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Midazolam: Nebenwirkungen und Wirkung

Midazolam ist ein verschreibungspflichtiges, kurz wirkendes Benzodiazepin. Als Injektion dient es zur Beruhigung vor und während Untersuchungen und Operationen, zur Narkose und in der Intensivbehandlung; als Lösung für die Mundhöhle (Buccolam) dient es zur Beendigung länger anhaltender Krampfanfälle. Nach einer Injektion sind alle Nebenwirkungen mit Häufigkeitsangabe sehr selten, darunter eine gedämpfte Atmung und Atemstillstand; nach der Behandlung dürfen Sie kein Fahrzeug führen.

Mann in den Fünfzigern ruht nach einer Untersuchung entspannt in einem hellen Aufwachraum auf einer Liege, eine Pflegekraft steht daneben
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Wofür wird Midazolam eingesetzt?

Midazolam ist ein verschreibungspflichtiges, schlafförderndes Mittel mit kurzer Wirkungsdauer aus der Gruppe der Benzodiazepine [1, 2]. Als Injektionslösung wird es bei Erwachsenen angewendet zur Beruhigung mit Schmerzlinderung vor und während Untersuchungen und Operationen (Analgosedierung), zur Vorbehandlung vor einer Narkose, zur Einleitung einer Narkose, als beruhigender Bestandteil einer Kombinationsnarkose und zur Beruhigung in der Intensivbehandlung; bei Kindern zur Analgosedierung, zur Vorbehandlung vor einer Narkose und in der Intensivbehandlung [1]. Mehr zur Narkose lesen Sie auf der Seite Narkose.

Daneben gibt es zwei Darreichungsformen mit eigener Packungsbeilage. Die Lösung zur Anwendung in der Mundhöhle Buccolam dient der Beendigung eines plötzlichen, länger anhaltenden Krampfanfalls bei Kindern ab 3 Monaten und Erwachsenen; Eltern und Betreuungspersonen dürfen sie nur anwenden, wenn eine Epilepsie diagnostiziert wurde [3]. Säuglinge von 3 bis unter 6 Monaten sollten damit nur in einer Klinik mit Überwachungs- und Wiederbelebungsmöglichkeiten behandelt werden [3]. Eine orale Lösung zum Einnehmen ist für Kinder und Erwachsene zur Beruhigung vor Operationen und kurzen Eingriffen sowie zur Kurzzeitbehandlung von Schlafstörungen zugelassen [5, 6]. Mehr zur Erkrankung auf der Seite Epilepsie.

Midazolam steht in Anlage III des Betäubungsmittelgesetzes; ausgenommen sind Zubereitungen ohne weiteren Stoff dieser Anlagen mit bis zu 0,2 Prozent oder bis zu 15 mg Midazolam je abgeteilter Form [8].

Wie wirkt Midazolam?

Laut Fachinformation wirkt Midazolam stark beruhigend und schlafauslösend; außerdem löst es Angst und Krämpfe und entspannt die Muskulatur. Weil es rasch abgebaut wird, hält die Wirkung nur kurz an [2]. Nach einer Injektion in eine Vene setzt die Beruhigung etwa 2 Minuten später ein; die stärkste Wirkung ist nach etwa 5 bis 10 Minuten erreicht [2].

Die Eliminationshalbwertszeit (die Zeit, in der sich die Menge im Blut halbiert) beträgt bei Gesunden 1,5 bis 2,5 Stunden. Bei Menschen über 60 Jahren kann sie bis auf das Vierfache verlängert sein; länger ist sie laut Fachinformation auch bei Übergewicht, Leberzirrhose und bei Neugeborenen [2]. Abgebaut wird Midazolam fast ausschließlich über das Leberenzym CYP3A4; deshalb können Mittel, die dieses Enzym hemmen oder anregen, die Wirkung verändern [2].

