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Tiotropium: Nebenwirkungen und Wirkung

Tiotropium ist ein verschreibungspflichtiges, lang wirkendes bronchienerweiterndes Mittel zum Inhalieren, das bei COPD als Dauerbehandlung täglich angewendet wird; als Notfallmittel bei plötzlicher Atemnot ist es nicht geeignet. Häufig, also bei bis zu 1 von 10 Behandelten, tritt ein trockener Mund auf. Treten unmittelbar nach der Inhalation Brustenge, Husten, Giemen oder Atemnot auf, benutzen Sie sofort Ihren schnell wirksamen Inhalator, wenden Tiotropium nicht mehr an und kontaktieren unverzüglich Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.

Mann Ende sechzig geht im Herbst ruhig auf einem Uferweg an einem See spazieren
Bild: KI-generiert

Die häufigsten Nebenwirkungen

  • Häufig: Trockener Mund, normalerweise in leichter Form[1, 2]

Alle Nebenwirkungen nach Häufigkeit

Wofür wird Tiotropium eingesetzt?

Tiotropium gehört zu den Asthma- und COPD-Medikamenten zum Inhalieren. Es erleichtert Menschen mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) das Atmen; der Begriff COPD umfasst die chronische obstruktive Bronchitis und das Lungenemphysem [1]. Die Fachinformation nennt Tiotropium einen dauerhaft einzusetzenden Bronchodilatator zur Linderung von Beschwerden bei COPD, zur Anwendung bei Erwachsenen [2]. Laut Embryotox wird Tiotropium als Sprühvernebler außerdem bei schwerem Asthma als Zusatzmedikation eingesetzt [3]. Für Asthma gibt es Tiotropium auch als Präparat mit eigener Packungsbeilage: Der Sprühvernebler Spiriva Respimat ist laut Fachinformation als zusätzliches bronchienerweiterndes Mittel (Bronchodilatator) zur Dauerbehandlung bei schwerem Asthma ab 6 Jahren angezeigt, wenn im letzten Jahr mindestens eine schwere Asthma-Verschlechterung (Exazerbation) aufgetreten ist; bei Asthma sollte er nicht als alleiniges Mittel angewendet werden. Zitiert ist die österreichische Fassung desselben Zulassungsinhabers; in Deutschland ist das Präparat ebenfalls als Spiriva Respimat im Handel, die deutsche Fassung kann in Einzelheiten abweichen [5]. Mehr zur Behandlung lesen Sie auf der Seite Asthma.

Weil COPD eine chronische Erkrankung ist, sollte Tiotropium täglich angewendet werden und nicht nur, wenn Atemprobleme oder andere Beschwerden vorhanden sind [1]. Laut Packungsbeilage kann die regelmäßige Anwendung die Atemnot lindern und plötzlich auftretende Verschlechterungen der Erkrankung, die bis zu mehreren Tagen anhalten können, verhindern [1]. Tiotropium ist verschreibungspflichtig [2, 4].

Wie wirkt Tiotropium?

Tiotropium ist ein lang wirkendes bronchienerweiterndes Mittel (Bronchodilatator): Es erweitert die Atemwege und erleichtert so, dass die Luft in die Lunge ein- und wieder ausströmen kann; die Wirkung hält 24 Stunden an [1]. Laut Fachinformation ist Tiotropiumbromid ein langwirksamer Muskarinrezeptor-Antagonist, im medizinischen Sprachgebrauch ein Anticholinergikum. Es hemmt an der glatten Bronchialmuskulatur die verengenden Effekte des Botenstoffs Acetylcholin; über die M3-Rezeptoren in den Atemwegen führt das zu einer Entspannung [2].

Die Erweiterung der Bronchien ist vor allem eine örtliche Wirkung in den Atemwegen [2]. In Studien verbesserte sich die Lungenfunktion innerhalb von 30 Minuten nach der ersten Dosis; die stärkste Erweiterung der Bronchien wurde im Wesentlichen am dritten Tag beobachtet. Die effektive Halbwertszeit liegt bei COPD-Patienten zwischen 27 und 45 Stunden [2]. Viele der Nebenwirkungen lassen sich laut Fachinformation auf die anticholinergen Eigenschaften zurückführen [2].

