KrankheitenKrankheit
Rückenschmerzen und Ischias
Schmerzen im unteren Rücken sind laut IQWiG fast immer ungefährlich und verschwinden meist innerhalb einiger Tage oder Wochen von selbst; am wichtigsten ist es, in Bewegung zu bleiben. Entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen können manchmal helfen, werden aber nur kurzzeitig empfohlen; rezeptfreie Präparate nehmen Sie laut Packungsbeilage ohne ärztlichen Rat nicht länger als 4 Tage gegen Schmerzen ein. Paracetamol, Opioide und Muskelrelaxanzien zählen laut IQWiG in der Leitlinie der WHO bei chronischen Rückenschmerzen zu den nicht empfohlenen Mitteln. Probleme beim Wasserlassen oder Stuhlgang, Taubheit im Genitalbereich, Lähmungen der Beine, Fieber oder Schmerzen nach einem Unfall sollten Sie schnell ärztlich abklären lassen.

Schmerzen im unteren Rücken sind laut dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) fast immer ungefährlich und verschwinden meist innerhalb einiger Tage oder Wochen von selbst. Am wichtigsten ist es, in Bewegung zu bleiben [1]. Kurzzeitig können auch Schmerzmittel wie Ibuprofen Linderung bringen; bei chronischen Rückenschmerzen werden Medikamente nur ergänzend empfohlen [1]. Strahlen die Schmerzen vom Gesäß ins Bein aus, spricht man von einer Ischialgie, meist ausgelöst durch einen Bandscheibenvorfall [4].
Was sind Rückenschmerzen und Ischias?
Die meisten Menschen haben im Laufe des Lebens irgendwann Schmerzen im unteren Rücken. Sie sind in der Regel "unspezifisch": Sie lassen sich nicht auf eine einzelne Ursache zurückführen [1]. Sie bedeuten nicht, dass der Rücken verletzt ist; das gilt auch für lang anhaltende oder immer wiederkehrende Kreuzschmerzen [1, 5]. Halten Schmerzen im unteren Rücken länger als zwölf Wochen an oder kehren sie immer wieder, gelten sie als chronisch [2].
Von einer Ischialgie (Ischias) spricht man, wenn Schmerzen vom Gesäß in ein Bein ausstrahlen, weil eine Nervenwurzel des Ischias-Nervs gereizt oder eingeengt ist. Sie kann auch zusammen mit Rückenschmerzen auftreten (Lumboischialgie) [4]. Heftige Schmerzen, die plötzlich ins Kreuz fahren, heißen Hexenschuss (Lumbago). Ein Hexenschuss ist nicht gefährlich und bessert sich meist innerhalb einiger Tage deutlich [1].
Symptome
Kreuzschmerzen sind laut IQWiG meist mit Muskelverspannungen, oft auch mit Bewegungseinschränkungen verbunden. Manchmal kommen Schmerzen im Oberschenkel hinzu, die aber in der Regel weniger stark sind als die Rückenschmerzen [1]. Mehr dazu: Muskelverspannungen.
Bei einer Ischialgie stehen Schmerzen und Gefühlsstörungen wie Taubheit, Kribbeln und "Ameisenlaufen" im Gesäß und Bein im Vordergrund; meist ist nur ein Bein betroffen [4]. Oft nehmen die Schmerzen im Sitzen und unter Belastung zu und lassen im Liegen eher nach; auch Husten oder Niesen kann schmerzhaft sein [4].
Ursachen und Risikofaktoren
Bei über 85 von 100 Menschen mit Rückenschmerzen lässt sich laut IQWiG keine eindeutige Ursache finden. Auslöser unspezifischer Rückenschmerzen können zum Beispiel sein [1]:
- Bewegungsmangel, eine schwache Rumpfmuskulatur und langes unbewegliches Sitzen,
- einseitige oder ungewohnte schwere körperliche Arbeit,
- Muskelverspannungen,
- psychische Belastungen wie Stress am Arbeitsplatz, finanzielle oder familiäre Sorgen, ausgeprägte Ängstlichkeit oder Erkrankungen wie Depressionen,
- Veränderungen der Schmerzwahrnehmung im zentralen Nervensystem und eine familiäre Veranlagung.
Manchmal haben Rückenschmerzen eine eindeutige Ursache, dann spricht man von spezifischen Rückenschmerzen. Dazu zählt das IQWiG einen akuten Bandscheibenvorfall, Veränderungen der Wirbelgelenke (Facettensyndrom), Morbus Bechterew, eine Verkrümmung der Wirbelsäule (Skoliose), eine Verengung des Wirbelkanals (Spinalkanalstenose) und Wirbelbrüche, die meist die Folge einer Osteoporose sind [1]. Gelegentlich steckt etwas ganz anderes dahinter, etwa Nierensteine, eine Bauchspeicheldrüsen- oder Gallenblasenentzündung, eine Endometriose oder eine Gürtelrose [1].
