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Pyridostigmin: Nebenwirkungen und Wirkung
Pyridostigmin ist ein verschreibungspflichtiger Cholinesterasehemmer zur Behandlung der krankhaften Muskelschwäche Myasthenia gravis bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Mögliche Nebenwirkungen sind unter anderem Übelkeit, Durchfall, Bauchkrämpfe, vermehrter Speichelfluss, Schwitzen und Muskelzucken; die Packungsbeilage gibt für fast alle die Häufigkeit "nicht bekannt" an. Eine Überdosierung kann eine cholinerge Krise mit zunehmender Muskelschwäche bis zur Atemlähmung auslösen. Verständigen Sie dann in jedem Fall sofort eine Ärztin oder einen Arzt.

Wofür wird Pyridostigmin eingesetzt?
Pyridostigmin ist ein verschreibungspflichtiger Wirkstoff aus der Gruppe der Cholinesterasehemmer [1, 2, 4]. Er wird bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen zur Behandlung der krankhaften Muskelschwäche Myasthenia gravis angewendet [1, 2]. Mehr über die Erkrankung lesen Sie auf der Seite Myasthenia gravis.
Die Packungsbeilage betont, dass die Dosis individuell bestimmt wird: nach der Schwere der Erkrankung und danach, wie die Behandlung anspricht [1]. Nach einer operativen Entfernung der Thymusdrüse (Thymektomie) kann eine geringere Dosis notwendig sein, ebenso bei gleichzeitiger Einnahme von Kortison oder anderen Mitteln, die das Immunsystem dämpfen [1, 2]. Grundlage dieser Seite sind Packungsbeilage und Fachinformation von Pyridostigmin STADA 60 mg überzogene Tabletten [1, 2].
Wie wirkt Pyridostigmin?
Pyridostigmin hemmt den Abbau von Acetylcholin. Dieser körpereigene Botenstoff überträgt Nervenimpulse auf die Muskulatur. Bleibt mehr Acetylcholin erhalten, wird seine Wirkung verstärkt, und bei krankhafter Muskelschwäche verbessert sich die Leistung der Muskeln [1]. Laut Fachinformation hemmt Pyridostigmin dafür das Enzym Acetylcholinesterase umkehrbar und erhöht so die Konzentration von Acetylcholin an der Verbindung zwischen Nerv und Skelettmuskel [2].
Pyridostigmin passiert die Blut-Hirn-Schranke nicht. Die Wirkung setzt im Allgemeinen nach 30 bis 60 Minuten ein und hält länger an als die von Neostigmin; die muskarinergen Wirkungen und das Risiko entsprechender Nebenwirkungen sind laut Fachinformation schwächer ausgeprägt als bei Neostigmin [2]. Beim Einnehmen werden nur etwa 22 bis 25 Prozent des Wirkstoffs aufgenommen, mit großen Unterschieden zwischen einzelnen Menschen; ausgeschieden wird Pyridostigmin überwiegend über die Nieren [2].
Nebenwirkungen nach Häufigkeit
Für fast alle Nebenwirkungen gibt die Packungsbeilage die Häufigkeit "nicht bekannt" an: Sie lässt sich aus den vorliegenden Daten nicht abschätzen. Nur Hautausschlag ist als "selten" eingestuft, also bei bis zu 1 von 1.000 Behandelten [1, 2]. Wie Sie solche Angaben lesen, erklärt der Ratgeber Beipackzettel verstehen.
Laut Packungsbeilage treten die Nebenwirkungen in der Regel abhängig von der Dosis auf: Meist bei höheren Dosen sind vor allem Schweißausbrüche, vermehrter Speichel- und Tränenfluss, vermehrte Bronchialsekretion, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Bauchkrämpfe, verstärkter Harndrang, Muskelzittern, Muskelkrämpfe, Muskelschwäche und Störungen der Anpassung des Auges an das Sehen in der Nähe und in der Ferne möglich. Nach noch höheren Dosen kann sich der Herzschlag verlangsamen, und es können unerwünschte Herz-Kreislauf-Reaktionen sowie ein zu niedriger Blutdruck auftreten [1, 2].