Nebenwirkungen nach Häufigkeit

Unten stehen alle Nebenwirkungen aus Packungsbeilage und Fachinformation. "Häufig" heißt: bei bis zu 1 von 10 Behandelten, "gelegentlich" bei bis zu 1 von 100 und "selten" bei bis zu 1 von 1.000; bei "nicht bekannt" lässt sich die Häufigkeit aus den vorliegenden Daten nicht abschätzen [1, 2]. Die Häufigkeiten beruhen laut Fachinformation auf 28 zusammengefassten Studien mit 9.647 Patienten unter Tiotropium und Behandlungszeiten zwischen vier Wochen und vier Jahren [2]. Wie Sie solche Angaben lesen, erklärt der Ratgeber Beipackzettel verstehen.

Zu den schwerwiegenden Nebenwirkungen durch die anticholinerge Wirkung zählt die Fachinformation Glaukom, Verstopfung, Darmverschluss einschließlich Darmlähmung und Harnverhalt; mit fortgeschrittenem Alter ist eine Zunahme der anticholinergen Effekte möglich [2].

Häufigkann bis zu 1 von 10 Behandelten betreffen

  • Magen und DarmTrockener Mund, normalerweise in leichter Form[1, 2]Mehr dazu: Mundtrockenheit

Gelegentlichkann bis zu 1 von 100 Behandelten betreffen

Seltenkann bis zu 1 von 1.000 Behandelten betreffen

  • NervensystemSchlaflosigkeit (Insomnie)[1, 2]Mehr dazu: Schlafstörungen
  • AugenLichthöfe mit Farbringen um Lichtquellen oder unwirkliches Farbsehen in Verbindung mit geröteten Augen (Glaukom); erhöhter Augeninnendruck[1, 2]Mehr dazu: Sehstörungen
  • HerzUnregelmäßiger Herzschlag (supraventrikuläre Tachykardie), beschleunigter Herzschlag (Tachykardie), Herzklopfen (Palpitation)[1, 2]Mehr dazu: HerzrasenHerzrhythmusstörungen
  • AtemwegeEngegefühl in der Brust mit Husten, keuchender Atmung (Giemen) oder Atemnot unmittelbar nach der Inhalation (Bronchospasmus)[1, 2]Mehr dazu: Atemnot
  • AtemwegeNasenbluten (Epistaxis)[1, 2]Mehr dazu: Blutungen und blaue Flecken
  • AtemwegeKehlkopfentzündung (Laryngitis), Entzündung der Nasennebenhöhlen (Sinusitis)[1, 2]
  • Magen und DarmDarmverschluss oder Darmlähmung (intestinale Obstruktion einschließlich paralytischer Ileus)[1, 2]
  • Magen und DarmEntzündung des Zahnfleisches (Gingivitis), der Zunge (Glossitis) oder der Mundschleimhaut (Stomatitis), Schluckbeschwerden (Dysphagie)[1, 2]
  • Magen und DarmÜbelkeit[1, 2]Mehr dazu: Übelkeit
  • HautNesselsucht (Urtikaria), Juckreiz (Pruritus)[1, 2]Mehr dazu: NesselsuchtJuckreiz
  • ImmunsystemAllergische Reaktionen mit Anschwellen des Gesichts oder Rachens (Angioödem) oder andere Überempfindlichkeitsreaktionen, auch vom Soforttyp, zum Beispiel plötzlicher Blutdruckabfall oder Schwindel[1, 2]Mehr dazu: Allergische ReaktionenSchwellungen von Gesicht, Zunge oder RachenNiedriger Blutdruck
  • Nieren und HarnwegeHarnwegsinfektionen[1, 2]

