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Thiamazol: Nebenwirkungen und Wirkung

Thiamazol ist ein verschreibungspflichtiges Mittel gegen eine Schilddrüsenüberfunktion (Thyreostatikum): Es hemmt die Bildung neuer Schilddrüsenhormone. Sehr häufig sind allergische Hautreaktionen, häufig Gelenk- und Muskelschmerzen. Bei Fieber, Halsschmerzen, Entzündungen der Mundschleimhaut oder Furunkeln müssen Sie Thiamazol sofort absetzen und die Ärztin oder den Arzt aufsuchen. Das können Zeichen einer Agranulozytose sein, also eines starken Rückgangs bestimmter weißer Blutkörperchen.

Frau in den Dreißigern sitzt entspannt mit einer Tasse Tee auf einer sonnigen Holzbank in einem Garten
Bild: KI-generiert

Die häufigsten Nebenwirkungen

  • Sehr häufig: Allergische Hautreaktionen unterschiedlichen Schweregrades (Ausschlag, Juckreiz, juckende Quaddeln); sie verlaufen meist leicht und bilden sich meist unter fortgeführter Behandlung zurück[1, 2]
  • Häufig: Gelenkschmerzen und Muskelschmerzen; laut Fachinformation können sie sich schleichend entwickeln und noch nach mehrmonatiger Behandlung auftreten[1, 2]

Alle Nebenwirkungen nach Häufigkeit

Wofür wird Thiamazol eingesetzt?

Thiamazol, auch Methimazol genannt, ist ein Arzneimittel zur Hemmung der Schilddrüsenüberfunktion (Thyreostatikum) und verschreibungspflichtig [1, 2, 3]. Es gehört zu den Schilddrüsenmitteln.

Angewendet wird es zur medikamentösen Behandlung einer Schilddrüsenüberfunktion, die ohne oder nur mit kleinem Kropf einhergeht, sowie bei jüngeren Menschen. Ziel ist laut Fachinformation eine normale Stoffwechsellage und nach begrenzter Behandlungsdauer eine dauerhafte Rückbildung der Erkrankung [1, 2]. Außerdem dient Thiamazol zur Vorbereitung auf eine Operation bei allen Formen der Überfunktion und zur Vorbereitung auf eine Radioiodtherapie beziehungsweise zur Behandlung in der Zeit danach [1, 2].

Wie wirkt Thiamazol?

Thiamazol hemmt den Einbau von Iod und damit die Bildung neuer Schilddrüsenhormone; es wirkt direkt auf das dafür verantwortliche Enzym, die Schilddrüsenperoxidase. Bereits gebildete Hormone werden aber weiter freigesetzt; deshalb dauert es unterschiedlich lange, bis sich die Hormonwerte im Blut normalisieren und die Beschwerden bessern [2]. Keinen Einfluss hat Thiamazol auf eine Überfunktion, die durch die Zerstörung von Schilddrüsenzellen entsteht, etwa nach einer Radioiodbehandlung oder bei einer Schilddrüsenentzündung [2].

Nach der Einnahme wird Thiamazol fast vollständig aufgenommen; die höchste Konzentration im Blut ist nach 1 bis 3 Stunden erreicht. Obwohl die Halbwertszeit im Blut nur zwischen 2 und 8 Stunden liegt, hält die Wirkung etwa 24 Stunden an, weil der Wirkstoff aktiv in die Schilddrüse aufgenommen wird [2]. Wie gut Thiamazol wirkt, hängt auch von der Iodversorgung ab: Iodmangel erhöht, Iodüberschuss vermindert das Ansprechen der Schilddrüse [1, 2].

