MedikamenteWirkstoff
Clindamycin: Nebenwirkungen und Wirkung
Clindamycin ist ein verschreibungspflichtiges Antibiotikum, das unter anderem bei Infektionen der Knochen und Gelenke, im Zahn- und Kieferbereich, im Hals-Nasen-Ohren-Bereich und an der Haut eingesetzt wird. Sehr häufig sind Magen-Darm-Beschwerden und Reizungen der Speiseröhre. Um diese Reizungen zu vermeiden, nehmen Sie die Kapseln mit mindestens einem großen Glas Wasser und mindestens 30 Minuten vor dem Hinlegen ein. Bei schweren, anhaltenden Durchfällen, auch bis zu 2 Monate nach der Behandlung, nehmen Sie umgehend Kontakt mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt auf.

Die häufigsten Nebenwirkungen
- Sehr häufig: Reizungen und Entzündung der Speiseröhre, Mundschleimhautentzündung, Durchfall, Bauchschmerzen, Erbrechen, Übelkeit; die Speiseröhrenentzündung tritt eher auf, wenn die Kapsel im Liegen oder ohne ausreichend Wasser eingenommen wird[1]
- Häufig: Durch die Antibiotikabehandlung ausgelöste Darmentzündung (pseudomembranöse Enterokolitis), unter anderem mit schweren, anhaltenden Durchfällen; sie kann lebensbedrohlich sein[1, 2]
- Häufig: Starke Verminderung (Agranulozytose) oder Verminderung (Neutropenie) bestimmter weißer Blutkörperchen, weniger Blutplättchen (Thrombozytopenie) und weniger weiße Blutkörperchen (Leukopenie)[1, 2]
- Häufig: Mehr Eosinophile, eine Art weißer Blutkörperchen (Eosinophilie)[1]
- Häufig: Fleckiger Hautausschlag mit kleinen, erhabenen Knötchen (makulopapulöses Exanthem), masernähnlicher Ausschlag, Nesselsucht[1]
- Häufig: Auffälliger Leberfunktionstest[1]
Wofür wird Clindamycin eingesetzt?
Clindamycin ist ein verschreibungspflichtiges Antibiotikum [1, 2]. Es wird bei akuten und chronischen bakteriellen Infektionen durch Erreger eingenommen, die auf Clindamycin ansprechen. Dazu gehören laut Packungsbeilage Infektionen der Knochen und Gelenke, des Hals-Nasen-Ohren-Bereichs, des Zahn- und Kieferbereichs, der tiefen Atemwege, des Becken- und Bauchraums, der weiblichen Geschlechtsorgane, der Haut und der Weichteile sowie Scharlach [1]. Bei schweren Krankheitsbildern sollte die Behandlung mit einer Infusion beginnen [1, 2]. Daneben gibt es Clindamycin in Zubereitungen zum Auftragen auf die Haut: Zindaclin 1 % Gel ist laut seiner Fachinformation zur Behandlung der leichten bis mittelschweren Akne vulgaris zugelassen und verschreibungspflichtig [4]; für das Gel gilt seine eigene Packungsbeilage. Mehr dazu auf der Seite Akne.
Clindamycin sollte bei akuten Atemwegsinfekten, die durch Viren verursacht sind, nicht angewendet werden. Zur Behandlung einer Hirnhautentzündung eignet es sich nicht, weil es im Hirnwasser keine ausreichenden Konzentrationen erreicht [1]. Bei einer Penicillin-Allergie kann Clindamycin unter Umständen eine Alternative sein [1]. Wie Sie Antibiotika richtig anwenden, erklärt der Ratgeber Antibiotika richtig einnehmen; mehr zu Zahnbeschwerden finden Sie unter Zahnschmerzen.
Wie wirkt Clindamycin?
Clindamycin ist ein halbsynthetisches Pyranosid; diese Stoffgruppe ist mit anderen bekannten Antibiotika nicht verwandt. Es bindet an einen Teil der bakteriellen Ribosomen, die 50S-Untereinheit, und hemmt so die Herstellung von Eiweißen in den Bakterien. Meist ist die Wirkung bakteriostatisch: Die Bakterien werden an ihrer Vermehrung gehindert [2]. Für die Wirksamkeit kommt es vor allem darauf an, wie lange der Wirkstoffspiegel über der Konzentration liegt, die die Erreger hemmt [2].