Nicht bekanntHäufigkeit nicht abschätzbar oder in der Quelle nicht angegeben

  • ImmunsystemSchwere allergische Reaktion (anaphylaktische Reaktion)[2]Mehr dazu: Allergische Reaktionen
  • Stoffwechsel und ErnährungAbnahme des Körperwassers (Dehydrierung)[1, 2]
  • Magen und DarmZahnverfall (Karies)[1, 2]Mehr dazu: Zahnschäden
  • HautInfektionen oder Geschwürbildungen der Haut, trockene Haut[1, 2]
  • Muskeln, Knochen und GelenkeGelenkschwellung[1, 2]

Eine Häufigkeit sagt, wie oft eine Beschwerde während der Behandlung beobachtet wurde. Sie sagt nicht, dass das Medikament sie verursacht hat.

Wann Sie ärztliche Hilfe brauchen

Wie bei allen inhalativen Arzneimitteln kann unmittelbar nach der Inhalation unerwartet eine Verkrampfung der Atemwege (paradoxer Bronchospasmus) mit Brustenge, Husten, Giemen oder Atemnot auftreten [1, 2]. Zu den schwerwiegenden Nebenwirkungen zählt die Packungsbeilage allergische Reaktionen mit Anschwellen von Gesicht oder Rachen (Angioödem), andere Überempfindlichkeitsreaktionen sowie vermehrtes Giemen und Atemnot; sie können einzeln oder im Rahmen einer schweren allergischen Reaktion (anaphylaktische Reaktion) auftreten und sind selten [1]. Mehr zur Atemnot als Nebenwirkung lesen Sie auf der eigenen Seite.

Was Sie bei Nebenwirkungen tun können

Frau in den Sechzigern putzt sich am Morgen in einem hellen Badezimmer die Zähne
Bild: KI-generiert

Trockener Mund: Mundtrockenheit ist häufig und tritt normalerweise in leichter Form auf [1]. Weil sie bei längerer Dauer zu Karies führen kann, achten Sie auf eine gründliche Zahnhygiene: Spülen Sie den Mund aus und putzen Sie regelmäßig die Zähne [1].

Augen schützen: Achten Sie darauf, dass das Pulver nicht in die Augen gelangt [1]. Ist es doch passiert, spülen Sie die Augen unverzüglich mit lauwarmem Wasser und holen sofort ärztlichen Rat ein [1]. Mehr zum Grünen Star lesen Sie auf der Seite Grüner Star, mehr zu Sehstörungen als Nebenwirkung auf der eigenen Seite.

Beschwerden beim Wasserlassen und Verstopfung: Schwierigkeiten oder Schmerzen beim Wasserlassen und Verstopfung sind gelegentlich [1, 2]. Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, wenden Sie sich an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke [1]. Haben Sie Prostatabeschwerden oder Schwierigkeiten beim Wasserlassen, sprechen Sie schon vor der Anwendung mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke [1]. Mehr dazu auf der Seite Blasenprobleme; welche Wirkstoffe eine bestimmte Beschwerde auslösen können, zeigt der Nebenwirkungs-Finder.

Wechselwirkungen

Informieren Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt über alle anderen Arzneimittel, die Sie anwenden, einschließlich aller anderen Inhalatoren und rezeptfreien Mittel, besonders über ähnliche Mittel für Ihre Lungenerkrankung wie Ipratropium oder Oxitropium [1]. Laut Fachinformation wurde die gleichzeitige Anwendung mit anderen Anticholinergika nicht untersucht und wird nicht empfohlen [2]. Zusammen mit anderen COPD-Mitteln wie Salbutamol, Theophyllin oder Steroiden wie Prednisolon wurden keine besonderen Nebenwirkungen beobachtet [1].