Nebenwirkungen nach Häufigkeit

Nebenwirkungen können auch erst nach einigen Monaten der Behandlung auftreten [1]. "Sehr häufig" heißt: bei mehr als 1 von 10 Behandelten, "häufig" bei bis zu 1 von 10, "gelegentlich" bei bis zu 1 von 100, "selten" bei bis zu 1 von 1.000 und "sehr selten" bei bis zu 1 von 10.000; bei "nicht bekannt" lässt sich die Häufigkeit aus den verfügbaren Daten nicht abschätzen [1, 2]. Wie Sie solche Angaben lesen, erklärt der Ratgeber Beipackzettel verstehen.

Laut Fachinformation können manche der aufgeführten Beschwerden (etwa Haarausfall, Gelenk- und Muskelschmerzen oder Veränderungen des Blutbilds) auch Zeichen der Überfunktion selbst oder einer Veränderung der Schilddrüsenfunktion sein; die Ursache ist dann oft schwer zu ermitteln [2]. Eine Augenerkrankung bei Überfunktion (endokrine Orbitopathie) kann auftreten oder sich verschlimmern; sie ist weitgehend unabhängig vom Verlauf der Schilddrüsenerkrankung und gilt nicht als Nebenwirkung einer sachgemäßen Behandlung [1, 2]. Mehr dazu auf den Seiten Blutbild, Hautausschlag und Bauchspeicheldrüsenentzündung.

Sehr häufigkann mehr als 1 von 10 Behandelten betreffen

Häufigkann bis zu 1 von 10 Behandelten betreffen

  • Muskeln, Knochen und GelenkeGelenkschmerzen und Muskelschmerzen; laut Fachinformation können sie sich schleichend entwickeln und noch nach mehrmonatiger Behandlung auftreten[1, 2]Mehr dazu: GelenkschmerzenMuskelschmerzen

Gelegentlichkann bis zu 1 von 100 Behandelten betreffen

  • Blut und LymphsystemStarker Rückgang bestimmter weißer Blutkörperchen (Agranulozytose), mögliche Zeichen sind Fieber, Halsschmerzen, Mundschleimhautentzündung oder Furunkelbildung; laut Fachinformation in etwa 0,3 bis 0,6 Prozent der Fälle, auch noch Wochen bis Monate nach Behandlungsbeginn[1, 2]Mehr dazu: Veränderungen des Blutbilds
  • Allgemeine BeschwerdenFlüssigkeitsansammlungen im Körper (Ödeme)[1, 2]Mehr dazu: Wassereinlagerungen

Seltenkann bis zu 1 von 1.000 Behandelten betreffen

  • NervensystemStörungen oder Verlust des Geschmacks (Dysgeusie, Ageusie) oder Geruchsstörungen; laut Fachinformation nach dem Absetzen rückbildungsfähig, die Normalisierung kann mehrere Wochen dauern[1, 2]Mehr dazu: Geschmacksstörungen
  • Allgemeine BeschwerdenFieber (Arzneimittelfieber)[1, 2]Mehr dazu: Fieber

Sehr seltenkann bis zu 1 von 10.000 Behandelten betreffen

  • Blut und LymphsystemVerminderung der Blutplättchen (Thrombozytopenie) und anderer Blutbestandteile (Panzytopenie), Entzündung der Lymphknoten (generalisierte Lymphadenopathie)[1, 2]Mehr dazu: Veränderungen des Blutbilds
  • HormonsystemStörung der blutzuckerregulierenden Hormone mit ausgeprägtem Abfall des Blutzuckers (Insulin-Autoimmunsyndrom)[1, 2]Mehr dazu: Unterzuckerung
  • NervensystemNervenentzündungen und allgemeine Empfindungsstörungen (Neuritis, Polyneuropathie)[1, 2]Mehr dazu: Kribbeln und Taubheitsgefühl
  • Gefäße und KreislaufEntzündung von Blutgefäßen (Vaskulitis)[1, 2]
  • Magen und DarmSpeicheldrüsenschwellung[1, 2]
  • Leber und GalleGelbsucht durch gestörten Galleabfluss, Leberfunktionsstörung, Leberentzündung (cholestatischer Ikterus, toxische Hepatitis); die Beschwerden bilden sich im Allgemeinen nach dem Absetzen zurück[1, 2]Mehr dazu: Leberschäden und erhöhte Leberwerte
  • HautSchwere allergische Hautreaktionen, die unter Umständen den ganzen Körper betreffen (generalisierte Dermatitis, Stevens-Johnson-Syndrom)[1, 2]Mehr dazu: Schwere HautreaktionenHautausschlag
  • HautHaarausfall[1, 2]Mehr dazu: Haarausfall
  • HautEntzündliche Autoimmunkrankheit der Haut und des Bindegewebes (arzneimittelbedingter Lupus erythematodes)[1, 2]
  • Muskeln, Knochen und GelenkeGelenkentzündung (Arthritis)[1, 2]
  • Nieren und HarnwegeNierenentzündung (Nephritis)[1, 2]Mehr dazu: Nierenfunktionsstörungen