Nach der Einnahme wird Clindamycin rasch und nahezu vollständig aufgenommen. Die höchste Konzentration im Blut ist nüchtern nach etwa 45 bis 60 Minuten erreicht, nach einer Mahlzeit nach etwa 2 Stunden. Clindamycin dringt gut in die Gewebe ein und erreicht hohe Konzentrationen im Knochen; es passiert die Plazenta und geht in die Muttermilch über. Die Halbwertszeit beträgt bei Erwachsenen etwa 3 Stunden, bei Kindern etwa 2 Stunden; abgebaut wird Clindamycin überwiegend in der Leber [2].
Nebenwirkungen nach Häufigkeit
Unten stehen alle Nebenwirkungen, für die die Packungsbeilage eine Häufigkeit angibt. "Sehr häufig" heißt: mehr als 1 von 10 Behandelten, "häufig" bis zu 1 von 10, "gelegentlich" bis zu 1 von 100, "selten" bis zu 1 von 1.000 und "sehr selten" bis zu 1 von 10.000; bei "nicht bekannt" lässt sich die Häufigkeit aus den vorliegenden Daten nicht abschätzen [1]. Wie Sie solche Angaben lesen, erklärt der Ratgeber Beipackzettel verstehen.
Am häufigsten betreffen die Nebenwirkungen Speiseröhre, Magen und Darm [1]. Laut Fachinformation kann sich unter Clindamycin häufig eine pseudomembranöse Kolitis entwickeln, eine durch das Antibiotikum ausgelöste Darmentzündung; sofort nach der Diagnose ist von ärztlicher Seite ein Abbruch der Behandlung zu erwägen und eine angemessene Behandlung einzuleiten [2]. Allergische Reaktionen treten teilweise schon nach der ersten Anwendung auf [1, 2]. Mehr zu Durchfall durch Medikamente lesen Sie auf der Seite Durchfall.
Sehr häufigkann mehr als 1 von 10 Behandelten betreffen
- Magen und DarmReizungen und Entzündung der Speiseröhre, Mundschleimhautentzündung, Durchfall, Bauchschmerzen, Erbrechen, Übelkeit; die Speiseröhrenentzündung tritt eher auf, wenn die Kapsel im Liegen oder ohne ausreichend Wasser eingenommen wird[1]Mehr dazu: DurchfallBauchschmerzenErbrechenÜbelkeit
Häufigkann bis zu 1 von 10 Behandelten betreffen
- InfektionenDurch die Antibiotikabehandlung ausgelöste Darmentzündung (pseudomembranöse Enterokolitis), unter anderem mit schweren, anhaltenden Durchfällen; sie kann lebensbedrohlich sein[1, 2]Mehr dazu: Durchfall
- Blut und LymphsystemStarke Verminderung (Agranulozytose) oder Verminderung (Neutropenie) bestimmter weißer Blutkörperchen, weniger Blutplättchen (Thrombozytopenie) und weniger weiße Blutkörperchen (Leukopenie)[1, 2]Mehr dazu: Veränderungen des Blutbilds
- Blut und LymphsystemMehr Eosinophile, eine Art weißer Blutkörperchen (Eosinophilie)[1]Mehr dazu: Veränderungen des Blutbilds
- HautFleckiger Hautausschlag mit kleinen, erhabenen Knötchen (makulopapulöses Exanthem), masernähnlicher Ausschlag, Nesselsucht[1]Mehr dazu: HautausschlagNesselsucht
- Laborwerte und UntersuchungenAuffälliger Leberfunktionstest[1]Mehr dazu: Leberschäden und erhöhte Leberwerte
Gelegentlichkann bis zu 1 von 100 Behandelten betreffen
- NervensystemStörungen des Geschmacksempfindens; Blockade der Übertragung von Nervenreizen auf die Muskeln (neuromuskulär blockierende Wirkung)[1]Mehr dazu: Geschmacksstörungen
Seltenkann bis zu 1 von 1.000 Behandelten betreffen
