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Bindehautentzündung
Bei einer Bindehautentzündung (Konjunktivitis) ist die Bindehaut des Auges entzündet, oft durch Viren, Bakterien oder eine Allergie; die Augen sind rot und tränen. Virale und bakterielle Bindehautentzündungen heilen laut IQWiG meist von allein aus, sind aber ansteckend. Antibiotikahaltige Augentropfen oder -salben können die Heilung einer bakteriellen Entzündung etwas beschleunigen, bei einer Allergie kommen Augentropfen mit Antihistaminika infrage. Verschlechtert sich die Sehkraft, wird das Auge lichtempfindlich oder fühlt es sich an wie mit einem Fremdkörper, vor allem zusammen mit starken Kopfschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen, ist schnell ärztlicher Rat wichtig.

Bei einer Bindehautentzündung ist die Bindehaut des Auges entzündet und das Auge gerötet. Oft stecken Viren oder Bakterien dahinter, häufig aber auch eine Allergie [1]. Virale und bakterielle Bindehautentzündungen heilen meist von allein aus, sind aber ansteckend [1, 3]. Laut dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) können antibiotikahaltige Augentropfen oder -salben die Heilung einer bakteriellen Entzündung etwas beschleunigen; bei einer Allergie kommen Augentropfen mit Antihistaminika infrage [1, 2].
Was ist eine Bindehautentzündung?
Die Bindehaut (Konjunktiva) ist eine Schleimhaut. Sie überzieht und schützt den sichtbaren Teil des weißen Augapfels und die Innenseite der Augenlider [1]. Entzündet sie sich durch Krankheitserreger wie Viren oder Bakterien, sprechen Fachleute von einer infektiösen Konjunktivitis; ist eine Allergie die Ursache, von einer allergischen Konjunktivitis [1]. Oft sind beide Augen betroffen, weil sich eine Infektion leicht von einem Auge zum anderen ausbreitet [1].
Die Leitlinie Nr. 12 des Berufsverbands der Augenärzte Deutschlands (BVA) und der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG), Stand August 2011, beschreibt die bakterielle Konjunktivitis als Entzündung der Bindehaut durch Bakterien, ohne dass Hornhaut, Lederhaut oder Regenbogenhaut von Anfang an beteiligt sind; sie verläuft in der Regel akut, seltener chronisch, zum Beispiel bei Chlamydien [4].
Symptome
Bakterielle Bindehautentzündung: Die Augen sind rot und tränen. Die Bindehaut sondert eine weißlich-gelbe Flüssigkeit ab, die die Lider verklebt, besonders morgens nach dem Aufstehen. Die Bindehaut kann wund werden und schmerzen, wenn sich der Augapfel bewegt; die Augen können brennen und manchmal jucken [1].
Virale Bindehautentzündung: Die Beschwerden sind ähnlich, die Augen sondern aber eher eine wässrige Flüssigkeit ab [1]. Bei der durch bestimmte Adenoviren ausgelösten, sehr ansteckenden epidemischen Keratokonjunktivitis beginnt die Erkrankung laut Ratgeber des Robert Koch-Instituts (RKI, Fassung März 2010) plötzlich mit Rötung, Schwellung der Bindehaut und geschwollenen Lymphknoten vor dem Ohr. Beschwerden sind Fremdkörpergefühl, Lichtscheu, Juckreiz und Tränenfluss; die Schwellung der Lider lässt sie herabhängen [5].
Allergische Bindehautentzündung: Hier sind immer beide Augen gerötet, und die Augen tränen. Ein typischer Hinweis auf eine Allergie ist Juckreiz. Oft kommen andere allergische Beschwerden wie Schnupfen dazu [1]. Mehr dazu: Heuschnupfen.
Selten treten weitere Beschwerden auf: eine Verschlechterung der Sehkraft, eine erhöhte Lichtempfindlichkeit oder das Gefühl, einen Fremdkörper im Auge zu haben. Sie können auf ernstere Probleme hinweisen, vor allem zusammen mit starken Kopfschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen; dann ist es laut IQWiG wichtig, schnell ärztlichen Rat einzuholen [1].
