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Orlistat: Nebenwirkungen und Wirkung

Orlistat hemmt im Darm Enzyme, die Nahrungsfette aufspalten, sodass ein Teil des Fettes unverdaut ausgeschieden wird. alli mit 60 mg ist apothekenpflichtig und für übergewichtige Erwachsene ab einem BMI von 28 gedacht, Xenical mit 120 mg ist verschreibungspflichtig. Sehr häufig sind Blähungen, plötzlicher Stuhldrang und fettiger Stuhl.

Mann in den Vierzigern bereitet in einer hellen Küche einen Teller mit gedünstetem Gemüse, Reis und magerem Fisch zu
Bild: KI-generiert

Die häufigsten Nebenwirkungen

  • Sehr häufig: Blähungen (Flatulenz) mit und ohne öligen Austritt; laut Fachinformation auch Flatulenz mit Stuhlabgang, Abgang öligen Sekrets und ölige Flecken[1, 2]
  • Sehr häufig: Plötzlicher Stuhldrang[1, 2]
  • Sehr häufig: Fettiger oder öliger Stuhl[1, 2]
  • Sehr häufig: Weicher Stuhl[1, 2]
  • Häufig: Magen- und Bauchschmerzen (laut Fachinformation Unterbauchschmerzen)[1, 2]
  • Häufig: Stuhlinkontinenz[1, 2]
  • Häufig: Wässriger, flüssiger Stuhl[1, 2]
  • Häufig: Vermehrter Stuhldrang bzw. vermehrter Stuhlgang[1, 2]
  • Häufig: Beklemmungen; laut Fachinformation ist es plausibel, dass sie sich auf mögliche oder tatsächliche Magen-Darm-Nebenwirkungen beziehen[1, 2]

Alle Nebenwirkungen nach Häufigkeit

Wofür wird Orlistat eingesetzt?

alli 60 mg Hartkapseln dienen der Gewichtsreduktion bei übergewichtigen Erwachsenen ab 18 Jahren mit einem Body-Mass-Index (BMI) von 28 oder darüber; sie werden zusammen mit einer fett- und kalorienreduzierten Ernährung angewendet [1, 2]. Die Packungsbeilage enthält eine Tabelle, mit der Sie anhand Ihrer Körpergröße prüfen können, ob alli für Sie geeignet ist; wiegen Sie weniger als dort angegeben, nehmen Sie alli nicht ein [1]. Übergewicht erhöht laut Packungsbeilage das Risiko für ernsthafte Gesundheitsprobleme wie Diabetes oder Herzerkrankungen; bitten Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt deshalb um eine Kontrolluntersuchung [1]. Hintergründe lesen Sie unter Adipositas.

Xenical mit 120 mg Orlistat ist verschreibungspflichtig und laut Fachinformation in Verbindung mit einer leicht kalorienreduzierten Kost zur Behandlung von Menschen mit Adipositas (BMI ab 30) oder mit Übergewicht (BMI ab 28) und begleitenden Risikofaktoren zugelassen [4]. Kapseln mit 60 mg wie alli sind apothekenpflichtig [2, 5]. Diese Seite beruht auf der EMA-Produktinformation von alli; Angaben zu Xenical sind eigens gekennzeichnet, weil Stärke, Anwendungsgebiet und Rezeptstatus abweichen [1, 2, 3, 4]. Was apothekenpflichtig bedeutet, erklärt der Ratgeber Rezeptfrei und apothekenpflichtig.

Wie wirkt Orlistat?

Orlistat heftet sich im Verdauungstrakt an Enzyme, die Fette aufspalten (Lipasen); das unverdaute Fett kann nicht aufgenommen werden und wird mit dem Stuhl ausgeschieden [1, 3]. Bei alli wird so laut Packungsbeilage etwa ein Viertel des Fettes aus den Mahlzeiten nicht aufgenommen, bei Xenical laut dessen Packungsbeilage ungefähr ein Drittel nicht verdaut [1, 3]. Für jeweils 2 kg Körpergewicht, die Sie mit einer Diät abnehmen, können Sie mit alli laut Packungsbeilage gegebenenfalls bis zu einem zusätzlichen Kilogramm verlieren [1].

