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Tilidin/Naloxon: Nebenwirkungen und Wirkung
Tilidin/Naloxon ist eine verschreibungspflichtige Kombination aus dem Opioid Tilidin und dem Opioid-Gegenspieler Naloxon gegen starke und sehr starke Schmerzen. Retardtabletten mit Naloxon in der im Betäubungsmittelgesetz festgelegten Zusammensetzung sind vom Betäubungsmittelrecht ausgenommen, Tilidin-Tropfen nicht. Zu Beginn sind Übelkeit und Erbrechen sehr häufig, außerdem häufig Schwindel, Müdigkeit, Kopfschmerzen und Schwitzen; bei längerer Einnahme sind Gewöhnung und Abhängigkeit möglich. Zusammen mit Alkohol, Schlaf- oder Beruhigungsmitteln steigt das Risiko für Atemstörungen und Koma; das kann lebensbedrohlich sein.

Die häufigsten Nebenwirkungen
- Sehr häufig: Übelkeit und Erbrechen zu Behandlungsbeginn; bei weiterer Behandlung treten sie nur noch häufig bis gelegentlich oder selten auf[1, 2]
- Häufig: Schwindel[1, 2]
- Häufig: Müdigkeit, Benommenheit[1, 2]
- Häufig: Kopfschmerzen[1, 2]
- Häufig: Nervosität[1, 2]
- Häufig: Durchfall, Bauchschmerzen[1, 2]
- Häufig: Vermehrtes Schwitzen[1, 2]
Wofür wird Tilidin/Naloxon eingesetzt?
Tilidin/Naloxon ist eine Kombination aus einem stark wirksamen Schmerzmittel aus der Gruppe der Opioide und einem Opioid-Gegenspieler (Antagonisten). Sie wird zur Behandlung starker und sehr starker Schmerzen angewendet; die Retardtabletten eignen sich laut Packungsbeilage besonders zur Behandlung chronischer Schmerzen [1, 2]. Grundlage dieser Seite sind Packungsbeilage und Fachinformation von Tilidin comp. STADA Retardtabletten [1, 2].
Tilidin/Naloxon ist verschreibungspflichtig [2]. Nach dem Betäubungsmittelgesetz sind feste Zubereitungen mit verzögerter Wirkstofffreigabe wie Retardtabletten vom Betäubungsmittelrecht ausgenommen, wenn sie ohne einen weiteren Stoff der Anlagen I bis III je abgeteilter Form bis zu 300 mg Tilidin, berechnet als Base, und bezogen auf diese Menge mindestens 7,5 Prozent Naloxonhydrochlorid enthalten [4]. Für die Retardtabletten von Tilidin comp. STADA nennt die Fachinformation als Abgabestatus "Verschreibungspflichtig" [2]. Tilidin-Tropfen fallen nicht unter diese Ausnahme und sind Betäubungsmittel [3, 4]. Einen Vergleich mit einem anderen Opioid bietet der Ratgeber Tilidin oder Tramadol.
Wie wirkt Tilidin/Naloxon?
Tilidin selbst ist eine Vorstufe mit schwacher Opioidwirkung; der eigentlich wirksame Stoff ist Nortilidin, das im Körper aus Tilidin gebildet wird. Naloxon ist ein reiner Opioid-Gegenspieler ohne eigene opioidartige Wirkung [2]. Laut Fachinformation soll die Kombination das Missbrauchspotenzial vermindern: Bei bestimmungsgemäßer Einnahme beeinträchtigt Naloxon die schmerzlindernde Wirkung nicht, bei missbräuchlicher Einnahme durch Opiatabhängige kann es Entzugserscheinungen auslösen [2].
Beide Wirkstoffe werden nach dem Einnehmen rasch aufgenommen und überwiegend über die Nieren ausgeschieden. Die Retardtablette gibt sie verzögert frei; die scheinbare Eliminationshalbwertszeit von Nortilidin liegt beim Retardpräparat bei etwa 5,5 Stunden [1, 2]. Bei schweren Leberfunktionsstörungen wird weniger Nortilidin gebildet, sodass die Wirkung nachlassen kann [1, 2].