Nicht bekanntHäufigkeit nicht abschätzbar oder in der Quelle nicht angegeben

Eine Häufigkeit sagt, wie oft eine Beschwerde während der Behandlung beobachtet wurde. Sie sagt nicht, dass das Medikament sie verursacht hat.

Wann Sie ärztliche Hilfe brauchen

Eine Agranulozytose kann schwerwiegende Folgen haben; laut Fachinformation muss Thiamazol abgesetzt werden, wenn sie sich bestätigt [1, 2]. Zur Bauchspeicheldrüsenentzündung informierte ein Rote-Hand-Brief der Zulassungsinhaber in Abstimmung mit dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte am 6. Februar 2019: Tritt unter Carbimazol oder Thiamazol eine akute Pankreatitis auf, sollte die Behandlung sofort beendet werden, und eine erneute Anwendung ist danach nicht erlaubt, weil sie zu einem Wiederauftreten der akuten Pankreatitis mit verkürzter Zeit bis zum Krankheitsbeginn führen könnte [4].

Was Sie bei Nebenwirkungen tun können

Ärztin tastet in einer hellen Praxis behutsam den Hals eines Mannes in den Vierzigern ab
Bild: KI-generiert

Blutbild kontrollieren lassen: Vor und während der Behandlung sind regelmäßige Kontrollen des Blutbilds durch die Ärztin oder den Arzt erforderlich [1]. Laut Fachinformation wird eine engmaschige Kontrolle vor und nach Behandlungsbeginn empfohlen, besonders wenn schon vorher bestimmte weiße Blutkörperchen leicht vermindert waren [2]. Kennen Sie die Warnzeichen einer Agranulozytose und handeln Sie sofort, wenn sie auftreten [1].

Hautreaktionen und Schmerzen: Allergische Hautreaktionen verlaufen laut Packungsbeilage meist leicht und bilden sich meist unter fortgeführter Behandlung zurück [1]. Gelenk- und Muskelschmerzen können sich laut Fachinformation schleichend entwickeln und noch nach mehrmonatiger Behandlung auftreten [2]. Bei Muskelschwäche oder Muskelschmerzen sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, denn es kann sich um eine Muskelerkrankung handeln [1]. Informieren Sie unverzüglich Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, wenn eine Nebenwirkung Sie erheblich beeinträchtigt [1].

Gewicht und Kropf: Unter der Behandlung kann das Körpergewicht steigen; laut Packungsbeilage ist das eine normale Reaktion, weil Thiamazol die Schilddrüsenhormone beeinflusst, die den Energiebedarf steuern [1]. Vergrößert sich der Kropf oder entwickelt sich eine Unterfunktion, überprüft die Ärztin oder der Arzt möglicherweise die Dosis [1]. Welche Wirkstoffe eine bestimmte Beschwerde auslösen können, zeigt der Nebenwirkungs-Finder.

