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Azathioprin absetzen
Azathioprin sollte laut Packungsbeilage immer nur unter engmaschiger ärztlicher Überwachung beendet werden; nach einer Organtransplantation muss die Behandlung unbegrenzt erfolgen, weil es sonst zu einer Abstoßung des Transplantats kommen kann. Absetzerscheinungen nennen Packungsbeilage und Fachinformation nicht, bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen beschreiben die Leitlinien der DGVS aber das Risiko eines erneuten Schubes. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.

Azathioprin sollte laut Packungsbeilage immer nur unter engmaschiger ärztlicher Überwachung beendet werden. Wenn Sie die Behandlung unterbrechen oder beenden möchten, sprechen Sie vorher unbedingt mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt [1]. Nach einer Organtransplantation muss die Behandlung laut Packungsbeilage und Fachinformation unbegrenzt erfolgen, auch in niedriger Dosierung, da es sonst zu einer Abstoßung des Transplantats kommen kann [1, 2].
Azathioprin unterdrückt die körpereigene Abwehrreaktion (Immunsuppressivum). Eingesetzt wird es nach Transplantationen, bei mäßig schweren bis schweren Verlaufsformen bestimmter Erkrankungen wie chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, Autoimmunhepatitis, rheumatoider Arthritis und Lupus erythematodes sowie bei schubförmiger Multipler Sklerose und generalisierter Myasthenia gravis [1, 2]. Absetzerscheinungen im engeren Sinn nennen Packungsbeilage und Fachinformation nicht [1, 2]. Was nach dem Absetzen mit der Grunderkrankung geschieht, hängt von der Erkrankung ab. Grundlage dieser Seite sind Packungsbeilage (Stand Januar 2025) und Fachinformation (Stand Februar 2026) von Azathioprin STADA 25 mg und 50 mg Filmtabletten [1, 2]. Maßgeblich ist immer die Packungsbeilage Ihres Präparats.
Was Packungsbeilage und Fachinformation zum Absetzen sagen
Die Dauer der Behandlung legt laut Packungsbeilage Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest [1]. Laut Fachinformation sollte die Behandlung von einer Ärztin oder einem Arzt mit Erfahrung in der Anwendung und Überwachung von Immunsuppressiva begonnen werden [2]. Die Wirkung kann erst Wochen oder Monate nach Behandlungsbeginn einsetzen [1, 2]. Je nach Erkrankung nennen Packungsbeilage und Fachinformation diese Zeiträume:
- Nach einer Transplantation: Die Behandlung muss unbegrenzt erfolgen, da es sonst zu einer Abstoßung des Transplantats kommen kann [1, 2].
- Multiple Sklerose: Bis eine deutlich erkennbare Wirkung eintritt, kann eine Behandlungsdauer von mehr als einem Jahr erforderlich sein; bis die Krankheit tatsächlich unter Kontrolle ist, können wenigstens 2 Jahre erforderlich sein [1, 2]. Mehr dazu: Multiple Sklerose.
- Myasthenia gravis: Ein Behandlungserfolg tritt üblicherweise frühestens 2 bis 6 Monate nach Behandlungsbeginn auf. Die Behandlung sollte über wenigstens 2 bis 3 Jahre fortgesetzt werden [1, 2]. Mehr dazu: Myasthenia gravis.
- Andere Anwendungsgebiete: Tritt nach 3 bis 6 Monaten Behandlung keine Besserung ein, sollte laut Packungsbeilage und Fachinformation ein Absetzen in Erwägung gezogen werden [1, 2]. Bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen sollte laut Fachinformation allerdings eine Behandlungsdauer von mindestens 12 Monaten in Erwägung gezogen werden; ein Ansprechen kann dort erst nach drei bis vier Monaten erkennbar werden [2].
Die Dauer legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest [1].
Wann die Ärztin oder der Arzt die Behandlung unterbricht oder beendet
In diesen Situationen sehen Packungsbeilage und Fachinformation vor, die Behandlung zu unterbrechen, zu beenden oder ein Absetzen zu erwägen [1, 2]. Was für Sie gilt, entscheidet die Ärztin oder der Arzt. Warnzeichen, bei denen Sie selbst sofort handeln, stehen im Abschnitt Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen.