Die Fachinformation ordnet die Nebenwirkungen zwei Wirkrichtungen zu: muskarinerge Wirkungen wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Bauchkrämpfe, vermehrte Darmtätigkeit, vermehrte Bronchialsekretion, vermehrter Speichelfluss, verlangsamter Herzschlag und enge Pupillen sowie nikotinerge Wirkungen an der Muskulatur wie Muskelkrämpfe, Muskelzucken und Muskelschwäche [2]. Liegen hirnorganische Veränderungen vor, können psychische Symptome bis hin zu einer Psychose auftreten [1, 2]. Mehr zu einzelnen Beschwerden lesen Sie auf den Seiten Durchfall und Schwitzen.
Seltenkann bis zu 1 von 1.000 Behandelten betreffen
- HautHautausschlag; er klingt gewöhnlich nach dem Absetzen ab. Bromidhaltige Arzneimittel sollten dann nicht verwendet werden[1, 2]Mehr dazu: Hautausschlag
Nicht bekanntHäufigkeit nicht abschätzbar oder in der Quelle nicht angegeben
- ImmunsystemÜberempfindlichkeit gegen das Arzneimittel (Allergien)[1, 2]Mehr dazu: Allergische Reaktionen
- NervensystemOhnmacht (Synkope)[1, 2]
- AugenVerengung der Pupillen (Miosis) und verstärkte Tränenbildung[1, 2]
- AugenSehstörungen, zum Beispiel verschwommenes Sehen (laut Fachinformation Akkommodationsstörungen)[1, 2]Mehr dazu: Sehstörungen
- HerzHerzrhythmusstörungen (zum Beispiel Herzrasen), beschleunigter Puls, verlangsamter Herzschlag, Störungen der Erregungsleitung im Herzen (AV-Block) und Verkrampfungen der Herzkranzgefäße (Prinzmetal-Angina)[1, 2]Mehr dazu: HerzrhythmusstörungenHerzrasenVerlangsamter Herzschlag
- Gefäße und KreislaufHitzegefühl[1, 2]Mehr dazu: Hitzewallungen
- Gefäße und KreislaufNiedriger Blutdruck[1, 2]Mehr dazu: Niedriger Blutdruck
- AtemwegeVermehrte Schleimbildung in den Bronchien mit einer Verengung der Atemwege; bei Asthma können Atembeschwerden auftreten[1, 2]Mehr dazu: Atemnot
- Magen und DarmÜbelkeit, Erbrechen, Durchfall[1, 2]Mehr dazu: ÜbelkeitErbrechenDurchfall
- Magen und DarmErhöhte Magen-Darm-Tätigkeit und Bauchbeschwerden (zum Beispiel Schmerzen, Krämpfe)[1, 2]Mehr dazu: Bauchschmerzen
- Magen und DarmVermehrter Speichelfluss[1, 2]
- HautÜbermäßiges Schwitzen[1, 2]Mehr dazu: Vermehrtes Schwitzen
- HautNesselsucht (Urtikaria)[1, 2]Mehr dazu: Nesselsucht
- Muskeln, Knochen und GelenkeVerstärkte Muskelschwäche und erniedrigte Muskelspannung[1, 2]Mehr dazu: Muskelschwäche
- Muskeln, Knochen und GelenkeUnwillkürliches Muskelzucken, Muskelzittern und Muskelkrämpfe[1, 2]Mehr dazu: ZitternMuskelschmerzen
- Nieren und HarnwegeVerstärkter Harndrang[1, 2]Mehr dazu: Häufiges Wasserlassen
Eine Häufigkeit sagt, wie oft eine Beschwerde während der Behandlung beobachtet wurde. Sie sagt nicht, dass das Medikament sie verursacht hat.