Laut Fachinformation erhöht sich der Fettanteil im Stuhl frühestens 24 bis 48 Stunden nach der Einnahme; innerhalb von 48 bis 72 Stunden nach Ende der Behandlung erreicht er wieder die Werte wie vor der Behandlung [2]. Orlistat selbst wird nur minimal ins Blut aufgenommen; ungefähr 97 Prozent der Dosis werden mit dem Stuhl ausgeschieden [2]. Weil Orlistat nur bei Nahrungsfett wirkt, nehmen Sie keine Kapsel ein, wenn eine Mahlzeit ausfällt oder kein Fett enthält [1].

Nebenwirkungen nach Häufigkeit

Die Liste unten nennt alle Nebenwirkungen, für die Packungsbeilage und Fachinformation von alli eine Häufigkeit angeben [1, 2]. "Sehr häufig" heißt: mehr als 1 von 10 Behandelten, "häufig" bis zu 1 von 10; bei den schwerwiegenden Nebenwirkungen ist nicht bekannt, wie häufig sie auftreten [1]. Wie Sie solche Angaben lesen, erklärt der Ratgeber Beipackzettel verstehen.

Die meisten häufigen Nebenwirkungen hängen mit der Wirkungsweise zusammen: Sie entstehen, weil vermehrt Fett ausgeschieden wird, und treten in der Regel in den ersten Wochen auf [1]. Laut Fachinformation waren die Magen-Darm-Nebenwirkungen in Studien mit 60 mg im Allgemeinen leicht und vorübergehend; sie traten in der Regel früh in der Behandlung, innerhalb der ersten 3 Monate, und bei den meisten Patientinnen und Patienten nur einmal auf [2]. Mehr dazu unter Blähungen und Durchfall.

Für Xenical mit 120 mg nennen Packungsbeilage und Fachinformation zusätzliche Nebenwirkungen mit eigener Häufigkeit, die in der Liste unten nicht enthalten sind: sehr häufig unter anderem Kopfschmerzen, laut Fachinformation auch Infektionen der oberen Atemwege und Grippe (Influenza), sowie niedrige Blutzuckerwerte bei einer geringen Anzahl von Menschen mit Typ-2-Diabetes; häufig unter anderem Zahn- und Zahnfleischbeschwerden, ein unregelmäßiger Menstruationszyklus und Abgeschlagenheit [3, 4].

Sehr häufigkann mehr als 1 von 10 Behandelten betreffen

  • Magen und DarmBlähungen (Flatulenz) mit und ohne öligen Austritt; laut Fachinformation auch Flatulenz mit Stuhlabgang, Abgang öligen Sekrets und ölige Flecken[1, 2]Mehr dazu: Blähungen
  • Magen und DarmPlötzlicher Stuhldrang[1, 2]
  • Magen und DarmFettiger oder öliger Stuhl[1, 2]
  • Magen und DarmWeicher Stuhl[1, 2]

Häufigkann bis zu 1 von 10 Behandelten betreffen

  • Magen und DarmMagen- und Bauchschmerzen (laut Fachinformation Unterbauchschmerzen)[1, 2]Mehr dazu: Bauchschmerzen
  • Magen und DarmStuhlinkontinenz[1, 2]
  • Magen und DarmWässriger, flüssiger Stuhl[1, 2]Mehr dazu: Durchfall
  • Magen und DarmVermehrter Stuhldrang bzw. vermehrter Stuhlgang[1, 2]
  • PsycheBeklemmungen; laut Fachinformation ist es plausibel, dass sie sich auf mögliche oder tatsächliche Magen-Darm-Nebenwirkungen beziehen[1, 2]Mehr dazu: Angst