Nebenwirkungen nach Häufigkeit
Die Liste unten nennt alle Nebenwirkungen, für die Packungsbeilage und Fachinformation eine Häufigkeit angeben. "Sehr häufig" heißt: bei mehr als 1 von 10 Behandelten, "häufig" bis zu 1 von 10 und "gelegentlich" bis zu 1 von 100; bei "nicht bekannt" lässt sich die Häufigkeit aus den verfügbaren Daten nicht abschätzen [1, 2]. Übelkeit und Erbrechen sind zu Behandlungsbeginn sehr häufig und treten bei weiterer Behandlung nur noch häufig bis gelegentlich oder selten auf [1, 2]. Wie Sie solche Angaben lesen, erklärt der Ratgeber Beipackzettel verstehen.
Bei längerer Einnahme kann sich eine Gewöhnung (Toleranz) entwickeln, außerdem eine körperliche und psychische Abhängigkeit [1, 2]. Mehr dazu auf der Seite Abhängigkeit und Absetzerscheinungen. Die längere Einnahme von Opioiden kann zudem die Hormonregulation beeinflussen und zu einem Mangel an männlichen Hormonen führen [1, 2].
Sehr häufigkann mehr als 1 von 10 Behandelten betreffen
Häufigkann bis zu 1 von 10 Behandelten betreffen
- NervensystemSchwindel[1, 2]Mehr dazu: Schwindel
- NervensystemMüdigkeit, Benommenheit[1, 2]Mehr dazu: Müdigkeit
- NervensystemKopfschmerzen[1, 2]Mehr dazu: Kopfschmerzen
- NervensystemNervosität[1, 2]Mehr dazu: Unruhe und Nervosität
- Magen und DarmDurchfall, Bauchschmerzen[1, 2]Mehr dazu: DurchfallBauchschmerzen
- HautVermehrtes Schwitzen[1, 2]Mehr dazu: Vermehrtes Schwitzen
Gelegentlichkann bis zu 1 von 100 Behandelten betreffen
Nicht bekanntHäufigkeit nicht abschätzbar oder in der Quelle nicht angegeben
- NervensystemHalluzinationen, Verwirrtheitszustand, euphorische Stimmung[1, 2]Mehr dazu: Psychose und HalluzinationenVerwirrtheit
- NervensystemZittern (Tremor)[1, 2]Mehr dazu: Zittern
- NervensystemGesteigerte Reflexbereitschaft (Hyperreflexie), Muskelzuckungen (Klonus)[1, 2]
- PsycheArzneimittelabhängigkeit[1, 2]Mehr dazu: Absetz- und Entzugserscheinungen
- Allgemeine BeschwerdenEntzugssyndrom (Arzneimittelentzugssyndrom)[1, 2]Mehr dazu: Absetz- und Entzugserscheinungen
Eine Häufigkeit sagt, wie oft eine Beschwerde während der Behandlung beobachtet wurde. Sie sagt nicht, dass das Medikament sie verursacht hat.
Wann Sie ärztliche Hilfe brauchen
Opioide erhöhen abhängig von der Dosis das Risiko für Atemstörungen, auch für Atemaussetzer im Schlaf mit Sauerstoffmangel im Blut [1, 2]. Zusammen mit Beruhigungsmitteln wie Benzodiazepinen oder mit Alkohol kann es laut Fachinformation zu Beruhigung (Sedierung), Atemstörungen, Koma und Tod kommen [2]. Laut Packungsbeilage kann es hilfreich sein, Freunde oder Verwandte über diese Anzeichen zu informieren [1].
Was Sie bei Nebenwirkungen tun können

Schwindel, Übelkeit, Müdigkeit: Um solchen Beschwerden entgegenzuwirken, empfehlen Packungsbeilage und Fachinformation, sich keiner körperlichen Belastung auszusetzen und sich bei Schwindel hinzulegen [1, 2]. Übelkeit und Erbrechen kommen bei weiterer Behandlung nur noch häufig bis gelegentlich oder selten vor [1, 2]. Mehr dazu auf den Seiten Übelkeit und Schwindel.
Weitere Beschwerden: Bei unangenehmen Nebenwirkungen bespricht Ihre Ärztin oder Ihr Arzt mit Ihnen, welche Gegenmaßnahmen es gibt und ob andere Arzneimittel infrage kommen [1]. Setzen Sie Tilidin/Naloxon nicht eigenmächtig ab [1]. Welche Wirkstoffe eine bestimmte Beschwerde auslösen können, zeigt der Nebenwirkungs-Finder.