Wann Sie ärztliche Hilfe brauchen
Ausgeprägte oder zunehmende Muskelschwäche kann laut Fachinformation sowohl bei einer Überdosierung von Pyridostigmin (cholinerge Krise) als auch bei einer Verschlechterung der Myasthenie (myasthene Krise) auftreten. Beide müssen voneinander unterschieden werden: Bei einer myasthenen Krise kann eine intensivere Behandlung mit einem Cholinesterasehemmer erforderlich werden, bei einer cholinergen Krise wird Pyridostigmin sofort abgesetzt, und es werden unterstützende Maßnahmen einschließlich Beatmung eingeleitet [2]. Eine cholinerge Krise macht eine intensivmedizinische Überwachung erforderlich; wird sie nicht erkannt, besteht wegen einer Lähmung der Atemmuskulatur Lebensgefahr [2].
Was Sie bei Nebenwirkungen tun können

Laut Fachinformation können die genannten Nebenwirkungen auch Zeichen einer Überdosierung oder einer cholinergen Krise sein; ihre Ursache muss deshalb unbedingt abgeklärt werden [2]. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wenn Sie solche Beschwerden bemerken, und ändern Sie die Dosis nicht selbst; nehmen Sie Pyridostigmin immer genau nach Absprache ein [1].
Ein Hautausschlag klingt laut Packungsbeilage gewöhnlich nach dem Absetzen ab; bromidhaltige Arzneimittel sollten dann nicht verwendet werden [1, 2]. Pyridostigmin kann außerdem das Sehen beeinflussen (laut Fachinformation durch enge Pupillen oder Störungen der Scharfeinstellung des Auges) und so die Verkehrstüchtigkeit beeinträchtigen [1, 2]. Hinweise dazu gibt der Ratgeber Medikamente und Autofahren.
Welche Wirkstoffe eine bestimmte Beschwerde auslösen können, zeigt der Nebenwirkungs-Finder.
Wechselwirkungen
Informieren Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke über alle Arzneimittel, die Sie einnehmen, kürzlich eingenommen haben oder einnehmen wollen [1]. Wechselwirkungen bestehen auch mit Mitteln, die die Skelettmuskulatur vorübergehend entspannen (Muskelrelaxanzien): Pyridostigmin hemmt die Wirkung nicht depolarisierender Muskelrelaxanzien und kann die Wirkung depolarisierender Muskelrelaxanzien verlängern; örtliche Betäubungsmittel und einige Narkosemittel können ihrerseits die Wirkung von Pyridostigmin beeinflussen [1, 2]. Hinweise gibt der Ratgeber Medikamente vor der OP.
Arzneimittel mit dem Hilfsstoff Methylcellulose können die Aufnahme von Pyridostigmin verhindern und sollten deshalb nicht gleichzeitig eingenommen werden [1, 2]. Kortison kann zu Beginn einer Behandlung die Beschwerden der Myasthenie zunächst verschlechtern [1, 2]. Allgemeine Hinweise gibt der Ratgeber Wechselwirkungen.
| Zusammen mit | Was passieren kann | Hinweis |
|---|---|---|
| Kortikosteroide (Kortison) und andere Mittel, die das Immunsystem dämpfen (Immunsuppressiva) | Laut Fachinformation kann die Wirkung von Pyridostigmin verstärkt werden, laut Packungsbeilage kann eine geringere Dosis nötig sein; zu Beginn einer Kortison-Behandlung können sich die Beschwerden der Myasthenie zunächst verschlechtern[1, 2] | Ärztin oder Arzt informieren |
| Arzneimittel mit Methylcellulose als Hilfsstoff | Methylcellulose kann die Aufnahme von Pyridostigmin verhindern[1, 2] | Gleichzeitige Gabe vermeiden |
| Atropin und Scopolamin (Anticholinergika) | Sie hemmen die muskarinerge Wirkung von Pyridostigmin; die verlangsamte Darmbewegung kann die Aufnahme von Pyridostigmin beeinträchtigen[1, 2] | Ärztin oder Arzt informieren |
| Muskelrelaxanzien (Mittel, die die Skelettmuskulatur vorübergehend entspannen): nicht depolarisierende wie Pancuronium oder Vecuronium und depolarisierende wie Suxamethonium | Pyridostigmin hemmt die Wirkung nicht depolarisierender Muskelrelaxanzien; die Wirkung depolarisierender Muskelrelaxanzien kann verlängert werden[1, 2] | Ärztin oder Arzt informieren |
| Antibiotika vom Aminoglykosid-Typ (z. B. Neomycin, Kanamycin), Lokalanästhetika und einige Narkosemittel, Mittel gegen Herzrhythmusstörungen und andere Stoffe, die die Übertragung zwischen Nerv und Muskel stören | Können die Wirkung von Pyridostigmin beeinflussen[1, 2] | Ärztin oder Arzt informieren |
| Insektenschutzmittel mit DEET (Diethyltoluamid), großflächig auf die Haut aufgetragen | Laut Fachinformation erhöht Pyridostigmin möglicherweise die Giftigkeit von DEET[1, 2] | Gleichzeitige großflächige Anwendung vermeiden |
Die Liste nennt die wichtigsten Wechselwirkungen aus der Produktinformation, nicht alle. Welche Mittel Sie zusammen einnehmen können, klären Sie am besten mit Ihrer Apotheke, auch bei rezeptfreien und pflanzlichen Mitteln.