Ursachen und Ansteckung
Virale und bakterielle Bindehautentzündungen werden meist durch eine Schmierinfektion weitergegeben, auch von einem Auge zum anderen, zum Beispiel wenn man mit den Fingern die Augen berührt. Möglich ist auch eine Übertragung über Gegenstände wie Augentropfenfläschchen, Taschentücher, Waschlappen oder Ferngläser [1]. Adenoviren sind laut RKI sehr widerstandsfähig und bei Zimmertemperatur unter Umständen über Wochen ansteckend; die Zeit von der Ansteckung bis zur Erkrankung beträgt 5 bis 12 Tage [5].
Eine andere häufige Ursache ist eine allergische Reaktion, etwa auf Pollen, Tierhaare oder Hausstaubmilben. Auch Staub und Schmutz, trockene Luft, reizende Flüssigkeiten oder eine Verletzung der Bindehaut können eine Entzündung hervorrufen, ebenso eine zu geringe Benetzung des Auges mit Tränenflüssigkeit [1]. Bindehautentzündungen durch Allergien und äußere Reize sind nicht ansteckend [1, 3]. Mehr dazu: Trockene Augen und Allergie.
Manchmal steckt eine sexuell übertragbare Infektion dahinter: Brennen beim Wasserlassen kann laut IQWiG etwa auf eine Gonorrhoe (Tripper) hindeuten, deren Erreger man sich unbewusst in die Augen gewischt hat [1]. Laut der Leitlinie der Augenärzte (Stand 2011) kommen auch Chlamydien als Erreger infrage [4]. Mehr dazu: Chlamydien.
Medikamente als Ursache: Manche Packungsbeilagen nennen eine Bindehautentzündung als Nebenwirkung. Bei Isotretinoin-Kapseln gegen schwere Akne sind eine Entzündung der Augen (Konjunktivitis) und der Augenlider sowie trockene und gereizte Augen laut Packungsbeilage sehr häufig, also bei mehr als 1 von 10 Behandelten [14]. Auch Augentropfen können die Augen reizen: Das Konservierungsmittel Benzalkoniumchlorid kann laut Packungsbeilagen Reizungen am Auge hervorrufen, besonders bei trockenen Augen oder Erkrankungen der Hornhaut [6, 8].
Verlauf und Diagnose
Eine bakterielle Bindehautentzündung verläuft meist problemlos; bei mehr als der Hälfte der Betroffenen ist sie innerhalb von 1 bis 2 Wochen auch ohne Behandlung abgeheilt. Auch eine virale Bindehautentzündung verschwindet oft nach wenigen Wochen von selbst [1, 3]. Die epidemische Keratokonjunktivitis klingt laut RKI in der Regel in der 2. bis 4. Woche ab, feine Trübungen der Hornhaut bleiben noch längere Zeit nachweisbar [5]. Dauert eine Bindehautentzündung länger als vier Wochen, gilt sie als chronisch [1]. Selten kann die Entzündung auf die Hornhaut übergreifen, vor allem bei Menschen, die Kontaktlinsen tragen [1].
Die Ärztin oder der Arzt fragt nach Beschwerden wie Jucken, Fremdkörpergefühl oder verklebten Lidern und danach, wann sie begonnen haben. Danach werden Augen und Lider auf Verletzungen oder äußere Reizungen untersucht [1]. Allein an den Beschwerden lässt sich meist nicht erkennen, ob die Entzündung bakteriell oder viral ist. Nur selten wird ein Abstrich genommen, etwa wenn weitere Beschwerden auf eine andere Krankheit hindeuten [1]. Laut der Leitlinie der Augenärzte (Stand 2011) müssen bei jedem roten Auge andere Ursachen außerhalb der Bindehaut ausgeschlossen werden, zum Beispiel ein Glaukomanfall (Grüner Star), eine Entzündung der Regenbogenhaut oder ein Fremdkörper in der Hornhaut [4].
Behandlung ohne Medikamente
Wer eine Bindehautentzündung hat, kann laut IQWiG in der Regel abwarten, bis sie von selbst abklingt; eine Behandlung ist gewöhnlich nicht nötig [2]. Währenddessen kann man versuchen, die Augen zu schonen, zum Beispiel nicht lange am Bildschirm zu arbeiten oder die Augen zwischendurch immer wieder für einige Zeit zu schließen [2].