Wechselwirkungen
Informieren Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt über alle Arzneimittel, die Sie einnehmen, vor allem über beruhigend wirkende Mittel [1]. Beruhigungs- und Schlafmittel wie Benzodiazepine, angstlösende Mittel, Muskelrelaxanzien, Narkosemittel, Mittel gegen Psychosen, bestimmte Schmerz-, Husten- oder Substitutionsmittel aus der Gruppe der Opioide und Alkohol erhöhen zusammen mit Tilidin/Naloxon das Risiko für Schläfrigkeit, Atemstörungen und Koma; eine gleichzeitige Anwendung sollte nur in Betracht gezogen werden, wenn es keine anderen Behandlungsmöglichkeiten gibt [1, 2]. Mit anderen Opioiden soll Tilidin/Naloxon nicht kombiniert werden [1, 2].
Bestimmte Antidepressiva, Triptane, Mirtazapin, Trazodon, Tramadol und andere Mittel, die auf den Botenstoff Serotonin wirken, können das Risiko für ein Serotoninsyndrom erhöhen [1, 2]. Das Pilzmittel Voriconazol kann Wirkung und Nebenwirkungen von Tilidin verstärken; unter dem Gerinnungshemmer Phenprocoumon wurde in Einzelfällen ein Abfall des Quick-Werts beobachtet [1, 2].
| Zusammen mit | Was passieren kann | Hinweis |
|---|---|---|
| Beruhigungsmittel wie Benzodiazepine und verwandte Mittel (Schlafmittel, angstlösende Mittel, Muskelrelaxanzien, Narkosemittel, Mittel gegen Psychosen, bestimmte Schmerz-, Husten- oder Substitutionsmittel aus der Gruppe der Opioide) sowie Alkohol | Höheres Risiko für Schläfrigkeit, Atemstörungen (Atemdepression) und Koma; kann lebensbedrohlich sein[1, 2] | Gleichzeitige Anwendung sollte nur in Betracht gezogen werden, wenn es keine anderen Behandlungsmöglichkeiten gibt; Dosis und Dauer sollte die Ärztin oder der Arzt begrenzen |
| Andere Opioide (Schmerzmittel, die wie Tilidin wirken) | Die Wirkung lässt sich wegen gegenseitiger Beeinflussung nicht abschätzen[1, 2] | Nicht zusammen einnehmen |
| Mittel, die auf Serotonin wirken: SSRI, SNRI, trizyklische Antidepressiva, Triptane, 5-HT3-Rezeptor-Antagonisten, Mirtazapin, Trazodon, Tramadol, MAO-Hemmer | Höheres Risiko für ein Serotoninsyndrom, einen potenziell lebensbedrohlichen Zustand[1, 2] | Nur mit besonderer Vorsicht; ärztlich besprechen |
| Voriconazol (Pilzmittel) | Wirkungen und Nebenwirkungen von Tilidin/Naloxon können verstärkt werden; in einer Studie stieg die Tilidin-Menge im Blut um das 20-Fache, Nortilidin um etwa das 2,5-Fache, mit Gefahr einer Atemdepression[1, 2] | Vorher ärztlich besprechen |
| Phenprocoumon (Gerinnungshemmer) | In Einzelfällen Abfall des Quick-Werts[1, 2] | Quick-Wert zu Beginn und beim Beenden der Behandlung engmaschig kontrollieren |
| Alkohol | Gegenseitige Verstärkung und Verlängerung der Wirkungen auf das zentrale Nervensystem; laut Fachinformation kann die gleichzeitige Anwendung zu Beruhigung (Sedierung), Atemdepression, Koma und Tod führen[1, 2] |
Die Liste nennt die wichtigsten Wechselwirkungen aus der Produktinformation, nicht alle. Welche Mittel Sie zusammen einnehmen können, klären Sie am besten mit Ihrer Apotheke, auch bei rezeptfreien und pflanzlichen Mitteln.
Wer Tilidin/Naloxon nicht oder nur mit Vorsicht nehmen sollte
Bei Abhängigkeit von Opiaten wie Heroin oder Morphin oder von Opioiden darf Tilidin/Naloxon nicht eingenommen werden, weil sofort Entzugserscheinungen auftreten können [1, 2]. Es ist nicht zur Entzugsbehandlung geeignet [1, 2]. Packungsbeilage und Fachinformation warnen ausdrücklich vor jedem Missbrauch [1, 2].