Nebenwirkungen nach Häufigkeit

Die Liste unten nennt alle Nebenwirkungen, die die Packungsbeilage der Injektionslösung mit Häufigkeit angibt. Bis auf den Missbrauch, dessen Häufigkeit nicht bekannt ist, sind alle als "sehr selten" eingestuft, also bei bis zu 1 von 10.000 Behandelten [1, 2]. Lebensbedrohliche Ereignisse wie ein Atemstillstand sind bei Erwachsenen über 60 Jahren und bei vorbestehender Atemschwäche oder eingeschränkter Herzfunktion wahrscheinlicher, vor allem bei zu rascher Injektion oder hoher Dosis [1]. Im selben Abschnitt beschreibt die Packungsbeilage außerdem, dass bei Früh- und Neugeborenen häufiger Krampfanfälle berichtet wurden und dass eine längere Anwendung in eine Vene zu einer körperlichen Abhängigkeit führen kann; diese Hinweise stehen bei den Vorsichtshinweisen und unter "Anwendung und Absetzen" [1]. Wie Sie solche Angaben lesen, erklärt der Ratgeber Beipackzettel verstehen.

Buccolam: Die eigene Packungsbeilage nennt als häufig, also bei bis zu 1 von 10 Behandelten, Übelkeit und Erbrechen sowie Schläfrigkeit oder Bewusstlosigkeit [3]; die Fachinformation nennt außerdem eine gedämpfte Atmung (Atemdepression) als häufig und weist darauf hin, dass sie auch eine bekannte Komplikation von Krampfanfällen ist [4]. Gelegentlich treten Hautausschlag, Nesselausschlag und Juckreiz auf. Sehr selten sind unter anderem Unruhe, Verwirrtheit, Halluzinationen, Krampfanfälle, Blutdruckabfall, ein verlangsamter Herzschlag und ein krampfartiger Verschluss der Stimmbänder [3]. Orale Lösung: Ihre Packungsbeilage nennt Nebenwirkungen wie Benommenheit, Verwirrtheit, Übelkeit und schwere Nebenwirkungen an Herz und Atmung, alle mit nicht bekannter Häufigkeit [5]. Mehr dazu auf den Seiten Müdigkeit und Vergesslichkeit und Verwirrtheit.

Sehr seltenkann bis zu 1 von 10.000 Behandelten betreffen

  • HautHautrötung (Rash), juckende Quaddeln (Urtikaria), Hautjucken (Pruritus)[1, 2]Mehr dazu: HautausschlagNesselsuchtJuckreiz
  • NervensystemBenommenheit und verlängerte Beruhigung, auch nach einem operativen Eingriff; Ermüdung[1, 2]Mehr dazu: Müdigkeit
  • NervensystemKopfschmerzen, Schwindel, Gang- und Bewegungsunsicherheit[1, 2]Mehr dazu: KopfschmerzenSchwindel
  • PsycheVerringerte Aufmerksamkeit, Verwirrtheit, Euphorie, Halluzinationen[1, 2]Mehr dazu: Konzentrations- und GedächtnisstörungenVerwirrtheitPsychose und Halluzinationen
  • NervensystemBegrenzte Erinnerungslücken für die Zeit nach der Injektion (anterograde Amnesie); die Dauer hängt von der Dosis ab und kann über das Ende des Eingriffs hinaus anhalten, in Einzelfällen länger[1, 2]Mehr dazu: Konzentrations- und Gedächtnisstörungen
  • PsycheWirkungsumkehr (paradoxe Reaktionen), vor allem bei Kindern und älteren Menschen: Erregung, unwillkürliche Bewegungen einschließlich Muskelkrämpfen und Muskelzittern, übersteigerte Aktivität, Feindseligkeit, Zornausbrüche, Aggressivität, anfallsartige Erregung und Tätlichkeiten[1, 2]Mehr dazu: Unruhe und NervositätAggressivität und ReizbarkeitZittern
  • Magen und DarmÜbelkeit, Erbrechen, Schluckauf, Verstopfung, Mundtrockenheit[1, 2]Mehr dazu: ÜbelkeitErbrechenSchluckaufVerstopfungMundtrockenheit
  • AtemwegeAbflachung der Atmung (Atemdepression), Atemstillstand, Atembeschwerden (Dyspnoe), Stimmritzenkrampf (Laryngospasmus)[1, 2]Mehr dazu: Atemnot
  • HerzHerzstillstand, Änderungen der Herzschlagfolge[1, 2]Mehr dazu: Herzrhythmusstörungen
  • Gefäße und KreislaufBlutdruckabfall, Erweiterung der Blutgefäße[1, 2]Mehr dazu: Niedriger Blutdruck
  • ImmunsystemAllgemeine Überempfindlichkeitsreaktionen mit Hautreaktionen, Herz-Kreislauf-Störungen oder Krampf der Bronchialmuskulatur (Bronchospasmus); lebensbedrohliche allergische Reaktion (anaphylaktischer Schock) mit plötzlichem Hautausschlag, Juckreiz oder Nesselsucht, Schwellung von Gesicht, Lippen, Zunge oder anderen Körperregionen (Angioödem), Atemnot, blasser Haut, schwachem und schnellem Puls oder Ohnmachtsgefühl; Brustschmerzen als mögliches Zeichen einer schweren allergischen Reaktion (Kounis-Syndrom)[1, 2]Mehr dazu: Allergische ReaktionenSchwellungen von Gesicht, Zunge oder RachenAtemnot
  • Allgemeine BeschwerdenAn der Injektionsstelle: Hautrötung und Schmerzen, Venenentzündung (Thrombophlebitis), Blutgerinnsel in der Vene (Thrombose)[1, 2]Mehr dazu: Blutgerinnsel