Wer Pyridostigmin nicht oder nur mit Vorsicht nehmen sollte
Pyridostigmin darf nicht eingenommen werden bei einer Allergie gegen den Wirkstoff oder andere Bromide und bei mechanischen Verschlüssen der Verdauungs- oder Harnwege [1, 2]. Besondere Vorsicht gilt bei Atemwegserkrankungen wie Asthma oder COPD, weil sich die Bronchien gefährlich verengen können, und bei Herzerkrankungen wie einem verlangsamten Herzschlag oder einem kürzlich erlittenen Herzinfarkt [1, 2].
Nicht einnehmen bei
Besondere Vorsicht bei
- Atemwegserkrankungen wie Bronchialasthma, spastische Bronchitis oder chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD): Es kann zu einer gefährlichen Verengung der Bronchien oder einer Einschränkung der Lungenfunktion kommen[1, 2]
- Herzerkrankungen wie Herzschwäche mit Beschwerden in Ruhe (dekompensierte Herzinsuffizienz), Erregungsleitungsstörungen (AV-Block), Herzrhythmusstörungen wie verlangsamter Herzschlag oder ein kürzlich erlittener Herzinfarkt: Die Ärztin oder der Arzt wägt Risiko und Nutzen sorgfältig ab. Ältere Menschen sind häufiger von Rhythmusstörungen betroffen als junge Erwachsene[1, 2]
- Niedriger Blutdruck, Vagotonie (mit niedrigem Blutdruck, langsamem Puls und engen Pupillen), Magengeschwür, Zustand nach Magen-Darm-Operationen, Epilepsie, Parkinson-Krankheit oder Schilddrüsenüberfunktion[1, 2]
- Nierenfunktionsstörungen: Pyridostigmin wird hauptsächlich unverändert über die Nieren ausgeschieden; niedrigere Dosierungen können erforderlich sein[1, 2]
- Hirnorganische Veränderungen: Unter der Behandlung können psychische Symptome bis hin zu einer Psychose auftreten; bereits bestehende Symptome können sich verstärken[1, 2]
- Sehr hohe Dosen: Dann kann die Gabe von Atropin oder einem anderen Anticholinergikum erforderlich sein, um bestimmten (muskarinergen) Wirkungen gezielt entgegenzuwirken[1, 2]
Alkohol, Autofahren, Schwangerschaft
Die Karten fassen zusammen, was Packungsbeilage, Fachinformation und das Beratungszentrum Embryotox der Charité zu Autofahren, Schwangerschaft und Stillzeit sagen [1, 2, 3]. Zu Alkohol machen Packungsbeilage und Fachinformation keine Angabe [1, 2].
