen.

Darf ich während einer Heparin-Behandlung Schmerzmittel nehmen?

Acetylsalicylsäure, andere Hemmer der Blutplättchen und Schmerzmittel aus der Gruppe der NSAR wie Phenylbutazon oder Indometacin können die Wirkung von Heparin verstärken und die Blutungsgefahr erhöhen. Fragen Sie deshalb vor jedem Schmerzmittel Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke.

Ist Heparin-Salbe dasselbe wie eine Heparin-Spritze?

Nein. Heparin wird laut Embryotox auch äußerlich bei stumpfen Verletzungen mit Schwellungen und Blutergüssen angewendet. Gele und Salben zum Auftragen auf die Haut haben andere Anwendungsgebiete und eigene Packungsbeilagen; diese Seite beschreibt Heparin zum Spritzen.

Wie hoch ist die Dosis von Heparin?

Heparin muss individuell dosiert werden; die Dosis legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt nach Gerinnungswerten, Erkrankung, Gewicht und Alter fest. Was die Packungsbeilage zur Vorbeugung angibt, steht im Abschnitt Dosierung laut Packungsbeilage.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

Passt dazu

  • Medikamente Dabigatran

    Dabigatran hemmt die Blutgerinnung.

  • Medikamente Certoparin (Mono-Embolex)

    Certoparin ist ein niedermolekulares Heparin zum Spritzen.

  • Medikamente Prasugrel

    Prasugrel hemmt die Blutplättchen nach Herzinfarkt und Kathetereingriff.

  • Werkzeuge Entsorgungs-Wegweiser

    Der Wegweiser zeigt nach Art des Mittels, wie Sie alte Medikamente entsorgen und wo Sie die Regel Ihrer Gemeinde finden.