Wechselwirkungen von Tiotropium
Zusammen mitWas passieren kannHinweis
Andere Mittel mit Ipratropium oder Oxitropium, andere AnticholinergikaLaut Fachinformation wurde die gleichzeitige Anwendung nicht untersucht[1, 2]Ärztin oder Arzt informieren; laut Fachinformation nicht empfohlen
Andere COPD-Mittel wie Salbutamol (Inhalator gegen Akutbeschwerden), Methylxanthine wie Theophyllin oder Steroide zum Einnehmen oder Inhalieren wie PrednisolonKeine besonderen Nebenwirkungen beobachtet; laut Fachinformation ändern lang wirkende Beta-2-Agonisten (LABA) oder inhalative Kortikosteroide die Menge an Tiotropium im Körper nicht[1, 2]Alle anderen Arzneimittel angeben, auch Inhalatoren und rezeptfreie Mittel

Die Liste nennt die wichtigsten Wechselwirkungen aus der Produktinformation, nicht alle. Welche Mittel Sie zusammen einnehmen können, klären Sie am besten mit Ihrer Apotheke, auch bei rezeptfreien und pflanzlichen Mitteln.

Wer Tiotropium nicht oder nur mit Vorsicht anwenden sollte

Bei einer Allergie gegen Tiotropium, gegen Atropin oder dessen Abkömmlinge wie Ipratropium oder Oxitropium oder gegen Lactose dürfen Sie Tiotropium nicht anwenden [1, 2]. Sprechen Sie vorher mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke, wenn Sie ein Engwinkelglaukom, Prostatabeschwerden, Schwierigkeiten beim Wasserlassen oder Nierenprobleme haben oder wenn bei Ihnen bestimmte Herzerkrankungen bekannt sind [1]. Bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren sollte Tiotropium nicht angewendet werden [1].

Nicht einnehmen bei

  • Allergie gegen Tiotropium oder gegen den sonstigen Bestandteil Lactose oder andere Zuckerarten; laut Fachinformation enthält der Bestandteil Lactose-Monohydrat Milchprotein[1, 2]
  • Allergie gegen Atropin oder dessen Abkömmlinge wie Ipratropium oder Oxitropium[1, 2]

Besondere Vorsicht bei

  • Kein Notfallmittel: Tiotropium ist für die Dauerbehandlung bestimmt und nicht zur Behandlung plötzlicher Anfälle von Atemnot oder Giemen; dafür einen schnell wirksamen Inhalator (Notfallinhalator, zum Beispiel Salbutamol) immer bei sich führen[1, 2]
  • Engwinkelglaukom, Prostatabeschwerden oder Schwierigkeiten beim Wasserlassen; laut Fachinformation auch Verengung des Harnblasenhalses[1, 2]
  • Nierenprobleme; laut Fachinformation bei mittlerer bis schwerer Nierenfunktionsstörung (Kreatinin-Clearance bis 50 ml/min) nur, wenn der zu erwartende Nutzen ein mögliches Risiko überwiegt[1, 2]
  • Herzinfarkt in den letzten 6 Monaten, instabile oder lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen oder schwere Herzschwäche (Herzinsuffizienz) in den letzten 12 Monaten: der Ärztin oder dem Arzt mitteilen[1, 2]
  • Andere Arzneimittel mit Ipratropium oder Oxitropium; laut Fachinformation wird die gleichzeitige Anwendung mit anderen Anticholinergika nicht empfohlen[1, 2]
  • Mundtrockenheit kann bei längerer Dauer zu Karies führen: auf gründliche Zahnhygiene achten, den Mund ausspülen und regelmäßig die Zähne putzen[1, 2]
  • Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren: nicht anwenden[1, 2]
  • Unverträglichkeit gegenüber bestimmten Zuckern oder Allergie gegen Milchprotein: Die Kapseln enthalten Lactose, die Spuren von Milchprotein enthalten kann[1, 2]

Autofahren, Schwangerschaft, Stillzeit

Die Karten fassen zusammen, was Packungsbeilage, Fachinformation und das Beratungszentrum Embryotox der Charité sagen [1, 2, 3]. Embryotox zählt Tiotropiumbromid zu den Medikamenten mit widersprüchlichen oder noch unzureichenden Studienergebnissen. Ist die inhalative Behandlung nach kritischer Prüfung dringend angezeigt, kann sie laut Embryotox in der Schwangerschaft fortgesetzt werden; empfohlen wird eine engmaschige frauenärztliche und lungenfachärztliche Betreuung [3]. Allgemeine Hinweise geben die Ratgeber Medikamente in der Schwangerschaft und Medikamente in der Stillzeit.