Nicht bekanntHäufigkeit nicht abschätzbar oder in der Quelle nicht angegeben

  • ImmunsystemSchwere allergische Reaktionen mit schwerer Atemnot, Schweißausbrüchen, Hautausschlägen, Juckreiz, Schwellungen im Gesicht, Herzrasen oder Kreislaufzusammenbruch; laut Fachinformation Überempfindlichkeitsreaktionen wie anaphylaktischer Schock, Bronchospasmus, Angioödem, Pruritus, Exanthem und Urtikaria[1, 2]Mehr dazu: Allergische ReaktionenHautausschlagJuckreizSchwellungen von Gesicht, Zunge oder RachenNesselsuchtAtemnotVermehrtes SchwitzenHerzrasen
  • Magen und DarmRektale Blutungen (laut Fachinformation leichte Rektalblutungen)[1, 2]Mehr dazu: Magen-Darm-Blutungen und Geschwüre
  • Magen und DarmDivertikulitis (Entzündung des Dickdarms) mit möglichen Schmerzen im Unterbauch, insbesondere links, möglicherweise mit Fieber und Verstopfung[1, 2]
  • Magen und DarmEntzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) mit möglichen heftigen Schmerzen im Oberbauch, die manchmal in den Rücken ausstrahlen, eventuell mit Fieber, Übelkeit und Erbrechen[1, 2]Mehr dazu: Bauchspeicheldrüsenentzündung
  • HautBläschenbildung auf der Haut, auch aufplatzende Bläschen (laut Fachinformation bullöses Exanthem)[1, 2]Mehr dazu: Hautausschlag
  • Leber und GalleGallensteine (Cholelithiasis), die starke Schmerzen im Oberbauch verursachen können[1, 2]
  • Leber und GalleLeberentzündung (Hepatitis), auch schwerwiegend; laut Fachinformation wurden einige Fälle berichtet, in denen eine Lebertransplantation erforderlich war[1, 2]Mehr dazu: Leberschäden und erhöhte Leberwerte
  • Leber und GalleErhöhung bestimmter Leberenzymwerte (laut Fachinformation Transaminasen und alkalische Phosphatase)[1, 2]Mehr dazu: Leberschäden und erhöhte Leberwerte
  • Nieren und HarnwegeOxalat-Nephropathie: Ablagerung von Calciumoxalat-Kristallen, die zu Nierensteinen und laut Fachinformation zu Nierenversagen führen kann[1, 2]Mehr dazu: Nierenfunktionsstörungen
  • Blut und LymphsystemVeränderte Blutgerinnung bei gleichzeitiger Einnahme von Warfarin oder anderen blutverdünnenden Arzneimitteln (laut Fachinformation verringertes Prothrombin und erhöhte INR)[1, 2]Mehr dazu: Veränderte Laborwerte

Eine Häufigkeit sagt, wie oft eine Beschwerde während der Behandlung beobachtet wurde. Sie sagt nicht, dass das Medikament sie verursacht hat.

Wann Sie ärztliche Hilfe brauchen

Bei Anzeichen einer schweren allergischen Reaktion beenden Sie die Einnahme und suchen umgehend eine Ärztin oder einen Arzt auf [1]. Bei den anderen schwerwiegenden Nebenwirkungen beenden Sie die Einnahme und informieren Ihre Ärztin oder Ihren Arzt [1]. Mehr dazu unter Bauchspeicheldrüsenentzündung, Leberwerte und Nierenschäden. Telefonnummern finden Sie unter Notfall und Giftnotruf.

Was Sie bei Nebenwirkungen tun können

Frau in den Fünfzigern mit hellem Hautton schneidet an einer Küchenarbeitsplatte frisches Gemüse für einen Salat
Bild: KI-generiert

Fettreduziert essen: Die Magen-Darm-Beschwerden können ein Zeichen dafür sein, dass Sie mehr Fett gegessen haben, als Sie sollten [1]. Beginnen Sie laut Packungsbeilage einige Tage, besser eine Woche vor der ersten Kapsel mit einer fettreduzierten Ernährung, verteilen Sie die empfohlene Fettmenge gleichmäßig auf die Mahlzeiten und sparen Sie sie nicht für ein fettreiches Hauptgericht oder einen gehaltvollen Nachtisch auf [1]. Laut Fachinformation sollte die Kost ausgewogen und leicht kalorienreduziert sein, mit etwa 30 Prozent der Kalorien aus Fett [2].