Hygiene: Sie schützt das gesunde Auge und andere Menschen vor einer Ansteckung und verhindert bei einer allergischen Entzündung, dass Keime in das gereizte Auge gelangen [2]. Laut IQWiG heißt das [2]:
- die Hände regelmäßig gründlich mit Seife waschen, zusätzlich immer dann, wenn man sich ins Gesicht gefasst und möglicherweise das erkrankte Auge berührt hat,
- Handtücher nur selbst benutzen,
- statt Kontaktlinsen am besten eine Brille tragen; bereits getragene wiederverwendbare Linsen und den Aufbewahrungsbehälter besonders gründlich reinigen.
Auflagen und Tränenersatz: Um die Beschwerden zu lindern, legen manche Menschen kühlende Kompressen auf, andere bevorzugen leicht wärmende Auflagen, wieder andere befeuchten die Augen mit Augentropfen mit künstlicher Tränenflüssigkeit. Ob und wie gut solche Mittel helfen oder ob sie möglicherweise sogar schaden können, ist laut IQWiG nicht ausreichend untersucht [1, 2].
Behandlung mit Medikamenten

Medikamente sind laut IQWiG geeignet, wenn klar ist, um welche Form der Bindehautentzündung es sich handelt. Die Ursache sollte deshalb ärztlich geklärt sein, bevor man Augentropfen oder -salben anwendet [1, 2]. Bei einer Allergie kommen Augentropfen mit Allergiemitteln wie Antihistaminika infrage, bei einer bakteriellen Entzündung Augentropfen oder -salben mit Antibiotika. Bei einer viralen Bindehautentzündung lassen sich nur die Beschwerden behandeln [2]. Die Tabelle nennt Beispiele mit eigener Wirkstoffseite; maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.
| Wirkstoffgruppe | Beispiele | Wie sie wirken | Häufige Nebenwirkungen |
|---|---|---|---|
| Antibiotika als Augentropfen oder -salben, nur bei bakterieller Bindehautentzündung [2, 4] | Ofloxacin: verschreibungspflichtige Augentropfen, laut Packungsbeilage für äußerliche Augeninfektionen durch empfindliche Keime wie die bakterielle Bindehautentzündung bei Erwachsenen und Kindern [6, 12]. Gentamicin: verschreibungspflichtige Augentropfen, laut Packungsbeilage unter anderem bei bakterieller Entzündung der Bindehaut [7, 12] | Wirken nur gegen Bakterien, nicht gegen Viren [1]. Ofloxacin gehört zu den Fluorchinolonen [6]; Gentamicin-Augentropfen wirken laut Packungsbeilage antibakteriell [7] | Ofloxacin häufig: Augenreizungen und Überempfindlichkeitsreaktionen des Auges [6]. Gentamicin ohne Angabe der Häufigkeit: Augenreizungen wie Brennen, Fremdkörpergefühl und Rötung, Überempfindlichkeitsreaktionen; sehr selten eine Erweiterung der Pupille [7] |
| Antihistaminika als Augentropfen, bei allergischer Bindehautentzündung [2] | Ketotifen: apothekenpflichtige Augentropfen gegen Augenbeschwerden bei Heuschnupfen [8, 9]. Azelastin: Augentropfen (hier zusammen mit Nasenspray) bei saisonaler allergischer Rhinokonjunktivitis, etwa Heuschnupfen mit allergischer Bindehautentzündung, ab 6 Jahren [10, 12]. Levocabastin: Augentropfen bei allergischer Bindehautentzündung, etwa bei Heuschnupfen oder Frühlingskatarrh, ab 1 Jahr [11, 12] | Antihistaminika verhindern die Wirkung von Stoffen wie Histamin, die der Körper bei einer allergischen Reaktion bildet; Azelastin vermindert Entzündungen am Auge [10]. Ketotifen hemmt den Histamin-H1-Rezeptor; Tierversuche und Laborstudien lassen laut Fachinformation darauf schließen, dass zusätzlich die Stabilisierung von Mastzellen und die Hemmung bestimmter Abwehrzellen (Eosinophile) eine Rolle spielen [9] | Ketotifen häufig: Reizungen der Augen oder Augenschmerzen, Augenentzündungen [8]. Azelastin häufig: leichte Reizerscheinungen an den Augen wie Brennen, Jucken und Tränen [10]. Levocabastin häufig: Augenschmerzen und verschwommenes Sehen, Kopfschmerzen, Brennen, Stechen oder Reizung der Augen [11] |
Häufig heißt: bei bis zu 1 von 10 Behandelten, sehr selten: bei bis zu 1 von 10.000 [6, 7, 8]. Mehr dazu im Ratgeber Beipackzettel verstehen.