Wechselwirkungen

Informieren Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke über alle Arzneimittel, die Sie einnehmen, kürzlich eingenommen haben oder einnehmen wollen [1]. Direkte Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln sind außer zu Iod bisher nicht bekannt. Bei einer Überfunktion können aber Abbau und Ausscheidung anderer Mittel beschleunigt sein; normalisiert sich die Schilddrüsenfunktion, kann eine Anpassung ihrer Dosis nötig werden [1, 2]. Auch die Wirkung von Gerinnungshemmern kann sich durch die Normalisierung der Schilddrüsenfunktion verändern; wenden Sie sich dann an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt [1, 2]. In der Schwangerschaft darf Thiamazol nicht zusammen mit Schilddrüsenhormonen wie Levothyroxin eingenommen werden [1, 2]. Mehr im Ratgeber Wechselwirkungen.

Wechselwirkungen von Thiamazol
Zusammen mitWas passieren kannHinweis
Iod (Iodmangel oder Iodüberschuss, z. B. durch iodhaltige Mittel)Iodmangel erhöht, Iodüberschuss vermindert das Ansprechen der Schilddrüse auf Thiamazol[1, 2]Die Ärztin oder der Arzt legt die Dosis nach Ihrer Iodversorgung und Schilddrüsenfunktion fest
Gerinnungshemmer (Antikoagulanzien)Ihre Wirkung kann durch die Normalisierung der Schilddrüsenfunktion beeinflusst werden[1, 2]Wenden Sie sich an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt
Andere Arzneimittel allgemeinBei Überfunktion können Abbau und Ausscheidung anderer Mittel beschleunigt sein; mit Normalisierung der Schilddrüsenfunktion kann eine Dosisanpassung nötig werden. Weitere direkte Wechselwirkungen sind bisher nicht bekannt[1, 2]Informieren Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt über alle Arzneimittel
Schilddrüsenhormone (z. B. Levothyroxin) in der SchwangerschaftDie Kombination ist in der Schwangerschaft nicht erlaubt[1, 2, 4]Thiamazol in der Schwangerschaft nur ohne zusätzliche Schilddrüsenhormone

Die Liste nennt die wichtigsten Wechselwirkungen aus der Produktinformation, nicht alle. Welche Mittel Sie zusammen einnehmen können, klären Sie am besten mit Ihrer Apotheke, auch bei rezeptfreien und pflanzlichen Mitteln.

Wer Thiamazol nicht oder nur mit Vorsicht nehmen sollte

Thiamazol darf unter anderem nicht eingenommen werden bei einer Allergie gegen Thiamazol oder verwandte Wirkstoffe wie Carbimazol, bei bestimmten Veränderungen des Blutbilds, bei einer Gallenstauung vor Behandlungsbeginn und wenn nach früherer Einnahme von Thiamazol oder Carbimazol eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung oder eine Knochenmarkschädigung aufgetreten ist [1, 2]. Hatten Sie früher eine leichte allergische Reaktion auf Thiamazol, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt, ob Sie es einnehmen dürfen [1].

Nicht einnehmen bei

  • Allergie gegen Thiamazol, verwandte Wirkstoffe (Thioamidderivate) wie Carbimazol oder einen der sonstigen Bestandteile[1, 2]
  • Veränderungen des Blutbilds, etwa eine verminderte Zahl bestimmter weißer Blutkörperchen (Granulozytopenie; laut Fachinformation mäßige bis schwere)[1, 2]
  • Gallenstauung vor Behandlungsbeginn (laut Fachinformation, wenn sie nicht durch die Überfunktion verursacht ist)[1, 2]
  • Akute Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) nach früherer Einnahme von Thiamazol oder Carbimazol[1, 2, 4]
  • Knochenmarkschädigung während einer früheren Behandlung mit Thiamazol oder Carbimazol[1, 2]
  • Schwangerschaft: gleichzeitige Einnahme mit Schilddrüsenhormonen[1, 2, 4]