- Veränderungen des Blutbildes: Bei ersten Anzeichen einer abnormen Veränderung des Blutbildes sollte die Behandlung laut Fachinformation sofort unterbrochen werden, da die Zahl der weißen Blutkörperchen und der Blutplättchen auch nach dem Ende der Behandlung weiter abnehmen kann. Eine Unterdrückung des Knochenmarks ist bei rechtzeitigem Absetzen umkehrbar [2]. Ungeklärte blaue Flecken, Blutungen oder Anzeichen einer Infektion melden Sie laut Packungsbeilage umgehend Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt [1]. Mehr dazu: Blutungen und Blutbildveränderungen durch Medikamente.
- Überempfindlichkeitsreaktion: Als Behandlung reichen laut Fachinformation meist das sofortige Absetzen und, wenn nötig, Maßnahmen zur Unterstützung des Kreislaufs. Ob danach weiter mit Azathioprin behandelt wird, muss im Einzelfall sorgfältig abgewogen werden [2].
- Leber: Ein von der Dosis abhängiger Gallenstau und verschlechterte Leberwerte gehen laut Fachinformation nach dem Absetzen üblicherweise zurück. Bei seltenen, lebensbedrohlichen Leberschäden unter längerer Einnahme konnte in einigen Fällen durch das Absetzen eine vorübergehende oder anhaltende Erholung erreicht werden [1, 2]. Mehr dazu: Erhöhte Leberwerte und Leberschäden durch Medikamente.
- Lunge: Eine Lungenentzündung (Pneumonitis), die Atembeschwerden, Husten oder Fieber verursachen kann, ist laut Packungsbeilage nach dem Absetzen heilbar [1].
- Schwere Erkrankungen des Gehirns und des Immunsystems: Bei ersten Anzeichen einer progressiven multifokalen Leukoenzephalopathie (PML), einer schweren, durch das JC-Virus verursachten Erkrankung des Gehirns, sollte die immunsuppressive Behandlung laut Fachinformation beendet werden. Bestätigt sich ein posteriores reversibles Enzephalopathie-Syndrom (PRES), ist ein sofortiges Absetzen angezeigt; in der Mehrzahl der beschriebenen Fälle bildete es sich nach dem Absetzen und einer entsprechenden Behandlung vollständig zurück. Tritt ein Makrophagenaktivierungssyndrom auf oder wird es vermutet, eine lebensbedrohliche Erkrankung mit übermäßiger Aktivierung weißer Blutkörperchen, ist Azathioprin abzusetzen [1, 2].
- Windpocken und Gürtelrose: Waren Sie dem Erreger ausgesetzt oder sind Sie bereits infiziert, kann die Ärztin oder der Arzt laut Packungsbeilage und Fachinformation unter anderem die Behandlung unterbrechen [1, 2].
- Vitamin-B3-Mangel (Pellagra): Laut Fachinformation sind dann eine Verringerung der Dosis oder ein Absetzen zu erwägen [2].
Verhütung, Kinderwunsch und Schwangerschaft
Packungsbeilage und Fachinformation: Frauen und Männer im fortpflanzungsfähigen Alter sollten während der Behandlung verhüten [1, 2]. Für die Zeit nach dem Ende der Behandlung machen Packungsbeilage und Fachinformation unterschiedliche Angaben. Laut Packungsbeilage sollten Männer die Verhütung nach dem Ende ihrer Behandlung mindestens weitere 6 Monate fortführen [1]. Im Abschnitt zu Schwangerschaft und Stillzeit schreibt die Fachinformation, dass Männer während und bis 6 Monate nach Ende der Behandlung keine Kinder zeugen sollten [2]. Im Abschnitt zu den Warnhinweisen schreibt sie, dass männliche und weibliche Patienten im fortpflanzungsfähigen Alter während der Anwendung und bis mindestens 6 Monate nach Therapieende verhüten sollen [2]. Eine Spirale kann unter Azathioprin laut Packungsbeilage versagen; Sie sollten deshalb andere oder zusätzliche Verhütungsmethoden nutzen [1, 2]. Wenn Sie ein Kind planen, kontaktieren Sie laut Packungsbeilage unbedingt Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, als Frau wie als Mann [1].
