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Essenzieller Tremor

Beim essenziellen Tremor zittern beide Arme und Hände beim Halten und bei Bewegungen, mit oder ohne Zittern von Kopf, Stimme oder Beinen, ohne dass sich eine andere Ursache findet. Laut der S2k-Leitlinie Tremor der Deutschen Gesellschaft für Neurologie von 2022 sollen Propranolol, Primidon und Topiramat zur Behandlung eingesetzt werden; für den essenziellen Tremor zugelassen ist davon nur der Betablocker Propranolol. Helfen Medikamente nicht ausreichend, kommen unter bestimmten Bedingungen eine tiefe Hirnstimulation oder eine fokussierte Ultraschallbehandlung infrage. Besteht ein Zittern erst seit Wochen bis Monaten, ist laut Leitlinie vor einer Behandlung eine Ursachensuche notwendig; am häufigsten steckt eine Nebenwirkung von Medikamenten oder eine Schilddrüsenüberfunktion dahinter.

Mann Mitte sechzig mit kurzem grauem Haar und blauen Augen sitzt in einem grünen Strickpullover an einem hellen Holztisch in der Küche und hält eine Tasse Tee mit beiden Händen
Bild: KI-generiert

Beim essenziellen Tremor zittern beide Arme und Hände, vor allem beim Halten und bei Bewegungen; eine andere Erkrankung als Ursache findet sich nicht [1]. Laut der S2k-Leitlinie Tremor der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) von 2022 ist er die häufigste Tremorform [1]. Als Medikamente erster Wahl nennt die Leitlinie Propranolol, Primidon und Topiramat; für den essenziellen Tremor zugelassen ist davon nur der Betablocker Propranolol [1, 3]. Helfen Medikamente nicht ausreichend, kommen unter bestimmten Bedingungen Eingriffe am Gehirn infrage [1].

Was ist ein essenzieller Tremor?

Ein Tremor ist laut Leitlinie eine unwillkürliche, rhythmische Bewegung mindestens eines Körperteils [1]. Normalerweise zittern die Muskeln nur ganz leicht, sodass man es nicht wahrnimmt [2]. Zwischen diesem normalen (physiologischen) und einem krankhaften Tremor gibt es einen fließenden Übergang; von einem krankhaften Tremor spricht man laut Leitlinie, wenn das Zittern mit bloßem Auge zu sehen ist [1].

Den essenziellen Tremor beschreibt die Leitlinie nach einem Konsens der internationalen Movement Disorder Society (MDS) so [1]:

  • Zittern beider Arme und Hände bei Bewegung (Aktionstremor), mit oder ohne Zittern an anderen Stellen wie Kopf, Stimme oder Beinen
  • das Zittern besteht seit mindestens 3 Jahren
  • weitere neurologische Zeichen wie eine Dystonie, eine Ataxie, ein Parkinson-Syndrom oder Störungen der Nerven in Armen und Beinen fehlen

Neu grenzt die Leitlinie den essenziellen Tremor plus ab: Dabei kommt eine leichte zusätzliche Auffälligkeit hinzu, etwa ein gestörter Seiltänzergang, fragliche dystone Zeichen, eine diskrete Gedächtnisstörung oder ein Zittern in Ruhe, die aber nicht für eine andere Diagnose wie Parkinson ausreicht [1]. Für beide Formen gelten dieselben Behandlungsempfehlungen [1].

Häufigkeit: Der Anteil der Betroffenen wird laut Leitlinie auf 1,3 bis 5,1 Prozent geschätzt [1]. Häufigkeit und Neuerkrankungen nehmen ab etwa dem 6. Lebensjahrzehnt deutlich zu; oberhalb von 80 Jahren zeigen mehr als 30 Prozent der Bevölkerung ein krankhaftes Zittern [1]. Frauen und Männer sind laut Leitlinie gleich häufig betroffen [1].