Die häufigste Ursache einer Ischialgie ist ein Bandscheibenvorfall; vor allem bei älteren Menschen kann auch eine Spinalkanalstenose oder ein Wirbelgleiten dahinterstecken [4]. Als Risikofaktoren gelten laut IQWiG unter anderem Rauchen, starkes Übergewicht und Tätigkeiten, bei denen man viel oder schwer tragen muss [4]. Mehr: Nervenschmerzen.
Medikamente: Bei der Abklärung fragt die Ärztin oder der Arzt laut IQWiG auch, ob man dauerhaft bestimmte Medikamente wie Kortisonpräparate einnimmt [1]. Pregabalin und Gabapentin nennen Rückenschmerzen laut Packungsbeilage als häufige Nebenwirkung [22, 24]. Mehr dazu: Gelenk- und Rückenschmerzen durch Medikamente und Osteoporose durch Medikamente.
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt fragt laut IQWiG zunächst unter anderem, wo genau es schmerzt, ob Taubheitsgefühle oder Lähmungserscheinungen hinzukommen und ob ein Unfall vorausging [1]. Bei der Untersuchung werden die Rückenmuskeln abgetastet, Reflexe getestet und die Beweglichkeit geprüft. Meist lässt sich so ein ernsthaftes Problem bereits ausschließen, dann sind keine weiteren Untersuchungen nötig [1].
Medizinische Fachgesellschaften raten laut IQWiG davon ab, den Rücken routinemäßig zu durchleuchten: Eine Magnetresonanz-Tomografie (MRT) zeigt auch bei vielen Menschen ohne Rückenbeschwerden Auffälligkeiten an Knochen oder Bandscheiben, meist ganz normale, altersbedingte Veränderungen [1]. Sinnvoll sein können Röntgen, Computer-Tomografie (CT) oder MRT bei Hinweisen auf ein konkretes Problem wie einen Knochenbruch oder einen Bandscheibenvorfall [1]. Bei Ischias-Beschwerden reichen normalerweise ein ärztliches Gespräch und eine körperliche Untersuchung [4].
Behandlung ohne Medikamente

Akute Rückenschmerzen: Bei starken akuten Schmerzen, etwa einem Hexenschuss, sollte man laut IQWiG vorübergehend auf schweres Heben verzichten und beim Bücken vorsichtig sein. Wichtig ist aber, so gut es geht aktiv zu bleiben: möglichst normal dem Alltag nachgehen, bei der Arbeit nicht lange unbeweglich sitzen und längeres Liegen vermeiden. Auch leichte Bewegung wie Spazierengehen, Schwimmen oder auflockernde Übungen ist sinnvoll [1]. Eine Schonhaltung, zu wenig Bewegung oder Bettruhe können die Besserung laut gesund.bund.de verzögern [5]. Manche Menschen empfinden Wärme, zum Beispiel eine Wärmflasche oder ein Wärmekissen, als wohltuend [1].
Chronische Rückenschmerzen: Über 200 Studien zeigen laut IQWiG, dass Bewegung auch bei chronischen Kreuzschmerzen die wirksamste Behandlung ist. Als nützlich erwiesen haben sich zum Beispiel Übungen zur Stabilisierung der Bauch-, Rücken- und Beckenmuskulatur, Kraft- und Haltungstraining sowie Pilates und Yoga [1]. Bei manchen Menschen haben sich Achtsamkeitstraining und Entspannungsübungen wie die Muskelentspannung nach Jacobson als hilfreich erwiesen; auch eine kognitive Verhaltenstherapie kommt infrage [1]. Passive Behandlungen wie Akupunktur, Massagen, Manipulation der Wirbelsäule oder die transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) empfehlen Fachleute laut IQWiG allenfalls ergänzend, weil sie meist nicht sehr wirksam, nur kurzfristig hilfreich oder nicht ausreichend untersucht sind [1]. Eine Operation ist bei Rückenschmerzen ohne klare Ursache fast nie sinnvoll [1].
Rehabilitation: Bei häufig wiederkehrenden oder anhaltenden Kreuzschmerzen mit längeren Fehlzeiten kommt eine Rehabilitation infrage, oft als multimodale Schmerzbehandlung; sie wird über die hausärztliche Praxis beantragt [1].