In der Schwangerschaft dürfen Sie Azathioprin laut Packungsbeilage nur einnehmen, wenn Ihre Ärztin oder Ihr Arzt es für unbedingt erforderlich hält; informieren Sie sie oder ihn umgehend, wenn Sie schwanger werden [1]. Laut Fachinformation darf Azathioprin in der Schwangerschaft nur nach sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiko angewendet werden [2]. Bemerken Sie in der Schwangerschaft starken Juckreiz ohne Ausschlag, kontaktieren Sie laut Packungsbeilage sofort Ihre Ärztin oder Ihren Arzt; es kann sich um einen Gallenstau in der Schwangerschaft handeln [1]. Eine frühe Diagnose und das Absetzen können laut Fachinformation die Auswirkungen auf das ungeborene Kind verringern; Nutzen für die Mutter und Auswirkungen auf das Kind sind dann sorgfältig zu beurteilen [2].
Embryotox: Das Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie der Charité Universitätsmedizin Berlin schreibt, dass eine stabil auf Azathioprin eingestellte Patientin nicht umgestellt werden sollte. Im Allgemeinen ist laut Embryotox eine wirksame Krankheitskontrolle mit niedriger Krankheitsaktivität beziehungsweise eine gute Funktion des Transplantats eine wichtige Voraussetzung für einen ungestörten Schwangerschaftsverlauf. Von einer Neueinstellung in der Schwangerschaft rät Embryotox ab. Eine Behandlung des werdenden Vaters muss laut Embryotox weder bei Kinderwunsch noch während einer Schwangerschaft umgestellt werden [3]. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Beim Stillen weichen die Angaben voneinander ab: Laut Packungsbeilage und Fachinformation dürfen Sie während der Behandlung nicht stillen, laut Embryotox darf unter Azathioprin gestillt werden [1, 2, 3]. Besprechen Sie Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit rechtzeitig mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Mehr dazu: Medikamente in der Schwangerschaft.
Welche Beschwerden beim Absetzen auftreten können
Beschwerden, die durch das Absetzen von Azathioprin selbst entstehen, beschreiben Packungsbeilage und Fachinformation nicht [1, 2]. Was danach mit der Grunderkrankung geschehen kann, beschreiben die Quellen nur für Transplantationen sowie für Morbus Crohn und Colitis ulcerosa.
Nach einer Transplantation
Nach einer Transplantation von Niere, Leber, Herz, Lunge oder Bauchspeicheldrüse wird Azathioprin zusammen mit anderen Immunsuppressiva eingesetzt, um Abstoßungsreaktionen vorzubeugen [1, 2]. Ohne die unbegrenzte Behandlung kann es laut Packungsbeilage und Fachinformation zu einer Abstoßung des Transplantats kommen [1, 2].
Bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa
Nach dem Erreichen einer Remission, also einer Phase ohne Krankheitszeichen, besteht laut der S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) zum Morbus Crohn grundsätzlich das Risiko eines erneuten Schubes; für die einzelne Person ist es schwer abzuschätzen [11]. Das Beenden einer Behandlung kann bei längerfristig stabiler Remission laut Leitlinie zu weniger möglichen Nebenwirkungen beitragen. Dagegen steht das Risiko eines erneuten Schubes mit eventuell weiteren Komplikationen [11]. Die Daten aus Studien sprechen laut Leitlinie insgesamt eher für eine langfristige Fortführung der immunsuppressiven Behandlung; Vor- und Nachteile einer längerfristigen Behandlung mit Azathioprin müssen im Einzelfall besprochen und abgewogen werden [11].
Für die Colitis ulcerosa beschreibt die S3-Leitlinie der DGVS eine einzige randomisierte Studie: Darin traten bei Betroffenen in Remission ohne Kortison nach dem Absetzen von Azathioprin nach einem Jahr häufiger Rückfälle auf als bei fortgesetzter Behandlung. Das Beenden einer wirksamen remissionserhaltenden Behandlung ist laut Leitlinie eine individuelle Entscheidung, die nach intensiver Diskussion gemeinsam mit den Betroffenen getroffen werden sollte [12].