Symptome

Typisch ist ein Zittern beider Arme und Hände, wenn eine Haltung gehalten wird und bei Bewegungen (Halte- und Aktionstremor) [1]. Das Zittern kann auch den Kopf oder andere Teile des Körpers betreffen [1, 2]:

  • Kopf: Ein Kopftremor ist laut Leitlinie ein häufiges Merkmal des essenziellen Tremors; in bevölkerungsbezogenen Studien tritt er bei rund 20 Prozent der Betroffenen zusätzlich zum Zittern der Arme und Hände auf, als Ja-ja- oder Nein-nein-Bewegung oder in wechselnde Richtung [1]. Ein Zittern nur des Kopfes schließt nach der neuen Einteilung die Diagnose essenzieller Tremor aus [1].
  • Stimme: Ein Stimmtremor ist ein sicht- oder hörbares Zittern der Stimme, bei dem Tonhöhe und Lautstärke schwanken [1].

Beim Kopftremor legt die klinische Erfahrung laut Leitlinie nahe, dass auch die Lebensqualität eingeschränkt wird; er ist mit einer Stigmatisierung verbunden und kann beim Essen und Trinken behindern [1].

Abgrenzung zum Parkinson-Tremor: Bei der Parkinson-Krankheit ist laut Leitlinie das Zittern in Ruhe (Ruhetremor) eines der Hauptzeichen; es beginnt typischerweise an einem Arm, seltener an einem Bein, und breitet sich später auf die andere Körperseite aus [1]. Mehr dazu unter Parkinson.

Ursachen und Risikofaktoren

Die genaue Ursache des essenziellen Tremors ist nicht bekannt [2]. Eine positive Familiengeschichte findet sich laut Leitlinie bei 40 bis 70 Prozent der Betroffenen und stützt die Diagnose, ist aber keine Voraussetzung [1]. Genetische Untersuchungen sollten laut Leitlinie nur bei klinischem Verdacht durchgeführt werden [1].

Andere Ursachen für Zittern: Von einem verstärkten physiologischen Tremor spricht die Leitlinie, wenn ein Zittern erst seit Wochen bis Monaten besteht; er hat meist eine behandelbare Ursache, am häufigsten eine Nebenwirkung von Medikamenten oder eine Schilddrüsenüberfunktion, selten eine Vergiftung [1]. Ein Zittern in Ruhe kann laut Leitlinie unter anderem auf eine Parkinson-Krankheit oder eine Behandlung mit Neuroleptika zurückgehen [1]. Mehr: Zittern durch Medikamente, Parkinson-ähnliche Beschwerden durch Medikamente und Schilddrüsenüberfunktion.

Diagnose

Die Diagnose stützt sich laut Leitlinie überwiegend auf klinische Kriterien [1]. Erfragt und untersucht werden unter anderem das Alter bei Beginn, Zittern bei Blutsverwandten, die Situation, in der das Zittern auftritt (in Ruhe, beim Halten, bei Bewegungen, bei Zielbewegungen oder im Stehen), die betroffenen Körperregionen und die Frequenz [1]. Eine sorgfältige neurologische Untersuchung ist laut Leitlinie notwendig, weil zahlreiche Erkrankungen mit Zittern einhergehen können, zum Beispiel die Parkinson-Krankheit, Dystonien oder eine Schilddrüsenüberfunktion [1].

Die Diagnose essenzieller Tremor soll laut Leitlinie gestellt werden, wenn ein Halte- und Aktionstremor beider Arme seit mindestens 3 Jahren besteht und keine andere Erkrankung als Ursache gefunden wird [1]. Ist das Zittern bei der ersten Diagnose erst kürzer als 3 Jahre bekannt, kommt ein verstärkter physiologischer Tremor infrage; Medikamente und eine Schilddrüsenüberfunktion als Ursache sollen dann ausgeschlossen werden [1]. Vor einer Behandlung sollte laut Leitlinie geklärt sein, welches Tremorsyndrom vorliegt, ob es eine behandelbare Ursache gibt und welche Wünsche Betroffene an die Behandlung haben und welches Risiko sie eingehen möchten [1].

Behandlung ohne Medikamente

Neurologin im weißen Kittel spricht in einem hellen Sprechzimmer mit einer Frau Ende fünfzig mit schulterlangem blondem Haar und blauer Bluse, die ihre Hände nach vorn ausstreckt
Bild: KI-generiert

Alle Behandlungen des essenziellen Tremors lindern laut Leitlinie die Beschwerden, ohne die Ursache zu beseitigen. Deshalb sind die Nebenwirkungen besonders wichtig; Nutzen und Risiken müssen im Einzelfall abgewogen und ausführlich besprochen werden [1]. Die Leitlinie rät zu einer ausführlichen Aufklärung und zur gemeinsamen Erarbeitung der Behandlungsziele [1].