Nicht bekanntHäufigkeit nicht abschätzbar oder in der Quelle nicht angegeben

Eine Häufigkeit sagt, wie oft eine Beschwerde während der Behandlung beobachtet wurde. Sie sagt nicht, dass das Medikament sie verursacht hat.

Wann Sie ärztliche Hilfe brauchen

Midazolam darf nur angewendet werden, wenn alters- und körpergrößengerechte Wiederbelebungseinrichtungen vorhanden sind, weil die Gabe in eine Vene die Pumpkraft des Herzmuskels unterdrücken und einen Atemstillstand hervorrufen kann [1]. Nach einer Narkoseeinleitung werden Patientinnen und Patienten entsprechend beobachtet, weil die Empfindlichkeit unterschiedlich ist [1].

Was Sie bei Nebenwirkungen tun können

Frau in den Vierzigern wird nach einem Arzttermin von ihrem Partner zu Fuß nach Hause begleitet, beide gehen ruhig auf einem Gehweg
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Benommenheit und Erinnerungslücken: Die Erinnerungslücken für die Zeit nach der Anwendung sind vor und während eines Eingriffs oft erwünscht; bei ambulanten Eingriffen kann eine länger anhaltende Amnesie aber problematisch sein [1]. Verlassen Sie die Klinik oder Praxis nach einer Injektion nur in Begleitung [1]. Führen Sie kein Fahrzeug und bedienen Sie keine Maschinen; wann Sie das wieder dürfen, entscheidet die Ärztin oder der Arzt [1]. Mehr dazu im Ratgeber Medikamente und Autofahren.

Unruhe oder Aggressivität: Statt zu beruhigen, kann Midazolam vor allem bei Kindern und älteren Menschen, bei hohen Dosen oder rascher Injektion zu Erregung, unwillkürlichen Bewegungen, Feindseligkeit oder Aggressivität führen [1]. Informieren Sie in diesem Fall das behandelnde Team.

Bei Buccolam: Der Patient kann sich später womöglich nicht an das erinnern, was nach der Gabe geschehen ist; beobachten Sie ihn nach der Gabe sorgfältig [3]. Erbricht er, geben Sie keine weitere Dosis; hört der Anfall nicht innerhalb von 10 Minuten auf, rufen Sie den Notarzt [3]. Welche Wirkstoffe eine bestimmte Beschwerde auslösen können, zeigt der Nebenwirkungs-Finder.