Schwangerschaft

Fragen Sie in der Schwangerschaft vor der Anwendung Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke um Rat; Sie sollten Tiotropium nicht anwenden, außer es wird ausdrücklich ärztlich empfohlen. Laut Fachinformation liegen nur sehr begrenzte Daten zur Anwendung bei Schwangeren vor; als Vorsichtsmaßnahme empfiehlt es sich, die Anwendung in der Schwangerschaft zu vermeiden.[1, 2]

Embryotox zählt Tiotropiumbromid zu den Medikamenten mit widersprüchlichen oder noch unzureichenden Studienergebnissen: Systematische Daten zum ersten Schwangerschaftsdrittel liegen nicht vor, aus der inzwischen über 20-jährigen Markterfahrung ergaben sich bisher keine Hinweise auf fehlbildende Wirkungen. Ist die inhalative Behandlung nach kritischer Prüfung dringend angezeigt, kann sie laut Embryotox fortgesetzt werden; empfohlen wird eine engmaschige frauenärztliche und lungenfachärztliche Betreuung.[3]

Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.

Stillzeit

Sie sollten Tiotropium in der Stillzeit nicht anwenden, außer es wird ausdrücklich ärztlich empfohlen. Laut Fachinformation ist nicht bekannt, ob Tiotropium beim Menschen in die Muttermilch übergeht; die Anwendung in der Stillzeit wird nicht empfohlen, und es wird abgewogen, ob das Stillen oder die Behandlung fortgesetzt oder beendet wird.[1, 2]

Laut Embryotox liegen keine publizierten Erfahrungen zur Stillzeit vor; dass ein relevanter Anteil in die Muttermilch übergeht, ist aufgrund der Eigenschaften des Wirkstoffs unwahrscheinlich. Die inhalative Anwendung ist laut Embryotox in der Stillzeit bei guter Beobachtung des Kindes akzeptabel.[3]

Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.

Autofahren und Maschinen

Schwindel, verschwommenes Sehen oder Kopfschmerzen können die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Straßenverkehr und zum Bedienen von Maschinen beeinträchtigen.[1, 2]

Einnahme

Den Inhalt einer Kapsel einmal täglich jeweils zur gleichen Zeit mit dem zugehörigen Inhalator inhalieren; nicht häufiger als einmal täglich anwenden. Die Kapseln sind nur zur Inhalation bestimmt und dürfen nicht eingenommen werden.[1, 2]

Die Kapsel nie direkt in das Mundstück legen (Erstickungsgefahr), nicht in den Inhalator hineinatmen und darauf achten, dass kein Pulver in die Augen gelangt. Bei Problemen im Umgang mit dem Inhalator die richtige Anwendung von Ärztin, Arzt, Apotheke oder medizinischem Fachpersonal zeigen lassen.[1]

Dosis vergessen: baldmöglichst nachholen, aber nie 2 Kapseln auf einmal oder am selben Tag inhalieren; danach wie gewohnt fortfahren.[1]

Absetzen

Sprechen Sie vor dem Abbrechen mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke: Wenn Sie die Anwendung beenden, können die Symptome und Beschwerden der COPD zunehmen. Weil COPD eine chronische Erkrankung ist, sollte Tiotropium täglich angewendet werden und nicht nur bei Atemproblemen.[1]

Überdosierung

Haben Sie den Inhalt von mehr als einer Kapsel pro Tag inhaliert, sprechen Sie umgehend mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt: Das Risiko für Nebenwirkungen wie trockenen Mund, Verstopfung, Beschwerden beim Wasserlassen, beschleunigten Herzschlag oder verschwommenes Sehen könnte höher sein. Laut Fachinformation ist eine akute Vergiftung nach versehentlichem Einnehmen der Kapseln unwahrscheinlich, weil Tiotropiumbromid beim Einnehmen nur in geringem Maß aufgenommen wird.[1, 2]

Dosierung laut Packungsbeilage und Fachinformation

Die Packungsbeilage nennt die tägliche Dosis für Erwachsene mit COPD; die Fachinformation ergänzt Hinweise für ältere Menschen und für eingeschränkte Nieren- und Leberfunktion [1, 2]. Die Übersicht gibt diese Angaben wieder und ersetzt nicht die Verordnung: Wenden Sie Tiotropium immer genau nach Absprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt an [1].