Antibiotika bei bakterieller Bindehautentzündung
Laut IQWiG können Augentropfen oder -salben mit Antibiotika eine unkomplizierte bakterielle Bindehautentzündung im Vergleich zu Mitteln ohne Antibiotika etwas schneller abheilen lassen. In Studien führten sie bei wenigen Menschen zu leichten Nebenwirkungen wie Augenreizungen oder Kopfschmerzen [2]. Bei einer gesicherten Chlamydien-Infektion sieht die Leitlinie der Augenärzte (Stand 2011) Antibiotika mit Wirkung im ganzen Körper (systemisch) vor, in Absprache mit Gynäkologie oder Hausarztpraxis und mit Mitbehandlung der Sexualpartnerin oder des Sexualpartners [4]. Augentropfen mit Ofloxacin oder Gentamicin sind verschreibungspflichtig [12].
Ofloxacin: Die Augentropfen dürfen laut Packungsbeilage nicht angewendet werden bei einer Allergie gegen Ofloxacin, andere Chinolone oder einen der sonstigen Bestandteile [6]. Vorher mit Ärztin, Arzt oder Apotheke sprechen sollten Sie bei Empfindlichkeit gegenüber anderen Chinolon-Antibiotika und bei Schäden oder Geschwüren der Augenoberfläche. Besondere Vorsicht ist unter anderem bei einer angeborenen oder in der Familie aufgetretenen Verlängerung des QT-Intervalls, gestörtem Salzhaushalt im Blut, sehr langsamem Herzschlag, Herzschwäche oder einem früheren Herzinfarkt erforderlich [6]. Eine Langzeitanwendung kann zu neuen bakteriellen Infektionen führen, die nicht auf Ofloxacin ansprechen. Übermäßige Sonnen- oder UV-Bestrahlung sollte wegen möglicher Lichtempfindlichkeit vermieden werden [6]. Die Anwendung sollte 14 Tage nicht überschreiten; halten die Beschwerden danach an, gehen Sie zur Ärztin oder zum Arzt [6]. In der Schwangerschaft sollten die Tropfen laut Packungsbeilage nicht angewendet werden, die Ärztin oder der Arzt entscheidet [6]. Bei Kindern können sie angewendet werden; Sicherheit und Wirksamkeit bei Kindern unter einem Jahr sind nicht nachgewiesen [6].
Ein Rote-Hand-Brief vom 07.06.2023 erinnert an Anwendungsbeschränkungen für Fluorchinolone; er betrifft laut seinem Text alle systemisch und inhalativ angewendeten Fluorchinolone [13]. Die Packungsbeilage der Ofloxacin-Augentropfen weist darauf hin, dass unter Fluorchinolonen zum Einnehmen oder in die Vene Schwellungen und Risse von Sehnen aufgetreten sind. Schwellen Ihre Sehnen an oder schmerzen sie, beenden Sie die Anwendung der Augentropfen [6]. Mehr dazu: Sehnenschäden.
Gentamicin: Die Augentropfen werden laut Packungsbeilage bei Infektionen des vorderen Augenabschnitts durch empfindliche Erreger angewendet, etwa bei bakteriellen Entzündungen der Bindehaut, der Hornhaut, der Lidränder und der Augenliddrüsen (Gerstenkorn) [7]. Bei einer Allergie gegen Gentamicinsulfat oder einen der sonstigen Bestandteile dürfen sie nicht angewendet werden. Eine Behandlung sollte normalerweise 2 Wochen nicht überschreiten; die genaue Dauer bestimmt die Ärztin oder der Arzt [7]. Im ersten Drittel der Schwangerschaft sollten die Tropfen laut Packungsbeilage nicht angewendet werden, danach nur bei lebensbedrohenden Erkrankungen. Wegen der geringen Aufnahme ins Blut ist bei Anwendung am Auge laut Packungsbeilage nicht mit unerwünschten Wirkungen auf das ungeborene Kind oder den gestillten Säugling zu rechnen [7].