Beschwerden beobachten: Verstärken sich Blähungen, Stuhldrang oder weicher Stuhl oder beeinträchtigen sie Sie erheblich, informieren Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke [1]. Die meisten Menschen lernen laut Packungsbeilage mit der Zeit, diese Begleiterscheinungen durch Anpassung ihrer Ernährung zu kontrollieren [1].

Vitamine: Weil Orlistat die Aufnahme fettlöslicher Vitamine beeinträchtigen kann, nehmen Sie bei alli täglich ein Multivitaminpräparat mit den Vitaminen A, D, E und K vor dem Schlafengehen ein [1, 2]. Mehr dazu unter Nährstoffmangel.

Blutuntersuchungen: Sagen Sie bei Blutuntersuchungen, dass Sie alli einnehmen; Leberenzymwerte und bei Blutverdünnern die Gerinnung können sich verändern [1]. Welche Wirkstoffe eine bestimmte Beschwerde auslösen können, zeigt der Nebenwirkungs-Finder.

Wechselwirkungen

alli darf nicht zusammen mit Ciclosporin und nicht zusammen mit Warfarin oder anderen blutverdünnenden Arzneimitteln angewendet werden [1, 2]. Für Xenical wird die Kombination mit Ciclosporin laut Fachinformation nicht empfohlen; bei Blutverdünnern sollen die INR-Werte überwacht werden [4]. Fragen Sie vor der Einnahme Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, wenn Sie Amiodaron, Acarbose, Levothyroxin, Mittel gegen Epilepsie, gegen HIV, gegen Depressionen, psychiatrische Erkrankungen oder Angstzustände einnehmen [1]. Mehr zu einzelnen Wirkstoffen lesen Sie unter Ciclosporin, Levothyroxin, Phenprocoumon und Lamotrigin.

Wechselwirkungen von Orlistat
Zusammen mitWas passieren kannHinweis
Ciclosporin (z. B. nach Organtransplantation)Ciclosporin-Spiegel im Blut kann sinken, die immunsuppressive Wirkung kann nachlassen[1, 2, 4]alli nicht zusammen mit Ciclosporin anwenden; für Xenical laut Fachinformation nicht empfohlen, sonst häufigere Spiegelkontrollen
Warfarin und andere blutverdünnende Arzneimittel zum EinnehmenGerinnungswerte (INR) können sich verändern[1, 2, 4]alli nicht zusammen anwenden; bei Xenical laut Fachinformation INR-Werte überwachen
Levothyroxin (Schilddrüsenhormon)Schilddrüsenunterfunktion oder schlechtere Einstellung möglich, möglicherweise durch verminderte Aufnahme von Jodsalzen und/oder Levothyroxin[1, 2]Vor Beginn ärztlich besprechen; möglicherweise beide Arzneimittel zu unterschiedlichen Tageszeiten einnehmen und die Levothyroxin-Dosis anpassen
Antiepileptika (z. B. Valproinsäure, Lamotrigin)Krampfanfälle wurden berichtet; Orlistat verringert möglicherweise die Aufnahme dieser Mittel[1, 2]Vor Beginn ärztlich besprechen; Veränderungen von Häufigkeit oder Schwere der Anfälle ärztlich melden
Fettlösliche Vitamine (A, D, E, K)Aufnahme kann beeinträchtigt sein[1, 2, 4]Bei alli täglich ein Multivitaminpräparat vor dem Schlafengehen einnehmen; bei Xenical laut Fachinformation, falls ein Multivitaminpräparat empfohlen wird, mindestens 2 Stunden nach Orlistat oder vor dem Schlafengehen
Orale Verhütungsmittel (Pille)Bei schwerem Durchfall kann die Wirkung abgeschwächt oder aufgehoben sein[1, 2]Bei schwerem Durchfall zusätzlich verhüten
Amiodaron (gegen Herzrhythmusstörungen)Bei gesunden Freiwilligen wurde nach einer Einmalgabe eine geringfügige Abnahme des Amiodaron-Spiegels beobachtet; während der Behandlung kann eine Anpassung der Amiodaron-Dosis notwendig werden[1, 2]Vor Beginn ärztlich fragen
Acarbose (gegen Typ-2-Diabetes)Keine pharmakokinetischen Studien zu Wechselwirkungen[1, 2]Gleichzeitige Anwendung nicht empfohlen
Arzneimittel gegen HIVAufnahme und Wirksamkeit können sinken[1, 2]Vor Beginn ärztlich informieren
Antidepressiva, Antipsychotika (einschließlich Lithium) und BenzodiazepineEs sind Fälle bekannt, in denen ihre Wirksamkeit bei zuvor gut eingestellten Patientinnen und Patienten mit Beginn der Orlistat-Behandlung abnahm[1, 2]Nur nach sorgfältiger Abwägung beginnen, vorher ärztlich besprechen
Arzneimittel gegen DiabetesEine Gewichtsabnahme kann den Stoffwechsel verbessern; die Dosis des Diabetesmittels muss gegebenenfalls angepasst werden[1, 2]Vor Beginn ärztlich besprechen