Wechselwirkungen

Informieren Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke über alle Arzneimittel, die Sie einnehmen [1]. Andere Mittel, die das Nervensystem dämpfen, darunter Opioide, können die Wirkung verstärken; zusammen mit Opioiden steigt das Risiko für Schläfrigkeit, eine gedämpfte Atmung und Koma, was lebensbedrohlich sein kann [1, 2]. Hemmstoffe des Leberenzyms CYP3A4, etwa bestimmte Mittel gegen Pilzinfektionen wie Itraconazol oder Fluconazol, die Antibiotika Erythromycin und Clarithromycin sowie Verapamil, können die Wirkung von Midazolam verstärken [1, 2]. Johanniskraut kann sie dagegen abschwächen [2, 3].

Wechselwirkungen von Midazolam
Zusammen mitWas passieren kannHinweis
Opioide (starke Schmerzmittel, Mittel zur Substitutionstherapie und einige Hustenmittel)Höheres Risiko für Schläfrigkeit, Atembeschwerden (Atemdepression) und Koma; kann lebensbedrohlich sein[1, 2]Gleichzeitige Anwendung nur, wenn es keine anderen Behandlungsmöglichkeiten gibt; Dosis und Dauer werden begrenzt
Andere Mittel, die das Nervensystem dämpfen: Antipsychotika, andere Benzodiazepine, Phenobarbital, bestimmte Antidepressiva, bestimmte Antihistaminika (Allergiemittel), zentral wirksame BlutdrucksenkerDie Wirkung kann verstärkt werden, auch mit höherem Risiko für Nebenwirkungen; laut Fachinformation ist bei Phenobarbital und anderen Benzodiazepinen, wie bei Opioiden, eine weitere Zunahme der Atemdämpfung besonders zu überwachen[1, 2]Ärztin oder Arzt informieren
Bestimmte Mittel gegen Pilzinfektionen (Itraconazol, Fluconazol, Ketoconazol), Verapamil und Diltiazem, Erythromycin und Clarithromycin, HIV-Mittel wie Saquinavir, Ritonavir, Indinavir, Nelfinavir und AmprenavirVerstärkte Wirkung von Midazolam; laut Fachinformation vor allem bei Einnahme oder längerer Infusion deutlich höhere Blutspiegel und verzögertes Aufwachen[1, 2]Ärztin oder Arzt informieren; die Dosis wird gegebenenfalls angepasst
Johanniskraut (pflanzliches Mittel), Rifampicin (gegen Tuberkulose), Xanthine (Asthmamittel)Die Wirkung von Midazolam kann abgeschwächt werden; laut Packungsbeilage von Buccolam soll Johanniskraut vermieden werden[2, 3]Ärztin oder Arzt informieren
Muskelentspannende Mittel wie Baclofen; Levodopa (Parkinson-Mittel)Laut Packungsbeilage von Buccolam kann Midazolam die Wirkung von Baclofen verstärken (stärkere Benommenheit) und die Wirkung von Levodopa hemmen[3]Ärztin oder Arzt informieren
Alkohol und GrapefruitsaftAlkohol kann die dämpfende Wirkung deutlich verstärken; laut Packungsbeilage von Buccolam kann auch Grapefruitsaft die beruhigende Wirkung verstärken und zu stark ausgeprägter Schläfrigkeit führen[1, 2, 3]Während der Anwendung keinen Alkohol trinken; bei Buccolam auch keinen Grapefruitsaft

Die Liste nennt die wichtigsten Wechselwirkungen aus der Produktinformation, nicht alle. Welche Mittel Sie zusammen einnehmen können, klären Sie am besten mit Ihrer Apotheke, auch bei rezeptfreien und pflanzlichen Mitteln.

Wer Midazolam nicht oder nur mit Vorsicht erhalten sollte

Als Beruhigungsmittel darf Midazolam bei schwerer Atemschwäche oder einer akuten Abflachung der Atmung nicht angewendet werden [1, 2]. Für Buccolam nennt die Packungsbeilage weitere Gegenanzeigen, unter anderem eine krankhafte Muskelschwäche und Atemaussetzer im Schlaf [3]. Bei Menschen mit Alkohol- oder Drogenmissbrauch in der Vorgeschichte ist Vorsicht geboten; bei Buccolam sollte die Anwendung dann vermieden werden [1, 3].