Embryotox weist darauf hin, dass sich die Myasthenie selbst auf die Schwangerschaft auswirken kann: Weil mütterliche Antikörper in der zweiten Schwangerschaftshälfte auf das Kind übergehen können, zeigen etwa 10 bis 30 Prozent der Neugeborenen nach der Geburt vorübergehende Myasthenie-Beschwerden [3]. Allgemeine Hinweise gibt der Ratgeber Medikamente in der Schwangerschaft.
Schwangerschaft
Pyridostigmin gelangt über die Plazenta zum ungeborenen Kind. Sie dürfen es in der Schwangerschaft nur einnehmen, wenn Ihre Ärztin oder Ihr Arzt es für eindeutig erforderlich hält; insbesondere sollten hohe Dosierungen vermieden werden. In die Vene gegebene Cholinesterasehemmer können in der Schwangerschaft vorzeitige Wehen auslösen, besonders zum Ende der Schwangerschaft; ob das auch beim Einnehmen gilt, ist nicht bekannt.[1, 2]
Laut Fachinformation ist in der Schwangerschaft besondere Sorgfalt nötig, weil die Schwere der Erkrankung erheblich schwanken kann und eine cholinerge Krise durch Überdosierung vermieden werden soll. Das Neugeborene sollte auf mögliche Auswirkungen überwacht werden.[2]
Laut Embryotox haben sich bei insgesamt über 250 Lebendgeburten nach Pyridostigmin keine eindeutigen Hinweise auf eine fruchtschädigende Wirkung ergeben; die Berichte zielten allerdings nicht darauf, ein erhöhtes Fehlbildungsrisiko auszuschließen. Eine schädigende Wirkung in der späteren Schwangerschaft wird bisher nicht angenommen. Ist Pyridostigmin zur Behandlung einer Myasthenie erforderlich, kann diese laut Embryotox auch in der Schwangerschaft durchgeführt werden; die üblichen Dosierungen sollten eingehalten werden. Bei Myasthenie sollten laut Embryotox im letzten Schwangerschaftsdrittel unabhängig von der Medikation weitere Ultraschallkontrollen erfolgen und die Entbindung in einer Klinik mit Neugeborenenmedizin (Neonatologie) stattfinden.[3]
Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.
Stillzeit
Pyridostigmin geht in geringen Mengen in die Muttermilch über. In einer sehr begrenzten Zahl von Fällen wurden bisher keine Auswirkungen auf gestillte Kinder beobachtet. Ist eine Behandlung erforderlich, sollte der Säugling auf mögliche Wirkungen überwacht oder abgestillt werden.[1, 2]
Laut Embryotox kann unter Pyridostigmin bei sorgfältiger Beobachtung des Kindes gestillt werden; zu achten ist vor allem auf mögliche cholinerge Zeichen wie vermehrten Speichelfluss und Magen-Darm-Beschwerden mit zu geringer Gewichtszunahme. Die Entscheidung für oder gegen das Stillen sollte auch den weiteren Krankheitsverlauf der Mutter und ihren möglichen Erschöpfungszustand berücksichtigen.[3]
Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.