Ischias: Sind die Schmerzen in den ersten Tagen sehr stark, kann es angenehm sein, sich hinzulegen; übermäßig schonen muss man sich aber nicht. Fachleute empfehlen laut IQWiG, möglichst schnell wieder auf die Beine zu kommen, Schmerzen aber nicht zu provozieren und den Rücken nicht zu überlasten [4]. Eine Operation kommt vor allem infrage, wenn ein Bandscheibenvorfall die Ischialgie auslöst. Erwogen wird sie in der Regel, wenn alle diese Punkte zutreffen: Die Beschwerden schränken den Alltag ein, haben sich innerhalb von zwölf Wochen nicht gebessert, konservative Behandlungen hatten keinen Erfolg, und ein im MRT nachgewiesener Bandscheibenvorfall erklärt sie [4].
Behandlung mit Medikamenten
Die Nationale VersorgungsLeitlinie Nicht-spezifischer Kreuzschmerz ist nicht mehr gültig und wird überarbeitet [6]. Bei den Medikamenten verweist das IQWiG auf eine Leitlinie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Behandlung von Rückenschmerzen ohne klare Ursache. Für chronische Rückenschmerzen empfiehlt sie zwei Mittel: Pflaster oder Cremes mit Capsaicin aus Cayennepfeffer und entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen. Von anderen Mitteln raten die Fachleute eher ab, weil ihre Wirkung nicht nachgewiesen oder das Risiko für Nebenwirkungen zu groß ist; dazu gehören Paracetamol, Opioide, Antidepressiva, Epilepsie-Medikamente, Muskelrelaxanzien, Cannabis-Produkte, pflanzliche Mittel wie Teufelskralle und Spritzen in den Rücken [2].
Schmerzmittel werden laut IQWiG nur ergänzend zu aktiven Behandlungen wie Bewegungstherapie empfohlen und sollten wegen ihrer Risiken möglichst nicht dauerhaft eingesetzt werden; sinnvoll ist auch, auf Wechselwirkungen zu achten und in der Apotheke nachzufragen [2].
Die Tabelle zeigt Mittel, die das IQWiG bei Rückenschmerzen nennt, mit dem Anwendungsgebiet laut Packungsbeilage. Die Nebenwirkungen stammen aus der Packungsbeilage des jeweiligen Beispielpräparats und gelten nur für diesen Wirkstoff ("sehr häufig": bei mehr als 1 von 10 Behandelten, "häufig": bis zu 1 von 10, "gelegentlich": bis zu 1 von 100, "selten": bis zu 1 von 1.000, "sehr selten": bis zu 1 von 10.000) [7, 10, 12, 16, 18, 20].
| Wirkstoffgruppe | Beispiele | Wie sie wirken | Häufige Nebenwirkungen |
|---|---|---|---|
| Entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR) | Ibuprofen, Diclofenac; rezeptfrei zur kurzzeitigen Behandlung leichter bis mäßig starker Schmerzen [7, 9] | Hemmen die Bildung der Botenstoffe Prostaglandine; beim Menschen verringern sie entzündlich bedingte Schmerzen, Schwellungen und Fieber [8, 11] | Ibuprofen, häufig: Magen-Darm-Beschwerden wie Sodbrennen, Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Blähungen, Durchfall, Verstopfung und geringfügige Blutverluste im Magen-Darm-Trakt [7]. Diclofenac, sehr häufig: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und geringfügige Blutverluste im Magen-Darm-Trakt; häufig unter anderem Kopfschmerzen, Schwindel und Magen-Darm-Geschwüre [10] |
| Andere Schmerzmittel (Nichtopioid-Analgetika) | Metamizol; unter anderem bei sonstigen akuten oder chronischen starken Schmerzen, soweit eine andere Behandlung nicht infrage kommt [12] | Wirkt schmerzstillend, fiebersenkend und krampflösend; wie genau, ist nicht vollständig aufgeklärt [13] | Keine als häufig eingestuft; gelegentlich: violetter bis tiefroter, zum Teil blasiger Hautausschlag und Blutdruckabfall; sehr selten: starke Verminderung bestimmter weißer Blutkörperchen (Agranulozytose) [12] |
| Opioide | Tramadol bei mäßig starken bis starken Schmerzen [16]; Oxycodon bei starken Schmerzen, die nur mit opioidhaltigen Schmerzmitteln ausreichend behandelt werden können [18] | Wirken an Opioidrezeptoren in Gehirn und Rückenmark [19]; Tramadol hemmt außerdem die Wiederaufnahme von Noradrenalin und verstärkt die Freisetzung von Serotonin [17] | Tramadol, sehr häufig: Schwindel, Übelkeit; häufig: Kopfschmerz, Benommenheit, Erbrechen, Verstopfung, Mundtrockenheit, Schwitzen, Erschöpfung [16]. Oxycodon, sehr häufig: größere Schläfrigkeit als gewöhnlich, Schwindel, Kopfschmerzen, Verstopfung, Übelkeit, Erbrechen, Juckreiz [18] |
| Muskelrelaxanzien | Methocarbamol bei Erwachsenen zur Behandlung schmerzhafter Muskelverspannungen, insbesondere des unteren Rückenbereichs (Lumbago) [20] | Wirkt zentral: hemmt die Weiterleitung von Reflexen über mehrere Nervenschaltstellen im Rückenmark und in Zentren unterhalb der Großhirnrinde [21] | Keine als häufig eingestuft; selten unter anderem Kopfschmerz, Schwindel, metallischer Geschmack, Blutdruckerniedrigung, Ausschlag, Juckreiz [20] |
Entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR)
Werden Kreuzschmerzen mit Schmerzmitteln behandelt, kommen laut IQWiG vor allem NSAR wie Diclofenac und Ibuprofen infrage; Studien zeigen, dass sie die Beschwerden etwas lindern können [2]. Bei akuten Rückenschmerzen werden sie nur für kurze Zeit empfohlen, höchstens zwei Wochen [1]. Ist bei Erwachsenen eine Einnahme länger als 4 Tage gegen Schmerzen nötig oder werden die Beschwerden schlimmer, sollte ärztlicher Rat eingeholt werden [7, 9]. Das rezeptfreie Diclofenac-Präparat wird für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren nicht empfohlen [9]. Wie viel Sie laut Packungsbeilage nehmen dürfen, steht auf den Seiten Ibuprofen und Diclofenac.