Nicht einnehmen bei

  • Allergie gegen Midazolam, andere Benzodiazepine oder einen der sonstigen Bestandteile[1, 2, 3]
  • Als Beruhigungsmittel bei schwerer Atemschwäche oder akuter Abflachung der Atmung[1, 2]
  • Bei Buccolam außerdem: krankhafte Muskelschwäche (Myasthenia gravis), schwere Atemnot in Ruhe, häufige Atemstillstände im Schlaf (Schlafapnoe-Syndrom) und schwere Leberprobleme[3, 4]

Besondere Vorsicht bei

  • Risikopatientinnen und -patienten, über 60 Jahre, mit reduziertem Allgemeinzustand oder chronischer Erkrankung (z. B. chronische Atemschwäche, chronische Nierenschwäche, Leberfunktionsstörungen oder Herzschwäche) sowie Kinder, vor allem mit Kreislaufschwäche: Diese Patientinnen und Patienten müssen ständig auf frühe Anzeichen von Änderungen der Lebensfunktionen überwacht werden. Lebensbedrohliche Ereignisse sind bei Erwachsenen über 60 Jahren und bei vorbestehender Atemschwäche oder eingeschränkter Herzfunktion wahrscheinlicher, vor allem bei zu rascher Injektion oder hoher Dosis[1, 2]
  • Midazolam darf nur angewendet werden, wenn alters- und größengerechte Wiederbelebungseinrichtungen vorhanden sind, weil die Gabe in eine Vene die Pumpkraft des Herzmuskels unterdrücken und einen Atemstillstand hervorrufen kann[1, 2]
  • Alkohol- oder Drogenmissbrauch in der Vorgeschichte[1, 2, 3]
  • Krankhafte Muskelschwäche (Myasthenia gravis)[1, 2]
  • Kinder unter 6 Monaten: besonders anfällig für verengte Luftwege und eine flache oder verlangsamte Atmung; Atemfrequenz und Sauerstoffsättigung müssen sorgfältig überwacht werden. Bei Früh- und Neugeborenen wurden häufiger Krampfanfälle berichtet[1, 2]
  • Längere Anwendung zur Beruhigung auf der Intensivstation: ein gewisser Wirkungsverlust ist möglich; eine körperliche Abhängigkeit kann sich auch bei vorschriftsmäßiger Dosierung entwickeln, das Risiko steigt laut Fachinformation mit Dosis und Behandlungsdauer[1, 2]
  • Erinnerungslücken: Nach einer Injektion in eine Vene sollten Sie die Klinik oder Praxis nur in Begleitung verlassen[1]

Alkohol, Autofahren, Schwangerschaft

Die Karten fassen zusammen, was die Packungsbeilagen von Injektionslösung und Buccolam, die Fachinformation und das Beratungszentrum Embryotox der Charité sagen [1, 2, 3, 7]. Zur Stillzeit weichen die Angaben voneinander ab: Die Packungsbeilage der Injektionslösung sieht 24 Stunden Stillpause vor, Embryotox hält bei Einzeldosen wahrscheinlich keine Stillpause für nötig [1, 7].

Schwangerschaft

Midazolam darf in der Schwangerschaft nur angewendet werden, wenn es zwingend erforderlich ist; bei einem Kaiserschnitt ist davon abzuraten. Bei geburtsnahen Eingriffen sollte das Risiko für das Neugeborene berücksichtigt werden. Laut Packungsbeilage von Buccolam können hohe Dosen in den letzten 3 Schwangerschaftsmonaten beim ungeborenen Kind zu Unregelmäßigkeiten der Herzfrequenz führen; nach Anwendung während der Geburt können beim Säugling Saug- und Atemschwäche und ein schwacher Muskeltonus auftreten.[1, 2, 3]