- HautLebensbedrohliche Erkrankung der Haut, teilweise mit Blasenbildung, Absterben der obersten Hautschichten oder großflächiger Ablösung der Haut (toxisch-epidermale Nekrolyse); weitere Erkrankungen der Haut: Stevens-Johnson-Syndrom, Lyell-Syndrom, exfoliative oder bullöse Dermatitis, Erythema multiforme[1, 2]Mehr dazu: Schwere HautreaktionenHautausschlag
- HautSchwellungen von Haut und Schleimhaut (Quincke-Ödem, Angioödem)[1, 2]Mehr dazu: Schwellungen von Gesicht, Zunge oder RachenAllergische Reaktionen
- ImmunsystemArzneimittelfieber[1, 2]Mehr dazu: Fieber
- HautJuckreiz[1]Mehr dazu: Juckreiz
- HautEntzündungen der Scheide[1, 2]
Sehr seltenkann bis zu 1 von 10.000 Behandelten betreffen
- ImmunsystemAllergische (anaphylaktische) Reaktion[1]Mehr dazu: Allergische Reaktionen
- Leber und GalleVorübergehende Leberentzündung mit Gelbsucht durch Gallestau[1]Mehr dazu: Leberschäden und erhöhte Leberwerte
- HautAusschlag und Blasenbildung (Überempfindlichkeitsreaktionen)[1]Mehr dazu: HautausschlagAllergische Reaktionen
- Muskeln, Knochen und GelenkeEntzündungen mehrerer Gelenke (Polyarthritis)[1]Mehr dazu: Gelenkschmerzen
Nicht bekanntHäufigkeit nicht abschätzbar oder in der Quelle nicht angegeben
- InfektionenDarmentzündung durch Clostridioides difficile (Clostridioides-difficile-Kolitis)[1, 2]
- ImmunsystemAnaphylaktischer Schock (Kreislaufversagen bei einer Überempfindlichkeitsreaktion), anaphylaktoide Reaktion, Überempfindlichkeit[1]Mehr dazu: Allergische ReaktionenNiedriger Blutdruck
- HautMedikamentenausschlag mit Eosinophilie und systemischen Symptomen (DRESS), akut generalisierendes pustulöses Exanthem (AGEP)[1]Mehr dazu: Schwere HautreaktionenHautausschlag
- Nieren und HarnwegeWassereinlagerungen mit Schwellungen in Beinen, Knöcheln oder Füßen, Kurzatmigkeit oder Übelkeit als mögliche Zeichen einer akuten Nierenschädigung[1, 2]Mehr dazu: NierenfunktionsstörungenWassereinlagerungenAtemnotÜbelkeit
- InfektionenInfektionen der Scheide[1]
- NervensystemSchwindel, Schläfrigkeit, Kopfschmerzen[1]Mehr dazu: SchwindelMüdigkeitKopfschmerzen
- Magen und DarmGeschwür der Speiseröhre, eher bei Einnahme im Liegen oder ohne ausreichend Wasser[1]
- Leber und GalleGelbsucht[1]Mehr dazu: Leberschäden und erhöhte Leberwerte
Eine Häufigkeit sagt, wie oft eine Beschwerde während der Behandlung beobachtet wurde. Sie sagt nicht, dass das Medikament sie verursacht hat.
Wann Sie ärztliche Hilfe brauchen
Bei schweren akuten Überempfindlichkeitsreaktionen wie einem anaphylaktischen Schock muss die Behandlung sofort abgebrochen und eine Notfallbehandlung eingeleitet werden [1]. Bei Anzeichen einer Überempfindlichkeit oder schweren Hautreaktion nehmen Sie umgehend Kontakt mit Ihrer behandelnden Ärztin oder Ihrem behandelnden Arzt auf [1]. Mehr dazu auf der Seite Arzneimittelallergie.
Was Sie bei Nebenwirkungen tun können

Speiseröhre schützen: Reizungen und Entzündungen der Speiseröhre sind sehr häufig; Entzündungen und Geschwüre treten eher auf, wenn die Kapsel im Liegen oder ohne ausreichend Wasser eingenommen wird [1]. Um Reizungen zu vermeiden, schlucken Sie die Kapseln im Ganzen mit mindestens einem großen Glas Wasser und mindestens 30 Minuten vor dem Hinlegen [1].