Anwendung und Absetzen

Die Kapseln sind nur zur Inhalation bestimmt und dürfen nicht geschluckt werden; sie werden nur mit dem zugehörigen Inhalator angewendet [1]. Inhalieren Sie täglich zur gleichen Zeit, weil die Wirkung 24 Stunden anhält, und nicht häufiger als einmal täglich [1]. Um ein Erstickungsrisiko zu vermeiden, legen Sie die Kapsel nie direkt in das Mundstück; atmen Sie nicht in den Inhalator hinein. Bei Problemen mit dem Inhalator lassen Sie sich die richtige Anwendung von Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt, Ihrer Apotheke oder dem medizinischen Fachpersonal zeigen [1].

Bevor Sie die Anwendung abbrechen, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke: Wenn Sie die Anwendung beenden, können die Beschwerden der COPD zunehmen [1]. Haben Sie den Inhalt von mehr als einer Kapsel pro Tag inhaliert, sprechen Sie umgehend mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt [1]. Allgemeine Hinweise gibt der Ratgeber Medikamente absetzen.

Präparate mit Tiotropium

Tiotropium gibt es als Hartkapseln mit Pulver zur Inhalation von mehreren Herstellern sowie als Lösung zur Inhalation. Grundlage dieser Seite sind Packungsbeilage und Fachinformation von Braltus 10 Mikrogramm Hartkapseln mit Pulver zur Inhalation [1, 2]. Bei Braltus werden aus jeder Kapsel 10 Mikrogramm Tiotropium über das Mundstück abgegeben [1].

Präparate mit Tiotropium
PräparatAnbieterHinweis
Braltus 10 Mikrogramm Hartkapseln mit Pulver zur InhalationTEVA GmbHmit Zonda-Inhalator, verschreibungspflichtig; Mitvertrieb ratiopharm GmbH; Grundlage dieser Seite
Tiotropium AAA-Pharma 18 Mikrogramm Hartkapseln mit Pulver zur InhalationAAA-Pharma GmbHverschreibungspflichtig
Spiriva 18 Mikrogramm Hartkapseln mit Pulver zur InhalationBoehringer Ingelheim Pharma GmbH & Co. KG
Spiriva Respimat 2,5 Mikrogramm Lösung zur InhalationBoehringer Ingelheim Pharma GmbH & Co. KG

Auswahl ohne Wertung. Präparate mit demselben Wirkstoff können sich in Stärke, Hilfsstoffen und zugelassenen Anwendungsgebieten unterscheiden. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.

Quellen

  1. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Braltus 10 Mikrogramm Hartkapseln mit Pulver zur Inhalation (Versionscode Z10). TEVA GmbH. Stand 08/2025. abgerufen am 11.10.2026
  2. Fachinformation Fachinformation Braltus 10 Mikrogramm Hartkapseln mit Pulver zur Inhalation (Version 6). TEVA GmbH. Stand 08/2025. abgerufen am 11.10.2026
  3. Embryotox Embryotox: Tiotropiumbromid. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 11.10.2026
  4. Behörde Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV), Anlage 1, Eintrag Tiotropiumbromid. Bundesministerium der Justiz (gesetze-im-internet.de). Stand 19.05.2026. abgerufen am 11.10.2026
  5. Fachinformation Fachinformation Spiriva Respimat 2,5 Mikrogramm Lösung zur Inhalation (Österreich, Z.Nr. 1-27222). Boehringer Ingelheim International GmbH (Zulassungsinhaber); Österreichisches Arzneispezialitätenregister (BASG). Stand 08/2024. abgerufen am 18.10.2026

Häufige Fragen

Ist Tiotropium ein Notfallspray?