Laut Embryotox ist der Erfahrungsumfang gering; zum ersten Schwangerschaftsdrittel liegen für Midazolam selbst keine veröffentlichten Daten vor, für Benzodiazepine als Gruppe, die meisten Erfahrungen betreffen Diazepam, bestätigten nachfolgende Studien mit mehreren Tausend Schwangerschaften einen früher diskutierten Zusammenhang mit Fehlbildungen nicht. Einige Berichte beschreiben eine Anwendung im zweiten Drittel ohne unerwünschte Wirkungen beim Kind. Bei regelmäßiger Einnahme im letzten Schwangerschaftsdrittel oder hohen Dosen kurz vor oder während der Geburt ist laut Embryotox mit teilweise schwerwiegenden Beschwerden beim Neugeborenen zu rechnen, von Anpassungsstörungen über eine gedämpfte Atmung nach der Geburt bis hin zum teilweise wochenlang anhaltenden "Floppy-Infant-Syndrom".[7]

Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.

Stillzeit

Laut Packungsbeilage der Injektionslösung sollten stillende Frauen ihr Kind nach der Anwendung 24 Stunden lang nicht stillen. Die Packungsbeilage von Buccolam nennt den Übergang geringer Mengen in die Muttermilch; ein Abstillen ist unter Umständen nicht nötig, darüber entscheidet die Ärztin oder der Arzt.[1, 3]

Laut Embryotox liegen veröffentlichte Erfahrungen zu 19 Mutter-Kind-Paaren vor; bei den gestillten Säuglingen der Mütter, die Midazolam wahrscheinlich eingenommen hatten, wurde keine Beruhigung (Sedierung) berichtet. Einzeldosen erfordern laut Embryotox wahrscheinlich keine Stillpause; zum Stillen bei Langzeitbehandlung lassen die bisherigen Erfahrungen keine differenzierte Risikobewertung zu.[7]

Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.

Alkohol

Während der Anwendung dürfen Sie keinen Alkohol trinken, weil Alkohol die dämpfende Wirkung von Midazolam deutlich verstärken kann; laut Fachinformation ist gleichzeitiger Alkoholgenuss streng untersagt.[1, 2]

Autofahren und Maschinen

Starke Beruhigung, Gedächtnisstörungen, herabgesetzte Aufmerksamkeit und Muskelschwäche schränken auch bei bestimmungsgemäßer Anwendung die Verkehrstüchtigkeit ein. Sie dürfen deshalb keine Fahrzeuge führen, keine Maschinen bedienen und keine anderen gefahrvollen Tätigkeiten ausführen, verstärkt gilt das zusammen mit Alkohol. Wann Sie diese Tätigkeiten wieder aufnehmen dürfen, entscheidet die Ärztin oder der Arzt; nach der Entlassung sollten Sie in Begleitung nach Hause gehen. Nach Buccolam darf der Patient kein Fahrzeug führen, nicht Fahrrad fahren und keine Maschinen bedienen, bis er sich vollständig erholt hat.[1, 3]

Einnahme

Die Injektionslösung wird von medizinischem Fachpersonal in eine Vene, als Infusion, in einen Muskel oder in den Enddarm gegeben; sie erfordert eine einschleichende Dosierung und langsame Anwendung. Ist die Wirkung zu stark oder zu schwach, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.[1]

Buccolam wird nicht gespritzt, sondern mit der Fertigspritze langsam in den Raum zwischen Wange und Zahnfleisch gegeben; der gesamte Inhalt einer Spritze ist eine Dosis, es darf nicht mehr als eine Dosis angewendet werden. Lassen Sie sich die Anwendung von Ärztin, Arzt, Apotheke oder Fachpersonal zeigen. Erbricht der Patient, keine weitere Dosis geben.[3]

Absetzen

Nach längerer Anwendung in der Intensivbehandlung kann sich eine körperliche Abhängigkeit entwickeln; ein plötzlicher Abbruch wird dann von Entzugserscheinungen begleitet. Möglich sind Kopf- und Muskelschmerzen, Angst, Spannungszustände, Unruhe, Verwirrtheit, Reizbarkeit, wiederkehrende Schlaflosigkeit, Stimmungsschwankungen, Halluzinationen und Krampfanfälle. Die Dosis wird deshalb beim Absetzen schrittweise verringert.[1, 2]