Eingriffe bei schwerem Tremor: Für Menschen, deren Tremor auf Medikamente nicht ausreichend anspricht (medikamentenresistent), nennt die Leitlinie diese Verfahren [1]:

  • Tiefe Hirnstimulation des Thalamus: Die einseitige Stimulation sollte schwer betroffenen Menschen mit medikamentenresistentem essenziellem Tremor angeboten werden, die beidseitige schwer Betroffenen oder Menschen mit schwerem Kopf- oder Stimmtremor, wenn die Beschwerden auf Medikamente nicht ansprechen; ob sie infrage kommt, klären Spezialzentren [1]. Zu den Risiken zählen laut Leitlinie Blutungen und Infektionen durch die Operation sowie Missempfindungen, Sprachstörungen und Störungen der Bewegungskoordination (Ataxie) und des Gangs durch die Stimulation; für die Mehrzahl dieser Nebenwirkungen gelingt es, die Stimulation so anzupassen, dass sie nicht auftreten, bei Ataxie und Gangstörungen kann das schwierig sein [1].
  • Fokussierter Ultraschall: Die einseitige, durch Magnetresonanztomographie gesteuerte fokussierte Ultraschallbehandlung (MRgFUS) ist laut Leitlinie ein nicht invasives Verfahren, das gezielt einen Teil der vermuteten Tremor-Schaltkreise im Gehirn zerstört (läsionelle Therapie). Sie sollte Menschen mit medikamentenresistentem essenziellem Tremor angeboten werden, wenn eine einseitige Behandlung aussichtsreich ist und/oder trotz nur einseitiger Besserung eine bessere Lebensqualität anzunehmen ist; die Festlegung der Indikation bleibt Spezialzentren vorbehalten [1]. Eine beidseitige Behandlung kann vorerst nur im Rahmen von Studien und Registern erwogen werden [1].
  • Thalamotomie mit Radiofrequenz oder Radiochirurgie: Die einseitige Thalamotomie mit Radiofrequenzläsionen sollte laut Leitlinie nicht mehr eingesetzt werden, außer in begründeten Ausnahmefällen in spezialisierten Zentren, wenn Verfahren mit weniger Nebenwirkungen nicht einsetzbar sind; die beidseitige soll nicht eingesetzt werden, die Thalamotomie mit Radiochirurgie sollte nicht eingesetzt werden [1].

Behandlung mit Medikamenten

Laut S2k-Leitlinie Tremor sollen Propranolol, Primidon und Topiramat zur Behandlung des essenziellen Tremors eingesetzt werden; typische Nebenwirkungen und Gegenanzeigen können den Einsatz begrenzen [1]. Die Leitlinie nennt die drei als Medikamente erster Wahl; die Auswahl orientiert sich an den Gegenanzeigen und der individuellen Verträglichkeit [1]. Wirkt ein Mittel nur unbefriedigend oder zeigt es Nebenwirkungen, sollten die verbleibenden Mittel eingesetzt werden; für Propranolol und Primidon ist eine sich ergänzende (additive) Wirkung gezeigt [1].

Gesonderte Empfehlungen für jüngere oder ältere Menschen erlaubt die Studienlage laut Leitlinie nicht; pragmatisch werden bei Älteren häufiger Primidon, bei Jüngeren häufiger Betablocker eingesetzt, und pragmatisch empfohlen wird eine langsame Eindosierung [1]. Die Dosis legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest; was die Packungsbeilage nennt, steht auf der Seite Propranolol.

Die Tabelle zeigt das Mittel erster Wahl, das für den essenziellen Tremor zugelassen ist: Propranolol wird laut Packungsbeilage unter anderem zur Behandlung von Zittrigkeit ohne erkennbare Ursache (essenzieller Tremor) angewendet [3]. Die Nebenwirkungen stammen aus Packungsbeilage und Fachinformation von Propranolol STADA ("häufig": bei 1 bis 10 von 100 Behandelten); maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats [3, 4].