Antihistaminika bei allergischer Bindehautentzündung
Augentropfen mit Ketotifen (bis 0,025 Prozent), Azelastin oder Levocabastin sind zur Anwendung am Auge nicht verschreibungspflichtig [12]. Sind Sie nicht sicher, ob Ihre Augenbeschwerden durch eine Allergie ausgelöst wurden, sprechen Sie laut Packungsbeilage von Levocabastin-Augentropfen vorher mit Ärztin, Arzt oder Apotheke. Ist besonders nur ein Auge betroffen, ist das Sehvermögen beeinträchtigt oder schmerzen die Augen ohne Beschwerden in der Nase, könnte eher eine Infektion als eine Allergie vorliegen [11]. Auch die Azelastin-Augentropfen sind laut Packungsbeilage nicht zur Behandlung von Infektionen am Auge geeignet [10].
- Ketotifen: laut Fachinformation zur Behandlung der Beschwerden einer jahreszeitlich bedingten allergischen Bindehautentzündung bei Erwachsenen und Kindern ab 3 Jahren; bei jüngeren Kindern sind Sicherheit und Wirksamkeit nicht erwiesen [9]. In der Schwangerschaft fragen Sie laut Packungsbeilage vor der Anwendung Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke um Rat; in der Stillzeit dürfen die Tropfen angewendet werden. Sie können die Wirkung von Alkohol verstärken [8].
- Azelastin: laut Packungsbeilage der Kombipackung aus Augentropfen und Nasenspray für Erwachsene, Jugendliche und Kinder ab 6 Jahren; bei jüngeren Kindern darf sie nicht angewendet werden. In den ersten drei Monaten der Schwangerschaft sollte sie vorsichtshalber nicht angewendet werden, im zweiten und dritten Schwangerschaftsdrittel nur, wenn es unbedingt erforderlich ist und eine ärztliche Kontrolle erfolgt; in der Stillzeit sollte sie nicht angewendet werden [10]. Ohne ärztliche Rücksprache sollten die Augentropfen nicht länger als 6 Wochen ununterbrochen angewendet werden; verschlechtern sich die Beschwerden oder bessern sie sich nach 48 Stunden nicht, suchen Sie eine Ärztin oder einen Arzt auf [10].
- Levocabastin: laut Packungsbeilage für Kinder ab 1 Jahr, Jugendliche und Erwachsene. In Schwangerschaft und Stillzeit wenden Sie die Tropfen nur nach Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt an. Bessern sich die Beschwerden nach 2 Tagen nicht oder werden sie schlechter, wenden Sie sich an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt [11].
Viren und Kontaktlinsen
Gegen die Adenovirus-Bindehautentzündung steht laut RKI keine spezifische Behandlung zur Verfügung; sie kann nur symptomatisch behandelt werden [5]. Tropfflaschen und Augensalben sind nur für eine Person bestimmt und dürfen keinesfalls von anderen benutzt werden [5].
Die Augentropfen, auf deren Packungsbeilagen sich diese Seite stützt, enthalten das Konservierungsmittel Benzalkoniumchlorid. Es kann von weichen Kontaktlinsen aufgenommen werden und sie verfärben; die Linsen müssen vor dem Eintropfen herausgenommen werden und dürfen erst nach 15 Minuten wieder eingesetzt werden [6, 7, 8, 10, 11]. Während der Behandlung einer Augeninfektion wird das Tragen von Kontaktlinsen nicht empfohlen [6].
Nebenwirkungen der Medikamente
Ofloxacin-Augentropfen: Häufig, also bei bis zu 1 von 10 Behandelten, sind laut Packungsbeilage Augenreizungen und Überempfindlichkeitsreaktionen des Auges. Ohne bekannte Häufigkeit nennt sie unter anderem Augenrötung, Juckreiz, verschwommenes Sehen, Lichtempfindlichkeit, Schwellungen rund um die Augen, Schwindel, Kopfschmerzen und Übelkeit [6]. Bei einer allergischen Reaktion mit geschwollener Haut, Schleimhaut, Hals oder Zunge oder Kurzatmigkeit beenden Sie die Anwendung und kontaktieren sofort Ihre Ärztin oder Ihren Arzt [6]. Als schwerwiegende Nebenwirkung mit unbekannter Häufigkeit nennt die Packungsbeilage potenziell lebensbedrohliche Hautausschläge, die mit rötlichen, zielscheibenähnlichen Punkten oder kreisförmigen Flecken am Rumpf beginnen. Ebenfalls ohne bekannte Häufigkeit nennt sie einen anormal schnellen Herzrhythmus und einen lebensbedrohlich unregelmäßigen Herzschlag [6]. Mehr dazu: Schwere Hautreaktionen und QT-Verlängerung.