Überdosierung

Zeichen einer Überdosierung sind vor allem eine verstärkte Wirkung: Benommenheit, Verwirrtheit, Teilnahmslosigkeit und Muskelerschlaffung oder paradoxe Erregung; ernstere Zeichen sind fehlende Reflexe, Blutdruckabfall, eine verminderte Herz-Lungen-Funktion, Atemstillstand und Koma. Die Behandlung erfolgt durch die Ärztin oder den Arzt.[1, 2]

Dosierung laut Packungsbeilage

Bei der Injektionslösung bestimmt die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt die Dosis nach den klinischen Anforderungen, dem Allgemeinzustand, Alter, Gewicht und der Begleitmedikation; weitere Einzelheiten stehen laut Packungsbeilage in der Fachinformation [1]. Die Packungsbeilage von Buccolam nennt feste Dosen je Altersgruppe, die sich an der Farbe des Etiketts erkennen lassen [3]. Die Übersicht gibt diese Angaben wieder; sie ersetzt nicht die Verordnung.

Anwendung und Absetzen

Die Injektionslösung wird von medizinischem Fachpersonal gegeben (in eine Vene, als Infusion, in einen Muskel oder in den Enddarm) und erfordert eine einschleichende Dosierung und langsame Anwendung [1]. Buccolam wird nicht gespritzt: Die Fertigspritze wird ohne Nadel langsam in den Raum zwischen Wange und Zahnfleisch entleert. Der gesamte Inhalt einer Spritze ist eine Dosis; mehr als eine Dosis darf nicht gegeben werden [3]. Lassen Sie sich die Anwendung vorher von der Ärztin, dem Arzt, der Apotheke oder dem Fachpersonal zeigen [3].

Wurde Midazolam längere Zeit in der Intensivbehandlung gegeben, kann sich eine körperliche Abhängigkeit entwickeln; ein plötzlicher Abbruch ist dann von Entzugserscheinungen begleitet. Die Dosis wird deshalb beim Absetzen schrittweise verringert [1]. Mehr zum Thema auf der Seite Abhängigkeit; Telefonnummern für den Notfall finden Sie unter Notfall und Giftnotruf.

Präparate mit Midazolam

Midazolam gibt es als Injektionslösung von mehreren Herstellern, als Lösung zur Anwendung in der Mundhöhle und als Lösung zum Einnehmen. Grundlage dieser Seite sind Packungsbeilage und Fachinformation von Midazolam-ratiopharm Injektionslösung [1, 2]; Angaben zu Buccolam und zur oralen Lösung stammen aus deren eigenen Produktinformationen [3, 4, 5, 6].

Präparate mit Midazolam
PräparatAnbieterHinweis
BuccolamNeuraxpharm Pharmaceuticals, S.L. (Zulassungsinhaber)Lösung zur Anwendung in der Mundhöhle in Fertigspritzen mit 2,5, 5, 7,5 oder 10 mg; zur Beendigung länger anhaltender Krampfanfälle; verschreibungspflichtig
Dormicumverschreibungspflichtig
Midazolam-ratiopharmratiopharm GmbHInjektionslösung (Grundlage dieser Seite) und orale Lösung 2 mg/ml; verschreibungspflichtig

Auswahl ohne Wertung. Präparate mit demselben Wirkstoff können sich in Stärke, Hilfsstoffen und zugelassenen Anwendungsgebieten unterscheiden. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.

Quellen

  1. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Midazolam-ratiopharm 5 mg/5 ml Injektionslösung. ratiopharm GmbH. Stand 09/2023. abgerufen am 11.10.2026
  2. Fachinformation Fachinformation Midazolam-ratiopharm 5 mg/1 ml, 5 mg/5 ml, 15 mg/3 ml Injektionslösung (Version 4). ratiopharm GmbH. Stand 06/2023. abgerufen am 11.10.2026
  3. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Buccolam (EPAR), Anhang III B: Packungsbeilage Buccolam Lösung zur Anwendung in der Mundhöhle. Neuraxpharm Pharmaceuticals, S.L. (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 11/2024. abgerufen am 11.10.2026
  4. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Buccolam (EPAR), Anhang I: Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (Fachinformation). Neuraxpharm Pharmaceuticals, S.L. (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 11/2024. abgerufen am 11.10.2026
  5. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Midazolam-ratiopharm 2 mg/ml orale Lösung. ratiopharm GmbH. Stand 09/2023. abgerufen am 11.10.2026
  6. Fachinformation Fachinformation Midazolam-ratiopharm 2 mg/ml orale Lösung. ratiopharm GmbH. Stand 07/2023. abgerufen am 11.10.2026
  7. Embryotox Embryotox: Midazolam. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 11.10.2026
  8. Behörde Betäubungsmittelgesetz (BtMG), Anlage III, Eintrag Midazolam. Bundesministerium der Justiz (gesetze-im-internet.de). Stand 19.05.2026. abgerufen am 11.10.2026

