MedikamenteWirkstoff
Nitrendipin: Nebenwirkungen und Wirkung
Nitrendipin ist ein verschreibungspflichtiger Blutdrucksenker aus der Gruppe der Calciumantagonisten (Dihydropyridine). Häufige Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen, Herzklopfen, Wassereinlagerungen, Gesichtsrötung mit Wärmegefühl, Angstzustände, Blähungen und Unwohlsein. Bei instabiler Angina pectoris, in den ersten 4 Wochen nach einem Herzinfarkt sowie in Schwangerschaft und Stillzeit darf Nitrendipin nicht eingenommen werden.

Die häufigsten Nebenwirkungen
- Häufig: Angstzustände[1, 2]
- Häufig: Kopfschmerzen[1, 2]
- Häufig: Herzklopfen (Palpitationen)[1, 2]
- Häufig: Flüssigkeitsansammlung im Gewebe (Ödeme)[1, 2]
- Häufig: Erweiterung der Blutgefäße, unter anderem mit Gesichtsrötung bzw. Hautrötung mit Wärmegefühl (Flush)[1, 2]
- Häufig: Blähungen[1, 2]
- Häufig: Unwohlsein[1, 2]
Wofür wird Nitrendipin eingesetzt?
Nitrendipin ist ein verschreibungspflichtiger Wirkstoff aus der Gruppe der Calciumantagonisten [1, 2]. Er wird zur Behandlung des nicht organbedingten Bluthochdrucks angewendet, der essentiellen Hypertonie [1, 2]. Die Behandlung des Bluthochdrucks erfordert in der Regel eine Langzeitanwendung und regelmäßige ärztliche Kontrollen; über die Dauer entscheidet die Ärztin oder der Arzt nach Schwere und Verlauf der Erkrankung [1].
Nitrendipin gehört zu den Dihydropyridinen und ist laut Fachinformation dem Calciumantagonisten Nifedipin strukturell ähnlich [2]. Über die Anwendung bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren liegen keine ausreichenden Erfahrungen vor [1, 2].
Wie wirkt Nitrendipin?
Nitrendipin erweitert die Blutgefäße und senkt so einen erhöhten Blutdruck [1]. Laut Fachinformation hemmt es den Einstrom von Calcium in die glatten Muskelzellen der Gefäßwände. Dadurch ziehen sich die Gefäßmuskeln weniger zusammen, der Widerstand in den Gefäßen nimmt ab und der krankhaft erhöhte Blutdruck sinkt; vor allem zu Beginn der Behandlung fördert Nitrendipin außerdem leicht die Ausscheidung von Natrium mit dem Urin [2].
Nach dem Schlucken wird Nitrendipin zu etwa 88 % aus dem Darm aufgenommen. Weil die Leber einen großen Teil schon bei der ersten Passage abbaut, gelangen nur 20 bis 30 % unverändert in den Kreislauf. Die höchsten Blutspiegel sind nach 1 bis 3 Stunden erreicht, die Halbwertszeit beträgt etwa 8 bis 12 Stunden [2]. Abgebaut wird Nitrendipin unter Beteiligung des Enzymsystems Cytochrom P450 3A4 (CYP3A4); Arzneimittel und Grapefruitsaft, die dieses Enzymsystem hemmen oder verstärken, können Wirkung und Nebenwirkungen verändern [1, 2]. Bei chronischen Lebererkrankungen ist mit höheren Blutspiegeln zu rechnen, bei eingeschränkter Nierenfunktion ist keine besondere Dosisanpassung nötig [2].
Nebenwirkungen nach Häufigkeit
Unten stehen alle Nebenwirkungen aus Packungsbeilage und Fachinformation von Nitrendipin-ratiopharm. "Häufig" heißt: bis zu 1 von 10 Behandelten, "gelegentlich" bis zu 1 von 100 [1, 2]. Wie Sie solche Angaben einordnen, erklärt der Ratgeber Beipackzettel verstehen.