Besondere Vorsicht bei

  • Frühere leichte allergische Reaktion auf Thiamazol, etwa Ausschlag oder Juckreiz: Die Ärztin oder der Arzt entscheidet, ob Thiamazol eingenommen werden darf; laut Fachinformation sollte es dann nicht angewendet werden[1, 2]
  • Großer Kropf, der die Atmung behindert: Der Kropf kann sich unter der Behandlung weiter vergrößern; Thiamazol wird dann möglicherweise nur für begrenzte Zeit und unter regelmäßiger Kontrolle verordnet[1, 2]
  • Vor und während der Behandlung sind regelmäßige Kontrollen des Blutbilds erforderlich; bei sehr hohen Dosen kann das Knochenmark geschädigt werden[1, 2]
  • Frauen, die schwanger werden könnten: ab Behandlungsbeginn und während der Behandlung eine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden[1, 2, 4]
  • Vergrößerung des Kropfes oder Entwicklung einer Unterfunktion unter der Behandlung: Die Ärztin oder der Arzt überprüft möglicherweise die Dosis; eine Kropfvergrößerung kann aber auch durch den natürlichen Krankheitsverlauf bedingt sein[1, 2]
  • Eingeschränkte Leberfunktion: Die Dosis sollte möglichst niedrig gehalten werden[1]
  • Unverträglichkeit von Thiamazol: Ist deshalb ein Wechsel auf ein anderes Mittel gegen Schilddrüsenüberfunktion erforderlich, soll laut Fachinformation nicht auf Carbimazol, sondern auf Propylthiouracil oder Perchlorat gewechselt werden; wer Carbimazol nicht verträgt, sollte kein Thiamazol erhalten[2]
  • Kinder unter 2 Jahren: Anwendung nicht empfohlen[1]
  • Unverträglichkeit gegenüber bestimmten Zuckern: Die Filmtabletten enthalten Lactose[1, 2]

Alkohol, Autofahren, Schwangerschaft

Thiamazol kann dem ungeborenen Kind schaden; Frauen, die schwanger werden könnten, müssen ab Behandlungsbeginn zuverlässig verhüten [1, 2]. Der Rote-Hand-Brief vom 6. Februar 2019 hat diese Empfehlung verstärkt [4]. Sind Sie schwanger oder planen Sie eine Schwangerschaft, informieren Sie umgehend Ihre Ärztin oder Ihren Arzt [1]. Zu Alkohol enthalten Packungsbeilage und Fachinformation keine Angaben. Die Karten fassen zusammen, was Packungsbeilage, Fachinformation, Rote-Hand-Brief und das Beratungszentrum Embryotox der Charité sagen [1, 2, 3, 4]. Mehr im Ratgeber Medikamente in der Schwangerschaft.

Schwangerschaft

Thiamazol kann dem ungeborenen Kind schaden. Wenn Sie schwanger werden könnten, müssen Sie ab Behandlungsbeginn und während der Behandlung zuverlässig verhüten. Sind Sie schwanger, vermuten Sie es oder planen Sie eine Schwangerschaft, informieren Sie umgehend Ihre Ärztin oder Ihren Arzt: Die Behandlung muss möglicherweise fortgesetzt werden, wenn der Nutzen das Risiko für Sie und Ihr Kind überwiegt, dann nur in der niedrigsten wirksamen Dosis und ohne zusätzliche Schilddrüsenhormone.[1, 2]

Laut Fachinformation besteht aufgrund epidemiologischer Studien und Spontanmeldungen der Verdacht, dass Thiamazol in der Schwangerschaft, besonders im ersten Schwangerschaftsdrittel und in hoher Dosis, angeborene Fehlbildungen auslösen kann. Gemeldet wurden unter anderem ein angeborenes Fehlen von Hautbezirken (Aplasia cutis congenita), Fehlbildungen von Gesicht und Nasengängen, der Bauchwand (Omphalozele), der Speiseröhre (Ösophagusatresie) und des Dottergangs sowie Defekte der Herzkammerscheidewand. Thiamazol geht über die Plazenta auf das Kind über; eine engmaschige Überwachung von Mutter, ungeborenem Kind und Neugeborenem wird empfohlen. Eine Überfunktion in der Schwangerschaft sollte angemessen behandelt werden, um schweren Komplikationen bei Mutter und Kind vorzubeugen.[2]