Nein. Tiotropium ist für die Dauerbehandlung der COPD bestimmt und sollte laut Packungsbeilage nicht angewendet werden, um unerwartete Brustenge, Husten oder plötzliche Anfälle von Atemnot oder Giemen zu behandeln. Dafür ist ein schnell wirksamer Inhalator gegen Akutbeschwerden vorgesehen, zum Beispiel Salbutamol, den Sie immer bei sich führen sollten.

Warum habe ich unter Tiotropium einen trockenen Mund?

Ein trockener Mund ist die häufigste Nebenwirkung und tritt normalerweise in leichter Form auf. Laut Fachinformation können viele Nebenwirkungen auf die anticholinergen Eigenschaften von Tiotropium zurückgeführt werden; in Studien betraf Mundtrockenheit etwa 4 Prozent der Patienten. Hält sie länger an, kann sie zu Karies führen. Achten Sie auf gründliche Zahnhygiene, spülen Sie den Mund aus und putzen Sie regelmäßig die Zähne.

Kann Tiotropium den Augen schaden?

Selten treten ein Glaukom mit Lichthöfen und Farbringen um Lichtquellen oder ein erhöhter Augeninnendruck auf. Gelangt Pulver in die Augen, kann das ein Engwinkelglaukom auslösen oder verschlimmern. Augenschmerzen, verschwommenes Sehen, Farbringe um Lichtquellen oder unwirkliches Farbempfinden mit geröteten Augen können Anzeichen eines akuten Glaukomanfalls sein: Brechen Sie dann die Behandlung ab und holen Sie sofort ärztlichen Rat ein, wenn möglich bei einer Augenärztin oder einem Augenarzt.

Was muss ich bei Herzerkrankungen beachten?

Teilen Sie Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt mit, wenn Sie in den letzten 6 Monaten einen Herzinfarkt hatten oder in den letzten 12 Monaten instabile oder lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen oder eine schwere Herzschwäche. Vorhofflimmern ist eine gelegentliche Nebenwirkung, beschleunigter Herzschlag und Herzklopfen sind selten.

Was mache ich, wenn ich eine Inhalation vergessen habe?

Holen Sie die vergessene Dosis baldmöglichst nach. Inhalieren Sie aber nie die doppelte Dosis auf einmal oder am selben Tag, und fahren Sie danach wie gewohnt fort. Tiotropium sollte nicht häufiger als einmal täglich angewendet werden.

Darf ich Tiotropium in Schwangerschaft und Stillzeit anwenden?

Laut Packungsbeilage sollten Sie Tiotropium dann nicht anwenden, außer es wird ausdrücklich ärztlich empfohlen; die Fachinformation empfiehlt, die Anwendung in der Schwangerschaft als Vorsichtsmaßnahme zu vermeiden, und rät in der Stillzeit davon ab. Laut Embryotox kann eine dringend angezeigte inhalative Behandlung in der Schwangerschaft fortgesetzt werden, und in der Stillzeit ist sie bei guter Beobachtung des Kindes akzeptabel. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Wird Tiotropium auch bei Asthma eingesetzt?

Die Kapseln, auf die sich diese Seite stützt, sind nur für die Dauerbehandlung der COPD bei Erwachsenen zugelassen. Laut Embryotox wird Tiotropium als Sprühvernebler außerdem bei schwerem Asthma als Zusatzmedikation eingesetzt. Dafür gibt es ein Präparat mit eigener Packungsbeilage: Der Sprühvernebler Spiriva Respimat ist laut der österreichischen Fachinformation des Zulassungsinhabers als zusätzliches Mittel zur Dauerbehandlung bei schwerem Asthma ab 6 Jahren angezeigt, wenn im letzten Jahr mindestens eine schwere Verschlechterung aufgetreten ist; die deutsche Fassung kann in Einzelheiten abweichen. Es gelten die Angaben des jeweiligen Präparats.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

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