Nicht einnehmen bei
- Allergie gegen Tilidin, Naloxon oder einen der sonstigen Bestandteile[1, 2]
- Abhängigkeit von Opiaten (Heroin, Morphin) oder Opioiden, wegen der Gefahr sofort auftretender Entzugserscheinungen[1, 2]
- Kinder und Jugendliche unter 14 Jahren (Retardtabletten 50 mg/4 mg, 100 mg/8 mg und 150 mg/12 mg) bzw. unter 18 Jahren (200 mg/16 mg), da keine Erfahrungen vorliegen[1, 2]
Besondere Vorsicht bei
- Porphyrie (Stoffwechselerkrankung): Tilidin/Naloxon sollte nicht eingenommen werden[1, 2]
- Andere Abhängigkeitserkrankungen, auch frühere, etwa von Arzneimitteln oder Alkohol: laut Packungsbeilage nur mit besonderer Vorsicht, laut Fachinformation sollte Tilidin/Naloxon dann nicht eingenommen werden[1, 2]
- Ausgeprägte Leberfunktionsstörung (z. B. hochgradige Leberzirrhose): Die Wirkung kann nachlassen[1, 2]
- Längere Einnahme: Gewöhnung (Toleranz), sodass eine höhere Dosis nötig werden kann, körperliche und psychische Abhängigkeit möglich; bei abruptem Absetzen Entzugserscheinungen wie Unruhe, Schweißausbrüche und Muskelschmerzen[1, 2]
- Opioide erhöhen abhängig von der Dosis das Risiko für Atemstörungen (Atemdepression), einschließlich Atemaussetzern im Schlaf mit Sauerstoffmangel im Blut[1, 2]
- Missbrauch: Tilidin/Naloxon ist nicht zur Entzugsbehandlung geeignet; bei missbräuchlicher Einnahme durch Opiatabhängige löst es akute Entzugserscheinungen (Ängstlichkeit, Unruhe, Zittern, Schwitzen) aus oder verstärkt sie[1, 2]
Alkohol, Autofahren, Schwangerschaft
Alkohol und Tilidin/Naloxon verstärken sich gegenseitig in ihrer Wirkung auf das zentrale Nervensystem [1, 2]. Fahren Sie nicht Auto und bedienen Sie keine Maschinen, solange Ihre Ärztin oder Ihr Arzt es nicht ausdrücklich gestattet hat [1]; mehr dazu im Ratgeber Medikamente und Autofahren. Die Karten fassen zusammen, was Packungsbeilage, Fachinformation und das Beratungszentrum Embryotox der Charité zu Schwangerschaft und Stillzeit sagen [1, 2, 5].
Schwangerschaft
Mit der Anwendung bei Schwangeren gibt es nur begrenzte Erfahrungen; Tierstudien ergaben keine Hinweise auf schädliche Wirkungen auf die Fortpflanzung. Tilidin/Naloxon darf in der Schwangerschaft nicht angewendet werden, es sei denn, der Nutzen überwiegt aufgrund des Zustands der Mutter die möglichen Risiken für das ungeborene Kind; laut Packungsbeilage nur nach strengster Nutzen-Risiko-Abschätzung.[1, 2]
Embryotox zählt Tilidin mit Naloxon zu den Medikamenten mit widersprüchlichen oder noch unzureichenden Studienergebnissen und gibt den Erfahrungsumfang mit "gering" an. Systematische Untersuchungen zum ersten Schwangerschaftsdrittel liegen nicht vor; durch die lange Markterfahrung gibt es laut Embryotox keine Hinweise auf eine Schädigung des Embryos oder Fehlbildungen. Alle Opioide können bei längerer Behandlung oder einer Behandlung bis zur Geburt beim Neugeborenen zu Atemdepression und Entzugserscheinungen führen, die auch verzögert auftreten und schwer verlaufen können; ein akuter Opiatentzug in der Schwangerschaft kann zum Tod des Kindes im Mutterleib oder zu vorzeitigen Wehen führen und sollte vermieden werden. Bei wiederholter Gabe unter der Geburt muss laut Embryotox mit einer Atemdepression, bei regelmäßiger Anwendung oder Missbrauch auch mit schweren Entzugserscheinungen beim Neugeborenen gerechnet werden; die Entbindung sollte dann in einem Perinatalzentrum erfolgen. Wegen fehlender systematischer Studien sollten laut Embryotox besser untersuchte Mittel bevorzugt werden: als Schmerzmittel Paracetamol oder bis zur 28. Schwangerschaftswoche Ibuprofen, von den zentral wirkenden Schmerzmitteln Morphin, Tramadol oder Buprenorphin. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.[5]
Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.