Durchfall, Übelkeit, Bauchschmerzen: Diese Beschwerden sind sehr häufig [1]. Schwere, anhaltende Durchfälle während oder bis zu 2 Monate nach der Behandlung können auf eine Darmentzündung hinweisen, die lebensbedrohlich sein kann (pseudomembranöse Enterokolitis): Nehmen Sie Clindamycin dann nicht weiter ein, melden Sie sich umgehend ärztlich und nehmen Sie keine Mittel, die die Darmbewegung hemmen [1].
Pilze und andere Erreger: Langfristige und wiederholte Einnahme kann auf Haut und Schleimhäuten zu einer Ansteckung mit Erregern führen, gegen die Clindamycin unwirksam ist, und zu einer Besiedlung mit Sprosspilzen; Entzündungen und Infektionen der Scheide sind als Nebenwirkungen beschrieben [1]. Sprechen Sie dann mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt [1]. Welche Wirkstoffe eine bestimmte Beschwerde auslösen können, zeigt der Nebenwirkungs-Finder.
Wechselwirkungen
Informieren Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke über alle Arzneimittel, die Sie einnehmen [1]. Clindamycin kann die Wirkung muskelentspannender Mittel verstärken, wie sie bei Operationen eingesetzt werden; dadurch können unerwartete, lebensbedrohliche Zwischenfälle auftreten. Sagen Sie deshalb vor einer Operation Bescheid [1]. Bei Warfarin und gleichartigen Blutverdünnern können Blutungen wahrscheinlicher werden; Rifampicin kann die Clindamycin-Spiegel senken [1].
| Zusammen mit | Was passieren kann | Hinweis |
|---|---|---|
| Erythromycin-haltige Arzneimittel | Gegenseitige Wirkungsverminderung nicht auszuschließen[1] | Möglichst nicht zusammen geben |
| Lincomycin | Kreuzresistenz der Erreger[1] | Ärztin oder Arzt informieren |
| Muskelrelaxanzien (Mittel zur Muskelerschlaffung, z. B. bei Narkosen wie Ether, Tubocurarin, Pancuroniumhalogenid) | Wirkung kann verstärkt werden; bei Operationen sind unerwartete, lebensbedrohliche Zwischenfälle möglich[1] | Vorsichtige Anwendung; vor Operationen Bescheid geben |
| Warfarin und gleichartige Blutverdünner | Blutungen können wahrscheinlicher werden[1] | Regelmäßige Kontrolle der Blutgerinnung kann nötig sein |
| Rifampicin | Zu niedrige Clindamycin-Spiegel möglich[1] | Wirksamkeit durch regelmäßige Blutspiegelkontrollen überprüfen lassen |
| Mittel, die den Abbau von Clindamycin in der Leber beeinflussen | Wirkung von Clindamycin kann abgeschwächt oder verstärkt werden[1, 2] | Ärztin oder Arzt über alle Arzneimittel informieren |
Die Liste nennt die wichtigsten Wechselwirkungen aus der Produktinformation, nicht alle. Welche Mittel Sie zusammen einnehmen können, klären Sie am besten mit Ihrer Apotheke, auch bei rezeptfreien und pflanzlichen Mitteln.
Wer Clindamycin nicht oder nur mit Vorsicht nehmen sollte
Bei einer Allergie gegen Clindamycin oder Lincomycin dürfen Sie Clindamycin nicht einnehmen [1, 2]. Bei eingeschränkter Leberfunktion, Störungen der Übertragung von Nervenreizen auf die Muskeln, Magen-Darm-Erkrankungen in der Vorgeschichte, Neigung zu Überempfindlichkeitsreaktionen, Allergien oder Asthma nehmen Sie Clindamycin erst nach Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ein, auch wenn diese Angaben früher einmal zutrafen [1]. Über die weiteren Punkte unten sprechen Sie vor der Einnahme ebenfalls mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke [1]. Dauert die Behandlung länger als 10 Tage, werden Blutbild, Leber- und Nierenwerte überwacht [1].