Nicht eingenommen werden dürfen die rezeptfreien Präparate laut Packungsbeilage unter anderem bei bestehenden oder wiederholt aufgetretenen Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüren, nach Magen-Darm-Blutungen unter NSAR, bei schweren Leber- oder Nierenfunktionsstörungen und im letzten Drittel der Schwangerschaft; Ibuprofen außerdem bei schwerer Herzschwäche, Diclofenac bei einer festgestellten Herz- oder Hirngefäßkrankheit, etwa nach einem Herzinfarkt oder Schlaganfall, und bei peripherer arterieller Verschlusskrankheit [7, 9]. NSAR werden manchmal auch in einen Muskel gespritzt; solche Spritzen sollten laut IQWiG nicht eingesetzt werden, weil sie ernsthafte Komplikationen wie Abszesse oder Nervenschäden verursachen können [2]. Mehr im Ratgeber Schmerzmittel richtig anwenden.
Metamizol
Metamizol ist verschreibungspflichtig. Zur Wirksamkeit bei Kreuzschmerzen gibt es laut IQWiG keine Studien; medizinische Fachgesellschaften sehen es als Alternative zu Opioiden bei Menschen mit starken Kreuzschmerzen [2]. Die Anwendung ist laut IQWiG umstritten, weil Metamizol eine seltene, aber sehr schwere Nebenwirkung haben kann, die Agranulozytose [2]. Laut Rote-Hand-Brief vom 9. Dezember 2024 müssen Behandelte über die Frühzeichen informiert werden, etwa Fieber, Schüttelfrost, Halsschmerzen und schmerzhafte Schleimhautveränderungen, insbesondere im Mund, in der Nase und im Rachen oder im Genital- oder Analbereich; treten sie während oder kurz nach der Behandlung auf, müssen sie die Behandlung abbrechen und sofort eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen [14]. Nach einem Rote-Hand-Brief vom 15. Dezember 2020 wurden unter Metamizol außerdem Fälle eines arzneimittelbedingten Leberschadens berichtet [15].
Opioide
Zu den Opioiden zählt das IQWiG unter anderem Morphin, Oxycodon, Tilidin und Tramadol. Bei chronischen Schmerzen wirken sie weniger gut, sie können körperlich abhängig machen und sollten bei chronischen Schmerzen sehr zurückhaltend eingesetzt werden [2]. Infrage kommen sie laut IQWiG nur ausnahmsweise, wenn andere Behandlungen nicht ausreichend geholfen haben oder NSAR nicht infrage kommen. Dann sollten sie in der Regel höchstens wenige Wochen lang eingesetzt werden, am besten als Teil eines multimodalen Programms, in dem man auch wieder von den Mitteln entwöhnt wird [2]. Die wiederholte Anwendung von Tramadol kann laut Packungsbeilage zu Gewöhnung, Abhängigkeit, Missbrauch und Sucht führen, was eine lebensbedrohliche Überdosierung zur Folge haben kann; das Risiko kann mit höherer Dosis und längerer Anwendungsdauer steigen [16]. Zusammen mit Beruhigungsmitteln wie Benzodiazepinen steigt das Risiko für Schläfrigkeit, Atembeschwerden und Koma [16]. Mehr im Ratgeber Tilidin oder Tramadol.