Stillzeit
Tilidin geht in die Muttermilch über. Während der Behandlung soll nicht gestillt werden.[1, 2]
Laut Embryotox gibt es keine dokumentierten Erfahrungen mit Tilidin/Naloxon in der Stillzeit. Wie alle Opioid-Schmerzmittel sollte es laut Embryotox in der Stillzeit nur kurzzeitig und bei guter Beobachtung des Säuglings angewendet werden; Einzeldosen erfordern keine Einschränkung des Stillens. Wegen der möglichen Atemdämpfung (Atemdepression) ist bei Stillkindern mit Neigung zu Atemaussetzern sowie bei Neu- und Frühgeborenen besondere Vorsicht geboten. Schmerzmittel der ersten Wahl in der Stillzeit sind laut Embryotox Ibuprofen und Paracetamol; ist die akute Anwendung eines Opioids unumgänglich, wären laut Embryotox Tramadol oder Buprenorphin kurzzeitig akzeptable Alternativen. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.[5]
Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.
Alkohol
Tilidin/Naloxon und Alkohol verstärken und verlängern gegenseitig ihre Wirkungen auf das zentrale Nervensystem. Zusammen mit Beruhigungsmitteln wie Benzodiazepinen oder mit Alkohol steigt das Risiko für Schläfrigkeit, Atemstörungen und Koma; das kann lebensbedrohlich sein.[1, 2]
Autofahren und Maschinen
Tilidin/Naloxon kann Aufmerksamkeit und Reaktionsvermögen so beeinträchtigen, dass Sie auf unerwartete Ereignisse nicht mehr schnell genug reagieren. Laut Packungsbeilage: Fahren Sie nicht Auto, bedienen Sie keine elektrischen Werkzeuge oder Maschinen und arbeiten Sie nicht ohne sicheren Halt, außer Ihre Ärztin oder Ihr Arzt hat es ausdrücklich gestattet. Besonders zu Behandlungsbeginn, nach Dosiserhöhung, Präparatewechsel und zusammen mit Alkohol oder Beruhigungsmitteln ist die Beeinträchtigung stärker. Laut Fachinformation ist bei stabiler Behandlung ein generelles Fahrverbot nicht zwingend erforderlich; die Entscheidung trifft die Ärztin oder der Arzt.[1, 2]
Einnahme
Die Retardtabletten erst kurz vor der Einnahme aus der Blisterpackung nehmen und unabhängig von den Mahlzeiten unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit schlucken. Nicht teilen, weil sonst die verzögerte Freisetzung nicht mehr gewährleistet ist. Nach dem von der Ärztin oder dem Arzt festgelegten festen Zeitschema einnehmen, zum Beispiel morgens um 8 Uhr und abends um 20 Uhr.[1]
Einnahme vergessen: Ist die nächste reguläre Einnahme mehr als 8 Stunden entfernt, nachholen und den bisherigen Plan beibehalten; ist es weniger, die Tablette ebenfalls nehmen, der Plan verschiebt sich dann, das weitere Vorgehen mit der Ärztin oder dem Arzt besprechen. Grundsätzlich nicht häufiger als alle 8 Stunden einnehmen.[1]
Absetzen
Unterbrechen Sie die Behandlung nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Nach längerer Einnahme soll Tilidin/Naloxon nicht abrupt abgesetzt, sondern nach ärztlicher Anweisung schrittweise verringert werden; sonst können Entzugserscheinungen wie Unruhe, Schweißausbrüche und Muskelschmerzen auftreten.[1, 2]
Überdosierung
Wird versehentlich eine Einzeldosis doppelt eingenommen, können die beschriebenen Nebenwirkungen verstärkt auftreten. Nach erheblich zu hohen Mengen kommt es zu Schwindel, Benommenheit, Übelkeit, Erbrechen, Störungen im Bewegungsablauf, Bewegungsdrang und gesteigerten Reflexen; bei sehr starker Überdosierung kann die Atmung vermindert sein. Rufen Sie bei diesen Anzeichen die nächst erreichbare Ärztin oder den nächst erreichbaren Arzt zu Hilfe. Als Gegenmittel steht ärztlich verabreichtes Naloxon zur Verfügung.[1, 2]
Auf Reisen gelten die Regeln des Ziellandes. Was Peru für Tilidin vorschreibt, steht mit Quelle auf der Seite Medikamente nach Peru mitnehmen; allgemeine Hinweise gibt der Ratgeber Medikamente ins Ausland mitnehmen.