Die Liste nennt die wichtigsten Wechselwirkungen aus der Produktinformation, nicht alle. Welche Mittel Sie zusammen einnehmen können, klären Sie am besten mit Ihrer Apotheke, auch bei rezeptfreien und pflanzlichen Mitteln.

Wer Orlistat nicht oder nur mit Vorsicht nehmen sollte

alli dürfen Sie nicht einnehmen, wenn Sie allergisch gegen Orlistat oder einen der sonstigen Bestandteile sind, wenn Sie schwanger sind oder stillen, Ciclosporin oder Blutverdünner anwenden, an einem gestörten Galleabfluss (Cholestase) oder einem ärztlich festgestellten chronischen Malabsorptionssyndrom leiden [1, 2]. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren dürfen alli nicht einnehmen [1]. Haben Sie Diabetes oder eine Nierenerkrankung, sprechen Sie vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt; bei chronischer Nierenerkrankung kann Orlistat mit Nierensteinen verbunden sein [1]. Mehr dazu unter Nierensteine.

Nicht einnehmen bei

  • Allergie gegen Orlistat oder einen der sonstigen Bestandteile[1, 2, 3, 4]
  • Schwangerschaft (alli) und Stillzeit (alli und Xenical)[1, 2, 3, 4]
  • Gleichzeitige Behandlung mit Ciclosporin (bei alli eine Gegenanzeige; bei Xenical laut Fachinformation nicht empfohlen)[1, 2, 4]
  • Gleichzeitige Behandlung mit Warfarin oder anderen blutverdünnenden Arzneimitteln zum Einnehmen (bei alli eine Gegenanzeige)[1, 2]
  • Gestörter Galleabfluss (Cholestase) und chronisches Malabsorptionssyndrom (Probleme mit der Nahrungsaufnahme aus dem Verdauungstrakt)[1, 2, 3, 4]
  • Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren (alli); Xenical ist nicht zur Anwendung bei Kindern bestimmt[1, 3]
  • Wer weniger wiegt, als es der Tabelle in der Packungsbeilage für die eigene Körpergröße entspricht (BMI unter 28), nimmt alli nicht ein[1]

Besondere Vorsicht bei

  • Diabetes: vor der Einnahme mit der Ärztin oder dem Arzt sprechen, damit das Diabetesmittel gegebenenfalls angepasst werden kann; laut Fachinformation von Xenical war die Gewichtsabnahme in klinischen Studien bei Typ-2-Diabetes geringer als ohne Diabetes[1, 2, 4]
  • Nierenerkrankung: vorher ärztlich sprechen; bei chronischer Nierenerkrankung kann Orlistat mit Nierensteinen verbunden sein. Laut Fachinformation ist das Risiko einer Oxalat-Nephropathie bei chronischer Nierenerkrankung oder Flüssigkeitsmangel erhöht[1, 2]
  • Arzneimittel gegen Bluthochdruck oder einen zu hohen Cholesterinspiegel: Ärztin, Arzt oder Apotheke fragen, ob die Dosierung angepasst werden muss, weil eine Gewichtsabnahme Blutdruck und Cholesterin verbessern kann[1, 2]
  • Fettreiche Mahlzeiten oder eine fettreiche Ernährung können die Wahrscheinlichkeit von Magen-Darm-Beschwerden erhöhen; die tägliche Fettmenge gleichmäßig auf die Hauptmahlzeiten verteilen[1, 2]
  • Schwerer Durchfall kann die Wirkung der Pille abschwächen oder aufheben, dann zusätzlich verhüten[1, 2]
  • Fettlösliche Vitamine: Orlistat kann ihre Aufnahme beeinträchtigen; bei alli täglich ein Multivitaminpräparat mit den Vitaminen A, D, E und K vor dem Schlafengehen einnehmen[1, 2]
  • Laut Fachinformation von Xenical kann es selten zu einer Schilddrüsenunterfunktion oder einer schlechteren Einstellung einer Schilddrüsenunterfunktion kommen; außerdem wurden rektale Blutungen gemeldet, bei schweren oder anhaltenden Fällen sind weitere Untersuchungen nötig[4]