Die häufigsten Nebenwirkungen sind laut Fachinformation Kopfschmerzen, Herzklopfen, eine Erweiterung der Blutgefäße mit Gesichtsrötung, Wassereinlagerungen, Blähungen, Schwächegefühl und Angstzustände. Sie gelten im Allgemeinen als nicht schwerwiegend; mit Ausnahme von Schwächegefühl und Angstzuständen gehen sie auf den Wirkmechanismus zurück [2]. Außer Ödemen (6,2 %), Kopfschmerzen (4,7 %) und Gefäßerweiterung (3,0 %) liegen die häufigen Nebenwirkungen unter 3 % [2]. Zu den schwerwiegendsten, aber nur gelegentlich auftretenden Nebenwirkungen zählen ein zu niedriger Blutdruck, Angina-pectoris-Anfälle und allergische Reaktionen einschließlich Angioödem [2]. Die Einstufung der Zahnfleischwucherungen beruht laut Fachinformation auf Spontanberichten; ihre Häufigkeit wurde auf weniger als 1 von 400 geschätzt [2].
Häufigkann bis zu 1 von 10 Behandelten betreffen
- PsycheAngstzustände[1, 2]Mehr dazu: Angst
- NervensystemKopfschmerzen[1, 2]Mehr dazu: Kopfschmerzen
- HerzHerzklopfen (Palpitationen)[1, 2]Mehr dazu: Herzrasen
- Gefäße und KreislaufFlüssigkeitsansammlung im Gewebe (Ödeme)[1, 2]Mehr dazu: Wassereinlagerungen
- Gefäße und KreislaufErweiterung der Blutgefäße, unter anderem mit Gesichtsrötung bzw. Hautrötung mit Wärmegefühl (Flush)[1, 2]Mehr dazu: Hitzewallungen
- Magen und DarmBlähungen[1, 2]Mehr dazu: Blähungen
- Allgemeine BeschwerdenUnwohlsein[1, 2]
Gelegentlichkann bis zu 1 von 100 Behandelten betreffen
- ImmunsystemAllergische Reaktionen einschließlich Hautreaktionen sowie allergische Schwellung von Haut und Schleimhäuten, vor allem im Gesicht (Angioödem)[1, 2]Mehr dazu: Allergische ReaktionenHautausschlagSchwellungen von Gesicht, Zunge oder Rachen
- PsycheSchlafstörungen[1, 2]Mehr dazu: Schlafstörungen
- NervensystemSchwindel, Migräne, Benommenheit und Müdigkeit[1, 2]Mehr dazu: SchwindelKopfschmerzenMüdigkeit
- NervensystemHerabgesetzte Empfindung von Berührungsreizen (Hypästhesie)[1, 2]Mehr dazu: Kribbeln und Taubheitsgefühl
- AugenÄnderung der optischen Wahrnehmung[1, 2]Mehr dazu: Sehstörungen
- Ohr und GleichgewichtOhrgeräusche (Tinnitus)[1, 2]Mehr dazu: Ohrgeräusche
- HerzErhöhte Herzschlagfolge (Tachykardie)[1, 2]Mehr dazu: Herzrasen
- HerzSchmerzen im Brustkorb und Angina-pectoris-Anfälle, vor allem zu Beginn der Behandlung; bei bestehender Angina pectoris häufigere, längere und schwerere Anfälle. Vereinzelt wurde ein Herzinfarkt beschrieben[1, 2]
- Gefäße und KreislaufÜbermäßige Blutdrucksenkung (arterielle Hypotonie)[1, 2]Mehr dazu: Niedriger Blutdruck
- AtemwegeAtemstörungen (Dyspnoe)[1, 2]Mehr dazu: Atemnot
- AtemwegeNasenbluten[1, 2]Mehr dazu: Blutungen und blaue Flecken
- Magen und DarmMagen-Darm-Störungen wie Magenschmerzen, Durchfall, Völlegefühl, Übelkeit, Erbrechen, Mundtrockenheit, Oberbauchbeschwerden (Dyspepsie), Verstopfung und Schleimhautentzündung von Magen und Dünndarm (Gastroenteritis)[1, 2]Mehr dazu: BauchschmerzenDurchfallBlähungenÜbelkeitErbrechenMundtrockenheitSodbrennen und VerdauungsbeschwerdenVerstopfung
- Magen und DarmZahnfleischveränderungen (Zahnfleischwucherung, Gingiva-Hyperplasie)[1, 2]Mehr dazu: Zahnfleischwucherungen
- Leber und GalleErhöhte Leberenzyme (alkalische Phosphatase und/oder AST, ALT)[1, 2]Mehr dazu: Leberschäden und erhöhte Leberwerte
- Muskeln, Knochen und GelenkeMuskelschmerzen (Myalgie)[1, 2]Mehr dazu: Muskelschmerzen
- Nieren und HarnwegeGesteigerte Harnausscheidung (Polyurie)[1, 2]Mehr dazu: Häufiges Wasserlassen
- Allgemeine BeschwerdenUnspezifischer Schmerz[1, 2]
Eine Häufigkeit sagt, wie oft eine Beschwerde während der Behandlung beobachtet wurde. Sie sagt nicht, dass das Medikament sie verursacht hat.