Gentamicin-Augentropfen: Laut Packungsbeilage können Augenreizungen wie Brennen, Fremdkörpergefühl oder Rötung, Wundheilungsstörungen besonders nach Hornhautverletzungen und Überempfindlichkeitsreaktionen wie Schwellung, Rötung und Juckreiz auftreten. Sehr selten wurde über eine Erweiterung der Pupille berichtet; bei stark geschädigter Hornhaut können phosphathaltige Tropfen in sehr seltenen Fällen Trübungen durch Kalkablagerungen verursachen [7].
Antihistaminika-Augentropfen: Unter Ketotifen sind laut Packungsbeilage Reizungen der Augen oder Augenschmerzen und Augenentzündungen häufig; gelegentlich, also bei bis zu 1 von 100, treten unter anderem verschwommenes Sehen nach dem Eintropfen, trockene Augen, Kopfschmerzen, Benommenheit, Mundtrockenheit und allergische Reaktionen auf [8]. Unter Azelastin sind leichte Reizerscheinungen wie Brennen, Jucken und Tränen häufig, ein bitterer Geschmack im Mund ist gelegentlich [10]. Unter Levocabastin sind Augenschmerzen, verschwommenes Sehen, Kopfschmerzen und Brennen oder Reizung der Augen häufig; sehr selten kommt es zu einer allergischen Schwellung von Lippen, Zunge und Augenlidern (Angioödem), Nesselsucht und Atemnot [11]. Mehr dazu: Arzneimittelallergie.
Autofahren: Nach dem Eintropfen kann das Sehen für wenige Minuten verschwommen sein; in dieser Zeit sollten Sie laut Packungsbeilage der Ofloxacin-Tropfen nicht am Straßenverkehr teilnehmen und keine Maschinen bedienen [6]. Ketotifen-Augentropfen können Sehstörungen, Benommenheit oder Schwindel verursachen; dann warten Sie mit dem Fahren, bis die Beschwerden verschwunden sind [8]. Mehr im Ratgeber Medikamente und Autofahren.
Haben Sie ein verordnetes Medikament als Auslöser im Verdacht, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Nebenwirkungen können Sie Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke mitteilen oder direkt dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) melden [6]. Wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden.
Im Alltag: Ansteckung vermeiden
Um eine Übertragung zu vermeiden, berühren Sie das erkrankte Auge möglichst nicht; wenn es doch passiert, waschen Sie sich rasch die Hände. Handtücher und Waschlappen teilen Sie besser nicht mit anderen [1]. Die Haus- oder Kinderarztpraxis kann beurteilen, ob eine Überweisung in eine augenärztliche Praxis sinnvoll ist und ob und wie lange eine Krankschreibung nötig ist, damit die Augen geschont werden und niemand in Kindergarten, Schule oder am Arbeitsplatz angesteckt wird [1].
Bei der Adenovirus-Bindehautentzündung sollten Erkrankte laut RKI Handtücher und Waschlappen getrennt benutzen, jeden Kontakt zwischen Hand und Auge vermeiden und sorgfältig auf Händehygiene achten [5]. In Kindergärten und Schulen kommt laut RKI als wirksame Maßnahme nur der Ausschluss der Erkrankten in Betracht; die Wiederzulassung sollte von einem schriftlichen ärztlichen Attest abhängig gemacht werden [5]. Der direkte Nachweis von Adenoviren im Bindehautabstrich ist meldepflichtig, soweit er auf eine akute Infektion hinweist [5].
Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen
Verschlechtert sich die Sehkraft, wird das Auge lichtempfindlich oder fühlt es sich an wie mit einem Fremdkörper, können das Hinweise auf ernstere Probleme sein, vor allem zusammen mit starken Kopfschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen. Dann ist es laut IQWiG wichtig, schnell ärztlichen Rat einzuholen [1, 3]. Hinter einem roten Auge können laut der Leitlinie der Augenärzte (Stand 2011) auch Ursachen außerhalb der Bindehaut stecken, etwa ein Glaukomanfall; deshalb ist bei jedem roten Auge eine Abklärung unerlässlich [4].