Der Rote-Hand-Brief vom 6. Februar 2019 hat die Empfehlung zur Verhütung verstärkt: Eine neue Bewertung stärkte die Evidenz, dass Carbimazol und Thiamazol im Verdacht stehen, angeborene Fehlbildungen zu verursachen, insbesondere im ersten Schwangerschaftsdrittel und in hoher Dosis.[4]

Embryotox ordnet Thiamazol als schwach fehlbildungsauslösend mit einem charakteristischen Fehlbildungsmuster ein. Nach einer Einnahme im ersten Schwangerschaftsdrittel empfiehlt Embryotox eine weiterführende Ultraschalluntersuchung. Ist eine Schwangerschaft unter Behandlung geplant, ist laut Embryotox Propylthiouracil den anderen Thyreostatika vorzuziehen, wobei unter Propylthiouracil die sehr seltene schwere Leberschädigung häufiger auftritt. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.[3]

Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.

Stillzeit

Thiamazol geht in die Muttermilch über, sodass beim Säugling eine Schilddrüsenunterfunktion droht. Stillen ist möglich, wenn nur niedrige Dosen ohne zusätzliche Schilddrüsenhormone eingenommen werden; die Schilddrüsenfunktion des Säuglings ist dabei regelmäßig zu überwachen.[1, 2]

Laut Embryotox dürfen reif geborene Kinder unter einer Thiamazol-Behandlung der Mutter gestillt werden; bisher sind keine gestillten Kinder beschrieben, deren Schilddrüsenfunktion dadurch beeinflusst wurde.[3]

Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.

Autofahren und Maschinen

Laut Packungsbeilage sind keine besonderen Vorsichtsmaßnahmen erforderlich; laut Fachinformation hat Thiamazol keinen Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen.[1, 2]

Einnahme

Die Tabletten unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit einnehmen, vorzugsweise mit einem Glas Trinkwasser. Zu Beginn wird die Tagesdosis auf mehrere gleich große Einzelgaben über den Tag verteilt; später kann sie täglich als Einmaldosis eingenommen werden, am besten morgens.[1]

Einnahme vergessen: Nehmen Sie die fehlenden Tabletten nicht nachträglich ein, sondern setzen Sie die übliche Einnahme zu den gewohnten Zeiten fort. Weil Thiamazol über mehrere Tage fortwirkt, besteht auch bei fehlender Einnahme über einige Tage noch eine abnehmende Wirkung; eine gute Wirksamkeit erreichen Sie nur bei gleichbleibender Einnahme.[1]

Unter der Behandlung kann das Körpergewicht steigen; laut Packungsbeilage ist das als normale Reaktion des Körpers anzusehen, weil Thiamazol die Schilddrüsenhormone beeinflusst, die den Energiebedarf steuern.[1, 2]

Absetzen

Die endgültige Dosis wird nach ärztlicher Anweisung über ein bis zwei Jahre eingenommen. Ändern oder beenden Sie die Behandlung nicht ohne Rücksprache; eine gute Wirksamkeit setzt eine gleichbleibende Einnahme voraus. Laut Fachinformation ist es nicht sinnvoll, Thiamazol ganz abzusetzen und nur mit Levothyroxin weiterzubehandeln.[1, 2]

Überdosierung

Haben Sie einmal versehentlich eine höhere Dosis eingenommen, ist nicht mit Problemen zu rechnen. Haben Sie häufiger zu viel eingenommen, wenden Sie sich an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, sobald Sie es bemerken; laut Fachinformation kann eine Überdosierung zu einer Unterfunktion und einem Kropfwachstum führen.[1, 2]

Dosierung laut Packungsbeilage

Die Packungsbeilage nennt Dosisbereiche für den Behandlungsbeginn und die Dauerbehandlung einer Überfunktion sowie Hinweise für Schwangerschaft, Stillzeit, eingeschränkte Leberfunktion und Kinder [1]. Ihre Dosis legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt entsprechend Ihrer Iodversorgung und Ihrer Schilddrüsenfunktion fest; die Übersicht ersetzt nicht die Verordnung [1].