Bei anderen Erkrankungen
Für Autoimmunhepatitis, rheumatoide Arthritis, Lupus erythematodes, Multiple Sklerose, Myasthenia gravis und die übrigen Anwendungsgebiete beschreiben Packungsbeilage und Fachinformation nicht, was nach dem Absetzen mit der Grunderkrankung geschieht [1, 2]. Fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, woran Sie bei Ihrer Erkrankung erkennen, dass sie wieder aktiver wird.
Was nach dem Ende der Behandlung noch gilt
- Impfungen: Lebendimpfstoffe können bei Menschen mit geschwächter Abwehr zu Infektionen führen. Laut Fachinformation wird deshalb empfohlen, bis mindestens 3 Monate nach dem Ende der Behandlung keine Lebendimpfstoffe zu geben [2]. Dazu zählen laut Packungsbeilage zum Beispiel Impfstoffe gegen Tuberkulose (BCG), Pocken, Masern, Mumps und Röteln oder Gelbfieber [1].
- Verhütung: Männer sollten laut Packungsbeilage noch mindestens 6 Monate nach dem Ende der Behandlung verhüten [1]; laut den Warnhinweisen der Fachinformation sollen Frauen und Männer im fortpflanzungsfähigen Alter bis mindestens 6 Monate nach Therapieende verhüten [2].
- Blutbild: Die Zahl der weißen Blutkörperchen und der Blutplättchen kann laut Fachinformation auch nach dem Behandlungsende weiter abnehmen [2]. Fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, ob und wie lange danach noch Blutbildkontrollen nötig sind.
Wie Ärztinnen und Ärzte beim Absetzen vorgehen

Ein Schema zum Ausschleichen nennen Packungsbeilage und Fachinformation nicht [1, 2]. Laut Packungsbeilage sollte die Behandlung immer nur unter engmaschiger ärztlicher Überwachung beendet werden [1]. Genauer beschreiben es die Leitlinien der DGVS für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen:
- Dauer: Eine allgemeine Empfehlung zur Dauer einer remissionserhaltenden Behandlung mit Azathioprin kann laut den Leitlinien zu Morbus Crohn und Colitis ulcerosa wegen fehlender Belege nicht gegeben werden [11, 12]. Bei Morbus Crohn sollten Behandlung, Wahl des Mittels und Dauer laut Leitlinie unter Berücksichtigung des Krankheitsverlaufs, des persönlichen Risikoprofils, der bisherigen Behandlungen und der Wünsche der Betroffenen festgelegt werden [11].
- Voraussetzungen für ein Beenden: Besteht bei Morbus Crohn unter Azathioprin länger eine stabile Remission, ohne Kortison und ohne nachweisbare Entzündungszeichen, kann die Ärztin oder der Arzt laut Leitlinie ein Beenden der Behandlung erwägen [11]. Bei Colitis ulcerosa kann sie oder er bei langfristig stabiler Remission laut Leitlinie ein Beenden unter Berücksichtigung individueller Aspekte und mit engmaschigen Kontrollen erwägen [12].
- Untersuchung vorher: Vor dem Beenden einer remissionserhaltenden Behandlung sollte bei Morbus Crohn laut Leitlinie eine objektive, in der Regel endoskopische Beurteilung der Krankheitsaktivität erfolgen, also meist durch eine Spiegelung [11].
- Kombination mit TNF-α-Antikörpern: Wird Azathioprin bei Morbus Crohn zusammen mit TNF-α-Antikörpern gegeben, sollte nach Erreichen einer stabilen Remission wegen der erhöhten Nebenwirkungsrate laut Leitlinie eine Behandlung mit nur einem der beiden Mittel angestrebt werden [11].
Für die anderen Anwendungsgebiete nennen Packungsbeilage und Fachinformation nur die Zeiträume im Abschnitt oben [1, 2]. Wie Ihre Behandlung endet und welche Kontrollen danach folgen, legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest.
Wenn Sie eine Einnahme vergessen haben
Holen Sie eine vergessene Einnahme laut Packungsbeilage nicht nach und nehmen Sie nicht die doppelte Dosis, sondern bei der nächsten Einnahme nur die verordnete Menge. Haben Sie mehr als eine Einnahme vergessen, halten Sie Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt [1].