Wann Sie ärztliche Hilfe brauchen
Ein zu niedriger Blutdruck, Angina-pectoris-Anfälle und allergische Reaktionen einschließlich Angioödem können laut Fachinformation je nach Verlauf eine sofortige Behandlung erfordern [2]. Vor allem zu Beginn der Behandlung können Schmerzen im Brustkorb und Angina-pectoris-Anfälle auftreten oder bestehende Anfälle häufiger, länger und schwerer werden; vereinzelt wurde ein Herzinfarkt beschrieben [1, 2]. Telefonnummern für den Notfall finden Sie unter Notfall und Giftnotruf.
Was Sie bei Nebenwirkungen tun können

Kopfschmerzen, Gesichtsrötung und Herzklopfen: Diese häufigen Nebenwirkungen gehen laut Fachinformation auf den Wirkmechanismus von Nitrendipin zurück und gelten im Allgemeinen als nicht schwerwiegend [2]. Haben Sie den Eindruck, dass die Wirkung von Nitrendipin zu stark oder zu schwach ist, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke [1]. Unterbrechen oder beenden Sie die Behandlung wegen Nebenwirkungen nicht eigenmächtig, sondern sprechen Sie vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt [1].
Blutdruck und Reaktionsvermögen: Gelegentlich sinkt der Blutdruck zu stark [1, 2]. Das Reaktionsvermögen kann so verändert sein, dass die Teilnahme am Straßenverkehr, das Bedienen von Maschinen oder das Arbeiten ohne sicheren Halt beeinträchtigt ist; verstärkt gilt das zu Beginn der Behandlung, nach einer Dosiserhöhung, beim Präparatewechsel und zusammen mit Alkohol [1, 2]. Mehr dazu auf der Seite Niedriger Blutdruck und im Ratgeber Medikamente und Autofahren.
Grapefruit: Grapefruitsaft hemmt den Abbau von Nitrendipin und kann die blutdrucksenkende Wirkung verstärken; der Effekt hält mindestens 3 Tage an. Meiden Sie Grapefruit und Grapefruitsaft deshalb im zeitlichen Zusammenhang mit der Behandlung [1, 2]. Mehr dazu im Ratgeber Medikamente und Grapefruit.
Wechselwirkungen
Informieren Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke über alle Arzneimittel, die Sie einnehmen, kürzlich eingenommen haben oder einnehmen wollen [1]. Rifampicin schwächt die Wirkung von Nitrendipin zu sehr ab; beide dürfen nicht gleichzeitig angewendet werden [1, 2]. Arzneimittel, die das Enzymsystem CYP3A4 hemmen (etwa bestimmte Antibiotika wie Erythromycin, bestimmte HIV-Mittel, bestimmte Pilzmittel wie Ketoconazol, die Antidepressiva Nefazodon und Fluoxetin, Valproinsäure sowie Cimetidin und Ranitidin), können Wirkung und Nebenwirkungen verstärken; dann sollte der Blutdruck überwacht und die Dosis falls nötig verringert werden [1, 2]. Nitrendipin kann die Wirkung anderer Blutdrucksenker verstärken und den Digoxin-Spiegel erhöhen [1, 2].