Nicht einnehmen bei
Besondere Vorsicht bei
- Eingeschränkte Leberfunktion[1]
- Störungen der Übertragung von Nervenreizen auf die Muskeln, etwa Myasthenia gravis oder Parkinson-Krankheit[1]
- Magen-Darm-Erkrankungen in der Vorgeschichte, etwa frühere Dickdarmentzündungen[1]
- Neigung zu Überempfindlichkeitsreaktionen (Atopie), Allergien und Asthma[1]
- Penicillin-Allergie: Eine Kreuzallergie ist nicht bekannt und nicht zu erwarten, in Einzelfällen wurde aber eine Anaphylaxie auch auf Clindamycin bei bestehender Penicillin-Allergie beschrieben[1]
- Virusbedingte akute Atemwegsinfektionen: Clindamycin sollte nicht angewendet werden; zur Behandlung einer Hirnhautentzündung ungeeignet[1]
- Langfristige und wiederholte Einnahme: Infektionen mit unempfindlichen Erregern oder Besiedlung mit Sprosspilzen auf Haut und Schleimhäuten möglich; bei Behandlung über mehr als 10 Tage Kontrolle von Blutbild, Leber- und Nierenwerten[1]
- Nierenprobleme und andere eingenommene Medikamente der Ärztin oder dem Arzt mitteilen: Akute Nierenerkrankungen können auftreten[1]
Alkohol, Autofahren, Schwangerschaft
Die Karten fassen zusammen, was die Packungsbeilage und das Beratungszentrum Embryotox der Charité zu Alltag, Schwangerschaft und Stillzeit sagen [1, 3]. Zu Alkohol enthalten Packungsbeilage und Fachinformation keinen Hinweis [1, 2]. Packungsbeilage und Embryotox bewerten die Stillzeit unterschiedlich; die Entscheidung trifft Ihre Ärztin oder Ihr Arzt [1, 3]. Untersuchungen am Menschen zur Wirkung auf die Fruchtbarkeit liegen nicht vor; Tierstudien zeigten keine Störungen [1].
Schwangerschaft
In einer großen Studie mit etwa 650 Neugeborenen, deren Mütter im ersten Schwangerschaftsdrittel Clindamycin erhalten hatten, zeigte sich kein Anstieg an Fehlbildungen; die Datenlage zur Sicherheit in der Schwangerschaft ist trotzdem unzureichend. Clindamycin passiert die Plazenta. Nutzen und Risiko müssen sorgfältig abgewogen werden.[1]
Embryotox bewertet Clindamycin als Antibiotikum der 2. Wahl in der Schwangerschaft; bei einer bakteriellen Vaginose ist die Anwendung laut Embryotox leitliniengerecht in allen Phasen vertretbar. Als besser geeignete Alternativen nennt Embryotox Penicilline, Cephalosporine und gegebenenfalls Makrolide. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.[3]
Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.
Stillzeit
Clindamycin geht in die Muttermilch über. Beim gestillten Säugling sind Auswirkungen auf die Magen-Darm-Flora wie Durchfälle oder Blut im Stuhl, Sensibilisierung, Hautausschlag und Pilzbesiedlung der Schleimhäute nicht auszuschließen. Wegen der Gefahr schwerwiegender Nebenwirkungen beim gestillten Säugling sollen stillende Mütter Clindamycin laut Packungsbeilage nicht einnehmen.[1]
Embryotox nennt Penicilline, Cephalosporine und Makrolide als bevorzugte Antibiotika; ist Clindamycin angezeigt, kann laut Embryotox auch darunter gestillt werden. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.[3]
Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.