Für den essenziellen Tremor zugelassenes Medikament erster Wahl nach der S2k-Leitlinie Tremor (2022), Nebenwirkungen laut Packungsbeilage
WirkstoffgruppeBeispieleWie sie wirkenHäufige Nebenwirkungen
BetablockerPropranolol [1, 3]Nicht herzselektiver Betablocker: hemmt die Beta-1- und die Beta-2-Rezeptoren und senkt abhängig von der Aktivität des sympathischen Nervensystems unter anderem Herzfrequenz und Schlagkraft des Herzens [4]Häufig: starke Verlangsamung des Herzschlags, Herzklopfen, Überleitungsstörungen im Herzen, Verstärkung einer Herzmuskelschwäche, Missempfindungen, kurze Bewusstlosigkeit (Synkopen), besonders zu Beginn Müdigkeit, Schwindelgefühl, Benommenheit, Kopfschmerzen, Verwirrtheit, Nervosität, Schlafstörungen, depressive Verstimmungen, Albträume und Halluzinationen, vorübergehend Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung oder Durchfall, allergische Hautreaktionen, Haarausfall, besonders zu Beginn Schwitzen, verstärkter Blutdruckabfall, Kältegefühl in Armen und Beinen [3, 4]

Primidon und Topiramat: außerhalb der Zulassung

Primidon und Topiramat sind laut Leitlinie für den essenziellen Tremor nicht zugelassen (Off-Label-Use) [1]. Laut Packungsbeilage wird Topiramat zur Behandlung der Epilepsie bei Erwachsenen und Kindern und zur Vorbeugung von Migränekopfschmerzen bei Erwachsenen angewendet [5], Primidon zur Behandlung epileptischer Anfälle [8]; den essenziellen Tremor nennen beide Packungsbeilagen nicht. Viele Mittel mit nachgewiesener Wirksamkeit sind laut Leitlinie nicht zur Behandlung des Tremors zugelassen; dann müssen die Bedingungen für den Einsatz außerhalb der Zulassung geprüft werden [1]. Was das bedeutet, erklärt der Ratgeber Off-Label-Use.

  • Primidon: Sehr häufig, also bei mehr als 1 von 10 Behandelten, treten laut Packungsbeilage zu Behandlungsbeginn und meist bei zu hoher Anfangsdosis Schwindel, Müdigkeit, Störungen der Bewegungskoordination (Ataxie), Übelkeit und Erbrechen auf [8]; laut Leitlinie sind diese akuten Reaktionen so häufig, dass Betroffene vorgewarnt werden müssen [1]. Primidon hat laut Packungsbeilage eine stark dämpfende Wirkung auf das zentrale Nervensystem; eine Einnahme über längere Zeit kann zu Gewöhnung oder Abhängigkeit führen, und bei abruptem Beenden kann es zu Entzugserscheinungen kommen [8]. Haben Sie Gedanken, sich selbst zu verletzen oder sich das Leben zu nehmen, setzen Sie sich laut Packungsbeilage sofort mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt in Verbindung; bei einem Hautausschlag oder offenen, schmerzenden Stellen in Mund, Hals, Nase oder im Genitalbereich (mögliche schwere Hautreaktion) holen Sie in jedem Fall sofort ärztliche Hilfe [8]. Frauen, die schwanger werden können, sollten laut Packungsbeilage während der Behandlung und zwei Monate danach wirksam verhüten [8]. Primidon beeinflusst laut Packungsbeilage sehr stark die Stoffwechselenzyme der Leber; die Wirkung von Gerinnungshemmern und die Zuverlässigkeit der Pille können vermindert sein [8]. Bei Vitamin-K-Antagonisten wie Phenprocoumon ist laut Leitlinie der Gerinnungsstatus zu überwachen, die Kombination mit direkten Gerinnungshemmern (NOAK) sollte vermieden werden [1]. Mehr: Blutverdünner.
  • Topiramat: Laut Leitlinie sind aus den Studien hohe Abbruchraten bekannt, sowohl unter Topiramat als auch unter Placebo, wegen lästiger, aber nur ausnahmsweise gefährlicher Nebenwirkungen [1]. Sehr häufig, also bei mehr als 1 von 10 Behandelten, sind laut Packungsbeilage Depression (neu aufgetreten oder verschlechtert), verstopfte oder laufende Nase oder Halsschmerzen, Kribbeln, Schmerzen oder Taubheit verschiedener Körperteile, Schläfrigkeit, Müdigkeit, Schwindel, Übelkeit, Durchfall und Gewichtsverlust [5]. Laut Rote-Hand-Brief vom 2. November 2023 kann Topiramat bei Anwendung während der Schwangerschaft schwere angeborene Fehlbildungen und Wachstumsbeeinträchtigungen des Ungeborenen (fetale Wachstumsbeeinträchtigungen) verursachen; aktuelle Daten deuten auch auf ein möglicherweise erhöhtes Risiko für neurologische Entwicklungsstörungen hin. Seitdem gilt ein Schwangerschaftsverhütungsprogramm [6]. Frauen, die schwanger werden können, müssen laut Packungsbeilage während der Behandlung und mindestens 4 Wochen nach der letzten Einnahme eine hochwirksame Verhütungsmethode anwenden [5]. Als Gegenanzeigen beim Tremor nennt die Leitlinie Schwangerschaft, gebärfähige Frauen ohne wirksame Verhütung und Nierensteine [1]. Mehr: Topiramat und Antiepileptika.