| Zusammen mit | Was passieren kann | Hinweis |
|---|---|---|
| Rifampicin (Mittel gegen Tuberkulose) | Die Wirkung von Nitrendipin wird zu sehr abgeschwächt[1, 2] | Nicht gleichzeitig anwenden (Gegenanzeige) |
| Phenytoin, Phenobarbital und Carbamazepin (Mittel gegen Epilepsie) | Verringerte Wirksamkeit von Nitrendipin[1, 2] | Die Ärztin oder der Arzt passt die Dosis gegebenenfalls an; nach dem Ende dieser Behandlung kann eine erneute Anpassung nötig sein |
| Bestimmte Antibiotika wie Erythromycin (Makrolide; laut Fachinformation nicht Azithromycin) sowie Quinupristin/Dalfopristin | Wirkung und Nebenwirkungen von Nitrendipin können verstärkt werden[1, 2] | Blutdruck überwachen; falls nötig, Dosis von Nitrendipin verringern |
| Bestimmte HIV-Mittel wie Ritonavir und bestimmte Mittel gegen Pilzerkrankungen wie Ketoconazol | Wirkung und Nebenwirkungen von Nitrendipin können verstärkt werden[1, 2] | Blutdruck überwachen; falls nötig, Dosis von Nitrendipin verringern |
| Nefazodon und Fluoxetin (Antidepressiva), Valproinsäure (Mittel gegen Epilepsie), Cimetidin und Ranitidin (Mittel gegen Magen- und Darmgeschwüre) | Wirkung und Nebenwirkungen von Nitrendipin können verstärkt werden[1, 2] | Blutdruck überwachen; falls nötig, Dosis von Nitrendipin verringern |
| Andere blutdrucksenkende Arzneimittel wie Entwässerungsmittel, Betablocker, ACE-Hemmer, Sartane, andere Calciumantagonisten, Alpha-Blocker, Alpha-Methyldopa sowie PDE-5-Hemmer (Mittel gegen Erektionsstörungen und Lungenhochdruck) | Die blutdrucksenkende Wirkung kann verstärkt werden[1, 2] | Ärztin oder Arzt informieren |
| Digoxin (Herzglykosid) | Die Digoxin-Konzentration im Blut kann steigen[1, 2] | Auf Zeichen einer Digoxin-Überdosierung achten; die Ärztin oder der Arzt verringert gegebenenfalls die Digoxin-Dosis |
| Muskelrelaxanzien wie Pankuronium (bei Narkosen) | Wirkung kann stärker sein und länger anhalten[1, 2] | Vor einer Narkose informieren |
| Grapefruit und Grapefruitsaft | Die blutdrucksenkende Wirkung kann verstärkt werden; der Effekt hält mindestens 3 Tage nach dem letzten Grapefruitsaft an[1, 2] | Im zeitlichen Zusammenhang mit der Behandlung Grapefruit und Grapefruitsaft meiden; die Tabletten nicht mit Grapefruitsaft einnehmen |
Die Liste nennt die wichtigsten Wechselwirkungen aus der Produktinformation, nicht alle. Welche Mittel Sie zusammen einnehmen können, klären Sie am besten mit Ihrer Apotheke, auch bei rezeptfreien und pflanzlichen Mitteln.
Wer Nitrendipin nicht oder nur mit Vorsicht nehmen sollte
Trifft einer der folgenden Punkte auf Sie zu, sprechen Sie vor der Einnahme mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke [1]. Bei einer nicht ausreichend behandelten Herzschwäche ist eine besonders sorgfältige ärztliche Überwachung erforderlich; bei schwerer Leberfunktionsstörung kann der Abbau verzögert sein, sodass die Dosis verringert werden muss [1, 2].