Autofahren und Maschinen
Clindamycin hat geringe bis mäßige Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit: Nebenwirkungen wie Schwindel und Schläfrigkeit können Konzentration und Reaktionszeit beeinflussen, auch beim Bedienen von Maschinen und beim Arbeiten ohne sicheren Halt.[1]
Einnahme
Die Hartkapseln im Ganzen mit ausreichend Flüssigkeit, mindestens einem großen Glas Wasser, und mindestens 30 Minuten vor dem Hinlegen einnehmen, um Reizungen der Speiseröhre zu vermeiden. Die Behandlungsdauer hängt von der Grunderkrankung und dem Verlauf ab.[1]
Einnahme vergessen: Eine einmal vergessene Einnahme führt in der Regel zu keinen Krankheitszeichen; die Einnahme wird unverändert fortgesetzt, eine am Vortag vergessene Dosis wird nicht nachgeholt. Clindamycin wirkt nur sicher und ausreichend, wenn es regelmäßig eingenommen wird.[1]
Absetzen
Setzen Sie Clindamycin keinesfalls ohne Rückfrage ab; bei Nebenwirkungen bespricht die Ärztin oder der Arzt mit Ihnen Gegenmaßnahmen und andere Behandlungsmöglichkeiten.[1]
Überdosierung
Informieren Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, wenn Sie zu viel eingenommen haben. Überdosierungserscheinungen wurden bisher nicht beobachtet; ein spezielles Gegenmittel ist nicht bekannt, Blutwäsche ist nicht wirksam.[1]
Dosierung laut Packungsbeilage
Die Packungsbeilage nennt eine Tagesmenge für Erwachsene und Jugendliche über 14 Jahre und Hinweise für Kinder sowie für Leber- und Nierenerkrankungen [1]. Die Übersicht gibt diese Angaben wieder und ersetzt nicht die Verordnung. Welche Dosis für Sie oder Ihr Kind richtig ist, legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest [1].
Einnahme und Absetzen
Nehmen Sie Clindamycin immer genau nach Absprache mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke ein, im Ganzen mit mindestens einem großen Glas Wasser und mindestens 30 Minuten vor dem Hinlegen. Die Dauer der Behandlung hängt von der Grunderkrankung und dem Krankheitsverlauf ab [1]. Haben Sie eine Einnahme vergessen, führen Sie die Einnahme unverändert fort; eine am Vortag vergessene Dosis wird nicht nachgeholt. Clindamycin wirkt nur sicher und ausreichend, wenn es regelmäßig eingenommen wird [1].
Setzen Sie Clindamycin keinesfalls ohne Rückfrage ab; bei Nebenwirkungen bespricht Ihre Ärztin oder Ihr Arzt mit Ihnen, welche Gegenmaßnahmen und anderen Arzneimittel infrage kommen [1]. Haben Sie zu viel eingenommen, informieren Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt; Überdosierungserscheinungen wurden bisher nicht beobachtet [1]. Telefonnummern finden Sie unter Notfall und Giftnotruf.
Präparate mit Clindamycin
Clindamycin gibt es von mehreren Herstellern als Hartkapseln und Filmtabletten in verschiedenen Stärken, als Lösung zur Injektion oder Infusion und zur Anwendung auf Haut und Schleimhaut [1, 3]. Grundlage dieser Seite sind Packungsbeilage und Fachinformation von Clindamycin-ratiopharm 300 mg Hartkapseln [1, 2]. Weitere Präparatenamen nennt das Beratungszentrum Embryotox [3].
| Präparat | Anbieter | Hinweis |
|---|---|---|
| Clindamycin-ratiopharm | ratiopharm GmbH | verschreibungspflichtig; Hartkapseln mit 300 mg, Filmtabletten mit 600 mg, Injektionslösung; Grundlage dieser Seite (Hartkapseln) |
| Sobelin | verschreibungspflichtig |
Auswahl ohne Wertung. Präparate mit demselben Wirkstoff können sich in Stärke, Hilfsstoffen und zugelassenen Anwendungsgebieten unterscheiden. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.
Quellen
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Clindamycin-ratiopharm 300 mg Hartkapseln. ratiopharm GmbH. Stand 03/2026. abgerufen am 10.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Clindamycin-ratiopharm 300 mg Hartkapseln. ratiopharm GmbH. Stand 03/2026. abgerufen am 10.10.2026
- Embryotox Embryotox: Clindamycin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 10.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Zindaclin 1 % Gel (Clindamycinphosphat). INFECTOPHARM Arzneimittel und Consilium GmbH. Stand 12/2020. abgerufen am 18.10.2026
Häufige Fragen
Wofür wird Clindamycin eingesetzt?