Muskelentspannende Mittel
Wie Muskelrelaxanzien bei Rückenschmerzen wirken, ist laut IQWiG nicht gut untersucht; Studien zeigen widersprüchliche Ergebnisse. Sie können müde oder benommen machen und bei älteren Menschen das Sturzrisiko erhöhen; Mittel aus der Gruppe der Benzodiazepine können abhängig machen [2]. Methocarbamol wird laut Packungsbeilage so lange eingenommen, wie die Muskelverspannung andauert, jedoch nicht länger als 30 Tage. Es darf unter anderem bei Erkrankungen des Zentralnervensystems, bei krankhafter Muskelschwäche (Myasthenia gravis) und bei einer Neigung zu epileptischen Krämpfen nicht eingenommen werden [20].
Bei Ischias
Bei einer Ischialgie kommen laut IQWiG entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen, Kortisonspritzen in den Epiduralraum (eine der Schichten um das Rückenmark) und physiotherapeutische Behandlungen infrage; aussagekräftige Studien gibt es nur wenige [4]. Andere Medikamente wie Opioide, Mittel zur Muskelentspannung oder Nervenmedikamente werden üblicherweise nicht empfohlen, weil ihr Nutzen fraglich ist und sie verschiedene Nebenwirkungen haben [4]. Epilepsie-Medikamente wie Gabapentin und Pregabalin zeigten in bisherigen Studien keinen eindeutigen Vorteil gegenüber einem Scheinmedikament, auch nicht bei Schmerzen, die vom Ischias-Nerv ausgehen; sie können die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen und abhängig machen [2]. Zugelassen sind beide laut Packungsbeilage für Nervenschmerzen (neuropathische Schmerzen), Rückenschmerzen nennen die Packungsbeilagen nicht als Anwendungsgebiet [22, 24]. Beide binden laut Fachinformation an eine Untereinheit (Alpha-2-Delta) spannungsabhängiger Calciumkanäle [23, 25]. Mehr: Nervenschmerzen.
Weitere Mittel
Paracetamol half in einer großen und aussagekräftigen Studie nicht besser als ein Scheinmedikament und wird bei Rückenschmerzen laut IQWiG heute nicht mehr empfohlen [2]. Für die meisten Antidepressiva ist nicht nachgewiesen, dass sie bei chronischen Rückenschmerzen helfen [2]. Spritzen mit einem örtlichen Betäubungsmittel sind bei unspezifischen Kreuzschmerzen laut IQWiG nicht sinnvoll [2].
Schwangerschaft: Ibuprofen und Diclofenac dürfen laut Packungsbeilage im letzten Drittel der Schwangerschaft nicht eingenommen werden [7, 9]. Mehr im Ratgeber Medikamente in der Schwangerschaft.
Nebenwirkungen der Medikamente
Magen und Darm: NSAR-Tabletten können laut IQWiG zu Magengeschwüren und -blutungen führen; das Risiko für Komplikationen steigt mit längerer Anwendungsdauer und höherer Dosierung [2]. Menschen mit einer früheren Magenblutung, einer Herzerkrankung oder einer Nierenschwäche sprechen vor der Einnahme am besten mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt [2]. Mehr: Magenbeschwerden.
Herz und Kreislauf: Schmerzmittel wie Ibuprofen können laut Packungsbeilage mit einem geringfügig erhöhten Risiko für einen Herzanfall oder Schlaganfall einhergehen, insbesondere in hohen Dosen [7]. Nach einem europäischen Risikobewertungsverfahren, das das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) mit Bescheid vom 22.07.2015 umgesetzt hat, sollten hohe Dosierungen von Ibuprofen bei bestehenden schwerwiegenden Herz- oder Kreislauferkrankungen und nach einem Herzinfarkt oder Schlaganfall vermieden werden [26]. Systemisch angewendetes Diclofenac (zum Beispiel Tabletten) darf laut Rote-Hand-Brief vom Juli 2013 bei bestehender Herzschwäche (NYHA-Stadien II bis IV), Erkrankungen der Herzkranzgefäße (ischämische Herzerkrankung), peripherer Arterienerkrankung oder Erkrankungen der Hirngefäße (zerebrovaskuläre Erkrankung) nicht angewendet werden [27].
Müdigkeit und Verkehr: Tramadol kann laut Packungsbeilage zu Schwindel, Benommenheit und verschwommenem Sehen führen; wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihr Reaktionsvermögen beeinträchtigt ist, fahren Sie nicht Auto [16]. Unter Methocarbamol, Pregabalin und Gabapentin sollten Sie laut Packungsbeilage so lange kein Fahrzeug führen, bis Sie wissen, ob das Mittel Sie dabei beeinträchtigt [20, 22, 24]. Zusammen mit Opioiden kann Gabapentin laut Packungsbeilage Schläfrigkeit, Sedierung oder eine Verringerung der Atmung hervorrufen oder zum Tod führen [24]; bei Pregabalin warnt die Packungsbeilage zusammen mit Mitteln, die das zentrale Nervensystem dämpfen, einschließlich Opioiden, vor Atemschwäche, Koma und Tod [22]. Mehr: Müdigkeit, Schwindel, Verstopfung und der Ratgeber Medikamente und Autofahren.