Was Sie tun können
Besprechen Sie das Absetzen vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Diese Fragen helfen, das Gespräch vorzubereiten:
- Wofür nehme ich Azathioprin, und wie lange ist die Behandlung geplant?
- Ist meine Erkrankung so stabil, dass ein Beenden infrage kommt, und welche Untersuchungen sind vorher nötig?
- Woran erkenne ich einen neuen Schub oder eine Abstoßung, und wen rufe ich dann an?
- Wie lange sind nach dem Absetzen noch Blutbildkontrollen nötig?
- Ab wann sind nach dem Ende der Behandlung Lebendimpfungen wieder möglich?
- Wir wünschen uns ein Kind: Was gilt für mich oder meinen Partner, und wie lange verhüten wir?
- Steht eine Operation an, und wer muss von der Behandlung wissen?
Weitere Fragen können Sie mit dem Werkzeug Fragen fürs Arztgespräch sammeln. Allgemeines zum Beenden einer Behandlung steht im Ratgeber Medikamente absetzen.
Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, wenden Sie sich an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke, auch bei Beschwerden, die nicht in der Packungsbeilage stehen. Sie können Nebenwirkungen auch direkt dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) melden [1]. Wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden.
Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen
Die Packungsbeilage nennt schwerwiegende Nebenwirkungen, bei denen Sie sofort Ihre Fachärztin oder Ihren Facharzt informieren oder sofort ein Krankenhaus aufsuchen; dazu gehört jedes Anzeichen von Fieber oder einer Infektion [1]. Sie stehen mit den übrigen Warnzeichen in der Liste unten. Unter Azathioprin besteht laut Packungsbeilage ein erhöhtes Risiko für Infektionen durch Viren, Pilze und Bakterien, die schwerer verlaufen können [1]. Telefonnummern finden Sie unter Notfall und Giftnotruf. Mehr dazu: Infektanfälligkeit durch Medikamente.
Quellen
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Azathioprin STADA 25 mg/50 mg Filmtabletten. STADAPHARM GmbH. Stand 01/2025. abgerufen am 11.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Azathioprin STADA 25 mg/50 mg Filmtabletten. STADAPHARM GmbH. Stand 02/2026. abgerufen am 11.10.2026
- Embryotox Embryotox: Azathioprin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 11.10.2026
- Behörde Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV), Anlage 1, Eintrag Azathioprin. Bundesministerium der Justiz (gesetze-im-internet.de). Stand 19.05.2026. abgerufen am 11.10.2026
- Leitlinie S3-Leitlinie Diagnostik und Therapie des Morbus Crohn, digitale Fassung (Empfehlungen 3.24, 5.2, 5.11, 5.14 und 5.15 mit Hintergrund). Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). Stand 03/2024. abgerufen am 16.10.2026
- Leitlinie S3-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Colitis ulcerosa, digitale Fassung (Empfehlungen 4.37 und 4.38 mit Hintergrund). Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). Stand 11/2025. abgerufen am 16.10.2026
Häufige Fragen
Kann ich Azathioprin einfach absetzen?
Nein. Laut Packungsbeilage sollte die Behandlung immer nur unter engmaschiger ärztlicher Überwachung beendet werden; wenn Sie sie unterbrechen oder beenden möchten, sprechen Sie vorher unbedingt mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Nach einer Organtransplantation muss die Behandlung unbegrenzt erfolgen, weil es sonst zu einer Abstoßung des Transplantats kommen kann. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.
Welche Nebenwirkungen hat das Absetzen von Azathioprin?
Absetzerscheinungen nennen Packungsbeilage und Fachinformation nicht. Nach einer Transplantation muss die Behandlung laut Packungsbeilage unbegrenzt erfolgen, da es sonst zu einer Abstoßung des Transplantats kommen kann; bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa beschreiben die Leitlinien der DGVS das Risiko eines erneuten Schubes. Einige Nebenwirkungen bilden sich laut Fachinformation nach dem Absetzen üblicherweise zurück, etwa ein Gallenstau mit verschlechterten Leberwerten; eine Lungenentzündung durch Azathioprin ist laut Packungsbeilage nach dem Absetzen heilbar.