Alkohol, Autofahren, Schwangerschaft

Laut Fachinformation von Xenical wurden in Studien keine Wechselwirkungen mit Alkohol beobachtet [4]. Es ist unwahrscheinlich, dass alli Ihre Fahrtüchtigkeit beeinträchtigt [1]. In Schwangerschaft und Stillzeit darf alli nicht eingenommen werden; für Orlistat liegen keine klinischen Daten bei Schwangeren vor [1, 2]. Schwerer Durchfall kann die Wirkung der Pille abschwächen oder aufheben; wenden Sie dann zusätzliche Verhütungsmaßnahmen an [1]. Die Karten fassen zusammen, was Packungsbeilagen und Fachinformationen sagen [1, 2, 3, 4].

Schwangerschaft

alli darf in der Schwangerschaft nicht eingenommen werden; laut Fachinformation liegen keine klinischen Daten bei Schwangeren vor, Tierstudien zeigten keine schädlichen Auswirkungen. Für Xenical heißt es in der Packungsbeilage, die Einnahme sei in der Schwangerschaft nicht ratsam.[1, 2, 3]

Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.

Stillzeit

Während der Einnahme von alli oder Xenical dürfen Sie nicht stillen, da nicht bekannt ist, ob Orlistat in die Muttermilch übergeht.[1, 2, 3, 4]

Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.

Alkohol

Laut Fachinformation von Xenical wurden in Studien keine Wechselwirkungen mit Alkohol beobachtet.[4]

Autofahren und Maschinen

Es ist unwahrscheinlich, dass alli die Fahrtüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen beeinträchtigt.[1, 2]

Einnahme

Nehmen Sie alli unmittelbar vor, während oder bis zu einer Stunde nach einer Hauptmahlzeit unzerkaut mit etwas Wasser ein, üblicherweise je eine Kapsel zum Frühstück, Mittag- und Abendessen. Lassen Sie eine Mahlzeit aus oder enthält sie kein Fett, nehmen Sie keine Kapsel ein; alli wirkt nur, wenn die Nahrung Fett enthält.[1]

Beginnen Sie möglichst schon vor der ersten Kapsel mit einer kalorien- und fettreduzierten Ernährung und bleiben Sie körperlich aktiv. Kapsel vergessen: Ist weniger als eine Stunde seit der Mahlzeit vergangen, holen Sie sie nach, sonst nehmen Sie die nächste Kapsel wie üblich zur nächsten Mahlzeit.[1]

Höchstmenge in der Selbstmedikation

alli 60 mg: höchstens 3 Kapseln am Tag und nicht länger als 6 Monate. Haben Sie nach 12 Wochen kein Gewicht verloren, fragen Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke um Rat; unter Umständen müssen Sie die Einnahme beenden.[1]

Absetzen

Bei Xenical beendet die Ärztin oder der Arzt die Behandlung nach 12 Wochen, wenn bis dahin nicht mindestens 5 % des Körpergewichts seit Behandlungsbeginn verloren wurden. Laut Fachinformation normalisiert sich der Fettanteil im Stuhl innerhalb von 48 bis 72 Stunden nach Ende der Behandlung.[2, 3]

Überdosierung

Haben Sie zu viele Kapseln eingenommen, suchen Sie umgehend eine Ärztin oder einen Arzt auf. Laut Fachinformation wurden bei der Mehrzahl der gemeldeten Überdosierungen keine oder ähnliche Nebenwirkungen wie bei der empfohlenen Dosis berichtet; nach einer deutlichen Überdosierung wird eine Beobachtung über 24 Stunden empfohlen.[1, 2]