Absetzen: Tramadol sollten Sie laut Packungsbeilage nur dann abrupt absetzen, wenn die Ärztin oder der Arzt Sie dazu anweist; das Beenden kann über eine allmähliche Verringerung der Dosis erfolgen, um Entzugssymptome zu vermeiden [16]. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Mehr auf den Seiten Tramadol absetzen, Oxycodon absetzen, Pregabalin absetzen und Gabapentin absetzen sowie Absetz- und Entzugserscheinungen.
Nebenwirkung melden: Nebenwirkungen können Sie Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke mitteilen oder laut Packungsbeilage direkt dem BfArM melden [7]. Wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden.
Vorbeugen und Leben mit Rückenschmerzen
Regelmäßige Bewegung ist laut IQWiG die wirksamste Möglichkeit, wiederkehrenden Schmerzen im unteren Rücken vorzubeugen. Wer sich mit Sport schwertut, kann die Häufigkeit von Rückenschmerzen durch regelmäßige Spaziergänge fast genauso gut senken [1].
Auch bei chronischen Schmerzen ist es laut IQWiG wichtig, aktiv zu bleiben; wer sich zurückzieht, riskiert einen Teufelskreis aus Schmerzen, Ängsten und Schonverhalten [1]. Verwandte Themen: Fibromyalgie und Arthrose.
Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen
Rückenschmerzen haben nur sehr selten eine ernsthafte Ursache. Bei Problemen beim Wasserlassen oder mit dem Stuhlgang, Taubheit im Genitalbereich, Lähmungen der Beinmuskeln, Fieber, Schüttelfrost oder unerklärlichem Gewichtsverlust sollte man laut IQWiG schnell zur Ärztin oder zum Arzt gehen oder ein Krankenhaus aufsuchen [1]. Bei allen folgenden Anzeichen rät das IQWiG, zur Ärztin oder zum Arzt zu gehen und sich genauer untersuchen zu lassen [3]:
- Schmerzen, die bis über das Knie oder in den Fuß ausstrahlen und mit Taubheit, Kribbeln oder Muskelschwäche verbunden sind; starke Beschwerden oder Lähmungserscheinungen im Bein sollten sofort ärztlich abgeklärt werden,
- Probleme beim Wasserlassen oder mit dem Stuhlgang, zum Beispiel wenn man eine volle Blase nicht mehr gut bemerkt oder den Stuhl nicht mehr halten kann,
- Taubheit im Gesäß- oder Genitalbereich oder am After,
- Fieber, Schüttelfrost oder Nachtschweiß als mögliche Zeichen einer Infektion an der Wirbelsäule,
- unerklärlicher Gewichtsverlust, körperliche Schwäche oder eine überstandene Krebserkrankung,
- Kreuzschmerzen nach einem Unfall oder Sturz; bei Osteoporose kann schon ein Sturz aus Stehhöhe oder ungünstiges Heben einen Knochenbruch auslösen.
Blasen- und Darmprobleme und Taubheit im Genitalbereich können auf ein Kauda-Syndrom hinweisen, eine seltene Komplikation, bei der Nerven im unteren Rücken so stark eingeengt werden, dass bleibende Schäden drohen; dann müssen die Nerven schnell operativ entlastet werden [3].
Unter Schmerzmitteln: Bei Anzeichen einer Magen-Darm-Blutung wie stärkeren Schmerzen im Oberbauch, Blut im Stuhl oder schwarzem Stuhl (Teerstuhl), Bluterbrechen oder Erbrochenem, das aussieht wie Kaffeesatz, nehmen Sie Ibuprofen laut Packungsbeilage nicht weiter ein und begeben sich sofort in ärztliche Behandlung [7]. Fieber, Schüttelfrost, Halsschmerzen oder schmerzhafte Schleimhautveränderungen während oder kurz nach einer Behandlung mit Metamizol sind laut Rote-Hand-Brief ein Grund, die Behandlung abzubrechen und sofort eine Ärztin oder einen Arzt aufzusuchen [14].
Akute Rückenschmerzen sind laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) ein Fall für den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117, wenn die Praxen geschlossen sind und die Behandlung nicht bis zum nächsten Tag warten kann. Unfälle mit Verdacht auf starke Verletzungen und akute, anhaltende stärkste Schmerzzustände sind Fälle für den Notruf 112 [28].