Häufige Fragen

Wofür wird Midazolam angewendet?

Als Injektionslösung wird Midazolam zur Beruhigung vor und während Untersuchungen und Operationen, vor und bei einer Narkose sowie zur Beruhigung in der Intensivbehandlung eingesetzt. Als Lösung zur Anwendung in der Mundhöhle (Buccolam) wird es zur Beendigung eines plötzlichen, länger anhaltenden Krampfanfalls bei Kindern ab 3 Monaten und Erwachsenen angewendet. Eine orale Lösung ist außerdem für die Beruhigung vor Eingriffen und die Kurzzeitbehandlung von Schlafstörungen zugelassen.

Warum kann ich mich nach Midazolam an nichts erinnern?

Midazolam löst Erinnerungslücken für die Zeit nach der Anwendung aus (anterograde Amnesie); vor und während eines Eingriffs ist das laut Packungsbeilage oft sogar erwünscht. Die Dauer hängt von der Dosis ab und kann über das Ende des Eingriffs hinaus anhalten. Deshalb sollten Sie nach einer Injektion die Klinik oder Praxis nur in Begleitung verlassen.

Wann darf ich nach Midazolam wieder Auto fahren?

Das entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt. Starke Beruhigung, Gedächtnisstörungen, verminderte Aufmerksamkeit und Muskelschwäche schränken die Verkehrstüchtigkeit auch bei bestimmungsgemäßer Anwendung ein. Bis zur Freigabe dürfen Sie kein Fahrzeug führen und keine Maschinen bedienen; nach der Entlassung sollten Sie in Begleitung nach Hause gehen.

Darf ich nach Midazolam stillen?

Laut Packungsbeilage der Injektionslösung sollten stillende Frauen ihr Kind nach der Anwendung 24 Stunden lang nicht stillen. Das Beratungszentrum Embryotox schreibt, dass Einzeldosen wahrscheinlich keine Stillpause erfordern. Sprechen Sie das Vorgehen mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.

Was tun, wenn der Krampfanfall nach Buccolam nicht aufhört?

Hört der Krampfanfall nicht innerhalb von 10 Minuten nach der Gabe auf, rufen Sie laut Packungsbeilage sofort den Notarzt. Sofort ärztlichen Rat brauchen Sie auch, wenn die Spritze nicht vollständig gegeben werden konnte oder der Patient langsam und flach atmet. Geben Sie nicht mehr als die verordnete Dosis, nach Erbrechen keine weitere Dosis, und bewahren Sie die Spritze für den Rettungsdienst auf.

Darf ich nach Midazolam Alkohol trinken?

Nein. Während der Anwendung dürfen Sie keinen Alkohol trinken, weil er die dämpfende Wirkung von Midazolam deutlich verstärken kann; zusammen mit Alkohol ist auch die Verkehrstüchtigkeit stärker eingeschränkt. Wann Sie wieder Alkohol trinken können, fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.

Wie hoch ist die Dosis von Midazolam?

Bei der Injektionslösung bestimmt die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt die Dosis nach Anwendungsgebiet, Allgemeinzustand, Alter, Gewicht und Begleitmedikation. Bei Buccolam richtet sich die verordnete Dosis in der Regel nach dem Alter. Die Angaben der Packungsbeilagen stehen im Abschnitt Dosierung laut Packungsbeilage.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

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