Dosierung laut Packungsbeilage

Die Packungsbeilage von alli nennt eine feste Dosis für die Selbstmedikation; die Packungsbeilage von Xenical nennt die Dosis für die ärztlich verordnete Behandlung [1, 3]. Die beiden Präparate unterscheiden sich in Stärke, Anwendungsgebiet und Rezeptstatus [1, 2, 3, 4]. Die Übersicht gibt die Angaben wieder; hat Ihnen Ihre Ärztin oder Ihr Arzt etwas anderes verordnet, gilt das [1, 3].

Einnahme und Absetzen

Nehmen Sie alli unmittelbar vor, während oder bis zu einer Stunde nach einer Hauptmahlzeit unzerkaut mit etwas Wasser ein [1]. Achten Sie darauf, dass Ihre Hauptmahlzeiten ausgewogen, kalorien- und fettreduziert sind, und halten Sie sich auch bei einer sehr fetthaltigen Mahlzeit an die empfohlene Dosis [1]. Haben Sie eine Kapsel vergessen und ist weniger als eine Stunde seit der Mahlzeit vergangen, holen Sie sie nach; sonst nehmen Sie die nächste Kapsel wie üblich [1].

alli darf nicht länger als 6 Monate eingenommen werden [1]. Stellen Sie nach 12 Wochen keine Gewichtsabnahme fest, fragen Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke; unter Umständen müssen Sie die Einnahme beenden [1]. Bei Xenical beendet die Ärztin oder der Arzt die Behandlung nach 12 Wochen, wenn Sie bis dahin nicht mindestens 5 Prozent Ihres Körpergewichts verloren haben [3]. Laut Packungsbeilage von alli gehört zu einer dauerhaften Gewichtsabnahme eine Änderung der Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten; bleiben Sie auch nach der Einnahme körperlich aktiv [1].

Haben Sie zu viele Kapseln eingenommen, suchen Sie umgehend eine Ärztin oder einen Arzt auf [1]. Lagern Sie alli nicht über 25 °C, halten Sie die Flasche fest verschlossen und lassen Sie die beiden Behälter mit Trockenmittel darin; verschlucken Sie diese auf keinen Fall [1].

Präparate mit Orlistat

Grundlage dieser Seite ist die EMA-Produktinformation von alli 60 mg Hartkapseln mit Packungsbeilage und Fachinformation, Stand November 2024; Zulassungsinhaber ist Haleon Ireland Dungarvan Limited [1, 2]. Angaben zu Xenical 120 mg Hartkapseln stammen aus dessen EMA-Produktinformation; Zulassungsinhaber ist CHEPLAPHARM Arzneimittel GmbH [3, 4]. Maßgeblich ist immer die Packungsbeilage Ihres Präparats.

Präparate mit Orlistat
PräparatAnbieterHinweis
alliHaleon Ireland Dungarvan Limited60 mg Hartkapseln, apothekenpflichtig; Grundlage dieser Seite
XenicalCHEPLAPHARM Arzneimittel GmbH120 mg Hartkapseln, verschreibungspflichtig

Auswahl ohne Wertung. Präparate mit demselben Wirkstoff können sich in Stärke, Hilfsstoffen und zugelassenen Anwendungsgebieten unterscheiden. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.

Quellen

  1. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation alli (EPAR), Anhang III B: Packungsbeilage alli 60 mg Hartkapseln. Haleon Ireland Dungarvan Limited (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 11/2024. abgerufen am 11.10.2026
  2. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation alli (EPAR), Anhang I: Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (Fachinformation) und Anhang II (Abgabe). Haleon Ireland Dungarvan Limited (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 11/2024. abgerufen am 11.10.2026
  3. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Xenical (EPAR), Anhang III B: Packungsbeilage Xenical 120 mg Hartkapseln. CHEPLAPHARM Arzneimittel GmbH (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 05/2023. abgerufen am 11.10.2026
  4. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Xenical (EPAR), Anhang I: Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (Fachinformation) und Anhang II (Abgabe). CHEPLAPHARM Arzneimittel GmbH (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 05/2023. abgerufen am 11.10.2026
  5. Behörde Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV), Anlage 1, Eintrag Orlistat. Bundesministerium der Justiz (gesetze-im-internet.de). Stand 19.05.2026. abgerufen am 11.10.2026

Häufige Fragen

Wie wirkt Orlistat?