Quellen
- Rücken- und Kreuzschmerzen. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 20.08.2025. abgerufen am 18.10.2026
- Medikamente bei chronischen Rückenschmerzen. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 20.08.2025. abgerufen am 18.10.2026
- Rückenschmerzen: Wann zur Ärztin oder zum Arzt?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 20.08.2025. abgerufen am 18.10.2026
- Ischias-Schmerzen (Ischialgie). Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 22.01.2025. abgerufen am 18.10.2026
- Behörde Rücken- und Kreuzschmerzen. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de (in Zusammenarbeit mit dem IQWiG). Stand 22.09.2025. abgerufen am 18.10.2026
- Leitlinie Nationale VersorgungsLeitlinie Nicht-spezifischer Kreuzschmerz, Themenseite mit Hinweis "nicht mehr gültig und wird aktuell überarbeitet". Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF (leitlinien.de). Stand zuletzt verändert 23.02.2026. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation IBU-ratiopharm 400 mg akut Schmerztabletten. ratiopharm GmbH. Stand 11/2024. abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation IBU-ratiopharm 400 mg akut Schmerztabletten, Abschnitt 5.1. ratiopharm GmbH. Stand 06/2026. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Diclo-ratiopharm bei Schmerzen und Fieber 25 mg Filmtabletten (apothekenpflichtig). ratiopharm GmbH. Stand 07/2025. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Diclofenac-ratiopharm 50 mg magensaftresistente Tabletten (verschreibungspflichtig). ratiopharm GmbH. Stand 07/2025. abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Diclofenac-ratiopharm magensaftresistente Tabletten (25 mg und 50 mg), Abschnitt 5.1. ratiopharm GmbH. Stand 05/2026. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Novaminsulfon-ratiopharm 500 mg Tabletten (Metamizol). ratiopharm GmbH. Stand 11/2024. abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Novaminsulfon-ratiopharm 500 mg Tabletten (Metamizol), Abschnitt 5.1. ratiopharm GmbH. Stand 11/2024. abgerufen am 18.10.2026
- Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu metamizolhaltigen Arzneimitteln: Wichtige Maßnahmen zur Minimierung der schwerwiegenden Folgen des bekannten Risikos für Agranulozytose. Zulassungsinhaber metamizolhaltiger Arzneimittel; veröffentlicht vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. Stand 09.12.2024. abgerufen am 18.10.2026
- Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu Metamizol: Risiko für arzneimittelbedingten Leberschaden. Zulassungsinhaber metamizolhaltiger Arzneimittel in Abstimmung mit EMA und BfArM; veröffentlicht vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. Stand 15.12.2020. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Tramadol-ratiopharm 100 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 05/2025. abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Tramadol-ratiopharm 100 mg Retardtabletten, Abschnitt 5.1. ratiopharm GmbH. Stand 05/2025. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Oxycodon-HCl-ratiopharm 10 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 02/2025. abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Oxycodon-HCl-ratiopharm 10 mg Retardtabletten, Abschnitt 5.1. ratiopharm GmbH. Stand 03/2025. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Ortoton Recordati 750 mg Filmtabletten (Methocarbamol). Recordati Pharma GmbH. Stand 09/2025. abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Methocarbamol STADA 750 mg Filmtabletten, Abschnitt 5.1. STADAPHARM GmbH. Stand 03/2023. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Pregabalin-ratiopharm Hartkapseln (25 bis 300 mg). ratiopharm GmbH. Stand 11/2025. abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Pregabalin-ratiopharm Hartkapseln, Abschnitt 5.1. ratiopharm GmbH. Stand 11/2025. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Gabapentin-ratiopharm 100 mg / 300 mg / 400 mg Hartkapseln. ratiopharm GmbH. Stand 12/2025. abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Gabapentin-ratiopharm 100 mg / 300 mg / 400 mg Hartkapseln, Abschnitt 5.1. ratiopharm GmbH. Stand 02/2026. abgerufen am 18.10.2026
- Behörde Ibuprofenhaltige Arzneimittel: Kardiovaskuläre Nebenwirkungen (Bescheid im Stufenplanverfahren vom 22.07.2015). Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand 27.07.2015. abgerufen am 18.10.2026
- Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu Diclofenac-haltigen Arzneimitteln: Kardiovaskuläre Risiken (neue Kontraindikationen und Warnhinweise nach europaweiter Überprüfung). Zulassungsinhaber systemisch angewendeter Diclofenac-haltiger Arzneimittel; veröffentlicht vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte am 16.07.2013. Stand 07/2013. abgerufen am 18.10.2026
- Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Abschnitte "116117 oder 112?", "Fälle für den Bereitschaftsdienst" und "Fälle für die Notrufnummer 112"). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
Häufige Fragen
Was hilft schnell gegen Rückenschmerzen?