Clindamycin behandelt akute und chronische bakterielle Infektionen durch Clindamycin-empfindliche Erreger, etwa Infektionen der Knochen und Gelenke, des Hals-Nasen-Ohren-Bereichs, des Zahn- und Kieferbereichs, der tiefen Atemwege, des Becken- und Bauchraums, der weiblichen Geschlechtsorgane, der Haut und der Weichteile sowie Scharlach. Bei schweren Krankheitsbildern sollte die Behandlung als Infusion beginnen.
Warum bekomme ich von Clindamycin Durchfall?
Durchfall gehört zu den sehr häufigen Nebenwirkungen und kann mehr als 1 von 10 Behandelten betreffen. Häufig (bei bis zu 1 von 10) kann sich eine durch die Antibiotikabehandlung ausgelöste Darmentzündung mit schweren, anhaltenden Durchfällen entwickeln (pseudomembranöse Enterokolitis), die lebensbedrohlich sein kann. Bei schweren, anhaltenden Durchfällen während oder bis zu 2 Monate nach der Behandlung nehmen Sie Clindamycin nicht weiter ein und wenden sich umgehend an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt. Mittel, die die Darmbewegung hemmen, dürfen Sie dann nicht einnehmen.
Kann ich Clindamycin bei einer Penicillin-Allergie nehmen?
Laut Packungsbeilage ist Clindamycin unter Umständen eine mögliche Alternative bei Penicillin-Allergie. Eine Kreuzallergie ist nicht bekannt und wegen der unterschiedlichen Struktur nicht zu erwarten. In Einzelfällen wurde aber auch eine Anaphylaxie gegen Clindamycin bei Menschen mit Penicillin-Allergie beschrieben; sagen Sie Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt deshalb Bescheid.
Wie nehme ich Clindamycin richtig ein?
Schlucken Sie die Kapseln im Ganzen mit ausreichend Flüssigkeit, mindestens einem großen Glas Wasser, und mindestens 30 Minuten vor dem Hinlegen. So lassen sich laut Packungsbeilage Reizungen der Speiseröhre vermeiden; Entzündungen und Geschwüre der Speiseröhre treten eher auf, wenn die Kapsel im Liegen oder ohne ausreichend Wasser eingenommen wird.
Darf ich Alkohol trinken, wenn ich Clindamycin nehme?
Packungsbeilage und Fachinformation von Clindamycin-ratiopharm enthalten keinen Hinweis zu Alkohol. Schwindel und Schläfrigkeit sind mögliche Nebenwirkungen. Ob Alkohol während Ihrer Behandlung infrage kommt, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke.
Wirkt die Pille, wenn ich Clindamycin nehme?
Packungsbeilage und Fachinformation von Clindamycin-ratiopharm nennen keine Wechselwirkung mit hormonellen Verhütungsmitteln. Durchfall und Erbrechen sind aber sehr häufige Nebenwirkungen. Was das für Ihre Verhütung bedeutet, steht in der Packungsbeilage Ihrer Pille; mehr dazu im Ratgeber Pille und Antibiotika.
Darf ich Clindamycin in Schwangerschaft und Stillzeit nehmen?
In der Schwangerschaft müssen Nutzen und Risiko sorgfältig abgewogen werden; die Datenlage ist laut Packungsbeilage unzureichend, eine große Studie zeigte aber keinen Anstieg an Fehlbildungen. Embryotox bewertet Clindamycin als Antibiotikum der 2. Wahl. In der Stillzeit sollen Mütter Clindamycin laut Packungsbeilage nicht einnehmen; Embryotox hält Stillen für möglich, wenn Clindamycin angezeigt ist. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Wie hoch ist die Dosis von Clindamycin?
Die Dosis legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest; sie richtet sich nach Ort und Schweregrad der Infektion. Für Kinder bis 14 Jahre gibt es Arzneimittel mit geringerem Wirkstoffgehalt. Die Angaben der Packungsbeilage finden Sie weiter oben im Abschnitt "Dosierung laut Packungsbeilage".
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
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