Einnahme und Absetzen

Nehmen Sie die Tabletten unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit ein, am besten mit einem Glas Trinkwasser [1]. Zu Beginn wird die Tagesdosis auf mehrere gleich große Einzelgaben verteilt; später kann sie als Einmaldosis eingenommen werden, am besten morgens [1]. Haben Sie eine Einnahme vergessen, holen Sie die fehlenden Tabletten nicht nach, sondern machen Sie zur gewohnten Zeit weiter; Thiamazol wirkt über mehrere Tage fort [1].

Die endgültige Dosis wird nach ärztlicher Anweisung über ein bis zwei Jahre eingenommen [1]. Laut Fachinformation ist es nicht sinnvoll, Thiamazol ganz abzusetzen und nur mit Levothyroxin weiterzubehandeln [2]. Haben Sie häufiger mehr als verordnet eingenommen, wenden Sie sich an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt [1]. Mehr im Ratgeber Medikamente absetzen; Telefonnummern im Notfall unter Notfall und Giftnotruf.

Präparate mit Thiamazol

Thiamazol gibt es von mehreren Herstellern als Tabletten in verschiedenen Stärken. Grundlage dieser Seite sind die Packungsbeilage von Thiamazol 5 mg Henning (Stand Oktober 2024) und die Fachinformation von Thiamazol Henning (Stand Oktober 2025) [1, 2]. Carbimazol wird im Körper in Thiamazol umgewandelt; laut Fachinformation soll bei einer Unverträglichkeit von Thiamazol nicht auf Carbimazol gewechselt werden [2, 4].

Präparate mit Thiamazol
PräparatAnbieterHinweis
Thiamazol HenningSanofi-Aventis Deutschland GmbHverschreibungspflichtig; Filmtabletten mit 5 oder 20 mg; Grundlage dieser Seite
Thiamazol AristoAristo Pharma GmbHverschreibungspflichtig; Tabletten mit 5, 10 oder 20 mg

Auswahl ohne Wertung. Präparate mit demselben Wirkstoff können sich in Stärke, Hilfsstoffen und zugelassenen Anwendungsgebieten unterscheiden. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.

Quellen

  1. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Thiamazol 5 mg Henning Filmtabletten. Sanofi-Aventis Deutschland GmbH. Stand 10/2024. abgerufen am 10.10.2026
  2. Fachinformation Fachinformation Thiamazol Henning (5 mg/20 mg Filmtabletten, 40 mg inject.). Sanofi-Aventis Deutschland GmbH. Stand 10/2025. abgerufen am 10.10.2026
  3. Embryotox Embryotox: Thiamazol. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 10.10.2026
  4. Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu carbimazol- oder thiamazolhaltigen Arzneimitteln: Risiko einer akuten Pankreatitis und Verstärkung der Empfehlung zur Kontrazeption. Zulassungsinhaber in Abstimmung mit EMA und BfArM. Stand 06.02.2019. abgerufen am 10.10.2026

Häufige Fragen

Welche Nebenwirkungen hat Thiamazol?