Laut IQWiG ist es am wichtigsten, so gut es geht aktiv zu bleiben und dem Alltag nachzugehen; längeres Liegen sollten Sie vermeiden, auf schweres Heben vorübergehend verzichten. Manche empfinden Wärme, etwa eine Wärmflasche, als wohltuend. Entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen können manchmal helfen, werden aber nur für kurze Zeit empfohlen. Rezeptfreie Präparate nehmen Sie laut Packungsbeilage ohne ärztlichen Rat nicht länger als 4 Tage gegen Schmerzen ein; wie viel, steht auf der Seite Ibuprofen.
Ibuprofen oder Diclofenac: Was ist bei Rückenschmerzen besser?
Beide gehören zu den entzündungshemmenden Schmerzmitteln (NSAR), die laut IQWiG bei Kreuzschmerzen vor allem infrage kommen. NSAR erhöhen laut IQWiG geringfügig das Risiko für bestimmte Herzerkrankungen, insbesondere Diclofenac. Nach einem Rote-Hand-Brief von 2013 darf systemisch angewendetes Diclofenac (zum Beispiel Tabletten) bei bestehender Herzschwäche (NYHA-Stadien II bis IV), Erkrankungen der Herzkranzgefäße, peripherer Arterienerkrankung oder Erkrankungen der Hirngefäße nicht angewendet werden. Mehr im Ratgeber Ibuprofen oder Diclofenac.
Hilft Paracetamol bei Rückenschmerzen?
Laut IQWiG half Paracetamol in einer großen und aussagekräftigen Studie bei Rückenschmerzen nicht besser als ein Scheinmedikament. Deshalb wird es bei Rückenschmerzen heute nicht mehr empfohlen; auch in der Leitlinie der WHO zählt es zu den nicht empfohlenen Mitteln. Mehr zum Wirkstoff auf der Seite Paracetamol.
Helfen Muskelrelaxanzien bei einem Hexenschuss?
Wie Muskelrelaxanzien bei Rückenschmerzen wirken, ist laut IQWiG nicht gut untersucht, die Studien zeigen widersprüchliche Ergebnisse. Sie können müde oder benommen machen, die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen und bei älteren Menschen das Sturzrisiko erhöhen. Methocarbamol ist laut Packungsbeilage bei Erwachsenen für schmerzhafte Muskelverspannungen, insbesondere des unteren Rückens, zugelassen und wird nicht länger als 30 Tage eingenommen. Ein Hexenschuss bessert sich laut IQWiG meist innerhalb einiger Tage deutlich.
Was hilft bei Ischias?
Ischias-Beschwerden lassen laut IQWiG meist im Laufe einiger Wochen bis Monate nach und klingen dann ab. Infrage kommen entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen, Kortisonspritzen in den Epiduralraum und physiotherapeutische Behandlungen; aussagekräftige Studien gibt es nur wenige. Opioide, Mittel zur Muskelentspannung oder Nervenmedikamente werden laut IQWiG üblicherweise nicht empfohlen. Fachleute raten, möglichst schnell wieder auf die Beine zu kommen.
Brauche ich bei Rückenschmerzen ein MRT?
Meist nicht. Medizinische Fachgesellschaften raten laut IQWiG davon ab, den Rücken routinemäßig zu durchleuchten, weil eine MRT auch bei vielen Menschen ohne Rückenschmerzen meist altersbedingte Auffälligkeiten zeigt. Sinnvoll sein kann sie bei Hinweisen auf ein ernsthaftes Problem wie einen Knochenbruch oder einen Bandscheibenvorfall oder wenn die Beschwerden nach Wochen nicht nachlassen oder schlimmer werden.
Machen starke Schmerzmittel bei Rückenschmerzen abhängig?
Opioide wie Tramadol oder Oxycodon können laut IQWiG körperlich abhängig machen und sollten bei chronischen Schmerzen sehr zurückhaltend eingesetzt werden, in der Regel höchstens wenige Wochen. Laut Packungsbeilage von Tramadol kann die wiederholte Anwendung zu Abhängigkeit, Missbrauch und Sucht führen; das Risiko kann mit höherer Dosis und längerer Anwendung steigen. Ob und wie die Behandlung beendet wird, bespricht Ihre Ärztin oder Ihr Arzt mit Ihnen. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
Passt dazu
-
-
Krankheiten Rheumatoide ArthritisBei rheumatoider Arthritis greift das Abwehrsystem die Gelenke an.
-
Krankheiten Morbus BechterewMorbus Bechterew ist eine chronische Entzündung der Wirbelsäulengelenke.
-
Wirkstoffgruppen Nichtopioid-Analgetika (Metamizol, Paracetamol, ASS)Nichtopioid-Analgetika wie Metamizol, Paracetamol und ASS lindern Schmerzen und senken Fieber.