Azathioprin absetzen oder ausschleichen?
Ein Schema zum Ausschleichen nennen Packungsbeilage und Fachinformation nicht; laut Packungsbeilage wird die Behandlung immer nur unter engmaschiger ärztlicher Überwachung beendet. Bei Morbus Crohn sollte laut Leitlinie der DGVS vor dem Beenden einer remissionserhaltenden Behandlung eine objektive, in der Regel endoskopische Beurteilung der Krankheitsaktivität erfolgen. Wie Ihre Behandlung endet, legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest.
Muss ich Azathioprin vor einer Operation absetzen?
Ein Absetzen vor einer Operation sehen Packungsbeilage und Fachinformation nicht vor. Sie müssen aber laut Packungsbeilage die Narkoseärztin oder den Narkosearzt vor der Operation über die Behandlung informieren, weil Muskelentspannungsmittel, die bei Operationen verwendet werden, mit Azathioprin in Wechselwirkung treten können. Ob die Behandlung rund um die Operation geändert wird, entscheidet Ihre behandelnde Ärztin oder Ihr behandelnder Arzt. Mehr dazu im Ratgeber Medikamente vor einer Operation.
Soll ich Azathioprin bei einer Erkältung oder einem Infekt absetzen?
Bei jedem Anzeichen von Fieber oder einer Infektion, etwa Halsschmerzen, Mundentzündung oder Beschwerden beim Wasserlassen, informieren Sie laut Packungsbeilage sofort Ihre Fachärztin oder Ihren Facharzt oder suchen sofort ein Krankenhaus auf. Waren Sie dem Erreger von Windpocken und Gürtelrose ausgesetzt, kann die Ärztin oder der Arzt laut Packungsbeilage unter anderem die Behandlung unterbrechen. Ob Azathioprin bei Ihrem Infekt pausiert wird, entscheidet die Ärztin oder der Arzt.
Wie lange wirkt Azathioprin nach dem Absetzen nach?
Eine Dauer nennen Packungsbeilage und Fachinformation dafür nicht. Laut Fachinformation kann die Zahl der weißen Blutkörperchen und der Blutplättchen auch nach dem Ende der Behandlung weiter abnehmen. Laut Fachinformation wird empfohlen, bis mindestens 3 Monate nach dem Behandlungsende keine Lebendimpfstoffe zu geben. Männer sollten laut Packungsbeilage noch mindestens 6 Monate nach dem Ende der Behandlung verhüten; laut den Warnhinweisen der Fachinformation sollen Frauen und Männer im fortpflanzungsfähigen Alter bis mindestens 6 Monate nach Therapieende verhüten.
Wie lange muss man Azathioprin nehmen?
Die Dauer legt laut Packungsbeilage Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest. Nach einer Transplantation muss die Behandlung unbegrenzt erfolgen. Bei Myasthenia gravis sollte sie laut Fachinformation über wenigstens 2 bis 3 Jahre fortgesetzt werden; bei Multipler Sklerose können wenigstens 2 Jahre erforderlich sein, bis die Krankheit unter Kontrolle ist. Für Morbus Crohn und Colitis ulcerosa kann laut den Leitlinien der DGVS wegen fehlender Belege keine allgemeine Empfehlung zur Dauer gegeben werden.
Muss ich Azathioprin bei Kinderwunsch absetzen?
Laut Packungsbeilage sollten Sie während der Behandlung nach Möglichkeit eine Schwangerschaft vermeiden, auch wenn nur Ihr Partner behandelt wird, und bei Kinderwunsch unbedingt Ihre Ärztin oder Ihren Arzt kontaktieren, als Frau wie als Mann; in der Schwangerschaft dürfen Sie Azathioprin nur einnehmen, wenn Ihre Ärztin oder Ihr Arzt es für unbedingt erforderlich hält. Embryotox schreibt, dass eine stabil auf Azathioprin eingestellte Patientin nicht umgestellt werden sollte und eine Behandlung des werdenden Vaters weder bei Kinderwunsch noch in der Schwangerschaft umgestellt werden muss. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
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