Dosierung laut Packungsbeilage
Dosis und Einnahmeabstand legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt für Sie individuell fest; grundsätzlich sollte die kleinste schmerzlindernde Menge gewählt werden [1]. Die Übersicht gibt die Angaben der Packungsbeilage von Tilidin comp. STADA 50 mg/4 mg Retardtabletten wieder; ändern Sie die Dosis nicht selbst [1].
Einnahme und Absetzen
Nehmen Sie die Retardtabletten nach einem festen Zeitschema ein, unabhängig von den Mahlzeiten, unzerkaut und mit ausreichend Flüssigkeit; entnehmen Sie sie erst kurz vor der Einnahme aus der Packung [1]. Teilen Sie die Retardtabletten nicht, weil sonst die verzögerte Freisetzung nicht mehr gewährleistet ist [1]. Haben Sie eine Einnahme vergessen, gibt die Karte oben die Regel der Packungsbeilage wieder; besprechen Sie das weitere Vorgehen mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt [1].
Unterbrechen Sie die Behandlung nicht ohne Rücksprache. Nach längerer Einnahme wird Tilidin/Naloxon nicht abrupt abgesetzt, sondern die Dosis nach ärztlicher Anweisung schrittweise verringert, damit keine Entzugserscheinungen wie Unruhe, Schweißausbrüche und Muskelschmerzen auftreten [1, 2]. Allgemeine Hinweise gibt der Ratgeber Medikamente absetzen. Bei Anzeichen einer Überdosierung rufen Sie laut Packungsbeilage die nächst erreichbare Ärztin oder den nächst erreichbaren Arzt zu Hilfe; Telefonnummern finden Sie unter Notfall und Giftnotruf [1].
Präparate mit Tilidin/Naloxon
Tilidin/Naloxon gibt es als Retardtabletten in verschiedenen Stärken und als Tropfen [1, 3]. Grundlage dieser Seite sind Packungsbeilage und Fachinformation von Tilidin comp. STADA Retardtabletten [1, 2].
| Präparat | Anbieter | Hinweis |
|---|---|---|
| Tilidin comp. STADA | STADAPHARM GmbH | Retardtabletten 50 mg/4 mg, 100 mg/8 mg, 150 mg/12 mg, 200 mg/16 mg (Grundlage dieser Seite); außerdem Tropfen (Betäubungsmittel) |
| Tilidin-ratiopharm plus | ratiopharm GmbH | Retardtabletten; außerdem Tropfen (Betäubungsmittel) |
| Tilidin HEXAL comp | Hexal AG | Retardtabletten |
Auswahl ohne Wertung. Präparate mit demselben Wirkstoff können sich in Stärke, Hilfsstoffen und zugelassenen Anwendungsgebieten unterscheiden. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.
Quellen
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Tilidin comp. STADA 50 mg/4 mg Retardtabletten. STADAPHARM GmbH. Stand 07/2024. abgerufen am 11.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Tilidin comp. STADA Retardtabletten. STADAPHARM GmbH. Stand 07/2024. abgerufen am 11.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Tilidin comp. STADA Tropfen. STADAPHARM GmbH. Stand 01/2024. abgerufen am 11.10.2026
- Behörde Betäubungsmittelgesetz (BtMG), Anlage III, Eintrag Tilidin. Bundesministerium der Justiz (gesetze-im-internet.de). Stand 19.05.2026. abgerufen am 11.10.2026
- Embryotox Embryotox: Tilidin und Naloxon. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 21.10.2026
Häufige Fragen
Ist Tilidin ein Betäubungsmittel?