Nicht einnehmen bei
Besondere Vorsicht bei
- Nicht ausreichend behandelte Herzmuskelschwäche (dekompensierte Herzinsuffizienz): besonders sorgfältige ärztliche Überwachung nötig[1, 2]
- Schwere Leberfunktionsstörung: Der Abbau kann verzögert, die Wirkung verstärkt oder verlängert sein; die Dosis muss verringert und der Blutdruck häufig kontrolliert werden[1, 2]
- Angina pectoris: Vor allem zu Beginn der Behandlung können Anfälle auftreten oder häufiger, länger und schwerer werden[1, 2]
- Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren: Es liegen keine ausreichenden Erfahrungen vor[1, 2]
- Kinderwunsch bei künstlicher Befruchtung: In Einzelfällen wurde eine Beeinträchtigung der Spermienfunktion mit verwandten Wirkstoffen (Calciumantagonisten) in Verbindung gebracht; bleiben wiederholte künstliche Befruchtungen ohne andere Erklärung erfolglos, sollte eine Behandlung des Mannes mit Nitrendipin als mögliche Ursache in Betracht gezogen werden[1, 2]
- Unverträglichkeit gegenüber bestimmten Zuckern: Die Tabletten enthalten Lactose[1, 2]
Alkohol, Autofahren, Schwangerschaft
Die Karten fassen zusammen, was Packungsbeilage, Fachinformation und das Beratungszentrum Embryotox der Charité zu Alltag, Schwangerschaft und Stillzeit sagen [1, 2, 3]. Die Angaben weichen in der Schwangerschaft voneinander ab: Packungsbeilage und Fachinformation schließen die Einnahme aus, Embryotox ordnet Nitrendipin als Mittel ein, zu dem es widersprüchliche oder noch unzureichende Studienergebnisse gibt, und rät, bei der Planung einer Behandlung oder einer Schwangerschaft wenn möglich besser untersuchte Blutdrucksenker zu bevorzugen [1, 2, 3]. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Mehr dazu im Ratgeber Medikamente in der Schwangerschaft.
Schwangerschaft
Während der Schwangerschaft dürfen Sie Nitrendipin nicht einnehmen: Tierversuche haben Hinweise auf Fruchtschädigungen (Fehlbildungen) ergeben, ausreichende Erfahrungen beim Menschen liegen nicht vor.[1, 2]
Embryotox schätzt den Erfahrungsumfang als gering ein. In einer Studie mit 299 Schwangerschaften mit Calciumantagonisten im ersten Drittel, davon 14 mit Nitrendipin, konnte im Vergleich zu einer Kontrollgruppe kein erhöhtes Fehlbildungsrisiko nachgewiesen werden. Bei der Planung einer Behandlung oder einer Schwangerschaft unter Behandlung sollten laut Embryotox wenn möglich besser untersuchte Blutdrucksenker bevorzugt werden; nach Einnahme im ersten Schwangerschaftsdrittel sollte eine weiterführende Ultraschalluntersuchung angeboten werden. Besser geeignete Alternativen zur Behandlung des Bluthochdrucks sind laut Embryotox Alpha-Methyldopa oder Metoprolol, insbesondere im zweiten und dritten Schwangerschaftsdrittel auch Nifedipin. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.[3]
Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.
Stillzeit
Nitrendipin geht in geringen Mengen in die Muttermilch über. Weil keine Erfahrungen zu möglichen Auswirkungen auf den Säugling vorliegen, müssen Sie abstillen, wenn eine Behandlung in der Stillzeit notwendig ist.[1, 2]
Laut Embryotox wurden bisher keine negativen Auswirkungen auf gestillte Kinder berichtet; wegen der längeren Halbwertszeit ist eine Anreicherung beim Säugling aber nicht ausgeschlossen. Als in der Stillzeit besser untersuchte Alternative nennt Embryotox Nifedipin. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.[3]
Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.