Kopftremor

Beim Kopftremor im Rahmen eines essenziellen Tremors sind Propranolol, Primidon und Topiramat laut Leitlinie wahrscheinlich weniger wirksam als beim Zittern der Hände, die Studienlage ist allerdings ungenügend. Da die anderen Möglichkeiten durchweg invasiv sind, können die Standardmedikamente erprobt werden [1].

Mittel, die die Leitlinie nicht empfiehlt

Auf Atenolol, Sotalol, Gabapentin und Theophyllin kann laut Leitlinie wegen nicht überzeugender Wirksamkeit verzichtet werden [1]. Metoprolol sollte nicht als Ersatz für Propranolol eingesetzt werden, weil seine Wirksamkeit beim essenziellen Tremor nicht zweifelsfrei belegt ist [1]. Wegen fehlenden oder nicht signifikanten Nutzens sollen Levetiracetam, Trazodon, Pindolol, Acetazolamid, Mirtazapin, 4-Aminopyridin, Pregabalin, Nifedipin und Verapamil nicht eingesetzt werden [1]. Eine Dauerbehandlung mit Benzodiazepinen wie Alprazolam oder Clonazepam ist laut Leitlinie wegen des Suchtpotenzials nicht akzeptabel [1]. Mehr: Schlafmittel und Benzodiazepine.

Schwangerschaft

In der Schwangerschaft dürfen Sie Propranolol laut Packungsbeilage nur einnehmen, wenn Ihre Ärztin oder Ihr Arzt es für zwingend erforderlich hält und ausdrücklich verordnet hat [3]. Was das Beratungszentrum Embryotox zu Propranolol schreibt, steht auf der Seite Propranolol; Allgemeines erklärt der Ratgeber Medikamente in der Schwangerschaft.

Nebenwirkungen der Medikamente

Laut Packungsbeilage darf Propranolol unter anderem nicht eingenommen werden bei Herzmuskelschwäche, bestimmten Erregungsleitungsstörungen im Herzen, einem Ruhepuls unter 50 Schlägen pro Minute vor Behandlungsbeginn, stark erniedrigtem Blutdruck, Spätstadien von Durchblutungsstörungen etwa in Armen oder Beinen und bei Neigung zu Verkrampfungen der Bronchien, zum Beispiel bei Asthma [3]. Weitere Punkte aus der Packungsbeilage [3]:

  • Herz und Kreislauf: Ein stark verlangsamter Herzschlag und ein verstärkter Blutdruckabfall sind häufig [3]. Mehr: Langsamer Puls und Niedriger Blutdruck.
  • Atemwege: Bei Neigung zu Verkrampfungen der Atemwege, insbesondere bei obstruktiven Atemwegserkrankungen, kann es zu Atemnot kommen [3]. Mehr: Atemnot.
  • Diabetes: Warnzeichen einer Unterzuckerung, insbesondere schneller Herzschlag und Zittern, können verschleiert sein; bei gefährdeten Menschen sind regelmäßige Blutzuckerkontrollen erforderlich [3]. Mehr: Blutzucker.
  • Psyche und Schlaf: Besonders zu Beginn der Behandlung sind Müdigkeit, Verwirrtheit, Nervosität, Schlafstörungen, depressive Verstimmungen und Albträume häufig [3]. Mehr: Müdigkeit, Schlafstörungen und Depressive Verstimmung.
  • Haut: Sehr selten können Betablocker eine Schuppenflechte auslösen oder verschlechtern [3]. Mehr: Schuppenflechte durch Medikamente.
  • Verkehr: Auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch kann das Reaktionsvermögen so verändert sein, dass die Fähigkeit zum Autofahren, zum Bedienen von Maschinen oder zum Arbeiten ohne sicheren Halt beeinträchtigt ist, verstärkt bei Behandlungsbeginn, Dosiserhöhung, Präparatewechsel und zusammen mit Alkohol [3]. Mehr: Medikamente und Autofahren.