Das hängt von der Zubereitung ab. Tilidin steht in Anlage III des Betäubungsmittelgesetzes; ausgenommen sind feste Zubereitungen mit verzögerter Wirkstofffreigabe, die ohne einen weiteren Stoff der Anlagen I bis III je abgeteilter Form bis zu 300 mg Tilidin, berechnet als Base, und bezogen auf diese Menge mindestens 7,5 Prozent Naloxonhydrochlorid enthalten. Für die Retardtabletten von Tilidin comp. STADA nennt die Fachinformation als Abgabestatus "Verschreibungspflichtig". Tilidin-Tropfen fallen nicht unter diese Ausnahme; die Fachinformation von Tilidin comp. STADA Tropfen nennt als Abgabestatus "Verschreibungspflichtig, Betäubungsmittel".
Warum enthält Tilidin zusätzlich Naloxon?
Naloxon ist ein Opioid-Gegenspieler. Laut Fachinformation soll die Kombination das Missbrauchspotenzial vermindern, ohne die schmerzlindernde Wirkung zu verringern: Das Mischungsverhältnis ist so gewählt, dass Naloxon bei bestimmungsgemäßer Einnahme die Wirkung von Tilidin nicht beeinträchtigt. Bei missbräuchlicher Einnahme durch Opiatabhängige kann Naloxon dagegen Entzugserscheinungen auslösen.
Macht Tilidin abhängig?
Ja, das ist möglich. Bei längerer Einnahme kann sich eine Gewöhnung entwickeln, sodass eine höhere Dosis für die gleiche Wirkung nötig werden kann; außerdem können körperliche und psychische Abhängigkeit entstehen. Arzneimittelabhängigkeit und ein Entzugssyndrom sind als Nebenwirkungen mit nicht bekannter Häufigkeit aufgeführt. Bei anderen, auch früheren Abhängigkeitserkrankungen, etwa von Arzneimitteln oder Alkohol, ist laut Packungsbeilage besondere Vorsicht nötig; laut Fachinformation sollte Tilidin/Naloxon dann nicht eingenommen werden. Bei Abhängigkeit von Opiaten oder Opioiden darf Tilidin/Naloxon nicht eingenommen werden.
Darf ich Tilidin mit Alkohol einnehmen?
Tilidin/Naloxon und Alkohol verstärken und verlängern gegenseitig ihre Wirkungen auf das zentrale Nervensystem. Zusammen mit Alkohol oder mit Beruhigungs- oder Schlafmitteln steigt das Risiko für Schläfrigkeit, Atemstörungen und Koma; das kann lebensbedrohlich sein, laut Fachinformation kann es zum Tod führen. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt darüber.
Darf ich mit Tilidin Auto fahren?
Laut Packungsbeilage sollen Sie nicht Auto fahren und keine Maschinen bedienen, solange Ihre Ärztin oder Ihr Arzt es nicht ausdrücklich gestattet hat. Besonders zu Behandlungsbeginn, nach einer Dosiserhöhung, beim Präparatewechsel und zusammen mit Alkohol oder Beruhigungsmitteln ist eine verstärkte Beeinträchtigung zu erwarten. Laut Fachinformation ist bei stabiler Behandlung ein generelles Fahrverbot nicht zwingend erforderlich; die Entscheidung trifft die Ärztin oder der Arzt im Einzelfall.
Was passiert, wenn ich Tilidin plötzlich absetze?
Bei abruptem Ende einer längeren Behandlung können Entzugserscheinungen wie Unruhe, Schweißausbrüche und Muskelschmerzen auftreten. Unterbrechen Sie die Behandlung deshalb nicht ohne Rücksprache; nach längerer Einnahme wird die Dosis nach ärztlicher Anweisung schrittweise verringert.
Darf ich Tilidin in der Schwangerschaft oder Stillzeit nehmen?
In der Schwangerschaft darf Tilidin/Naloxon nur angewendet werden, wenn der Nutzen aufgrund des Zustands der Mutter die möglichen Risiken für das ungeborene Kind überwiegt; die Erfahrungen sind begrenzt. Tilidin geht in die Muttermilch über; laut Packungsbeilage soll während der Behandlung nicht gestillt werden. Laut dem Beratungszentrum Embryotox sollte Tilidin/Naloxon in der Stillzeit nur kurzzeitig und bei guter Beobachtung des Säuglings angewendet werden; Einzeldosen erfordern danach keine Einschränkung des Stillens.
Wie hoch ist die Dosis von Tilidin?
Dosis und Einnahmeabstand legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt individuell fest. Die Angaben der Packungsbeilage finden Sie im Abschnitt Dosierung. Ändern Sie die Dosis nicht selbst.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
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