Autofahren und Maschinen
Pyridostigmin kann das Sehvermögen beeinflussen (laut Fachinformation durch Störungen der Scharfeinstellung des Auges oder enge Pupillen) und die Verkehrstüchtigkeit beeinträchtigen. Ist die Grunderkrankung nicht ausreichend ausgeglichen oder treten nach einer relativen Überdosierung cholinerge Wirkungen auf, kann die Fähigkeit zum Autofahren oder zum Bedienen von Maschinen beeinträchtigt sein.[1, 2]
Einnahme
Die überzogenen Tabletten mit etwas Flüssigkeit einnehmen; laut Fachinformation mit Wasser (½ bis 1 Glas). Über die Dauer der Behandlung entscheidet die Ärztin oder der Arzt.[1, 2]
Einnahme vergessen: nicht die doppelte Menge einnehmen.[1]
Absetzen
Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, bevor Sie die Behandlung abbrechen.[1]
Überdosierung
Bei einer Überdosierung in jedem Fall sofort eine Ärztin oder einen Arzt verständigen. Zu große Mengen können eine cholinerge Krise mit ausgeprägter oder zunehmender Muskelschwäche bis hin zur Lähmung verursachen. Wird sie verkannt, droht eine lebensbedrohliche Atemlähmung, die in besonders schweren Fällen zu Atemstillstand und Sauerstoffmangel im Gehirn führen kann. Weitere mögliche Zeichen sind ein extrem verlangsamter Herzschlag bis zum Herzstillstand, zeitweise beschleunigter Herzschlag, Blutdruckabfall bis zum Kreislaufkollaps, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, unwillkürlicher Harnabgang, krampfartige Stuhlentleerung, Durchfall, vermehrte Bronchialsekretion und Verkrampfung der Bronchien, Wasser in der Lunge (Lungenödem), verstärkter Tränen-, Speichel- und Nasenfluss, Schwitzen, Hautrötung, enge Pupillen, gestörte Sehschärfe, Muskelkrämpfe und Muskelzucken; außerdem Unruhe, Verwirrtheit, verwaschene Sprache, Nervosität, Gereiztheit, bildhafte Halluzinationen, Krampfanfälle und Koma. Laut Fachinformation macht eine cholinerge Krise eine intensivmedizinische Überwachung erforderlich.[1, 2]
Dosierung laut Packungsbeilage und Fachinformation
Die Packungsbeilage nennt Dosierungsempfehlungen für Erwachsene und Kinder, die nur als Anhaltspunkt dienen; die Dosis wird nach der Schwere der Erkrankung und dem Ansprechen auf die Behandlung individuell bestimmt [1]. Die Fachinformation ergänzt Grenzen für die Einzeldosis [2]. Die Übersicht gibt diese Angaben wieder und ersetzt nicht die Verordnung: Welche Dosis für Sie richtig ist, legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest.
Einnahme und Absetzen
Nehmen Sie Pyridostigmin immer genau nach Absprache mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke ein [1]. Die überzogenen Tabletten werden mit etwas Flüssigkeit eingenommen, laut Fachinformation mit einem halben bis ganzen Glas Wasser [1, 2]. Haben Sie eine Einnahme vergessen, nehmen Sie nicht die doppelte Menge [1]. Über die Dauer der Behandlung entscheidet die Ärztin oder der Arzt [1].
Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, bevor Sie die Behandlung abbrechen [1]. Haben Sie zu viel eingenommen, verständigen Sie in jedem Fall sofort eine Ärztin oder einen Arzt [1]; Telefonnummern finden Sie unter Notfall und Giftnotruf. Allgemeine Hinweise zum Beenden einer Behandlung gibt der Ratgeber Medikamente absetzen.
Präparate mit Pyridostigmin
Pyridostigmin ist unter anderem als Tabletten, überzogene Tabletten und Retardtabletten im Handel. Für Kinder empfiehlt die Packungsbeilage Darreichungsformen mit niedrigerem Wirkstoffgehalt [1]. Grundlage dieser Seite sind Packungsbeilage und Fachinformation von Pyridostigmin STADA 60 mg überzogene Tabletten [1, 2]. Andere Präparate haben eigene Packungsbeilagen.
| Präparat | Anbieter | Hinweis |
|---|---|---|
| Mestinon | Viatris | verschreibungspflichtig; Tabletten mit 10 mg, überzogene Tabletten mit 60 mg, Retardtabletten mit 180 mg |
| Pyridostigmin STADA | STADAPHARM GmbH | verschreibungspflichtig; überzogene Tabletten mit 60 mg; Grundlage dieser Seite |
Auswahl ohne Wertung. Präparate mit demselben Wirkstoff können sich in Stärke, Hilfsstoffen und zugelassenen Anwendungsgebieten unterscheiden. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.
Quellen
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Pyridostigmin STADA 60 mg überzogene Tabletten (Druckcode 9356611/2403). STADAPHARM GmbH. Stand 01/2024. abgerufen am 11.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Pyridostigmin STADA 60 mg überzogene Tabletten. STADAPHARM GmbH. Stand 08/2024. abgerufen am 11.10.2026
- Embryotox Embryotox: Pyridostigmin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 11.10.2026
- Behörde Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV), Anlage 1, Eintrag Pyridostigminbromid. Bundesministerium der Justiz (gesetze-im-internet.de). Stand 19.05.2026. abgerufen am 11.10.2026
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen einer cholinergen und einer myasthenen Krise?