Absetzen: Unterbrechen oder beenden Sie die Behandlung mit Propranolol laut Packungsbeilage nicht ohne Rücksprache. Nach längerer Anwendung sollte das Absetzen grundsätzlich langsam ausschleichend erfolgen, weil ein abruptes Absetzen zu einer Minderdurchblutung des Herzmuskels mit Verschlimmerung einer Angina pectoris, zu einem Herzinfarkt oder zum Wiederauftreten eines Bluthochdrucks führen kann [3]. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Allgemeines: Medikamente absetzen.

Nebenwirkung melden: Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, wenden Sie sich laut Packungsbeilage an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke; Sie können sie auch direkt dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) melden [3]. Wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden.

Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen

Neues Zittern. Bei einem Zittern, das erst seit Wochen bis Monaten besteht, ist laut Leitlinie vor einer Behandlung eine Ursachensuche notwendig; am häufigsten ist es eine Nebenwirkung von Medikamenten oder eine Schilddrüsenüberfunktion, selten eine Vergiftung [1]. Sprechen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt darauf an.

Unter Propranolol. Verständigen Sie bei Verdacht auf eine Überdosierung, auch wenn ein Kind Tabletten eingenommen hat, laut Packungsbeilage umgehend eine Ärztin oder einen Arzt; je nach Ausmaß kann es zu starkem Blutdruckabfall, verlangsamtem Herzschlag bis hin zum Herzstillstand, Herzmuskelschwäche und einem Schock durch Herzversagen (kardiogener Schock) kommen, zusätzlich zu Atembeschwerden, Erbrechen, Bewusstseinsstörungen und gelegentlich Krampfanfällen [3]. Bemerken Sie Atemnot oder eine Verstärkung von Brustschmerzanfällen (Angina pectoris), benachrichtigen Sie laut Packungsbeilage Ihre Ärztin oder Ihren Arzt [3].

Unter Topiramat. Informieren Sie laut Packungsbeilage Ihre Ärztin oder Ihren Arzt oder begeben Sie sich umgehend in ärztliche Behandlung, wenn zum Beispiel eine Depression neu auftritt oder sich verschlechtert, Gedanken an schwere Selbstverletzung auftreten, ein Teil des Gesichtsfelds ausfällt oder durch erhöhten Druck im Auge (Glaukom) Schmerzen oder eine verminderte Sehfähigkeit auftreten [5].

Notruf. Bewusstlosigkeit oder erhebliche Bewusstseinstrübung, schwere Atemnot, starke Brustschmerzen, Vergiftungen und akute, anhaltende Krampfanfälle nennt die Kassenärztliche Bundesvereinigung als Fälle für die Notrufnummer 112 [7]. Sind die Praxen geschlossen und kann die Behandlung nicht bis zum nächsten Tag warten, hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117 [7].

Quellen

  1. Leitlinie S2k-Leitlinie Tremor (AWMF-Registernummer 030-011), Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN), Koordination G. Deuschl und P. Schwingenschuh. Stand Version 1 (AWMF-Versionsnr. 2.0), vollständig überarbeitet 1. Juni 2022, gültig bis 30. Mai 2027. abgerufen am 18.10.2026
  2. Behörde ICD-Code G25.0: Essentieller Tremor (Erläuterung der "Was hab ich?" gGmbH im Auftrag des BMG). Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
  3. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Propranolol STADA 40 mg Tabletten. STADAPHARM GmbH. Stand 10/2014. abgerufen am 18.10.2026
  4. Fachinformation Fachinformation Propranolol STADA 40 mg Tabletten. STADAPHARM GmbH. Stand 03/2023. abgerufen am 18.10.2026
  5. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Topiramat-ratiopharm 50 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 05/2025. abgerufen am 18.10.2026
  6. Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu Topiramat: Neue Beschränkungen zur Verhinderung einer Exposition während der Schwangerschaft. Zulassungsinhaber topiramathaltiger Arzneimittel in Abstimmung mit EMA und BfArM. Stand 02.11.2023. abgerufen am 18.10.2026
  7. Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Abschnitte "116117 oder 112?" und "Fälle für die Notrufnummer 112"). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
  8. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Mylepsinum 250 mg Tablette (Primidon). TEVA GmbH. Stand 09/2021. abgerufen am 18.10.2026