Orlistat hemmt Enzyme im Verdauungstrakt, die Nahrungsfette aufspalten. Das unverdaute Fett wird nicht aufgenommen und mit dem Stuhl ausgeschieden; bei alli ist das laut Packungsbeilage etwa ein Viertel des Fettes aus den Mahlzeiten. Orlistat selbst gelangt laut Fachinformation nur minimal ins Blut.

Ist Orlistat rezeptfrei?

Kapseln mit 60 mg Orlistat wie alli sind laut Produktinformation apothekenpflichtig und ohne Rezept erhältlich. Kapseln mit 120 mg wie Xenical sind verschreibungspflichtig. Beide haben eigene Packungsbeilagen und unterschiedliche Anwendungsgebiete.

Wie nimmt man alli ein?

Laut Packungsbeilage nehmen Erwachsene ab 18 Jahren mit einem BMI ab 28 dreimal täglich eine Kapsel unmittelbar vor, während oder bis zu einer Stunde nach einer Hauptmahlzeit ein, höchstens 3 Kapseln am Tag und nicht länger als 6 Monate. Fällt eine Mahlzeit aus oder enthält sie kein Fett, nehmen Sie keine Kapsel ein.

Welche Nebenwirkungen hat Orlistat am häufigsten?

Sehr häufig, bei mehr als 1 von 10 Anwendern, treten bei alli Blähungen mit und ohne öligen Austritt, plötzlicher Stuhldrang, fettiger oder öliger Stuhl und weicher Stuhl auf. Häufig sind Bauchschmerzen, Stuhlinkontinenz, flüssiger Stuhl, vermehrter Stuhldrang und Beklemmungen. Eine fettreduzierte Ernährung soll diese Beschwerden verringern.

Warum braucht man unter Orlistat ein Multivitaminpräparat?

Orlistat kann die Aufnahme der fettlöslichen Vitamine A, D, E und K beeinträchtigen. Laut Packungsbeilage von alli nehmen Sie deshalb täglich ein Multivitaminpräparat mit diesen Vitaminen vor dem Schlafengehen ein, weil Sie zu diesem Zeitpunkt kein alli einnehmen. Bei Xenical empfiehlt Ihnen die Ärztin oder der Arzt laut Packungsbeilage möglicherweise ein ergänzendes Multivitaminpräparat.

Wirkt die Pille noch, wenn ich Orlistat nehme?

Bei schwerem Durchfall kann die Wirkung der Pille abgeschwächt oder aufgehoben sein. Laut Packungsbeilage wenden Sie dann zusätzliche Verhütungsmaßnahmen an.

Darf ich Orlistat zusammen mit Levothyroxin oder Blutverdünnern nehmen?

alli darf nicht zusammen mit Warfarin oder anderen blutverdünnenden Mitteln und nicht mit Ciclosporin angewendet werden. Bei Xenical überwacht die Ärztin oder der Arzt laut Packungsbeilage die Blutgerinnungswerte; die gleichzeitige Anwendung mit Ciclosporin wird nicht empfohlen. Wer Levothyroxin, Mittel gegen Epilepsie, HIV-Mittel, Amiodaron oder Mittel gegen Depressionen oder psychiatrische Erkrankungen einnimmt, spricht vor Beginn mit der Ärztin oder dem Arzt; bei Levothyroxin kann eine Einnahme zu unterschiedlichen Tageszeiten nötig sein.

Darf ich Orlistat in der Schwangerschaft nehmen?

Nein. alli darf in der Schwangerschaft und Stillzeit nicht eingenommen werden. Auch unter Xenical dürfen Sie nicht stillen, und die Einnahme in der Schwangerschaft ist laut Packungsbeilage nicht ratsam. Es liegen keine klinischen Daten bei Schwangeren vor.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

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