Alkohol
Zusammen mit Alkohol kann das Reaktionsvermögen verstärkt beeinträchtigt sein, zum Beispiel im Straßenverkehr.[1, 2]
Autofahren und Maschinen
Die Behandlung erfordert regelmäßige ärztliche Kontrollen. Durch individuell unterschiedliche Reaktionen kann das Reaktionsvermögen so verändert sein, dass die Teilnahme am Straßenverkehr, das Bedienen von Maschinen oder das Arbeiten ohne sicheren Halt beeinträchtigt ist, verstärkt zu Beginn der Behandlung, bei einer Dosiserhöhung, beim Präparatewechsel und zusammen mit Alkohol.[1, 2]
Einnahme
Die Tabletten nach der Mahlzeit unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit einnehmen, vorzugsweise einem Glas Trinkwasser, nicht mit Grapefruitsaft; für die Tabletten mit 20 mg nennt die Packungsbeilage dafür den Morgen. Die Tablette mit 20 mg kann in gleiche Dosen geteilt werden. Weil der Wirkstoff lichtempfindlich ist, die Tabletten erst unmittelbar vor der Einnahme aus Umkarton und Blister nehmen.[1, 2]
Einnahme vergessen: nicht die doppelte Menge nehmen, sondern mit der verordneten Dosis fortfahren.[1]
Absetzen
Bluthochdruck erfordert in der Regel eine Langzeitbehandlung; über die Dauer entscheidet die Ärztin oder der Arzt. Sprechen Sie in jedem Fall mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, bevor Sie die Behandlung, etwa wegen Nebenwirkungen, unterbrechen oder vorzeitig beenden.[1]
Überdosierung
Bei einer akuten Überdosierung ist verstärkt mit Gesichtsrötung (Flush), Kopfschmerzen, Blutdruckabfall mit Kreislaufkollaps sowie verlangsamtem oder beschleunigtem Herzschlag zu rechnen. Verständigen Sie bei Verdacht sofort eine Ärztin oder einen Arzt.[1, 2]
Dosierung laut Packungsbeilage und Fachinformation
Die Packungsbeilage nennt eine übliche Dosis für Erwachsene mit einer Höchstdosis und eine niedrigere Anfangsdosis bei Leberfunktionsstörung; die Fachinformation ergänzt die Angabe zur eingeschränkten Nierenfunktion [1, 2]. Die Übersicht gibt diese Angaben wieder und ersetzt nicht die Verordnung. Welche Dosis für Sie richtig ist, legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest [1].
Einnahme und Absetzen
Nehmen Sie Nitrendipin immer genau nach Absprache mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke ein [1]. Die Tabletten werden nach der Mahlzeit unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit eingenommen, vorzugsweise mit einem Glas Trinkwasser, und nicht mit Grapefruitsaft; für die Tabletten mit 20 mg nennt die Packungsbeilage dafür den Morgen [1, 2]. Der Wirkstoff ist lichtempfindlich und wird durch die Blisterfolie geschützt; nehmen Sie die Tabletten deshalb erst unmittelbar vor der Einnahme aus Umkarton und Blister [1, 2]. Nehmen Sie andere Arzneimittel ein, die das Enzymsystem CYP3A4 hemmen oder verstärken, kann eine Anpassung der Dosis nötig sein oder Nitrendipin gegebenenfalls nicht infrage kommen [1, 2].
Sprechen Sie in jedem Fall mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, bevor Sie die Behandlung unterbrechen oder vorzeitig beenden [1]. Allgemeine Hinweise gibt der Ratgeber Medikamente absetzen.
Präparate mit Nitrendipin
Nitrendipin-ratiopharm gibt es als Tabletten mit 10 oder 20 mg. Grundlage dieser Seite sind die Packungsbeilage von Nitrendipin-ratiopharm 20 mg Tabletten und die Fachinformation von Nitrendipin-ratiopharm 10 mg/20 mg Tabletten [1, 2].
| Präparat | Anbieter | Hinweis |
|---|---|---|
| Nitrendipin-ratiopharm | ratiopharm GmbH | verschreibungspflichtig; Tabletten mit 10 oder 20 mg; Grundlage dieser Seite |
| Nitrendipin AbZ | AbZ-Pharma GmbH | verschreibungspflichtig; Tabletten mit 10 oder 20 mg |
Auswahl ohne Wertung. Präparate mit demselben Wirkstoff können sich in Stärke, Hilfsstoffen und zugelassenen Anwendungsgebieten unterscheiden. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.