Ärztliche Hilfe brauchen Sie außerdem, wenn die Beschwerden unter Ofloxacin-Augentropfen nach 14 Tagen anhalten oder wenn sich allergische Augenbeschwerden unter Augentropfen mit Azelastin oder Levocabastin nach 2 Tagen nicht bessern oder schlechter werden [6, 10, 11]. Kommen unter Isotretinoin zur Bindehautentzündung rötliche, zielscheibenartige oder kreisförmige Flecken am Rumpf, Blasen oder offene, schmerzende Stellen in Mund, Hals, Nase oder an den Genitalien hinzu, können das Zeichen einer schweren Hautreaktion sein; dann brechen Sie die Anwendung laut Packungsbeilage ab und suchen sofort eine Ärztin oder einen Arzt auf [14]. Schwere Atemnot ist laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) ein Fall für den Notruf 112. Sind die Arztpraxen geschlossen und Sie können nicht bis zur nächsten Sprechzeit warten, ohne lebensbedrohlich erkrankt zu sein, hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst, erreichbar über die 116117 [15].
Quellen
- Bindehautentzündung. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 06.11.2024. abgerufen am 18.10.2026
- Wie wird eine Bindehautentzündung behandelt?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 06.11.2024. abgerufen am 18.10.2026
- Behörde Bindehautentzündung. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de (in Zusammenarbeit mit dem IQWiG). Stand 05.03.2026. abgerufen am 18.10.2026
- Leitlinie Leitlinie Nr. 12 Bakterielle Konjunktivitis. Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (BVA) und Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG). Stand 08/2011. abgerufen am 18.10.2026
- Behörde RKI-Ratgeber Keratoconjunctivitis epidemica und andere Konjunktivitiden durch Adenoviren. Robert Koch-Institut (RKI). Stand Fassung 03/2010, Abschnitte Gesetzliche Grundlage und Beratung 02/2018. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Ofloxacin-POS 3 mg/ml Augentropfen. URSAPHARM Arzneimittel GmbH. Stand 06/2025. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Gentamicin-POS 5,0 mg/ml Augentropfen. URSAPHARM Arzneimittel GmbH. Stand 01/2020. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Zaditen Ophtha 0,25 mg/ml Augentropfen, Lösung. Laboratoires THEA (Zulassungsinhaber)/Théa Pharma GmbH. Stand 09/2025. abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Zaditen Ophtha 0,25 mg/ml Augentropfen, Lösung. Laboratoires THEA (Zulassungsinhaber)/Théa Pharma GmbH. Stand 09/2025. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Vividrin Azelastin Kombipackung 0,5 mg/ml Augentropfen, Lösung und 1 mg/ml Nasenspray, Lösung. Dr. Gerhard Mann chem.-pharm. Fabrik GmbH (Bausch + Lomb). Stand 07/2022. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Levocabastin axicur 0,5 mg/ml Augentropfensuspension. Dermapharm AG, Mitvertrieb axicorp Pharma GmbH. Stand 09/2025. abgerufen am 18.10.2026
- Behörde Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV), Anlage 1, Einträge Azelastin, Gentamycin, Ketotifen und Ofloxacin (Levocabastin nicht aufgeführt). Bundesministerium der Justiz (gesetze-im-internet.de). Stand aktuelle Fassung. abgerufen am 18.10.2026
- Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief: Systemisch und inhalativ angewendete fluorchinolonhaltige Antibiotika, Erinnerung an die Anwendungsbeschränkungen. Zulassungsinhaber fluorchinolonhaltiger Antibiotika in Abstimmung mit EMA und BfArM. Stand 07.06.2023. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Isotretinoin-ratiopharm 20 mg Weichkapseln. ratiopharm GmbH. Stand 02/2026. abgerufen am 18.10.2026
- Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Abschnitte "Fälle für den Bereitschaftsdienst" und "Fälle für die Notrufnummer 112"). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
Häufige Fragen
Ist eine Bindehautentzündung ansteckend?
Virale und bakterielle Bindehautentzündungen sind laut IQWiG ansteckend. Die Erreger werden meist durch eine Schmierinfektion weitergegeben, etwa über die Finger, aber auch über Augentropfenfläschchen, Taschentücher, Waschlappen oder Ferngläser. Bei der durch Adenoviren ausgelösten epidemischen Keratokonjunktivitis ist eine Ansteckung laut Robert Koch-Institut möglich, solange das Virus in Sekreten nachweisbar ist, in der Regel während der ersten 2 Wochen der Erkrankung. Bindehautentzündungen durch Allergien oder äußere Reize sind nicht ansteckend.