Beide können sich in einer ausgeprägten oder zunehmenden Muskelschwäche äußern. Eine cholinerge Krise entsteht durch eine Überdosierung von Pyridostigmin, eine myasthene Krise durch eine Verschlechterung der Myasthenie selbst. Laut Fachinformation müssen beide ärztlich unterschieden werden: Bei einer myasthenen Krise kann eine intensivere Behandlung mit einem Cholinesterasehemmer nötig sein, bei einer cholinergen Krise wird Pyridostigmin sofort abgesetzt und es werden unterstützende Maßnahmen einschließlich Beatmung eingeleitet.
Welche Nebenwirkungen hat Pyridostigmin?
Genannt werden unter anderem Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Bauchkrämpfe, vermehrter Speichelfluss, Schwitzen, verstärkte Tränenbildung, enge Pupillen, Sehstörungen, Herzrhythmusstörungen, niedriger Blutdruck, Muskelzucken, Muskelkrämpfe, verstärkte Muskelschwäche und verstärkter Harndrang. Für fast alle gibt die Packungsbeilage die Häufigkeit "nicht bekannt" an; Hautausschlag ist selten, also bei bis zu 1 von 1.000 Behandelten. Die Nebenwirkungen treten in der Regel abhängig von der Dosis auf.
Darf ich Pyridostigmin bei Asthma nehmen?
Bei Atemwegserkrankungen wie Asthma, spastischer Bronchitis oder COPD ist Pyridostigmin mit besonderer Vorsicht anzuwenden, weil es zu einer gefährlichen Verengung der Bronchien oder einer Einschränkung der Lungenfunktion kommen kann. Außerdem kann es die Schleimbildung in den Bronchien verstärken; bei Asthma können Atembeschwerden auftreten. Sprechen Sie vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Darf ich Pyridostigmin in der Schwangerschaft und Stillzeit nehmen?
In der Schwangerschaft nur, wenn Ihre Ärztin oder Ihr Arzt es für eindeutig erforderlich hält; hohe Dosierungen sollten vermieden werden. Laut Embryotox kann eine notwendige Behandlung der Myasthenie mit Pyridostigmin auch in der Schwangerschaft durchgeführt werden. Pyridostigmin geht in geringen Mengen in die Muttermilch über; laut Embryotox kann bei sorgfältiger Beobachtung des Kindes gestillt werden.
Kann ich mit Pyridostigmin Auto fahren?
Pyridostigmin kann das Sehvermögen beeinflussen und die Verkehrstüchtigkeit beeinträchtigen. Auch wenn die Grunderkrankung nicht ausreichend ausgeglichen ist oder nach einer relativen Überdosierung cholinerge Wirkungen auftreten, kann die Fähigkeit zum Autofahren oder Bedienen von Maschinen eingeschränkt sein. Klären Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, ob Sie fahren können.
Was passiert bei einer Überdosierung von Pyridostigmin?
Zu große Mengen können eine cholinerge Krise mit ausgeprägter oder zunehmender Muskelschwäche bis hin zur Lähmung verursachen; wird sie verkannt, droht eine lebensbedrohliche Atemlähmung. Weitere mögliche Zeichen sind unter anderem ein extrem verlangsamter Herzschlag, Blutdruckabfall, Schwitzen, Speichelfluss, Durchfall und Verwirrtheit. Verständigen Sie in jedem Fall sofort eine Ärztin oder einen Arzt.
Wie hoch ist die Dosis von Pyridostigmin?
Die Dosis wird nach der Schwere der Erkrankung und dem Ansprechen auf die Behandlung individuell bestimmt; die Angaben der Packungsbeilage dienen nur als Anhaltspunkt. Sie finden sie im Abschnitt Dosierung laut Packungsbeilage und Fachinformation.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
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