Quellen
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Nitrendipin-ratiopharm 20 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 10/2020. abgerufen am 11.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Nitrendipin-ratiopharm 10 mg/20 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 10/2020. abgerufen am 11.10.2026
- Embryotox Embryotox: Nitrendipin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 11.10.2026
Häufige Fragen
Welche Nebenwirkungen hat Nitrendipin?
Häufig, also bei bis zu 1 von 10 Behandelten, treten Angstzustände, Kopfschmerzen, Herzklopfen, Wassereinlagerungen, eine Erweiterung der Blutgefäße mit Gesichts- oder Hautrötung, Blähungen und Unwohlsein auf. Laut Fachinformation liegen außer Ödemen (6,2 %), Kopfschmerzen (4,7 %) und Gefäßerweiterung (3,0 %) alle häufigen Nebenwirkungen unter 3 %. Gelegentlich kommen unter anderem Schwindel, Müdigkeit, Magen-Darm-Beschwerden, ein zu niedriger Blutdruck und allergische Reaktionen vor.
Kann Nitrendipin Wassereinlagerungen (Ödeme) verursachen?
Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe (Ödeme) gehören zu den häufigen Nebenwirkungen; laut Fachinformation traten sie in Studien bei 6,2 % der Behandelten auf. Mit Ausnahme von Schwächegefühl und Angstzuständen gehen die häufigen Nebenwirkungen laut Fachinformation auf den Wirkmechanismus von Nitrendipin zurück. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wenn Sie Schwellungen bemerken.
Darf ich Grapefruitsaft trinken, wenn ich Nitrendipin nehme?
Nein. Grapefruitsaft kann die blutdrucksenkende Wirkung von Nitrendipin verstärken, und dieser Effekt hält mindestens 3 Tage nach dem letzten Grapefruitsaft an. Im zeitlichen Zusammenhang mit der Behandlung sollten Sie Grapefruit und Grapefruitsaft deshalb meiden; die Tabletten dürfen nicht mit Grapefruitsaft eingenommen werden.
Darf ich während der Einnahme von Nitrendipin Alkohol trinken?
Laut Packungsbeilage kann das Reaktionsvermögen so verändert sein, dass die Teilnahme am Straßenverkehr, das Bedienen von Maschinen oder das Arbeiten ohne sicheren Halt beeinträchtigt ist; im Zusammenwirken mit Alkohol gilt das verstärkt. Ob und wie viel Alkohol für Sie infrage kommt, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Wann nehme ich Nitrendipin ein?
Laut Packungsbeilage nach der Mahlzeit, unzerkaut und mit ausreichend Flüssigkeit, am besten einem Glas Trinkwasser; für die Tabletten mit 20 mg nennt sie dafür den Morgen. Weil der Wirkstoff lichtempfindlich ist, nehmen Sie die Tablette erst unmittelbar vor der Einnahme aus der Blisterpackung. Die Dosis legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest.
Darf ich Nitrendipin in der Schwangerschaft oder Stillzeit nehmen?
Laut Packungsbeilage und Fachinformation nicht: In Tierversuchen gab es Hinweise auf Fruchtschädigungen, und ausreichende Erfahrungen beim Menschen fehlen; ist in der Stillzeit eine Behandlung nötig, muss abgestillt werden. Embryotox schätzt den Erfahrungsumfang als gering ein und empfiehlt, bei der Planung einer Behandlung oder einer Schwangerschaft wenn möglich besser untersuchte Blutdrucksenker zu bevorzugen. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Möchten Sie schwanger werden, besprechen Sie das ebenfalls mit ihr oder ihm.
Kann Nitrendipin Herzschmerzen auslösen?
Gelegentlich, vor allem zu Beginn der Behandlung, können Schmerzen im Brustkorb und Angina-pectoris-Anfälle auftreten; bei bestehender Angina pectoris können die Anfälle häufiger, länger und schwerer werden. Vereinzelt wurde ein Herzinfarkt beschrieben. Bei instabiler Angina pectoris und in den ersten 4 Wochen nach einem Herzinfarkt darf Nitrendipin nicht eingenommen werden. Bemerken Sie solche Beschwerden, wenden Sie sich an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
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