Häufige Fragen

Welche Medikamente helfen gegen essenziellen Tremor?

Als Medikamente erster Wahl nennt die S2k-Leitlinie Tremor der Deutschen Gesellschaft für Neurologie von 2022 Propranolol, Primidon und Topiramat; alle drei sollen zur Behandlung eingesetzt werden. Für den essenziellen Tremor zugelassen ist davon nur der Betablocker Propranolol, Primidon und Topiramat werden außerhalb ihrer Zulassung eingesetzt. Welches Mittel infrage kommt, richtet sich laut Leitlinie nach den Gegenanzeigen und der individuellen Verträglichkeit.

Ist Propranolol für Tremor zugelassen?

Ja. Laut Packungsbeilage wird Propranolol unter anderem zur Behandlung von Zittrigkeit ohne erkennbare Ursache (essenzieller Tremor) angewendet. Es ist verschreibungspflichtig; die Dosis legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest. Was die Packungsbeilage zur Dosierung nennt, steht auf der Seite Propranolol.

Hilft Metoprolol oder ein anderer Betablocker gegen Tremor?

Laut Leitlinie ist die Wirksamkeit von Metoprolol beim essenziellen Tremor nicht zweifelsfrei belegt; es sollte deshalb nicht als Ersatz für Propranolol eingesetzt werden. Auf Atenolol und Sotalol kann laut Leitlinie wegen nicht überzeugender Wirksamkeit verzichtet werden, Pindolol soll nicht eingesetzt werden. Propranolol ist laut Packungsbeilage für den essenziellen Tremor zugelassen.

Was tun, wenn die Medikamente nicht helfen?

Wirkt ein Mittel nur unbefriedigend oder verursacht es Nebenwirkungen, sollten laut Leitlinie die verbleibenden Mittel erster Wahl eingesetzt werden. Schwer betroffenen Menschen, deren Tremor auf Medikamente nicht anspricht, sollte eine tiefe Hirnstimulation angeboten werden; eine einseitige fokussierte Ultraschallbehandlung sollte angeboten werden, wenn eine einseitige Behandlung aussichtsreich ist und/oder trotz nur einseitiger Besserung eine bessere Lebensqualität anzunehmen ist. Ob ein solcher Eingriff infrage kommt, klären laut Leitlinie Spezialzentren.

Ist ein essenzieller Tremor Parkinson?

Nein. Beim essenziellen Tremor zittern beide Arme und Hände vor allem beim Halten und bei Bewegungen. Beim Parkinson-Tremor ist laut Leitlinie das Zittern in Ruhe eines der Hauptzeichen; es beginnt typischerweise an einem Arm, seltener an einem Bein, und breitet sich später auf die andere Körperseite aus. Die Unterscheidung trifft eine Ärztin oder ein Arzt anhand der Untersuchung; mehr steht auf der Seite Parkinson.

Ist essenzieller Tremor erblich?

Eine positive Familiengeschichte findet sich laut Leitlinie bei 40 bis 70 Prozent der Betroffenen und stützt die Diagnose, ist aber keine Voraussetzung. Die genaue Ursache ist nicht bekannt. Genetische Untersuchungen sollten laut Leitlinie nur bei klinischem Verdacht durchgeführt werden.

Können Medikamente Zittern auslösen?

Ja. Von einem verstärkten physiologischen Tremor, also einem verstärkten normalen Zittern, spricht die Leitlinie, wenn ein Zittern erst seit Wochen bis Monaten besteht; er hat meist eine behandelbare Ursache, am häufigsten eine Nebenwirkung von Medikamenten oder eine Schilddrüsenüberfunktion. Welche Medikamente Zittern auslösen können, steht auf der Seite Zittern durch Medikamente. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

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