Sehr häufig, also bei mehr als 1 von 10 Behandelten, treten allergische Hautreaktionen (Ausschlag, Juckreiz, juckende Quaddeln) auf; sie verlaufen meist leicht und bilden sich meist unter fortgeführter Behandlung zurück. Häufig sind Gelenk- und Muskelschmerzen. Gelegentlich, bei bis zu 1 von 100, kommt es zu einer Agranulozytose oder zu Wassereinlagerungen; selten zu Geschmacks- oder Geruchsstörungen und Fieber. Sehr selten sind unter anderem Leberentzündungen, schwere Hautreaktionen und Haarausfall.

Welche Warnzeichen einer Agranulozytose muss ich kennen?

Fieber, Halsschmerzen, eine Entzündung der Mundschleimhaut oder Furunkel können auf einen starken Rückgang bestimmter weißer Blutkörperchen hinweisen. Dann müssen Sie Thiamazol laut Packungsbeilage sofort absetzen und die Ärztin oder den Arzt aufsuchen. Eine Agranulozytose tritt vor allem in den ersten Behandlungswochen auf, laut Fachinformation aber auch noch Monate nach Beginn oder nach Wiederaufnahme der Behandlung. Vor und während der Behandlung sind regelmäßige Blutbildkontrollen erforderlich.

Macht Thiamazol dick?

Unter der Behandlung kann das Körpergewicht steigen. Laut Packungsbeilage ist das als normale Reaktion des Körpers anzusehen, weil Thiamazol die Schilddrüsenhormone beeinflusst, die den Energiebedarf steuern. Laut Fachinformation normalisiert sich mit Besserung der Erkrankung der krankhaft gesteigerte Energieverbrauch.

Kann Thiamazol die Bauchspeicheldrüse schädigen?

Eine akute Entzündung der Bauchspeicheldrüse ist als Nebenwirkung beschrieben; ihre Häufigkeit ist nicht bekannt. Ein Rote-Hand-Brief vom 6. Februar 2019 hat darauf hingewiesen. Bei Fieber oder Bauchschmerzen sprechen Sie unverzüglich mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Wer nach Thiamazol oder Carbimazol schon einmal eine akute Pankreatitis hatte, darf Thiamazol nicht mehr einnehmen.

Muss ich unter Thiamazol verhüten?

Ja. Thiamazol kann dem ungeborenen Kind schaden. Wenn Sie schwanger werden könnten, müssen Sie ab Behandlungsbeginn und während der Behandlung eine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden. Der Rote-Hand-Brief vom 6. Februar 2019 hat diese Empfehlung verstärkt, weil sich der Verdacht auf angeborene Fehlbildungen erhärtet hat, besonders bei Einnahme im ersten Schwangerschaftsdrittel und in hoher Dosis.

Darf ich unter Thiamazol stillen?

Ja, wenn nur niedrige Dosen ohne zusätzliche Schilddrüsenhormone eingenommen werden. Weil Thiamazol in die Muttermilch übergeht, besteht die Gefahr einer Schilddrüsenunterfunktion beim Säugling; seine Schilddrüsenfunktion ist dabei regelmäßig zu überwachen. Laut Embryotox dürfen reif geborene Kinder unter einer Thiamazol-Behandlung der Mutter gestillt werden.

Wie lange muss ich Thiamazol einnehmen?

Bei der medikamentösen Behandlung einer Überfunktion wird die endgültige Dosis laut Packungsbeilage nach ärztlicher Anweisung über ein bis zwei Jahre eingenommen. Haben Sie eine Einnahme vergessen, holen Sie sie nicht nach, sondern machen Sie zur gewohnten Zeit weiter. Eine gute Wirksamkeit erreichen Sie nur bei gleichbleibender Einnahme der verordneten Dosis.

Welche Dosis Thiamazol ist üblich?

Die Dosis legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt nach der Schwere der Erkrankung, Ihrer Iodversorgung und Ihrer Schilddrüsenfunktion fest. Die Angaben der Packungsbeilage für Behandlungsbeginn, Dauerbehandlung, Schwangerschaft, Stillzeit und Kinder finden Sie im Abschnitt Dosierung laut Packungsbeilage.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

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