Wie lange dauert eine Bindehautentzündung?
Laut IQWiG klingt sie meist innerhalb von 1 bis 2 Wochen von selbst ab. Bei mehr als der Hälfte der Betroffenen ist eine bakterielle Bindehautentzündung in dieser Zeit auch ohne Behandlung abgeheilt; eine virale verschwindet oft nach wenigen Wochen wieder. Dauert die Entzündung länger als vier Wochen, spricht man von einer chronischen Bindehautentzündung.
Welche Augentropfen helfen bei einer Bindehautentzündung?
Das hängt laut IQWiG von der Ursache ab, die deshalb ärztlich geklärt sein sollte. Bei einer Allergie kommen Augentropfen mit Antihistaminika wie Ketotifen, Azelastin oder Levocabastin infrage. Bei einer bakteriellen Entzündung können Augentropfen oder -salben mit Antibiotika die Heilung etwas beschleunigen; sie sind verschreibungspflichtig. Bei einer viralen Bindehautentzündung lassen sich nur die Beschwerden behandeln. Ob Augentropfen mit künstlicher Tränenflüssigkeit helfen, ist nicht ausreichend untersucht.
Brauche ich bei einer Bindehautentzündung ein Antibiotikum?
Eine unkomplizierte Bindehautentzündung klingt laut IQWiG oft auch ohne Behandlung ab, eine Behandlung ist gewöhnlich nicht nötig. Antibiotika wirken nur gegen Bakterien, gegen Viren können sie nichts ausrichten. Ist die Entzündung bakteriell, können antibiotikahaltige Augentropfen oder -salben die Heilung etwas beschleunigen. Ob das in Ihrer Situation sinnvoll ist, entscheidet die Ärztin oder der Arzt.
Wann muss ich mit einer Bindehautentzündung zum Arzt?
Laut IQWiG ist schnell ärztlicher Rat wichtig, wenn sich die Sehkraft verschlechtert, das Auge lichtempfindlich wird oder sich anfühlt wie mit einem Fremdkörper, vor allem zusammen mit starken Kopfschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen. Bessern sich allergische Augenbeschwerden unter Augentropfen mit Azelastin oder Levocabastin nicht innerhalb von 2 Tagen oder werden sie schlechter, wenden Sie sich laut Packungsbeilage an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt. Ist nur ein Auge betroffen, ist das Sehen beeinträchtigt oder schmerzen die Augen ohne Beschwerden in der Nase, könnte laut Packungsbeilage von Levocabastin-Augentropfen eher eine Infektion als eine Allergie vorliegen.
Darf ich mit einer Bindehautentzündung Kontaktlinsen tragen?
Laut IQWiG tragen Sie während einer Bindehautentzündung am besten eine Brille. Bereits getragene wiederverwendbare Linsen und der Aufbewahrungsbehälter sollten besonders gründlich gereinigt werden, um eine erneute Ansteckung zu vermeiden. Die Leitlinie der Augenärzte (Stand 2011) nennt eine Kontaktlinsenpause, eine gründliche Reinigung der Linsen und den Austausch des Behälters. Selten kann die Entzündung auf die Hornhaut übergreifen, vor allem bei Menschen, die Kontaktlinsen tragen.
Darf mein Kind mit einer Bindehautentzündung in die Kita?
Ob und wie lange eine Krankschreibung nötig ist, damit niemand in Kindergarten, Schule oder am Arbeitsplatz angesteckt wird, kann laut IQWiG die Haus- oder Kinderarztpraxis beurteilen. Bei der sehr ansteckenden Adenovirus-Bindehautentzündung kommt laut Robert Koch-Institut in Kindergärten und Schulen als wirksame Maßnahme nur der Ausschluss der Erkrankten in Betracht; die Wiederzulassung sollte von einem schriftlichen ärztlichen Attest abhängig gemacht werden.
Können Medikamente eine Bindehautentzündung auslösen?
Ja, manche Packungsbeilagen nennen sie als Nebenwirkung. Bei Isotretinoin-Kapseln gegen schwere Akne ist eine Entzündung der Augen (Konjunktivitis) und der Augenlider laut Packungsbeilage sehr häufig, also bei mehr als 1 von 10 Behandelten. Auch Augentropfen selbst können die Augen reizen, zum Beispiel durch das Konservierungsmittel Benzalkoniumchlorid. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
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